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„Auch Männer fragen nach Tipps zum Kochen“

Kochen

Kochen und Innenausstattung sind wahre Kunstformen. Für jeden, der Kreativität in seinem Leben will, sind das zwei Gebiete einer Halal-Lebensweise, in denen man definitiv seine Bedürfnisse befriedigen kann.

(iz). Paradoxerweise beschäftigt man sich in vielen muslimischen Kulturen im Fastenmonat Ramadan mehr als sonst mit Lebensmitteln, Kochen und Essen. Dabei haben sich ausgefeilte Traditionen entwickelt. Nicht immer sind sie so leicht in der modernen Gesellschaft zu realisieren. Hierzu sprachen wir mit der US-Amerikanerin Yvonne Maffei. Sie betreibt unter anderem die Webseite MyHalalKitchen.com und vertreibt Ratgeber, in denen sie über Halal-Lebensmittel, Zutaten, Kochen, Essen und Innenausstattung schreibt.

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, wären Sie so freundlich, Ihre Webseite und Ihr Projekt unseren Lesern vorzustellen?

Yvonne Maffei: MyHalalKitchen.com wurde geschaffen, um eine nützliche Quelle für alle ganzheitlichen, natürlichen Dinge aus dem Halal-Bereich zu sein. Vor allem soll es Lesern bei deren Bedürfnissen nach Halal-Lebensmittel und dem Kochen (wie Ersatzmittel beim Backen und Kochen, die Auswahl von Restaurants et cetera) helfen, aber auch Inspirationen für Lifestyle und Inneneinrichtung bieten.

Faszination Lebensmittel

Islamische Zeitung: Was fasziniert Sie an Lebensmitteln, dem Kochen und Innenausstattung?

Yvonne Maffei: Kochen und Innenausstattung sind wahre Kunstformen. Für jeden, der Kreativität in seinem Leben will, sind das zwei Gebiete einer Halal-Lebensweise, in denen man definitiv seine Bedürfnisse befriedigen kann. Ich liebe es, mit Dingen zu arbeiten, die Schönheit in unser Leben bringen. Als Muslime wissen wir, dass Allah Schönheit liebt.

Foto: Yvonne Maffei

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, was ist die Bedeutung von Lebensmitteln, Essen und Kochen für die Muslime in unserer Zeit? Handelt es sich dabei um mehr als um die Nahrungsaufnahme?

Yvonne Maffei: Unsere Lebensmittel sind unglücklicherweise, heute mehr denn je, nicht das, was sie zu sein scheinen. Deshalb ist es für uns so wichtig zu wissen, wo unser Essen herkommt und was sich genau darin befindet. Als Muslime haben wir eine Richtschnur über das, was gut für uns ist und was nicht – unabhängig davon, ob es in Zusammenhang mit Lebensmittel, Lebenswandel, Finanzen oder sozialen Interaktionen steht.

Viel Zeit für Kochen und Essen

Islamische Zeitung: Ist es im Kontext dieses Ramadans nicht ironisch, dass Muslime sich, wenn sie wohlhabend genug sind, jetzt mehr mit Kochen und Essen beschäftigen als zu jeder anderen Zeit?

Yvonne Maffei: (überlegt)… Eigentlich begegnen mir sehr viele bewusste Muslime, die auf die Dinge reagieren, die ich in den sozialen Netzwerken und auf meiner Webseite veröffentliche. Ich kann kein gesteigertes Verlangen nach Essen und Kochen erkennen.

Vielmehr begegnen mir Leute, die wissen, dass wir essen müssen, wenn es Zeit ist, und die nach Wegen suchen, das gesund und schnell zu gestalten. Ihr Ziel ist es, mehr Zeit für das zu haben, was im Ramadan wichtig ist: die ‚Ibadat (Akte der Anbetung). Darum bin ich hier, um Menschen das zu ermöglichen, was sehr erfrischend ist.

Irrationalität

Foto: Sanoop.cp, Shutterstock

Islamische Zeitung: Glauben Sie, dass der Ramadan – so wie ihn viele Muslime heutzutage praktizieren – eine zu große Belastung für die Frauen des Haushaltes wird?

Yvonne Maffei: Ich bin mir nicht ganz sicher… Mir begegnen heute viel mehr Männer, die nach Kochtipps fragen und die insgesamt sehr interessiert an Lebensmittel als etwas sind, für dessen Einkauf und Vorbereitung sie Verantwortung übernehmen sollten. Ich finde das sehr großartig!

Tipps und Rezepte

Islamische Zeitung: Hätten Sie einen Tipp, wie sich der Ramadan besser gestalten lässt, um Zeit für spirituelle Aspekte zu haben?

Yvonne Maffei: Planung, Planung und noch mehr Planung – und dann Organisation! Es ist überaus wichtig für den Ramadan, die Mahlzeiten, Einkaufen, die Treffen, Dekoration und Reinigung zu planen und uns dementsprechend zu organisieren, sodass wir das alles tun können. Wird es vor dem Ramadan gemacht: großartig. Wenn nicht ist es immer noch eine bessere Möglichkeit, den Haushalt während des Fastens zu organisieren und problemlos am Laufen zu halten.

Foto: user6694312, Freepik.com

Islamische Zeitung: Was sind Ihre Lieblingsrezepte für den Ramadan?

