Beschleunigt Identitätspolitik die Standardisierung der Welt?
Mitte der 1990er Jahre, ich war Student an einer deutschen Hochschule, konnten meine Kommilitonen und ich jenen Aufstieg der Identitätspolitik beobachten, der heute-rund ein Vierteljahrhundert später, die öffentliche Debattenkultur erschüttert und prägt. Das galt natürlich vorwiegend für uns Studenten der sozialwissenschaftlichen Fakultäten, die so etwas wie einen fruchtbaren Boden darstellte, für die aus den USA […]
03.06.2021 .Redaktion 3 Min. Lesezeit
Der US-Politologe Francis Fukuyama sieht durch Identitätspolitik eine Dynamik, die ÂGesellschaft in immer kleinere Gruppen spaltet. (Foto: Fronteiras do Pensamento | Greg Salibian | Lizenz: <a href=https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/>CC BY-SA 2.0</a>)
Mitte der 1990er Jahre, ich war Student an einer deutschen Hochschule, konnten meine Kommilitonen und ich jenen Aufstieg der Identitätspolitik beobachten, der heute-rund ein Vierteljahrhundert später, die öffentliche Debattenkultur erschüttert und prägt. Das galt natürlich vorwiegend für uns Studenten der sozialwissenschaftlichen Fakultäten, die so etwas wie einen fruchtbaren Boden darstellte, für die aus den USA re-importierten und bis zur ÂUnkenntlichkeit modifizierten Thesen der Frankfurter Schule. Von Arkadi Shtaev
(iz). Das, was heute in linksliberalen Milieus als Zeitgeist vertreten wird, nahm damals Âseinen Anfang in den Hörsälen und Seminarräumen der westlichen Hochschulen und verbreitete sich in den relevanten gesellschaftlichen Bereichen, im Bildungssektor und vor allem in den Medien, also in der akademisch-publizistischen Kunstlandschaft, von wo es in die Sphären der Politik gelangte und zum heutigen Dogma mutierte. Der Zusammenbruch der realsozialistischen Systeme in Mittel- und Osteuropa, hatte nicht die Sehnsucht nach Utopien begraben, sondern neu definiert.
Einige Jahre zuvor tingelte der französische Philosoph Jacques Derrida durch die US-Universitäten von Küste zu Küste. Derrida, Vertreter der Dekonstruktion, fand ein ÂPublikum vor, welches seine Theorien wie ein Lauffeuer verbreiteten.
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