„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ – dieser Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bietet immer noch Stoff für Diskussionen. Auch die AfD greift ihn auf. Allerdings in negativer […]
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„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ – dieser Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bietet immer noch Stoff für Diskussionen. Auch die AfD greift ihn auf. Allerdings in negativer […]
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Im Juli 1995 stürmen serbische Einheiten die UN-Schutzzone Srebrenica. Sie ermorden 8.000 Jungen und Männer. 21 Jahre nach dem Völkermord hört der Hauptangeklagte sein Urteil: Radovan Karadzic.
Den Haag (dpa). Den 21. Juli 2008 wird Serge Brammertz nie vergessen. An jenem Tag wurde Radovan Karadzic gefasst, 13 Jahre nach Ausstellung des ersten Haftbefehls. „Es war ein wichtiger Moment auf dem Weg zur Gerechtigkeit für die Opfer“, sagt der 54 Jahre alte Chefankläger des UN-Kriegsverbrechertribunals zum früheren Jugoslawien in Den Haag.
Karadzic gilt als einer der Hauptschuldigen für das schlimmste Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg – den Völkermord von Srebrenica von 1995. Für Chefankläger Brammertz ist Karadzic „der politische Architekt des Massenmordes“.
Fast 21 Jahre später werden die Richter an diesem Donnerstag über ihn urteilen. Die Anklage lautet auf Völkermord in zwei Fällen: Die gezielten Angriffe auf Muslime in bosnischen Städten wie Sarajevo und der Massenmord von Srebrenica. „Beides ist symbolisch für das Entsetzliche, zu dem Menschen fähig sind, um ihre politischen Ziele zu erreichen“, sagt der belgische Jurist.
Vier Jahre dauerte der Bosnien-Krieg. Er kostete mehr als 100 000 Menschen das Leben. Bei der mehr als 44 Monate dauernden Belagerung von Sarajevo wurden mindestens 10.000 Menschen getötet. Und dann Srebrenica: Im Juli 1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die damalige UN-Schutzzone überrannt und etwa 8.000 muslimische Jungen und Männer ermordet.
Der Prozess gegen Mladic in Den Haag wird in diesem Jahr enden. Das Urteil wird im nächsten Jahr folgen. Mit den beiden großen Srebrenica-Prozessen wird auch die Arbeit des UN-Tribunals enden.
Immer wieder hatten Zeugen vor den Richtern in Den Haag die Taten geschildert. Nur wenige Männer hatten die Massaker überlebt, weil sie sich tot gestellt und unter der Leichenbergen verborgen hatten. Bilder von den Massengräbern wurden gezeigt. Die Leichen waren zerstückelt und an verschiedenen Orten begraben worden. Erst im Dezember 2015 war erneut ein solches Massengrab entdeckt worden – verborgen unter einer Mülldeponie.
Für die Anklage ist erwiesen: Karadzic, Mladic und auch der Ex-Staatspräsident von Jugoslawien, Slobodan Milosevic, hatten diese Verbrechen geplant und organisiert. Doch Milosevic starb vor zehn Jahren in seiner Zelle an einem Herzinfarkt, noch vor dem Urteil.
Nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Tribunal entfernt aber wurde Milosevic posthum vom Vorwurf des Völkermordes freigesprochen. Zumindest wurde das Urteil der höchsten Richter der Vereinten Nationen im Friedenspalast von 2007 so interpretiert. Der Internationale Gerichtshof hatte das Massaker in der ostbosnischen Enklave zwar eindeutig als Völkermord klassifiziert. Serbien habe dies nicht verhindert. Dennoch kamen die Richter zu dem umstrittenen Urteil: „Das Gericht erklärt mit 13 zu 2 Stimmen, dass Serbien keinen Völkermord verübt hat.“
Trotz aller Prozesse und Urteile aber bleibt Srebrenica ein schwarzes Kapitel auch für die UN und besonders die Niederlande. Denn auch die Staatengemeinschaft hatte den Völkermord nicht verhindert, und niederländische UN-Blauhelmsoldaten hatten sich den Truppen von Mladic kampflos ergeben.
