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Ein Rückblick auf den Ramadan in Zeiten der Krise

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Der vergangene Ramadan war nicht nur ein spirituelles Ereignis, vielmehr stand er unter dem Schatten des Feuers, das in den vergangenen Monaten am Golf aufflammte, als Raketen und Drohnen zentrale Öl- und Gasanlagen trafen und in Brand setzten.

(iz). Zwischen Explosionen von Energieinfrastruktur, zeitweiligen Produktionsstopps und der lähmenden Dauerpräsenz von Kriegsbildern erlebten viele Gläubige einen Monat des Fastens, der zugleich Rückzug und Besinnung bedeutete. Denn gerade im Moment, in dem das Äußere unruhig wird, verdichtet sich die innere Erfahrung zu etwas Einfachem und Wesentlichem: dem Loslassen des eigenen Willens.

Wer fastet, erfährt das Fließende der Identität: Hunger und Durst lösen jene starre Vorstellung des Selbst auf, die sonst das Zentrum unserer Wahrnehmung bildet. Mit dem Verzicht entsteht kein Mangel, sondern eine andere Form von Gegenwart – das, was der Soziologe Hartmut Rosa die „Unverfügbarkeit des Weltbezugs“ nennt. Man kann die Erfahrung nicht erzwingen, sie bleibt Gabe.

ramadan übung

Foto: PlanetZ/Adobe Stock

Dieses Nichtwollen, das sich im Verzicht formt, schafft Raum für Hoffnung: auf ein gutes Schicksal für uns selbst und andere. Und darin öffnet sich die Nähe zum Wort der Offenbarung, das den Menschen nicht als Herren, sondern als Hörenden begreift. So zeigt sich, dass der Islam keine Ideologie, keine Weltanschauung im säkularen Sinn ist, sondern eine fortwährende Übung im Hören und Erkennen – eine spirituelle Anthropologie.

Ramadan ist keine Flucht aus der Welt. Das Fasten, das Gebet und der nächtliche Dialog mit dem eigenen Gewissen sind keine asketischen Praktiken zur Abschottung, sondern Formen der Resonanz.

Im Zustand des Gebetes entstehen Mitgefühl und Bewusstsein für das Elend anderer; insbesondere für diejenigen, die in den brennenden Zonen rund um die angegriffenen Städte und Energieanlagen leben und deren Lebensgrundlagen – Arbeit, Wasser, Luft – in Mitleidenschaft gezogen werden.

Viele Muslime erinnerten in diesem Monat an die Namen der Kriegsopfer. Sie taten es nicht, um zu politisieren, sondern um ein Zeichen zu setzen. Innen und außen geraten in Balance: das Innerliche dient als sensorische Verfeinerung des Blicks in die Welt.

Aus diesem Ramadan ergibt sich eine doppelte Lehre. Zum einen müssen wir unsere Erkenntnisverfahren überdenken – in einer Zeit, in der Bilder dominieren und Worte schwinden. Zum anderen verlangt das Politische eine neue Form des Denkens, die Identität nicht als Abgrenzung, sondern Identität als Durchlässigkeit vorstellt.

Und schließlich zwingen uns die zivilen Opfer, die Angriffe auf Energieinfrastruktur, die massiven Brände und die ökologischen Folgeschäden zu einer unbequemen Frage: Wie lässt sich politisch handeln, ohne in eine Logik abzurutschen, in welcher „der Zweck alle Mittel heiligt“?

Es war in diesem Monat leichter, auf Essen und Trinken zu verzichten, als das Handy aus der Hand zu legen. Jeden Abend fluteten neue Bilder aus der Golfregion durch die Feeds: Angriffe auf Israel, Feuerbälle über Öl- Terminals, zerstörte Anlagen in Saudi-Arabien, den Emiraten, Katar; die Medien versorgten uns mit Karten, Pfeildiagrammen und Expertenpanels. Die Wucht dieser Bilder lähmt mehr, als sie aufrüttelt.

Susan Sontag schrieb in „Über Fotografie“, dass Bilder zwar das Gewissen anstacheln, aber selten ethische Erkenntnis hervorrufen. „Fotos, die von sich aus nichts erklären können,“ schreibt sie, „fordern unwiderstehlich zu Deduktion, Spekulation und Phantastereien auf“. Der entscheidende Punkt: Ohne ein politisches Bewusstsein führen Bilder ins moralische Nichts. Heute, da jede Ideologie ihre eigene Bildwelt erschafft, gilt dies mehr denn je.

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Foto: cendhika/Adobe Stock

Fotos, einst Ersatz für Lesen, sind vielfach zum Ersatz für Denken geworden. Jede Bewegung, jede Nation bastelt aus Millionen von Motiven ihr eigenes Puzzle der Wahrheit. Das Resultat: eine überreizte Wahrnehmung, die innerlich abstumpft.

Der Ausweg führt nicht über visuelle Askese, sondern über Sprache – über Worte, die Bedeutung freilegen, statt bloß zu beeindrucken. Unser Anspruch muss sein, inhaltlich Beiträge zu schaffen, die nicht nur schockieren wollen, sondern Bedeutung vermitteln und uns verstehen lehren.

Als Gläubige wissen wir: Rituale verändern uns. Doch in einer Zeit, in der Religion als politisches Symbol missbraucht wird, droht diese Kraft sich zu verkehren. Identitätspolitik definiert, „wer wir sind“, über Abgrenzung und Konflikt, nicht über Glauben.

Dagegen lässt sich der Ramadan als transversale Praxis verstehen – nicht als Manifestation einer Gruppe, sondern als Übung, das Eigene zu relativieren und den anderen einzubeziehen. Der Verzicht öffnet den Blick, um im Nächsten nicht die Differenz, sondern das Gemeinsame zu erkennen.

Byung-Chul Han hat in seinem neuen Buch „Ohne Respekt. Eine soziale Krise“ (2026) eine scharfe Diagnose gestellt: Meinung darf nicht Identität werden; Respekt setzt Distanz voraus. „Wer sich zu einer Meinung als Identität bekennt“, lautet sein programmatischer Gedanke, „verliert die diskursive Freiheit, die Distanz zur eigenen Meinung voraussetzt“.

Diese Einsicht trifft das Herz unserer gegenwärtigen Krise. Wenn politische Ansichten zu Selbstausdrücken werden, verschwindet die Bereitschaft zum Dialog. Die religiöse Praxis – vom Gebet bis zur Fastenzeit – erlangt hier eine ungeahnte, andere politische Bedeutung: Sie lehrt uns, Distanz zu uns selbst zu wahren. Han fasst die Argumentation wie folgt zusammen: „Das Politische beginnt nicht mit der Feinderklärung, sondern mit dem Respekt als Aufmerksamkeit für den anderen. Fehlender Respekt führt zum Verfall des Politischen.“

Nikolaus von Kues sprach einst von der „Einheit in der Vielfalt“; der Fähigkeit, Differenzen zu denken, ohne sie zu verabsolutieren. In diesem Sinn bewahrt Religion ihre kritische Kraft gerade dann, wenn sie Macht, Nation und Ideologie gegenüber skeptisch bleibt. Für Muslime heißt das: Politik darf nicht zum festen Bestandteil des eigenen Ichs werden, sonst verliert man die Freiheit zur Prüfung, eine Fähigkeit, die jede Dogmatik übersteigt. 

Gerade die aktuelle Golfkrise stellt uns vor eine doppelte Herausforderung. Einerseits sehen wir, wie Konfliktparteien Energieanlagen, Häfen, Exportterminals zu strategischen Zielen machen und damit nicht nur militärische, sondern zivile Lebensadern treffen – mit langfristigen Folgen für Versorgung, Umwelt und globale Stabilität.

Andererseits wissen wir, dass kein Krieg – weder der Angriffskrieg noch der Verteidigungskrieg – sich auf einen moralischen Blankoscheck berufen darf, in dem der Zweck alle Mittel heiligt. Weder Religion noch Recht können der Maxime zustimmen, dass jedes Mittel erlaubt sei, wenn das Ziel nur hoch genug erscheint.

Aus islamischer, christlicher und säkular-rechtlicher Perspektive gilt: Es gibt Tabus, die nicht überschritten werden dürfen – die bewusste Tötung von Zivilisten, der Angriff auf elementare Lebensgrundlagen, die mutwillige Zerstörung der Umwelt, der Einsatz von Waffen, deren Wirkung sich nicht auf Kombattanten begrenzen lässt.

Das humanitäre Völkerrecht ist, bei all seinen Defiziten, der Versuch, diese Einsicht in Normen zu fassen; es verbietet etwa unterschiedslose Angriffe und verpflichtet zur Schonung von Zivilpersonen und kritischer Infrastruktur, soweit militärisch verantwortbar. Ohne diese Bindung verlieren wir die Fähigkeit Krieg und Frieden zu unterscheiden.

Gleichzeitig wäre es weltfremd, die Frage zu verdrängen, wie man auf Regime reagiert, die offen nach Langstreckenwaffen und Atomwaffen streben und ihre Nachbarschaft bedrohen. Wer nur auf ein abstraktes Ideal der Reinheit verweist, ohne die Sicherheitsinteressen der bedrohten Gesellschaften ernst zu nehmen, riskiert eine Hypermoral, die im Ernstfall handlungsunfähig macht.

