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Hunger in Westafrika wächst um ein Drittel

Foto: Evelyn Fey, WFP

DAKAR (WFP). Millionen Familien in West- und Zentralafrika sind von Tag zu Tag hungriger und verzweifelter, da Nahrungsmittelpreise in die Höhe schießen. Das befeuert die Hungerkrise in einer Region, die ohnehin von Konflikten und den sozioökonomischen Folgen von COVID-19 heimgesucht wird, warnte das UN World Food Programme (WFP) heute und wies darauf hin, dass sofortige Maßnahmen erforderlich sind, um eine Katastrophe abzuwenden.

Es wird erwartet, dass sich mehr als 31 Millionen Menschen in der Region in der kommenden sogenannten „mageren Jahreszeit“ – also der Zeit, in der die Nahrung vor der nächsten Ernte knapp ist – von Juni bis August nicht selbst ernähren können werden. Diese Zahl ist mehr als 30 Prozent höher als noch im Vorjahr und ist auf dem höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt, so der „Cadre Harmonisé“, eine gemeinsame Analyse der Ernährungssicherheit von Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft des Ständigen Zwischenstaatlichen Komitees für Dürrekontrolle in der Sahelzone (CILSS).

„In Westafrika führt der Konflikt bereits jetzt zu Hunger und Elend. Der unaufhaltsame Anstieg der Preise wirkt wie ein Multiplikator des Elends und treibt Millionen Menschen noch tiefer in Hunger und Verzweiflung. Selbst wenn Nahrungsmittel verfügbar sind, können sich die Familien diese einfach nicht leisten – und die steigenden Preise machen eine einfache Mahlzeit für Millionen arme Familien unerschwinglich, die ohnehin schon um ihr Überleben kämpfen mussten“, sagte Chris Nikoi, WFP-Regionaldirektor für Westafrika.

Nahrungsmittelpreise sind in der gesamten Region dramatisch gestiegen. Lokale Grundnahrungsmittel sind im Vergleich zum 5-Jahres-Durchschnitt um fast 40 Prozent teurer geworden, in einigen Gebieten sind die Preise sogar um mehr als 200 Prozent gestiegen. Das ist zum Teil auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen zurückzuführen, die letztes Jahr zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus ergriffen wurden. Zudem sind die Einkommen der Menschen aufgrund des Rückgangs des Handels und Tourismus, der informellen Beschäftigung sowie der Rücküberweisungen aus dem Ausland stark gesunken.

„Bis sich die Märkte stabilisieren, könnte Ernährungshilfe der einzige Grund zur Hoffnung für Millionen Familien sein. Der Bedarf ist immens, und wenn wir nicht die nötigen Mittel einwerben können, werden wir ihn einfach nicht decken können. Wir können nicht zulassen, dass 2021 das Jahr der Rationskürzungen wird“, warnte er.

In Sierra Leone hat die Abwertung der Landeswährung die Preise sowohl für importierte Produkte als auch für einheimische Waren in die Höhe getrieben. Der Preis für Reis (lokal produziert und importiert) – das Grundnahrungsmittel im Land – blieb 60 % bis 70 % höher als der 5-Jahres-Durchschnitt und variierte stark von einem Teil des Landes zum anderen.

In einigen Teilen Westafrikas zwingt die eskalierende Gewalt die Menschen dazu, aus ihren Häusern zu fliehen und ihre Felder und Einkommensquellen zu verlassen. Dadurch sind sie in Nordnigeria, der zentralen Sahelzone (Burkina Faso, Mali, Niger), der Zentralafrikanischen Republik und den Regionen im Nord- und Südwesten des Kameruns akutem Hunger ausgesetzt.

In diesem Jahr sind fast 10 Millionen Kinder unter 5 Jahren in der gesamten Region akut mangelernährt, wobei allein die Hälfte dieser Kinder in der Sahelzone lebt. Auch diese Zahl droht, angesichts des Anstiegs des Hungers um 30 Prozent und der hohen Preise für nahrhafte Mahlzeiten deutlich zu steigen.

WFP plant, in diesem Jahr fast 18 Millionen Menschen in West- und Zentralafrika zu unterstützen, 68 Prozent davon in Krisen- und Nothilfekontexten. Dafür benötigt WFP in den kommenden sechs Monaten 770 Millionen US-Dollar für Hilfsprogramme in 19 Ländern der Region. Gelingt es nicht, die Mittel einzuwerben, müssten die Rationen für Bedürftige gekürzt werden – gerade für diejenigen, die durch Konflikte in den Hunger getrieben werden.

In 2020 unterstützten WFP und seine Partner fast 17 Millionen Menschen in Westafrika durch integrierte Ansätze, die lebensrettende Ernährungshilfe mit lebensverändernden Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften kombinieren.

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