Als politisch Verantwortlicher aber – so ist die Erwartung – dürfte Karadzic schuldig gesprochen werden, mehr als sechs Jahre nach Beginn des Prozesses. Der 70 Jahre alte Psychiater, Dichter und selbst ernannte Staatsmann hatte sich selbst verteidigt und im Gerichtssaal eine neue Bühne gefunden. „Er war nicht der schlechteste Verteidiger“, räumt Brammertz anerkennend ein. „Er hat alles herausgeholt, was für ihn drin war.“
Es war ein Prozess der Superlative. Mehr als 800.000 Seiten Gerichtsakten, 586 Zeugen, 497 Sitzungstage. Das Urteil erfolgt fast 21 Jahre nach dem Massenmord. „Es hat viel zu lange gedauert“, sagt Brammertz. Aber das Urteil sei der Beweis, dass auch die höchsten Politiker zur Rechenschaft gezogen würden.
Doch ist damit auch der Gerechtigkeit genüge getan? Der Chefankläger schüttelt den Kopf. „Zu viele Täter laufen noch frei herum.“ Und Serbien tue viel zu wenig, um die Geschichte aufzuarbeiten. „Es gibt immer noch Politiker, die den Genozid leugnen. Wie soll es da jemals zu einer Aussöhnung kommen?“
120 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche pro Tag. Duschen, Kochen oder Waschen: Der Hahn wird ohne großes Nachdenken aufgedreht. Durch weltweiten Wassermangel könnte sich die Lage dramatisch verändern.
Bonn (KNA). 2.000 Liter Wasser sind nötig, bevor ein Rindersteak auf dem Teller landet, 20 Liter für 100 Gramm Gemüse. Die Landwirtschaft verbraucht 70 Prozent des weltweit genutzten Wassers; in den am wenigsten entwickelten Ländern liegt die Quote sogar bei 90 Prozent. Im Kontrast dazu stehen die 750 Millionen Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Ende des Jahrhunderts könnten es nach aktuellen Prognosen zwei Milliarden sein.
Besonders stark betroffen sind Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Sie kämpfen schon lange mit Dürren oder Überschwemmungen. Derzeit trifft es Äthiopien besonders hart; das Land am Horn von Afrika durchlebt wegen des Wetterphänomens El Nino schon das zweite Dürrejahr in Folge. Laut einem Bericht des Magazins „Science Advances“ leiden weltweit vier Milliarden Menschen mindestens in einem Monat des Jahres unter Wasserknappheit, fast die Hälfte von ihnen in China und Indien.
Der diesjährige Weltrisikobericht des Weltwirtschaftsforums nennt die Wasserkrise als eine der größten Gefahren des kommenden Jahrzehnts. Auf die Zusammenhänge zwischen Wasserknappheit und Fluchtbewegungen haben Wissenschaftler wiederholt hingewiesen. Und auch auf wirtschaftlicher Ebene ist Wassermangel eine Bedrohung, warnt jetzt die Unesco: Er könnte in den kommenden Jahren zur Stagnation des Wachstums und zum Verlust von Arbeitsplätzen führen.
Über zwei Drittel der weltweiten Arbeitsplätze hängen von der Ressource Wasser ab. Das geht aus dem aktuellen Weltwasserbericht hervor, den die Unesco am morgigen Dienstag in Genf vorstellt. Und der Wassersektor soll weiter anwachsen – zum Beispiel, um Menschen in Bangladesch, Benin oder Kambodscha den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen.
Durch Bevölkerungswachstum, Klimawandel und steigende Lebensstandards wächst zugleich jedoch der Druck auf die Süßwasservorräte, so die Unesco. 2050 werden laut Schätzungen rund neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Der Bedarf an Nahrungsmitteln soll im selben Zeitraum sogar um 70 Prozent steigen. „Wassermangel ist aufgrund dieser Entwicklungen eine akute Bedrohung. Eine neue Ressourcennutzung ist erforderlich, beispielsweise durch das Recyclen von Abwässern oder eine bessere Regenwassernutzung“, mahnt die Unesco.
Doch teils wird der Kampf ums Wasser mit voller Absicht verschärft. In Syrien und im Irak hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) strategisch bedeutsame Wasserressourcen und weite Teile der Wasser-Infrastruktur unter ihre Kontrolle gebracht. Zeitweise haben die Terroristen bereits einzelne Städte von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten oder aber mit gezielten Überflutungen ganze Ernte- und Nutztierbestände vernichtet.
Der schwedische Nahost-Experte Anders Jägerskog erklärte unlängst im Magazin des Stockholm International Water Institute (SIWI), die Lage habe sich verschlimmert durch die Weigerung der syrischen Regierung, in Wasser-Infrastruktur zu investieren.