Yvonne Maffei: Mein absolutes Lieblingsessen für das Iftar ist Kebab im Golf-Stil, aus Lamm, Rind oder Huhn. Sein Geruch von Kardamom, Nelken und aromatischem Basmati-Reis sagen mir, dass Ramadan in der Luft ist. Ich habe schöne Erinnerungen daran, als ich gelernt habe, dieses Gericht herzustellen. Mittlerweile habe ich es so oft gemacht, dass ich das Rezept genauso eingestellt habe, dass es perfekt zu meinem Gaumen passt. Übrigens, alle diese Rezepte finden sich in meinem Kochbuch, „Summer Ramadan Cooking“. Ramadan ist so wunderschön, nicht wahr?

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, vielen Dank für das Gespräch.

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Weibliche Perspektiven des Fastens

weiblich Zeit Iftar

Weibliche Perspektiven werden besonders im Ramadan angesprochen: Passives Mitgefühl müsse in aktiven Beistand und Unterstützung münden, denn „das Fasten hat auch soziale Ziele.

(iz). ls ich alt genug war und zu fasten begann, ging die Sonne gegen 16.00 Uhr unter. Man könnte sagen, das war Fasten deluxe. Trotzdem habe ich damals meine Mutter alle zehn Minuten aufgesucht, um meinen Hunger zu beklagen.

Irgendwann hatte sie genug: Ich faste ja freiwillig. Also, wenn ich jammern wolle, solle ich lieber mein Fasten brechen. Und wenn ich es für sie täte, anstatt für Allah, könne ich immer noch heimlich etwas essen. Sie hat wohl gewusst, dass ich damit auf einen Schlag begreifen würde. Sie hatte vollkommen recht. Seitdem faste ich ganz anders. Oder sagen wir, seitdem faste ich.

Ein weiblicher Blick auf den Ramadan

Mariem Dhouib war islamische Gelehrte, Lehrerin und Mitbegründerin von Madrasah e.V. Sie riet einmal dazu, sich vor dem Ramadan zu besinnen und mit den eigenen Absichten auseinanderzusetzen. „Wir müssen uns vorher im Klaren sein“, erklärt sie, „welchen Sinn unsere Handlungen haben sollen, und für wen wir sie verrichten. Sprich: Wer ist Allah, wer bin ich, und wie ist unsere Bindung?“.

Denn das Fasten ist eine ganz besondere Form des Gottesdienstes, „eine verdeckte Ibadah”. Wer fastet, hat von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts zu sich genommen, obwohl er genügend Gelegenheiten dazu hätte, sich jenseits der anerkennenden Blicke seiner Mitmenschen dem Fasten beispielsweise durch einen Schluck Kaffee zu entziehen. Das Fasten ist also frei und geheim – und damit einzig und allein für Allah.

„Die mehrheitliche Meinung der Gelehrten besagt, dass die wertvollste Nacht im Jahr, Lailat-ul-Qadr, auf die letzten zehn Tage des Ramadans fällt. In diesem Monat, der der einzig namentlich erwähnte im Qur’an ist, wurde das Wort Allahs erstmalig herabgesandt“, erklärt Mariem Dhouib. 

Der Prophetengefährte Salman Al-Farisi hat überliefert, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, am letzten Tag von Scha’ban sagte:

„O Menschen, ihr seid beschattet von einem großartigen und gesegneten Monat, ein Monat, in dem sich eine Nacht befindet, die besser als eintausend Monate ist. Allah machte das Fasten in diesem Monat zur Pflicht und machte das Beten in der Nacht zu einer freiwilligen Handlung. Wer auch immer in ihm versucht, Allah durch eine gute Tat näher zu kommen, wird wie jemand belohnt, der eine Pflicht (zu einer anderen Zeit) erfüllte. Wer auch immer eine Pflicht in ihm ausführt, wird wie jemand belohnt, der siebzig Pflichten (zu einer anderen Zeit) erfüllte. Er ist der Monat der Geduld (Sabr) und der Lohn der Geduld ist das Paradies. Er ist der Monat der Spende. Er ist der Monat, in dem die Versorgung eines Gläubigen vermehrt wird.“

Dies sei der Grund, weshalb Muslime mit „Allahuma baligh’na Ramadan“, so Dhouib, darum beten, den Ramadan zu erleben. Wir würden so daran erinnert, „dass die Erntesaison des Jahres, welches die Gelehrten auf zwei Hälften teilen, uns nicht selbstverständlich gewährleistet wird“. Die Begründung hierfür ist die Vergänglichkeit des Lebens.

Die Zeit nach dem Fasten

Wie sieht das Jahr nun für den Muslim aus? Nach dem Fastenmonat besteht unsere Aufgabe darin, „die Früchte des Monats – die guten Taten – aufrechtzuerhalten“. Wobei die besten Taten die fortwährenden, die regelmäßigen sind, „auch wenn es wenige sind“, so Dhouib. In den Monaten vor Ramadan kann manch ein „Energietank“ aufgebraucht sein, manch regelmäßige, freiwillige Guttat wird vielleicht nicht mehr verrichtet.

