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Ramadan 2025: Was das Fasten mit Freiheit zu tun hat

fasten gebet

Freiheit: Im Ramadan führt der Verzicht auch zu einer Befreiung von Dingen. Und ist ein Gegengift zur Angst.

(iz). In der Endphase des abgeschlossenen Bundestagswahlkampfs rief der deutsche Philosoph und Autor Peter Sloterdijk dazu auf, die FDP ins Parlament zu wählen. Wer es gut mit diesem Land meine, müsse für sie „mit zusammengebissenen Zähnen“ stimmen. 

Er argumentiert, dass eine Volksvertretung ohne eine Partei, deren zentrales Motiv die Freiheit ist, keine glaubwürdige Verkörperung eines demokratischen Gemeinwesens mehr wäre.

Foto: Paul Wong, Shutterstock

Freiheit ist ein zeitloses Thema

Man kann angesichts der heutigen Freidemokraten geteilter Meinung sein. Dass Freiheit ein zeitloses Thema für den je Einzelnen wie für alle Menschen ist, sollte unbestritten sein. Nicht nur in Deutschland, in der ganzen westlichem Welt, schafft sich ein illiberaler Geist Platz bzw. kommt an die Macht. Wie wir in der letzten Ausgabe gezeigt haben, leben heute mindestens zwei Drittel der Menschheit in mehr oder weniger unfreien Verhältnissen.

Das Thema steht – nicht ohne gewisses Recht – bei vielen Menschen in anderen Weltteilen unter dem Verdacht, ein Vehikel westlicher Machtausübung und Ideologie zu sein. Zu frisch sind die Erinnerungen an neoimperiale Kriege, die in ihrem Namen geführt wurden. Es bleibt drastisch aktuell, wenn der amtierende US-Präsident den Diktatoren des Erdballs Beifall klatscht.

Freiheit spielt im heutigen muslimischen Denken meistens eine untergeordnete Rolle. Dabei lassen sich in unserer Lebenspraxis Aspekte finden, die mit ihr in einen Zusammenhang gebracht werden können.

Fasten als Akt der Befreiung

Einer davon ist das verpflichtende Fasten im Ramadan. Wir lernen in den Phasen der Enthaltsamkeit, dass man weder ganz von Dingen dieser Welt, noch von den Gewohnheiten des alltäglichen Lebens abhängig sein muss.

Aus dem Akt des Gehorsams gegenüber der Göttlichkeit (was auf den ersten Blick als unfrei erscheint) entsteht für die Fastenden das Potenzial, ein gelassenes Verhältnis zu allem zu entwickeln, das anders ist als Allah.

Foto: sewcream | Freepik

Neben sämtlichen, freiwilligen, zusätzlichen Handlungen steht der Verzicht im Mittelpunkt des Ramadans. Die existenzielle Erfahrung des Fastens – die tief bis in unser Unterbewusstes reicht – zerschlägt alltägliche Abhängigkeiten und konfrontiert uns mit einer großen Angst.

Das ist die Sorge um den Fortbestand unserer Versorgung. Das lehrt, dass wir nicht den Dingen dieser Welt untergeordnet sind, sondern nur dem Schöpfer. Aus diesem Akt kann Freiheit entstehen.

Und Angst ist einer ihrer größten Feinde. Die Ängste von Bürgern überall vor Armut oder Unsicherheit treibt viele derzeit in die Arme von populistischen Rattenfängern. Ihr Geschäft besteht aus ihrer Instrumentalisierung.

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Fasten entfesselt die Seele!

islam Seele

Ramadan ist das Entfesseln einer Seele voller Licht, die in der beschränkten Masse unseres Körpers gefangen ist, eingesperrt durch die Unterwerfung gegenüber dem täglichen Tun. „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, […]

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Musliminnen in aller Welt reagierten souverän auf die Agitprop-Hooligans von Femen

(iz). Den Neo-Jakobinerinnen der Allzweckprotestmaschinerie Femen (mehr dazu in unserer kommenden Printausgabe) muss am 4. April ziemlich kalt gewesen sein. Die für das Wetter augenscheinlich unpassend (un-)bekleideten Mitglieder der Deutschland-Niederlassung des – global agierenden PR- und Medienfranchise – nutzten diesen Tag für einen so genannten „barbusigen Jihad“.