Greifbar wird die Bedrohung auch für Europa, wenn der Politikwissenschaftler Tobias von Lossow über eine weitere Möglichkeit spricht, Wasser als Waffe einzusetzen: durch Verunreinigung oder Vergiftung. Aus mehreren Orten in Nahost gab es bereits Berichte über vergiftetes Trinkwasser, und der IS hält seine Anhänger dazu an, dem Beispiel andernorts zu folgen. Ein Anschlag auf die Wasserversorgung der kosovarischen Hauptstadt Pristina konnte im vergangenen Sommer nur knapp verhindert werden.
Zudem haben die Industrieländer selbst im Umgang mit der Ressource einigen Nachholbedarf. 30 Prozent des Wassers, das dem weltweiten Kreislauf entnommen wird, geht durch Lecks verloren. In London liegt die Verlustquote bei 25, in Norwegen bei 32 Prozent.
In der Erneuerung solch alternder oder ineffizienter Infrastruktur sieht die Unesco unterdessen eine Chance. Die Wasser-Branche werde dadurch künftig wachsen – auch durch den steigenden Bedarf der Industrie, zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier ist Deutschland bislang ein Vorreiter: Schon 2014 war es eines der Länder mit den meisten Beschäftigten in diesem Sektor.
Die Sicherheitslage in der Türkei bleibt angespannt. Nun kam es erneut zu einer Explosion in der Metropole Istanbul. Ihr Gouverneur, Vasip Sahin, spricht von einem Selbstmordanschlag.
Istanbul (dpa/IZ). Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens fünf Menschen getötet und eine Vielzahl verletzt worden, teilte der Sahin am Samstag mit. Zum Hintergrund des Anschlags machte er keine Angaben. Es werde ermittelt. Die Nachrichtenagentur Anadolu bestätigte die Angaben in einer Meldung vom heutigen Morgen.
In der Nähe des Explosionsortes befindet sich ein Einkaufszentrum. Hubschrauber kreisten über dem Unglücksort, Rettungswagen rasten zur Detonationsstelle. Die Polizei sperrte die Einkaufsstraße Istiklal weiträumig ab, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.
Die oberste Aufsichtsbehörde der Türkei für Radion und Fernsehen ordnete unterdessen eine befristete Nachrichtensperre für Bilder und Videoaufnahmen vom Anschlagwort an. Dazu gehörten Liveaufnahmen vom Anschlag, danach sowie Bilder von Opfern.
Das Auswärtige Amt forderte deutsche Staatsbürger in Istanbul auf, in ihren Hotels zu bleiben und auf weitere Informationen zu warten. Am Donnerstag hatte das Ministerium geraten, die Umgebung des Generalkonsulats zu meiden. Die diplomatische Vertretung befindet sich ebenfalls in dem Bezirk Beyoğlu. Außerdem wurde die deutsche Schule geschlossen, die sich in einer Nebenstraße der İstiklal Caddesi befindet, etwa einen Kilometer entfernt vom Ort der Explosion.
Erst vergangenen Sonntag gab es einen Anschlag in der Hauptstadt Ankara mit 37 Toten, zu dem sich eine Splittergruppe der verbotenen Terrororganisation PKK bekannte. Die Tat sei eine Vergeltung für die „Massaker in Kurdistan“, hatte die Gruppe in ihrem Bekennerschreiben mitgeteilt und zugleich neue Anschläge angekündigt. Die türkische Armee geht seit Monaten in einer Militäroffensive gegen die PKK im Südosten der Türkei vor.
‘Abdullah ibn Al-Mubarak sagte: „Der Anfang des Wissens ist Absicht, dann Zuhören, dann Verstehen, dann Handlung, dann Bewahrung und dann Verbreitung.“ (zitiert nach Qadi ‘Ijad, Tartib Al-Madarik) (iz). In einem […]
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Kerpen (IGMG). „Gestatten, Muslim.“, die Straßen-Begegnungsaktion der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) wurde am 12.03.2016 erfolgreich durchgeführt. In acht Ländern und an 132 Ständen haben Muslime mit 130.000 Bürgerinnen und Bürger Gespräche geführt und für mehr Miteinander geworben.
„Wir sind sehr erfreut über die durchweg positive Resonanz. Die Aktion ‘Gestatten, Muslim.’ war auch in diesem Jahr sehr erfolgreich. Sowohl von den teilnehmenden IGMG-Gemeindemitgliedern als auch von den Bürgerinnen und Bürgern haben wir tolles Feedback bekommen“, erklärte Bekir Altas. Altas ist Generalsekretär der IGMG. Unterstützt wurde die Aktion in diesem Jahr von zahlreichen Lokal- und Landespolitikern.
