Islamische Lebenspraxis: Hoffnung und Vertrauen in Allah

(iz). Es ist viel zu leicht, heute auf die Welt zu schauen und dabei das atemberaubende Maß an Ungleichheit zu sehen sowie Regierungen, die einige Segmente der Gesellschaft unterdrücken, während sie andere mit Diebstahl an helllichtem Tage davonkommen lassen. Unsere Zeit erlebt steigende Preise, fallende Einkommen, Verschuldung, die zur Regel wird, anstatt eine Ausnahme zu […]

30.05.2015 Habib Bewley 12 Min. Lesezeit

(iz). Es ist viel zu leicht, heute auf die Welt zu schauen und dabei das atemberaubende Maß an Ungleichheit zu sehen sowie Regierungen, die einige Segmente der Gesellschaft unterdrücken, während sie andere mit Diebstahl an helllichtem Tage davonkommen lassen. Unsere Zeit erlebt steigende Preise, fallende Einkommen, Verschuldung, die zur Regel wird, anstatt eine Ausnahme zu sein, aber auch Kriminelle und Monster, die zu Führern ihrer Länder erhoben werden.

Allzu einfach glauben wir eine Welt zu erkennen, in welcher der Islam verunglimpft und die Muslime als Terroristen behandelt werden. Eine Welt, in der die einzigen, offenkundigen Beispiele für muslimische Herrschaft auf einer verdorbenen und hassenswerten Ideologie beruhen, der jegliche passende Eigenschaften fehlen. Der Name des Islam wird beschmutzt. Die Gelehrten sitzen in ihren Sälen, streiten über Feinheiten bei theoretischen Aspekten des Rechts und schauen tatenlos dabei zu, wie die Gemeinschaften um sie herum immer unkundiger über ihr großes Erbe werden.

Zu einfach neigen wir dazu, eine Welt voller Dunkelheit zu sehen. Und wir wähnen, dass sie negativ ist, mit stetig steigendem Elend und Schwierigkeiten. Mit einem Hindernis nach dem nächsten, ohne ein Ende in Aussicht. Voller Türen, die sich nicht öffnen, sondern vor unseren Augen zugeschlagen werden.

Wir geben die Hoffnung auf, werden von Verzweiflung übermannt, beugen uns dem scheinbar Unausweichlichen der Situation. Wir sind, wo wir sind, weil wir es verdient haben. Das ist das Zeitalter, in dem wir leben. Ist uns das nicht vorhergesagt worden? Hat der Prophet nicht gesagt, dass zum Ende der Zeiten die falsche Handlung ansteigen wird und die wahren Gläubigen nur wenige sein werden? Leben wir nicht in solchen Zeiten? Es wurde niedergeschrieben, also muss es so sein. Das ist unser Los im Leben, daher müssen wir es akzeptieren.

Sagt unser Herr nicht im folgenden Vers? „Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben.“ (Ar-Rum, 41) Ja, aber das bedeutet nicht, dass wir das blind akzeptieren und unbesehen abhaken. Es heißt nicht, dass wir aufgeben und den Status Quo übernehmen; dass wir den Glauben übernehmen, wir müssten uns mit dem Schlechten abfinden. Nein, Hoffnung ist eine lebenswichtige Eigenschaft des Mumin. Verzweiflung und Fatalismus haben keinen Platz in seinem Herzen. Denn das sind Zeichen eines Herzen, dass kein Vertrauen auf Allah hat und keines in Sein Versprechen, dass Er ein positives Ergebnis hervorbringen wird.

Allah sagt: „Und gebt nicht die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs auf. Es gibt die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs nur das ungläubige Volk auf.“ (Yusuf, 81) Sein Trost, seine Hilfe, wird kommen. Aber nicht, wenn wir an ihnen verzweifeln. Nicht, wenn wir keine Hoffnung mehr haben. Verzweiflung ist selbst erfüllend. Es zerstört den Willen und die Fähigkeit zu handeln. Keine Lage ist jemals so schlecht, wie sie erscheinen mag. Es gibt einen Weg für Wachstum und Zuwachs. Aber allen, die verzweifeln und die Hoffnung verlieren, sind von diesem Weg ausgeschlossen. Aus diesem Grund ordnete der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, Verzweiflung als eine der schlimmsten falschen Handlungen neben der Beigesellung/Götzendienst ein.

Ibn ‘Abbas berichtete, dass ein Mann zum Propheten, Segen und Frieden auf ihm, kam und von diesem wissen wollte, was die schwerwiegenden falschen Handlungen (arab. Kaba’ir) seien. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, entgegnete: „Die Beigesellung anderer zu Allah, der Verlust von Hoffnung auf Allah und das Verzweifeln an der Barmherzigkeit Allahs.“

Er, Heil und Segen auf ihm, erwähnte Verzweiflung zwei Mal und betonte damit, wie zerstörerisch und schrecklich sie für den Menschen sind. Nur von Allah kann jeglicher Trotz oder die Erleichterung der eigenen Schwierigkeiten kommen – es gibt keine andere Quelle.