Die schwierige Aufgabe politischer Ethik besteht darin, zwei Sätze gleichzeitig wahr sein zu lassen: Erstens, dass es absolute Grenzen der Mittel gibt, die auch im Namen der Selbstverteidigung nicht überschritten werden dürfen; zweitens, dass Untätigkeit gegenüber einem Regime, das nach Vernichtungswaffen strebt, selbst moralisch fragwürdig sein kann. 

Eine verantwortliche politische Theologie wird daher fragen: Welche Formen der Abschreckung, der Diplomatie, der Sanktionen, der begrenzten militärischen Intervention sind mit diesen Tabus vereinbar – und wo beginnt die Grenzüberschreitung, in der wir das, was wir schützen wollen, selbst untergraben?

Sie wird weder den Präventivkrieg leichtfertig legitimieren noch sich in einem moralischen Rigorismus einrichten, der reale Gefahren ignoriert. Zwischen Zynismus („alles ist erlaubt“) und Hypermoral („handeln ist immer schuldhaft“) entsteht ein schmaler Korridor verantwortlicher Politik.

Europa ist der Raum, in dem wir frei reden, denken und zweifeln dürfen. Diese Freiheit ist kein Gegensatz zur Religiosität, sondern ihr Komplement: Nur, wer frei ist, kann auch wahrhaft glauben. Religion kann – und muss – ein Korrektiv politischer Meinung sein, indem sie auch die eigenen Handlungen kritisch befragt. Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Prinzipien wie das Völkerrecht nicht selektiv angewendet, sondern universell gelten – auf „uns“ ebenso wie auf „die anderen“.

Papst

Screenshot: Vatican News

Der Papst erinnerte jüngst daran, wie dünn die Linie zwischen Information und Propaganda geworden ist. In einer Botschaft an Journalistinnen und Journalisten mahnte Leo XIV. am 16. März 2026, die Medien müssten in Kriegszeiten besonders wachsam gegenüber der Gefahr sein, zum „Megafon der Macht“ zu werden, und hätten die Pflicht, Leid sichtbar zu machen und den Krieg „durch die Augen der Opfer“ zu erzählen.

Diese Worte enthalten eine einfache Wahrheit: Je weniger ein Krieg sich moralisch rechtfertigen lässt, desto stärker der Drang, ihn religiös oder schicksalhaft zu überhöhen. Eine verantwortliche politische Theologie aber erkennt: Gott ist nicht verfügbar als Legitimationsquelle für sinnlose Gewalt.

Je weniger Krieg sich moralisch und rechtlich rechtfertigen lässt, desto größer die Versuchung, ihn in einen quasitranszendenten Rahmen zu heben, in dem das Unvertretbare als notwendig, schicksalhaft oder heilig erscheint. Eine Religion, die ihre eigene Botschaft ernst nimmt, wird hier widersprechen: Sie besteht auf der Begrenztheit jeder Macht und auf der Unverfügbarkeit Gottes für Kriegspropaganda.

Genau darin liegt auch ein europäischer Standortvorteil: In offenen Gesellschaften können religiöse Stimmen, rechtliche Argumente und philosophische Kritik zusammenwirken, um diese Verklärungen zu entlarven – auch dann, wenn sie aus dem eigenen Feld kommen.

Ramadan hat uns gelehrt, was Verzicht bedeutet – nicht nur auf alltägliche Speisen, sondern auf gewohnte Gewissheiten. Er hat gezeigt, dass Erkenntnis aus Unterbrechung erwächst, nicht aus dem Aufenthalt im Dauerrauschen der Medien. Inmitten der Bilderflut brauchen wir wieder Worte, die verbinden, statt zu spalten. Und im politischen Diskurs brauchen wir Formen der Distanz, die uns ermöglichen, zuzuhören, ohne uns selbst zu verlieren.

Die Golfkrise zwingt uns, die Frage nach legitimen Mitteln im Konflikt neu zu stellen: Weder religiös noch rechtlich dürfen wir eine Politik akzeptieren, die behauptet, „der Zweck heilige alle Mittel“, aber wir dürfen uns auch nicht in eine Moral flüchten, die jede verantwortliche Reaktion auf reale Bedrohungen blockiert.

Zwischen beiden Extremen könnte ein neues, vom Geist des Ramadan geprägtes Politisches entstehen: kritisch, selbstreflexiv – und dennoch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht beginnt genau hier die Wiedergewinnung des Politischen – jenseits von Meinungskult und Identitätskampf –, als eine Praxis des Hörens, des Maßhaltens und des Hoffens.

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Ein völkerrechtswidriger Krieg ohne klaren Ausgang

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Die USA und Israel haben am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran begonnen, dessen Ausgang und Folgen noch nicht abzusehen sind.

(iz). Der ansonsten eher zurückhaltend auftretende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trat am 24. März anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Auswärtigen Amtes ungewohnt undiplomatisch auf.

Er bezeichnete den von den USA und Israel begonnenen Irankrieg als „Völkerrechtsbruch“. Dieser Krieg sei für ihn völkerrechtswidrig, daran gebe es wenig Zweifel. Darüber hinaus bezeichnete er ihn als „politisch verhängnisvollen Fehler“. Er sei vermeidbar und unnötig gewesen.

Foto: US-DoD/gemeinfrei

Die bisher als „präventiv“ und „begrenzt“ präsentierte Aggression gegen Teheran hat sich innerhalb eines Monats zu einem offenen Regionalkrieg entwickelt, der sich nach wie vor einer klaren Prämisse entzieht, jedoch einer fatalen Logik der Eskalation folgt.

Dazu passt, dass der US-Präsident seit Beginn der Angriffe am 28. Februar wiederholt von unterschiedlichen Absichten, der Dauer des Konflikts und einem Endszenario sprach.

Mal war der Krieg fast entschieden, in anderen Momenten sollte er noch mehrere Wochen anhalten. So widerrief er am Morgen des 23. März ein für diesen Tag angekündigtes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus.

Am 28. Februar 2026 begannen koordinierte Luft- und Raketenangriffe auf iranische Führungseinrichtungen, Kommandozentralen, die Luftabwehr sowie Nuklearanlagen. Bei den ersten Schlägen wurde Revolutionsführer Ali Khamenei getötet, viele Spitzenfunktionäre kamen ums Leben.

Die von Washington als „Epic Fury“ bezeichnete Operation begann, obwohl die indirekten Nuklearverhandlungen unter omanischer Vermittlung offiziell noch nicht gescheitert waren. Bereits am ersten Tag wurde dabei eine iranische Schule getroffen, bei der nach dortigen Angaben bis zu 180 Schülerinnen ums Leben kamen.

In den ersten Stunden antwortete der Iran mit massiven Salven auf Israel, US-Basen in der Region sowie auf Ziele in Nachbarstaaten. Ein Teil der Angriffe wurde abgefangen, es gab jedoch Tote, Verletzte und erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Schnell weitete sich das Schlachtfeld aus.

Während Tel Aviv und Washington weitere Wellen gegen Raketenstellungen, Marineeinheiten im Golf und dortige Einrichtungen flogen, nahm Teheran gezielt Städte in Israel, Luftwaffenstützpunkte und logistische Knotenpunkte in der Region ins Visier.

Foto: Dan Scavino | Lizenz: gemeinfrei

Innerhalb einer Woche waren mehr als ein Dutzend Staaten betroffen, so durch Überflüge, Raketenabbrüche, Cyberangriffe und Störungen des zivilen Luft- und Schiffsverkehrs. In der Straße von Hormus und im Golf von Oman wurden iranische und US-Schiffe beschossen. Tanker meldeten Vorfälle und die ersten Handelsschiffe änderten ihre Routen oder stellten ihre Fahrten ein.

Parallel zum externen Krieg verschärft sich die innere Repression im Iran: Schon im Januar 2026 hatten Sicherheitskräfte die größten Proteste seit 1979 mit tausenden Toten niedergeschlagen. Nun nutzt die neue Führung unter Mojtaba Khamenei den Kriegszustand, um Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten weiter zu verfolgen.

Die Intensität der Raketenangriffe seitens Teherans hat mittlerweile etwas abgenommen, doch der Konflikt ist nicht entschieden. Die US-israelische Koalition kontrolliert die Lufträume und Seewege nur teilweise.

Foto: Avash Media//Wikimedia Commons | Lizenz: cc BY 4.0

Das Raketenarsenal des Irans ist geschwächt, aber nicht ausgeschaltet, und die Führungsstruktur des Regimes hat sich unter neuem Oberhaupt stabilisiert. Währenddessen droht jeder weitere eskalierende Schritt, wie die Zerstörung von Infrastruktur – etwa Entsalzungsanlagen, Wasser- und Elektrizitätswerke –, den Konflikt zu entgrenzen und zu verschärfen.

Trump ist sich bewusst, dass der Krieg im Land und bei Verbündeten auf Ablehnung stößt und die Weltwirtschaft destabilisiert. Am 16. März stiegen die Ölpreise auf über 87,59 Euro pro Barrel.

Netanjahu hingegen will ihn nicht beenden, ohne dem Iran eine entscheidende Niederlage zuzufügen, die zumindest dessen Atom- und Raketenprogramme beendet.

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Zwischen Drohnen und Bomben – Helfer über Ausnahmezustand in Beirut

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Während Bomben fallen: Als Nahostbeauftragter des Hilfswerks Misereor ist Frank Wiegandt für den Libanon, Jordanien, Syrien und Irak zuständig. Die neue Eskalation erlebt er hautnah mit.