Dass sich die Deutschen Ableger des passiv-aggressiven Protestnetzwerkes [das gelegentlich recht aggressiv mit dem Gesetz aneinander gerät] dabei ausgerechnet eine Moschee im verschlafenen Berliner Stadtteil Wilmersdorf aussuchten, hat der medienwirksamen Aktion mehr als nur eine humoristische Note verliehen. Nach Medienmeldungen wollten die Frauen gegen die angebliche „Unterdrückung der Frau im Islam“ protestieren. Konkret wollten sie damit auch auf die Situation einer tunesischen Bloggerin aufmerksam machen, die sich angeblich in Lebensgefahr befinden soll. Dies wurde allerdings von ihrer Anwältin dementiert.

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Dem Happening wurde der Wind wohl auch dadurch aus den Segeln genommen, dass die betroffene Gemeinde nicht – wie es das PR-Drehbuch wohl offenkundig vorsah – wütend reagierte, sondern das Ganze schlicht und einfach verpasste. Wie der in Berlin erscheinende „Tagesspiegel“ berichtete, habe der Imam den halbnackten Auftritt „sprichwörtlich verschlafen und kann deshalb den Polizisten auch nichts erzählen“. Bisher war unklar, ob die Berliner Aktion strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Muslimische Frauen in aller Welt – und mit den unterschiedlichsten Hintergründen – haben nicht, wie Femen es möglicherweise kalkulierte, mit Begeisterung auf die „Befreiung“ von Außen reagiert. In Deutschland und im Ausland haben muslimische Frauen schnell und souverän auf die Vereinnahmung des Netzwerkes geantwortet, das sich nun allerorten im Kampf für das Gute entblößt.

In Deutschland nutzten Musliminnen unter „#MuslimahPride“ die sozialen Netzwerke, auf denen sie ihre organisierte Antwort auf Femen koordinierten. So wurde am Freitag, den 5. April, ein Gegen-Happening vor derselben Moschee veranstaltet, auf denen muslimische Aktivistinnen darauf aufmerksam machten, dass sie sich von den ukranischen Medienlieblingen alles andere vertreten fühlen.

„Gestern hat eine kleine Gruppe von FEMEN-Aktivistinnen vor der Berliner Ahmadiyya Moschee gegen die 'Unterdrückung der muslimischen Frau' demonstriert. Das finden wir insofern stark, als dass wir auch gegen Unterdrückung sind. Wir sind nur ein wenig eingeschnappt, dass die Party ohne uns stieg. (…) Gegen die BEVORMUNDUNG der muslimischen Frau“, postete das spontane Bündnis auf Facebook. Auf den Bilder finden sich Slogans wie „There is more than one way to be free“ oder „Islam is my choice“.

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Im gleichen Zeitraum wie die Frauen in Deutschland formierte sich international eine ähnliche Gruppe auf Facebook: Muslim Women against FEMEN. Sie möchte dokumentieren, dass die Aggro-Demonstrantinnen weder in ihrem Namen sprechen können, noch dass Femen überhaupt ein echtes Interesse am Leid muslimischer Frauen habe, berichtete das englischsprachige online-Medium „Huffington Post“. „Wäre es da nicht“, fragte eine Frau, „auch angebracht, gegen den tausendfachen Mord an syrischen Frauen und Mädchen zu protestieren?“

„Femen hat unsere Stimme gestohlen“ und „Femen, ich bin eine starke Frau. Sehe ich so aus, als würde ich Imperialisten brauchen, die mich von Unterdrückung befreien?“, hieß es beispielsweise auf den Plakaten, mit denen Frauen sich unter #MuslimahPride in aller Welt ablichten ließen. Die US-amerikanische Aktivisten Ilana Allazeh sagte „Huffington Post“, dass sie unter anderem den stereotypen Gebrauch von Bilder wie Turbanen und Bärten kritisiere. Für sie sei die Vorstellung eines „Internationalen Tages des barbusigen Dschihad“ rassistisch und beleidige muslimische Frauen.

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Dass Femen – wie bei anderen Aktionen gegen die Objekte ihrer Kritik – nicht an einem Dialog gelegen zu sein scheint, lässt sich auch aus der Reaktion der Femen-Führerin Schewtschenko ablesen. Ihr Kommentar auf Muslim Women against Femen war eher einfach gestrickt: „Die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch haben alle Sklaven geleugnet, dass sie Sklaven sind.“ Eine echte Begegnung zwischen Aggro-Feministinnen und muslimischen Frauen muss wohl auf später verschoben werden. (lm/ak)

Link zur Facebook-Seite der deutschen Aktivistinnen.

Die IZ wird die Aktionen der muslimischen Frauen in den nächsten Wochen mit weiteren Beiträgen verfolgen.