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Kommentar: Nicht nur im Ramadan – wir müssen Baraka verstetigen

Baraka ramadan

Waren die spirituellen Übungen im Ramadan ein Happening oder können wir ihre Baraka für das ganze Jahr nutzbar machen? (iz). Ich kann mich erinnern, wie ich vor 23 Jahren zum […]

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Ein Rückblick auf den Ramadan in Zeiten der Krise

ramadan krise irankrieg

Der vergangene Ramadan war nicht nur ein spirituelles Ereignis, vielmehr stand er unter dem Schatten des Feuers, das in den vergangenen Monaten am Golf aufflammte, als Raketen und Drohnen zentrale Öl- und Gasanlagen trafen und in Brand setzten.

(iz). Zwischen Explosionen von Energieinfrastruktur, zeitweiligen Produktionsstopps und der lähmenden Dauerpräsenz von Kriegsbildern erlebten viele Gläubige einen Monat des Fastens, der zugleich Rückzug und Besinnung bedeutete. Denn gerade im Moment, in dem das Äußere unruhig wird, verdichtet sich die innere Erfahrung zu etwas Einfachem und Wesentlichem: dem Loslassen des eigenen Willens.

Wer fastet, erfährt das Fließende der Identität: Hunger und Durst lösen jene starre Vorstellung des Selbst auf, die sonst das Zentrum unserer Wahrnehmung bildet. Mit dem Verzicht entsteht kein Mangel, sondern eine andere Form von Gegenwart – das, was der Soziologe Hartmut Rosa die „Unverfügbarkeit des Weltbezugs“ nennt. Man kann die Erfahrung nicht erzwingen, sie bleibt Gabe.

ramadan übung

Foto: PlanetZ/Adobe Stock

Dieses Nichtwollen, das sich im Verzicht formt, schafft Raum für Hoffnung: auf ein gutes Schicksal für uns selbst und andere. Und darin öffnet sich die Nähe zum Wort der Offenbarung, das den Menschen nicht als Herren, sondern als Hörenden begreift. So zeigt sich, dass der Islam keine Ideologie, keine Weltanschauung im säkularen Sinn ist, sondern eine fortwährende Übung im Hören und Erkennen – eine spirituelle Anthropologie.

Ramadan ist keine Flucht aus der Welt. Das Fasten, das Gebet und der nächtliche Dialog mit dem eigenen Gewissen sind keine asketischen Praktiken zur Abschottung, sondern Formen der Resonanz.

Im Zustand des Gebetes entstehen Mitgefühl und Bewusstsein für das Elend anderer; insbesondere für diejenigen, die in den brennenden Zonen rund um die angegriffenen Städte und Energieanlagen leben und deren Lebensgrundlagen – Arbeit, Wasser, Luft – in Mitleidenschaft gezogen werden.

Viele Muslime erinnerten in diesem Monat an die Namen der Kriegsopfer. Sie taten es nicht, um zu politisieren, sondern um ein Zeichen zu setzen. Innen und außen geraten in Balance: das Innerliche dient als sensorische Verfeinerung des Blicks in die Welt.

Aus diesem Ramadan ergibt sich eine doppelte Lehre. Zum einen müssen wir unsere Erkenntnisverfahren überdenken – in einer Zeit, in der Bilder dominieren und Worte schwinden. Zum anderen verlangt das Politische eine neue Form des Denkens, die Identität nicht als Abgrenzung, sondern Identität als Durchlässigkeit vorstellt.

Und schließlich zwingen uns die zivilen Opfer, die Angriffe auf Energieinfrastruktur, die massiven Brände und die ökologischen Folgeschäden zu einer unbequemen Frage: Wie lässt sich politisch handeln, ohne in eine Logik abzurutschen, in welcher „der Zweck alle Mittel heiligt“?

Es war in diesem Monat leichter, auf Essen und Trinken zu verzichten, als das Handy aus der Hand zu legen. Jeden Abend fluteten neue Bilder aus der Golfregion durch die Feeds: Angriffe auf Israel, Feuerbälle über Öl- Terminals, zerstörte Anlagen in Saudi-Arabien, den Emiraten, Katar; die Medien versorgten uns mit Karten, Pfeildiagrammen und Expertenpanels. Die Wucht dieser Bilder lähmt mehr, als sie aufrüttelt.

Susan Sontag schrieb in „Über Fotografie“, dass Bilder zwar das Gewissen anstacheln, aber selten ethische Erkenntnis hervorrufen. „Fotos, die von sich aus nichts erklären können,“ schreibt sie, „fordern unwiderstehlich zu Deduktion, Spekulation und Phantastereien auf“. Der entscheidende Punkt: Ohne ein politisches Bewusstsein führen Bilder ins moralische Nichts. Heute, da jede Ideologie ihre eigene Bildwelt erschafft, gilt dies mehr denn je.

Bilder

Foto: cendhika/Adobe Stock

Fotos, einst Ersatz für Lesen, sind vielfach zum Ersatz für Denken geworden. Jede Bewegung, jede Nation bastelt aus Millionen von Motiven ihr eigenes Puzzle der Wahrheit. Das Resultat: eine überreizte Wahrnehmung, die innerlich abstumpft.

Der Ausweg führt nicht über visuelle Askese, sondern über Sprache – über Worte, die Bedeutung freilegen, statt bloß zu beeindrucken. Unser Anspruch muss sein, inhaltlich Beiträge zu schaffen, die nicht nur schockieren wollen, sondern Bedeutung vermitteln und uns verstehen lehren.

Als Gläubige wissen wir: Rituale verändern uns. Doch in einer Zeit, in der Religion als politisches Symbol missbraucht wird, droht diese Kraft sich zu verkehren. Identitätspolitik definiert, „wer wir sind“, über Abgrenzung und Konflikt, nicht über Glauben.

Dagegen lässt sich der Ramadan als transversale Praxis verstehen – nicht als Manifestation einer Gruppe, sondern als Übung, das Eigene zu relativieren und den anderen einzubeziehen. Der Verzicht öffnet den Blick, um im Nächsten nicht die Differenz, sondern das Gemeinsame zu erkennen.

Byung-Chul Han hat in seinem neuen Buch „Ohne Respekt. Eine soziale Krise“ (2026) eine scharfe Diagnose gestellt: Meinung darf nicht Identität werden; Respekt setzt Distanz voraus. „Wer sich zu einer Meinung als Identität bekennt“, lautet sein programmatischer Gedanke, „verliert die diskursive Freiheit, die Distanz zur eigenen Meinung voraussetzt“.

Diese Einsicht trifft das Herz unserer gegenwärtigen Krise. Wenn politische Ansichten zu Selbstausdrücken werden, verschwindet die Bereitschaft zum Dialog. Die religiöse Praxis – vom Gebet bis zur Fastenzeit – erlangt hier eine ungeahnte, andere politische Bedeutung: Sie lehrt uns, Distanz zu uns selbst zu wahren. Han fasst die Argumentation wie folgt zusammen: „Das Politische beginnt nicht mit der Feinderklärung, sondern mit dem Respekt als Aufmerksamkeit für den anderen. Fehlender Respekt führt zum Verfall des Politischen.“

Nikolaus von Kues sprach einst von der „Einheit in der Vielfalt“; der Fähigkeit, Differenzen zu denken, ohne sie zu verabsolutieren. In diesem Sinn bewahrt Religion ihre kritische Kraft gerade dann, wenn sie Macht, Nation und Ideologie gegenüber skeptisch bleibt. Für Muslime heißt das: Politik darf nicht zum festen Bestandteil des eigenen Ichs werden, sonst verliert man die Freiheit zur Prüfung, eine Fähigkeit, die jede Dogmatik übersteigt. 

Gerade die aktuelle Golfkrise stellt uns vor eine doppelte Herausforderung. Einerseits sehen wir, wie Konfliktparteien Energieanlagen, Häfen, Exportterminals zu strategischen Zielen machen und damit nicht nur militärische, sondern zivile Lebensadern treffen – mit langfristigen Folgen für Versorgung, Umwelt und globale Stabilität.

Andererseits wissen wir, dass kein Krieg – weder der Angriffskrieg noch der Verteidigungskrieg – sich auf einen moralischen Blankoscheck berufen darf, in dem der Zweck alle Mittel heiligt. Weder Religion noch Recht können der Maxime zustimmen, dass jedes Mittel erlaubt sei, wenn das Ziel nur hoch genug erscheint.