„Da ist es ratsam, sich vorzubereiten; die klugen Leute warten nicht erst auf den Ramadan, um Änderungen und Umstellungen zu machen.“ Im Monat der Vergebung, dem Radschab, und im Scha’ban, dem Monat des Propheten, „befassen wir uns spätestens mit unserer Beziehung zu Allah, unseren Absichten und dem Sinn unserer Handlungen.

Islam Sadaqa Solidarität Nächstenliebe

Foto: Shutterstock

Wer die Zeit vor Radschab verpasste, sollte den Radschab nicht verpassen. Wer Radschab verpasst hat, sollte Scha’ban nicht verpassen. Und wer auch Scha’ban verpasst hat, sollte schließlich Ramadan nicht verpassen“.

Auch die Propheten vor Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, haben die Botschaft des Fastens an ihre Völker herangetragen. „Unsere nichtmuslimischen Mitmenschen kennen diese Enthaltsamkeit also meist schon“, wenn auch in anderer Form.

Ob es für den Muslim eine besondere Verantwortung in diesem Monat gibt, wollte ich von ihr wissen. „Ich bin Botschafter Muhammads, das ist nicht anders als sonst, und zwar auf die beste Art und Weise. Durch Großzügigkeit, Sanftheit, Barmherzigkeit – durch meinen Charakter“, lautet die Antwort der Gelehrten.

Passives Mitgefühl mit Bedürftigen müsse in aktiven Beistand und Unterstützung münden, denn „das Fasten hat sowohl individuelle, als auch soziale Ziele. Das Prinzip der Solidarität und Geschwisterlichkeit der Muslime ist im Islam tief verankert. Wenn Bindungen im Laufe des Jahres Schwäche oder Schaden erfahren haben, ist es im Monat des Qur’ans an der Zeit, sie zu bereinigen und Versöhnung zu veranlassen.“

Foto: jahmaica, Adobe Stock

Als Beistand gelte, so Mariem Dhouib, natürlich auch die Wohltätigkeit; wie das Spenden einer Mahlzeit zum Fastenöffnen, selbst wenn es nur durch eine Dattel oder einen Schluck Milch erfolge.

Allerdings warnt die Gelehrte davor, Zusammenkünfte und soziale Kreise dazu zu nutzen, durch unprofessionelle Debatten – etwa über die richtige oder falsche Anzahl der Einheiten des freiwilligen Tarawwihgebets – für Spaltung zwischen den Menschen zu sorgen. Zu zweifelhafter und weitverbreiteter Schwarz-Weiß-Malerei wünscht sie sich daher Distanz.

Ramadanstimmen

Foto: Pexels/Thirdman

Ich möchte von ihr wissen, was denn individuelle Ziele des Fastens sein könnten. „Taqwa, zum Beispiel“, lautet ihre Antwort. Das werde oft mit „Gottesfurcht“ übersetzt, es ist aber viel mehr. Durch das Fasten als Akt der Anbetung von Allah übt sich der Hungernde in Aufrichtigkeit, die sich nicht nur auf den körperlichen Verzicht beschränkt, sondern ganzheitlich wirkt.

Sie nennt noch weitere Aspekte: „Sabr (Geduld) in den grundlegendsten Bedürfnissen walten lassen, Selbstkontrolle erlernen und mit wenig gut zurechtkommen.“

Das Fasten ist also Kopfsache und rückt den Fokus vom Körperlichen hin zur höher gestellten Seele. „Natürlich ist es wichtig, im Monat des Qur’ans diesen auch viel zu lesen. Worum es aber immer geht, ist, den Qur’an zu leben.“

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Handel profitiert von Halbmonden und muslimischen Kalendern 

handel ramadan

Der Handel mit Deko-Artikeln zur muslimischen Fastenzeit wächst. Ramadan-Halbmonde zum Aufstellen oder Aufhängen, Ramadan-Kalender oder Halbmond-Kissen. Viele Muslime freuen sich darüber, es gibt aber auch Kritik.

Berlin (KNA). Der Fastenmonat Ramadan hat gerade begonnen und viele muslimische Haushalte sind in dieser Zeit festlich geschmückt. Goldglänzende Halbmonde sind aufgestellt, es gibt Schilder mit Moscheenabbildungen und der Aufschrift „Ramadan Kareem“, die eine gesegnete Fastenzeit wünschen.

Zu kaufen gibt es diese Deko-Artikel bundesweit in vielen Warendiscountern. Und weil der Fastenmonat in diesem Jahr fast zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit stattfindet, die stets 40 Tage vor Ostern beginnt, findet man die Artikel direkt neben Osterhasen und bunt bemalten Ostereiern.

In einigen Drogeriemärkten sind zudem Kalender ausgestellt, die auf den ersten Blick wie verspätete Adventskalender daherkommen, die aber bei näherer Betrachtung ebenfalls für die muslimische Fastenzeit bestimmt sind.

Die Berlinerin Selva F. freut sich darüber: Die Mutter von zwei Kindern hat ihr Wohnzimmer geschmückt und findet es klasse, dass die Artikel seit einigen Jahren in vielen Läden zu finden sind. Für sie ein sichtbares Zeichen, dass Muslime gesehen werden und selbstverständlich dazugehören.

