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Menschenrechtler: UN muss unterdrückten Uiguren in China helfen

Foto: Huseyin Aldemir, Shutterstock

Berlin (KNA) Menschenrechtler haben an die UN appelliert, sich stärker gegen die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China zu engagieren. Bei ihrem vorgesehenen Besuch in der Volksrepublik müsse die Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, Gräueltaten in Zwangsunterbringungen klar benennen, forderte die Menschenrechtsaktivistin Marie Holzman am Donnerstag in Berlin.

Holzman forderte Bachelet auf, auch den inhaftierten uigurischen Regimekritiker Ilham Tohti zu besuchen, der vor drei Jahren mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet wurde. Die Unrechtstaten dürften trotz des Ukraine-Kriegs nicht vergessen werden, zumal sich die beiden diktatorischen Regime Russland und China im Weltsicherheitsrat gegenseitig deckten, so die China-Expertin Alexandra Cavelius. Holzman und Cavelius äußerten sich bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GbfV) und der Ilham Tohti Initiative (ITI).

Die Uiguren sind ein muslimisches Turkvolk. Sie leben vor allem in der autonomen Region Xinjiang (Ostturkestan) im Nordwesten Chinas. Mit rund 10 Millionen Mitgliedern sind sie nach den Hui die zweitgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe unter den 23 Millionen Muslimen in China. Laut Menschenrechtlern hat China 2017 mit der Einrichtung von Umerziehungslagern begonnen, in denen rund eine Million Uiguren, Kasachen und Kirgisen festgehalten werden sollen.

Zahlreiche Berichte sprechen von willkürlichen Verhaftungen und Justizurteilen, Folterungen und ständiger Überwachung durch das Regime, um das uigurische Streben nach eigener Identität und religiösem Eigenleben zu unterdrücken. China hat die Existenz der Lager inzwischen zugegeben, bestreitet allerdings, dass sie der Umerziehung dienen.

Der Anthropologe Adrian Zenz erklärte, laut statistischen Erhebungen gebe es einen Bevölkerungsrückgang der Uiguren im Süden der Provinz Xinjiang. Es gebe Hinweise auf Sterilisationen der Frauen, um dadurch und durch das gezielte Anwerben den Anteil der Han-Chinesen in der Region zu erhöhen.

Die Kasachin Sayragul Sauytbay, die nach eigenen Angaben von der chinesischen Regierung gezwungen wurde, als Aufseherin in einem Umerziehungslager zu arbeiten, betonte, trotz vieler Appelle demokratischer Staaten habe sich an der Situation der unterdrückten Minderheiten nichts geändert. Sauytbay, die fliehen konnte und inzwischen in Schweden lebt, sprach von einem Genozid. Bachelet will im Mai nach China reisen. Sie hat einen Bericht über die Lage in Xinjiang erarbeiten lassen.