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Der Prophetengeburtstag – Mawlid an-Nabi

Prophetengeburtstag Mawlid an Nabi Sänger in traditioneller Kleidung

Der Prophetengeburtstag. Jährlich gedenkt die muslimische Welt der Geburt (Mawlid) des Gesandten Allahs, Muhammad, dem Siegel der Propheten.

Er wurde als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt, als Rufer zu Allah und als eine strahlende Leuchte. Seine Geburt war mit großen Zeichen und besonderen Ereignissen verbunden.

Woher die Feier kommt

Die Gedenkveranstaltungen zum Prophetengeburtstag entstanden wenige Jahrhunderte nach der Etablierung des Islam. Die islamischen Gelehrten betrachten sie mehrheitlich als gut und empfehlenswert, denn sie dienen der Erinnerung an die Geburt und die Entsendung des Propheten Muhammad, an sein Leben und sein großes Vorbild — sowie an die Bedeutung, diesem vorbildlichen Leben zu folgen.

Der Weg lässt sich genauer nachzeichnen, als es die Faustformel „wenige Jahrhunderte“ vermuten lässt. Belegt sind erste Feiern im 11. Jahrhundert am Hof der schiitischen Fatimiden in Kairo, wo sie zugleich die Abstammung der Dynastie vom Propheten betonten. Der erste sunnitische Herrscher, der das Fest offiziell beging, war der Zengide Nur ad-Din (regierte 1146 bis 1176); in den 1170er Jahren richtete Umar al-Malla in Mossul Mawlid-Feiern aus. Aufsehen erregten dann die prachtvollen Feiern, die der Begteginide Muzaffar ad-Din Gökböri Anfang des 13. Jahrhunderts in seiner Residenz Erbil ausrichten ließ.

Von dort verbreitete sich das Fest nach Westen und Osten: Im Maghreb wurde es 1236 zum ersten Mal in Ceuta gefeiert und unter den Meriniden fest verankert, auf Java ist es seit dem 16. Jahrhundert belegt. Heute ist der Tag in mehreren Ländern Staatsfeiertag, darunter Indonesien und Malaysia.

Frauen sitzen bei einer abendlichen Versammlung auf Matten und lesen Verse aus Büchlein und von Mobiltelefonen ab
Gelebte Gegenwart: Burda-Rezitation in einem indonesischen Pondok Pesantren. Foto: Pondok Pesantren

Die Frage der Zulässigkeit

Veranstaltungen anlässlich des Mawlid an-Nabi werden aus Liebe zum Propheten seit Jahrhunderten in allen muslimischen Völkern durchgeführt — auch wenn in letzter Zeit einige wenige Muslime sie als „unerlaubte Neuerung“ kritisieren, da vom Propheten selbst wie auch von seinen Gefährten nicht bekannt ist, dass sie seinen Geburtstag entsprechend begingen. Die überwiegende Mehrheit der Muslime und ihrer Gelehrten jedoch betrachtete und betrachtet die Feierlichkeiten als eine lobenswerte und segensreiche Neuerung.

Der Streit hat einen Fachbegriff, und an ihm hängt alles: bidʿa hasana, die „gute Neuerung“. Wer ihn gelten lässt, kann das Fest begrüßen; wer jede Neuerung für unzulässig hält, muss es ablehnen. Für die erste Lesart stehen die klassischen Autoritäten — as-Suyuti (gestorben 1505) und Ibn Hadschar al-Haitami (gestorben 1567) haben eigene Traktate dazu verfasst; Ali al-Qari (gestorben 1606) schrieb Mawlid-Texte, um Gott für empfangene Gunst zu danken, obwohl ihm die Mittel für ein Festmahl fehlten.

Die Gegenposition ist jünger, als sie sich gibt. Als die Wahhabiten 1803 Mekka einnahmen, verboten sie dort die Mawlid-Versammlungen. In der Neuzeit haben der frühere saudische Großmufti Abd al-Aziz ibn Baz (1910–1999) sowie Muhammad ibn al-Uthaimin (gestorben 2001) und Salih al-Fauzan (geboren 1935) daran festgehalten: ein religiöser Brauch ohne Grundlage in Koran, Sunna und der Praxis der ersten Generationen. Auch Ibn Taimiya, auf den sie sich berufen, ist dabei zurückhaltender als seine späteren Leser — er nennt die Feier eine Nachahmung, erkennt aber die Liebe zum Propheten als Beweggrund ausdrücklich an.

Die Befürworter führen vier Gewährsleute an — Ibn Hadschar al-Asqalani („Alles, was nicht während der Zeit des Propheten bestand, wird Erneuerung genannt, aber einige sind gut, während es andere nicht sind“), Imam asch-Schafi’i in der Überlieferung al-Baihaqis, Imam an-Nawawi und ausführlich Imam as-Suyuti, der in „Al-Hawi li’l-Fatawi“ beschreibt, was eine Mawlid-Feier ausmacht: Menschen versammeln, Teile des Qur’an rezitieren, Geschichten über den Propheten erzählen, Essen reichen.

