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Syrische Stimmen: In Deutschland angekommen

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Bashar Abdo und Ameer Ghazy sind aus Syrien nach Deutschland geflohen. Was die beiden verbindet und worin sie sich unterscheiden – zwei Beispiele dafür, wie divers die syrische Community in Deutschland ist.

Bonn/Berlin (KNA) Den Sturz des Assad-Regimes in Syrien hat Bashar Abdo auf dem Smartphone verfolgt. „Es macht mir Angst zu sehen, wie Abu Mohammed al-Dschulani mit seiner Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham von den Medien gefeiert wird“, sagt der 34 Jahre alte Syrer. Während er spricht, sitzt er angespannt auf seinem Bürostuhl in der Bonner Telekomzentrale und umklammert einen Kaffeebecher. Von Julia Rosner und Nikolas Ender

Blick aus Deutschland: Befürchtungen bezüglich HTS

2013 floh der damalige IT-Student aus Aleppo, weil er nach dem Examen zum Militär gehen sollte, wie er sagt. „Ich war neun Monate lang in der Türkei und dachte, der Krieg ist bald zu Ende“, erinnert er sich. Heute lacht er über diesen Satz. An ein Ende des Krieges glaubt er nicht mehr – auch nicht nach den Ereignissen der vergangenen Woche.

Abdo, der fließend Deutsch spricht, arbeitet seit drei Jahren als Data Engineer. Nebenbei ist er bei den Grünen engagiert, fährt Rad und geht dreimal in der Woche mit seinen Freunden schwimmen. „Ich bin froh, dass Assad und seine Familie nach 54 Jahren weg sind“, sagt er. „Sie haben Menschen getötet und gefoltert.“

Er wünscht sich nach eigenen Worten nichts sehnlicher, als ohne Angst nach Aleppo zurückzukehren, noch einmal durch den Olivenhain seines Vaters zu spazieren und im elterlichen Haus einen Tee zu trinken. Doch für immer zurückgehen könne er nicht: Seine Familie gehöre der kurdischen Minderheit im Land an, die täglich Gewalt erlebe.

HTS-Führer Al-Julani im ersten Interview mit einer westlichen Reporterin nach der Einnahme von Aleppo. (Screenshot: CNN)

„Ich habe Bedenken, dass die Leute von Haiat Tahrir al-Scham nicht besser sind als Assad. Sie sind eine Terrororganisation“, sagt er. Seine Tante, die anders als der Rest der Familie in Syrien geblieben sei und sich um die 500 Olivenbäume der Abdos kümmere, berichte täglich über Gewalt gegen Kurden. Erst vor ein paar Tagen habe sie erzählt, wie Abdos Cousin ohne Grund verhaftet worden sei und jetzt gefoltert werde. „Als Kurde hast du in Syrien keine Zukunft“, sagt Abdo.

Der Ingenieur warnt davor, junge Syrer und besonders Kinder, die in Deutschland gut integriert seien, jetzt überstürzt zurückzuschicken. „Sie sind nach so vielen Jahren Fremde für Syrien. Das ist nicht einfach. Dazu kommt, dass die Infrastruktur durch den Krieg komplett zerstört ist.“

Für seine nicht-kurdischen Landsleute, die aus eigenem Willen jetzt in die Heimat zurückkehren wollen, zeigt er dennoch Verständnis. „Wer religiös ist und die Mentalität Haiat Tahrir al-Schams hat, kann in Syrien jetzt vielleicht besser leben.“

Ameer Ghazy fühlt sich „als Deutscher“

Während Abdo an die Olivenhaine seines Vaters denkt, erinnert sich Ameer Ghazy an den süßen Duft von Jasmin in Damaskus. Zu Hunderten sei das Blümchen in den Straßen seiner Heimatstadt gewachsen, bevor es ab 2012 dem Geruch von Bomben und Munition habe weichen müssen.

Heute lebt der 32 Jahre alte Katholik mit seiner Familie in Berlin-Moabit, ist verheiratet und hat eine Tochter. In Syrien hatte er ein Importgeschäft mit Maschinenbauteilen, in Deutschland hat er in diesem Jahr ein Unternehmen gegründet, das Software und Social-Media-Marketing vertreibt. Von Anfang an sei es sein Ziel gewesen, anzukommen und zur Mitte der Gesellschaft zu gehören, wie er sagt.

Einbürgerung Extremisten kurzmeldungen

Foto: mpix-foto, Adobe Stock

In Syrien sei er geboren, Deutschland sei seine Heimat. Er habe nicht nur die deutsche Staatsbürgerschaft, sondern er fühle sich auch als Deutscher – auch wenn ihm manche das absprächen. Schließlich habe er den größten Teil seines Erwachsenenlebens in dem Land zwischen Nordsee und Alpen verbracht.

Die Diskussion um eine Rückkehr der syrischen Community versteht er nicht. „Ich habe inzwischen eine Familie hier – wie viele meiner syrischen Freunde.“ Anstatt Rückführungsdebatten zu führen, wünscht sich Ghazy von der Bundesrepublik mehr Engagement in seinem früheren Heimatland. Die Zukunft gehöre den Syrerinnen und Syrern, den Rückzug internationaler Großmächte sehe er positiv.