Beirut/Rom (KNA). Dass über Beirut Drohnen kreisen, sind die Menschen gewohnt. Doch seit dem 2. März fallen Bomben, der Libanon befindet sich im Ausnahmezustand. Mitten drin: Frank Wiegandt, Nahostbeauftragter des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, das viele Projektpartner in der Region hat und etwa Geflüchteten hilft.

Wiegandt spricht im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über Solidarität zwischen Christen und Muslimen, psychologische Kriegsführung und argwöhnische Blicke für einen Mitteleuropäer. Von Sabine Kleyboldt

Frage: Herr Wiegandt, wie erleben Sie derzeit die Situation im Libanon?

Frank Wiegandt: Ich wurde am Montagmorgen gegen 2.30 Uhr in meiner Wohnung in der Innenstadt von Beirut durch Explosionen geweckt, die auf Bombenangriffe der israelischen Armee folgten. Diese reagierte damit auf die kurz zuvor erfolgten Angriffe der schiitischen Miliz Hisbollah auf Ziele in Nordisrael.

Seither dauern die Bombenangriffe an, Drohnen kreisen ununterbrochen mit ohrenbetäubendem Getöse über Beirut. Den Lärm der Drohnen kannte ich schon, allerdings nur tagsüber und sporadisch; jetzt hört man die Drohnen auch in der Nacht, und das ist wirklich zermürbend und hat mit psychologischer Kriegsführung zu tun.

Frage: Wie blicken die Menschen auf die neue Eskalation?

Frank Wiegandt: Die libanesische Tageszeitung „L’Orient le Jour“ titelte am Dienstag: „Treibt die Hisbollah den Libanon in den Selbstmord?“ Das resümiert ganz gut die Situation, wie ich finde.

Es ist Krieg; die Menschen sind resilient, aber sie sind auch müde. Schon wieder mussten sie ihre Heimat verlassen, wieder wissen sie nicht, wann sie zurückkehren werden und in welchem Zustand sie ihre Häuser vorfinden werden.

Frage: Im Libanon gilt das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen als vorbildlich – jetzt immer noch?

Frank Wiegandt: Es gibt viel Solidarität. Libanesische Christen und Muslime sammeln Spenden und helfen ihren Landsleuten, die getroffen wurden oder flüchten mussten. Auch die Partnerorganisationen von Misereor mobilisieren sich. Es werden Unterkünfte, Nahrungsmittel, Hygieneartikel, aber auch psychosoziale Betreuung für die geflüchteten Menschen angeboten.

Die Schulen sind seit Montag geschlossen und der Verkehr ist deutlich geringer als üblich. Doch die Straßen sind voll von Autos der Menschen aus dem Südlibanon, die nach den Angriffen der israelischen Armee aus ihren Städten und Dörfern mit ihren Familien nach Beirut geflohen sind, um sich einigermaßen in Sicherheit zu bringen.

Die Menschen übernachten in ihren Autos, in Schulen, in Moscheen und Kirchen, in Zelten am Meer. Die, die es sich leisten können, wohnen im Hotel.

Foto: Gabriele Pedrini, Shutterstock

Frage: Wer sind „die Schuldigen“ dieses neuen Kriegs?

Frank Wiegandt: Es gibt die Wut auf die israelische Armee und auf die „Zionisten“, aber stärker noch gibt es die Wut auf die eigenen Leute, die Führungsriege der Hisbollah, die offenbar blind ergeben die Befehle der iranischen Mullahs befolgte und Israel angriff. Das gab der israelischen Armee den Vorwand, sofort zurückzuschlagen.

Es war eigentlich allen klar, dass die gegenwärtige israelische Regierung die Hisbollah ein für alle Mal aus dem Weg räumen wollte und auf den richtigen Augenblick dafür wartete.

Das Handeln und Vabanquespiel der Hisbollah wird vielfach als unpatriotisch und eigentlich verräterisch bezeichnet, da es die Interessen einer fremden Macht, des iranischen Regimes, über die Sicherheit und das Gemeinwohl der libanesischen Bevölkerung stellt.

Am 26. September 2024 wurde der langjährige Anführer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, von einem gezielten Luftschlag der israelischen Armee getötet. Heute ist die Hisbollah zwar geschwächt, aber immer noch da. Trotz vieler Ankündigungen und Versprechungen ist es der libanesischen Regierung bisher nicht gelungen, die Hisbollah zu entwaffnen und zu entmachten.

Libanon

Foto: Freepik.com

Frage: Welche Reaktionen erleben Sie derzeit als Mitteleuropäer im Libanon?

Frank Wiegandt: Wenn ich jetzt die Corniche entlang gehe, spüre ich die argwöhnischen Blicke, die sich auf mich richten. Sie scheinen zu sagen: „Was machst du hier, sind wir auch deinetwegen oder wegen deinesgleichen hier gestrandet?“ Das ist natürlich Unsinn, aber ich kann es den Menschen nicht verdenken. Die Wahrheit ist nicht simpel, und im Krieg machen sich alle schuldig. Mein Eindruck ist aber auch der, dass die Hisbollah durch ihr Handeln ihren letzten Kredit bei der Bevölkerung verspielt hat.

Die Menschen verstehen nicht, warum die Hisbollah, trotz besseren Wissens und Warnungen der Regierung, den Libanon in diesen Krieg hineingezogen hat. So sieht das auch der lateinisch-katholische Bischof von Beirut, César Essayan. Als ich ihn am Dienstag traf, rief er mir zu: „Sind die alle verrückt geworden? Wird das jetzt der dritte Weltkrieg?“

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Dubai – ein Symbol unter Beschuss

Dubai Krieg Iran

Über das entpolitisierte Paradies Dubai inmitten einer hochpolitisierten Region.

(iz). Dubai ist in diesen Kriegstagen weniger eine Stadt als ein Symbol für ein Versprechen, das die Golfmetropolen der Welt gegeben haben: dass man hier, zwischen Meer und Wüste, einen sicheren Transit‑ und Luxuskorridor buchen könne, während ringsum ungelöste Konflikte brodeln.

Nun fallen Trümmer auf die Stadt, Alarmsignale der Mobiltelefone schneiden durch das klimatisierte Mall‑Atrien, und plötzlich verschiebt sich die Semantik: „Dubai“ bedeutet nicht mehr nur Shopping, Stopover, Expo‑Erinnerungen – sondern rückt gefährlich nah an den Sound von „Kriegszone Naher Osten“.

Dubai als Touristen-Symbol – und sein Riss

Über Jahrzehnte wurde Dubai als „sunny, safe, tax‑free oasis“ vermarktet, als Oase der Planbarkeit, in der fast 90 Prozent der Bewohner Expats sind und Sicherheit selbst zur Ware geworden ist.

Der Aufstieg vom Perlendorf zur globalen Drehscheibe folgte einer klaren Dramaturgie: Emirates als fliegende Brücke seit 1985, das Burj Al Arab als architektonische Ikone seit 1999, Eigentumsrechte für Ausländer in den 2000ern, bis hin zu einem Wirtschaftsmodell, in dem Öl nur noch einen winzigen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, während Handel, Tourismus, Immobilien und Finanzdienstleistungen die Stadt tragen.

Dieses Dubai war ein Versprechen an Reisende, Wohlhabende und den globalen Mittelstand: Du kannst durch den Nahen Osten reisen, ohne ihn wirklich berühren zu müssen – in einem klimatisierten, entpolitisierten „safe cosmopolitan space“.

Genau dieses Versprechen wird im Irankrieg beschädigt, wenn Bilder fliegender Drohnen und Evakuierungen vom Palm Jumeirah um die Welt gehen, und wenn Flugausfälle, Luftraumwarnungen und höhere Versicherungskosten den bislang reibungslos surrenden Transitknoten ins Stocken bringen. Mit jeder Reisewarnung, mit jedem Storno rutscht Dubai ein Stück aus der Sphäre der Imagination („Oase“) in die Sphäre der Geopolitik, in der kein Ort sich auf Dauer entziehen kann.

Gleichzeitig bleiben die Finanzmärkte nicht unberührt: Börsen öffnen nur verkürzt oder bleiben tageweise geschlossen, die Kurse von Airline‑Aktien, Hotelketten und Duty‑free‑Betreibern stehen unter Druck, weil Investoren das politische Risiko neu einpreisen.

Entscheidend wird sein, wie lange dieser Ausnahmezustand dauert: Ein kurzer Schock lässt sich in die Erzählung resilienter Modernität einbauen. Ein langgezogener Konflikt hingegen könnte Geschäftsmodelle, Renditeerwartungen und touristische Routinen grundlegend verschieben.

Gelassenheit im Ausnahmezustand

Paradox ist, dass die Alltagserfahrung vieler Bewohner dieser Tage eher von Gelassenheit erzählt als von Panik. Auf den ersten Blick bleibt der Strom der SUVs vor den Malls, das Flanieren auf den Promenaden, das entspannte Leben in den Cafés: keine Hamsterkäufe, kein sichtbarer Kollaps der Versorgung, das Leben geht weiter, als hielte die Stadt demonstrativ an ihrer eigenen Normalität fest.

Die Regierung bemüht sich, Preise zu stabilisieren, Subventionen zu justieren und Lieferketten offen zu halten – nicht nur aus Fürsorge, sondern auch, um das Narrativ der Steuerbarkeit der Lage aufrechtzuerhalten. Die Kommunikationsstrategie ist dabei Teil der psychologischen Infrastruktur: Warn‑Apps, Hinweise, wann Schutz gesucht werden soll, und wann man „normal“ weiterarbeiten kann, suggerieren eine kontrollierte Ausnahme.