Die Tradition der Lobgedichte

In der islamischen Literatur und Dichtung gibt es eine große Tradition der Lobgedichte auf den Propheten. Der erste, der sie noch in Gegenwart des Propheten begann, war der Prophetengefährte Hassan Ibn Thabit. Zu den berühmtesten Verfassern zählt Imam al-Busairi, dessen „Al-Burda“ das wohl bekannteste Gedicht seiner Art in der muslimischen Welt ist; sein zweites großes Werk „Al-Hamziya“ steht dem nicht nach. Von Marokko bis Indonesien geschätzt ist „Dala’il al-Khairat“, eine Sammlung von Segenswünschen des marokkanischen Imam al-Dschazuli, die von vielen täglich rezitiert wird.

Aufgeschlagene Burda-Ausgabe mit arabischem Text und englischer Übersetzung, darauf eine Gebetskette
Al-Busairis „Al-Burda“ in einer zweisprachigen Ausgabe. Foto: Al Ghazali Institute

In den türkischen Moscheen wird in jedem Fall das „Mevlüt-i Şerif“ von Süleyman Çelebi (gestorben 1422) rezitiert — nicht nur zum Prophetengeburtstag, sondern auch zu anderen Anlässen von besonderer Bedeutung. Sein eigentlicher Titel lautet „Vesiletü’n-Necat“, „Mittel der Rettung“. Es liegt in einer Auszugsübersetzung von Annemarie Schimmel vor.

Jede Region hat ihren eigenen Text. In Ägypten, Nigeria, Ostafrika sowie in Süd- und Südostasien ist das „Iqd al-dschawahir“ („Juwelenhalsband“) von Dschafar al-Barsandschi (1690–1765) verbreitet, meist schlicht „Mawlid al-Barsandschi“ genannt. Im Swahili-Raum wird der Text des hadramitischen Gelehrten Ali ibn Muhammad al-Habschi (1843–1915) rezitiert. Wer eine Mawlid-Feier von Marokko bis Sansibar besucht, hört also überall dieselbe Absicht in verschiedenen Worten.

Warum das Besingen des Prophetengeburtstag mehr ist als Brauchtum

An dieser Stelle trägt der klassische Text mehr als jede Beschreibung. Said Nursi nennt das Besingen der Geburt und der Himmelfahrt des Propheten „eine besonders schöne und segensreiche Gewohnheit“ und geht dann weiter:

„… ja mehr noch im gesellschaftlichen islamischen Leben eine sehr feine, glanzvolle und überaus angenehme Art der Unterhaltung, ja mehr noch der willkommenste, heitere Unterricht, um die Glaubenswahrheiten wieder in Erinnerung zu bringen, ja mehr noch die wirksamste und anregendste Möglichkeit, das Licht des Glaubens, die Liebe zu Gott und die hohe Verehrung für den Propheten darzustellen und zu ihr zu ermuntern.“

Daran schließt Nursi einen Gedankengang an, der den Rang des Propheten begründet: Da der Schöpfer von jeder Art ein besonders erlesenes Exemplar hervorgebracht habe, müsse es auch im gesamten Universum ein solches geben — ein Lebewesen, mit Bewusstsein begabt, ein Mensch, und unter den Menschen jener, dessen geistliche Leitung über 1.350 Jahre fortbesteht.

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Reisen ist eine qur’anische Empfehlung und eine prophetische Sunna

pferd mekka reise sunna

Auch wenn sich in islamischen Quellen und diversen, regionalen Traditionen nichts unter dem Schlagwort „Tourismus“ finden lässt, hat das Reisen (arab. as-safar) im Din sowie im Alltag der Muslime eine nicht zu überschätzende Bedeutung.

(iz). Das Leben ist eine Bewegung: vom Augenblick der Geburt bis zum letzten Atemzug. In der Sura Al-Baqara finden wir die folgende Stelle: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“

Das Reisen wird mehrfach im Qur’an erwähnt. Im Leben mehrerer Propheten, möge Allah ihnen allen Frieden geben, wie Musa, Jusuf oder Junus zählt sie zu wichtigen Elementen ihrer Geschichte.

Der Weg des Gesandten Musa, möge Allah ihm Frieden geben, beginnt mit ihm als hilfloses Baby in einem Weidenkorb, und führte ihn durch verschiedene Herausforderungen und Abenteuer. Er war ein essenzieller Bestandteil seiner prophetischen Realität, die in der Begegnung mit Allah mündete.

Allah berichtet in der Sura As-Saffat (in den Versen 139 bis 148) von der Reise und dem damit verbundenen Schicksal des Propheten Junus, möge Allah ihm Frieden geben. Dies brachte ihn in eine dreifache Düsternis: die der Nacht, in der Dunkelheit im Inneren des Wals und die der Tiefe des Meeres. Aus dieser führte Allah ihn hinweg, gab ihm Anhänger, erhob ihn und machte ihn zu einem Seiner Gesandten.