In seiner Berliner Wohnung riecht es noch nach seiner Geburtsstadt Damaskus, denn er hat ein Fläschchen mit Jasminduft gekauft. Wenn ihn jemand fragt, ob das nicht nur ein Duft für Frauen sei, sagt er: „Nein, Jasmin ist für alle da.“

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Umbruch in Syrien im Fokus der EU-Außenminister

Umbruch Syrien Rebellen Aleppo

Die Brüsseler Diplomatie berät über Hilfen für das vom Bürgerkrieg zerrissene Land, ein Umbruch steht bevor. Rebellenchef al-Scharaa verspricht die Entwaffnung aller Milizen. Israel hat die besetzten Golanhöhen im Blick. 

Brüssel/Damaskus/Jerusalem/Gaza (dpa/IZ). Acht Tage nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad beschäftigt die Lage in Syrien die Außenminister der EU-Staaten. Bei ihrem heutigen Treffen in Brüssel wollen die Chefdiplomatinnen und -diplomaten darüber beraten, wie die Europäische Union zu einer Stabilisierung des Landes beitragen kann. Dabei geht es auch darum, eine Rückkehr der vielen in Europa lebenden Flüchtlinge aus Syrien zu ermöglichen. 

Die EU hatte nach eigenen Angaben bis zuletzt keinen Kontakt zur Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Diese stand an der Spitze der Rebellenallianz, die Assad stürzte. Die Gruppierung und mit ihr verbundene Personen stehen auch weiter auf der Terrorliste der Vereinten Nationen und sind mit EU-Sanktionen belegt. 

Die neue EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte kürzlich, es gebe berechtigte Bedenken hinsichtlich der Risiken konfessionell motivierter Gewalt, des Wiederauflebens von Extremismus und eines Regierungs-Vakuums. Die frühere estnische Regierungschefin wird bei den Beratungen erstmals den Vorsitz haben. 

Der Umbruch wird nicht leicht – Rebellenführer verspricht Entwaffnung aller Milizen 

Der Anführer der HTS, Ahmed al-Scharaa, versprach indes eine Maßnahme, die der Stabilisierung des vom Bürgerkrieg zerrissenen Landes weiterhelfen könnte. Alle bewaffneten Gruppen und Milizen würden entwaffnet, sagte er nach Angaben des oppositionellen Fernsehsenders Syria TV. Priorität würden nun der Wiederaufbau sowie die Versorgung der in Flüchtlingslagern lebenden Menschen mit Wohnraum erhalten. 

Al-Scharaa, der bis vor kurzem unter seinen Kampfnamen Mohammed al-Dschulani aufgetreten war, wandte sich auch an seine ins Ausland geflüchteten Landsleute. „Ich lade sie alle ein, nach Hause zu kommen, sodass wir Syrien wieder ordentlich aufbauen können und von ihren im Ausland gewonnenen Erfahrungen profitieren“, zitierte ihn Syria TV. 

Setzt sich Israel auf dem Golan fest? 

Das Machtvakuum nach dem Sturz Assads nutzte Israel, um mit seinen Truppen über die Waffenstillstandslinie auf den Golanhöhen vorzurücken. Die Führung in Jerusalem begründet das damit, dass verhindert werden soll, dass bewaffnete Gruppen, die Israel feindlich gesonnen sind, von dem Höhenplateau aus den jüdischen Staat angreifen. 

Das Gebiet diesseits der Waffenstillstandslinie, das bis zum See Genezareth reicht, hatte Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und 1981 einseitig annektiert. Völkerrechtlich gehört es – zumindest ist das die Auffassung der meisten Staaten, so auch Deutschlands – zu Syrien. Die israelische Regierung billigte indes am Sonntag einen Plan zur Investition von umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro in die besetzten Golanhöhen. 

Der Plan von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe eine Verdoppelung der dortigen Bevölkerung zum Ziel, teilte dessen Büro mit. Gegenwärtig leben auf dem Felsplateau mehr als 50.000 Menschen, etwas mehr als die Hälfte jüdische Israelis und der Rest Drusen und Alawiten. Hintergrund der Entscheidung seien der Krieg und die „neue Front“ mit Syrien, hieß es in der Mitteilung. 

Arabische Länder verurteilen israelischen Schritt 

Saudi-Arabien verurteilte die Entscheidung Israels, die Besiedelung der Golanhöhen auszuweiten. Das arabische Königreich sprach von einer Verletzung des Völkerrechts und forderten die internationale Gemeinschaft dazu auf, Israels Vorgehen nicht zu tolerieren. Weiter hieß es in der Erklärung der Außenministerien in der Hauptstadt Riad, bei den Golanhöhen handle es sich um besetztes arabisches und syrisches Land. Auch das Golfemirat Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verurteilten in Erklärungen ihrer Außenministerien die israelische Entscheidung. 

Netanjahu spricht mit Trump: kein Interesse an Konflikt 

In einem Telefongespräch mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump über die Lage in Syrien bekräftigte der israelische Premier unterdessen erneut seine friedlichen Absichten. „Wir haben kein Interesse an einem Konflikt mit Syrien“, sagte Netanjahu laut einer Mitteilung. Israels Vorgehen werde sich an den Gegebenheiten vor Ort orientieren. Syrien sei jahrzehntelang ein „aktiver Feindstaat“ gewesen und habe Israel wiederholt angegriffen. 

Das Bürgerkriegsland habe zudem anderen erlaubt, Israel von seinem Territorium aus anzugreifen. Auch habe Syrien dem Iran erlaubt, die Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon über sein Territorium zu bewaffnen. „Um sicherzustellen, dass sich dies nicht wiederholt, haben wir in den letzten Tagen eine Reihe intensiver Maßnahmen ergriffen“, sagte Netanjahu auch mit Blick auf die Bombardierung strategischer militärischer Einrichtungen im Nachbarland. 

