IZ-Hintergrundgespräch über Möglichkeiten und Grenzen von Mediennutzern, Kriege zu verfolgen und zu verstehen. Was können wir für mehr Verständnis tun? (iz). Derzeit werden auf der ganzen Welt Kriege und bewaffnete […]
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IZ-Hintergrundgespräch über Möglichkeiten und Grenzen von Mediennutzern, Kriege zu verfolgen und zu verstehen. Was können wir für mehr Verständnis tun? (iz). Derzeit werden auf der ganzen Welt Kriege und bewaffnete […]
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Karlsruhe (KNA). Das Bundesverfassungsgericht muss über eine Verfassungsbeschwerde entscheiden, die weitreichende Grundfragen zur gezielten Tötung durch Kampfdrohnen des US-Militärs aufwirft. Letztlich geht es auch um die militärische Einbettung Deutschlands in die Nato und um verfassungsrechtliche Grundfragen zur Wirkmächtigkeit des Grundgesetzes auch außerhalb der deutschen Grenzen. Von Volker Hasenauer
In der mündlichen Verhandlung des Verfassungsgerichts am Dienstag warfen die Kläger der Bundesrepublik vor, der Steuerung von bewaffneten, unbemannten Flugkörpern über den US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz tatenlos zuzusehen. „Die Airbase Ramstein ist für das US-Militär ein unverzichtbarer Knotenpunkt für willkürliche Drohneneinsätze im Mittleren und Nahen Osten“, sagte der Anwalt der Beschwerdeführer, Andreas Schüller. Deutschland trage eine Mitverantwortung für völkerrechtswidrige Tötungen.
Die Bundesregierung wies diese Argumentation zurück. Deutschland und seine militärischen Partner achteten das Völkerrecht. Zugleich sei die Stationierung von US-Militär in Deutschland und Europa für eine „glaubwürdige Verteidigung und Abschreckung unverzichtbar“. Und vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine wichtiger denn je, sagte der Vertreter der Bundesregierung, Thomas Hitschler. Das Grundgesetz verpflichte Deutschland nicht dazu, die Einsätze von militärischen Partnern weltweit zu kontrollieren.
Der Prozessbevollmächtigte der Bundesregierung, Sebastian Graf von Kielmansegg, wandte sich gegen die Verfassungsbeschwerde, weil durch sie eine „uferlose Ausdehnung“ des Grundgesetzes drohe. „Die Folge könnte eine Klagebefugnis für Menschen aus Kriegsregionen weltweit und eine globale Einstandspflicht Deutschlands für militärisches Handeln von anderen Staaten sein.“ Von Kielmansegg warnte vor einer „Form von Allzuständigkeit“ und einer Überschätzung des deutschen Einflusses. Zudem drohe die Partnerschaft mit den USA und der Nato Schaden zu nehmen.
Dagegen argumentierte der Vertreter der Beschwerdeführer, Sönke Hilbrans, auch wenn Deutschland durch die Überlassung der Basis Ramstein an die USA Hoheitsgewalt an eine „fremde Macht“ abgegeben habe, bleibe die Regierung dafür verantwortlich, was auf deutschem Staatsgebiet passiere.
Konkret muss das Verfassungsgericht über die Verfassungsbeschwerde von zwei jemenitischen Bürgern entscheiden. Sie geben an, dass bei einem US-Drohnenangriff in Jemen mehrere Mitglieder ihrer Familie getötet wurden, darunter ein jemenitischer Geistlicher. Bis heute lebten sie und ihre Familie weiter in ständiger Angst vor einem neuen US-Drohneneinsatz, sagte ihr Anwalt Schüller. Regelmäßig kreisten Drohnen über ihrer Heimatregion.
Die beiden Jemeniten argumentieren, die USA hätten bei dem Angriff im August 2012 völkerrechtswidrig fünf Zivilisten getötet. Die Getöteten seien keine islamistischen Terroristen gewesen. Vielmehr habe sich der getötete Geistliche der Organisation Al-Qaida entgegengestellt.
Die Drohnensteuerung sei technisch nur möglich gewesen, weil das Militär kurz zuvor mit Erlaubnis der Bundesrepublik eine neue Satelliten-Kommunikationsstation in der Airbase Ramstein aufgestellt habe, kritisierte der Anwalt. Über die Station steuere das US-Militär bis heute die Drohnen im Mittleren und Nahen Osten.
Seit 2014 hatten die Jemeniten, die weiterhin im Jemen leben, vor deutschen Verwaltungsgerichten gegen die Baugenehmigung für die Satellitenstation geklagt. Zunächst erhielten sie in Teilen recht, das Bundesverwaltungsgericht wies die Klage aber ab.
Im Hintergrund des komplizierten Rechtsstreits steht auch die Frage, ob und wann im Ausland lebende Nichtdeutsche vor deutschen Gerichten auf die Einhaltung des Grundgesetzes klagen können. Und ob Deutschland eine weltweite Verantwortung für die Einhaltung des Grundgesetzes hat.
Die kritischen Nachfragen mehrerer Verfassungsrichterinnen und -richter machten deutlich, dass die Forderungen der Beschwerdeführer zu weitreichenden verfassungsrechtlichen Neubewertungen führen könnten. Mehrfach fragten sie nach, wo dann überhaupt noch Grenzen für die Geltung des Grundgesetzes wären.
Umstritten war auch, ob Deutschland überhaupt eine Mitverantwortung für die Drohneneinsätze habe, nur weil sie dem US-Militär die Basis Ramstein zur Verfügung stelle. Ein Urteil des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts ist in einigen Monaten zu erwarten.
Bethlehem (KNA) Nichts lässt in diesen sonnig-milden Dezembertagen in Bethlehem erahnen, dass sich die größte Weltreligion an ihrem Ursprungsort auf ihr schönstes Fest vorbereitet. Die Kleinstadt südlich von Jerusalem verharrt – wie das gesamte Palästinensische Gebiet – aufgrund des Gaza-Kriegs im Trauermodus: kein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, keine Musik, keine Girlanden mit Weihnachtskrippe und Rentierschlitten, mit der die Stadt normalerweise auf dem zentralen Manger Square ihre Besucher begrüßte. Der „Krippenplatz“ zwischen Bürgermeisteramt, Friedenszentrum und Geburtskirche ist heute vollgeparkt mit Taxis, die vergeblich auf Passagiere warten. Von Johannes Schidelko
Die Kirchenoberen wollen auch in diesem Jahr der Linie von Stadt und Staat weitgehend folgen. Das christliche Weihnachten im Heiligen Land soll auf äußeren Pomp, laute Musik und prunkvolle öffentliche Feiern verzichten. Die Gläubigen sind angehalten, das an die Geburt Jesu in Bethlehem vor mehr als 2.000 Jahren erinnernde Fest zurückhaltend in den Gotteshäusern zu begehen.
