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Muslime weisen Gewalt und antisemitische Parolen zurück

Ausgabe 312

Foto: Omer Messinger/ZUMA Draht/Alamy Live News

(iz/Agenturen). Mit Beunruhigung haben muslimische ­Organisationen auf die erneute Eskalation des Nahostkonfliktes reagiert. Man sei „tief besorgt über die eskalierende Gewalt“, die sich in Jerusalem entzündet und die – bis zur jüngsten Waffenruhe – auf Gaza ausgeweitet worden sei. Man verurteile die Eskalation „auf das Schärfste“ und fordere alle Seiten zum Ende von Gewalt auf, erklärte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am 12. Mai. Der Verlierer des erneuten Konflikts seien ­unschuldige Zivilisten.

Der Einschätzung schloss sich die Schura Hamburg am 15. Mai an. „Nach Jahrzehnten des Konfliktes muss allen deutlich werden, dass es keine Alternative zu einer Lösung gibt, die auf dem Völkerrecht, der gegenseitigen Anerkennung der Grundrechte und dem friedlichen Zusammenleben beruht.“ Jeru­salem dürfe nicht weiter „ein Brandherd“ sein, sondern „Ort des Dialogs und des ­Zusammenhalts“.

„Mit dem offenen Brief haben wir alle politisch Verantwortlichen dazu aufgefordert, endlich tätig zu werden und zielorientierte Friedensgespräche zu führen.“, so Fatih Yildiz, stellvertretender Vorsitzender des Zusammenschlusses. Mit großem Bedauern stelle man fest, dass die Eskalation auch Auswirkungen auf das Miteinander in Deutschland habe.

Zuvor war es am 12. Mai zu Hassausbrüchen bei Demonstrationen vor deutschen Synagogen gekommen. Mehrheitlich jugendliche Muslime griffen jüdische Einrichtungen an. Dabei wurden auch antisemitische Slogans gebrüllt. Neben der Verbrennung von Israelflaggen wurden in Mannheim Steine geworfen. Am 15. Mai sagten Vertreter der Or­thodoxen Rabbinerkonferenz, „die hier in Deutschland und Europa lebenden Juden sind für die Kritik am Staat Israel nun wirklich die letzte Adresse“. Sie seien vor allem Bürger*innen eines europäischen Staates, „und das in vielen Fällen schon seit Jahrhunderten“.

„Wir verurteilen aufs Schärfste Angriffe auf Synagogen oder Drohbriefe an jüdische ­Gemeinden. Das friedliche Miteinander der Religionen spielt für uns eine besondere Rolle und hat eine lange Tradition in Hamburg“, erklärte Özlem Nas, Frauenbeauftragte der Schura Hamburg. Gemeinsam mit dem Landesrabbiner teile man sich den stellvertretenden Vorsitz des Interreligiösen Forums in Hamburg, „wobei das respektvolle Miteinander eine zentrale Rolle spielt“. Man sei gemeinsam gegen jede Form von Gewalt und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Andere muslimische Vertreter wiesen verbale oder physische Gewalt sowie antisemitische Vorurteile ebenfalls eindeutig zurück. „Wer unter dem Vorwand von Kritik an Israel ­Synagogen und Juden angreift, hat jedes Recht auf Solidarität verwirkt“, sagte Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime (ZMD) der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Wer Rassismus beklage, selbst aber antise­mitischen Hass verbreite, verliere jegliche Glaubwürdigkeit und müsse mit entschiedenem Widerstand rechnen.

Der hessische Landesgeschäftsführer des ­Moscheeverbandes DİTİB, Onur Akdeniz, sagte der Zeitung, er beobachte „mit großer Besorgnis“, wie der palästinensisch-israelische Konflikt „missbraucht wird, um das emotionale Empfinden der muslimischen Gläubigen in Deutschland zu instrumentalisieren“. Dass die „vermeintlichen Proteste“ in Düsseldorf, Münster, Bonn und Gelsenkirchen „antisemitische und demokratiefeindliche“ Züge ­angenommen hätten, sehe man mit „großem Entsetzen“.

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