Kiew will mit Lebensmitteln helfen 

Die Ukraine ist derweil nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu humanitärer Hilfe für Syrien bereit. In Absprache mit seiner Regierung sei Nahrungsmittelhilfe aus dem Programm „Grain from Ukraine“ erörtert worden, um der Bevölkerung Syriens zu helfen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Konkret müsse nun mit Vertretern Syriens die Logistik abgesprochen werden. „Wir werden diese Region auf jeden Fall unterstützen, damit die Ruhe dort zu einem Stützpfeiler für unsere Bewegung hin zu einem echten Frieden werden kann.“

Das 2022 ins Leben gerufenen humanitäre Programm sieht vor, dass Geberstaaten und andere Organisationen landwirtschaftliche Produkte direkt von ukrainischen Produzenten kaufen und in Länder verschicken, die am Rande einer Hungersnot stehen – vor allem in Afrika und Asien. 

Viele Tote nach israelischem Angriff in Gaza 

Bei einem israelischen Angriff auf eine ehemalige Schule im nördlichen Gazastreifen sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens 40 Menschen getötet worden. Das Gebäude in der Stadt Beit Hanun habe als Unterkunft für vom Krieg vertriebene Menschen gedient, sagte ein Sprecher. Viele der Opfer seien verbrannt. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Das israelische Militär teilte auf seinem Telegram-Kanal mit, dass es in Beit Hanun eine Ansammlung von Hamas-Kämpfern gezielt angegriffen habe. Dutzende von „Terroristen“ seien aus der Luft und bei Bodenoperationen getötet worden. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Seit dem 07. Oktober 2023 kämpft Israel gegen die Hamas in Gaza, wo nach palästinensischen Angaben vom Sonntag bisher 44.976 Menschen getötet wurden. Bei den Zahlen wird allerdings nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden. 

Israel will alle Geiseln zurückholen 

Bei Netanjahus Gespräch mit Trump sei es auch um die Bemühungen gegangen, eine Freilassung der israelischen Geiseln zu erreichen, die sich noch in der Gewalt der Hamas befinden. „Wir werden uns weiterhin unermüdlich dafür einsetzen, dass alle unsere Geiseln, die lebenden und die verstorbenen, nach Hause zurückkehren“, bekräftigte der israelische Premier. Rund 100 Geiseln – darunter auch Leichen – werden nach israelischen Angaben noch von der Hamas festgehalten.

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Nach 54 Jahren: Wenn die Herrschaft einer Familie endet

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Innerhalb von 12 Tagen beendeten die Syrer aus eigener Kraft die blutige und ungerechte Herrschaft der Assad-Familie. Inmitten des Jubels bleiben Fragen über die Zukunft.

(dpa, iz). Am 15. März 2011 begannen friedliche Proteste in der südsyrischen Stadt Daraa gegen die Diktatur von Bashar Al-Assad und die Herrschaft seines Familienclans.

Anstatt in einer Demokratisierung und Befreiung des Landes mündete der „Arabische Frühling“ in Syrien zu einem schier unendlichen Bürger- und Stellvertreterkrieg, der hunderttausenden Syrern das Leben kostete und Mio. in die Flucht trieb. Dieses Kapitel der syrischen Geschichte scheint an ihr Ende gekommen zu sein.

Die Regierungszeit von Machthaber Assad in Syrien ist selbst der staatlichen Armee zufolge beendet. Dies habe das Armeekommando den Regierungssoldaten mitgeteilt und diese damit außer Dienst gestellt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus syrischen Militärkreisen.

HTS-Führer Al-Julani im ersten Interview mit einer westlichen Reporterin nach der Einnahme von Aleppo. (Screenshot: CNN)

Das Ende der Herrschaft des Assad-Clans: Es begann mit einer begrenzten Offensive

Erst vor anderthalb Wochen starteten die HTS-Rebellen ihre Offensive – und scheinen ihr Ziel erreicht zu haben. Verschiedene oppositionelle Gruppen haben jetzt aus mehreren Himmelsrichtungen die Hauptstadt Damaskus eingenommen. Der ehemalige Machthaber Baschar Al-Assad hat das Land verlassen – man munkelt in Richtung Moskau.

Innerhalb kurzer Zeit übernahmen die Aufständischen die Kontrolle über viele Orte, darunter Aleppo und Hama, weitgehend kampflos. Erst am Samstag hatten die Rebellen das strategisch wichtige Homs eingenommen. Verschiedene andere Gruppen rückten zugleich von Süden aus Richtung Damaskus vor. Sie eint bisher das Ziel, Assad stürzen zu wollen.

Wie der Sprecher einer der bewaffneten Fraktionen erklärte, markiere der 8. Dezember 2024 das „Ende einer dunklen Ära“ der Unterdrückung unter Assad und seinem Vater Hafiz.

Bisheriger Ministerpräsident will angeblich kooperieren

Syriens Ministerpräsident Mohammed al-Dschalali blieb eigener Darstellung zufolge im Land und will bei einem Machtwechsel Kooperieren. „Wir sind bereit, (die Macht) an die gewählte Führung zu übergeben“, sagte Al-Dschalali in einer Videobotschaft, die er laut eigener Aussage in seinem Zuhause aufzeichnete. Über diese Führung müsse das Volk entscheiden. „Wir sind bereit, sogar mit der Opposition zusammenzuarbeiten.“

Im Zentrum von Damaskus brach nach Assads Flucht Jubel aus. Anwohner klatschten dort auf der Straße und einige waren beim Gebet zu beobachten, wie Augenzeugen berichteten. In sozialen Netzwerken machten Videos von Anwohnern die Runde, die auf einen Panzer klettern und feierliche Gesänge anstimmen.