„Gestatten, Muslim.“ ist als ein einfaches, unbekümmertes Angebot zum Gespräch konzipiert. Es soll den Menschen eine Gelegenheit geben, ihre muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Ort kennenzulernen. „Dieses Ziel haben wir erreicht. Die Menschen haben die Gelegenheit bekommen, Fragen zu stellen und über etwaige Vorurteile und Ängste zu reden“, sagte Altas und fragt: „Wer, wenn nicht wir, müssen diese mit abbauen?“
Die Aktion „Gestatten, Muslim.“ fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. 2015 wurde die Aktion an über 100 Standpunkten in fünf Ländern durchgeführt. 61.000 persönliche Gespräche wurden gezählt. „Ich freue mich, dass wir den großartigen Erfolg aus dem vergangenen Jahr verdoppeln konnten. Vielen Dank daher an alle, die an dieser tollen Aktion mitgemacht haben.“
Initiiert und konzeptioniert wurde die Aktion von der IGMG, durchgeführt wurde sie von den europaweit über 500 Moscheegemeinden vor Ort. Neben mehreren europäischen Ländern und Australien fand die Aktion in Deutschland unter anderem in den Städten Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Frankfurt a.M., Stuttgart und Nürnberg statt.
„Jedenfalls sollte nun dem Letzten klar sein, dass die Stunde für die Solidarität zwischen den Muslimen gekommen ist. Not würde nun zum Beispiel eine überzeugende, gemeinsame Strategie gegen die islamophobe Tendenzen der Gesellschaften tun.“
(iz). Nüchtern betrachtet hat bundesdeutsche Landespolitik in den letzten Jahren einiges an Bedeutung verloren, denn viele Entscheidungsebenen sind in Zeiten der „Krisen“ längst nach Brüssel und Berlin verlagert worden. Am jüngsten „Superwahltag“ schien es aber für einen Moment, als hätte sich das Schicksal unseres Landes in Magdeburg, Stuttgart oder Mainz entscheiden können.
Die programmatischen Unterschiede zwischen CDU, Grünen und der SPD in der konkreten Landespolitik dürften dabei nur Politprofis wirklich erschöpfend aufzählen können. Dieser Wahlsonntag und seine relativ hohe Beteiligung war also weniger ein Indiz für das gesteigerte Interesse an Landespolitik als solcher, sondern eher ein Stimmungsbarometer. Im Kern ging es darum, wie die Bevölkerung zur aktuellen Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel steht.
Das Ergebnis lässt nicht nur verschiedene bunte Koalitionen in den Bundesländern zu oder macht gar eine Regierungsbildung sehr schwierig, sondern erlaubt auch verschiedene Interpretationen ihrer Bedeutung für die Stimmung im Lande als solches. In Baden-Württemberg hat der amtierende grüne Ministerpräsident Winfriede Kretschmann mit einer vernünftig differenzierenden Position zur Flüchtlingspolitik gepunktet. Die Union im Ländle verlor dagegen eher mit einem unscharfen Kurs in dieser umstrittenen Frage.
Besonders krass wirkte das Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Aus dem Magdeburger Landtag sind künftig weniger realpolitische Erdbeben zu erwarten, als vielmehr zahlreiche Beiträge zur Psychopolitik. Eine starke Alternative für Deutschland wird ihre programmatische Schwäche und ihre eigenen Identitätsprobleme mit ihrer negativen Haltung gegen Muslime, Flüchtlinge und andere Unliebsame übertünchen. Die Partei unter Führung von Frauke Petry hat Bilder, Stimmungen und Vorurteile nötig, denn 75 Prozent ihrer Wähler und Wählerinnen entscheiden sich für die AfD nicht wegen konkreter Inhalte.
In der Sendung „Illner Spezial“ erinnerte Peter Tauber die AfD-Bundesvorsitzende daran, dass aber auch in Sachsen-Anhalt immerhin 75 Prozent der Bevölkerung die Vereinnahmung durch die Alternative für Deutschland – in ihrer anmaßenden „Wir sind das Volk“-Logik – ablehnen oder zumindest nicht stützen würden. Zudem dürfte Parteichefin Frauke Petry selbst in der östlichen Sphäre der Wut bald als zu liberal gelten, und die Partei sich weiter dialektisch aufspalten.