Aus islamischer, christlicher und säkular-rechtlicher Perspektive gilt: Es gibt Tabus, die nicht überschritten werden dürfen – die bewusste Tötung von Zivilisten, der Angriff auf elementare Lebensgrundlagen, die mutwillige Zerstörung der Umwelt, der Einsatz von Waffen, deren Wirkung sich nicht auf Kombattanten begrenzen lässt.

Das humanitäre Völkerrecht ist, bei all seinen Defiziten, der Versuch, diese Einsicht in Normen zu fassen; es verbietet etwa unterschiedslose Angriffe und verpflichtet zur Schonung von Zivilpersonen und kritischer Infrastruktur, soweit militärisch verantwortbar. Ohne diese Bindung verlieren wir die Fähigkeit Krieg und Frieden zu unterscheiden.

Gleichzeitig wäre es weltfremd, die Frage zu verdrängen, wie man auf Regime reagiert, die offen nach Langstreckenwaffen und Atomwaffen streben und ihre Nachbarschaft bedrohen. Wer nur auf ein abstraktes Ideal der Reinheit verweist, ohne die Sicherheitsinteressen der bedrohten Gesellschaften ernst zu nehmen, riskiert eine Hypermoral, die im Ernstfall handlungsunfähig macht.

Die schwierige Aufgabe politischer Ethik besteht darin, zwei Sätze gleichzeitig wahr sein zu lassen: Erstens, dass es absolute Grenzen der Mittel gibt, die auch im Namen der Selbstverteidigung nicht überschritten werden dürfen; zweitens, dass Untätigkeit gegenüber einem Regime, das nach Vernichtungswaffen strebt, selbst moralisch fragwürdig sein kann. 

Eine verantwortliche politische Theologie wird daher fragen: Welche Formen der Abschreckung, der Diplomatie, der Sanktionen, der begrenzten militärischen Intervention sind mit diesen Tabus vereinbar – und wo beginnt die Grenzüberschreitung, in der wir das, was wir schützen wollen, selbst untergraben?

Sie wird weder den Präventivkrieg leichtfertig legitimieren noch sich in einem moralischen Rigorismus einrichten, der reale Gefahren ignoriert. Zwischen Zynismus („alles ist erlaubt“) und Hypermoral („handeln ist immer schuldhaft“) entsteht ein schmaler Korridor verantwortlicher Politik.

Europa ist der Raum, in dem wir frei reden, denken und zweifeln dürfen. Diese Freiheit ist kein Gegensatz zur Religiosität, sondern ihr Komplement: Nur, wer frei ist, kann auch wahrhaft glauben. Religion kann – und muss – ein Korrektiv politischer Meinung sein, indem sie auch die eigenen Handlungen kritisch befragt. Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Prinzipien wie das Völkerrecht nicht selektiv angewendet, sondern universell gelten – auf „uns“ ebenso wie auf „die anderen“.

Papst

Screenshot: Vatican News

Der Papst erinnerte jüngst daran, wie dünn die Linie zwischen Information und Propaganda geworden ist. In einer Botschaft an Journalistinnen und Journalisten mahnte Leo XIV. am 16. März 2026, die Medien müssten in Kriegszeiten besonders wachsam gegenüber der Gefahr sein, zum „Megafon der Macht“ zu werden, und hätten die Pflicht, Leid sichtbar zu machen und den Krieg „durch die Augen der Opfer“ zu erzählen.

Diese Worte enthalten eine einfache Wahrheit: Je weniger ein Krieg sich moralisch rechtfertigen lässt, desto stärker der Drang, ihn religiös oder schicksalhaft zu überhöhen. Eine verantwortliche politische Theologie aber erkennt: Gott ist nicht verfügbar als Legitimationsquelle für sinnlose Gewalt.

Je weniger Krieg sich moralisch und rechtlich rechtfertigen lässt, desto größer die Versuchung, ihn in einen quasitranszendenten Rahmen zu heben, in dem das Unvertretbare als notwendig, schicksalhaft oder heilig erscheint. Eine Religion, die ihre eigene Botschaft ernst nimmt, wird hier widersprechen: Sie besteht auf der Begrenztheit jeder Macht und auf der Unverfügbarkeit Gottes für Kriegspropaganda.

Genau darin liegt auch ein europäischer Standortvorteil: In offenen Gesellschaften können religiöse Stimmen, rechtliche Argumente und philosophische Kritik zusammenwirken, um diese Verklärungen zu entlarven – auch dann, wenn sie aus dem eigenen Feld kommen.

Ramadan hat uns gelehrt, was Verzicht bedeutet – nicht nur auf alltägliche Speisen, sondern auf gewohnte Gewissheiten. Er hat gezeigt, dass Erkenntnis aus Unterbrechung erwächst, nicht aus dem Aufenthalt im Dauerrauschen der Medien. Inmitten der Bilderflut brauchen wir wieder Worte, die verbinden, statt zu spalten. Und im politischen Diskurs brauchen wir Formen der Distanz, die uns ermöglichen, zuzuhören, ohne uns selbst zu verlieren.

Die Golfkrise zwingt uns, die Frage nach legitimen Mitteln im Konflikt neu zu stellen: Weder religiös noch rechtlich dürfen wir eine Politik akzeptieren, die behauptet, „der Zweck heilige alle Mittel“, aber wir dürfen uns auch nicht in eine Moral flüchten, die jede verantwortliche Reaktion auf reale Bedrohungen blockiert.

Zwischen beiden Extremen könnte ein neues, vom Geist des Ramadan geprägtes Politisches entstehen: kritisch, selbstreflexiv – und dennoch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht beginnt genau hier die Wiedergewinnung des Politischen – jenseits von Meinungskult und Identitätskampf –, als eine Praxis des Hörens, des Maßhaltens und des Hoffens.

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Feiertag der Einheit und Dankbarkeit

Id Al-Fitr

Für den Feiertag zum Ende des Ramadan gibt es je nach Land oder Region auch regionale Sitten und Bräuche, die teilweise auch hier unter Muslimen verschiedener Herkunft fortleben.

(iz). Am Ende des Ramadans steht das ‘Id-Al-Fitr, vor der Tür: das Fest des Fastenbrechens. Es ist neben dem Opferfest das zweite große Fest im Islam. Türkische Muslime kennen den Tag auch als Ramazan Bayrami (Ramadanfest) oder Şeker Bayrami (Zuckerfest), während im Arabischen das ‘Id Al-Adha als ‘Id Al-Kabir (das große Fest) und das ‘Id Al-Fitr als ‘Id As-Saghir (das kleinere Fest) bekannt ist.

Die Muslime feiern den Tag als Familienfest, und nehmen sich an diesem Tag möglichst frei. Schulkinder bekommen hierzulande mittlerweile meistens nach Absprache an den ‘Id-Tagen problemlos schulfrei.

Id Al-Fitr

Foto: famveldman, Adobe Stock

Feiertag beginnt mit dem Gebet am Morgen

Zum ­morgendlichen ‘Id-Gebet sind die Moscheen an beiden großen Festen so voll wie sonst nie, sodass bei vielen der Platz kaum ausreicht. Auch viele Muslime, die sonst kaum in die Moschee gehen oder nicht konsequent ­praktizieren, gehen an diesem Tag in die Moscheen.

Nach dem Gebet trifft man sich dann zu ­einem festlichen Frühstück, denn das ‘Id Al-Fitr ist der erste Tag nach dem Fastenmonat, an dem man wieder normal essen und trinken kann. Es ist ein besonderes Gefühl, zum ersten Mal nach vier Wochen wieder tagsüber etwas zu sich zu nehmen. Die Kinder bekommen kleine Geschenke; und auch unter den Älteren hat es sich teilweise verbreitet, sich zu beschenken. Manche Familien machen Ausflüge oder Spaziergänge.

Geist der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft

Wie auch der Ramadan mit dem gemeinsamen Fasten, den vielen gemeinsamen Iftar-Essen und gemeinsamen abendlichen Tarawih-Gebeten in den Moscheen, ist auch das ‘Id vom Geist der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft geprägt.

Was das ‘Id Al-Fitr betrifft, ist es nicht so, wie man aus nichtmuslimischer Sicht meinen könnte, dass die Freude an diesem Tag vor allem daher rührt, dass man nun nicht mehr fasten muss und quasi den Ramadan hinter sich gebracht hat. Viele vermissen sogar den nun vergangenen Ramadan und freuen sich schon auf den nächsten.

