Übergriffe nicht hinnehmbar

Washington (KNA). Bei seinem ersten Besuch einer Moschee in den USA hat Präsident Barack Obama Muslime als Teil der „amerikanischen Familie“ bezeichnet. In seiner Rede vor der „Islamic Society of Baltimore“ setzte er sich mit Nachdruck für Religionsfreiheit ein. Drohungen gegen muslimische Gemeinden, Übergriffe gegen Kopftuch tragende Frauen oder muslimische Schulkinder und Beschädigungen von Moscheen seien nicht hinnehmbar.
Muslime seien „ein Teil Amerikas“, sagte Obama. Sie seien nicht „Muslime oder Amerikaner, sondern Muslime und Amerikaner“. An die christliche Mehrheit gewandt sagte der Präsident: „Wir müssen begreifen, dass ein Angriff auf eine Religion ein Angriff auf alle unsere Religionen ist.“ Dies sei zu bedenken, wenn die Gesellschaft es mit der Religionsfreiheit ernst nehme.
Pluralität sei keine Schwäche, sondern die größte Stärke der USA. „Entweder wir steigen zusammen auf oder wir stürzen zusammen ab“, sagte Obama. Ohne ausdrücklich auf den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime einzugehen, sagte Obama, jede Politik sei zurückzuweisen, die versuche, „Vorurteile oder Stimmungen zu manipulieren, um Leute wegen ihrer Religion anzugreifen“.
Heiterkeit erntete Obama mit der Bemerkung, schon Gegner des US-amerikanischen Gründervaters Thomas Jefferson (1743-1826) hätten diesen als Muslim zu diskreditieren versucht. „Ich bin also nicht der erste“, sagte Obama unter Anspielung auf entsprechende Gerüchte über seine Person. „Ich bin in guter Gesellschaft.“
Die einzigen beiden muslimischen Kongress-Abgeordneten lobten die Rede des Präsidenten. Innerhalb von acht Tagen wandte sich Obama in Reden an Juden, Muslime und Christen in seinem Land: Vergangene Woche bekundete er anlässlich des Holocaust-Gedenktags in der israelischen Botschaft in Washington Verbundenheit mit dem jüdischen Volk. Am Donnerstag das christlich geprägte „National Prayer Breakfast“ auf dem Programm. In den USA sind etwa ein Prozent der Bevölkerung Muslime.

Amerikanische Muslime sind beim sozialen Unternehmertum weiter

(CGNews). Das so genannte „soziale Unternehmertum“ ist zu einem Schlagwort bei ehrenamtlichen Helfern in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus geworden. Daher ist es für mich als amerikanische Bloggerin eine Frage des Ehre hervorzuheben, wie zwei Modelle auf diesem Gebiet soziale Probleme mit Hilfe inno­vativer Konzepte lösen wollen. Diese Idee muslimischer Amerikaner hat auch auf nationaler Ebene breites Interesse erzeugt. Ihr Engagement hat neue Räume für die gemeinschaftliche Arbeit ­geschaffen.
Die beiden Projekte sind Busboys and Poets in Washington und das Inner-City Muslim Action Network (IMAN) aus Chicago. Hier handelt es sich nicht um die bekannten Strukturen des inter­religiösen Dialogs, sondern sie widmen sich dem Aufbau von Nachbarschaften. Indem sie das aber tun, schaffen sie tatsächlich Orte, an denen sich Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen und diversen Hintergründen austauschen können.
Die Mission von Busboys and Poets ist es, ein Treffpunkt für die Nachbarschaft und das lokale Engagement zu sein. Das Projekt betreibt ein ­Restaurant und einen Buchladen. IMAN bietet vielfältige konkrete Dienstleistungen und kultiviert die Künste in städtischen Nachbarschaften, um die „menschliche Würde jenseits der Grenzen von Religion, Ethnizität und Nationalität“ zu fördern.
Zuerst wurde das Nachbarschaftscafé von IMAN durch Rami Nashashibi gegründet, um der heranwachsenden Jugend Möglichkeiten der Karriereförderung zu geben. Später wuchs es zu einer Gemeinschaftseinrichtung heran, in der verschiedene Dinge angebo­ten werden. Unterstützung erhielt das Projekt von Stadtverordneten, Mitglie­dern der überwiegend afroamerikanischen Kommune und vom Mitglied des Repräsentantenhauses Keith Ellison, dem ersten Muslim im US-Kongress. Heute betreibt IMAN ein Gesundheits­zentrum mit einem Arzt, mehreren Mitarbeitern und 25 freiwilligen Medizinern, die kostenlose Untersuchungen und Gesundheitserziehung anbieten.
Jede der Aktivitäten, wie sie von IMAN in Chicago angeboten werden, demonstriert, wie man seiner Nachbarschaft etwas zurückgeben kann. ­Daher war es auch keine allzu große Überraschung, dass der Gouverneur des Bundesstaates Illinois Rami Nashashibi eingeladen hatte, um in der Kommis­sion für die Eliminierung der Armut zu arbeiten.
Busboys and Poets verfolgt ähnliche Ziele. Auch hier hat man die Gemeinschaft im Sinn. Anas Shallal hat sich ganz bewusst einen Washingtoner Stadt­teil ausgesucht, der 1968 bei den Unruhen nach der Ermordung von Martin Luther King schwer beschädigt wurde. Shallal will, dass seine lokale, vielfältige amerikanische Gemeinschaft den Wert der Bewusstwerdung durch die Formel „Essen, Aktivismus und Kunst“ erkennt. Genau wie bei IMAN zielt das Projekt nicht auf den oftmals bemühten „Dialog“ ab. Durch die Begegnung miteinander lernt man automatisch voneinander.