Viele Muslime fragen sich, ob man vor der AfD Angst haben muss und ob die rechten Dämonen im Land zurückkehren. Nimmt man den Stil der neuen Rechten in den sozialen Medien ernst, dann ist zumindest Sorge berechtigt. Auch künftig wird die Partei die Dialektik gegen den Islam schüren und die Differenzierung über die Lage der Muslime in diesem Lande erschweren. Die Zurückweisung dieser Machenschaften ist unsere Aufgabe und – solange sich Muslime nicht zurückziehen, sondern sich aktiv engagieren – ist auch Angst der falsche Spirit.
Jedenfalls sollte nun dem Letzten klar sein, dass die Stunde für die Solidarität unter den Muslimen gekommen ist. Not würde zum Beispiel nun eine überzeugende, gemeinsame Strategie gegen die islamophoben Tendenzen der Gesellschaften tun. Daraus wird wohl nichts, denn leider sind wir Muslime noch immer durch die verkrusteten Verbandstrukturen gelähmt. In der offensichtlich wichtigen Flüchtlingspolitik hat sich der KRM gerade wieder einmal öffentlich entzweit.
Der Aachener Mehmed Jakubovic arbeitet nicht nur seit über 20 Jahren als Imam für die bosniakische Gemeinde der Stadt, er ist auch Kalligraf und hat in Zusammenarbeit mit Islamic Relief […]
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Frankfurt (VMF/KNA). In einem Gründungsakt haben sich die muslimischen Dachverbände, der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, sowie die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden (IGS) am Mittwoch, den 09. März 2016 in Frankfurt zusammengeschlossen. Vorrangiges Ziel des Vereins ist die Koordinierung der bereits bestehenden Flüchtlingsarbeit der Mitgliedsorganisationen sowie seinen Ausbau, auch im Hinblick einer verbesserten Wohlfahrtsarbeit.
„Angesichts der Flüchtlingssituation stehen vor allem wir Muslime vor großen Herausforderungen. Es ist wichtig und notwendig, die Kräfte zu bündeln, um die neu ankommenden Menschen bestmöglich zu unterstützen, sie aufzunehmen und ihnen eine Perspektive zu bieten“, sagte die neugewählte Vorsitzende des Verbandes, Nurhan Soykan, die auch Generalsekretärin des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD)ist.
Ihre in den geschäftsführenden Vorstand gewählten Stellvertreter sind: Murat Gümüs, Generalsekretär des Islamrates für die BRD und Dawood Nazirizadeh, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands.
Der Verband Muslimische Flüchtlingshilfe (VMF) erklärt sich ausdrücklich offen für die Aufnahme weitere Mitgliedsorganisationen und Einzelpersonen und bekundete in einem heutigen Schreiben an die zuständigen Ministerien seine Hilfe und Unterstützung für die Bewältigung der Flüchtlingsarbeit in der Bundesrepublik.
„Denn“, so der das Vorstandsmitglied Murat Gümüs, „die Mitglieder der Dachorganisationen seien zwar vielfältig aktiv in der Flüchtlingshilfe, doch bestehe Abstimmungs- und Koordinierungsbedarf, um die Dienstleistungen effektiver und effizienter zu machen“. Der neu gegründete Verband soll diese Aufgabe übernehmen und darüber hinaus neue Projekte konzipieren.
Um diesen Kraftakt zu stemmen seien sowohl ehrenamtliche als auch hauptamtliche Helfer nötig. „Sie zu koordinieren erfordere ein strukturelles Vorgehen und einen institutionellen Unterbau. Auch dies soll mit dem neu gegründeten Verein etabliert werden“, ergänzte VMF-Vorstandsmitglied Dawood Nazirizadeh.
Nicht vertreten im Zusammenschluss sind unter anderen die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Sie gehören mit dem Islamrat und dem Zentralrat dem Koordinationsrat der Muslime an.
(iz). Wie flach wäre ein Apfel ohne die Dimension der Tiefe? Oder eine Honigmelone. Die Natur um uns, unsere Umwelt, unser Wohnzimmer, unser Schokoriegel – sie alle bestehen aus den drei Dimensionen, die wir gewohnt sind. Sie ergeben damit das vollständige Abbild der Objekte. So nehmen wir sie als real wahr und erfahren sie. Beim menschlichen Charakter sprechen wir aber ebenfalls von „Tiefe“. Gedanken können „tief“ sein, Gedichte, Malereien, Anekdoten und sogar Witze.
Wenn ich über Tasawwuf spreche, mag ich es, dieses Gleichnis zu verwenden, denn es führt uns vor Augen, dass der Islam eine mehrdimensionale Religion ist. Jede dieser Dimensionen ist existenziell für sein Wesen.
