Ramadan 2024: „Das Fasten gehört Mir“

Ausgabe 345

ramadan
Foto: Kim Cruickshanks, Unsplash

Der Verzicht im Ramadan beginnt mit Verneinung und mündet in geistigem Wachstum.

(iz). Imam Muslim überlieferte von Abu Huraira, möge Allah mit beiden zufrieden sein, vom Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, dass Allah sagte: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein und Ich werde ihn dafür entlohnen. (…) Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“

Ramadan als Monat des Verzichts

Muslime in aller Welt (die unter Krieg und Entbehrungen leiden wie jene, die in den Wohlstandsinseln des Globus leben) stehen vor den Toren des Ramadan. Auf sie wartet ein Monat des Verzichts, der Erinnerung und Vergeistigung.

Wenn Allah im obigen Hadith Qudsi davon spricht, dass Ihm das Fasten (arab. saum) gehört, kann das auch als Hinweis auf die Besonderheit dieser Form der Anbetung verstanden werden.

Ihr spezieller Charakter wird vielleicht am unscheinbaren Fakt erkennbar, dass sie im Gegensatz zu den anderen vier „Pfeilern“ des Islam nicht bildlich greifbar ist.

Ramadan

Foto: IgorZh, Adobe Stock

Es beginnt mit Verneinung

Glaubensbekenntnis, Gebet, Zakat und Hadsch lassen sich auf irgendeine Weise darstellen. Dem entzieht sich das Fasten. Es ist zuallererst Verneinung – und gleicht damit dem Anfang des Glaubensbekenntnisses (arab. schahada), das mit „es gibt keinen …“ beginnt.

Es muss ein Geheimnis im rituellen Verzicht geborgen sein. Ansonsten gäbe es diesen erwähnten Unterschied nicht. Obwohl wenn das Fasten im Ramadan von diversen Akten der freiwilligen Anbetung (von der Qur’anrezitation bis zum Stehen im Gebet) durchdrungen ist, handelt es sich essenziell darum, etwas nicht zu tun. Das heißt, auf – ansonsten erlaubte oder lobenswerte – Dinge und Verhaltensweisen dieser Welt zu verzichten.

Rumi hat unsere Welt als „die große Brust“ bezeichnet. Das Fasten bricht für 29 bzw. 30 Tage mit dem Alltag insofern, als dass wir zeitweise „abgestillt“ werden – ohne dadurch Schaden zu leiden. Als solches stellt es auch eine Verschiebung der und Bruch mit den Gewohnheiten des Selbst dar.

Foto: Umut Rosa, Shutterstock

Ramadan als Monat des Wachstums

Allerdings bleibt es beim verpflichtenden Fasten im Islam nicht bei der Verneinung – ähnlich wie bei der Schahada. Schwächen wir die Dinge dieser Welt in uns ab, werden u.a. Elemente der nächsten wichtiger.

Ein Verweis ist hierbei der Name des freiwilligen Tarawwih, das im Anschluss an das Nachtgebet vollzogen wird. Es lässt sich u.a. mit „Vergeistigung“ übersetzen.

Das heißt, wir werden vom Ego (arab. nafs) zum Geist (arab. ruh). Die abendlichen Gebete stellen dabei sicher, dass wir diese Erfahrungen mit anderen teilen können.