In dieser Mischung aus High‑Tech‑Sicherheitsstaat und alltäglicher Routine entsteht ein Bild von Bürgern und Residents, die gelernt haben, mit geopolitischer Volatilität zu leben, ohne ihr Lebensmodell preiszugeben – ein Habitus der Ruhe, der selbst wieder zur touristischen Ressource werden könnte.

Die strategische Logik der Flugabwehr

Jenseits der Glas‑und‑Stahl‑Oberfläche Dubais arbeitet in diesen Wochen eine zweite, unsichtbare Maschine: die Flugabwehr, in die die Emirate seit Jahren Milliarden investiert haben. THAAD‑Batterien, Patriot‑Systeme, hochreichweitige Radare wie AN/TPY‑2 fügen sich mit eigenen Rüstungsprojekten wie „SkyKnight“ zu einem vielschichtigen Schutzschirm, der ballistische Raketen in großer Höhe, billige Drohnen und Marschflugkörper in tieferen Lagen abfangen soll.

Die nackten Zahlen der aktuellen Angriffe – hunderte Raketen und Drohnen, eine angegebene Abfangrate von über 90 Prozent, bei sehr wenigen Todesopfern – erzählen von einem technologischen Großversuch unter Ernstfallbedingungen, bei dem die Verteidigung zwar nicht alle Schäden verhindert, aber die Zerstörung auf ein politisch verkraftbares Minimum reduziert. Der Staat zeigt sich vorbereitet und als Herr der Lage.

Die Systeme sind nicht nur militärische Hardware, sondern Teil des Geschäftsmodells: Sie schützen Flughäfen, Seehäfen, Freihandelszonen und die Skyline, die als Kulisse für den globalen Kapitalverkehr dient. Jede erfolgreich abgefangene Rakete ist zugleich eine Investition in das Narrativ, dass selbst der Krieg hier nur „am Rand“ stattfindet – als Lichtblitz am Nachthimmel, der den Betrieb nicht grundsätzlich lahmlegt.

Zugleich macht die hohe Sichtbarkeit dieser Verteidigungsanstrengungen deutlich, dass die vermeintliche Entpolitisierung Dubais immer schon auf einer massiven Militarisierung des Luftraums beruhte – auf einer technopolitischen Architektur, die der Tourismusindustrie den Rücken freihalten sollte.

Foto: Defense.gov Photos | Lizenz: Public Domain

Zwischen US‑Israel‑Koalition und Golfinteressen

Der Krieg legt auch die Bruchlinien zwischen den Interessen der US‑Israel‑Koalition und denen der Golfstaaten frei. Während Washington und Jerusalem auf eine harte Linie gegenüber Teheran setzen, haben die Emirate und andere Golfmonarchien immer wieder eine diplomatische Lösung der iranischen Nuklearfrage gefordert und dem Westen in der aktuellen Eskalation die Nutzung ihrer Basen und ihres Luftraums für offensive Operationen verweigert.

Sie wollen nicht Schauplatz eines Stellvertreterkriegs werden– sind aber zugleich unmittelbare Zielscheibe iranischer Raketen, in größerer Zahl als Israel selbst.

Die offizielle Haltung wirkt trotzdem betont maßvoll: Die Opfer werden beklagt, auch die iranischen Zivilisten – etwa getroffene Schulkinder in Teheran – finden Eingang in die empathische Anteilnahme, als wolle man zeigen, dass dieser Krieg keine ethnokonfessionelle Schlacht sein soll, sondern eine Tragödie, die Menschen auf beiden Seiten trifft.

Die Botschaft nach innen lautet: Vertraut auf die Führung, auf unsere eigenen Fähigkeiten, unser Land zu verteidigen; nach außen: Wir sind keine Frontstaaten im Dienst einer fremden Agenda, sondern Akteure mit eigener strategischer Rationalität, die einen ideologisch aufgeladenen Krieg möglichst eindämmen wollen.

Dass die Emirate keinerlei Interesse an politischem Islam – weder in iranischer noch in jihadistischer Variante – haben, markiert dabei den Rahmen: Stabilität, Säkularität im Alltag, wirtschaftliche Offenheit stehen höher als jede ideologische Frontstellung.

Al Habtoors Einspruch gegen Stellvertreterlogik

In diese Konstellation hinein spricht der einflussreiche Geschäftsmann Khalaf Al Habtoor, und seine Worte finden viel Beachtung in der Stadt. Er schreibt, man wisse sehr genau, warum man angegriffen werde, und ebenso, wer die Region in diese Eskalation hineingezogen habe, ohne seine Verbündeten zu konsultieren – ein klarer Hinweis darauf, dass Teile der Golfelite die strategischen Entscheidungen der US‑Israel‑Koalition als fahrlässig empfinden.

Wenn er betont, die Golfstaaten bräuchten keinen äußeren „Schutz“ und nichts sei kostbarer als das Leben unserer Söhne, keine Allianz den Preis wert, artikuliert sich darin ein souveränes Selbstverständnis, das die Logik klassischer Schutzmachtbeziehungen aufkündigt. „Wir brauchen euren Schutz nicht… haltet nur eure Hände von uns fern“ – in diesem Satz steckt der Wunsch, der eigenen Wohlstands‑ und Sicherheitsarchitektur zu trauen, statt als Schachfigur in einem globalen Rüstungsbusiness zu enden, das von jeder neuen Krise profitiert.

Al Habtoors Kritik am Waffenhandel – als Geschäft, das Konflikte eher nährt als eindämmt – wirkt wie eine selten ausgesprochene Selbstdiagnose der Region: Das, was die Skyline schützt, ist zugleich Teil eines global agierenden Industriekomplexes, der Kriegszyklen verlängert. Insofern ist seine Intervention auch eine Verteidigung Dubais als Lebensform: einer Wirtschaftsmetropole, die sich nicht permanent neu als Schlachtfeld verfügbar machen lassen will.

Foto: Jeremy Kemp, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

Finanzielle Hebel – Dubai als Druckmittel

Doch Dubai ist mehr als touristisches Symbol und militärisch geschützter Knoten – es ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Schatten‑Durchgänge der iranischen Ökonomie. Über Firmenregister, Free Zones und Finanzkonstruktionen fließen Milliarden an iranischem Kapital durch Emirate‑Konten: Briefkastenfirmen, inoffizielle Wechselstuben, informelle Netzwerke sorgen dafür, dass Öleinnahmen kanalisiert, Sanktionen umgangen, Devisen beschafft und globaler Handel ermöglicht werden.

Dieses Geflecht bildet die unsichtbare Rückseite der Skyline, eine Grauzone, in der geopolitische Feindschaft und ökonomische Koexistenz sich berühren. Mit den iranischen Angriffen wächst nun der Druck, dieses Netzwerk als Hebel einzusetzen. Nach Berichten, die auf das „Wall Street Journal“ zurückgehen und von internationalen Medien aufgegriffen wurden, prüfen die Emirate die Möglichkeit, iranische Vermögenswerte in Milliardenhöhe einzufrieren: Konten mutmaßlicher IRGC‑Frontfirmen, Geldströme über Schattenbanken und inoffizielle Exchanges, bis hin zu möglichen maritimen Maßnahmen gegen iranische Schiffe.

Ein solcher Schritt würde Teherans Zugang zu Fremdwährungen und Handelsnetzen drastisch einschränken – potenziell wirksamer als manche militärische Option – und erklärt, warum in sozialen Medien bereits spekuliert wird, die in Emirate‑Banken liegenden Vermögen der Revolutionsgarden könnten den Krieg schneller beenden als jede Rakete.

Für Dubai selbst wäre das ein riskantes Manöver: Es würde Teile seines Finanzökosystems beschneiden und das Image als neutraler, transnationaler Umschlagplatz belasten, zugleich aber die Rolle der Stadt als strategischer Akteur im Finanzkrieg unterstreichen.

Unter der Oberfläche der Luxushotels wird hier eine stille, ökonomische Frontlinie gezogen, an der sich entscheidet, ob die Golfstädte reine Kulissen bleiben oder ihre Macht als Gatekeeper globaler Kapitalströme offensiv nutzen. Auf der anderen Seite weisen die Golfstaaten darauf hin, dass ihre Investitionen in den USA neu bewertet werden könnten. Eine Aussicht, die nicht nur in den USA Sorgen auslösen dürfte.

Foto: Wikipedia Commons

Aussichten: Verwundbarkeit und Beharrungskraft

Die Frage nach Dubais Zukunft in Zeiten des Irankrieges ist keine Prognosefrage allein, sondern eine Frage nach der Haltbarkeit eines bestimmten Zivilisationsentwurfs. Kurzfristig zeigen die Daten eine erstaunliche Resilienz: Trotz Angriffen, Flugstörungen und verunsicherten Investoren kehrt die Stadt binnen Tagen weitgehend zum Normalbetrieb zurück, zwar buchen Touristen um, verschieben, stornieren – aber viele Auswärtige brechen Dubai nicht den Rücken.

Die Hochhäuser stehen, die Strände füllen sich, das Nachtleben dimmt vielleicht das Licht, aber es geht nicht aus. Langfristig hängt alles an der Dauer und Intensität des Konflikts – und daran, ob es den Emiraten gelingt, das Bild des sicheren Transit‑ und Luxuskorridors glaubhaft zu reparieren.