Ähnlich sieht es auch der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. „Auf jeden Fall wird der Islam als Teil der Alltagskultur sichtbar“, sagte Hirschfelder der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Insofern seien Ramadan-Halbmonde oder Ramadan-Kalender in Geschäften auch ein Zeichen von Anerkennung. „Die muslimische Community ist hier angekommen.“

Natürlich habe das Ganze auch eine ökonomische Komponente. In Deutschland leben laut Statistik rund 5,5 Millionen Muslime. „Da regieren die Unternehmen letztlich auf eine demografische Realität.“

Es gibt aber auch Muslime, die sich an diesem neuen Hype stören. Grund ist der Gedanke hinter der muslimischen wie der christlichen Fastenzeit, sich vom Konsum freier zu machen und bewusst zu verzichten. So hat Adrian Balbegi, der als Gründer des Dortmunder Unternehmens SugarGang die Ramadan-Kalender vertreibt, negative Reaktionen erlebt.

Der KNA sagte er, dass einige Muslime ihm das Nachahmen christlicher Bräuche vorwerfen und die Aufmachung wenig fromm finden. Allerdings gilt eine Fastenpflicht erst für muslimische Jugendliche ab 14 Jahren, für viele auch ab 16 Jahren, also nicht mehr so ganz das Alter für einen Süßigkeiten-Kalender. Ab diesem Alter sind gläubige Muslime dazu angehalten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken.

Für Hirschfelder ist an dem Bekenntnis vieler Muslime, den Ramadan zu praktizieren und dafür auch die Wohnung zu schmücken, noch etwas ganz anderes wichtig: Für die muslimische Community, deren Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Ländern mit teilweise anderen Kulturen nach Deutschland gekommen seien, sei gerade der Fastenmonat eine gemeinsame Identifikationsfolie.

Traditionell wird nach Sonnenuntergang auch das Fastenbrechen mit anderen gefeiert, erläutert der Kulturwissenschaftler. Gastfreundschaft habe in vielen muslimischen Haushalten nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Und während des Ramadans werde der private Raum dann sozusagen zu einer Bühne für Gastfreundschaft und für Kultur.

Dazu gehört auch, dass beim Fastenbrechen das traditionelle Gebäck Baklava gereicht wird. Es besteht aus dünnen Teigschichten, die übereinander gelagert werden. Dazwischen kommt eine Füllung aus Pistazien oder Nüssen. Auch für spezielle Bäckereien ist der Fastenmonat eine Zeit, in der besonders viel Baklava gebacken wird.

Foto: Mahmoud Mahdi Photo/Shutterstock

Zunehmend wird der Monat auf sogenannten Ramadan-Märkten auch öffentlich begangen. Angelehnt an den Weihnachtsmarkt, gibt es in vielen Städten ein solches Event mit vielen Lichterketten und Essensstände. Es beginnt allerdings gemäß dem muslimischen Fastenmonat nach Sonnenuntergang und zieht sich oft bis nach Mitternacht hin.

Der Ramadan endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, arabisch Eid al-Fitr, das in diesem Jahr am 19. März beginnt. Dann findet auch das Zuckerfest statt, an dem traditionell Kinder beschenkt werden und Besuche stattfinden

In vielen Familien werden in den Tagen die Ramadan-Halbmonde und andere Utensilien abgehängt und in Kisten verstaut – bis zum nächsten Jahr. Gut zwei Wochen später ist Ostern, damit endet die christliche Fastenzeit.

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Verzicht ist ein Heilmittel gegen Konsum

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Körper im Fastenmonat: Hochsaison für Selbstdisziplin und Entgiftung

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Körper im Fastenmonat: Gesundheit ist einer der wichtigsten Elemente des Glücks. Was wir zu uns nehmen, hat einen direkten Einfluss darauf. Im Islam werden die Muslime dazu ermutigt, bewusst mit […]

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Mondsichtung und Ramadanbeginn: Alle Jahre wieder?

Erwartung Ramadan mond astronomie zeit

Zwischen Mondsichtung und Ramadanbeginn. Obwohl Muslime in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten einheitlich beginnen, sind die Debatten nie verstummt.

(iz). Jedes Jahr die gleiche Debatte um die richtige Feststellung des Beginns vom Fastenmonat Ramadan. Der Hidschri-Kalender (benannt nach der Auswanderung des Propheten Muhammad, Allahs Frieden und Segen auf ihm, nach Medina, der Hijra) richtet sich nach dem Mondzyklus.

Der Ramadan beginnt offiziell mit der Sichtung der neuen Mondsichel (Hilal). Darüber, wie diese Sichtung aber stattfinden soll, gibt es verschiedene Meinungen.

Es ist wichtig zu wissen, dass in der traditionellen sunnitischen Rechtswissenschaft Meinungsvielfalt vorgesehen und durchaus anerkannt ist. Diese allgemeine Grundlage scheint im Zeitalter des Internets teilweise in Vergessenheit zu geraten. Bekanntlich tummeln sich dort diverse, kleine Randströmungen mit Webseiten, die mit selbstgegebenem alleinigen Wahrheitsanspruch werben.

Grafik: famveldman, Adobe Stock

Wer hier meint nur „Qur’an“ und „Sunna“ zu folgen, sagt nicht selten, dass er lediglich seinem eigenen Verständnis von beidem folgt. Die islamische Normenlehre (Usul al-Fiqh) ist dann doch etwas wissenschaftlicher als das Kopieren von Textübersetzungen und das Posten von Bildern.