Die Kirchenführer wehren sich indes gegen den Eindruck, dass die Christen ihr Hochfest absagen wollten. „Wir feiern das Fest des Friedensfürsten, das ein Fest der Hoffnung für alle Menschen ist“, sagt Bethlehems Ortspfarrer Rami Asakrieh der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch die Stadt Bethlehem, in der die Christen trotz sinkender Zahlen noch ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, leidet besonders unter den Folgen von Krieg und Krise in der Region.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel das Westjordanland abgeriegelt und die Übergänge weitgehend geschlossen. Damit sind die meisten palästinensischen Pendler, die täglich zur Arbeit nach Jerusalem fuhren, praktisch arbeits- und einkommenslos. Zudem kommen infolge internationaler Reisewarnungen kaum ausländische Besucher. Die Tourismusbranche, auf der Bethlehems Wirtschaft zu mehr als 60 Prozent basiert, ist komplett eingebrochen. Mit katastrophalen Folgen vor allem für die Christen, die zu 90 Prozent in diesem Sektor beschäftigt sind oder davon abhängen.
Dieser Einbruch ist in Jesus‘ Geburtsstadt unübersehbar. Hotels sind geschlossen, viele Restaurants öffnen gar nicht oder nur für wenige Stunden. Der Platz vor der 1.500 Jahre alten Geburtskirche, auf dem sich sonst die Pilger drängen, ist verwaist. Nur zwei Polizisten warten auf einer Bank neben dem Eingang. Zur Geburtsgrotte, vor der Menschen sonst eine Stunde lang anstehen, steigen nur vereinzelt Besucher hinab.
Rund um das Gotteshaus sind sie meisten Geschäfte geschlossen, in denen Kunden sonst Holzschnitzarbeiten, Krippenfiguren oder Ikonen kaufen. Die Handwerker bleiben auf ihren Waren sitzen, wie Händler Rony am Beginn der Milchgrotten-Straße. Vor seinem traditionsreichen Geschäft hängen Fotos von Papst Franziskus und Johannes Paul II. Rony bemüht sich um Export-Kontakte, um wenigstens einige Artikel zu verkaufen. Aufgeben will er nicht, weil er ohne Hoffnung nicht leben könne.
Auch Schwester Aleya im Caritas Baby Hospital im Norden Bethlehems versucht, die Zuversicht nicht zu verlieren – im Schatten der acht Meter hohen Grenzmauer zu Israel. Die Klinik, in der jährlich rund 50.000 palästinensische Kinder behandelt werden, erbringe als einzige entsprechende Fachklinik im Palästinensergebiet nicht nur medizinische Spitzenleistung, erläutert sie. Wesentlich sei die menschliche Fürsorge für die Patienten, die oft nur unter großen Schwierigkeiten und über viele Checkpoints das Krankenhaus erreichten. Fast alle seien Muslime.
Die Menschen hätten sich an den Krieg gewöhnt, viele seien mutlos angesichts der Schwierigkeiten, sagt die indische Ordensoberin. „Wir versuchen, ihnen durch Zuwendung etwas Hoffnung zu geben und damit Gottes Liebe zu zeigen.“ Im Prinzip stehe man in der Stadt vor der gleichen prekären Lage wie vor 2.000 Jahren, als Christus in einem Stall geboren worden sei.
Das Zeremoniell zum katholischen Weihnachten am 24. Dezember – die Orthodoxen feiern knapp zwei Wochen später – ist von einem strikten Regelwerk geprägt. Am frühen Nachmittag des Heiligabend trifft der Lateinische Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa in Bethlehem ein und geht zu Fuß durch die Stern-Straße zur Geburtskirche. Angeführt wird die Prozession von Pfadfindergruppen, diesmal ohne Musik und laute Trommlerchöre. Auf dem Krippenplatz wird er vom Bürgermeister und den kirchlichen Würdenträgern der Stadt begrüßt, bevor er in die Geburtskirche einzieht.
Für die Christmette in der katholischen Katharinenkirche werden in diesem Jahr keine Einlass-Tickets ausgegeben, auf die es in früheren Jahren stets einen erbitterten Run gab. Jeder kann kommen, vor allem die einheimischen Christen, aber auch die im Raum Tel Aviv tätigen ausländischen Arbeiter und Diplomaten. Die ersten Reihen sind für die palästinensische Staatsführung reserviert. Ob Präsident Mahmud Abbas persönlich an dem Gottesdienst teilnimmt, ist unklar. Eine Eintrittskarte benötigt er jedenfalls nicht.
(The Conversation). Die sogenannte „Achse der Verletzlichen“ bricht in Syrien zusammen. Ab 2016 brauchten Russland und der Iran, die das Regime von Baschar al-Assad stützten, mehr als ein Jahr lang mit Bombardierungen, Bodenangriffen und Belagerungen, um die Rebellenopposition im Osten der zweitgrößten Stadt Syriens, Aleppo, zu brechen.
Jetzt brauchten die Rebellen weniger als vier Tage, um die Metropole und den größten Teil ihres Distrikts zu befreien. Sie eroberten auch Gebiete in der benachbarten Provinz Idlib zurück und rückten nach Süden nach Hama vor.
Die russischen Streitkräfte blieben in ihren Stützpunkten am Mittelmeer. Und der Iran und sein libanesischer Verbündeter, die Hisbollah, waren vom Vormarsch der Rebellen in ihren Stellungen im Nordwesten Syriens überrascht. Sie gaben ihre Positionen auf, aber nicht bevor mindestens einige Kommandeure getötet wurden.
Seit 2020, nachdem Russland und der Iran seiner Armee geholfen haben, die Opposition in weiten Regionen des Landes zurückzudrängen, hat Assad den Vorsitz über einen Teil des zersplitterten Staates inne.
Er und seine Verbündeten hielten die meisten der größten Städte, darunter Aleppo und die Hauptstadt Damaskus, während von der Türkei unterstützte Oppositionsgruppen den größten Teil Nordwestsyriens kontrollierten und von den USA unterstützte kurdische Fraktionen im Nordosten eine Autonomie schaffen konnten.
Jetzt hat Assad nicht einmal mehr die Kontrolle über seine Portion der Aufteilung. Und die russischen und iranischen Verbündeten, die von einem Großteil der Welt isoliert sind, scheinen nicht in der Lage, seine Herrschaft auf dem Papier wiederherzustellen.

Foto: en.kremlin.ru | Lizenz: CC BY 4.0
Seit Beginn des Aufstands in Syrien gegen die langjährige Kontrolle seines Clans im März 2011 haben Moskau und Teheran dem Regime politische, logistische, nachrichtendienstliche und propagandistische Hilfe gewährt.
Der Iran übernahm praktisch den Befehl über sein Militär ab September 2012. Er schulte Zehntausende Milizionäre, um die geschwächten Streitkräfte aufzufüllen. Die Hisbollah entsandte ab 2013 ihre Kämpfer, um die Regierung nahe der libanesischen Grenze zu retten. Russland intervenierte ab September 2015 mit Spezialeinheiten und Luftstreitkräften.
