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Interreligiöser Dialog in Krisenzeiten: ein Stimmungsbild im Krieg

interreligiöser dialog

Welche Folgen hatte der 7. Oktober für den interreligiösen Dialog? Der Mediendienst Integration hat bundesweit bei Initiativen nachgefragt.

(Mediendienst Integration). Seit den 2000er Jahren sind in Deutschland zahlreiche Initiativen zur Förderung des interreligiösen Dialogs entstanden. Sie erfüllen sehr unterschiedliche Aufgaben – von Workshops und Seminaren über Bildungsangebote in Schulen bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen und Feierlichkeiten.

Sie pflegen Kontakte unter anderem zu jüdischen, muslimischen, christlichen, buddhistischen, Hindu-, Eziden- und Bahái-Glaubensegmeinschaften. Ein Großteil ihrer Aktivitäten wird von Ehrenamtlichen geleistet. Von Lina Steiner

Nach dem 7. Oktober wurde Dialog deutlich schwieriger

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und der anschließenden Reaktion des israelischen Militärs im Gaza-Streifen ist die Arbeit vieler Initiativen und Projekte im Bereich interreligiöser Dialog in Deutschland deutlich schwieriger geworden.

Der Mediendienst hat bundesweit bei interreligiösen Dialoginitiativen nachgefragt: 15 von 33 angefragten Projekten, Gruppen und Institutionen haben geantwortet. Die Projekte berichten über sehr unterschiedliche Erfahrungen: In einigen Fällen sei der Bedarf nach Austausch zwischen Glaubensgemeinschaften noch stärker geworden. In mehreren Fällen mussten Aktivitäten dennoch eingestellt werden. Etliche Mitarbeiter*innen sprechen von zunehmenden Sorgen und Ängsten.

Foto: Simon Bierwald, Stiftung Mercator

Es komme oftmals zu „Missverständnissen“, „Verstimmungen“ und „gegenseitigen Vorwürfen“. Teilnehmer*innen (besonders aus den jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften) hätten sich von den Initiativen zurückgezogen.

Einige Projekte mussten abgebrochen werden

Einzelne Projekte mussten wegen interner Spannungen abgebrochen werden: Ein Projekt endete aufgrund der Angst vor Übergriffen. Ein anderes Projekt mit Schulklassen wurde gestoppt, weil die Referentinnen so widersprüchliche Meinungen zum Nahost-Konflikt hatten, dass ein gemeinsames Auftreten in der Schule nicht möglich gewesen sei. In einem dritten Projekt zog sich die jüdische Gemeinde zurück, was ebenfalls zum Ende des Projektes führte.

Es entstehe das Gefühl, „trotz gutem Willen nichts richtig machen zu können“, wie die Sprecherin einer Initiative in NRW sagt.

Zugleich betonen mehrere Befragte, wie wichtig es gerade jetzt sei, „in Begegnung und Gespräch zu bleiben“. Dass über die Jahre ein Vertrauensverhältnis entstanden ist, hat sich teilweise ausgezahlt: Manche Projekte intensivierten den Austausch. Die Befragung zeigt, dass die meisten Dialogprojekte bestehen blieben.

Trotz Meinungsverschiedenheiten werde der Dialog „konstruktiv“ fortgeführt, „Sensibilität“ und „Achtsamkeit“ seien gestärkt worden, heißt es beispielsweise beim Berliner Forum der Religionen. Auch wenn es großen Diskussionsbedarf gebe, sei der Umgang miteinander nach wie vor „grundsätzlich vertrauensvoll“, teilt eine Initiative aus Hamburg mit.

Ein Projekt aus Baden-Württemberg berichtet von einem „sehr guten, emotionalen, ehrlichen Austausch“ trotz anfänglicher Sorgen. Die gewachsenen Beziehungen hätte sich „als tragfähig auch in der Krise erwiesen“.

Foto: Deutsche Islam Akademie

Berliner DIA entwickelt besondere Angebote

Vier der befragten Projekte haben nach dem 7. Oktober spezifische Angebote zum Thema Krieg im Nahen Osten entwickelt. Ein Projekt hat sich professionelle Beratung zum Thema Umgang mit Konflikten geholt.

Pinar Çetin von der Deutschen Islam Akademie (DIA) bekommt derzeit viele Anfragen für Veranstaltungen zum Thema Dialog in Schulen. Die Politologin leitet seit mehreren Jahren Fortbildungen – unter anderem zum Thema Religion. „Vertrauen ist das wichtigste“, sagt Çetin.