Wie jedes Jahr in der letzten Zeit beginnt kurz vor Beginn des Ramadan eine Diskussion darüber, wann und von wem der Ramadan ausgerufen wird.

Muslim kann jeder sein, Rechtsgutachter aber eben nur, wer dafür qualifiziert ist. Um der Komplexität von Wissenschaft gerecht zu werden, bedarf es diverser Qualifikationen. Das Googlen oder Hörensagen von Sachverhalten steht dem entgegen. Vor allem wird es problematisch, wenn die Rechtsmeinungen von Gelehrten bestimmter Randkonfessionen auf die Mehrheit der Muslime übertragen werden soll.

Die Meinung, die jüngst gern als die „einzig wahre“ propagiert wird, meint, dass man auf die Sichtung des Neumonds über Mekka warten müsse und die Autoritäten Mekkas dann den Ramadan ausrufen. Gleichzeitig gilt diese Meinung weltweit als sehr schwer begründbar. Ihre Verbreitung erfuhr sie in den letzten Jahrzehnten vorrangig durch saudischen Einfluss.

Ein Konsens herrscht darin, dass es lediglich einer, weltweit möglichen, bestätigten Sichtung des Neumonds bedarf, um den Beginn des Ramadan festzulegen. 2014 wurde der Mond beispielsweise offiziell im Jemen gesichtet, wonach das Land den Ramadan ausrief und einige andere Länder nachzogen. Saudi-Arabien aber  wartete auf die nächste Nacht, um ihn selbst zu sichten.

Nur zum Ramadanbeginn auf die Sichtung des Mondes zu bestehen, während man den Beginn der restlichen elf Monate im Jahr nicht durch Sichtung bestimmen lässt, hat jedoch wenig Sinn. Ein Indiz für eine Scheindebatte.

Und es ist auch nicht ausreichend ihn einfach selbst zu sichten oder auf Mondsichtungs-Webseiten zu surfen. Je nach Rechtsschule spielt dabei die Wahl des Sichtungsortes oder die Anzahl zuverlässiger Zeugen eine wichtige Rolle.

Eine dritte Methode zur Feststellung eines Monats ist die detaillierte astronomische Berechnung. Auf diese Weise wird das ganze Jahr vorbestimmt. Dass das aber auch ein Problem sein kann, bewies 2013, in dem einige Leute, die nach der Berechnung gingen, bereits das Opferfest feierten, während die Pilger in Mekka die Hadsch noch gar nicht abgeschlossen hatten.

In der leidigen alljährlichen Debatte geht meistens aber verloren, dass es noch andere Aspekte zur Bestimmung gibt. In jedem Fall bedarf es einer anerkannten Autorität, die den Monat ausruft. In der klassischen Feststellung gilt, dass die Rechtsgelehrten vorgeben, wie der Beginn bestimmt wird und die politische Autorität diesen dann bestätigt.

In einem Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit ist es heute der Präsident oder König. In Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz übernimmt diese Rolle jemand anderes. Unsere Gemeinschaftsstruktur verfügt nicht über eigene Muftis oder Qadis. In der gegenwärtigen Situation ist wohl am ehesten der Moscheevorstand diese politische Autorität. Die meisten unserer Moscheevereine sind organisiert in mehreren großen Verbänden oder Dachverbänden wie DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD.

Diese vier haben sich darauf geeinigt, den Fastenmonat immer gemeinsam anzugehen. Zusammen bilden sie die absolute Mehrheit der Moscheegemeinden von über 85 Prozent. Ihr Konsens sieht vor, dass der Ramadan durch astronomische Berechnungen bestimmt wird. Ist das jetzt falsch?

Die Meinungsfindung beruft sich auf die Anweisung des Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, bei Meinungsverschiedenheiten der großen Mehrheit zu folgen. Die faktische Lage unserer Gemeinschaft ist, dass die Mehrheit unserer Muslime sich darauf geeinigt hat, auf Berechnungen zu vertrauen.

Bagdad Dar Al Hikma Wissenschaft

Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei

Aber der Prophet sagte doch, man solle auf die Sichtung des Neumonds warten, oder? Ja. Vieles gilt verstanden zu werden und bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung. Die Meinungsvielfalt im islamischen Recht basiert darauf, dass man Sachlagen verschieden betrachten und eben auch begründen kann. Idealerweise entwickelte sich die muslimische Gemeinschaft Deutschlands so weit, dass sie über ein eigenes Komitee an geeigneten Stellen in Deutschland eine Sichtung nach klassischem Recht durchführt.

Dass es schwierig ist, von der gesamten muslimischen Weltgemeinschaft einen Konsens zu erwarten, muss akzeptiert werden. Beispielsweise ist die Sichtung über Marokko wesentlich einfacher als die über Mekka. Andere Teile der Welt sehen den Neumond aus astronomischen Gründen früher und hätten theoretisch das Recht, allen anderen Muslimen den Ramadan zu verkünden.