Anlass zur Freude bietet vielmehr ein Ausspruch des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in dem es heißt: „Wer im Ramadan in festem Glauben und in der Hoffnung auf ­Belohnung fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“

Vielen Nichtmuslimen sind leider diese schönen Seiten der islamischen Lebenspraxis, die ja auch durchaus Ähnlichkeiten damit haben, wie sie selbst ihre Feste begehen, gar nicht bekannt. Das ist schade, da dies ganz andere Bilder und Eindrücke vom Islam bieten kann, als die sehr geringen und verzerrenden, die man durch die medialen Debatten bekommt.

Id Al-Fitr

Foto: Muha Ajjan

Vor dem Gebet eine Kleinigkeit essen

Nach dem Morgengebet nimmt man entsprechend der prophetischen Sunna eine Kleinigkeit zu sich, allerdings noch kein Frühstück. Dies gilt für das ‘Id Al-Fitr; beim ‘Id Al-Adha isst man erst nach dem Gebet etwas. Es ist außerdem empfohlen, einen Ghusl (rituelle Ganzkörperwaschung) vorzunehmen und sich zu parfümieren. Dann macht man sich relativ früh zum Festgebet auf, denn die Moschee wird sehr voll sein.

Das ‘Id-Gebet findet etwa eine dreiviertel Stunde bis eine Stunde nach dem Sonnenaufgang statt. Je nach Moschee wird die Uhrzeit unterschiedlich festgelegt und kurz vor dem ‘Id bekannt gegeben, wie auch der Tag des ‘Ids selbst, der wie der Anfang des Fastenmonats entsprechend der Neumondsichtung kurzfristig bestimmt wird, sofern man nicht, wie einige Verbände, vorausberechneten Kalendern folgt.

Sollte der Neumond nicht gesichtet werden können, wird der Ramadan nach dreißig Tagen beendet. Der ‘Id-Tag ist in jedem Fall der erste Tag des Monats Schawwal, welcher dem Monat Ramadan folgt.

Vorher muss die Zakat bezahlt werden

Bis spätestens unmittelbar vor dem Festgebet müssen die Muslime für jede Person der Familie eine Pflichtabgabe, Zakat Al-Fitr, in Höhe eines täglichen Grundnahrungsmittelbedarfs an die Bedürftigen leisten, sodass auch diese sich auf das Fest freuen und vorbereiten können. Dies ist eine Bedingung für die Gültigkeit des Fastens.

Der Sunna des Propheten gemäß wird diese Spende in Form von haltbaren Nahrungsmitteln, zum Beispiel Datteln oder Getreide, gegeben; heute wird zumindest in Deutschland oft ein entsprechender Geldbetrag gegeben. Viele Muslime geben auch ihre jährliche Pflichtabgabe, die Zakat, im Ramadan.

Das Feiertagsgebet besteht aus zwei Gebetseinheiten und einer Ansprache, ähnlich wie das Freitagsgebet. Im Unterschied dazu wird allerdings zuerst das Gebet verrichtet, und dann folgt die Ansprache (Khutba). Eine Besonderheit der ‘Id-Gebete ist es auch, dass sie eine zusätzliche Zahl von Takbirat (Aussprüche von „Allahu akbar“, „Allah ist größer“) enthalten, deren Zahl und Position in den Gebetseinheiten je nach Rechtsschule unterschiedlich ist.

Nach der Schule von Imam Malik sind es sieben Takbire in der ersten Rak’a (Gebetseinheit) vor der Qur’an-­Rezitation, einschließlich des das Gebet eröffnenden Takbirs, und sechs in der zweiten, einschließlich des Takbirat, mit dem man aus der Niederwerfung aufsteht. Nach der Schule von Imam Asch-Schafi’i ist dies genauso, nur sind es in der ersten Rak’a acht statt sieben Takbire.

Im Fiqh der Schule von Imam Abu Hanifa ist es etwas anders, hier werden in der ersten Rak’a nach dem eröffnenden Takbir noch drei Takbire gesprochen, und in der zweiten nochmals drei, allerdings erst nach der Rezitation. Auch werden nach Schafi’i- und Hanafi-Fiqh bei jedem Takbir die Hände erhoben wie beim eröffnenden Takbir, nach dem malikitischen Fiqh jedoch nicht.

Id Al-Fitr

Foto: Ibrahim Abdullah

Keine Pflicht, aber eine starke Sunna

Das ‘Id-Gebet ist keine Pflicht, aber eine starke Sunna. Nach Asch-Schafi’i soll es sogar von Reisenden verrichtet werden, nach Imam Abu Hanifa hingegen nur von in Städten und Orten Ansässigen, für die auch das Freitagsgebet Pflicht ist.

Vor dem Gebet werden in vielen Moscheen von den Anwesenden beständig und laut Takbirat gesprochen und Dhikr gemacht, wobei es hier verschiedene Formen gibt. Auch auf dem Weg zur Moschee soll man schon Takbire sprechen. Man sollte gemäß der Sunna auf dem Rückweg vom Gebet einen anderen Weg nehmen als auf dem Hinweg.

Bei vielen türkischen Muslimen wurde es zur Gewohnheit, dass Frauen nicht zu den ‘Id-Gebeten gehen, so wie auch nicht zu den Freitagsgebeten. Bei vielen arabischstämmigen und Muslimen anderer Herkunft findet man hingegen bei den ‘Id-Gebeten auch Frauen und Mädchen in großer Zahl.

Anschließend gratulieren sich die Betenden und wünschen einander ein gesegnetes Fest. „‘Id mubarak!“, „‘Id mubarak sa’id!“ oder „Kul aam wa antum bi khair!“ hört man auf Arabisch oder in der türkischen Form „Bayram mübarek olsun“ – oder in welcher Sprache auch immer. Es herrscht freudige und feierliche Atmosphäre.

In manchen Moscheen, vor allem unter türkischen Muslimen, gibt es eine traditionelle Methode, sich gegenseitig zu gratulieren: Man beginnt mit dem Imam. Jeder, der ihm gratuliert hat, stellt sich zu seiner Rechten und bildet somit allmählich einen Kreis, der von den nachfolgenden Gratulanten abgeschritten wird, ehe sie sich selbst am Ende des Kreises einreihen, sodass jeder jedem gratuliert und die Hand gegeben hat.

Oft kauft man vor dem ‘Id auch neue Kleidung und Schuhe, nicht nur zum Verschenken, sondern auch um festlich angezogen den Tag begehen zu können. Den Tag begeht man nicht nur in der Familie, sondern auch in der weiteren Gemeinschaft zum Beispiel mit Verwandten, die eingeladen oder besucht werden.

Feste und Geschenke

Es gibt je nach Land oder Region auch regionale Sitten und Bräuche zum ‘Id, die teilweise auch hierzulande unter den Muslimen verschiedener Herkunft fortleben. In jedem Volk gibt es andere typische Speisen, meist Süßes und Gebäck, die am ‘Id gegessen werden. Im Grunde ist der Ablauf des Festes unter den Muslimen verschiedener Völker und Ethnien aber sehr ähnlich und unterscheidet sich eher nur in Details.

In muslimischen Ländern gibt es am Bayram-Tag oft auch öffentliche Feste, so zum Beispiel in der Türkei so genannte Fuar, mit kostenlosen Konzerten, Essen und Trinken, Karussells oder Verkaufsständen, zu denen man gerne geht. Man freut sich besonders auf diese Konzerte, die keinen Eintritt kosten, um allen den Eintritt möglich zu machen.

Sowohl das ‘Id Al-Adha als auch das ‘Id Al-Fitr umfassen hier drei Tage. Nach anderen Rechtsschulen hat das ‘Id Al-Fitr lediglich einen Tag. Bei den Türken ist das Küssen der Hand der Älteren durch die Jüngeren sehr wichtig; anschließend berühren sie die Hand der Älteren mit ihrer Stirn. Die Älteren wiederum küssen den Jüngeren die Wangen.

Die Kinder bekommen Geschenke. Üblicherweise beschenken die Älteren die Kinder; dass auch Kinder ihre Eltern und älteren Familienmitglieder beschenken oder die Ehepartner einander, sei eher eine neuere Entwicklung, erklärt Aisha Ugurlu. Die Kinder ziehen dann, zumindest in der Türkei, durch die Straßen, klingeln bei den Verwandten und Bekannten an der Tür und wünschen ihnen ein gesegnetes Fest. Daraufhin erhalten sie dort kleine Geschenke, zum Beispiel Bonbons, manchmal auch Geld.