Ein Großteil des Erfolgs von Assad und seinen Verbündeten lag in ihrer Fähigkeit, die internationale Gemeinschaft zu zermürben. Der Kreml verbreitete gezielt Desinformationen, um die tödlichen Chemiewaffenangriffe des Regimes zu vertuschen und um Oppositionsaktivisten und die syrische Zivilverteidigung „Weißhelme“ zu verunglimpfen.
Die Obama-Regierung ließ sich, anstatt das Regime zur Rechenschaft zu ziehen, in fruchtlose Diskussionen über einen Waffenstillstand hineinziehen. Die EU wurde außen vor gelassen, die UN waren machtlos und die arabischen Obrigkeiten sahen schließlich tatenlos zu.
Der größte Triumph des Regimes war vielleicht die Darstellung des Niedergangs der Anti-Assad-Bewegung als außergewöhnlich. Ost-Aleppo wurde im Dezember 2016 zurückerobert. Der Distrikt Daraa, ursprünglicher Entstehungsort der Proteste, sowie der Rest von Südsyrien folgten 2018. Und nach einer elfmonatigen Offensive wurden die Provinz Hama und Teile von Idlib wiederbesetzt, bevor im März 2020 ein von Russland und der Türkei ausgehandelter Waffenstillstand geschlossen wurde.
Aber diese Darstellung war auch eine Illusion, die Schwäche vertuschte. Russische Bombenangriffe und Belagerungen hatten einen Großteil des Landes eingeebnet und erstickt. Doch Moskau, der Iran und die Hisbollah verfügten immer noch nicht über die Streitkräfte, um dem Regime bei der Eroberung des restlichen Nordwestsyriens zu helfen oder die Kurden im Nordosten zu vertreiben.
„Wiederaufbau“ war eine trügerische Bezeichnung für die von der Regierung zurückeroberten Gebiete. Die nationale Wirtschaft, die seit langem unter der Kleptokratie der Assad-Elite leidet, verlor zwischen 2010 und 2020 mehr als die Hälfte ihres BIP. Das syrische Pfund, das 2011 noch einen Wert von 47 zum US-Dollar hatte, fielt inzwischen auf 13.000 in Relation zur Leitwährung und ist inoffiziell weit schwächer. Und die internationalen Sanktionen, die wegen der Massenmorde und der Unterdrückung durch das Regime verhängt wurden, sind weiterhin in Kraft.
Die Regierung konnte zwar auf Unterstützung von außen zählen, aber es konnte die Illusion der Macht aufrechterhalten. Doch dann setzte der russische Präsident Wladimir Putin darauf, dass seine Invasion die Ukraine 2022 schnell erobern würde. Fast drei Jahre später hat er den Großteil der Moskauer Ressourcen in Operationen dort gesteckt und das Land unter internationalen ökonomischen Druck gesetzt.
Die iranische Führung wird von Massenprotesten wegen sozialer Fragen, darunter auch Frauenrechte, bedrängt. Die Wirtschaft schwankt immer noch zwischen Ineffizienz und Sanktionen. Und gezielte Attentate und verdeckte Operationen durch Israel und die USA haben das Militär geschwächt.
Die Hisbollah wurde durch die Angriffe Tel Avivs in den letzten drei Monaten stark dezimiert, von explodierenden Pagern bis hin zur Tötung von Kommandeuren, darunter auch des Oberbefehlshabers Hassan Nasrallah. Ein wackeliger Waffenstillstand hat die Kämpfer nicht vor der Bedrohung durch israelische Luft- und Bodenangriffe bewahrt.
Als die Rebellen letzte Woche angriffen, standen sie nicht einer gepriesenen „Achse des Widerstands“ gegenüber. Sie sahen nur den verschwindenden Schatten von Assads angeblicher Autorität.

Foto: Presidential Office of Türkiye
Wie geht es für den syrischen Präsidenten und seine Unterstützer weiter? Die Antwort könnte nun beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan liegen.
Dieser hat die Rebellenoffensive zwar nicht gestartet – Quellen zufolge soll Abu Mohammad al-Jolani, Anführer von Hayat Tahrir al-Sham, die Entscheidung getroffen haben. Aber er ist der Nutznießer des Ergebnisses. Die politische und wirtschaftliche Reichweite der Türkei im Nordwesten Syriens hat sich seit 2016 auf die größte Stadt des Landes ausgedehnt.
Ankara hat Einfluss auf die Verhandlungsbedingungen. Es kann die Rebellen ermutigen und sogar ausrüsten, weiterzumachen, oder es kann einen Stopp und eine Konsolidierung fordern, um sich auf ein Treffen mit den Russen und Iranern vorzubereiten. Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat bereits seinen Teheraner Amtskollegen zu einem diplomatischen Meeting empfangen.
Aber das wirft weitere Fragen auf. Erdoğans Hauptfeind in Syrien ist nicht Assad, sondern die kurdischen Behörden, die er als Teil der türkisch-kurdischen Aufstandsgruppe PKK betrachtet.
Bisher gab es zwischen den von der Türkei unterstützten Rebellen und den von den Kurden angeführten Syrian Democratic Forces (SDF) keine ernsthaften Zusammenstöße. Die SDF und kurdische Beamte haben sich Berichten zufolge aus Gebieten in der Provinz Aleppo zurückgezogen und sich in den Nordosten Syriens zurückgezogen.
Aber wird Ankara das akzeptieren oder wie im Jahr 2019 einen Angriff auf den Nordosten verfolgen? Berichten zufolge hat Ankara Gespräche mit dem Assad-Regime über eine von der Türkei kontrollierte „Pufferzone“ weit innerhalb der Grenze aufgenommen.
Damit kommen wir zu den USA, die die Kurden und die SDF maßgeblich unterstützt haben. Im Moment wird Washington dieses Engagement wahrscheinlich beibehalten. Aber ab Januar ist vieles möglich, denn Donald Trump kehrt ins Weiße Haus zurück.
Nach einem Gespräch mit Erdoğan Ende 2018 versuchte dieser, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Er wurde vom Pentagon überlistet, aber ein weiteres Telefonat mit dem türkischen Präsidenten im Oktober 2019 gab grünes Licht für eine türkische Invasion über die Grenze.
Die Achse der Schwachen bricht, aber die Ära der Unsicherheit in Syrien geht weiter. Die syrischen Bürger können nur hoffen, dass sie jetzt nicht so tödlich oder zerstörerisch ist.
Dieser Artikel ist ein Wiederabdruck aus The Conversation unter einer Creative Commons-Lizenz. Lesen Sie den Originalartikel.
(iz). Zu den schönsten Büchern in der Welt der Reiseliteratur gehört zweifellos „Die italienische Reise“ von Johann Wolfgang von Goethe. Der Schriftsteller erklärt darin nichts weniger als den eigentlichen Sinn des Reisens. Beinahe zwei Jahre lang reflektierte er in Oberitalien, Rom, Neapel und Sizilien die Natur, die Kunst und die Menschen, denen er auf seinem Weg begegnete.