Gelingt es, die Angriffe als einmaligen Schock zu rahmen, flankiert von hwirksamer Luftverteidigung und klug dosiertem Finanzdruck auf Teheran, dann könnte Dubai sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen: als Stadt, die gezeigt hat, dass ihr Sicherheitsversprechen mehr ist als Marketing.

Zieht sich der Krieg dagegen über Monate oder gar Jahre, werden Versicherer, Fluglinien, Konzerne und Individualreisende ihre Risikomodelle neu zeichnen – und der Golf könnte einen Teil seines touristischen und finanziellen Magnetismus an andere, sichere wahrgenommene Korridore verlieren.

Vielleicht wird man Dubai dann einmal als Labor eines 21. Jahrhunderts lesen, in dem der Versuch unternommen wurde, ein entpolitisiertes Paradies inmitten einer hochpolitisierten Region zu erschaffen – und in dem sich, unter Raketenfeuer, zeigte, wie dünn die Trennwand zwischen Duty‑free‑Shop und geopolitischer Frontlinie tatsächlich ist.

Die kommenden Monate werden entscheiden, ob die Stadt diese Trennwand neu verstärken kann – oder ob der Rauch der Trümmer sich tiefer in das kollektive Gedächtnis der Reisenden einbrennt, als es jede Imagekampagne je wieder aufhellen kann. Die Situation ist gefährlich, denn wenn die ökonomischen Perspektiven in den Wohlstandszentren wegbrechen, könnte der gesamte Raum dauerhaft destabilisiert werden.

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Die Zeit der Bomben: Irankrieg wird unvermindert fortgeführt

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Während Bomben auf den Iran und viele Staaten der Region fallen, wirken die Aggressoren und die EU-Länder plan- und konzeptlos.

(iz, KNA, GFP.com). Ab dem Morgen des 28. Februar 2026 markierten die gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe auf iranische Ziele eine neue Phase des seit Jahren eskalierenden Schattenkriegs – erstmals als offener, regionaler Krieg geführt.

Seit 28. Februar fallen Bomben und Raketen

Am 28. Februar gegen Vormittag Ortszeit starteten massive Angriffe mit US‑Projektilen, Drohnen und israelischen Jets auf Ziele in West‑ und Zentraliran, darunter Luftabwehr, Raketenstellungen und Anlagen mit Bezug zum Nuklear‑ und Raketenprogramm.

Tel Aviv sprach von etwa 500 getroffenen militärischen Zielen und der größten Kampagne seiner Luftwaffe. US-Präsident Trump erklärte die Operation zu einer großangelegten Offensive zur Zerstörung von Irans Raketenindustrie, Seestreitkräften und nuklearen Kapazitäten. Entgegen den Behauptungen deutscher Kommentatoren geht es weder Washington noch Tel Aviv in erster Linie um „Freiheit“ oder „Demokratie“ in der Islamischen Republik.

Fast zeitgleich schlossen Iran, Israel und Nachbarstaaten ihren Luftraum; die USA signalisierten, dass diplomatische Optionen als ausgeschöpft gelten. Internationale Reaktionen reichten von scharfer Kritik an der Gefährdung der regionalen Stabilität bis zu Erklärungen der Unterstützung für das „Selbstverteidigungsrecht“ Israels und der USA.

Iran antwortet und weitet den Krieg auf die gesamte Region aus

In den Stunden nach den ersten Angriffen reagierte Teheran mit einem breiten Spektrum von Drohnen‑ und Raketenangriffen. Ziele sind weiterhin Israel, US‑Basen in der Region, zivile Objekte in Jordanien, Kuwait, Bahrain, Katar, Irak, Saudi‑Arabien und den VAE sowie zivile Flughäfen und Häfen der Nachbarstaaten.

Teheran schloss der Straße von Hormus, womit ein neuralgischer Punkt des Welthandels und der Energieversorgung getroffen ist. Die Ölpreise sprangen deutlich nach oben, asiatische Börsen geraten unter Druck.

Politisch verschiebt sich damit der Konflikt von einer bilateralen Konfrontation hin zu einem offenen regionalen Krieg, der Golfmonarchien, Irak, Libanon und de facto europäische Akteure über Militärbasen und Energieabhängigkeit einbindet. Sollten die USA angeblich Pläne zur Mobilisierung kurdischer Kräfte im Iran realisieren, dürfte nach Ansicht von Beobachtern auf die Türkei nicht abseits bleiben.

Die Arabische Liga warnte vor einem „vollumfänglichen regionalen Krieg“ und drängt auf Deeskalation, während Teheran nach Tötung von Ayatollah Ali Khamenei und unzähligen hochrangigen Funktionären des Machtapparats jede Verhandlung mit Washington kategorisch ausschließt.

Die Opferzahlen im Iran steigen rapide an

Im Iran führen die Angriffe seit Beginn zu hunderten zivilen Toten und Verletzten in mehreren Provinzen. Die Aggression trifft dicht besiedelte urbane Räume, Schulen werden geschlossen, Familien fliehen aus besonders gefährdeten Vierteln. Die Internetverbindung bricht landesweit auf wenige Prozent ein, was Informationsfluss, Koordination von Hilfe und die Arbeit humanitärer Organisationen massiv behindert.

Unterbrechungen von Strom, Transportwegen, Gesundheitsdiensten und Versorgungsnetzen verstärken eine vorhandene strukturelle Krise. Wasserknappheit, steigende Preise und hohe Arbeitslosigkeit treffen insbesondere einkommensarme Haushalte, Tagelöhner und informell Beschäftigte.

Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderungen und Kranke gelten als besonders gefährdet, da sie von funktionierenden öffentlichen Diensten und Medikamenten abhängen, während Binnenvertriebene und Flüchtlinge aufgrund prekärer Wohnverhältnisse und knapper Ressourcen doppelt exponiert sind.

Das Lager der Angreifer ist plan- und kopflos

Politisch steht Washington vor der Spannung zwischen dem Anspruch, Irans Sicherheitsapparat „zu zerschlagen“, und der Gefahr, in einen langwierigen Krieg ohne klar definiertes Endziel hineingezogen zu werden. Für Israel verschränken sich der Angriff gegen den Iran, die anhaltenden Operationen in Gaza und die neue Front im Libanon zu einem Mehrfrontenkrieg, der militärisch beherrschbar sein mag, aber enorme diplomatische und innenpolitische Kosten erzeugt.

Auf iranischer Seite schafft die Tötung Khameneis ein Machtvakuum mit unklarer Nachfolge, in dem Hardliner jede Form von Zugeständnissen als existenzielle Bedrohung rahmen und damit die Eskalationsspirale eher antreiben als bremsen. 

Mit Raketen, Drohnen und Flüchtlingsbewegungen, die längst Grenzen überschreiten, ist die Region in eine Konstellation eingetreten, in der ein einzelner Fehlkalkulationsmoment genügen kann, um den Krieg weiter auszuweiten. Währenddessen ist die humanitäre Bilanz nach wenigen Tagen katastrophal und wird absehbar anwachsen.

Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek

Berlin stellt sich grundlos auf die Seite eines Angriffskriegs

Die USA und Israel erhalten bei ihrem zweiten Krieg gegen den Iran binnen neun Monaten erneut die Rückendeckung der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz teilte am Sonntag mit Blick auf den völkerrechtswidrigen Überfall auf Iran mit, er wolle keine „völkerrechtliche Einordnungen“ des Krieges vornehmen.

Es sei „jetzt nicht der Moment, unsere Partner und Verbündete zu belehren“. Im Gegensatz dazu forderte er Iran auf, „diese wahllosen Angriffe sofort zu beenden“.

Deutsche Muslime rufen zur Deeskalation auf

Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland blickt nach eigenen Angaben mit großer Besorgnis auf die jüngste militärische Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran. Die Entwicklungen drohen, eine ohnehin fragile Region weiter zu destabilisieren und neues Leid über die Zivilbevölkerung zu bringen.

Das Gremium rief in einer Erklärung vom Montag alle beteiligten Akteure eindringlich dazu auf, unverzüglich Schritte zur Deeskalation einzuleiten, das internationale Recht zu respektieren und zu einer politischen Lösung zurückzukehren. „Die internationale Gemeinschaft steht in der Verantwortung, weitere Eskalationen zu verhindern und Wege zu eröffnen, die langfristig Sicherheit und Stabilität fördern.“

Die OIC verurteilt Attacken gegen Ziele in arabischen Ländern

Ungeachtet der Darstellung von Präsident Massud Peseschkian, die Tötung von Khamenei durch die USA und Israel sei eine „Kriegserklärung an Muslime“, hat der Weltverband 57 muslimischer Staaten ein Ende der Eskalation und die Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. In einer am Abend des 28. Februar verbreiteten Erklärung verurteilte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Riad die Angriffe Teherans auf benachbarte Mitgliedstaaten.

Das OIC-Generalsekretariat sprach mit Bezug auf iranische Luftangriffe auf Ziele in Saudi-Arabien, mehreren Golfstaaten und Jordanien von „Aggression“ und „einer inakzeptablen Eskalation“. Diese bedrohe die Stabilität der gesamten Region und habe schwerwiegende Folgen für Frieden und Sicherheit.