Der letzte Prophet, unser Meister Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, machte auch die Erfahrung der Reise. Der Herr der Welten brachte ihn vom Haram in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und von dort zu einer Begegnung, die ihn in die größtmögliche Nähe der Gegenwart des Herrn der Welten führte.

„Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ“, heißt es dazu im ersten Vers der Sura Al-’Isra.

Abgesehen von der Hadsch finden sich im Qur’an auch andere Hinweise auf das Reisen. Dazu zählt der zehnte Vers der Sura Muhammad: „Sind sie denn nicht auf der Erde gereist, damit sie das Schicksal derjenigen erkennen können, die vor ihnen kamen?“

In der Tradition finden sich verschiedene Motive für eine Reise. Über seine Bedeutung und Wirkungen schrieb der Rechtsgelehrte und Begründer der nach ihm benannten Rechtsschule, Imam Asch-Schafi’i:

„Es findet sich für den Klugen und Verständigen keine Ruhe des Geistes im permanenten unbeweglich-sein. Also, verlasst eure Heimatländer (…)! Reist! Hier findet ihr einen Ersatz für das, was ihr zurückgelassen habt. Zieht hinaus! Hier findet sich die Süße des Lebens. Ich habe gesehen, dass stehendes Wasser fault. Wenn es fließt, ist es nahrhaft (…). Verlässt der Löwe sein Lager nicht, kann er nicht jagen. (…) Die Absichten des Reisenden sind ehrenwert. Wer reist, der wird wie Gold geachtet.“

hadsch

Foto: Archiv

Über die beschwerlichen Aspekte sagte der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Reisen ist eine Form von Bestrafung. Es entzieht einer Person Essen, Trinken und Schlaf. Hat der Reisende seine Bedürfnisse befriedigt, sollte er sich beeilen, zu seiner Familie heimzukehren.“

Im Islam wird jede Handlung nach ihrer Absicht bewertet. Und so lässt sich das Reisen allgemein in Empfehlenswertes, Abzulehnendes und Erlaubtes einteilen. Jede erlaubte Handlung kann den Rang einer lobenswerten annehmen, wenn sie die richtige Absicht hat und die entsprechende Person Allah näher bringt.

Zu den empfehlenswerten Aspekten zählen der Besuch segensreicher Orte wie der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, der Besuch bei Leuten des Wissens und die Suche danach, die Handelsreise sowie die Bemühung um den Lebensunterhalt.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte über die Suche nach Wissen: „Wer sein Haus auf der Suche nach Wissen verlässt, befindet sich auf dem Wege Allahs.“

Der Prophet selbst bezeichnete dies auch als „Pflicht für jeden Muslim“. Schaikh Ibn ‘Ajiba stellte in seinem bekannten Kommentar auf ein Gedicht von Ibn Al-Banna klar, dass mit „Wissen“ nützliches gemeint ist.

Verschiedene Gelehrte haben über das Reisen geschrieben. In der Hadsithsammlung von Imam Al-Bukhari findet sich ein Abschnitt zum „Adab der Reise“. So wies der Prophet seine Gefährten an, nicht alleine unterwegs zu sein: „Ein Reiter ist ein Schaitan, zwei Reiter sind zwei Schaitane, aber drei sind eine Gemeinschaft.“

Außerdem besteht Einigkeit darin, dass eine Gruppe Reisender immer jemanden haben sollte, der für die Dauer der Reise als Verantwortlicher agiert.

‘Abdullah ibn Sardschi berichtete: „Wenn der Gesandte Allahs reiste, suchte er Zuflucht vor den Beschwerlichkeiten der Reise, vor einer sorgenvollen Heimkehr, vor dem Verlust des Eigentums, (…) und vom schlechten Blick in Bezug auf seine Familie oder sein Eigentum.“

Abu Huraira gab diese prophetische Aussage weiter: „Drei Bittgebete werden ohne Zweifel beantwortet: Das Bittgebet desjenigen, dem Unrecht angetan wurde, das Bittgebet des Reisenden und das Bittgebet eines Elternteils für sein Kind.“

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Mentoring oder die Notwendigkeit des spirituellen Vorbilds

mentoring vorbild

Mentoring: Die Übertragung und Verwirklichung von echtem Wissen gelingt nicht ohne ein menschliches Vorbild.

(Traversing Tradition). Meine Frau und ich haben kürzlich eine schöne Zeit mit geistlichen Vorbildern verbracht. Es war beeindruckend, wie sie als klärende Kraft in das Leben wirken, das wir oft unnötig verkomplizieren. Von Abid Haseeb

Dabei wurde mir bewusst, wie dringend wir in unseren Gemeinschaften Menschen brauchen, die Zugang zu soliden, lebendigen Vorbildern haben und von diesen angeleitet werden.

Das leuchtet jedem intuitiv ein, der sich mit irgendeiner Art von Handwerk beschäftigt: Wenn man eine Kampfkunst erlernen möchte, tut man das nicht, indem man Bücher liest oder Videos anschaut. Man lernt sie unter der Anleitung eines Meisters, der wiederum von jemand anderem ausgebildet wurde und die Erlaubnis erhalten hat, zu unterrichten.

