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Ergebnisse der Europawahl 2024: Die Ampel geht baden, die AfD dominiert im Osten

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Frust im Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP: Bei der Europawahl hängt die Union die Konkurrenz ab, die AfD landet mit großem Plus auf Platz zwei. Im Osten liegt sie sogar vorn.

Berlin/Brüssel (dpa, iz). Kantersieg für die Union, Klatsche für die Ampel und deutliche Gewinne für die AfD: Bei der Europawahl ist Deutschland nach rechts gerückt. Die AfD landet nach Auszählung aller 400 Kreise bundesweit auf Platz zwei – im Osten sogar auf Platz eins.

Bei den zeitgleich stattgefundenen Kommunalwahlen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern setzte sich die rechtsextreme Partei als stärkste Partei in den Wahlbezirken durch.

In den 27 EU-Staaten waren rund 360 Millionen Bürger wahlberechtigt, davon knapp 61 Millionen Deutsche. Gewählt wurden von Donnerstag bis Sonntag – je nach Land – 720 Abgeordnete für das neue Europäische Parlament, davon am letzten Tag 96 in Deutschland.

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Foto: © Deutscher Bundestag / Thomas Köhler / photothek

Europawahl 2024: Rechtsextreme gewinnen in mehreren Ländern

SPD, Grüne und FDP müssen Verluste einstecken und kommen zusammen nur auf ein knappes Drittel der Wählerstimmen. Auch die Linke bricht ein – und wird von der neuen Partei BSW von Sahra Wagenknecht überholt.

Wie die Bundeswahlleiterin am frühen Montagmorgen auf ihrer Homepage mitteilte, steigert sich die Union leicht auf 30,0 Prozent (2019: 28,9). Die AfD erreicht mit 15,9 ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Abstimmung (2019: 11) – es fällt allerdings niedriger aus als zwischenzeitliche Umfragewerte. In Ostdeutschland ist die Partei mit großem Abstand stärkste Kraft.

Die SPD, die im Wahlkampf auch auf Kanzler Olaf Scholz als Zugpferd setzte, sackt ab auf 13,9 Prozent (15,8) – ihr schlechtestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl überhaupt. Die Grünen rutschen ab auf 11,9 Prozent (20,5). Nur leicht verliert die FDP, die auf 5,2 Prozent (5,4) kommt.

Foto: European Parliament, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Europaweit zeichnet sich Mitte-Rechts-Sieg ab

In ganz Europa gewann das Mitte-Rechts-Bündnis EVP mit der deutschen Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen. Nach einer ersten offiziellen Prognose des Europäischen Parlaments kann die CDU-Politikerin trotz starker Zugewinne von Rechtsaußen-Parteien auf eine zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission hoffen. Insgesamt bleibt das klar proeuropäische Lager weiter das mit Abstand größte.

Europaweit gewannen die zwei bisherigen rechtspopulistischen Parteienbündnisse EKR und ID teils deutlich hinzu. Insgesamt bleibt das klar proeuropäische Lager im Europaparlament aber weiter das mit Abstand größte. Selbst wenn sich alle rechten Parteien zusammenschließen würden, kämen sie voraussichtlich auf weniger als 200 Sitze und wären damit von einer Mehrheit weit entfernt. Diese liegt bei 361 Sitzen.

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Quo vadis Europa?

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Aus muslimischer Sicht können die Ergebnisse der Europawahl 2024 nur Sorgen bereiten. Ein Kommentar.

(iz). Eine große Überraschung ist es nicht: Die Zuwächse der Rechten in Europa gefährden zunehmend die europäische Idee. Offensichtlich sehnen sich Millionen von BürgerInnen des Kontinents nach den guten alten Zeiten und verlangen Ruhe in Zeiten des Veränderungsdruckes. Der Wunsch nach Heimat und der eigenen Kultur ergibt sich aus der Spiegelung des Phantasmas einer „Islamisierung“ des Abendlandes.

In Europa hat das Spiel mit den Ängsten Erfolg

Dabei fürchtet die Rechte nichts mehr als Differenzierung. Zu gut funktioniert das Spiel mit den Ängsten und dem Ressentiment der eigenen WählerInnen. Dieses Gedankengut treibt auch die bürgerlich-konservativen Parteien vor sich her.

Denn die reale, schnelle Lösung für ein Ende der starken Immigration nach Europa, zumindest innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen, ist nicht in Sicht. Das könnte man ehrlich zugeben. Nur Wahlen lassen sich so nicht gewinnen.

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Foto: Jürgen Nowak, Shutterstock

Bedenklich ist ein anderer Aspekt: Immer mehr junge Leute finden es chic, rechts statt links oder grün zu wählen. Dieser Trend nimmt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Renaissance des Nationalismus.

Denn die Probleme der nächsten Jahre – Abwendung der ökologischen Krise, Gefährdung des Wohlstandes und dauerhafte Inflation – werden nicht kleiner. In der Sprache des Wetters formuliert: Die dunklen Wolken über Europa sind nicht mehr zu übersehen.

Und wo stehen die Muslime?

Einerseits: Der vielbesungene politische Islam ist bisher nicht in der Lage, auch nur einen Sitz im Europaparlament zu erringen. Das Wählerpotential bei den Europawahlen summiert sich bei etwa 0,5%. Versuche, eine überzeugende Liste zu formieren, die der Vielfalt der Community tatsächlich entspricht, sind gescheitert. 

Andererseits: Das Engagement in den etablierten Parteien hat viele Muslime ernüchtert. Eine nennenswerte Willkommenskultur der Parteien, zumindest gegenüber praktizierenden Muslimen, besteht bisher nicht.

Im Ergebnis sind die Muslime kein politischer Faktor, sondern dienen nur als ein wichtiges Projektionsfeld in der politischen Auseinandersetzung. Das ist keine sonderliche angenehme Rolle.

Pandemie Muslime Großbritannien

Foto: Rocketclips, Inc., Shutterstock

In der Öffentlichkeit wird die Realität von Millionen Menschen, die in diesem Land Steuern bezahlen und sich absolut gesetzestreu verhalten, von den Rändern und mit Blick auf die Extreme beurteilt. Welche Schlüsse man aus dieser Lage zieht, bleibt in der inner-muslimischen Diskussion offen. Aber auch die Gesellschaft muss sich fragen lassen, ob die Millionen Muslime in Deutschland eine entsprechende faire Repräsentanz in unseren Institutionen erhalten.

Klar ist: Die einzige Alternative für die Muslime in Europa besteht darin, ihr Engagement für den sozialen Frieden und Gerechtigkeit weiter vorzuleben. Die Flucht in Parallelgesellschaften ist keine Option.

Und der Einsatz für die Idee eines freien Europas, das nicht in die gefährlichen Mechanismen der Vergangenheit zurückfällt, verdient nach wie vor unser ganzes Engagement. Die Hoffnung, wonach eine wachsende Zahl der EuropäerInnen einsehen, dass muslimische und europäische Identität keine Widersprüche sein müssen, besteht weiterhin.