Die ‘Id-Tage sind Tage der Einheit und Gemeinschaft der Muslime. Es ist auch eine Sitte, an den Tagen des ‘Id die Friedhöfe zu besuchen und für die Verstorbenen zu beten und Qur’an zu rezitieren. So werden auch sie an diesem Tag einbezogen und nicht vergessen.

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Samen der Hoffnung – muslimehelfen verteilt Festagskleidung im Ramadan

muslimehelfen Muslime Helfen Ramadan

Community: Die Hilfsorganisation muslimehelfen e.V. engagiert sich in diesem Fastenmonat auch auf Sri Lanka und in Indonesien.

(mh/IZ). Wir befinden uns im heiligen Monat Ramadan, alhamdulillah. Abgezählte Tage in denen wir uns intensiver mit unserer Religion beschäftigen, die Nähe zu Allah (swt) und unseren geliebten Prophet Muhammad (saw) suchen, aber auch eine Zeit des Verzichtens und der Reinigung. Von Khadija Ould Sidi Mohamed

An diesen besonderen Tagen suchen viele gezielt die Nähe zur islamischen Gemeinschaft und verbringen die Nächte im Gebet. Nach Ende des gesegneten Monats Ramadan folgt eines der beiden wichtigsten Feste im islamischen Kalender: Idul-Fitr.

In den meist familiären Vorbereitungen werden Süßigkeiten und Kuchen gebacken, festliche Dekorationen gebastelt oder eingekauft sowie auch die Kleidung für den Festtag besorgt. Besonders für Kinder sind diese Vorbereitungen und die Vorfreude auf Idul-Fitr etwas Besonderes und mit viel Vorfreude verbunden.

Um auch Bedürftigen, die unter schwierigen Umständen leben, diese Freude und Wertschätzung zu geben, wurde im vergangenen Ramadan wieder Kleidung als Festgeschenk an Bedürftige verteilt.

Durch Eure Spenden konnten gleich zwei Projekte umgesetzt werden, in denen insgesamt 2.977 Bedürftige ein Festgeschenk erhalten haben. Neue Kleidung für Idul- Fitr, bringt nicht nur Freude, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Würde, Hoffnung und Zugehörigkeit.

Es zeigt den Bedürftigen, dass sie gesehen, geschätzt und die gleichen Chancen auf Feierlichkeiten verdient haben. Des Weiteren können diese Kleider auch nach dem Fest im Alltag getragen werden. Für viele der Begünstigten ist es eine Seltenheit, wenn nicht sogar das erste Mal, dass sie neue Kleidung erhalten. Andernfalls sind sie auf gespendete Altkleider angewiesen.

Im indischen Ozean liegen die beiden Projektländer Indonesien und Sri Lanka. Trotz einer Entfernung von über 4.500 km verbindet sie das Leuchten der Gesichter der Begünstigten beim Erhalt der Festgeschenke.

Begünstigt wurden in Sri Lanka besonders bedürftige Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Verteilt wurden die Festgeschenke in den Distrikten Trincomalee und Kandy.

Die hier Lebenden sind zu 90% Muslime. Der Großteil davon lebt unter der Armutsgrenze. Jeweils 510 Jungen erhielten eine Hose mit Hemd und 500 Mädchen ein Kleid und eine Hose. 320 Frauen wurden eine Sari und eine Bluse und 321 Männern ein Sarong und ein Hemd überreicht. Ein Sarong ist eine Stoffbahn, die als Wickelrock um die Hüfte gebunden wird. Er wird landestypisch von Männern im asiatischen Raum getragen.

Die Verteilung der Kleidung hat in den Tagen vor dem Fest in Moscheen und auch Schulen stattgefunden, damit die Begünstigten diese Kleidung direkt am Festtag tragen können.

Foto(s): muslimehelfen e.V.

Die Begünstigten konnten die Freude direkt zweimal spüren: zum einen bei der Verteilung und zum anderen am Festtag selbst, als sie mit ihren neuen und sauberen Kleidern am Fest teilnehmen konnten. Auch hat dies einen psychologischen Aspekt, welcher das Selbstwertgefühl der Begünstigten entsprechend positiv beeinflussen kann.

Im weltweit größtem Inselstaat Indonesien haben 1.326 Kinder in der zweiten Hälfte des Ramadans die Festgeschenke erhalten. Die Mehrheit der Begünstigten sind Waisen, die anderen Kinder kommen aus extrem einkommensschwachen Familien. Sie leben mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von weniger als 2 USD pro Tag.

Die Eltern haben meist nur eine geringe oder gar keine Ausbildung. So bleibt Ihnen nur die Arbeit als Tagelöhner oder beispielsweise als Straßenverkäufer.  Die Mehrheit dieser Kinder leben in ländlichen oder abgelegenen Regionen, etwa 30 % der begünstigten Kinder leben in städtischen Gebieten.

Die Verteilung der Festgeschenke hat in den Provinzen Aceh, Jogyakarta, Nord Sumatra und West-Nusa-Tenggara stattgefunden. Für einen optimalen Verteilungsprozess wurden die Kinder je nach Wohngebiet gruppiert. Die Übergabe der Festgeschenke fand in ausgewählten örtlichen Geschäften statt, wo sie ihre vorbestellten Kleidungsstücke abholen konnten.

Dies hatte den Vorteil, dass die Kinder eine gewisse Auswahl an Kleidungsstücken hatten und auch passende Größen ausgewählt werden konnten. Neben den Begünstigten wurden so auch die lokalen Geschäfte der Wohngebiete unterstützt und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden gefördert. Dank der guten Vorarbeiten konnte ein reibungsloser, respektvoller und gut organisierter Verteilungsprozess stattfinden.

Foto(s): muslimehelfen e.V.

Durch die Übernahme der Kosten für Festkleidung können Familien ihre begrenzten Mittel für Essen und andere wichtige Dinge zum Fest nutzen. Auf diese Weise hebt das Projekt nicht nur die Stimmung der Kinder, sondern unterstützt auch das allgemeine Wohlbefinden der Familien.

Dies zeigen auch die Worte der 10-jährigen Cantika beim Erhalt ihres Festgeschenkes im indonesischen Aceh:

„Alhamdulillah, ich bin so glücklich, diese Kleidung zu erhalten. Meine Eltern haben mir keine neuen Kleider gekauft, weil sie zu teuer für uns sind. Sie können sich nur einmal im Jahr ein neues Kleidungsstück leisten. Ich bin so glücklich, weil diese Kleidung so schön ist. Danke an die Spender, nur Allah weiß, wie dankbar ich bin. Möge Allah sie schützen. Amin.“

Letztendlich geht diese Verteilung über materielle Unterstützung hinaus – sie bietet Hoffnung, stärkt das Vertrauen und hilft, die Samen von Freude, Dankbarkeit und Ehrgeiz in ihre Herzen zu pflanzen. Zeig auch Du mit Deiner Spende, dass sie gesehen und geschätzt werden und ein fröhliches Idul-Fitr verdient haben.

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Wie das Fasten erfolgreich beenden?

gebet moschee indonesien fasten

Das Siegel einer Handlung – die Art und Weise, in der sie vollendet wird – ist immer der wichtigste Teil. Das gilt auch für das Fasten.

(iz). So schnell sich der Fastenmonat nähert, so schnell ist er für manchen schon wieder vorbei. Es gibt eine Tendenz, sich auf das Danach zu freuen, nachzulassen und auf seinen Abschluss zu hoffen. Diese Neigung verstärkt sich noch einmal nach der Nacht zum 27. Ramadan. Was für viele von dem Monat bleibt, ist Warten. Das ist eine gefährliche Haltung und sie droht, alle erheblichen Anstrengungen nichtig zu machen. Denn es sind auch hier die letzten paar Meter, die den Erfolg oder Misserfolg ausmachen.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gaben, sagte: „Die Handlungen sind entsprechend ihres Abschlusses.“ Das Siegel einer Handlung – die Art und Weise, in der sie vollendet wird – ist immer der wichtigste Teil. Wir können unser ganzes Leben einen besonderen Kurs verfolgen und in eine spezifische Richtung gehen, wenden wir uns aber schließlich ab, dann war die gesamte Mühe umsonst.