Kochen

Foto: Lucy Ewitt

Die Kenntnis steckt in der Person. Wenn man lernen möchte, die Küche zu beherrschen, kann man sich zwar etwas Wissen durch das Lesen eines Kochbuchs oder das Anschauen von Instagram-Reels aneignen.

Aber seine Feinheiten, die Entwicklung eines ausgeprägten Geschmackssinns und das Verständnis dafür, wie man sich anpasst, wenn etwas schiefgeht, erlangt man nur, wenn man von jemandem wie der Mutter oder Großmutter unterrichtet wird.

Ein weiteres Beispiel findet sich in meinem eigenen Berufsfeld, der Augenchirurgie. Es spielt keine Rolle, wie viele Videos man sich ansieht oder wie viel Zeit man im Übungslabor verbringt.

Nur unter dem wachsamen Auge und der leitenden Hand eines ausgebildeten Chirurgen kann man lernen, alleine Operationen an anderen Menschen durchzuführen und dabei sorgfältig zu vermeiden, ihnen Schaden zuzufügen.

Bei dem jüngsten Besuch erwähnte einer meiner Lehrer in einer Versammlung, dass es im Allgemeinen drei Wege gibt, auf denen eine Person ihre Religion richtig ausüben kann: strukturierte Lehrgänge oder Kurse, individuelles, konsequentes Studium und das Beobachten von sachkundigen und rechtschaffenen, frommen Menschen.

Die dritte Kategorie bewertet man anhand der ersten beiden. Eine Person, die äußerlich zunächst „fromm“ erscheint bzw. hohes Ansehen genießt, aber ständig gegen das Heilige Gesetz verstößt oder andere auf eine Weise behandelt, die nicht mit dem Vorbild des Propheten vereinbar ist, kann nicht als Mentor bzw. Wegweiser gelten.

Nachrichtenüberflutung flatrates

Foto: Camilo Jimonez, Unsplash

Dieser Rahmen ist sowohl pragmatisch als auch wirkungsvoll: Das gelebte Beispiel eines Wegweisers ist in der Auseinandersetzung des Einzelnen mit der fundierten Tradition verankert.

Wenn dieser Rahmen vernachlässigt und durch einen unpersönlichen Konsum von Inhalten ersetzt wird, begeben wir uns auf einen gefährlichen Weg.

Wir hüpfen auf ihm aus einer Laune heraus von einem Kopfsteinpflasterstein zum nächsten, anstatt in den Fußstapfen eines lebendigen Wegweisers zu wandeln.

Je mehr Zeit ich in der Gemeinschaft verbringe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es für Muslime unvorstellbar ist, die Schwierigkeiten und raschen Veränderungen in ihrem Leben ohne den scharfsinnigen Blick und die leitende Hand eines spirituellen Mentors zu meistern.

Jemand, dessen Auseinandersetzung mit der Religion darin besteht, auf Webseiten nach handverlesenen Hadithen zu suchen oder provokative Videos in den sozialen Medien zu konsumieren, sollte wissen, dass seine Herangehensweise an den Islam eine neu erfundene Methode ist, die im Widerspruch zur Praxis seiner Vorgänger steht.

Was zudem auffällt, ist, wie wenig intuitiv dies für Menschen zu sein scheint, die es in weiteren Bereichen begreifen: Ein muslimischer Chirurg weiß vielleicht, dass man das Operieren von einem anderen lernen muss, schickt sich aber dennoch an, die Religion durch willkürliche Internetrecherchen zu verstehen und darüber zu sprechen. Beides führt zu Schaden. Sie unterscheiden sich in Form und Ausmaß.

Man begreift, dass jemand, der einen ansieht, in der Lage ist, das Beste und Ganzeste in einem zu erkennen. Er sieht das Potenzial dessen, wozu man fähig ist, was man vielleicht an sich selbst ändern muss, um diesem Potenzial näherzukommen, und wie er einen bei diesem Vorhaben behutsam unterstützen kann.

Foto:: IZ Medien

Sie können dir helfen zu verstehen, wie du Reibungen in deinen zwischenmenschlichen Beziehungen durch Liebe und Vergebung überstehen und ein bereicherndes Netzwerk menschlicher Bindungen aufbauen kannst, das dich in der Not stützt – und umgekehrt.

Wenn all diese Dinge zusammenkommen, beginnst du besser zu verstehen, dass deine spirituellen Mentoren nicht einfach nur Wissensspeicher über den Fiqh des Gebets sind oder rund um die Uhr verfügbare Therapeuten.

Stattdessen sind sie gelebte Beispiele der Sunna, von der du bisher nur gehört, sie aber nicht miterlebt hast. Sie sind das scharfsichtige Auge und die leitende Hand in deiner Existenz, die sich um dich sorgen und darum, dass du auf eigenen Beinen stehen und ein gutes Leben führen kannst, das Allah wohlgefällig ist.

