, ,

Gaza: Nirgendwo ist man sicher – und nirgendwo kann man hin

Ausgabe 343

Gaza
Foto: UNRWA

Gaza: Seit der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten am 1. Dezember sind Berichten zufolge 700 Palästinenser getötet worden.

Genf (IPS). Der siebentägige Waffenstillstand brachte eine Atempause; die Geiseln wurden mit ihren Familien zusammengeführt, und dringend benötigte Hilfsgüter gelangten nach Gaza. Wir brauchen mehr davon: die Freilassung aller Entführten und deutlich größere Hilfe und Schutz für die Zivilbevölkerung. Von Lynn Hastings

Doch seit der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten im Gazastreifen am 1. Dezember sind Berichten zufolge 700 Palästinenser getötet worden, zusätzlich zu den bereits 15 500 Toten. Die israelischen Militäroperationen haben sich auf den Süden ausgeweitet und zwingen Zehntausende von Menschen, die verzweifelt nach Nahrung, Wasser, Unterkünften und Sicherheit suchen, auf immer engerem Raum.

Foto: UNRWA/Ashraf Amra

Gaza: Nirgendwo ist es sicher

Die Voraussetzungen zur Bereitstellung von Hilfsgütern für die Menschen in dem Gebiet sind nicht gegeben. Insofern das überhaupt denkbar ist, wird sich ein höllischeres Szenario entfalten, in dem humanitäre Maßnahmen unter Umständen nicht mehr möglich sind.

Was wir heute sehen, sind Notunterkünfte ohne Aufnahmefähigkeiten, ein Gesundheitssystem, das auf den Knien liegt, nirgends sauberes Trinkwasser, keine angemessenen sanitären Einrichtungen und schlechte Ernährung für Menschen, die bereits geistig und körperlich erschöpft sind: ein Lehrbuchrezept für Epidemien und eine Gesundheitskatastrophe.

Die Mengen an Hilfsgütern und Treibstoff, die ins Land gelassen wurden, sind völlig unzureichend. Trotz der enormen Anstrengungen der ägyptischen und palästinensischen Gesellschaften des Roten Halbmonds, der UN-Organisationen und anderer Partner funktioniert die Nutzung des Übergangs von Rafah, der nur für Fußgänger gedacht ist, für die Einfuhr von Lastwagen mit Waren nicht.

Humanitäre Aktionen können nicht am Tropf mit Treibstoff gehalten werden. Er ist die Grundlage für soziale Dienste und unsere Maßnahmen – auch für Krankenhäuser, Entsalzungsanlagen, sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen.

Foto: HRH King Abdallah, X

Der Raum für eine humanitäre Antwort schrumpft

Der Bereich für die karitative Hilfe im Gazastreifen wird immer kleiner. Die beiden wichtigsten Routen – die Küstenstraße und die Salahaddin-Straße – sind für unsere Teams und Lastwagen gesperrt, was die Möglichkeiten, den Menschen zu helfen, wo immer sie sind, einschränkt.

Die UN und die NRO können eine Bevölkerung von 2,2 Millionen Personen nicht allein versorgen. Der kommerzielle und der öffentliche Sektor müssen die Möglichkeit haben, Lieferungen nach Gaza zu bringen, um die Märkte wieder aufzufüllen. Dazu gehören Treibstofflieferungen auf eine Weise, die Israels Sicherheit gewährleistet.

Die Ankündigung, so genannte sichere Zonen und Zeltstädte einzurichten, ohne dass sichergestellt ist, dass sich die Menschen frei bewegen können und dass Hilfe dorthin geliefert werden kann, wo sie benötigt wird, ist alarmierend. Diese Zonen können weder sicher oder humanitär sein, wenn sie einseitig erklärt werden.

Die UN sind bereit, mit allen Parteien zusammenzuarbeiten, um die Zahl der von den Vereinten Nationen verwalteten sicheren Unterkünfte zu erhöhen und Hilfe dort zu leisten, wo sie benötigt wird.

* Lynn Hastings ist die humanitäre Koordinatorin für die besetzten palästinensischen Gebiete.