Die Verletzung der Souveränität von OIC-Mitgliedern und völkerrechtlicher Grundsätze durch den Iran stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar, so der islamische Staatenverband. Er verlangte die Wahrung gegenseitigen Respekts und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

Leider wie immer: Jerusalem und palästinensische Gebiete werden zu Opfern des Teheraner Vorgehens

Im Felsendom nahm eine Studentengruppe gerade an einem Qur’anunterricht teil, als Alarm ertönte. Kaum jemand habe sich bewegt, berichtet eine Studentin. Zwar sei der Bereich geschlossen worden, aber die Besucher auf dem Plateau der Al-Aksa-Moschee hätten alle Ruhe bewahrt.

Auch außerhalb des Damaskustors zur Altstadt waren die Geschäfte zunächst geöffnet, auf den Straßen herrschte Treiben. Und im Garten der Dormitio, der deutschen Benediktiner-Abtei auf dem Zionsberg, ging die Zitronenernte ungestört weiter.

Dann aber gab es kurz nach 10 Uhr auch für Jerusalem Alarm. Die Bewohner suchten Schutzräume auf. Über der Stadt wurden Raketen gesichtet. Mehrere laute Explosionen waren zu hören, als das israelische Abwehrsystem erfolgreich ein Geschoss abfing. Die deutsche Schmidt-Schule am Rand der Altstadt schickte die Schülerinnen nach Hause.

Später entdeckte man im Hof der Schule zwei etwa 40 Zentimeter große Trümmerteile. Auch beim Sultanspool westlich der Altstadt fiel ein umfangreicheres Raketenstück nieder und sorgte für starke Rauchentwicklung. Der Platz vor der Klagemauer war inzwischen verwaist. Nach Tel Aviver Angaben feuerte der Iran rund 30 Raketen in Vergeltung ab.

Foto: diloka107, Freepik.com

Dramatische Folgen für die Weltwirtschaft sind nicht abzusehen

Die ersten Ausläufer der zu erwartenden Konsequenzen des unnötigen Angriffs auf den Iran zeigte sich bereits an deutschen Tankstellen. Preise stiegen im Schnitt um 20 ct/Liter an. Ökonomen befürchten langfristig ein erneutes Absinken des Wirtschaftswachstums im Euroraum sowie eine Zunahme inflationärer Effekte. An vielen Börsen – von Europa bis Ostasien – sackten die Kurse ab.

„Wir sehen hier nicht nur eine Energiekrise, sondern eine sicherheitspolitische Eskalation mit gravierenden völkerrechtlichen und wirtschaftlichen Folgen. Die Dauer dieses illegalen und sinnlosen Krieges ist nun entscheidend. Für Verbraucher bedeutet jeder weitere Tag höhere Preisschwankungen, steigende Beschaffungskosten und das Risiko erneuter deutlicher Preissteigerungen für Energie. Anders als 2022 wird es diesmal vor allem um die Senkung der Nachfrage gehen“, sagte Dr. Pauline S. Heinrichs vom Londoner King’s College.

„Der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien ist eine Frage strategischer Souveränität. Jede zusätzliche Kilowattstunde aus Wind- und Solarenergie reduziert die Abhängigkeit von fossilen Staaten und fossilen Brennstoffen – und damit die Anfälligkeit für genau solche geopolitischen Schocks“, meint der Ökonom Lukas Scholle. Er ist Chefredakteur des kritischen Wirtschaftsmagazins „Surplus“.

Eine der Lehren aus dem Iran-Krieg müsse eine möglichst schnelle Energiewende sein. Fossile Energie sei eine zentrale ökonomische Grundlage für Kostenschocks – vom Gas aus Russland bis Öl aus dem Nahen und Mittleren Osten.

Sudan Hunger

Foto: WFP/Ali Khalafalla

Empfänger internationaler Hilfe leiden jetzt schon unter den Effekten des Kriegs

Die Kriegshandlungen im Nahen Osten bringen die Logistik für Hilfslieferungen in Engpässe. Die humanitären Lieferketten gerieten zunehmend unter Druck; Grund seien Behinderungen der Schifffahrt, aber auch gesperrte Lufträume, sagte der Regionaldirektor des Welternährungsprogramms WFP, Samer Abdeljaber, am 3. März in Genf. Das von den Vereinten Nationen getragene WFP ist mit seinem Transportnetz und seinen technischen Möglichkeiten einer der wichtigsten Akteure der Nothilfe weltweit.

Abdeljaber verwies auf Risiken für Schiffe in der Straße von Hormus und drohende Angriffe im Roten Meer. Die Störungen führten zu höheren Transportkosten, längeren Lieferzeiten und einer geringeren Containerverfügbarkeit. Die Beschränkungen im Luftverkehr sorgten für Probleme beim Austausch der Crews und erschwerten Einsätze.

Das WFP und Partnerorganisationen versuchten, sich der Situation anzupassen, etwa durch die Nutzung von Transitrouten in der Türkei, Ägypten, Jordanien und Pakistan sowie Landkorridoren zwischen den VAE und der Levante. Wichtig seien ägyptische Häfen und der Suezkanal. Beide stellten Knotenpunkte für die Region dar, so Adeljaber.

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Pakistan führt „offenen Krieg gegen Afghanistan“

eskalation pakistan

Pakistan wirft den Taliban vor, islamistischen Terrorgruppen Schutz zu gewähren, die im Grenzgebiet Anschläge verüben. Seit Monaten stocken die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den beiden Nachbarn.

Islamabad (KNA). Pakistans Luftwaffe hat afghanische Großstädte wie Kabul und Kandahar bombardiert und Berichten zufolge Militärstützpunkte, Kommandozentralen und Munitionsdepots zerstört. Die afghanische Taliban-Regierung bestätigte die Angriffe.

In beiden Ländern gab es überparteilich nationale Solidarität. In Pakistan bekundeten am Freitag Präsident Zardari, Premierminister Shehbaz Sharif und auch die oppositionelle PTI ihre Unterstützung des Militärs bei dem „offenen Krieg“ gegen Afghanistan zur Verteidigung der territorialen Integrität, wie pakistanische Medien berichteten.

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Foto: John Smith, Shutterstock

Afghanische Politiker verurteilten Pakistans Offensive „Ghazab lil-Haq“ (Gerechter Zorn) scharf. Ex-Präsident Hamid Karzai sagte dem Nachrichtenportal Pajhwok Afghan News, die Afghanen verteidigten ihr Land geeint und mutig.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul töteten die Streitkräfte des „Islamischen Emirats Afghanistan“ bei Vergeltungsschlägen gegen pakistanische Stellungen entlang der „Durand-Linie“ 55 pakistanische Soldaten. 15 Außenposten der pakistanischen Armee sollen eingenommen worden sein.

Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif beschuldigte unterdessen die Taliban, Afghanistan zu einer „Kolonie Indiens“ gemacht zu haben und als Stellvertreter für den Export von Terrorismus nach Pakistan zu fungieren.

Die Zusammenstöße brachten Berichten zufolge die Rückführung Tausender afghanischer Flüchtlinge zum Stocken, die am Grenzübergang Torkham auf die Rückkehr in ihr Land warteten. Berichten zufolge wurden sie in ein Auffanglager zurückgeschickt, da die Lage an der Grenze weiterhin instabil ist.

Hintergrund der seit Monaten eskalierenden Spannungen zwischen den beiden Ländern ist Pakistans Vorwurf, die Führung der militanten Gruppe „Tehreek-e-Taliban Pakistan“ (TTP) und viele ihrer Kämpfer seien in Afghanistan stationiert und griffen von dort aus immer wieder Pakistan an.

Die Führung in Kabul weist dies entschieden zurück und wirft ihrerseits Pakistan vor, Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu beherbergen. Das dementiert wiederum Pakistan. Seit November stocken die von Katar und der Türkei vermittelten Waffenstillstandsverhandlungen. Seitdem haben Angriffe von Aufständischen auf Pakistan zugenommen.

Khan Pakistan Proteste terror

Foto: Shutterstock

Die 2.500 Kilometer lange Durand-Linie war 1893 zwischen dem britischen Diplomaten Mortimer Durand und dem Emir von Afghanistan als internationale Grenze zwischen dem Emirat Afghanistan und Britisch-Indien festgelegt worden.

Nach der Gründung Pakistans 1947 übernahm der neue Staat diese Grenze, während Afghanistan sie nicht akzeptierte. Die Grenze teilt das Stammesgebiet der Paschtunen. Die Paschtunen sind die größte ethnische Gruppe in Afghanistan und eine Minderheit in Pakistan.

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Mariam – eine sudanesische Mutmacherin im Flüchtlingslager

sudan mariam

Der Krieg im Sudan ist zur größten Vertreibungskrise der Welt geworden. Im Flüchtlingslager im äthiopischen Ura zeigen sich die Folgen globaler Nothilfekürzungen. Derweil verändert sich Äthiopiens Rolle im Sudankrieg. (KNA). […]

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Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 367: von Gewalt gegen Helfer bis zu Krimtataren

rohingya kurzmeldungen

Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 367: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. die Lage von Minderheiten, russische Einmischung in Frankreich sowie um strategische Konkurrenz im Jemen.