Exilsyrer im Jubel mit ihren Landsleuten vereint

Mit Begeisterung und ungläubigem Staunen haben Assad-Gegner im Exil auf den Vormarsch der Rebellen reagiert. Einige von ihnen rufen gleichzeitig zu Mäßigung und Versöhnung auf.

Mit Euphorie und Aufrufen zur Versöhnung haben syrische Exil-Oppositionelle in Deutschland und anderen westlichen Staaten auf das Ende der Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad reagiert.

Gleichzeitig verfolgen viele von ihnen mit Spannung die Nachrichten von der Befreiung ehemaliger Weggefährten und anderer politischer Gefangener. „Lasst uns unser Syrien gemeinsam wieder aufbauen“, schrieb der Menschenrechtsanwalt Michal Shammas auf seiner Facebook-Seite.

Screenshot: Obaida Al Hayani, X

Hassan al-Aswad von der Syrischen Demokratischen Allianz rief seine Landsleute auf, denjenigen zu verzeihen, die zwar Teil des alten Systems waren, aber keine schweren Verbrechen begangen haben.

Der Anwalt aus der Stadt Daraa, der als Flüchtling in Hannover lebt, veröffentlichte ein Video, in dem er sagte, es sei gut, dass beim Vorrücken der Assad-Gegner bislang keine staatlichen Einrichtungen zerstört worden seien. Er sagte: „Ich verzeihe dem Menschen, der seit 2012 mein Haus besetzt hat.“ Er fügte hinzu: „Gott möge dir verzeihen. Ich will nichts von dir.“ 

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Die „Achse der Verletzlichen“ zerbricht in Syrien

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Die sogenannte „Achse der Verletzlichen“ bricht in Syrien zusammen. Seine Verbündeten sind momentan stark geschwächt. Geopolitische Hintergründe von Scott Lucas.

(The Conversation). Die sogenannte „Achse der Verletzlichen“ bricht in Syrien zusammen. Ab 2016 brauchten Russland und der Iran, die das Regime von Baschar al-Assad stützten, mehr als ein Jahr lang mit Bombardierungen, Bodenangriffen und Belagerungen, um die Rebellenopposition im Osten der zweitgrößten Stadt Syriens, Aleppo, zu brechen.

Jetzt brauchten die Rebellen weniger als vier Tage, um die Metropole und den größten Teil ihres Distrikts zu befreien. Sie eroberten auch Gebiete in der benachbarten Provinz Idlib zurück und rückten nach Süden nach Hama vor.

Die russischen Streitkräfte blieben in ihren Stützpunkten am Mittelmeer. Und der Iran und sein libanesischer Verbündeter, die Hisbollah, waren vom Vormarsch der Rebellen in ihren Stellungen im Nordwesten Syriens überrascht. Sie gaben ihre Positionen auf, aber nicht bevor mindestens einige Kommandeure getötet wurden.

Seit 2020, nachdem Russland und der Iran seiner Armee geholfen haben, die Opposition in weiten Regionen des Landes zurückzudrängen, hat Assad den Vorsitz über einen Teil des zersplitterten Staates inne.

Er und seine Verbündeten hielten die meisten der größten Städte, darunter Aleppo und die Hauptstadt Damaskus, während von der Türkei unterstützte Oppositionsgruppen den größten Teil Nordwestsyriens kontrollierten und von den USA unterstützte kurdische Fraktionen im Nordosten eine Autonomie schaffen konnten.

Jetzt hat Assad nicht einmal mehr die Kontrolle über seine Portion der Aufteilung. Und die russischen und iranischen Verbündeten, die von einem Großteil der Welt isoliert sind, scheinen nicht in der Lage, seine Herrschaft auf dem Papier wiederherzustellen.

Foto: en.kremlin.ru | Lizenz: CC BY 4.0

Syrien: Wer unterstützte Assad bisher?

Seit Beginn des Aufstands in Syrien gegen die langjährige Kontrolle seines Clans im März 2011 haben Moskau und Teheran dem Regime politische, logistische, nachrichtendienstliche und propagandistische Hilfe gewährt.

Der Iran übernahm praktisch den Befehl über sein Militär ab September 2012. Er schulte Zehntausende Milizionäre, um die geschwächten Streitkräfte aufzufüllen. Die Hisbollah entsandte ab 2013 ihre Kämpfer, um die Regierung nahe der libanesischen Grenze zu retten. Russland intervenierte ab September 2015 mit Spezialeinheiten und Luftstreitkräften.

Ein Großteil des Erfolgs von Assad und seinen Verbündeten lag in ihrer Fähigkeit, die internationale Gemeinschaft zu zermürben. Der Kreml verbreitete gezielt Desinformationen, um die tödlichen Chemiewaffenangriffe des Regimes zu vertuschen und um Oppositionsaktivisten und die syrische Zivilverteidigung „Weißhelme“ zu verunglimpfen.

Die Obama-Regierung ließ sich, anstatt das Regime zur Rechenschaft zu ziehen, in fruchtlose Diskussionen über einen Waffenstillstand hineinziehen. Die EU wurde außen vor gelassen, die UN waren machtlos und die arabischen Obrigkeiten sahen schließlich tatenlos zu.

