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„Qamar“ will Magazin für Kultur und Soziales sein

Ausgabe 316

Foto: Qamar Magazin

(iz). Die deutschsprachige Medienlandschaft (inklusive Österreichs und der Schweiz) von und für Muslime ist ein zartes Pflänzchen. Vergleichsweise lebendig ist sie derzeit auf elektronischen Plattformen wie Webseiten, Blogs, YouTube, Instagram und das unselige TikTok, das momentan wohl den Endpunkt von kommunikativer Verdummung darstellt.

Bei den Printmedien sah es bisher um einiges dramatischer aus. Hier sind Angebote im konventionellen Format um einiges rarer gesät. Und bei unabhängigen Druckerzeugnissen müssen interessierte Leser:innen sehr lange suchen, bis sie etwas halbwegs Professionelles finden. Als neuer Akteur auf diesem weit offenen Markt ist nun das in Österreich produzierte „Qamar“ getreten.

Seine Macher verstehen die Vierteljahreszeitschrift als „das muslimische Magazin für Kultur und Gesellschaft“. Es sieht sich nach eigenen Angaben als Plattform, „auf der Muslim:innen sprechen, Fragen stellen und den öffentlichen Diskurs mitgestalten können“. Es will Muslim:innen die Möglichkeit bieten, sich und ihre Lebensrealität in Europa darzustellen. „Qamar“ will ihnen den bisher fehlenden Raum schaffen, um ihre Geschichten an eine weitere Öffentlichkeit zu tragen.

Für seine Macher:innen gibt es genug Anlass. Die über 700.000 österreichischen Muslim:innen seien zwar häufig das Objekt von Berichterstattung. Dagegen höre man nur selten von ihnen und ihre Texte fänden sich bei reichweitenstarken Medien „nur in Ausnahmefällen“. Diese Zustandsbeschreibung deckt sich mit vielen Erfahrungen über die österreichischen Landesgrenzen hinaus: „Die tatsächliche Lebensrealität der Muslim:innen in Europa wird von der öffentlichen Wort- und Bildmaschinerie so gut wie komplett ausgeblendet. Zeitungsredaktionen gehören zu den am wenigsten diversen Arbeitsplätzen. Doch in einer demokratischen Gesellschaft sollte Repräsentation in den Medien weder Ausdruck eines Privilegs noch mildtätige Gabe sein.“

Ganz gezielt richtet sich das Quartalsmagazin an ein möglichst breites interkulturelles und interreligiöses Publikum. Man wolle, so die Selbstdarstellung, „ganz bewusst keine Nische besetzen“. Daher positioniert sich „Qamar“ nicht religiös, sondern gesellschaftlich. Damit folgt es einem starken Impuls des gegenwärtigen „Diskurses“ muslimischer Communitys im Westen, der sich nicht wirklich mit religiösen Fragen aufhalten möchte.

Ob es mittel- und langfristig eine gute Idee ist, das grundlegend konstituierende Element „Religion“ als Fundament gemeinsamer muslimischer Existenz so gezielt auszuklammern, wird sich erweisen müssen. Redaktionell wirkt es einschränkend, wenn das Muslimsein so stark mit sozialkritischer Perspektive „gelesen“ wird. Dessen eigentliche Diversität wird so auf politisch korrekte Slogans reduziert, was den Raum für Überraschendes einengt.

Die vorliegenden Ausgaben luden ungeachtet dieses Fragezeichens zum Weiterlesen ein. „Qamar“ macht das Angebot eines „qualitativen Printjournalismus“ und erfüllt diesen Anspruch. Mit jeder Ausgabe soll ein Schwerpunkt behandelt werden. In der Präsentation versucht das Medium ein Gleichgewicht zwischen nüchternen und stylischen Elementen. Etwas bedauerlich ist, dass es bisher teils an einer kohärenten Typografie mangelt. Sie würde den Lesefluss verbessern. Positiv fällt die gelungene Mischung von Bild- beziehungsweise Grafik-Elementen mit dem Text auf.

Inhaltlich wechseln sich analytisch-kritische Texte mit subjektivem Content ab. Sie sind persönlich gehalten, auch in Form sehr vieler Interviews, oder nehmen die Position des Beobachters ein. Dazwischen immer wieder eingestreut finden sich Kunst, Grafik und Gedichte. Und das Ganze unter einer verbindenden Klammer. So schafft es das Qamar-Team beispielsweise, eine Themenausgabe über „Hände“ zu machen. Und das gelingt ihr gut mit Inhalten, die sich nicht nur der Einöde des Mainstreams entziehen, sondern die tatsächlich profund sind.

Den Macher:innen von „Qamar“ ist der Einstieg in den Medienmarkt von oder für Muslim:innen gelungen. Es wäre zu wünschen, dass es ihnen gelingt, die bisherige Qualität zu verstetigen, denn das Magazin ist eine Bereicherung für interessierte Leser:innen.

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