Er erwartete von seiner Reise in die Fremde eine Veränderung, eine Metamorphose seiner Persönlichkeit. Die Sehnsucht nach seinen (griechischen) Idealen versuchte er stets zu aktualisieren, weil ihm bewusst war, dass er in Weimar in einer anderen Raumzeit lebt. Seine Inspiration war es, nach der Rückkehr, seine Erkenntnisse in eine neue Alltäglichkeit einfließen zu lassen.
Mit dieser Absicht der Aktualisierung ist ein Besuch in Bosnien fruchtbar. Immer wieder beeindruckend ist die Hauptstadt Sarajevo – vor allem, wenn man sich für den Islam in Europa interessiert. Blickt man von den Bergen auf die Stadt, erzählt die lokale Architekturgeschichte, mit ihren, wie an einer Perlenkette aufgereihten Manifestationen, vom Leben und Schicksal der Menschen. In der Stadt erlebt man eine einmalige Gastfreundschaft und wird schnell Teil eines gelassenen Lebensstils.
Nach den Schrecken des Bosnienkrieges in den 1990er Jahre wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Die Metropole verändert, erinnert und inspiriert den Gast. Und selbstverständlich mahnt die Geschichte des Landes den aktiven Austausch mit den Nachbarn zu suchen, gerade wenn sie anderen Kulturen oder Konfessionen angehören.
Die Ghazi-Husrev-beg-Moschee, Mittelpunkt der osmanisch geprägten Altstadt, mit ihren für alle Besucher offenen Türen, wirkt wie eine Einladung in einen geistigen Innenraum, der das bunte Treiben der Gassen vergessen lässt. Man darf nicht vergessen, dass der sakrale Raum Teil einer größeren Anlage ist. Die Infrastruktur rund um das Gebäude besteht aus öffentlichen, sozialen und ökonomischen Einrichtungen.

Gebetsruf zum Abendgebet und Fastenbrechen in Sarajevo, Bosnien. Foto: Ammar Asfour
Es ist das Phänomen der Stiftungen, das die höheren Absichten der Muslime bezeugt. Im Moscheemuseum lese ich das Testament des Ghazi-Husrev-beg aus dem Jahr 1531. Es ist ein Aufruf zur Großzügigkeit, ein Bekenntnis zum Sinn und Zweck der Stiftungen, die auf Dauer angelegt sind und ausdrücklich der politischen Einflussnahme oder Instrumentalisierung entzogen werden. Der Gründer lebte in einer anderen, vergangenen Zeit – aber, diese soziale Idee bleibt bestehen. Eine friedliche Gesellschaft ist nur denkbar, wenn den Armen und Bedürftigen ein würdevolles Leben und Zugang zum Wissen ermöglicht wird.
Mich persönlich fasziniert die Konstellation von religiöser, sozialer und ökonomischer Infrastruktur rund um das ehrwürdige Gebäude; ein Zusammenspiel, das die Möglichkeit einer Balance birgt. Hier besichtigt man kein Museum. Man erkennt vielmehr ein Modell, das Muslime und Touristen aus aller Welt daran erinnert, dass die islamische Praxis nicht auf Politik reduziert werden kann. Auf unserer Reise geht es nicht darum, die Vergangenheit zu romantisieren, sondern eher darum, die Grundprinzipien dieses städtebaulichen Ansatzes zu verstehen.
Idealerweise ist eine Moscheeanlage nicht nur ein sakraler, geschlossener Raum. Die Bedürfnisse von Menschen, die nach Sinn und Bedeutung suchen, die Pflege der Nachbarschaft, die Nöte der Armen, die Notwendigkeiten der Reisenden oder der Händler werden ebenso erfüllt. Wie wir diese Aspekte in die moderne Stadtentwicklung des 21. Jahrhundert einfließen lassen, ist eine der wichtigsten Fragen an unsere Intelligenz.

IZ-Autor Prof. Dr. Enes Karic auf einer Pressekonferenz. (Foto: YouTube)
Es mag ein Vogel sein, der sanft auf einer Mauer landet. Laub, das der Wind über die Gräber fegt. Ein Blick, eine Geste, die man auf der Straße sieht. Die Phänomene, die uns wirklich treffen, bewegen, zum Staunen bringen oder erschrecken, führen uns in einen Moment der Sprachlosigkeit. Wir suchen nach Worten, um das Reale des Schönen oder Schrecklichen zu beschreiben.
Der Schriftsteller, oder die Schriftstellerin, widmen dieser Suche ihr Leben. Sarajevo ist nicht nur eine Stadt, die Geschichten schreibt, sondern auch ein Anziehungspunkt für all diejenigen, die sie aufschreiben, verstehen und lesen wollen. Manchmal findet man Bücher, oder sie finden uns. So treten wir in einen kleinen Buchladen ein und entdecken ein tiefsinniges Werk von Prof. Dr. Enes Karic: „Lieder wilder Vögel“.
Das Buch über die Rolle der Macht, der Liebe und des Glaubens ist historisch im Balkan des 16. Jahrhunderts angesiedelt und ist gleichzeitig eine Aktualisierung religiöser und philosophischer Fragen. Dabei wird klar, dass es zu keinem Zeitpunkt ideale Verhältnisse gab, wohl aber das Bemühen um Gewissheit, Redlichkeit und die Orientierung an moralischen Grundsätzen. In der Nacht lese ich in dem Werk und staune. Jeder hat seine eigenen Helden, ich bewundere das Vermögen des Schreibenden, dem es gelingt, den Reichtum seiner Erfahrungen zur Sprache zu bringen.
Am Morgen besuche ich das Literaturmuseum der Stadt, lese einige Biografien von Männern und Frauen, deren Namen für mich fremd klingen. Einige sind vergessen, andere wie der Nobelpreisträger Ivo Andrić berühmt geworden. Sie alle teilen die gleiche Leidenschaft und schreiben, woran sie geglaubt oder nicht geglaubt haben. Allein die Qualität ist der Maßstab: Ein Ungläubiger, der gut schreibt, wird den Gläubigen nicht verunsichern, sondern nur anregen, sein Wissen zu erweitern und noch tiefer zu glauben.
Man lernt eine andere Perspektive nicht kennen, wenn man sich mit den niedrigsten Ausdrucksformen dieser Kultur beschäftigt. Deswegen lohnt die Beschäftigung mit den Denkern und Dichtern, die in der Lage sind, die andere Sicht, ihre Erfahrungen auf höchster Ebene mitzuteilen. Das heißt nicht, dass man die jeweilige Quintessenz unbedingt teilt, sondern ist Ausdruck, dass man die harte Arbeit im Steinbruch der Wörter respektiert. Leben und leben lassen, als Bedingung der Möglichkeit des friedvollen Umgangs mit den Anderen, basiert nicht auf der Substanzlosigkeit, sondern ist das Ergebnis der Einsicht, dass Menschen unterschiedliche Geschichten erleben.
