Kriege, wirtschaftliche Schocks und klimatische Belastungen führen in vielen der am stärksten gefährdeten Regionen der Welt zu einer Verschärfung der Versorgungsunsicherheit. (IPS). Dies geht aus dem aktuellen Bericht „Hunger Hotspots“ […]
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Kriege, wirtschaftliche Schocks und klimatische Belastungen führen in vielen der am stärksten gefährdeten Regionen der Welt zu einer Verschärfung der Versorgungsunsicherheit. (IPS). Dies geht aus dem aktuellen Bericht „Hunger Hotspots“ […]
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(KNA). In Banjul, der Hauptstadt von Gambia in Westafrika. Das kleine, schmale Land ist vom großen Nachbarn Senegal komplett umgeben und vor allem als Urlaubsdestination für Briten bekannt. Moderne Hotels, große Pools und Sandstrände mit Palmen einerseits. Von Frida Nsonde & Katrin Gänsler
Andererseits lebt, verschiedenen Schätzungen zufolge, etwa jeder zweite Gambier – die Bevölkerung liegt bei rund 2,8 Mio. – unterhalb der Armutsgrenze. Schon geringe Preissteigerungen haben eine große Wirkung – auch für Taxifahrer Omar Chorr.
Er muss sein Auto gerade betanken, steht an der Zapfsäule und beobachtet, wie der zu zahlende Betrag auf dem Display weiter in die Höhe klettert. Die Preise seien gestiegen über die vergangenen Wochen, erklärt er – „wegen des Krieges im Iran, sagen die Leute“. Selbst die Gasflaschen zum Kochen seien deutlich teurer geworden. „Die Lage ist nicht leicht“, sagt er.
Die Preiserhöhung bestätigt Modou Ceesay, Manager der star-Tankstelle am Verkehrsknotenpunkt Turntable. Der Liter Benzin sei von zuvor etwa 80 Dalasi (0,9 Euro) um 14 Dalasi (0,16 Euro) gestiegen. „Der Preisanstieg für Diesel liegt bei rund 18 Dalasi“, so Ceesay. Umgerechnet sind das 0,21 Euro. Wer monatlich nur zwischen umgerechnet 100 und 200 Euro zur Verfügung hat, spürt jeden Cent weniger in der Tasche.
Immerhin, in Gambia hat sich die Regierung von Adama Barrow für eine Benzinsubvention entschieden. Für April hat sie dafür nach eigenen Angaben 316 Mio. Dalasi – 4,2 Mio. Euro – ausgegeben. Ohne die Subvention wäre die Lage zweifellos gravierender, zeigt sich Tankstellen-Manager Ceesay überzeugt.
Auch Pendler spüren den Preisanstieg. In unmittelbarer Nähe füllen sich Minibusse, das übliche Transportmittel in Gambia. „Vor einer Woche wurden die Transportpreise angehoben“, sagt Gehilfe Saidou Barry. Der junge Mann kassiert während der Fahrt das Geld ein.
Eine einfache Strecke, die zuvor 10 oder 12 Dalasi kostete, kostet nun 15 Dalasi. Für Strecken, die bisher 30 oder 50 Dalasi kosteten, müssen Fahrgäste nun jeweils 15 Dalasi mehr hinlegen. Die Erhöhung geht auf einen Beschluss des Transportministeriums nach einer Beratung mit der Transportgewerkschaft zurück.
Während es in Gambia noch Benzin gibt, haben in den vergangenen Wochen bereits mehrere Länder die Abgabemengen eingeschränkt. Vielerorts – etwa in Malawi und Namibia – bilden sich Berichten zufolge lange Schlangen vor den Tankstellen. In Mosambik ordnete die Regierung an, nach Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten und unnötige Fahrten zu vermeiden.
Weitaus dramatischer ist die Lage längst im Sudan, wo seit drei Jahren Krieg herrscht. In der Region Ost-Darfur wird mithilfe von Dieselgeneratoren Wasser aus Bohrlöchern in Tanks oder Rohrleitungen gepumpt. Steigt der Dieselpreis, wird auch das Trinkwasser teurer.
Nach Angaben von Mohammed Gebril, Koordinator für Wasser und Sanitärversorgung beim christlichen Hilfswerk World Vision in Ost-Darfur, stiegen die Wasserpreise nach der Sperrung der Straße von Hormus bereits um 30 Prozent – und das ausgerechnet jetzt: Die Temperaturen klettern aktuell auf über 40 Grad Celsius. Haben Menschen kein sauberes Wasser, steigt außerdem das Risiko für Erkrankungen wie Typhus und Cholera.
Nervös ist man hingegen auf Madagaskar; zwei Wochen lang galt dort gerade der Notstand. Denn auf der Insel im Indischen Ozean ist nur zu gut bekannt, welche weitreichenden Folgen Wasser- und Stromengpässe haben können.
