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Abgrenzung erfolgt häufig über Religion

Foto: r.classen, Shutterstock

Leipzig (KNA). Religion spielt bei der Konstruktion kultureller Identitäten nach Ansicht des Leipziger Religionswissenschaftlers Christoph Kleine immer noch eine wichtige Rolle. „Gerade Rechtspopulisten bemühen ja gern das Bild vom ‘christlichen Abendland’ oder von den ‘jüdisch-christlichen Grundlagen’ unserer Kultur, ohne selbst deswegen unbedingt religiös zu sein. In dieser Hinsicht hat Religion dann eben auch eine nicht zu unterschätzende Funktion als Mittel der Ab- und Ausgrenzung“, erklärte Kleine am 10. September in Leipzig.

„Die Abgrenzung gegen ‘das Fremde’ erfolgt seit einigen Jahren vielfach über die Religion“, so der Wissenschaftler. Der Islam etwa gelte vielen als das Fremde schlechthin, das die eigene Kultur herausfordere. „Dabei irritiert viele Deutsche, dass eingewanderte Muslime häufig sehr viel religiöser zu sein scheinen als die Mehrheitsbevölkerung.“

Mit Blick auf die religiöse Bindung in Deutschland sagte Kleine: „Wir sehen einen soziologischen Trend weg von festen, lebenslangen Mitgliedschaften hin zu einem eher konsumistischen Verhalten. Religiöse Angebote werden bei Bedarf als Dienstleistungen in Anspruch genommen. Das ist im übrigen religionsgeschichtlich und im globalen Maßstab gesehen eher der Normalfall.“

Als institutionelle Akteure hätten die großen Kirchen in Deutschland nach wie vor einen ganz erheblichen Einfluss auf Politik und Medien. „Auf der anderen Seite gelingt es ihnen aber immer weniger, das Denken und Handeln der Menschen zu prägen – sie bieten nur noch einer relativ begrenzten Zahl von Menschen kognitive und normative Orientierung.“

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