Du beginnst, die Liebe besser zu verstehen, die die Gefährten des Propheten für ihn empfanden, und im Gegenzug wird deine Zuneigung zu deinen Mentoren (oder deinem Schaikh) dazu führen, dass deine Liebe zu ihm wächst. In Wahrheit sind sie Zuflüsse, die nährendes Wasser aus Flüssen mit sich bringen, die ihrerseits aus dem ozeanischen Vorbild des Propheten entspringen.

Mögen wir, wie der Dichter Imam al-Busiri sagte, das, was wir suchen, in Handvoll aus dem Meer oder in kleinen Schlucken aus dem Nieselregen vom Propheten Muhammad erhalten.

* Der Beitrag erschien am 23. Februar 2026 bei „Traversing Tradition“. Übersetzung und Veröffentlichung durch die IZ.

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Islamische Lebenspraxis: das Bittgebet als tägliche Praxis

bittgebet dua lebenspraxis

Allah um Hilfe zu bitten ist eine der besten Möglichkeiten, wie wir Ihm näherkommen und die eigene Verletzlichkeit sowie unser Bedürfnis nach Ihm ausdrücken können.

(Yaqeen Institute/IZ). Der Prophet sagte: „Das Du’a ist die Essenz der Anbetung.“ Dies bedeutet, dass es die ultimative Form der menschlichen Demut und Ergebenheit ist. In Zeiten der Not und des Leidens ist es umso wichtiger, dass wir Allah bereitwillig um Seinen Trost und Schutz bitten.

Allah, der Mächtige und Erhabene, sagt: „Hätten sie sich doch gedemütigt, als Unser Unglück über sie kam. Doch ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan ließ ihre Taten in ihren Augen gut erscheinen.“

Der berühmte Qur’ankommentator Muhammad ibn Ahmad Al-Qurtubi (gest. 671 n. H.) sagte: „Dies ist ein (göttlicher) Vorwurf dafür, dass sie das Flehen aufgegeben haben. Es macht auch darauf aufmerksam, dass sie sich nicht demütigten, als die Strafe kam.“ Möge Allah uns vor harter Herzenshärte und der Verführung durch den Satan bewahren!

Die Bedeutung des Gebets zu Allah kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ibn Al-Qayyim schrieb: „Das Gebet ist eines der wirksamsten Heilmittel. Es ist der Feind des Unglücks; es wehrt es ab, heilt es, verhindert sein Eintreten und lindert oder mildert es, falls es doch eintritt. Es ist die Waffe des Gläubigen.“

Es gibt zwei Arten von Du’as, die sich auf Notlagen, Krankheiten und Epidemien beziehen. Die erste Art sind allgemeine Bittgebete um Schutz vor dem Bösen. Unser Ziel ist es, uns anzugewöhnen, diese Gebete dann zu sprechen, wenn Allah eine akute Schwierigkeit durch Seine Gnade und Barmherzigkeit beendet hat.

islam Seele

Foto: Ammar Asfour, The Eye in Islam

Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Die Taten, die Allah am liebsten sind, sind jene, die am beständigsten sind, auch wenn es nur wenige sind.“

In der islamischen Tradition gibt es zusätzlich Gebete, die speziell der Linderung und dem Schutz vor Krankheiten dienen.

Diese persönliche Anbetungsform wird als „Waffe des Gläubigen“ bezeichnet, doch die Wirksamkeit einer solchen hängt von der Geschicklichkeit desjenigen ab, der sie einsetzt.

Das Du’a kommt den Muminun am meisten zugute, wenn sie verstehen, worum sie beten. Andernfalls machen wir uns möglicherweise schuldig, leere Formeln zu sprechen, ohne dass unser Herz dabei ist. Der Prophet sagte: „Allah erhört kein Gebet, das von einem abgelenkten Herzen kommt.“

Zu den häufigsten Du’as, die der Gesandte Allahs verrichtete, gehören jene, die gemeinhin als „Bittgebete am Morgen und am Abend“ bezeichnet werden. Mit „Morgen“ ist hier die Phase zwischen dem Morgengrauen (Fajr) und dem Sonnenaufgang gemeint, während „Abend“ den Beginn der ‘Asr-Periode bis zum Sonnenuntergang benennt. Allah hat diese Zeiten dafür bestimmt, Ihn zu preisen und an Ihn zu denken.

Gebete, die in dieser Zeit gesprochen werden, haben einen besonderen Wert und führen dazu, dass man zu jenen gehört, die Allah als „Männer und Frauen, die Allah oft gedenken“ lobt.