Diese erlebte Madagaskar erst im vergangenen Jahr; Proteste der „Gen Z“ folgten und schwächten die Regierung von Präsident Andry Rajoelina. Das Militär nutzte seine Chance – und stürzte die Regierung schließlich.
Doch es sind längst nicht nur gestiegene Benzinpreise, die den Alltag erschweren. Vielerorts wird auch Dünger knapp. Laut UNCTAD, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, wird etwa ein Drittel des weltweiten Seehandels mit Düngemitteln – das entspricht rund 16 Millionen Tonnen – durch die Straße von Hormus abgewickelt.

Foto: Aerial View/Adobe Stock
In Kenia kündigte die Regierung nun an, zwei Millionen Säcke subventionierten Düngers an mehr als sechs Millionen Farmer im Land zu verteilen. Diese hatten zuvor vor Ernteausfällen gewarnt.
Sollte es dazu kommen, könnte das gravierende Folgen für die Ernährungssituation haben. Kenia ist kein Einzelfall. Das Welternährungsprogramm schätzte gerade, dass weltweit zusätzlich 45 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein könnten, falls der Konflikt nicht bis Mitte des Jahres beendet wird.
Davon lebten fast zwei Drittel in Afrika und Asien. Alleine im Sudan sind derzeit bereits mehr als 19 Mio. Menschen von akutem Hunger bedroht.
Unklar ist außerdem, welche Folgen der Krieg auf die Rücküberweisungen hat, die für Privathaushalte und Staaten eine wichtige Lebensader sind. Nach Weltbank-Angaben erhielt Subsahara-Afrika im Jahr 2021 schätzungsweise 49 Mrd. US-Dollar (rund 42 Mrd. Euro) an Rücküberweisungen.
In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain und dem Oman leben Schätzungen zufolge rund fünf Millionen afrikanische Migranten, die dort in Privathaushalten, im Baugewerbe und in der Logistik arbeiten. Gehen dort die Einkommen zurück oder verlieren sie gar ihre Jobs, wirkt sich das auch in ihren Heimatländern aus.
(Quincy Institute). Nachdem er den obersten Führer des Iran getötet hatte, sagte Donald Trump den Iranern, sie sollten „die Macht in ihrer Regierung übernehmen“, da dies „wahrscheinlich ihre einzige Chance seit Generationen“ sei. Von N. Gallagher, C. Ramsay & Samuel Hickey
Fünf Wochen später, als die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten des Krieges gegen den Iran stiegen und eine zunehmend rigorosere Führung die Kontrolle verschärfte, beharrte Trump darauf, dass das dortige Volk ihn anflehe, die Bombardements fortzusetzen, bis es frei sei.
Trumps Parolen gehen von einer schweigenden iranischen Mehrheit aus, die den Vereinigten Staaten vertraut und das derzeitige Regime so stark hasst, dass sie jegliche Diplomatie mit ihm ablehnt, strenge Sanktionen befürwortet, um es auszuhungern.
Und die Zerstörung der nationalen Infrastruktur fordert, bis sie die repressiven Autoritären durch eine säkulare Demokratie nach westlichem Vorbild ersetzen kann.
Unterstützt wird diese Darstellung durch freiwillige Umfragen, die Daten von einer Teilgruppe der Bevölkerung sammeln (wie beispielsweise Abonnenten eines einzelnen VPN-Anbieters), sowie durch Interviews westlicher Medien mit einer kleinen Anzahl von Personen innerhalb des Iran.
Seit 2014 haben wir dort 22 repräsentative Umfragen durchgeführt, wobei wir uns auf bewährte Methoden für Meinungsumfragen in autoritären Ländern stützten. Unsere Analyse zeigt, warum es ein schlechtes Kalkül war, darauf zu setzen, dass Luftangriffe einen Volksaufstand zum Sturz der Islamischen Republik Iran auslösen könnten.
Anhand von gepolten Daten aus 15 Umfragen, die zwischen 2014 und 2024 durchgeführt wurden, haben wir Befragte mit positiver und negativer Einstellung gegenüber den Vereinigten Staaten verglichen – sowohl vor als auch nach dem Rückzug Washingtons aus dem Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA) im Jahr 2018. Die Minderheit, die den USA wohlwollend gegenüberstand, sank drastisch von 26,5 % vor dem Rückzug auf 14,3 % danach.
Diese schrumpfende pro-amerikanische Minorität entspricht nicht der Wählerschaft, die sich die Befürworter eines maximalen Drucks vorstellen. Vielmehr befürwortet sie diplomatische Lösungen stärker als der Rest der Bevölkerung, hat ein größeres Augenmerk auf die menschlichen Kosten von Sanktionen und zeigt sich in Sicherheitsfragen überraschend nationalistisch.