Diese Unterschiede zu erfahren und nachzuvollziehen, schafft keine Unsicherheit über die eigene Identität, sondern endet vielmehr mit einem Zugewinn für die eigene Substanz. Oft lese ich zum Beispiel die Werke Andersdenkender und erkenne in ihnen die Umschreibung des ersten Teils unseres Glaubensbekenntnisses.

Seit 2014 hat die Gazi-Husrev-beg-Bibliothek ein neues Zuhause. (Foto: O. Dikbakan
Der Islam ist ein Meer des Wissens. Wir besuchen das Museum der 1537 gegründeten Gazi Husrev-Beg-Bibliothek mit ihrer Sammlung von zehntausenden Büchern. Das älteste vorhandene Manuskript ist eine Abschrift aus dem Jahr 1105 des „Ihya’ Ulum ad-Din“ von Abu Muhammad Al-Ghazali. Darüber hinaus gibt es unzählige Werke in bosnischer, arabischer, persischer und osmanischer Sprache. In dem modernen Gebäude sehe ich aus der Ferne Studenten, die über ihren Schätzen sitzen und ihrem Wissensdrang nachgehen. Was studieren Sie? Es sind unendliche Möglichkeiten.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, ist eine der Einsichten, die wir Sterblichen, die nur über sehr bescheidenes Wissen verfügen, gerne wiederholen. Es sind die Gelehrten, auch die begnadeten Schriftsteller, die uns Zeit sparen können, uns helfen und an ihren Erkenntnissen teilnehmen lassen. Treffen wir sie persönlich, dann ist ein sicheres Zeichen der gelungenen Vermittlung, dass wir verändert aus der Begegnung kommen.

Foto: Paul Katzenberger | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ein anderes, wichtiges Kapitel in dieser Stadt beschreiben Bücher, die den Verlauf des Krieges in den 1990er Jahren nachzeichnen. Sie handeln vom Unglaublichen, von ehemaligen Nachbarn, die zu Feinden werden, von Verbrechen, von Heldentaten, von der Hoffnung und der Verzweiflung. Viele dieser Bücher wurden unter Tränen geschrieben und schaffen eine Erinnerungskultur, die in Zeiten des aufkeimenden Nationalismus in Europa, wie eine Mahnung wirken.
Jeden Abend, wenn wir aus der Altstadt hoch hinauf in die Berge in unsere Unterkunft wollen, benutzen wir ein Taxi. Die Gilde hat sich gut abgesprochen, es gilt ein Einheitspreis, der nicht zu verhandeln ist. Auf der Strecke entwickeln sich interessante Gespräche über Land und Leute. Beeindruckend ist zum Beispiel die Fahrt mit einer freundlichen Taxifahrerin, die sehr gut Deutsch spricht.
Als junge Frau, während des Krieges, lebte sie zwei Jahre in Deutschland und kehrte später zurück. Es war eine harte Zeit, seufzt sie. „Ich hatte schreckliches Heimweh und Angst um meine Eltern, die weiter in Sarajevo lebten.“ Ich frage sie, ob sie es für möglich hält, dass sich die schrecklichen Ereignisse eines Tages wiederholen könnten. „Ja, ich glaube das. Wir alle glauben das“, antwortet sie mit einem gequälten Lächeln, das ein Achselzucken begleitet. In ihrem melancholischen Ausdruck spiegeln sich gleichzeitig Sorge und Schicksalsergebenheit.
Wir sprechen über ihre ökonomische Lage. Sie beklagt sich, dass ihre gut ausgebildeten Kinder kaum Arbeit finden. Wir verstehen: Welche Mutter hat schon gerne, dass ihre Lieben die Heimat verlassen? Und sie deutet etwas an, das wir in unseren Gesprächen mit Slowenen, Kroaten und Bosniaken öfters hören: „In Jugoslawien waren die Verhältnisse bescheiden, aber immerhin gab es keine so extremen sozialen Unterschiede.“
Wir glauben nicht, dass es sich hier um Nostalgie handelt, oder gar um eine Sehnsucht nach der Rückkehr des Kommunismus. Die Botschaft ist einfacher: Es gibt in dieser Region nicht nur ökonomische Gewinner, sondern auch Armut und Zukunftsängste. Diese Phänomene – und nicht nur in dieser Region – sind immer der Nährboden für politische Unruhestifter.
Wir verabschieden uns herzlich von der Frau und das Gespräch wirkt nach. Am nächsten Morgen besuchen wir die Markthalle in Sarajevo. Hier sitzen Frauen vor ihren Ständen mit Obst und Gemüse, sie wirken gelangweilt. Die Geschäfte scheinen schleppend zu laufen und es ist ruhig an diesem Morgen. In der Ecke des Marktes sehen wir die Spuren des Einschlages einer Granate. Am 5. Februar 1994 waren hier viele Menschen gestorben. Wie bei jedem Krieg, kann man sich als Außenstehender nicht vorstellen, was eine Belagerung über so lange Zeit und das Leben in ständiger Todesgefahr bedeutet. Man kann hier eigentlich nur schweigend verweilen.
Gott sei Dank gibt es gute Gründe für einen gesunden Optimismus. Keine Frage, das Land entwickelt sich: In vielen Städten in Bosnien sieht man Neubauten, moderne Geschäftshäuser und neue Straßen. Neben dem pulsierenden Leben entdeckt man noch immer die Narben vergangener Tage an den alten Häusern. Man lernt hier, dass der Frieden etwas Wertvolles ist und dass man diese Zeit nutzen muss, um Brücken zu schlagen. Selbstredend gesellt sich zu dieser Praxis die Verpflichtung, den Nationalismus und jedes andere Extrem abzulehnen. Die Existenz von Moscheen, Synagogen und Kirchen erzählen von einer Tradition: die Kunst des Zusammenlebens auf engstem Raum. Das ist etwas, was man aus Bosnien mit nach Hause nimmt.
Der Schriftsteller Dzevad Karahasan schrieb in seinem Buch „Die Schatten der Städte“ allgemein gültige Sätze über seine Heimat: „In Sarajevo ist die kulturelle Identität (…) unverbrüchlich mit einer Art sozialen Unbehagens verbunden, weil der soziale Kontext des Menschen in Sarajevo ständig daran erinnert, dass die Welt voll von andersartigen Leuten ist, dass sein Glaube nur einer von vielen ist, dass er und alles Seine nur eine von unzähligen Möglichkeiten im Ozean der göttlichen Allmacht sind.“
Für den bosnischen Denker hängt es vom Charakter und Erleben des Menschen ab, ob er in dieser Situation eine Chance, eine Verpflichtung zum gegenseitigen Kennenlernen oder eine Gefahr sieht. Diese Herausforderung, ein Klima des von gegenseitigem Respekt getragenen Miteinanderseins zu schaffen, stellt sich heute in allen Städten Europas. Zur Aktualisierung historischer Erfahrung gehört es, sich an die gelungenen und gescheiterten Versuche der Geschichte zu erinnern.