Wer die Hoffnung auf Allah verliert, hat keinen Ausweg, und seine Lage kann nur schlechter werden. Und wer über seine Lage klagt und erklärt, wir seien verloren, ist unter den Irrenden. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte darüber: „Wenn ein Mann sagt, ‘die Leute sind verloren und zerstört’, dann ist er der ruinierteste von allen.“

Aber derjenige, der große Erwartungen in Allah hat, für den gibt es keine Grenzen des Erreichbaren, da es keine Grenzen für das gibt, was sein Herr ihm gewähren kann. Allah sagt im Qur’an: „Die Schatz-Häuser der Himmel und der Erde gehören Allah.“ (Az-Zumar, 63) Und Er sagte auch: „Das Ende aller Angelegenheiten ist bei Allah.“ (Luqman, 22)

Und Er gewährt denjenigen Schätze und behält ihnen das bestmögliche Ergebnis vor, die auf ihn vertrauen und auf das Beste hoffen. Allah sagt in einem Hadith qudsi: „Ich bin in der Meinung Meines Sklaven über Mich. Wenn er Gutes denkt, wird er dies haben. Wenn er Schlechtes denkt, wird er das haben.“ Eine gute Meinung von Allah zu haben, bedeutet große Hoffnungen sowie der Glaube, dass Sein Plan für uns derjenige ist, der zu Erfolg in dieser und in der nächsten Welt führt.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wenn ihr Allah um etwas bittet, fleht Ihn um Firdaus an.“ Mit anderen Worten, wir sollten immer die besten und höchsten Ergebnisse suchen. Und Ibn Al-Qajjim sagte. „Edle Seelen sind nur mit den höchsten Dingen und den Besten unter ihnen zufrieden – jene Ergebnisse, die am lobenswertesten sind. Niedrige Seelen kreisen um das, was gemein und unwürdig ist. Sie lassen sich darauf nieder wie Fliegen auf Müll und Unrat.“ Sind die Erwartungen und Hoffnungen niedrig, dann wird auch das Leben so sein – das in dieser und das in der Nächsten Welt.

‘Umar sagte: „Gebt euch nicht mit niedrigem Streben zufrieden. Denn diejenigen, deren Bemühungen um die guten Dinge ich habe scheitern sehen, sind jene mit einer geringen Hoffnung.“ Und das lässt sich selbst auf die schlimmsten Situationen anwenden. Hoffnung sollte niemals durch Schwierigkeiten vermindert werden. Vielmehr ist sie dasjenige, dem man sich bei Problemen zuwenden sollte. Sie ist die Zuflucht der Hilflosen, die Waffe der Unterdrückten und etwas, mit dem sich jeder von uns wappnen sollte.

Und es gibt auch einen Weg vorwärts, wenn die uns begegnende Dunkelheit nicht die Situation, sondern in uns selbst ist. Egal, wie sehr man vom Weg abweicht, oder wie viele Befehle Allahs man unbeachtet ließ, so gibt es immer Hoffnung. Allah sagt: „Sprich: ‘Oh, Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.’“ (Az-Zumar, 53) Und Er, der Erhabene, sagt in einem Hadith Qudsi: „Oh, Sohn Adams,, solange Du mich anrufst und auf Mich hoffst, werde Ich dir vergeben.“

Wir müssen eine gute Meinung von Allah haben und Ihn um Seine Vergebung in dem Glauben und der Erwartung bitten, dass Er sie uns gewähren wird. Wenn wir das tun, wird nicht nur unsere Tafel gereinigt und unsere falschen Handlungen entfernt. Plötzlich öffnet sich für uns auch ein Weg nach vorne und das Leben wird auf einmal wieder voller Möglichkeiten sein.

Das Innere und das Äußere sind symbiotisch verbunden. Und jede Reinigung im Inneren lässt sich unweigerlich auf eine Reinigung im Äußeren übertragen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, meinte hierzu: „Wenn ihr Allah anhaltend um Vergebung bittet, wird Er euch von jeder Sorge befreien, einen Ausweg aus jeder Zwangslage bieten und Versorgung bereiten, von wo ihr sie nicht erwartet.“

Wir sollten keine geringe Meinung von unserem Herrn haben oder Seine Fähigkeit für Barmherzigkeit und Vergebung anzweifeln. Wir sollten die Schuld ignorieren und aufhören, uns in Schamgefühlen und Selbstmitleid zu wälzen. Allah hat vielen Leuten vergeben und sie wieder aufgenommen, die viel schlimmer waren.

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