Ibn As-Salah (gest. 643 n. H.) sagte: „Wer regelmäßig das prophetische Dihr am Morgen und am Abend spricht, zusammen mit den Gebeten, die für die jeweilige Zeit und Situation bestimmt sind …, gehört zu denen, die Allah oft gedenken.“

türen scham dhikr

Foto: B. Lund, IZ Medien

Ibn Taymiyya war der Ansicht: „Dhikr ist für das Herz wie Wasser für den Fisch. In welchem Zustand wäre der Fisch ohne Wasser?!“

Darüber hinaus sagte der Prophet selbst: „Das Beispiel dessen, der sich an seinen Herrn erinnert, im Vergleich zu dem, der sich nicht an seinen Herrn erinnert, ist wie das der Lebenden und der Toten.“

Eines dieser prophetischen Du’as mit Bezug zu einer festen Tageszeit lautet:

„Der Morgen ist angebrochen, und alle Herrschaft liegt an diesem Morgen bei Allah, und alles Lob gebührt Allah. Es gibt keinen wahren Gott außer Allah, allein, ohne Partner. Ihm gebührt alle Herrschaft und alles Lob, und Er hat Macht über alle Dinge. Mein Herr, ich bitte Dich um das Gute an diesem Tag und das Gute an dem, was darauf folgt, und ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Bösen an diesem Tag und dem Bösen an dem, was darauf folgt. Mein Herr, ich suche Zuflucht bei Dir vor der Trägheit und vor den Übeln des Alters. Mein Herr, ich suche Zuflucht bei Dir vor der Qual im Feuer und der Strafe im Grab.“

‘Abdallah ibn Mas’ud berichtete, dass der Prophet dieses schöne Gebet morgens und abends „zu sprechen pflegte“. Diese Formulierung deutet darauf hin, dass es Teil der täglichen Routine des Gesandten Allahs war.

Der Prophet beginnt seine Anrufung damit, Allah zu preisen und zu verherrlichen. Dies ist eine der wichtigsten Regeln dieser Anbetung. Allah hat uns dieses Vorbild im größten Du’a gegeben: der Sure Al-Fatiha.

Indem wir anerkennen, dass sämtliches, was wir brauchen und wollen, in Seinen Händen liegt („Ihm gehört alle Herrschaft“) und dass Er die Macht hat, diese Bitten zu erhören („und Er hat Macht über alle Dinge“), bringen wir das Vertrauen zum Ausdruck, dass unsere Gebete erhört werden.

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Nach der Hajj – Besuch beim Propheten in Medina

prophet

Beim Propheten in Medina: Jeder sollte nach der Hajj, soweit es möglich ist, den Gesandten Allahs besuchen.

(iz). Das große Ereignis des Hajj, die lebensbestimmende und vervollkommnende Reise für Muslime in aller Welt, steht kurz bevor. Während Sie dieses lesen, sind Millionen in Mekka, um das Haus Allahs zu besuchen und die Riten unseren Vorfahren Ibrahim zu erfüllen, bzw. haben ihre Pilgerfahrt erfolgreich abgeschlossen. Damit besiegeln sie eine der fünf großen Säulen des Islam.

Das ist das erste Stadium der Reise. Danach kommt der Besuch beim Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, an dessen Grab in der großen Moschee der erleuchteten Stadt Medina. Das ist ein Punkt, bei dem kein Pilger meinen sollte, er könnte darauf verzichten. Denn durch diesen Besuch wird seine Pilgerfahrt vollendet.

Besuch beim Propheten: Konsens der Gelehrten

So ist die Übereinkunft der Leute des Wissens unter den vier Rechtsschulen und es ist der Grund, warum der Besuch des Prophetengrabes in den Rechtsbüchern immer im Kapitel zur Hajj abgehandelt wird.

So sagte Ibn ‘Aschir beispielsweise in seinem „Murschid Al-Mu’in“ am Ende der Sektion über die Hajj: „Geh zum Grab des Auserwählten mit spiritueller Höflichkeit und einer Absicht, sodass jede deiner Bitten beantwortet werden mag.“

Und An-Nawawi schrieb: „Wisse, dass jeder, der die Hajj vollzieht, das Grab des Gesandten Allahs – gleich, ob dies auf seinem Weg liegt oder nicht – besuchen sollte. Denn der Besuch bei ihm ist eines der wichtigsten Mittel, um Allah nahe zu kommen, eine der nützlichsten Bemühungen, die man anstreben kann, und eine der besten Dinge, um die man bitten kann.“

Dieser bedeutende Teil der Reise wurde auf verschiedene Art und Weise durcheinandergebracht: Zuerst wurde dieser Reiseabschnitt vor die Pilgerfahrt gelegt. Etwas, das bis vor Kurzem niemals Praxis der Muslime war. Er ist der Schlussstein des Hajj, nicht ihr erstes Stück. Jeder, der die Wahl dazu hat, muss sich den Besuch für die Zeit danach aufheben.