Die muslimische Realität beginnt in der unmittelbaren Umgebung. Jeder ist gut beraten, sich nach seinem Imam und Vorstand zu richten. Selbst, wenn diese eben ein anderes Urteil fällen. Allah verlangt nicht, dass wir es uns unnötig schwer machen.

Und wer überhaupt gar nicht über eine Gemeinschaft verfügt, an die er sich halten kann, der wäre gerade im Ramadan, der seine Ganzheitlichkeit besonders in der Gemeinschaft entfaltet, gut beraten, sich der Priorität der Gemeinschaftsbindung zu widmen.

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Fasten mit Feinsinn – wie der osmanische Hof den Monat Ramadan beging

feiertag ramadan fasten feinsinn

Verschiedene Kulturen entwickelten ganz eigene Traditionen des Fastens. Insbesondere die osmanische sticht mit Feinsinn hervor. „Kann der Lohn für Güte (etwas) anderes sein als Güte?“ (Ar-Rahman, Sure 55, 60) „Den […]

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Ramadan 2026: Stress vermeiden. Vorbereitung für den Fastenmonat

Stress vermeiden

Effizienz kann überall gesteigert werden. Gerade im Ramadan lässt sich jede Menge Stress durch Vorbereitung vermeiden.

Auch wenn es ein Monat des Verzichts sein soll, bedeutet er gerade für Hausfrauen und Mütter Mehrarbeit in der Küche. Um nicht dort die ganze Zeit zu verbringen und Zeit für Wichtigeres zu sparen, gibt die bekannte US-amerikanische Köchin und Autorin Yvonne Maffei einige Tipps.

(My halal Kitchen). Effizienz kann überall gesteigert werden. Im Ramadan ist es jedoch wichtiger als sonst, Leistungsfähigkeit in die Lebensführung einzubinden, um weniger Zeit in der Küche zu verbringen und mehr Zeit für spirituelle Augenblicke zu haben.

Vorbereitung: Die Mahlzeiten fürs Fastenbrechen vorplanen

Wenn Sie jetzt noch keine Vorbereitungen getroffen haben, ist es trotzdem nicht zu spät. Sie müssen nicht jedem Ratschlag folgen, aber es hilft erheblich, wenn Sie vorab wissen, was sie in der kommenden Zeit kochen wollen und dementsprechend planen.

Kaufen Sie große Mengen

Abgesehen von regelmäßig verwendeten Lebensmitteln, die sich für den Ramadan besser in großen Mengen kaufen lassen, empfiehlt es sich auch, Spülmittel, Schwämme, Papierhandtücher, Reinigungsmittel sowie ökologisch nachhaltiges Wegwerfgeschirr zu besorgen. Das spart Zeit, wenn man ansonsten für kleine Dinge in den Laden müsste. Ein Großeinkauf hilft nicht nur bei der besseren Planung von Mahlzeiten, er hilft auch, wenn sich Überraschungsgäste oder Iftar-Einladungen ankündigen.

Foto: Lucy Ewitt

Bereiten Sie Ihre Zutaten vor

Die Franzosen nennen das „mise en place“. Wenn Sie beispielsweise die Basis für Suppen oder Eintöpfe vorbereiten, müssen Sie Gemüse wie Zwiebeln, Karotten oder Sellerie schneiden. Wenn Sie das rechtzeitig tun, wird das Kochen schneller und besser organisiert von der Hand gehen. Das hilft bei der allgemeinen Produktivität in der Küche. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Zeit nach dem Suhur (morgendliche Mahlzeit vor Beginn des Fastentages) der beste Augenblick ist, um Zutaten für das Iftar am Abend vorzubereiten. Finden Sie die Zeit, die am besten für Sie passt, und halten sich dann an diese.

Aufräumen während der Arbeit

Es gibt einen guten Grund, warum die besten Chefköche darauf gedrillt sind, diszipliniert und reinlich zu arbeiten. Sie wissen, dass Zeit Geld ist. Im Ramadan ist Zeit wesentlich und man kann ihren Verlust nicht mit Geld ausgleichen. Zwischen Fastenbrechen, dem Beten am Abend und Tarawwih in der Nacht gibt es nicht viel Zeit, die man verlieren kann. Wenn man während des Kochens saubermacht, gibt es weniger zu tun, sobald die Teller zum Abwasch zurück in die Küche kommen.

Verhindern Sie Dehydrierung

Die meisten Menschen bedenken diesen Punkt in der Regel überhaupt nicht und wissen auch nicht, dass er die Effizienz Ihrer Arbeit in der Küche beeinflusst. Es ist entscheidend das Dehydrieren in einer heißen Küche zu verhindern, um unseren Energiespiegel hochzuhalten. Auch wenn wir während des Fastens nicht trinken dürfen, können wir doch Fenster und den Abzug über dem Herd öffnen, um Hitze und Feuchtigkeit abziehen zu lassen.

Reste können helfen

Gelegentlich kochen wir mehr, als wir essen können; vielleicht, weil die Augen beim Fasten größer sind als unser Magen. Wenn Sie genug für den nächsten Tag übrig haben, lässt es sich entweder beim Suhur benutzen oder einfrieren, um später im Monat ein komplettes Iftar damit zu bestreiten. Übriges Gemüse können in ein Omelett getan werden und verbleibendes Fleisch oder Reis in eine Suppe.