Fasten ist qualitativ anders

Zweifelsohne ist Ramadan eine spezielle Zeit. Jeder Muslim weiß das. Er ist qualitativ verschieden von jedem anderen Augenblick. Das ist unabhängig von der Aktivität des Fastens. Es ist nicht so, dass ihn das Fasten verändert. Sondern Allah hat es zwingend vorgeschrieben, in ihm zu fasten, damit die Muslime den maximalen Nutzen aus seiner Besonderheit ziehen können. Allah, der Erhabene, hat ihn zum Moment für ein großes Geheimnis gemacht: die Lailat’ul-Qadr oder Nacht der Macht.

Der Ramadan hat zwei Aspekte. Der erste ist Fasten und der zweite das Wesen von Zeit an sich. Es gibt keine spirituelle Tradition, die nicht auf die eine oder andere Weise diesen Verzicht kennt. Es ist eine grundlegend menschliche Praxis. Nur ein Mensch ist in der Lage, sich durch einen Willensakt von Dingen wie Essen unter bestimmten Umständen zu enthalten.

Das macht es zu einer speziellen Form von Anbetung, die von Allah hoch belohnt wird, wenn sie um Seinetwillen geschieht. Es gibt viele Vorteile, aber der größte liegt in der Tatsache, dass wir durch den Verzicht auf Essen und Trinken – obwohl wir es wollen – eine der fundamentalen Ketten brechen, die uns an die niedere Welt fesseln.

Allah manifestiert Seine Eigenschaften

Die göttlichen Eigenschaften sind unermesslich. Einige von ihnen sind majestätischer Natur, andere sind schön. Die königlichen inspirieren Ehrfurcht und Respekt. Sie finden sich in Namen wie der Rächer, der Allmächtige, der Erniedrigende usw. Die schönen Eigenschaften inspirieren Stauen und Erstaunen: der Barmherzige, der Wiederbelebende, der Gewährende von Gnade und der Nutzbringende. Jede Personen benötigt einen Anteil daran, wenn sie ihre volle Humanität zur Entfaltung bringen will.

Im Ramadan manifestiert Allah ein überwältigendes Maß an Schönheit. Er hat die Tore der Hölle verschlossen, die Tore des Gartens geöffnet, beschränkt dämonische Kräfte, befreit jede Nacht eine unbekannte Anzahl an Seelen aus dem Feuer, belebt die Herzen in der Nacht der Macht und umfasst die ganze Schöpfung mit Barmherzigkeit. Es wird berichtet, dass sogar derjenige, der während des Fastens ein Nickerchen macht, mit der Absicht, seine nächtliche Anbetung fortzusetzen, spirituelle Anerkennung für seinen Schlaf erhält.

Bis zum Schluss konsequent vollenden

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Jemand unter euch mag die Taten der Leute des Gartens vollbringen, bis nur geringer Abstand zwischen beiden liegt, und dann holt ihn sein Schicksal ein und er handelt wie die Leute des Feuers, in das er eintreten wird.“ Wir müssen bis zum letzten Moment weitermachen, nicht nachlassen und uns nicht abwenden, bis unsere Unternehmung vollendet ist. Das gilt für jeden Lebensbereich.

Sportler rennen, Studentinnen büffeln und die Leute Allahs widmen ihre Zeit vollkommen der Anbetung Allahs. Das gilt insbesondere für den Fastenmonat. Das Fasten und das Stehen (im Gebet) in diesem Monat fordert seinen Preis. Je weiter diese Spanne voranschreitet, desto schwieriger wird es. Es droht, dass wir einen Teil unseres Schwungs, unserer Energie und Frische verlieren, die seinen Beginn auszeichnete. Aber die Leute Allahs nutzen das nicht als Entschuldigung, um langsamer zu werden und weniger zu tun. Darin folgen sie dem Vorbild unseres edlen Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Die letzten zehn Nächte zählen

Unsere Meisterin ’Aischa (r) sagte: „Der Gesandte Allahs pflegte sich in den letzten zehn Nächten des Ramadan noch härter anzustrengen als im Rest des Jahres.“ Er verdoppelte seine Bemühungen, betete mehr in der Nacht, rezitierte mehr Qur’an und verbrachte mehr Zeit in der Moschee.

Ibn ’Umar berichtete: „Der Prophet verbrachte die letzten zehn Tage des Ramadans in der Moschee, wo er im I’tikaf war.“ I’tikaf ist ein sehr empfehlenswerter Akt der Anbetung für Männer und Frauen. Er ist sehr populär, aber die Leute haben angefangen, manchmal lax mit einigen Elementen umzugehen, die eigentlich wesentlich dafür sind.

Der erste Bestandteil ist die Moschee. Hierhin zieht man sich zurück. Und diese Zone kann nur für einen wirklich triftigen Grund verlassen werden wie den Gang zur Toilette oder die Gebetswaschung. Nicht bloß, weil man gelangweilt ist oder einen Wechsel der Szenerie wünscht. Der zweite ist der Beginn. I’tikaf beginnt mit dem Abendgebet (arab. maghrib) des Vorabends. Selbst, wenn man eine Minute danach eintrifft, ist dieser Tag nicht gültig.

Und schließlich ist auch die Verwendung der Zeit wichtig. Viele Menschen im I’tikaf nutzen einen Großteil ihrer Zeit für das Gespräch mit anderen Leuten. Das ist aber nicht der Zweck. Im I’tikaf ist man mit seinem Herrn alleine. Und Er ist der Einzige, mit dem man sprechen soll – in Form des Gebetes oder der Anrufung. Ansonsten sollte man die Zeit mit Dhikr und dem Qur’an füllen.

Das Stehen im Gebet

Der andere, wichtige Akt der Anbetung – neben dem Fasten – in diesen letzten zehn Tagen ist das nächtliche Stehen im Gebet (Qijjam Al-Lail). Diese zehn Nächte fallen mit der besten Nacht des Jahres zusammen. Eine Nacht, deren Wert größer ist als der von tausend Monaten. Diese Lailat Al-Qadr entspricht somit einer ganzen Lebenszeit.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Sucht nach der Lailat Al-Qadr in den letzten zehn Nächten des Ramadan.“ Sie kann sich in einer dieser zehn Nächten ereignen; am wahrscheinlichsten in einer ungeraden und insbesondere in der 27. Jeder sollte dafür beten, dass er oder sie zu denjenigen gehört, die sie finden und von ihrem Nutzen profitieren.

Der Din ist ein enormer Segen von Allah. Und es findet sich darin Freude in den Anfängen und am Ende (des Ramadan). So wie er begann, endet der Monat mit der Sichtung des Mondes. Es gibt einige Regeln in Hinblick auf den Feiertag und wir tun gut daran, sie zu vergegenwärtigen.

Das ‘Id-Gebet

Zuerst gibt es das ’Id-Gebet. Es ist eine bekräftigte Sunna. Nach dem Witr-Gebet, dem abschließenden, ungeraden Gebet nach dem Nachtgebet, ist es das am stärksten betonte Gebet unter den Sunnan. Obwohl es am besten an einem dafür festgelegten Ort unter freiem Himmel verrichtet wird, ist es doch möglich, es in einer Moschee zu tun. Jeder sollte an ihm teilnehmen – Männer und Frauen, Junge und Alte. Umm Atija überlieferte: „Der Gesandte Allahs ermutigte junge, unverheiratete Frauen, ältere Damen, solche, die sich in ihren Häusern zurückzogen, und sogar Menstruierende, zum Feiertagsgebet zu kommen.“

Vor dem Gebet vollzieht man eine Ganzkörperwaschung (arab. Ghusl), bricht sein morgendliches Fasten und trägt die beste Kleidung. Am besten ist ein frühes Eintreffen am Ort des Gebetes, um sich den Takbirat anzuschließen – dem lauten Dhikr vor dem Gebet. Sie sind eine der großen Scha’a’ir, der äußeren Manifestationen der Kraft und Vitalität des Islam.

Die Zakat Al-Fitr ist zu beachten

Ibn ’Umar überlieferte: „Der Gesandte Allahs machte es für jeden Muslim – Freien oder Dienern, männlich oder weiblich, jung oder alt – zur Pflicht, die Zakat Al-Fitr zu zahlen.“ Die besteht aus einem Sa’ (medinensisches Volumenmaß) von haltbaren Lebensmitteln pro Kopf (in Medina waren dies Gerste oder Datteln). Sie müssen gezahlt werden, bevor die Leute zum Feiertagsgebet hinausgehen. Bei der Abgabe handelt es sich nicht um irgendeinen bloß empfohlenen Vorgang, wie manche meinen, sondern um eine Pflicht.