Dies wird eindeutig durch ein bekanntes Hadith des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, belegt: „Wer auf die Hajj nach Mekka geht und mich dann in meiner Moschee besucht, wird zwei angenommene Hajjreisen für sich aufgezeichnet haben.“

Foto: Muhammad Ali Effendi Sa’udi, Al Madina Books

Er sagte eindeutig „und dann“ und verwies darauf, dass es eine Reihenfolge gibt, die mit dem Haus Allahs beginnt. Imam An-Nawawi meinte hierzu: 

„Wenn die Reisenden zur Hajj und die Leute auf der ‘Umra (die ‘kleine’ Pilgerfahrt) Mekka verlassen, dann ist es stark angeraten, sich auf den Weg nach Medina zu machen, um ihn, Frieden und Segen auf ihm, zu besuchen.“

Zweitens gibt es solche Fraktionen unter Muslimen, welche die Bedeutung dieser Aufwartung herunterzuspielen suchen. Sie glauben, dass die Reise in Medina vorrangig dem Gebet in der Prophetenmoschee zu gelten habe und nicht der seiner Ruhestätte. Sie behaupten, der Gesandte Allahs habe den Besuch von Gräbern verboten.

Einerseits widerspricht eine solche Meinung den Worten und Handlungen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, selbst. Dieser besuchte die Gräber seiner Gefährten in Al-Baqi (dem Friedhof von Medina).

Andererseits wird aus dem Buch Allahs und der Übereinkunft der Gelehrten ersichtlich, dass es keinen Unterschied darin gibt, ob er am Leben oder verstorben ist – ihm gebührt in beiden Fällen der gleiche Adab. Allah sagt im Qur’an: „Und wisset, dass Allahs Gesandter unter euch ist.“ (Al-Hujurat, Sure 49, 7)

Was die Liebenden tun

Die erste Sache, die ein aufrichtig Liebender tut, wenn er heimkehrt, ist der Besuch beim Geliebten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. So handelten die Gefährten, sobald sie ihre Heimatstadt erreichten. Es war sogar der erste Schritt, den sie unternahmen.

Nehmen wir als Beispiel Bilal, den Gebetsrufer des Gesandten Allahs. Wegen dessen Verscheiden vermochte er nicht mehr in der Stadt zu bleiben und verbrachte sein Leben in Syrien.

Aber nach vielen Jahren hatte er einen Traum, in dem der Prophet zu ihm kam und fragte: „Warum diese Entfremdung, Bilal? Ist die Zeit nicht für dich gekommen, mich zu besuchen.“

Also sprang er auf, packte seine Sachen und machte sich auf den Weg nach Medina. Im Augenblick seiner Ankunft ging er sofort zu seinem Grab. Seine Reise – ein Weg von mehr als 1.600 Kilometern! – wurde nur aus einem Grunde gemacht: Um den Gesandten Allahs an seiner Ruhestätte zu besuchen. Bilal sehnte sich nach ihm und wusste, dass er so wieder in dessen Gegenwart sein konnte.

Foto. Ar. Sh. Mohammed, Unsplash

Und dies gilt für jeden Muslim; insbesondere jene, die von der Hajj kommen. Der Prophet sagte: „Wenn ihr die Hajj verrichtet und mich nach meinem Tod besucht, so wird es sein, als hättet ihr mich in meiner Lebenszeit besucht und begleitet.“

Wie könnte irgendeiner – jemand mit nur einem Stäubchen Liebe in seinem Herzen für den Propheten – nicht alles stehen und liegen lassen, wenn dies bedeuten würde, dass er auch nur einen Augenblick in der Gegenwart des Gesandten Allahs verbringen würde? Für die meisten Muslime bietet sich diese Gelegenheit nicht oft – höchstens ein oder zwei Mal in ihrem Leben.

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Die Anbetung der Frauen: Islamische Lebenspraxis

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Die Anbetung der Frauen: Auch heute noch ist es selbst in westlichen Gesellschaften häufig der Fall, dass die nicht unerhebliche Haus- und Care-Arbeit an ihnen und weiblichen Familienmitgliedern hängen bleibt. […]

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Gesundheit: Was sich in den Hadithen dazu findet

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Vor einem Jahr hat das Yaqeen Institute in den USA eine solche Anthologie erstellt, in der es gezielt um wichtige Fragen wie Gesundheit, Wohlbefinden und Prävention geht. (iz). Seit Beginn […]

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Barmherzigkeit: ein wichtiger Aspekt unserer Lebenspraxis

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Allah ist barmherzig und Sein Gesandter der Prophet der Barmherzigkeit. (iz). Die explizite Beziehung zwischen den Wörtern Islam und Salam (Frieden, Unversehrtheit) wurde in den letzten Jahren häufig hervorgehoben. Es […]

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Schwarze Gefährten um den Propheten

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Auch Schwarze bzw. afrikanische Muslime spielten in der Gemeinschaft Medinas eine wichtige Rolle. (iz). Geht es um die historische Bedeutung Schwarzer im Islam, wird unausweichlich der Prophetengefährte und erste Gebetsrufer, […]

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Der Prophet als Psychologe oder den realen Menschen sehen

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Menschen sind verschieden. Sie denken anders, fühlen anders, handeln anders. Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erkannte das. 