Um eine Vertrauensbeziehung zu Vertreter*innen verschiedener Glaubensgemeinschaften aufzubauen, brauche man Jahre: „Es braucht unheimlich viel Zeit und Kraft. Ja, man muss zusammenkommen, gemeinsam Veranstaltungen organisieren, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsame Ziele verfolgen.“

Auch das interreligiöse Projekt „House of One“ in Berlin bekommt derzeit etliche Anfragen für Bildungsangebote zum Thema Krieg im Nahen Osten in Schulen. Die Konflikte seien nicht neu, sagt der theologische Referent des Projektes, Osman Oers.

Sie hätten allerdings aufgrund der jüngsten Eskalation eine neue, viel besorgniserregendere Dimension erreicht: „Wir sehen, dass in Krisenzeiten bestimmte Denkmuster und Feindbilder stärker reproduziert werden.“

Diesen könne man oftmals durch eine gezielte Wissensvermittlung begegnen: „Schüler*innen sind sehr wissbegierig, wenn es um die eigene sowie um andere Religionen geht. Oftmals herrscht aber viel Unwissen. Dadurch kann ein fruchtbarer Boden für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entstehen.“ Deshalb sei es umso wichtiger, die Projekte weiterhin anzubieten und durchzuführen.

* Veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.

Trotz Dialog: Kirchen sollen nicht in Moscheen umgewandelt werden dürfen. Von Ali Kocaman

Trotz vieler Beteuerungen im interreligiösen Dialog trägt dieser im Alltag nicht immer Früchte. Immer noch wehren sich Vertreter der großen Kirchen gegen den Verkauf ihrer Immobilien an ­muslimische Gemeinden.

(IZ/Agenturen). Der „interreligiöse Dialog“ gehört seit Langem zum Alltags­geschäft großer Kirchen. Anfänglich zwischen den dominanten christ­lichen Konfessionen und jüdischen Gemeinden geführt, wurde er bereits vor ge­raumer Zeit auch auf die deutschen Mus­lime ausgeweitet. Trotz diverser Großtref­fen und öffentlicher Beteuerungen ­fragen sich nicht wenige Muslime, welche konkrete Früchte er – jenseits medien­wirk­samer Auftritte – getragen hat. Werden Muslime öffentlich angegriffen oder sind Medienkampagnen ausgesetzt, sind es nur selten ihre Dialogpartner, die öffentlich für sie eintreten.

Am 21. Juni nahmen Spitzenvertreter des Koordinationsrates der Muslim (KRM) und der Evangelischen Kirche (EKD) einen erneuten Anlauf, ihr seit mehr als drei Jahren angespanntes Verhältnis wieder zu verbessern. Nach Angaben des turnusmäßigen KRM-Sprechers Kizilkaya habe das Treffen in einer „ausgesprochen herzlichen und offenen Atmosphäre stattgefunden“. Ganz wichtig sei, dass „wir heute konkret verabredet haben, eine verbindliche Arbeitsebene zu etablieren“. Zu erheblichen Differenzen zwischen EKD und KRM kam es ab 2006 nach dem EKD-Papier „Klarheit und gute Nachbarschaft“, das unter Ägide des damaligen EKD-Chefs Huber und mit Beteiligung evangelikaler Hardliner entstand.

Prüfstein der guten Absichten können offenkundig nicht die vollmundigen Erklärungen sein, sondern konkrete Handlungsweisen im Alltag. Eine der Stolperfallen ist die Frage, ob und wie ehemalige Kirchengebäude zu religiösen Zwecken an muslimische Gemeinden verkauft werden dürfen. Die Stimmung in dieser Frage – sowohl bei Kirchenbürokratie wie bei lokalen Gemeinden – ist stellenweise deutlich ablehnend. Ob diese Haltung allerdings angesichts des demographischen Niedergangs durchgehalten werden kann, ist noch unentschieden.

Trotz eindeutiger Stellungnahmen (wie beispielsweise in der EKD-Handreichung) oder bei aktuellen Fällen ist die Wirklichkeit durchaus ambivalent. So hat im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg die dortige Türkisch-Islamische Gemeinde das Gebäude der einstigen Neuapostolischen Kirche übernommen. Und in Berlin gibt es mindestens fünf muslimische Gemeinden, die ihre Moscheen nun in ehemaligen Kirchen haben.

Syrien: Großmufti Ahmad Hassoun agiert als Sprachrohr der Tyrannei. Eine Polemik von Sulaiman Wilms

(iz). Normalerweise sind wir Muslime ­angehalten zu schweigen, bevor wir etwas ­Schlechtes sagen. Mehr noch, das Schweigen gilt in der spirituellen Tradition des Islam als ­Tugend und wird an unzähligen […]

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Ein Zwischenruf von Wolf D. Ahmed Aries

(iz). Am Ende eines Abends sahen ein älterer Kollege und ich uns an und stellten fest, daß es das Übliche gewesen war. Seit vierzig Jahren werden im Dialog die gleichen […]

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