Muslime erinnerten zum Ramadanende an Lebensmittelunsicherheit

Ausgabe 312

Jemen Kurzmeldungen
Foto: Islamic Relief Deutschland

Köln (IRD). Ende 2020 schätzten die Vereinten Nationen, dass 270 Millionen Menschen entweder einem hohen Hungerrisiko oder bereits akutem Hunger ausgesetzt waren. Trotzdem wird der weltweite Appell zur Ernährungs­sicherheit von 2021 nur zu fünf Prozent finanziert.

Zum Ende des Ramadans zieht die humanitäre Hilfsorganisation Bilanz: Mit knapp 32.000 Lebensmittelpaketen erreichte die Spenden-Aktion von Islamic Relief Deutschland in diesem Jahr über 178.000 Menschen in 30 Ländern weltweit – gemeinsam mit ihrem internationalen Netzwerk verteilte die Hilfsorganisation Lebensmittelpakete an über eine Million Menschen. Gleichzeitig fordert Islamic Relief mehr Maßnahmen, um den globalen Hunger zu beenden.

Mehr als eine Million Menschen auf der ganzen Welt haben im diesjährigen Monat Ramadan von Lebensmittelpaketen profitiert, die das weltweite Islamic Relief-Netzwerk verteilt hat. Es war eine der größten Ramadan-Lebensmittelverteilungen in der Geschichte der Hilfsorganisation, trotz der enormen Herausforderungen durch COVID-19.

Lebensmittelpakete mit wichtigen Zutaten wie Bohnen, Datteln und Öl wurden in mehr als 30 Länder verteilt – darunter Jemen, Sudan, Mali, Afghanistan, Äthiopien, Bosnien und Myanmar. Die Verteilung erfolgte im Freien unter Einhaltung von Social Distancing, Maskenpflicht und anderen Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Anlässlich des Ramadanfests erhielten ­weitere 70.000 Menschen Geschenkpakete mit Lebensmitteln, Kleidung und Schulmaterial.

Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland, über den steigenden Hunger und die bestehende Krise: „Der weltweite Hunger wächst, und jede Nacht gehen mehr als 270 Millionen Menschen hungrig ins Bett. Die COVID-19-Pandemie verschärft die Armut und die Ungleichheit. Schutzbedürftige Menschen auf der ganzen Welt brauchen unsere Unterstützung mehr denn je.

Während Regierungen weltweit diese Krise nicht bewältigen können, zeigen unsere Spenderinnen und Spender weiterhin ihre Großzügigkeit. Dies ist eine schwierige Zeit für alle, aber dank der Spenden haben wir mit unseren internationalen Partnern dafür gesorgt, dass mehr als eine Million Menschen Nahrungsmittel mit lebenswichtigen Nährstoffen erhalten haben.

Weil Millionen Menschen morgen gemeinschaftlich das Ramadanfest feiern, fordern wir ebenso mehr gemeinsame Maßnahmen, um den globalen Hunger zu beenden – nicht nur durch kurzfristige Lebensmittelpakete, sondern auch durch größere Investitionen in langfristige ­Lebensgrundlagen und die Beseitigung der Ungleichheit, die die Menschen dazu drängt, Hunger zu leiden.“

Das internationale Islamic Relief-Netzwerk hat zum Ramadan spezielle Lebensmittelpakete an mehr als 100.000 Menschen im Jemen verteilt, wo fast die Hälfte der Kinder (46,5 Prozent) aufgrund chronischer Unterernährung unter Wachstumsstörungen leidet. Trotzdem kürzte die internationale Gemeinschaft kürzlich die Hilfe für den Jemen.

Dr. Asmahan Albadaani, der die Ernährungsprogramme von Islamic Relief im Gouvernement Hodeida im Jemen koordiniert, sagte dazu: „Unterernährung ist hier unser größtes Problem und die Zahl der Fälle und Todesfälle bei Kindern nimmt täglich zu. Die tatsächlichen ­Zahlen sind jedoch viel höher, da viele Todesfälle in abgelegenen Dörfern auftreten und nicht einmal registriert sind. Die Lebensmittelpreise sind drastisch gestiegen und eine Tüte Brot, die früher zwei Rial kostete, kostet jetzt 20. Nur Reiche können es sich leisten, Lebensmittel zu kaufen, und einige der ärmsten Familien essen tagelang nichts. Allein diese Woche habe ich fünf Kinder gesehen, die so dünn waren, dass sie nur aus Haut und Knochen bestanden.“

Im Libanon haben mehr als 70.000 Menschen Ramadan-Lebensmittelpakete erhalten, darunter syrische Flüchtlinge und libanesische Familien. Die Teams von Islamic Relief vor Ort haben seit Beginn der Pandemie, die viele Menschen tiefer in die Armut getrieben hat, einen massiven Anstieg der Menschen verzeichnet, die um Nahrungsmittelhilfe bitten. Jede fünfte syrische Flüchtlingsfamilie im ­Libanon hat während der Pandemie ihr Einkommen verloren und 49 Prozent ­befinden sich derzeit in einer akuten Nahrungsmittelkrise. Aufgrund der Inflation und der steigenden Lebensmittelpreise können sich die meisten Menschen keine Grundversorgung leisten.

Tuisa Hilft - Kurban

Islamic Relief fordert die weltweiten Geberstaaten auf, die Mittel für Projekte zur Bekämpfung des globalen Hungernotfalls zu erhöhen und langfristige Investitionen in die Armutsbekämpfung zu tätigen. Sie fordert die Regierungen nachdrücklich auf, ihre Bemühungen zur Beendigung von Konflikten zu verstärken, einschließlich des Drucks auf alle Parteien, der Forderung des UN-General­sekretärs nach einem globalen Waffenstillstand Folge zu leisten, und sicherzustellen, dass die humanitäre Hilfe Menschen in Not erreichen kann.