(iz). Er sprach nicht in Schablonen und antwortete nicht mechanisch. Wer ihn etwas fragte, bekam keine Standardantwort. Er hörte zu, beobachtete, spürte, was der Fragende brauchte. Und dann sagte er, was in genau diesem Moment für genau diesen Menschen wichtig war.

Einmal kam ein Mann zum Propheten und wollte wissen, welche Tat die beste sei. Der Prophet sagte, das pünktliche Gebet sei die wichtigste (Bukhari, 527). Ein anderer kam mit einer ähnlichen Frage und der Prophet sagte diesmal, es sei, die Eltern gut zu behandeln (Muslim, 2549). Wieder ein anderer fragte und diesmal antwortete er, sich mit seinem Leben und seinem Besitz für die Sache Gottes einzusetzen (Bukhari, 2786). 

Während des Fastens fragte ein Mann den Propheten, ob jemand, der fastet, seine Frau umarmen (Anmerkung: evtl. auch küssen) darf, und er gab ihm die Erlaubnis. Aber als ein anderer Mann zu ihm kam und ihn fragte, verneinte er es. Derjenige, dem er die Erlaubnis gab, war ein alter Mann, und derjenige, dem er es verneinte, war ein junger Mann (Abu Dawud, Savm, 35, 2387), bei dem er wohlmöglich befürchtete, dass dieser unwillentlich sein Fasten brechen würde.

Erdbebengebiet

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Wer nur nach der oberflächlichen Logik fragt, warum die Antworten unterschiedlich ausfielen, übersieht das Entscheidende. Der Prophet kannte sein Gegenüber. Er wusste, was im Herzen vorging, was das Leben des Fragenden prägte, wo seine Schwächen lagen und wo seine Stärken.

Der Prophet passte seine Antwort der seelischen Verfassung des Menschen an. Er sprach nicht in Regeln, er lebte Beziehung. Wer viel betete, aber seine Eltern vernachlässigte, bekam keine Ermutigung zum Gebet, sondern wurde an seine Eltern erinnert. Jeder bekam nicht das, was er hören wollte, sondern das, was er brauchte und hören musste.

All diese Antworten haben etwas gemeinsam. Sie sind keine standardisierten Empfehlungen, sondern individuell abgestimmte Wegweiser. Der Prophet hörte nicht nur die Worte der Fragenden, sondern spürte, was hinter diesen Worten lag. 

Er verstand, dass dieselbe Frage aus ganz unterschiedlichen Beweggründen gestellt werden kann. Einer fragt aus Angst, ein anderer aus Zweifel, ein dritter aus echter Sehnsucht.

Der Prophet antwortete nicht auf die bloße Formulierung, sondern auf den Menschen, der vor ihm stand. Seine Antwort spiegelte nicht nur den Inhalt der Frage, sondern auch den inneren Zustand des Fragenden.

Was er sagte, war daher nicht einfach ein Regelwerk zum Abhaken, sondern eine Einladung zur persönlichen Entwicklung. Er sah nicht nur den äußeren Rahmen, sondern erkannte, was die Seele des Menschen gerade brauchte.

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Dem einen empfahl er das Gebet zur rechten Zeit, weil er spürte, dass dieser Mensch Struktur und Verlässlichkeit brauchte. Dem anderen sagte er, er solle seine Eltern gut behandeln, weil er erkannte, dass hier familiäre Bindung und Dankbarkeit heilend wirken würden. Und einem dritten empfahl er den Einsatz auf dem Weg Gottes, weil in ihm Kraft und Entschlossenheit schlummerten, die ein Ziel brauchten.

Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, reagierte also nicht mit allgemeinen Prinzipien, sondern mit tiefem Verständnis. Er war nicht bloß ein Lehrer von Vorschriften, sondern ein feinfühliger Seelenführer.

Wer zu ihm kam, wurde gesehen. Nicht nur gehört. Das macht seine Antworten so menschlich und zugleich so überzeitlich. Sie berühren, weil sie aus einer Haltung echter Zuwendung und innerer Klarheit stammen.

Der Prophet wirkte nicht wie ein Lehrer, der Formeln erklärt. Er war ein Begleiter, der hinschaute. Seine Methode war das Zuhören. Sie war das Wahrnehmen des Augenblicks. Seine Worte waren wie Medizin. Nicht jeder bekam die gleiche Dosis. Nicht jeder das gleiche Mittel.

Wer sein Verhalten wirklich verstehen will, muss ihn als Seelsorger sehen, nicht als Regelgeber. Als jemand, der den Menschen in seiner Tiefe begegnete. Der Prophet behandelte nicht die Frage, sondern den Fragenden.

Der Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, war kein Theoretiker. Er war kein moralischer Befehlshaber. Er war ein Lehrer des Herzens. Ein Mensch, der in den Augen seines Gegenübers las.

Seine Antworten waren Wege, die individuell zum Guten führten. Wer ihn verstehen will, muss zuhören lernen wie er. Und erkennen, dass gleiche Fragen nicht gleiche Antworten brauchen, sondern ein aufrichtiges Verstehen dessen, der sie stellt.