Der größte Triumph des Regimes war vielleicht die Darstellung des Niedergangs der Anti-Assad-Bewegung als außergewöhnlich. Ost-Aleppo wurde im Dezember 2016 zurückerobert. Der Distrikt Daraa, ursprünglicher Entstehungsort der Proteste, sowie der Rest von Südsyrien folgten 2018. Und nach einer elfmonatigen Offensive wurden die Provinz Hama und Teile von Idlib wiederbesetzt, bevor im März 2020 ein von Russland und der Türkei ausgehandelter Waffenstillstand geschlossen wurde.

Aber diese Darstellung war auch eine Illusion, die Schwäche vertuschte. Russische Bombenangriffe und Belagerungen hatten einen Großteil des Landes eingeebnet und erstickt. Doch Moskau, der Iran und die Hisbollah verfügten immer noch nicht über die Streitkräfte, um dem Regime bei der Eroberung des restlichen Nordwestsyriens zu helfen oder die Kurden im Nordosten zu vertreiben.

„Wiederaufbau“ war eine trügerische Bezeichnung für die von der Regierung zurückeroberten Gebiete. Die nationale Wirtschaft, die seit langem unter der Kleptokratie der Assad-Elite leidet, verlor zwischen 2010 und 2020 mehr als die Hälfte ihres BIP. Das syrische Pfund, das 2011 noch einen Wert von 47 zum US-Dollar hatte, fielt inzwischen auf 13.000 in Relation zur Leitwährung und ist inoffiziell weit schwächer. Und die internationalen Sanktionen, die wegen der Massenmorde und der Unterdrückung durch das Regime verhängt wurden, sind weiterhin in Kraft.

Die Regierung konnte zwar auf Unterstützung von außen zählen, aber es konnte die Illusion der Macht aufrechterhalten. Doch dann setzte der russische Präsident Wladimir Putin darauf, dass seine Invasion die Ukraine 2022 schnell erobern würde. Fast drei Jahre später hat er den Großteil der Moskauer Ressourcen in Operationen dort gesteckt und das Land unter internationalen ökonomischen Druck gesetzt.

Die iranische Führung wird von Massenprotesten wegen sozialer Fragen, darunter auch Frauenrechte, bedrängt. Die Wirtschaft schwankt immer noch zwischen Ineffizienz und Sanktionen. Und gezielte Attentate und verdeckte Operationen durch Israel und die USA haben das Militär geschwächt.

Die Hisbollah wurde durch die Angriffe Tel Avivs in den letzten drei Monaten stark dezimiert, von explodierenden Pagern bis hin zur Tötung von Kommandeuren, darunter auch des Oberbefehlshabers Hassan Nasrallah. Ein wackeliger Waffenstillstand hat die Kämpfer nicht vor der Bedrohung durch israelische Luft- und Bodenangriffe bewahrt.

Als die Rebellen letzte Woche angriffen, standen sie nicht einer gepriesenen „Achse des Widerstands“ gegenüber. Sie sahen nur den verschwindenden Schatten von Assads angeblicher Autorität.

Foto: Presidential Office of Türkiye

Die Schlüsselrolle der Türkei

Wie geht es für den syrischen Präsidenten und seine Unterstützer weiter? Die Antwort könnte nun beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan liegen.

Dieser hat die Rebellenoffensive zwar nicht gestartet – Quellen zufolge soll Abu Mohammad al-Jolani, Anführer von Hayat Tahrir al-Sham, die Entscheidung getroffen haben. Aber er ist der Nutznießer des Ergebnisses. Die politische und wirtschaftliche Reichweite der Türkei im Nordwesten Syriens hat sich seit 2016 auf die größte Stadt des Landes ausgedehnt.

Ankara hat Einfluss auf die Verhandlungsbedingungen. Es kann die Rebellen ermutigen und sogar ausrüsten, weiterzumachen, oder es kann einen Stopp und eine Konsolidierung fordern, um sich auf ein Treffen mit den Russen und Iranern vorzubereiten. Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat bereits seinen Teheraner Amtskollegen zu einem diplomatischen Meeting empfangen.

Aber das wirft weitere Fragen auf. Erdoğans Hauptfeind in Syrien ist nicht Assad, sondern die kurdischen Behörden, die er als Teil der türkisch-kurdischen Aufstandsgruppe PKK betrachtet.

Bisher gab es zwischen den von der Türkei unterstützten Rebellen und den von den Kurden angeführten Syrian Democratic Forces (SDF) keine ernsthaften Zusammenstöße. Die SDF und kurdische Beamte haben sich Berichten zufolge aus Gebieten in der Provinz Aleppo zurückgezogen und sich in den Nordosten Syriens zurückgezogen.

Aber wird Ankara das akzeptieren oder wie im Jahr 2019 einen Angriff auf den Nordosten verfolgen? Berichten zufolge hat Ankara Gespräche mit dem Assad-Regime über eine von der Türkei kontrollierte „Pufferzone“ weit innerhalb der Grenze aufgenommen.

Damit kommen wir zu den USA, die die Kurden und die SDF maßgeblich unterstützt haben. Im Moment wird Washington dieses Engagement wahrscheinlich beibehalten. Aber ab Januar ist vieles möglich, denn Donald Trump kehrt ins Weiße Haus zurück.

Nach einem Gespräch mit Erdoğan Ende 2018 versuchte dieser, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Er wurde vom Pentagon überlistet, aber ein weiteres Telefonat mit dem türkischen Präsidenten im Oktober 2019 gab grünes Licht für eine türkische Invasion über die Grenze.

Die Achse der Schwachen bricht, aber die Ära der Unsicherheit in Syrien geht weiter. Die syrischen Bürger können nur hoffen, dass sie jetzt nicht so tödlich oder zerstörerisch ist.

