Syrien: „Die zweite Katastrophe ist das Vergessen“

Aachen (KNA) Zwölf Millionen Menschen in Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, weitere Millionen außer Landes geflohen, viele Städte zerstört – und noch immer wird in dem ausgebluteten Land gekämpft. Am Montag schlägt der zehnte Jahrestag des Gemetzels. Der Geschäftsführer des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor, Martin Bröckelmann-Simon, spricht im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über die […]

15.03.2021 Christoph Schmidt 5 Min. Lesezeit
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Foto: doglikehorse.com, Adobe Stock

Aachen (KNA) Zwölf Millionen Menschen in Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, weitere Millionen außer Landes geflohen, viele Städte zerstört – und noch immer wird in dem ausgebluteten Land gekämpft. Am Montag schlägt der zehnte Jahrestag des Gemetzels. Der Geschäftsführer des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor, Martin Bröckelmann-Simon, spricht im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über die syrische Katastrophe und prangert eine „Ohnmacht der Weltgemeinschaft“ an.

Frage: Herr Bröckelmann-Simon, zehn Jahre Krieg und Terror in Syrien. Welche Perspektive sehen Sie für die Menschen im Land?

Martin Bröckelmann-Simon: Reden wir zuerst über die bisherige Bilanz dieses Krieges: mehr als 600.000 Tote, 13 Millionen Vertriebene, viele Regionen wie Aleppo oder Homs sehen aus wie Deutschland 1945. Die Wirtschaft ist ruiniert und die humanitäre Lage vielerorts verzweifelter als je zuvor. 5,6 Millionen Menschen sind außer Landes geflüchtet. In Syrien selbst gibt es 6,1 Millionen Binnenflüchtlinge. Wir stehen vor einem der schlimmsten Bürgerkriege der neueren Geschichte. Und er ist ja nicht zu Ende: In der Region Idlib, wo viele Binnenflüchtlinge große Not leiden, kämpft das Assad-Regime mit russischer Unterstützung weiter gegen die von der Türkei gestützten Rebellen. Auch in Nordostsyrien gibt es immer wieder Gefechte, und die verbliebenen Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ sind in den Untergrund gegangen. Insgesamt könnten die Perspektiven für Frieden und menschenwürdige Zukunft kaum schlechter sein.

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