Bereits am Abend decken

Da wir Suhur zu sehr früher Stunde essen, bleibt oft nicht die Zeit, den Tisch entsprechend zu decken. Wenn Sie am Abend zuvor den Tisch decken, bleibt morgens mehr Zeit für die Zubereitung dieser wichtigen Mahlzeit.

Setzen Sie ihre Kochzeit klug ein

Gleich, ob Sie alleine oder mit Familienmitgliedern kochen, nutzen Sie die Zeit, um währenddessen etwas wirklich Produktives zu tun. Das kann das Auswendiglernen einer Sura oder etwas Unterricht für Ihre Kinder sein. Anstatt währenddessen zu telefonieren oder in Gedanken Ihr Stressniveau zu steigern, bringt eine sinnvolle Betätigung in der gesegneten Zeit um Suhur und Iftar richtigen Nutzen.

Für jeden eine Aufgabe

Nutzen sie alle zur Verfügung stehenden Hände in Ihrer Familie, indem Sie jedem eine Aufgabe für das Essen geben, ob groß oder klein. Gleich, ob es das Tischdecken ist, die Verpackung von Resten oder das Gemüseschneiden, jedes Familienmitglied kann seine Rolle spielen, um die Effektivität im Haushalt zu steigern.

Beten Sie für Segen

Und nicht zuletzt: Bitten Sie Allah um Segen (Baraka) für alles, was Sie tun. Ihre eigenen Anstrengungen und Vorplanungen werden sie, inscha’Allah, zu einer effizienteren Küche im Ramadan führen.

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Mein Ramadan. Meine Moschee

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Die Mosche im Ramadan: Es ist die innere Solidarität und die Einfachheit, die jeden einschließt und die ohne große Worte auskommt, die unser Autor schätzt.

(iz). Eigentlich ist meine Moschee kein wirklich schöner Ort. Es steht zwar „Islamisches Kulturzentrum“ dran, aber eine kulturelle Meisterleistung ist dem Architekt auf dem kleinen Eckgrundstück nicht gerade gelungen. Ehrlich gesagt, sie liegt auch nicht schön, meine Moschee.

Es sei denn, man findet die Nachbarschaft von Netto und Aldi und einem Autohaus anregend. Der Backsteinbau im Gewerbegebiet unserer Kleinstadt ist schmucklos und doch ein wichtiger Orientierungspunkt.

Man braucht sicherlich eine klare Absicht, um sich an diesem unscheinbaren Ort am Rande der Gesellschaft einzufinden. Ganz egal woher man kommt. Wo andere ihre Autos waschen und ein Schnäppchen besorgen, widmet man sich hier anderen Geschäften. Hier zählen die berühmten inneren Werte und die spannende Unternehmung, sich dem Unsichtbaren zu nähern.

Auf einigen Hundert Quadratmetern findet hier das alltägliche Wunder des Lebens statt. Hier wird geheiratet, gebetet, gefeiert und das Totengebet verrichtet. Hier findet im Grunde all das statt, was unser Leben als Muslime wohl sichtbar und wirklich außergewöhnlich macht. So wie in diesem Ramadan.

Jeden Abend wird sich unsere Gemeinde, ob jung oder alt, zum Tarawwih-Gebet am Stadtrand treffen. Sogar der Mustafa und der Ali, die man ja sonst kaum sieht. Und jeden Abend werde ich wieder feststellen, dass wir ein Stückchen näher zusammenrücken. Und nicht nur, weil der Imam darum bitten wird, um die ungewohnte Fülle an Männern, Kindern und Frauen in das kleine Gebäude hineinzuzwängen.

Es ist diese innere Solidarität und die Einfachheit, die jeden einschließt und die ohne große Worte auskommt, die ich an diesen Tagen schätze. Erstaunlich, wie eine Hundertschaft von einfachen Arbeitern sich um das Gebet herum zu einem lebendigen sozialen Kunstwerk zusammenfindet und wir uns mit Muslimen in aller Welt in eine Orientierung fügen.

Das alles in einer Zeit, in der das ungezwungene Zusammenkommen auch zwischen uns Muslimen seltener wird. Überhaupt, es ist schön, die Generationen im Gebet versammelt zu sehen. Auch wenn hier und da hinter den Vorhängen das Kichern der Kleinen zu hören ist.

Das gehört aber zu unserer Gemeinde genauso dazu wie der alte Mehmet, der nun einen Stuhl braucht, weil er das Auf und Ab des Gebetes seinem Rücken nicht mehr zumuten kann. Man sagt immer, der Ramadan sei ein besonderer Monat. Das stimmt.

Es ist eine Art göttlich inspirierte menschliche Revolte gegen die Abhängigkeiten dieser Welt. Man lernt, dass, wie Rumi es sagt, die Welt eine Brust ist und wir Menschen, wenn wir erwachsen sein wollen, lernen müssen, uns zu entwöhnen. Nur dann sind wir für höhere Erfahrungen wirklich frei.

Jeden Abend, wenn mir eine Dattel zugeworfen wird und ich ein kleines Schlückchen Wasser trinke, wundere ich mich, wie schnell ich satt und zufrieden bin.