Dieser Artikel ist ein Wiederabdruck aus The Conversation unter einer Creative Commons-Lizenz. Lesen Sie den Originalartikel.

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Aufgeflammter Krieg in Syrien: UN-Chef fordert Zugang zu Hilfe

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Nach Jahren ohne größere Kämpfe ist der Syrienkrieg wieder entflammt. Der UN-Chef verlangt politische Gespräche. Viele Oppositionelle hoffen auf ein Ende des Regimes.

(dpa, iz). Nach dem erneuten Aufflammen der Kämpfe in Syrien hat UN-Generalsekretär António Guterres humanitären Zugang zu allen bedürftigen Zivilisten und ein Ende der Gewalt gefordert. Dazu habe er mit dem türkischen Präsidenten Erdogan telefoniert, sagte er in New York.

„Ich habe den dringenden Bedarf betont für einen sofortigen humanitären Zugang zu allen bedürftigen Zivilisten und eine Rückkehr zu einem von den UN unterstützten politischen Prozess für ein Ende des Blutvergießens.“

Nach 14 Jahren Krieg sei es „Zeit für ernsthaften Dialog“. Zehntausende Zivilisten seien bedroht in einer Region, die schon brenne.

HTS-Führer Al-Julani im ersten Interview mit einer westlichen Reporterin nach der Einnahme von Aleppo. (Screenshot: CNN)

Al-Julani: „Das Regime ist tot“

Das Ziel der syrischen Rebellenallianz ist nach Worten des Anführers Abu Mohammed Al-Julani (eigentlich Ahmed Hussein al-Shara)  der Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Das Scheitern sei schon immer im Regime selbst gekeimt, sei schon immer in ihm selbst gekeimt, sagte er dem US-Sender CNN.

Die Iraner und Russen hätten versucht, es wiederzubeleben. „Aber die Wahrheit bleibt: Dieses Regime ist tot“, so der HTS-Führer.

Er plane in Syrien ein auf Institutionen basierendes Regierungssystem zu errichten. Nicht eines, in dem ein einzelner Herrscher willkürlich Entscheidungen treffe, sagte er. „Wir sprechen nicht über die Herrschaft von Einzelpersonen oder persönliche Launen.“

Mitte vergangener Woche hatten oppositionelle Gruppen unter der Führung von HTS ihre Offensive im Nordwesten Syriens begonnen und am Wochenende die Kontrolle über Aleppo übernommen, der zweitgrößten Stadt des Landes. Mittlerweile kontrollieren sie auch die Provinz Hama und marschieren auf das strategisch wichtige Homs zu.

Nach Eroberung der Provinzhauptstadt Hama öffneten bewaffnete Kämpfer die Foltergefängnisse des Assad-Regims. Die Inhaftierten saßen teils seit 2011 ein. (Foto: Thomas Van Linge, X)

Iran will Entsendung von Truppen prüfen

Ein Machtwechsel in Syrien oder gar der Fall Assads hätte für die iranische Führung gravierende Folgen. Das Bündnis mit Syrien als „Korridor“ zum Mittelmeer war für Teheran bislang zentral, um Waffen an die Hisbollah im Libanon zu liefern und den regionalen Einfluss zu stärken.

Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, mögliche Truppenentsendungen zu prüfen, falls die syrische Regierung dies fordert. Bereits jetzt hat der Iran einen berüchtigten Kommandeur in das Bürgerkriegsland geschickt.

Die Delegation unter Führung von General Dschawad Ghafari, eines Syrien-Kenners, soll die Gegenoffensive der Regierungstruppen unterstützen. Er wurde durch seine Rolle bei der Rückeroberung Aleppos im Jahr 2016 als „Schlächter von Aleppo“ bekannt, wie das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtete.

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Syrische Rebellen erreichen Aleppo

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Im Nordwesten Syriens kommt es zu Kämpfen wie seit Jahren nicht mehr. Eine Rebellen-Allianz greift nach der Kontrolle über die Großstadt Aleppo. Das weckt schlimme Erinnerungen.

Aleppo/Idlib (dpa/IZ). Syrische Rebellen haben nach Angaben von Aktivisten die nordwestliche Millionenstadt Aleppo erreicht. „Die Aufständischen sind zum ersten Mal seit 2016 in die Stadt Aleppo eingedrungen“, sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Offensive der Rebellen stellt eine dramatische Entwicklung dar in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg – in dem sich die Fronten zuletzt wenig verändert hatten. 

Eine Allianz von Rebellengruppen teilte mit, ihre Kämpfer lieferten sich Gefechte mit Regierungstruppen in westlichen Vororten der Großstadt. Das syrische Verteidigungsministerium gab an, die Streitkräfte der Regierung seien mit massiven Angriffen im Umland der Städte Aleppos und Idlibs konfrontiert. 

Augenzeugen in Aleppo berichteten von Rebellen, die mit ihren Fahrzeugen im westlichen Teil Aleppos gesehen wurden. Sie hätten Bilder des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad zerrissen. Andere Anwohner berichteten von Gefechtslärm und Explosionen, die in der Stadt zu hören waren. 

Rebellen wollen Dutzende Orte erobert haben 

Aus Kreisen der Rebellen hieß es, Kämpfer seien vom Süden und Westen nach Aleppo vorgerückt und hätten bisher über 50 Orte in der Umgebung unter ihre Kontrolle gebracht. Darunter war nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auch die Ortschaft Sarakib, die entscheidend für die Kontrolle der Verbindungsroute zwischen der Hauptstadt Damaskus und Aleppo ist. 