Sie gilt nicht nur für die Wohlhabenden, sondern für alle verantwortungsfähigen Muslime (arab. mukallaf) – ungeachtet von sozialem Rang, Alter, Geschlecht oder Besitz. Sie schließt auch jene mit ein, die arm sind oder üblicherweise Empfänger der Wohlstandsabgabe (arab. Zakat) sind. Die einzige Ausnahme stellen jene dar, die so mittellos sind, dass ihnen die grundlegenden Mittel für sich und ihre Familien am Feiertag fehlen. Bezahlt wird diese Feiertagsabgabe vom Kopf eines Haushaltes entsprechend der Menge derjenigen, für die er oder sie verantwortlich ist.

Fällig wird sie in haltbaren Grundnahrungsmitteln des Landes, in dem man sich aufhält. Nach den bekannten Ansichten von Imam Malik und Imam Asch-Schafi’i ist ein Ersatz durch Geld unzulässig. Empfohlen ist, dass das gegebene Essen von der höchstmöglichen Qualität ist, obwohl es ausreichend ist, dass es auf gleicher Höhe zu dem ist, was die Gesellschaft durchschnittlich gewohnt ist.

Gegeben werden muss sie vor dem ’Id-Gebet – auch ein oder zwei Tage vorher sind zulässig. Der Prophet sagte: „Wenn ihr sie vor dem Gebet abgebt, ist sie angenommen. Aber wenn ihr sie nach dem Gebet zahlt, ist sie das Gleiche wie jede andere Spende.“ Im Gegensatz zur eigentlichen Zakat ist es hier am besten, sie selbst und persönlich zu verteilen, wenn man jemanden kennt, der sie empfangen darf.

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Das Fasten der europäischen Muslime

fasten

Der Fastenmonat erscheint hier oft wie ein Fremdkörper: medial überpräsent, spirituell unterbelichtet. Im öffentlichen Diskurs dominiert das Bild hungernder, übernächtigter Gläubiger, die sich einer archaischen Disziplin unterwerfen.

(iz). In den muslimischen Gemeinden selbst wird derselbe Monat hingegen als die beste Phase des Jahres beschrieben. Es ist eine Zeit, auf die man sich freut und um deren Ende man trauert. Zwischen beiden Wahrnehmungen klafft ein Spalt, in den sich die eigentliche Erfahrung des Ramadans nur schwer übersetzen lässt.

Im Gespräch mit dem Lehrer, Imam und Übersetzer Asadullah Yate entwickelt sich dieser Graben zu einem roten Faden: Der Fastenmonat als Unterbrechung der Normalität, als Ausnahmezustand, der das Herz erschüttert. Fasten bedeutet in seiner Beschreibung nicht primär Verzicht, sondern ein radikales Umlenken der Kräfte: weniger Essen, Schlaf, ein anderes Zeitregime.

Damit geht ein Aufbrechen des eingeübten Alltags einher, der den spirituellen Sinn normalerweise überlagert. Die Routine bricht weg, und mit ihr löst sich die Selbstverständlichkeit des eigenen Lebensstils. Was bleibt, ist eine gestörte Normalität. Aus dieser Störung erwächst das Herz.

Der Ramadan steht damit in einer langen Linie religiöser Praxis. Der Qur’an erinnert in der Sure al-Baqara daran: „O ihr, die ihr glaubt! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, auf dass ihr gottesbewusst werdet.“

Enthaltsamkeit ist keine exotische Spezialität des Islam, sondern Teil einer universalen menschlichen Erfahrung – von der Askese der frühen Christenheit über jüdische Fastentage bis zu gegenwärtigen Formen spiritueller Disziplin.

Dass das Buch Allahs den Ramadan als den Monat bezeichnet, „in dem der Qur’an herabgesandt wurde“, gibt diesem allgemeinen Motiv einen konkreten Fokus: Fasten als Antwort auf Offenbarung, als leibliche Reaktion auf ein Wort, das Anspruch auf den ganzen Menschen erhebt.

Yate beschreibt diese Zeit als dreigeteilte Bewegung: Barmherzigkeit, Vergebung, Befreiung. In einer bekannten Überlieferung heißt es: „Der Monat Ramadan ist: sein Anfang Barmherzigkeit, seine Mitte Vergebung und sein Ende Befreiung vom Feuer.“

Der Mensch durchläuft im Rhythmus der Tage eine innere Dramaturgie: Zuerst die Erfahrung, dass er überhaupt getragen ist, dann die Konfrontation mit der eigenen Handlung und die Hoffnung auf Vergebung.

Das ist die Perspektive eines Loslösens aus destruktiven Bindungen. Am Ende des Monats, so eine andere Überlieferung, steht der Fastende da „wie ein neugeborenes Kind“ – nicht, das er sich moralisch perfektioniert hätte, sondern weil er sich wenigstens für eine begrenzte Zeit der Annäherung an Allah ausgesetzt hat.

Die Konzentration dieser Bewegung kulminiert in einer Nacht: Lailat al-Qadr, die „Nacht der Bestimmung“ – oder der „Macht“. Es ist der Moment, in dem der Qur’an auf einmal hinabgesandt wurde. Es ist zugleich jene Zeit, in der nach islamischer Tradition die Ereignisse des kommenden Jahres festgelegt werden.

Der Prophet forderte die Muslime auf, diesen Augenblick in den letzten zehn Tagen zu suchen, genauer: in ihren ungeraden Nächten. Die Präzision des Suchens – 21., 23., 25., 27. oder 29. – steht in einem merkwürdigen Kontrast zu ihrer Unbestimmtheit.

Sie ist nicht planbar wie ein Event im Terminkalender, sie entzieht sich. Sie will gefunden, nicht verwaltet werden. Yate verweist auf Überlieferungen, nach denen diese Nacht ein Moment besonderer Stille ist, in dem die Belohnung für jede Handlung ins Unermessliche steigt. Wer hier wach bleibt, betet, Qur’an rezitiert, tritt – für ein paar Stunden – aus der quantifizierbaren Zeit heraus.

Zum Ramadan gehört aber nicht nur das Unsichtbare, sondern auch das öffentliche Zeichen. In der Empfehlung des Propheten, in den letzten zehn Tagen Iʿtikaf zu vollziehen, spiegelt sich ein radikaler Rückzug in den Raum der Moschee. Es ist ein sich von der „auswärtigen Welt“ abscheiden, die eigene physische Präsenz aus dem Produktionskreislauf herausnehmen.

Und gleichzeitig führt der Monat auf sein Gegenteil zu: das Fest des ‘Id Al-Fitr, das mit einem kollektiven Gebet beginnt und sich in offene Begeisterung überführt. „Es gibt zwei Freuden für den Fastenden“, zitiert Yate den Propheten: das Glück beim Fastenbrechen und jene, wenn er seinem Herrn begegnet. Fasten ist in dieser Logik eine Form der Anbetung, die sich jeder äußerlichen Kontrolle entzieht.

Niemand weiß sicher, ob der andere fastet; nur er und Gott kennen die Wahrheit seines Verzichts. Der Feiertag kehrt dieses Verborgene ins Sichtbare: Das Glück wird erkennbar, die Gemeinschaft materialisiert sich in der Musalla – auf freiem Feld oder in großen Sälen –, in denen alle Platz finden. Nach der Innerlichkeit des Monats wird die Freude eine soziale Tatsache.

In Europa trifft all dies auf eine andere Kulisse. Yate beschreibt den Ramadan hier als eine Praxis in der Minderheit: Draußen normaler Betrieb, Cafés und Kantinen bleiben geöffnet, die Plakate der Konsumwelt leuchten unverändert, während eine kleine Gruppe versucht, innerhalb dahinter einen eigenen Zeitrhythmus zu leben. 

Der Kontrast ist unvermeidlich: „Man ist sich bewusst, dass nur die anderen Muslime fasten“, sagt Yate. Das heißt, die Differenz der Lebensweise wird erfahrbar bis in den Körper hinein. In vielen mehrheitlich muslimischen Gesellschaften dagegen verwandelt der Ramadan das öffentliche Leben selbst: Öffnungszeiten verschieben sich, Straßenbeleuchtung, Gerüche, Stimmen, die nächtliche Verdichtung von Gemeinschaft. Der der Monat wird zum kollektiven Ereignis, in dem sich die geistige Spannung in die Stadtlandschaft einschreibt.