In der bekannten Prophetenüberlieferung erscheint der Engel Gabriel (arab. Dschibril) in Form eines Menschen beim Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und stellt ihm Fragen – um dessen Gefährten zu errichten.
Erst fragte er nach dem Islam, den der Gesandte Muhammad mit den fünf Säulen definierte. Er wurde dann nach dem Iman befragt und erwähnte hier sechs Glaubenssätze. Wer diese Prophetenüberlieferung nachlesen möchte, solle beispielsweise in die 40 Hadithe von Imam an Nawawi schauen.
Ich lege den Fokus nun auf das dritte Anliegen Gabriels; „Berichte mir vom Ihsan“, fragte der Engel und erhält folgende hermetische und „tiefe“ Antwort: „Es ist, dass du Gott anbetest, als würdest du Ihn sehen. Denn, auch wenn du Ihn nicht sehen kannst, so sieht Er dich doch.“
Behalten wir diese Erklärung im Hinterkopf. An dieser Stelle machen wir die spannende Entdeckung, dass die islamischen Wissenschaftsdisziplinen – analog zu dieser Überlieferung – strukturiert sind. Im Fiqh behandelt man unter anderem die Frage nach normativer Korrektheit und Gültigkeit der Gottesdienste – zu Beginn vor allem die „fünf Säulen“ –, womit der Bereich des Islams behandelt wäre. In der Wissenschaftsdisziplin der ‘Aqida geht es um die Erörterung der islamischen Glaubenssätze – also des Iman.
Wo ist nun aber Raum für den Ihsan? Vor allem, wie gelingt es überhaupt, aus der gegebenen Antwort eine Disziplin – geschweige denn eine Wissenschaft – zu entwickeln? Worum soll es dabei gehen?
Wir bräuchten nun eine Definition und wollen uns dabei einer sehr ursprünglichen, einer indigenen bedienen: „Tasawwuf ist guter Charakter. Wer dir also zu besserem Charakter verhilft, der verhalf dir zu mehr Tasawwuf“, so lautet sinngemäß eine Definition von Imam Al-Dschunaid . Das erinnert uns natürlich sofort an die Prophetenüberlieferung, die ihrem Sinn nach lautet: „Nichts wiegt schwerer in der Waage als der gute Charakter.“
Wir sehen hier also Ideale formuliert sowie Tugenden wie die Entwicklung und Erhaltung guter Charaktereigenschaften; oder die Anbetung Allahs, als würde man Ihn sehen. Da man Ihn nicht sieht, solle man wissen, dass Er einen sieht. Doch wie kommt man dahin?
Dies sind innere Dimensionen, die in Zeiten einer beschleunigten und hektischen Welt, in der wir uns immer mehr von uns selbst entfremdet haben, unklar erscheinen. Wie wollen wir uns selbst bessern, uns zu besseren Menschen erziehen, wenn wir uns fremd sind? Wie schaffen wir es, unser rituelles Gebet von einer maschinellen Bewegungsabfolge in eine immer wiederkehrende, dynamische und spirituelle Reise zu verwandeln? Egoismus, Gier, Neid und Hass durch Nächstenliebe, Genügsamkeit und Barmherzigkeit zu ersetzen? Im Tasawwuf findet man hierzu eben keine kostenlosen Pauschalantworten, sondern individuelle Wege der Selbsterziehung, die Anstrengung (Dschihad) bedeuten.
Und exakt darum geht es; sich selbst zu „erziehen“. Dabei ist der Begriff der Nafs zentral. Es handelt sich hier um unser Ego, unser Selbst, ja teilweise sogar dem Äquivalent der unserer Psyche. Sie ist Träger unserer Triebe und Neigungen und Islam lehrt uns die Mäßigung in all unseren Trieben und Neigungen, denn nur durch eine Ausgeglichenheit kehrt der Friede in uns ein.
So verhilft uns der Tasawwuf auch dazu und somit wird hier langsam deutlich, was es damit auf sich hat. Tasawwuf ist kein Sufiorden, kein Derwischtanz und keine ekstatische Meditation – auch wenn dies Elemente sein „können“. Er ist dennoch viel pragmatischer als all dies und ebnet einen Weg im Streben nach Gott, der erst durch einen Selbst führt. Denn nur wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Herrn. Und aller Dank und alles Lob gebühren Gott, dem Herrn aller Welten.
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