IKRK erurteilt Gewalt gegen humanitäre Helfer

KAIRO (KUNA). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat am 8. Dezember erneut Angriffe auf karitative Freiwillige in Konfliktgebieten verurteilt und vor einem zunehmenden Verlust des Respekts für Grundsätze während bewaffneter Konflikte gewarnt. In ihrer Eröffnungsrede zur 13. Tagung der Arabischen Nationalkomitees für Völkerrecht in Kairo sagte Anna Brats, dass die Tagung zu einem „äußerst sensiblen Zeitpunkt“ stattfinde. Sie betonte die Dringlichkeit der Diskussionen angesichts der sich verschärfenden humanitären Krisen im Sudan, im Gazastreifen, in der Ukraine und anderen Konfliktgebieten. Über diese werde wenig berichtet, sie wies darauf hin, dass die Bevölkerung weiterhin die größte Last des Leidens zu tragen habe. Außerdem verwies Brats auf das alarmierende Ausmaß der Verstöße gegen Zivilisten und die Herausforderungen, die sich aus der modernen städtischen Kriegsführung ergeben und die Bemühungen um den Schutz der Zivilbevölkerung erschweren.

Foto: spolit.exile, via flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Minderheiten stehen weltweit unter Druck

GÖTTINGEN (GfbV). Anlässlich des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker vor einer dramatischen Verschlechterung der Lage indigener Gemeinschaften und Minderheiten in aller Welt. Kriege, Gewalt, autoritäre Regime, eine verfehlte Klimapolitik und wirtschaftliche Interessen gefährden demnach zunehmend die Existenzgrundlagen und Rechte dieser Gruppen. Mit einer Politik, die sich nur dann für Menschenrechte einsetzt, wenn es geopolitischen Absichten dient und die humanitäre Hilfe und Entwicklungsgelder kürzt, befördere die Bundesregierung diese dramatische Entwicklung, kritisiert die Menschenrechtsorganisation. Eine Innenpolitik, die rein auf Abschottung setzt, sei mitverantwortlich dafür, dass Empathie und Solidarität mit Notleidenden abnehmen.

Washington schikaniert internationale Richter

WASHINGTON (IZ). Die US-Regierung verschärft ihren Konfrontationskurs gegenüber internationalen Strafgerichten und belegt Richter des IStGH mit Sanktionen. Präsident Trump unterzeichnete im Februar 2025 ein Dekret, das Einreisesperren und das Einfrieren von Vermögen gegen IStGH‑Personal vorsieht, nachdem das Gericht Haftbefehle gegen Israels Premier Netanjahu und Ex‑Verteidigungsminister Gallant erlassen hatte. Im Sommer wurden weitere Richter wegen ihrer Mitwirkung an Verfahren zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Palästina und Afghanistan sanktioniert. Parallel drängt eine Mehrheit im US‑Kongress auf zusätzliche Gesetzesinitiativen, die künftige Ermittlungen gegen US‑Bürger und Verbündete faktisch blockieren und Unterstützer des Gerichts ebenfalls ins Visier nehmen würden.

Feuerpause Militärarsenal Syrien Israel

Foto: Freepik.com

Steigender Waffenhandel hält Kriege aufrecht.

NEW YORK (IPS). Die Einnahmen aus Waffenverkäufen und militärischen Dienstleistungen der 100 größten Waffenproduzenten stiegen 2024 um 5,9 % und erreichten laut neuen Daten des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) einen Rekordwert von ca. 580 Mrd. Euro. Die weltweiten Waffenumsätze stiegen 2024 stark an, da die Nachfrage durch die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen, globale und regionale geopolitische Spannungen sowie immer höhere Militärausgaben angekurbelt wurde. Zum ersten Mal seit 2018 steigerten alle fünf größten Rüstungsunternehmen ihre Waffenumsätze, so SIPRI, eine der maßgeblichen Quellen für Waffenverkäufe und weltweite Militärausgaben.

Bisher konnte Afrika nicht profitieren

NEW YORK (IPS). Obwohl der Kontinent über mehr als 30 % der weltweit wichtigsten „grünen Mineralien“ verfügt (wie Kobalt, Lithium, Mangan und Seltenerdelemente, die für die Herstellung von Batterien, Windkraftanlagen und Solarzellen unerlässlich sind), hat dies nicht zu Wohlstand geführt. In einer Rede zum Thema forderte der Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika, Claver Gatete, eine geeinte Front, um diese Rohstoffe strategisch zu nutzen. „Wir können es uns nicht leisten, die Ausbeutungsmuster der Vergangenheit zu wiederholen“, sagte er. „Afrika muss sich mit seinen eigenen Ressourcen industrialisieren, Arbeitsplätze schaffen und ein nachhaltiges Wachstum für unsere Bevölkerung erzielen.“

heimwärts europa

Foto: alexlibris/Adobe Stock

Warnung von antimuslimischer Kampagne

SARAJEVO (IZ). Die Islamische Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina warnte vor einer systematischen islamfeindlichen Kampagne gegen BosniakInnen und den Staat Bosnien und Herzegowina. In Statements rechtsradikaler Politiker und pseudo-akademischen Texten werde eine „islamische Bedrohung“ konstruiert und sogar ein Volk, das Völkermord überlebt habe, des „demografischen Opportunismus“ bezichtigt. Die Gemeinschaft rief Politik, Medien und Wissenschaft auf, dieser Entwicklung entschieden entgegenzutreten.

Drei Jahre an gebrochenen Versprechen

MONTEVIDEO (IPS). Vor drei Jahren übernahm Kapitän Ibrahim Traoré in Burkina Faso die Macht mit zwei Zusagen, die sich als hohl erwiesen haben: die sich verschärfende Sicherheitskrise anzugehen und die Zivilregierung wiederherzustellen. Jetzt hat er die Wahlen auf 2029 verschoben, die unabhängige Wahlkommission aufgelöst und das Land aus der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten und dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) zurückgezogen. Burkina Faso ist zu einer Militärdiktatur geworden. Mit der Festigung der Militärherrschaft sind die bürgerlichen Freiheiten verschwunden. Der CIVICUS Monitor stufte das Land im Dezember 2024 auf „unterdrückt“ herab.

myanmar

Screenshot: Arakan Army, YouTube

Waffenembargo gegen die Junta gefordert

LONDON (AA). Eine Menschenrechtsgruppe forderte die UNO am 10. Dezember auf, angesichts der anhaltenden Verfolgung der Muslime in Myanmar ein Waffenembargo gegen die de facto herrschende Junta zu verhängen. Die Organisation Burma Human Rights Network forderte den UN-Sicherheitsrat auf, „seine Untätigkeit zu beenden und die Lage in Myanmar an den Internationalen Strafgerichtshof zu verweisen“ sowie „ein verbindliches globales Waffenembargo zu verhängen, das ein Verbot von Sicherheitshilfe, Verkauf und Transfer von Waffen und Dual-Use-Technologie sowie die Aussetzung der Lieferung von Flugkraftstoff umfasst“.

EU-Minister beschließen neue Asylverschärfungen

BRÜSSEL (IZ). Die EU-Innenminister haben in Brüssel weitreichende Verschärfungen des Asylsystems beschlossen. Abschiebungen sollen durch ein gemeinsames Rückkehrsystem erleichtert, Verfahren beschleunigt und teils in Drittstaaten verlagert werden. Auch das Konzept „sicherer Drittstaaten“ und eine kollektive Liste „sicherer Herkunftsländer“ wurden ausgeweitet. Kritiker warnen vor massiven Grundrechtseingriffen.

Foto: Shutterstock, VP Brothers

Heizt Moskau aktiv Spannungen an?

PARIS (IZ). Frankreichs Geheimdienste sehen Russland hinter einer Serie orchestrierter Provokationen, die gezielt Spannungen zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden schüren sollen. Nach Recherchen von „Mediapart“ haben Dienste Kreml-Dokumente abgefangen, in denen die Präsidialverwaltung in Moskau einen Plan gebilligt hat, Frankreich zugleich als antisemitisch und islamfeindlich erscheinen zu lassen.​ Demnach soll der serbische Staatsbürger Aleksandar Savic, ein als russischer Agent geführter Aktivist, aus dem Untergrund heraus Operationen gesteuert haben. Dazu zählen laut Berichten u.a. mit grüner Farbe beschmierte jüdische Einrichtungen im Mai 2025 sowie im Herbst abgelegte Schweineköpfe vor Moscheen. Ziel der mutmaßlichen Einflussoperation ist es, das politische Klima weiter zu radikalisieren und Frankreich als gespaltenen, unsicheren Staat zu destabilisieren.​

Arabische Israelis sind skeptisch geworden

JERUSALEM (KNA). Sie haben einen israelischen Pass und sehen sich trotzdem oft benachteiligt: arabische Israelis. Mehr als die Hälfte bezweifelt, dass ihre jüdischen Nachbarn an politischer Zusammenarbeit interessiert sind. Zwei Drittel (66 %) glauben an eine politische Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden. Aber nur 40 % sind der Meinung, dass es in der jüdischen Bevölkerung dafür auch tatsächlich Unterstützung gibt. Das geht aus einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel hervor.

Foto: Husam Alqoliaa, Shutterstock

Geopolitischer Streit um mehr Einfluss im Land

ADEN (IZ). Mahra, die östlichste Provinz, ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen den Golfstaaten: Saudi‑Arabien sichert dort Grenzübergänge, Küsten und eine mögliche Ölpipeline zum Meer, während Oman seine historische Position über Stämme und Handelswege verteidigt. In diese ohnehin fragile Balance stößt nun der von den VAE unterstützte Übergangsrat vor, der nach seinem Vormarsch in Hadramaut Flagge zeigte.​ Laut aktuellen Berichten haben STC‑verbundene Kräfte in Hadramaut zentrale Institutionen übernommen und entlang der Grenze zu Oman sowie in Mahra die Fahne des ehemaligen Südjemen gehisst.