Zwar ist Jordanien eines der stabilsten Länder in der arabischen Welt. Doch wegen seiner Nähe zu den Krisenherden der Region kommen derzeit nur wenige Urlauber aus Europa – obwohl im […]
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Der IStGH erlässt Haftbefehle für zwei israelische Politiker und ein Mitglied der Hamas-Führung. (The Conversation/IZ). Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, seinen ehemaligen Verteidigungsminister […]
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BAKU (KNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres sieht die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Baku als Teilerfolg. Er habe auf ein ehrgeizigeres Ergebnis gehofft, erklärte Guterres am 24. November in der aserbaidschanischen Hauptstadt. „Aber dieses Abkommen liefert eine Basis, auf der man aufbauen kann“. Nun komme es darauf an, dass die Staaten im kommenden Jahr weitere Klimaaktionspläne in Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel vorlegten. „Das Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe ist wirtschaftlich unausweichlich“, so Guterres. Die G20-Länder als größte Verursacher müssten dabei führen. Die Verhandlungen der mehr als 190 Teilnehmerstaaten hätten in einer Situation globaler Unsicherheit und Spaltung stattgefunden. Dennoch hätten die Teilnehmer bewiesen, dass multilaterale Zusammenarbeit auch schwierige Themen bewältigen könne. Am Sonntagmorgen hatten sich die Staaten bei der Weltklimakonferenz COP29 in Baku nach verlängerten, zähen Unterhandlungen auf ein Ergebnis geeinigt. Wichtigstes Resultat: Industrieländer sollen bis 2035 jährlich mindestens 300 Mrd. US-Dollar an Klimahilfen für ärmere Staaten zahlen. Bisher lag die Marge bei 100 Mrd., Ziel bleibt eine Jahressumme von 1,3 Billionen US-Dollar. Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien sollen erst schrittweise an der Zahlung beteiligt werden. Keine konkreten Fortschritte gab es bei der globalen CO2-Reduzierung. Hier blockierten Öl- und Gasförderländer wie Saudi-Arabien weitergehende Beschlüsse.

Foto: Josep Fontanelles Borrell, X
BRÜSSEL (KUNA/IZ). Der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, sagte am Donnerstag, er habe die Haftbefehle des IStGH gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant und einen Hamas-Führer zur Kenntnis genommen. „Diese Entscheidungen sind für alle Vertragsstaaten des Römischen Statuts bindend, zu denen alle EU-Mitgliedstaaten gehören“, schrieb er in seinem X-Account. Am 21. November beschuldigte der Strafgerichtshof Netanjahu und Galant sowie den Hamas-Führer Mohammad Deif, seit den Angriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.
NOTTINGHAM (The Conversation). Vom Irak über Afghanistan bis hin zu den USA werden die Grundfreiheiten für Frauen ausgehöhlt, da Regierungen bestehende Gesetze zurücknehmen. Erst vor wenigen Monaten führten die Taliban, die 2021 die Kontrolle über das Land wiedererlangten, ein Verbot für afghanische Frauen ein, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Ab August umfasste das Verbot auch das Singen, lautes Lesen, das Rezitieren von Gedichten und sogar das Lachen außerhalb ihrer Häuser. Die erste Amtszeit von Donald Trump hat gezeigt, dass es in seiner zweiten Präsidentschaft zu einer weiteren Aushöhlung der Frauenrechte kommen könnte. Die UN-Organisation UN Women schätzt, dass es weitere 286 Jahre dauern könnte, bis die weltweiten geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Rechtsschutz beseitigt sind. Kein Land hat bisher die Gleichstellung der Geschlechter erreicht, was sich am Lohngefälle, der rechtlichen Gleichbehandlung und dem Ausmaß der sozialen Ungleichheit ablesen lässt. Frauen und Mädchen werden nach wie vor in allen Teilen der Welt diskriminiert, und es scheint, als würde sich die Lage verschlechtern.

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BEIRUT (IPS). Mit dem Herannahen des Winters bedrohen die anhaltenden Luftangriffe und Bombardierungen im Libanon das Leben und die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung im ganzen Land und in den Nachbarregionen, was zu einer sprunghaft ansteigenden Zahl von Todesopfern und Vertriebenen geführt hat. Seit die Feindseligkeiten im September eskalierten, wurden im Libanon zahlreiche wichtige Infrastruktureinrichtungen zerstört, darunter auch historische Stätten, die für die libanesische Geschichte von großer Bedeutung sind. Im Verlauf des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah haben die Luftangriffe der israelischen Streitkräfte (IDF) auch vor Zivilisten nicht Halt gemacht. Wiederholte Luftangriffe in der Hauptstadt Beirut haben unter der Zivilbevölkerung weit verbreitete Angst ausgelöst, dass sich Hisbollah-Funktionäre unter ihnen verstecken und sie weiteren Angriffen aussetzen. Die hohe Zahl an Vertriebenen erhöht den Druck auf die humanitären Bemühungen in dieser Krise. Laut einem Bericht des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) sind seit der Eskalation der Feindseligkeiten im September etwa 473.000 Menschen aus dem Libanon nach Syrien geflohen. Es wurde hinzugefügt, dass durchschnittlich etwa 500 bis 600 Flüchtlinge täglich die libanesische Grenze überqueren.
BEIRUT (KUNA). Das Notfallzentrum des libanesischen Gesundheitsministeriums gab am 16. November bekannt, dass die Zahl der Todesopfer durch israelische Luftangriffe auf 3.452 gestiegen ist, wobei 14.664 Menschen verletzt wurden. Bei erneuten Luftangriffen auf Städte wie Al-Khribeh in Baalbek wurden bpsw. sieben Menschen getötet und 65 verletzt, darunter drei Kinder.
GENF (KUNA). Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, äußerte am 1. November seine große Sorge um die Sicherheit von Journalisten in Konfliktgebieten, insbesondere im Nahen Osten, den er als die gefährlichste Region für sie bezeichnete. In einer Erklärung aus Genf anlässlich des Internationalen Tages gegen Straflosigkeit bei Verbrechen an Journalisten hob Türk den erheblichen Verlust an Menschenleben unter palästinensischen Journalisten hervor. Er wies darauf hin, dass über 80 % der Morde an Journalisten ungestraft bleiben, insbesondere in Gebieten wie Gaza, der Ukraine, dem Sudan und Myanmar. Im Jahr 2023 wurden 71 Journalisten getötet, 61 davon im Dienst, und mehr als 300 weitere wurden inhaftiert.