Gleichzeitig verweist Yate auf eine Dimension, die in Europa eher leise bleibt: Nach einer bekannten Überlieferung werden die Teufel im Ramadan in Ketten gelegt; die schlechten Eingebungen verlieren einen Teil ihrer Wirkung. Wenn dies der Fall ist, dann tritt im Fastenmonat weniger die Schwäche der Menschen als vielmehr ihr Potential hervor.

In muslimischen Kontexten kanalisiert sich das in einem „erweckten“ gemeinschaftlichen Bewusstsein, in Europa dagegen trifft es auf ein Umfeld, das diese inneren Bewegungen kaum kennt oder sogar als Störung wahrnimmt. Aus dieser Spannung erwächst eine paradoxe Chance.

Gerade weil die Mehrheit nicht fastet, können Muslime die Erfahrung des Ramadans erklären, Gäste zum Fastenbrechen einladen, die Logik des Verzichts, der Unterbrechung, des Gebets plausibel machen. Die Fremdheit des Monats wird zum Gesprächsanlass.

In der europäischen Normalität, die auf Verfügbarkeit, Effizienz und Konsum gründet, ist Ramadan damit mehr als nur ein religiöser Brauch; er ist eine stille Kritik. Ein Monat, in dem der Körper sich aus dem Diktat permanenter Bedürfnisbefriedigung löst, in dem die Nacht nicht der Unterhaltung, sondern der Selbstprüfung gehört, in dem Essen und Trinken bewusst aufgeschoben werden, stellt die Prioritätenordnung des Alltags infrage. Dass dieser Monat zugleich von Freude, Festlichkeit und gemeinschaftlicher Wärme geprägt ist, sprengt das Klischee eines asketischen, lebensfeindlichen Islam.

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Die letzten zehn Tage des Ramadan

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Heute jedoch finden es viele schwierig, ein hohes Niveau für die letzten zehn Tage durchzuhalten. (iz). Inmitten des Wirbels an Erwartungen und Vorbereitungen hat der Ramadan begonnen. Und wir stürzen […]

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Wie den Ramadan spirituell gehen?

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Ramadan ist kein bloßer Monat im Kalender der „Frommen“. Er ist ein Einschnitt in die Zeit selbst: eine von Allah geöffnete Zone, in der sich die Horizonte des Diesseits und des Jenseits einander annähern.

(iz). Wer kurz nach Sonnenuntergang in den Himmel blickt und auf die schmale Sichel wartet, erlebt ein kleines Wunder – nicht, weil sich ein Himmelskörper bewegt, vielmehr da ein Herz bereit ist, sich bewegen zu lassen.

Der andalusische Gelehrte Qadi Abu Bakr ibn Al‑’Arabi deutete den Mondkalender der Muslime als Zeichen dafür, dass ihre Zeitrechnung nicht von der Jagd nach weltlichem Nutzen, sondern von der Ausrichtung auf das Jenseits geprägt ist. Die Sonne ordnet die Arbeitswelt, der Mond das gottesdienstliche Leben. In diesem Licht erscheint er wie eine Schule der inneren Umkehr. Und er ist Prüfstein dafür, wie ernst wir es mit der Reinigung unserer Herzen meinen.

Das Herz im Zentrum

Im Kern dieser Zeit steht nicht der Magen, sondern das Herz. Es ist in der Sprache der klassischen Gelehrten das edelste Organ des Menschen, der Ort von Erkenntnis, Absicht und Liebe. Zugleich ist es der gefährdetste. Der Sinn des Monats, sein inneres Geheimnis, kreist darum, dass es gereinigt, aufgeweckt und neu ausgerichtet wird.

In den Nächten, in denen wir lange im Gebet stehen und dem Qur’an zuhören, verliert die achtlose Zerstreutheit (ghafla) ihre gewohnte Zuflucht. Der Mensch wird daran erinnert, dass Allah die Bewegungen seiner Gedanken und Gefühle kennt, und diese Bewusstheit lässt viele dunkle Regungen beschämt verstummen.

Die traditionelle Literatur zur „Reinigung des Herzens“ – von al‑Ghazali bis zu den Gedichten von Imam Mawlud – liest sich wie ein inneres Handbuch für diesen Monat.

Sie beschreibt Krankheiten, die modernen Menschen nur allzu vertraut sind: Geiz und Selbstbezogenheit, Stolz auf flüchtige Leistungen, übermütige Freude an der Welt, die sich als taube Sicherheit auf ein „später“ tarnt. Dieser Monat konfrontiert uns mit der Frage, ob wir dieser inneren Diagnose wirklich ins Auge sehen wollen – oder ob uns das Ritual genügt, solange es nicht zu nah an die Komfortzonen rückt.

Fasten als Therapie

Mawlud beginnt seine Beschreibung der Herzenskrankheiten mit Knausrigkeit (bukhl). Es ist kein Zufall, dass der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in den Überlieferungen als der großzügigste aller Menschen beschrieben wird, und dass seine Freigebigkeit im Ramadan noch zunahm.

Seine Gefährten verglichen ihn in dieser Phase mit einem Wind, der unaufhörlich Gutes bringt. Dasselbe Fasten, das tagsüber Begehren zügelt, öffnet abends die Hand. Das ist eine symbolische Gegenbewegung zum Reflex, gerade in Zeiten der Entbehrung enger zu werden.

Sadaqa

Foto: Muslimfoodbank.com

Eine weitere Krankheit nennt Lehrer „Batar“. Das ist ein übermütiges Freudentaumeln über die flüchtigen Dinge dieser Welt, das den Menschen blind macht für die Zerbrechlichkeit seiner Lage. Die verpflichtende Enthaltsamkeit setzt hier einen anderen Akzent: 

Der Fastende erfährt ein gegenwärtiges Glück, wenn er bei Sonnenuntergang das Fasten bricht und eine gottesdienstliche Handlung vollendet. Hinzukommt eine zukünftige Freude, die sich auf das Wiedersehen mit seinem Herrn und die bleibende Seligkeit des Paradieses richtet.

Der Monat Ramadan eröffnet zudem ein seltenes Fenster, um tiefe Abneigung und Hass zu überwinden. Wer sich Allah im Zustand der Bedürftigkeit nähert, erlebt oft, wie hartnäckige Ressentiments ihre Selbstverständlichkeit verlieren.

In einer Überlieferung wird betont, dass die beste Sadaqa darin besteht, Versöhnung zwischen Menschen zu stiften. Unterdrückung und Unrecht bleiben im Islam immer verwerflich, doch wer in dieser Spanne bewusst über die Würde und Rechte anderer hinweggeht, verfehlt nicht nur ein Gebot, sondern widerspricht ihrem Geist der Barmherzigkeit.

Eine geheime Tat

Zu den subtilsten Versuchungen gehört die Liebe zum Lob. Die Brillanz des Ramadan liegt darin, dass das Fasten als gottesdienstliche Handlung im Verborgenen geschieht. Man kann einem Menschen ins Gesicht schauen, ohne zu wissen, ob er fastet.

Wo Gebete sichtbar und Spenden messbar sind, bleibt die Enthaltung von Essen, Trinken und ehelichem Verkehr im Stillen. Das ist auch ein Schutz gegen das offene Zurschaustellen der eigenen Frömmigkeit.

Eine der gefährlichsten Krankheiten des Herzens bleibt jedoch die Unzufriedenheit mit dem göttlichen Erlass, die innere Revolte gegen das, was als Geschick geschieht.

Sie entspringt einem Mangel an Zutrauen in die Weisheit und Fürsorge Allahs. Ramadan zwingt uns, dieses Vertrauen einzuüben: Wir verzichten freiwillig auf das Erlaubte, warten geduldig auf das erlaubte Genießen und verlassen uns darauf, dass diese Enthaltsamkeit in Seinen Waagschalen nicht verloren geht.

Aus wachsendem Glauben erwächst eine andere Bereitschaft, die Schicksalsfügungen zu akzeptieren – nicht als passiven Fatalismus, sondern ist eine Haltung, die im Handeln nicht die Illusion der totalen Kontrolle sucht.

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Foto: Sondem, Adobe Stock

Die Zeit als solche

Die ersten Tage ziehen sich für viele in die Länge, als hätte die Zeit selbst an Tempo verloren. Doch nach dieser Anfangsphase beschleunigt sich der Ramadan und ist plötzlich, fast schockartig, vorüber. Seine Struktur – Anfang, Mitte, Ende – spiegelt das menschliche Leben.