Kritik an Aussagen der iranischen Führung

RIAD (KUNA). Der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats (GCC), Al-Budaiwi, brachte am 7. Dezember die Verurteilung und Ablehnung der GCC-Staaten gegenüber den Äußerungen iranischer Regierungsvertreter gegen die GCC-Staaten zum Ausdruck. In einer Presseerklärung wies er darauf hin, dass diese Äußerungen die Souveränität Bahrains und der Emirate verletzten.

Nigeria Afrika Karte

Foto: Adobe Stock

Trump heizt die Lage an

ABUJA (IPS). Die Beziehungen zwischen Nigeria und den USA haben sich weiter verschlechtert, nachdem Präsident Trump mit einer „militärischen“ Intervention gedroht hatte, weil einige amerikanische Gesetzgeber von einem „Völkermord an Christen“ sprachen. In einer Reihe von Erklärungen warf er der nigerianischen Regierung vor, die Ermordung von Christen durch „radikale Islamisten“ zu ignorieren. Er warnte, dass Washington alle Hilfen für Nigeria aussetzen und mit „gefeuerten Waffen“ in das „in Ungnade gefallene“ Land einmarschieren werde, sollte Abuja nicht reagieren.

Angriff auf Flüchtlinge: Kriegsverbrechen prüfen

KHARTUM (KNA). Ein schwerer Angriff auf das Flüchtlingslager Zamzam im Westen des Sudan muss nach Einschätzung von Amnesty International als Kriegsverbrechen untersucht werden. Die Menschenrechtsorganisation wirft den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) in einem in der Nacht zum 3. Dezember veröffentlichten Bericht vor, in dem größten Lager für Binnenflüchtlinge in der Region Nord-Darfur im April gezielt Zivilisten getötet und Geiseln genommen zu haben. Auch seien Unterkünfte, Moscheen, Schulen und Kliniken geplündert und zerstört worden. Etwa 400.000 Menschen hätten in der Folge aus dem Lager fliehen müssen, so die Organisation.

Sudan

Foto: luzitanija , Adobe Stock

Partner am Golf – Rivalen im Sudankrieg

KAIRO (IZ). Die GCC-Partner Riad und Abu Dhabi stehen sich im Sudankrieg faktisch als Rivalen gegenüber: Die Saudis stützen politisch und logistisch die reguläre Armee und präsentieren sich als Vermittler. Die VAE gelten dagegen laut UN‑Experten und westlichen Geheimdiensten als wichtigster Waffenlieferant der RSF, inklusive Drohnen und Munition, die über Libyen und Tschad nach Darfur geschleust werden. In Washington drängte Kronprinz Bin Salman deshalb zunehmend auf ein härteres Vorgehen der USA gegen die Emirate; bis hin zu angedrohten Sekundärsanktionen, was den Bruch der einst eng koordinierten Golfpartner im Sudan offenlegt.

CARE warnt vor Kürzungen der Hilfen

BONN. Ein Jahr nach dem politischen Umbruch in Syrien ist die humanitäre Lage dramatischer denn je. Rund 16,5 Millionen Menschen – zwei Drittel der Bevölkerung – sind auf Hilfe angewiesen. Besonders kritisch ist die Situation im Gesundheitswesen. Laut einer Untersuchung der WHO sind höchstens 57 % aller Krankenhäuser und 37 % der primären Gesundheitsdienste in Syrien funktionsfähig. Deutschland hatte viele Jahre entscheidend zur Stabilisierung der Gesundheitsversorgung im Norden des Landes beigetragen. Die Hilfsorganisation CARE appellierte am 5. Dezember, die Menschen in dieser kritischen Zeit nicht im Stich zu lassen.

Foto: Sasha Maksymenko, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Moskau setzt Repression der Krimtataren fort

GÖTTINGEN (GfbV). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zeigt sich zutiefst besorgt über die Festnahme der weltweit bekannten krimtatarischen Politikwissenschaftlerin und Journalistin Lenora Dyulber durch Strafverfolgungsbeamte. „Die internationale Gemeinschaft darf die russischen Menschenrechtsverletzungen auf der Krim nicht länger ignorieren“, betonte Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit. „Es braucht klare politische Signale und konkrete Maßnahmen, um den Schutz der Krimtataren zu gewährleisten.“

Muslime verklagen Gouverneur von Florida

WASHINGTON (CAIR). Der Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) gab bekannt, dass er eine Klage gegen den Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, eingereicht hat, weil dieser die Bürgerrechtsorganisation als „ausländische terroristische Vereinigung“ eingestuft hat. Hiba Rahim, Geschäftsführerin von CAIR in Florida, erklärte am 9. Dezember, dass die Entscheidung von DeSantis die Islamfeindlichkeit in Florida und in den gesamten USA schüren könnte.

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Sudan: Humanitäre Krise erreicht Belastungsgrenze

Sudan

In den letzten Wochen hat sich die Krise im Sudan erheblich verschärft, da eskalierende Feindseligkeiten, Massenvertreibungen, Krankheitsausbrüche und ein weit verbreiteter Mangel an Zugang zu grundlegenden, lebenswichtigen Dienstleistungen weiterhin die Zivilbevölkerung im ganzen Land gefährden.

(IPS). Die Situation wurde durch einen massiven Anstieg der Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Oktober weiter verschärft, wodurch das ohnehin schon fragile Gesundheitssystem des Landes erheblich geschwächt wurde und Tausende von Menschen keine lebensrettende Versorgung mehr erhalten konnten. Von Oritro Karim

Am 23. Oktober veröffentlichten mehrere UN-Organisationen der Vereinten Nationen (UN) eine gemeinsame Erklärung, in der sie auf die sich rapide verschärfende humanitäre Krise im Sudan hinwiesen und zu dringenden, koordinierten internationalen Maßnahmen aufriefen.

Foto: Abd_Almohimen_Sayed, Shutterstock

Dazu gehörten die Internationale Organisation für Migration (IOM), das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) und das Welternährungsprogramm (WFP)

Nach Angaben der Agenturen haben über 900 Tage Dauerkrieg und der Zusammenbruch lebensrettender Dienste „Millionen Menschen an den Rand des Überlebens gebracht“, wobei Frauen und Kinder unverhältnismäßig stark betroffen sind.

„Dies ist eine der schlimmsten Schutzkrisen, die wir seit Jahrzehnten erlebt haben“, sagte Kelly T. Clements, stellvertretende Hochkommissarin des UNHCR. „Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht, und zurückkehrende Familien erhalten kaum Unterstützung, da ihnen keine anderen Optionen zur Verfügung stehen.

Islamic Relief

Seit Beginn der Belagerung von El Faschir 2024 war die Stadt letzter Zufluchtsort für unzählige Menschen. (Foto: MSF/Jérôme Tubiana)

Ich habe mit Familien gesprochen, die kürzlich aus El Faschir geflohen sind und schreckliche Geschichten darüber erzählten, wie sie gezwungen waren, alles zurückzulassen und unter großem Risiko gefährliche Routen zu nehmen. Es ist eine dynamische Situation, und überall wird Unterstützung benötigt.“

Schätzungsweise 30 Mio. Sudanesen benötigen dringend humanitäre Hilfe, darunter fast 15 Mio. Kinder. Der Konflikt hat mehr als 9,6 Mio. Personen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen, wodurch der Sudan die größte Binnenflüchtlingskrise weltweit darstellt.

Gleichzeitig sind etwa 2,6 Mio. Menschen in aktive Konfliktgebiete zurückgekehrt – darunter rund eine Million nach Khartum –, nur um festzustellen, dass ihre Häuser und Lebensgrundlagen zerstört und grundlegende Versorgungsleistungen praktisch nicht mehr vorhanden sind.

Nach drei Jahren Konflikt gehört das Bildungssystem des Sudan zu den am stärksten betroffenen Bereichen. Schätzungsweise 14 von 17 Millionen Kindern im schulpflichtigen Alter haben keinen Zugang zu Schulbildung.

Darüber hinaus hält die Hungerkatastrophe an, wobei 2024 in Teilen des Sudan eine Hungersnot bestätigt wurde. Kinder sind weiterhin einem erhöhten Risiko der Unterernährung ausgesetzt, und Tausende von ihnen sind voraussichtlich „unmittelbar vom Tod bedroht“, wenn nicht bald eine Ernährungshilfe sichergestellt wird.

Darüber hinaus kämpfen sudanesische Familien weiterhin mit aggressiven Ausbrüchen von Cholera, Dengue-Fieber, Malaria und Masern, die durch nicht funktionierende Gesundheitssysteme und zerstörte Wasserversorgungssysteme noch verschlimmert werden.

Nach aktuellen Zahlen des UNHCR gehören die Gebiete Darfur und Kordofan zu den am stärksten von Cholera betroffenen Gebieten. Allein in der Region Tawila in Nord-Darfur wurden ab Mai mehr als 6.000 Infektionen und 11 Tode registriert – die meisten davon in Flüchtlingslagern. In Süd-Darfur hat das UNHCR seit Ende August 3.229 bestätigte Fälle und 177 Todesfälle dokumentiert.

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Kapital und Gewalt: Alessandro Arduino widmet sich den Kriegen in Afrika

gewalt krieg kapital

Alessandro Arduino über Krieg und Gewalt. Oft genug jenseits der globalen Aufmerksamkeit finden seit Jahren unzählige bewaffnete Konflikte in Afrika statt. (iz). Ihre Ursachen sind vielfältig: Kampf um politische Macht, […]

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