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ISLAMABAD (KNA). Die Regionalregierung des Punjab hat den anhaltenden dichten Smog zur „Gesundheitskrise“ erklärt. Es handle sich um eine Folge des Klimawandels, hieß es am 15. November in einer Erklärung. Experten machten indes in erster Linie den Autoverkehr für die massive Luftverschmutzung in der Region verantwortlich: So seien allein in der Stadt Lahore täglich 5,2 Mio. Motorräder und 1,3 Mio. Autos auf den Straßen unterwegs. Der Smog beeinträchtigt inzwischen einen Großteil der Menschen in Punjab, das mit 128 Mio. Einwohnern die bevölkerungsreichste Provinz ist. Allein innerhalb eines Monats seien dort zwei Mio. Fälle von Atemwegserkrankungen registriert worden.
NEW YORK (KUNA). Der zermürbende Krieg und Israels verheerende Militäraktion in Gaza habe zu Massenvernichtung und enormen Verlusten geführt, sagte der UN-Sonderkoordinator für den Nahost-Friedensprozess, Tor Wennesland, am 18. November. In einer Besprechung vor dem UN-Sicherheitsrat zur Lage im Nahen Osten erklärte er: „Nach über einem Jahr schrecklichen Krieges und Blutvergießens steht die Region an einem düsteren Scheideweg.“ Er sagte: „Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln – gemeinsam mit den Parteien –, um den gefährlichen Kurs, auf dem wir uns befinden, zu ändern.“ Wennesland warnte, dass die humanitäre Lage in Gaza zu Beginn des Winters „katastrophal“ sei, insbesondere die Entwicklungen in Nordgaza mit einer großflächigen und nahezu vollständigen Vertreibung der Bevölkerung und weit verbreiteter Zerstörung und Rodung von Land, inmitten einer beunruhigenden Missachtung des humanitären Völkerrechts. Er erklärte, dass das besetzte Westjordanland weiterhin in einer „destruktiven Spirale aus Gewalt und Hoffnungslosigkeit“ gefangen sei.

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GENF (KUNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte am 1. November den Schutz von Journalisten in Gaza und allen besetzten palästinensischen Gebieten. In einer Botschaft, die bei der Eröffnung des Internationalen UN-Medienseminars zum Frieden im Nahen Osten in Genf verlesen wurde, betonte Guterres die Position der Vereinten Nationen, die eine politische Lösung der Krise und ein Ende der israelischen Besatzung fordert. Das Leid der Journalisten sei „beispiellos“. Die anhaltende Verfolgung von Journalisten zeige, wie sich die Lage im Gazastreifen und in allen palästinensischen Gebieten verschlechtere.
NEW YORK (IPS). Da sich die Lebensbedingungen im Sudan infolge des sudanesischen Bürgerkriegs verschlechtern, nehmen die Hungersnot und die Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht unter den rund 11,5 Millionen Vertriebenen weiter zu. Konflikte zwischen den Rapid Support Forces (RSF) und den sudanesischen Streitkräften (SAF) haben die Hilfsmaßnahmen erheblich behindert, sodass Millionen von Zivilisten mit weit verbreiteten Krankheiten und einem allgemeinen Mangel an lebensnotwendigen Ressourcen zu kämpfen haben. Neue Daten von UNICEF zeigen, dass der Süden des Landes am stärksten von der Hungersnot betroffen ist. Schätzungsweise 57 Prozent der Bevölkerung sind während der mageren Jahreszeit 2025 akut von Ernährungsunsicherheit bedroht. Kinder sind unverhältnismäßig stark betroffen, und viele von ihnen sind auf der IPC-Skala (Integrated Food Security Phase Classification) den höchsten Stufen von Hunger und Unterernährung ausgesetzt.

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WASHINGTON (Agenturen). Bei den Kongresswahlen am Dienstag wurden drei muslimische Kandidaten erneut in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Die demokratische Abgeordnete Rashida Tlaib, die einzige palästinensische Amerikanerin im Kongress, konnte ihren Sitz im 12. Kongressbezirk von Michigan verteidigen. Ilhan Omar, die erste von zwei muslimischen Frauen im Kongress, gewann eine dritte Amtszeit als Vertreterin des Bundesstaates Minnesota im Mittleren Westen. Der demokratische Abgeordnete Andre Carson wurde im 7. Bezirk von Indiana wiedergewählt, wo er den Republikaner John Schmitz besiegte.
Jerusalem (KNA) Am Mittwochmorgen ist ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Terror-Miliz Hisbollah im Libanon in Kraft getreten. Das israelische Sicherheitskabinett stimmte der von den USA verhandelten Vereinbarung laut Mitteilung aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Dienstagabend mit zehn Stimmen bei einer Gegenstimme zu. Israel behalte sich dabei „das Recht vor, gegen jede Bedrohung seiner Sicherheit vorzugehen“.
Netanjahu dankte US-Präsident Joe Biden „für das Verständnis, dass Israel bei dessen Durchsetzung Handlungsfreiheit behält“. Bei einer Ansprache an das israelische Volk am Dienstagabend begründete er seine Zustimmung zu dem Waffenstillstand damit, dass er Israel eine volle Konzentration auf die Bedrohung aus dem Iran erlaube und der israelischen Armee eine „Verschnaufpause“ gebe. Gleichzeitig isoliere er die Hamas von der Hisbollah und trenne damit die Fronten.
Netanjahu zeigte sich entschlossen, die Kriegsziele der Auslöschung der Hamas im Gazastreifen, der Rückkehr der Geiseln sowie der evakuierten Bewohner nach Nordisrael zu erreichen. „Der Krieg wird nicht enden, bis wir alle seine Ziele erreicht haben“, so der Regierungschef.
Gleichzeitig lobte er die Erfolge der Sicherheitskräfte an den verschiedenen Fronten des „Erlösungskrieges“. Sie riefen „weltweit Ehrfurcht und Bewunderung hervor und strahlen die Macht Israels auf den gesamten Nahen Osten aus“, darunter auf den Iran, dem erheblicher Schaden zugefügt worden sei.
Der israelische Präsident Isaac Herzog begrüßte das Abkommen. Dessen Bewährungsprobe werde in der „vollständigen Umsetzung liegen, um die Sicherheit aller Bewohner des israelischen Nordens zu gewährleisten“, schrieb er am Dienstagabend auf der Plattform X.
Der Minister für nationale Sicherheit, der Rechtsradikale Itamar Ben-Gvir sprach unterdessen von einem „ernsthaften Fehler“. Das Abkommen beraube Israel einer historischen Gelegenheit, die Hisbollah im Libanon in die Knie zu zwingen, schrieb er auf X.

Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Abkommen sieht Berichten zufolge eine 60-tägige Übergangszeit vor, in der die israelische Armee sich aus dem Südlibanon zurückziehen und die libanesische Armee rund 5.000 Soldaten südlich des Litani-Flusses stationieren wird, darunter an rund 30 Posten entlang der Grenze.