Seit Mittwoch wurden nach Angaben der Menschenrechtsaktivisten bereits mindestens 255 Menschen getötet. Darunter seien mindestens 24 Zivilisten. Die Organisation mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen von einem Netz aus Informanten vor Ort. 

Die Gefechte hatten am Mittwoch begonnen. Die Rebellenallianz nennt ihre neue Offensive „Abschreckung der Aggressionen“. 

Die syrische Armee griff seither mit Unterstützung russischer Kampfjets Dutzende Ziele in Idlib und im Umland von Aleppo an. Beobachter gehen davon aus, dass die Offensive seit Monaten von den Rebellen geplant worden war. Schon in den vorigen Wochen hatte sich die Lage immer weiter zugespitzt. 

Moskau sieht sich wohl nicht in Verantwortung 

Russland verurteilt den unerwarteten Vormarsch der Rebellen auf die Stadt Aleppo als Angriff auf die Souveränität Syriens. „Natürlich ist das ein Eingriff in die Souveränität Syriens in dieser Region“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. 

Seine Worte legten aber nahe, dass Moskau sich nicht in der Verantwortung sehe, die Offensive zu stoppen. „Wir sind dafür, dass die syrischen Behörden so schnell wie möglich Ordnung in die Region bringen und die verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. 

Erinnerung an erbitterte Schlacht um Aleppo 

Aleppo war in den ersten Jahren des syrischen Bürgerkriegs stark umkämpft und wurde schwer verwüstet. Damals wurden die Aufständischen vom syrischen Militär und seinen Verbündeten gewaltsam aus dem östlichen Teil der Stadt vertrieben. Die Schlacht um Aleppo galt als eine der schlimmsten in dem seit 2011 andauerndem Bürgerkrieg in Syrien. Idlib ist seit Jahren in der Hand der Aufständischen. 

Russland hatte 2015 in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen und mit seiner überlegenen Luftwaffe dazu beigetragen, dass die wankende Macht von Präsident Baschar al-Assad sich wieder festigte. Gerade an der Rückeroberung Aleppos durch die syrische Armee 2016 mit vielen zivilen Opfern war Russland beteiligt. Wegen des Ukraine-Kriegs verringerte Moskau aber ab 2022 seine Truppenpräsenz in dem nahöstlichen Land.

Zehntausende Menschen mussten fliehen 

Seit dem jüngsten Ausbruch der Kämpfe sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund 14.000 Menschen in der Umgebung von Idlib und westlich von Aleppo vertrieben worden. 

Viele Bewohner flohen Augenzeugen zufolge aus den betroffenen Gebieten aus Angst vor einer Eskalation. „Die Leute haben Angst. Ich packe meine Sachen und meine Familie und fahre in Richtung Damaskus“, so ein Anwohner im Westen Aleppos. 

Die Lage verschlechtere sich insbesondere für die Zivilbevölkerung, betonte der stellvertretende regionale UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien, David Carden. „Wir erhalten Berichte über Kinder mit mehreren Verletzungen durch Schrapnell“, sagte er. 

Der Bürgerkrieg in Syrien hat das Land zutiefst gespalten. Präsident Baschar Al-Assad geriet zeitweise schwer unter Druck, kontrolliert mit Hilfe seiner Verbündeten Russland und Iran inzwischen aber wieder zwei Drittel des Landes. Gebiete im Nordwesten sind unter Kontrolle von Oppositionskräften, die teils von der Türkei unterstützt werden. Eine politische Lösung für den Konflikt ist nicht in Sicht. Infolge des Bürgerkriegs sind Millionen Syrer ins Ausland geflohen – viele auch nach Europa.

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13 Jahre Krieg. Frauen und Mädchen in Syrien nicht vergessen!

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Seit weit mehr als einem Jahrzehnt herrscht Krieg in Syrien. Am stärksten trifft er Frauen und Mädchen. (IPS). „Ich glaube nicht, dass die Welt versteht, was es bedeutet, heute als […]

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Ein Jahr nach dem Jahrhundertbeben 2023

Erdbeben jahrhundertbeben

Millionen Menschen leiden immer noch unter den Folgen des Jahrhundertbeben. Humanitäre Hilfe nicht gedeckt.

Bonn (CARE). Am kommenden Dienstag, den 6. Februar, jährt sich das Jahrhundertbeben in der Türkei und Nordwestsyrien zum ersten Mal. In den am stärksten betroffenen Regionen stehen immer noch zehntausende Familien vor dem Nichts. Temperaturen um den Gefrierpunkt und das geringe Ausmaß von Hilfsmaßnahmen aufgrund von ausbleibenden Finanzierungen üben enormen Druck auf die Menschen vor Ort aus.

Syrien

Eine syrische Familie wärmt sich in diesem Winter an einem kleinen Feuer in einem der vielen Lager für Binnenvertriebene in Nordwestsyrien (Copyright Islamic Relief).

Nur ein Drittel aller Mittel für Syrien bereitgestellt

Der humanitäre Bedarfsplan 2023 für Syrien, der 5,41 Milliarden US-Dollar vorsah, war nur zu rund einem Drittel gedeckt. Weitere finanzielle Unterstützung ist also dringend notwendig.

„In der Türkei sind die Folgen der verheerenden Erdbeben nach wie vor deutlich spürbar. Türkische und syrische Gemeinden leben unter sehr schwierigen Bedingungen. Viele kampieren in kargen Containern oder in nicht winterfesten Unterkünften in der Nähe ihrer zerstörten Häuser.

Unzählige Menschen haben kaum Zugang zu lebensnotwendigen Gütern wie Trinkwasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung, was ihre Situation besonders prekär macht“, sagt Rishana Haniffa, Direktorin von CARE Türkei.