An den schwierigeren Tagen lache ich über die inneren Winkelzüge meines Selbst. Auch die Jungen machen diese Erfahrung und ernten Lob und Zustimmung von uns, dass sie es sich einmal „selbst“ statt wie üblich den Anderen gezeigt haben. Und immer, wenn der Ramadan endet, freue ich mich auf den Nächsten. Wenn es denn so für mich geschrieben ist.

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Lebenspraxis: Ein Monat der Vorbereitung auf den Ramadan

monat ramadan fastenmonat nachdenken

Vorbereitung auf den Ramadan: Scha’ban ist ein leiser Monat. Er legt sich nicht mit der Kraft über den Alltag, und doch verändert er bereits den Klang der Tage.

(iz). Zwischen der Routine der vergangenen Zeit und der Wucht des Fastenmonats spannt sich in diesen Wochen ein feiner Übergang, fast unscheinbar. Wer hier wach wird, bereitet nicht nur einen Kalenderwechsel vor, sondern seine eigene innere Landschaft.

In Überlieferungen heißt es, dass der Ramadan seinen Schatten vorauswirft. Diese Metapher ist im Scha’ban besonders spürbar: Der große Monat ist noch nicht da, aber seine Kontur zeichnet sich ab – in Planungen, Gesprächen, ersten Veränderungen der Gewohnheiten.

In dieser Phase gelingt etwas, das unter dem Druck des Fastens oft zu kurz kommt: Man kann sich fragen, was dieser Ramadan im eigenen Leben überhaupt bewirken soll. Nicht „Was nehme ich mir vor?“, sondern „Wofür brauche ich diesen Monat?“

Scha’ban wirkt dann wie ein innerer Spiegel. Er zeigt, in welchem Maße der Alltag das Herz besetzt hält, wie stark der Griff von Müdigkeit, Bildschirmzeit, Nebensächlichkeiten geworden ist.

Ein Beispiel: Wer merkt, dass fünf Minuten Qur’an in diesen Wochen schon „zu viel“ sind, ahnt, welche Umstellung die Fastenzeit bringen wird. Genau deshalb ist jetzt der Moment, in kleinen Dosen das einzuführen, was später selbstverständlich werden soll.

Viele kennen die Szene: Der Ramadan beginnt, und man versucht, über Nacht alles umzustellen – Essensrhythmus, Schlaf, Gebet, Qur’an, Spenden. Der Körper stolpert, die Seele hechelt hinterher. Scha’ban bietet die Möglichkeit, diesen Schock abzufedern. Wer jetzt anfängt, den Tag bewusst zu strukturieren, schafft einen weichen Einstieg.

Dazu gehören einfache, aber konsequente Schritte: eine feste Zeit für Qur’an, vielleicht nur wenige Verse, die man liest und kurz reflektiert; ein zusätzliches Gebet in der Nacht, auch wenn es nur zwei Einheiten sind.

Einen regelmäßigen Dhikr, den man mit einem konkreten Moment verbindet – der Weg zur Arbeit, das Warten an der Kasse, die Minuten vor dem Schlafengehen. So wird die Erinnerung an Gott nicht als Zusatz wahrgenommen, sondern etwas, das den bestehenden Alltag durchdringt.

Scha’ban ist außerdem der Monat, in dem freiwillige Enthaltsamkeit eine besondere Rolle spielt. Es bereitet den Körper auf die kommenden Tage ohne Essen und Trinken vor und erinnert zugleich daran, dass Fasten mehr ist als ein medizinisches Intervall.

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Anhand weniger, bewusst gewählter Momente kann man spüren, wie sich das eigene Temperament verändert: Wie reagiere ich auf Stress, wenn ich hungrig bin? Wie redet man, sollte einem Energie fehlen?

Klassische Gelehrte betonen, dass dieses Fasten zwischen Diener und Schöpfer bleibt – ohne Schau und stille Konkurrenz um die „meisten“ Extradienste. Parfüm, ein freundliches Auftreten, kein Hinweis darauf, dass man fastet: All das schützt die Intimität dieser Praxis.

In der journalistischen Sprache könnte man sagen: Scha’ban ist die Probe, bei der noch niemand zuschaut, während Ramadan die Sendung zur Primetime ist. Wer zuerst ehrlich arbeitet, muss später nicht spielen.

Schülerleistung Ramadan 2923 Fasten

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Die Wochen vor dem Fastenmonat eignen sich, um offene Rechnungen zu begleichen – sowohl mit anderen wie mit sich. Traditionell nutzten viele Muslime Scha’ban, um versäumte Fastentage des Vorjahres nachzuholen, damit sie nicht wie unbeglichene Schulden in den neuen Monat hineinragen.

Auch das gehört zur inneren Hygiene: Nicht nur Vorsätze formulieren, sondern alte Verpflichtungen ernst nehmen.

Auf einer tieferen Ebene geht es um Tauba, die bewusste Rückkehr zu Gott. Wer in diesen Wochen Konflikte anspricht, Missverständnisse klärt oder zumindest im Herzen beschließt, Groll loszulassen, schafft Raum für das, was der Ramadan bringen kann: Barmherzigkeit, Vergebung, ein neues Kapitel.

Es ist die vielleicht schwerste, aber ehrlichste Form der Vorbereitung – weil sie keine frommen Bilder produziert, sondern an die eigenen Wunden rührt.