Es ist eine Kindheit, die sich wie ein weites Feld anfühlt, ein Erwachsenenalter, in dem sich Jahre zu bündeln scheinen, und ein letztes Drittel, in dem das Bitten um Rettung aus den Strafen des Jenseits dringlicher wird. Der anschließende Feiertag erinnert dann an die Freude der Annahme. Nicht umsonst beten die Wissenden bis zum Schluss um ein angenommenes Fasten.

Imam Al‑Ghazali und viele andere warnen vor der trügerischen Sicherheit eines langen Lebens, das uns angeblich genug Zeit für spätere Umkehr lässt. Die stille Botschaft eines bewussten Ramadan lautet: Niemand besitzt die Garantie, einen weiteren zu sehen. Wer auf einen „besseren Zeitpunkt“ wartet, um sich Allah zuzuwenden, läuft Gefahr, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen.

Disziplin, Geduld und die Logik des Aufschubs

Die Gelehrten der spirituellen Läuterung betonen drei Grundübungen des Fastens: Geduld mit dem Hunger – Trieb zur Selbsterhaltung – und Mäßigung in der Sexualität – Erhaltung der Art. Hinzukommen Selbstdisziplin in allen übrigen, die diesen beiden folgen. Wer die ersten beiden in den Griff kriegt, hat es mit den restlichen Disziplinen leichter.

Interessanterweise bestätigen moderne Sozialwissenschaften, dass die Bereitschaft zum Belohnungsaufschub, um langfristigen Nutzen zu sichern, einer der wichtigsten Indikatoren für weltlichen Erfolg und geistige Reife ist. Aus islamischer Perspektive ist Ramadan eine kollektive Übung in genau dieser Fähigkeit.

Es gibt allerdings einen anderen Horizont: Belohnungsaufschub zielt nicht nur auf bessere Gesundheit, Arbeitsdisziplin oder finanzielle Stabilität, sondern auf die dauerhafte Nähe Gottes. Der größte Dienst, den ein Mensch leisten kann, besteht darin, die Begierden seiner Glieder zu kontrollieren und die ihm gegebenen Fähigkeiten dankbar im Gehorsam gegenüber dem Geber einzusetzen.

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Foto: ademmm, Deviantart

Kein Automatismus

Bei allem liegt eine Warnung wie ein Kommentar über dem Monat: Nichts geschieht mechanisch. Allah hat die Welt nicht als Ort eingerichtet, an dem Früchte ohne Anstrengung wachsen. Jeder Gewinn wie Sein Wohlgefallen verlangt Mühe, bewusste Entscheidungen sowie ein Mindestmaß an innerer Wachheit. Ramadan kann, bei aller Heiligkeit, zu dreißig recht leeren Tagen verkommen, die in der Jahreschronik kaum Spuren hinterlassen.

Die leicht beängstigende Frage lautet: Was hat der Ramadan an mir sichtbar verändert, das sich nicht im bloßen Abhaken von Ritualen erschöpft? Hat sich mein Verhältnis zu Geld spürbar verschoben – von der Angst, zu kurz zu kommen, hin zu Großzügigkeit? Habe ich konkrete Schritte zur Versöhnung unternommen, statt nur abstrakt „Vergebung“ zu beschwören? Habe ich die Zunge diszipliniert, die Blicke gesenkt, meine digitale Gegenwart gesäubert? Oder verlässt mich der Monat so, wie ich vorher war?

Ein Monat als Angebot und als offene Tür

Ramadan gleicht einer barmherzigen Tür in die Zeit, die sich öffnet und wieder schließt. Niemand kann sicher sein, ob er sie im nächsten Jahr erneut hindurch gehen darf. Wer den Monat ernst nimmt, investiert in die Dinge, die im islamischen Verständnis dauerhaft Ertrag bringen: nützliches Wissen, anhaltende Gottesdienste, stabile Familienbande, Gebete und versteckte oder offene Wohltätigkeit, die in den Aufzeichnungen der Engel erscheinen wird.

Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Logik dieses Monats in den Rest des Jahres mit zu übernehmen. Wenn Fasten nur ein saisonales Projekt bleibt, das pünktlich mit dem Neumond beginnt und endet, verfehlt man seinen Charakter als Schulung.

Wer jedoch auch nach dem Feiertag bewusst kleine Elemente dieser Schule weiterführt – regelmäßige Portionen Qur’an, freiwillige Fastentage, eine freundlichere Zunge, zusätzliche Routinen des Gebets –, hat begonnen, aus dieser Ausnahmezeit eine neue Grundorientierung seines Lebens zu machen.

In diesem Sinn ist der Fastenmonat weniger ein einmaliges Ereignis als ein Prüfstein: Er zeigt uns, wie ernst wir es mit dem Verlangen nach einem reinen Herzen tatsächlich meinen. Und wie viel wir zu investieren bereit sind, um jenem Wunsch Gewicht zu geben.

* Unter Verwendung von „Ramadan: The Soul’s Delight“, Zaytuna College, 2026.

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Was den Ramadan in dieser Zeit relevant macht

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Der Ramadan hat auch Relevanz für aktuelle Fragen der Zeit: Die wichtigsten sind Freiheit und Gemeinschaft.

(iz). Muslime und Nichtmuslime werden bei der Reflexion über den Ramadan in all seinen Aspekten vorrangig an überzeitliche und jenseitige Fragen denken.

An Dinge, die eine Person ihrem Schöpfer näherbringt, oder die zu ihrer spirituellen Verbesserung beiträgt. Nichts umsonst beschrieb Ahmet Aydin diesen Monat als eine „Übung im Menschsein“.

Damit Ramadan bzw. das in ihm verpflichtende Fasten relevant sein können, muss beide auch zu unserem Ort in dieser Zeit sprechen. Will heißen, jeweils Dinge adressieren, die für uns bedeutend sind. 

weiblich Zeit Iftar

Foto: Nate Pesce, flickr | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gerade stechen zwei Aspekte heraus, die den Fastenmonat jetzt wichtig und wertvoll machen: die Themen Freiheit und Gemeinschaft.

Der Verlust des sozialen Lebens und seiner organischen Netzwerke macht sich heute als Einsamkeit bemerkbar. Sie ist kein Randphänomen mehr: In Deutschland fühlen sich laut Studien Millionen Menschen regelmäßig allein.

Das geht quer durch Altersgruppen und Lebenssituationen. Vor allem Großstädte, die Lawine digitaler Kommunikation und ein beschleunigter Alltag verstärken das Gefühl gegenseitiger Distanz.

Was früher Tabuthema war, wird längst als ernsthafte soziale Herausforderung erkannt. Politik, Forschung und Zivilgesellschaft suchen nach Wegen, gegen Vereinsamung vorzugehen – denn chronische Einsamkeit bedroht nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern ebenso die körperliche Gesundheit und das Zusammenleben.

Auch um unsere bürgerlichen Freiheiten ist es nicht rosig bestellt – vor Ort und global. Ranglisten zum Thema weisen seit einiger Zeit beunruhigende Trends auf: Mit Bürgerrechten und Meinungsfreiheit geht es weltweit bergab.

demokratie

Foto: The White House/flickr | Lizenz: Public Domain

Das betrifft nicht nur für Ländern der „Dritten Welt“, sondern ebenso die im Westen. Beispiele sind leider nicht selten: die Faschisierung der USA, „illiberale Demokratien“ in Ost- und Mitteleuropa sowie die schleichende Erosion hiesiger Freiheiten sind gefährlich für alle.

Erst vor Kurzem musste die Bundesregierung eine kritische Einschätzung der Redefreiheit durch die UN-Berichterstatterin Khan zur Kenntnis nehmen.

Das Land stünde „an einem Scheideweg der Meinungsfreiheit“. Sie sieht Symptome, dass ein demokratischer Kernanspruch der Bundesrepublik – der freie Widerspruch – zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät.

Was hat das mit Ramadan & Fasten zu tun? Nun, die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zugunsten höherer Ziele hintanzustellen und die Kulturtechnik des Aufschubs von Belohnung sind gute Übungen für einen zivilisierten Umgang. Gleichzeitig machen sie Freiheit existenziell erlebbar.

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Handel profitiert von Halbmonden und muslimischen Kalendern 

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Der Handel mit Deko-Artikeln zur muslimischen Fastenzeit wächst. Ramadan-Halbmonde zum Aufstellen oder Aufhängen, Ramadan-Kalender oder Halbmond-Kissen. Viele Muslime freuen sich darüber, es gibt aber auch Kritik. (KNA). Der Fastenmonat Ramadan […]

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