„Die internationale Gebergemeinschaft muss die andauernden Auswirkungen des Erdbebens und langfristigen Risiken für die Türkei und Syrien umgehend ernst nehmen. Ohne ausreichende Finanzierung wird die humanitäre Not weiter eskalieren.“

Spannung Türkei Erdbeben

Foto: Murat Photographer, Shutterstock

Weiterhin Herausforderungen in der Türkei

In Hatay, der am stärksten betroffenen Region in der Türkei, stellen anhaltende Herausforderungen wie Wasserknappheit und unzureichende sanitäre Einrichtungen erhebliche Gesundheitsrisiken dar.

Dies gilt insbesondere für kleine Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Ferner sind viele Zufahrtsstraßen auch ein Jahr später immer noch nicht passierbar.

Im Nordwesten Syriens sind die Gemeinden aufgrund der Unterfinanzierung der humanitären Hilfe mit einer schlechten Versorgung und einer erneuten Eskalation der Gewalt konfrontiert. Dies hat das Leid der mehr als vier Millionen Menschen vor Ort noch weiter verschlimmert.

„Nach den Erdbeben vor einem Jahr kam es in den betroffenen Regionen zu anhaltender Nahrungsmittelknappheit und einem starken Anstieg der Preise, dies führte dazu, dass vier von fünf Syrer:innen in der Nordwestregion Hunger leiden mussten“, sagt Haniffa.

Foto: Zerophoto, Adobe Stock

Feindseligkeiten erschweren Hilfe

„Im vergangenen Jahr wurde auch die stärkste Eskalation der Feindseligkeiten der letzten vier Jahre in Nordwestsyrien verzeichnet. Aufgrund des Mangels an finanziellen Mitteln sehen sich humanitäre Organisationen, darunter auch CARE, in diesem Winter dazu gezwungen, ihre Unterstützung zu priorisieren und besonders Bedürftigen zuerst zu helfen.“

Im vergangenen Jahr erreichte CARE in Nordwestensyrien 42.000 Haushalte mit Lebensmittelgutscheinen und Bargeldhilfe sowie 9.000 Haushalte mit Fertiggerichten. Aufgrund der Förderkürzungen werden diese Zahlen im Jahr 2024 deutlich geringer ausfallen.

Voraussichtlich werden nur noch 21.000 Menschen Lebensmittelgutscheine sowie 83 Prozent weniger Haushalte Fertiggerichte erhalten. In der Türkei steht die humanitäre Hilfe vor ähnlichen Finanzierungsproblemen.

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England: Muslimische Transportarbeiter sammeln für Syrien

England

England: Mitglieder einer Vereinigung muslimischer Transportarbeiter helfen Syrern beim Hausbau

London (Muslim Aid). Eine Partnerorganisation der britischen Hilfsorganisation Muslim Aid, der Transportarbeiterverband Muslims in Rail, habt genug Geld gesammelt, um zwei Häuser in Syrien für die Opfer des Erdbebens zu bauen, das Anfang des Jahres stattfand.

England: Hilfe zum syrischen Hausbau

Durch ihre Teilnahme an einer jährlichen Regatta am 8. Juli sammelten sie mehr als 5.000 Pfund für das Syria Home Project von Muslim Aid. Es wurde ursprünglich als Antwort auf die Bedürfnisse von Syrern ins Leben gerufen, die durch den langjährigen Krieg im Nordwesten Syriens vertrieben wurden.

Mustafa Faruqi, Vorsitzender des Kuratoriums von Muslim Aid, begleitete das Team der Transportarbeit auf dem Boot.

Foto: Muslim Aid / Muslims in Rail

Unterkünfte sollen nachhaltig sein

Das Projekt selbst war ein Erfolg, denn die Hilfsorganisation legte großen Wert darauf, dass die Häuser nicht nur sicher sind und den Bedürfnissen der Begünstigten entsprechen, sondern auch umweltfreundlich sind. Sie werden mit Solarenergie betrieben und haben ein solides Fundament haben, sodass sie den Auswirkungen des Erdbebens unbeschadet standhalten konnten.

„Ich bin stolz auf das ‘Muslim in Rail’-Team, das eine bemerkenswerte Leistung vollbracht und über £5.000 für das ‘Muslim Aid Syrian Home Project’ gesammelt hat. Die Veranstaltung ist nicht nur wegen des beträchtlichen finanziellen Beitrags bemerkenswert, sondern auch wegen der tiefgreifenden Auswirkungen, die sie auf unser kollektives Gefühl der Erfüllung hatte“, sagte der Bootsführer Saad Janjua.

Foto: Muslim Aid / Muslims in Rail

„Veranstaltungen wie diese bieten uns eine einzigartige Gelegenheit, unsere Dankbarkeit auszudrücken und ein soziales Engagement zu zeigen, das ein Gefühl der Einheit und Verbundenheit unter allen Teilnehmern fördert. Es ist bemerkenswert, wie eine einzige Veranstaltung all diese Vorteile in sich vereinen und zu einer wirklich bedeutsamen Erfahrung für alle Beteiligten werden kann“, fügte er hinzu.

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Zuwanderung: Anstieg vor allem wegen Russlands Krieg

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Die Zuwanderung steigt – höchster Zuwachs an Schutzsuchenden seit 2007. Verantwortung trägt Russlands Angriffskrieg. (KNA). Vor allem wegen des russischen Krieges in der Ukraine stieg zuletzt die Zahl der Menschen, […]

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