„Macht Ramadan zu einem Monat der Finsternis“: Israelische Reaktionen auf den Tod von Entführungsopfern

(iz). In gestrigen Morgenstunden des 1. Juli flog Israel mehrere Luftangriffe auf den Gazastreifen. In Hebron zerstörte das israelische Militär die Häuser der Familien von zweier Verdächtiger, die von der Regierung für die Entführung der drei Jugendlichen verantwortlich gemacht werden. Israelische Politiker riefen zeitgleich nach Rache und fordern der Ramadan solle zu einem „Monat der Finsternis“ gemacht werden. Der Weltsicherheitsrat mahnte zur Zurückhaltung.

Die jüngsten Reaktionen wurden durch den Fund der Leichen dreier israelischer Siedler ausgelöst. Die drei Teenager lebten nahe Hebron und galten seit dem 12. Juni als vermisst. Israel behauptet, die Hamas stecke hinter der Entführung. Die Gruppe leugnet dies jedoch. Bei der israelischen Suchaktion nach den vermissten Teenagern, wurden sechs Palästinenser getötet und 500 verhaftet. Dabei sollen laut Medienberichten nur etwa 30 von ihnen etwas mit der Entführung zu tun haben. Ein großer Teil der Verhafteten besteht außerdem aus Austauschgefangenen, die im Jahr 2011 für den israelischen Soldaten Gilad Schalit frei kamen und jetzt wieder einsitzen.

Was die Zerstörung der Häuser von Familien der Verdächtigen angeht, so kündigte Israel erst vor Kurzem eine Wiederaufnahme dieser berüchtigten Methode an. Vor gut einem Jahrzehnt war es für das israelische Militär üblich, Häuser in denen die Familie eines palästinensischen Selbstmordattentäters lebte, zu zerstören. 2005 wurde die Methode offiziell eingestellt, mit der Begründung, es hätte Terroristen doch nicht abgeschreckt. Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem zerstörte Israel in den vier Jahren bis zur Aufhebung die Häuser von 664 Familien als Strafe für die vermutete oder nachgewiesene Beteiligung eines Familienmitglieds an terroristischen Handlungen. Solche kollektiven Bestrafungen gelten als Kriegsverbrechen unter der Vierten Genfer Konvention und wurden dennoch im letzten Monat von Israel wieder angekündigt.

Reaktionen israelischer Politiker
Viele Palästinenser machen sich jedoch auf schlimmeres gefasst, nachdem israelische Politiker „Blut“ für die Ermordung der Teenager fordern.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu nannte die Mörder „menschliche Tiere“ und meinte kurz und bündig: „Hamas ist schuld. Hamas werde bezahlen.“ Der ehemalige israelische Abgeordnete Michael Ben-Ari postete auf seine Facebook-Seite ein Videostatement, indem er forderte, dem „Feind Schmerz zuzufügen“ und „Ramadan zu einem Monat der Finsternis“ zu machen. „Wir leben in einem Dschungel“, sagt er weiter und bezeichnet palästinensische Kinder als „kleine Terroristen“. Darauf rief er für den 2. Juli zu Demonstrationen in Jerusalem – unter der Parole: „Tot den Feinden, Vertreibung und Ausradieren (ihres) Lächelns. Und beginnt mit Haneen Zoabi (einer palästinensischen Abgeordneten der Knesset).“

Der Minister für Wohnungsbau, Uri Ariel, forderte „außergerichtlichen Hinrichtungen“ für Hamas-Führer und eine „Welle von Siedlungen (zu) bauen, als Antwort für die Ermordung der Entführten“. Limor Livnat, Minister für Sport und Kultur, schrieb auf seine Facebook-Seite „Möge Gott ihr Blut rächen“. Wohingegen Tzachi Hanegbi, der ehem. Kabinetsminister der regierenden Likud Partei, sich fragte „ich weiss nicht wie viele Hamas Führer nach dieser Nacht noch leben werden“.

Tzipi Hotovely, ein weiterer Likud Abgeordneter, forderte einen Vernichtungskrieg gegen die Hamas: „Israel muss einen Vernichtungskrieg gegen die Hamas führen, welche schuldig sind am Mord, und zur Eliminierungs-Politik zurückkehren.“ Wirtschaftsminister, Naftali Bennett, Chef der ultra-Rechten „Jüdisches Heim”-Partei, erklärte „Kindermördern und diejenigen, die sie lenken, kann nicht vergeben werden. Es ist Zeit zu handeln, nicht zu reden.“ Landwirtschaftsminister Yair Shamir nahm die Nachricht zum Anlass, um gegen palästinensische Bürger, die in israelischen Städten leben zu hetzen. Ihnen wirft er kollektiv vor, die Entführung zu unterstützen. „Es wird nicht lange dauern, bis die Geschichte mit euch abrechnet“, schrieb er auf Facebook.

Angriffe auf Palästinenser
Diese Rufe nach Blut, Krieg und Vernichtung verschlechtern die Lage der Palästinenser, vor allem, wenn diese in Gebieten leben, die von illegalen Siedlern besetzt werden. Nicht selten gehen Siedler auf eigene Faust gegen arabische einheimische vor. B’Tselem forderte währenddessen von der Regierung, „Racheakte zu unterlassen“ und warnte gestern noch vor „Rache-Attacken von Siedlern“.

Tuisa Hilft - Kurban

Laut Medienberichten, sollen Siedler am 1. Juli aus Rache eine 9-jährige Palästinenserin in Hebron überfahren und einen 16-jährigen in Jeruslam in ein Auto gezerrt und dann gelyncht haben. Im Flüchtlingslager Jalazun starb außerdem ein 20 jähriger Palästinenser, dem von einem israelischen Soldaten in der eigenen Unterkunft in die Brust geschossen wurde.