Im Libanon begannen die Menschen laut Berichten, in den Süden des Landes zurückzukehren. Der arabischsprachige Armeesprecher Israels, Avichai Adraee, warnte jedoch auf X vor einer verfrühten Rückkehr in evakuierte Gebiete. Die Armee bleibe weiterhin in Bereitschaft und werde die Menschen informieren, wann eine sichere Rückkehr möglich sei.
Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock nannte den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah einen Lichtblick für die gesamte Region. „Auch in Gaza brauchen wir jetzt dringend einen Waffenstillstand, damit die deutschen und alle anderen Geiseln endlich freikommen und Leid und Hunger von hunderttausenden Frauen, Kindern und Männern endlich aufhört“, forderte die Grünen-Politikerin.

Foto Ed Prio/NRC
„Nach einer Nacht voller Gewalt, in der die Bombardierung Beiruts durch die israelische Luftwaffe noch mehr Chaos und Zerstörung brachte, haben wir nun eine längst überfällige Waffenruhe. Für die Familien, die ich kürzlich im Libanon getroffen habe, und für Millionen Menschen im ganzen Land wird dies ein Moment der Erleichterung sein – aber diese Erleichterung muss von Dauer sein. Der Waffenstillstand muss ein Ende der Vertreibung von Menschen aus ihren Häusern und Gemeinden bedeuten und ein Ende der ständigen Angst und Sorge, die die Menschen ertragen mussten, weil sie sich fragten, wann der nächste Angriff kommen würde“, sagte Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), über den Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon.
„Im Libanon sind meine Kollegen vom NRC, von denen viele selbst vertrieben wurden und Angehörige verloren haben, motiviert, hinauszugehen und den Menschen dabei zu helfen, wieder ein Gefühl der Vertrautheit in ihrem täglichen Leben herzustellen. Wir werden im ganzen Land arbeiten, um die Vertriebenen vor einem harten Winter mit dem Nötigsten zu versorgen.“
Jene Staaten, die diesen tödlichen Konflikt angeheizt haben, müssten jetzt aktiv werden und humanitäre Hilfe für Hilfsorganisationen vor Ort bereitstellen. Die Kämpfe mögen vorerst vorbei sein, aber die humanitäre Notlage halte an, und viele Tausende Menschen würden noch Monate und Jahre lang die Auswirkungen der letzten zwei Monate der Gewalt spüren.
Die Hilfsorganisation CARE begrüßte den Waffenstillstand im Libanon. Sie appellierte an alle Konfliktparteien, eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren und die Bemühungen fortzusetzen, um einen dauerhaften Waffenstillstand und eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen.
„Die Sicherheit, der Schutz und das Wohlergehen aller Menschen in der Region müssen oberste Priorität haben. CARE fordert weiterhin einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen.“
Mehrere Staaten der arabischen Welt haben die Waffenruhe zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel ebenfalls begrüßt. Unter den ersten Ländern, die sich positiv dazu äußerten, waren unter anderem der Irak, Jordanien und Ägypten. Die Außenministerien des Irak und von Jordanien erklärten, die Waffenruhe biete eine Gelegenheit, die Gewalt gegen Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland zu beenden. Ägyptens Regierung teilte mit, die Waffenruhe könne zu einer regionalen Deeskalation beitragen.
Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien teilte mit, dass mit der Waffenruhe Hoffnung auf Stabilität und eine Rückkehr der libanesischen Binnenvertriebenen in ihre Heimatorte verbunden sei. Das Golfemirat Katar seinerseits hofft auch auf ein Ende der Kämpfe im Gazastreifen.
(GfbV/iz). Partnerinnen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) im Sudan berichten telefonisch von einer unmittelbar bevorstehenden Eskalation in El Fasher (Darfur), während bereits in weiten Teilen des Landes Gewalt, Vertreibung und Hunger herrschen.
„Es darf nicht sein, dass die Regierungskrise in Deutschland sich negativ auf die notleidende Bevölkerung des Sudan auswirkt. Trotz der andauernden Gewalt müssen hier kontinuierlich Zugänge für humanitäre Hilfe gefunden und Schutzmaßnahmen für die Notleidenden umgesetzt werden“, appellierte Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV, in einem Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock.
In einem Telefonat berichtete eine Mitarbeiterin der „Bana Group“, die im Sudan Friedensarbeit leistet, dass die Rapid Support Forces (RSF, unter Mohamed Hamdan Daglo, genannte Hemedti) in Darfur gezielt Angehörige der Zahgawa angreifen, unter anderem mit Scharfschützen.
In der Stadt El Fasher werde täglich gekämpft, Frauen würden vergewaltigt und Menschen vertrieben. „Frauen sind in El Fasher in großer Gefahr, von den Soldaten der Armee des Sudan aufgegriffen, verhaftet und eingesperrt zu werden. Der Geheimdienst meint, von ihnen Informationen über die RSF bekommen zu können, denn Männer riskieren ihr Leben, wenn sie die von der RSF kontrollierten Stadtteile betreten. Die Frauen versuchen, durch die Kampflinien zu kommen, die RSF stoppen sie selten. Mit den Verhaftungen der Frauen ist hier die Zahl der Vergewaltigungen stark angestiegen. Weder die Armee des Sudan noch die RSF lassen zu, dass die Zivilisten aus der belagerten Stadt fliehen“, berichtete die Mitarbeiterin der „Bana Group“. El Fasher könne in den nächsten Tagen an die RSF fallen.
Sie erklärt, in der Stadt Tambul, im Staat Gezira im Zentralsudan, drohe ein Völkermord: „Hier wird jeder, der nicht aus Darfur stammt, von der RSF getötet – es sei denn, er schließt sich der Miliz an. Ebenfalls im Bundesstaat Gezira liegt der Ort Alhilaliya, wo die RSF wahllos Menschen erschießen. Todesfälle aufgrund von Lebensmittelvergiftungen und einem Choleraausbruch versetzen die Menschen zusätzlich in Angst und Schrecken.“
Die RSF habe diese Region in ein riesiges Gefängnis verwandelt. Pro Stunde sterbe hier ein Mensch, meldet der sudanesische Ärzteverband.
„Im Bundesstaat Weißer Nil lebt die Bevölkerung in Rabak unter einem Belagerungszustand, das Internet fällt ständig aus, die Menschen harren aus und haben Angst vor einem Angriff der RSF. Die gleiche Situation wird aus Eldowaim berichtet“, heißt es in den Informationen, die die GfbV an das Auswärtige Amt weitergeleitet hat.
In Kordofan hätten sich viele Geflüchtete versammelt und suchten Schutz und Nahrung. Doch die Situation könne jederzeit eskalieren. Es gebe nur zwei Gebiete im Sudan, wo man relativ sicher sei, berichten die GfbV-Partnerinnen.
Diese seien Süd-Kordofan und Jabal Marra, eine Region in Darfur. Sie werden weder von der RSF noch von der sudanesischen Armee kontrolliert. Beide versuchen aber, auch hier die Kontrolle zu gewinnen und die lokalen Machthaber in den tödlichen Konflikt hineinzuziehen.
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