Repräsentanten der Trump-Regierung haben stets die Ansicht vertreten, dass ein massiver Druck seitens der USA eine politisch nützliche Anti-Regime-Bewegung im Iran auslösen könnte.
Zu Beginn seiner ersten Amtszeit argumentierte Trump, das JCPOA habe Teheran eine „politische und wirtschaftliche Rettungsleine“ gewährt, kurz bevor es zu einem „vollständigen Zusammenbruch des iranischen Regimes“ gekommen wäre.
In einer Rede vor der Heritage Foundation im Jahr 2018, in der er die Strategie für die Zeit nach dem JCPOA vorstellte, erklärte sein Außenminister, dass die USA „beispiellosen finanziellen Druck auf das iranische Regime ausüben“ würden, bis dieses den Forderungen der USA nachgäbe oder so geschwächt sei, dass das dortige Volk endlich „eine Entscheidung über seine Führung treffen“ könne.
Der Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Jahr war von derselben sozialen Theorie des Regimewechsels motiviert, ergänzt durch Luftmacht. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu richtete während des Angriffs einen im Fernsehen übertragenen Appell an die Iraner: „Wir ebnen auch den Weg für euch, damit ihr euer Ziel, nämlich die Freiheit, erreichen könnt … das Regime war noch nie schwächer … erhebt euch und lasst eure Stimmen hören …“
Dieser strategische Ansatz verband vier unterschiedliche Einstellungen der Bevölkerung miteinander: Unzufriedenheit mit der Islamischen Republik, positive Einstellung gegenüber den Amerikanern, Vertrauen in Washington und Unterstützung für die harte Politik der USA. Unsere Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die iranische Wählerschaft, die für einen Regimewechsel durch maximalen Druck erforderlich gewesen wäre, weitgehend eine Illusion war.
Im Vergleich zum durchschnittlichen Iraner ist die den USA positiv gegenüberstehende Minderheit eher großstädtisch geprägt, gebildeter, wohlhabender und mit nichtstaatlichen Medien vertraut. So machen beispielsweise Einwohner, die in der Provinz Teheran leben, 15,8 % der wohlwollenden Kohorte aus, aber nur 9,8 % der negativen. In der positiv eingestellten Gruppe überwiegen leicht die Männer, doch entsprechen Lebensalter und ethnische Zusammensetzung der Verteilung in der Gesamtbevölkerung.
Es handelt sich hierbei um eine kleine, weltoffene Gruppe und nicht um eine breite, aufgebrachte Unterschicht, die bereit ist, sich radikalisieren zu lassen. Sie ist weniger daran interessiert, dass religiöse Lehren die Politik beeinflussen, und vertritt eher die Ansicht, dass es den iranischen Machthabern egal ist, was Menschen denken. Doch eine weltoffenere Haltung und eine Entfremdung von der Herrschaft der heimischen Elite bedeuten nicht zwangsläufig, dass man externe Zwangsmaßnahmen oder Angriffe befürwortet.
Dies ist der entscheidende Punkt der ganzen Geschichte. Trumps Regierungsvertreter gingen immer wieder so vor, als würde Sympathie für die US-Bürger und Frustration über die Islamische Republik automatisch eine Unterstützung für Washingtons Zwangsstrategie bedeuten. Doch ein Iraner kann das amerikanische Volk mögen, Teheran ablehnen und dennoch den Zwang durch die US-Regierung abweisen.
Die Minderheit, die einer Verbesserung der Beziehungen zu den USA am offensten gegenüberstand, reagierte auch am empfindlichsten auf die sozialen Kosten der Sanktionen. Sie gab häufiger als die den USA ablehnend gegenüberstehende Gruppe an, dass die Druckmittel erhebliche negative Auswirkungen auf die normale Bevölkerung hätten: 68,8 % gegenüber 52,4 % vor dem Rückzug und 68,4 % gegenüber 61,5 % danach. Dies widerspricht der Behauptung, dass diese Gruppe wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen befürwortet.
Die einfachste Tatsache ist vielleicht die verheerendste für die Weltanschauung des „maximalen Drucks“. Die Strategie, die darauf abzielte, das Regime zu schwächen und Amerikas gesellschaftliche Basis im Iran zu verbreitern, hat diese Vorhut nicht vergrößert.
Unseren Daten zufolge sank der Anteil der USA-freundlichen Gruppe von 26,5 % auf 14,5 %, nachdem Washington aus dem JCPOA ausgestiegen war. Der maximale Druck hat die pro-amerikanische Stimmung nicht verstärkt; er hat dazu beigetragen, fast die Hälfte der Freunde der USA zu verprellen.
Es sollte niemanden überraschen, dass der am 28. Februar begonnene Krieg die regierungskritischen Proteste im Iran nicht erhöht hat. Die Umfrage, die wir kurz nach dem Zwölf-Tage-Krieg durchgeführt haben, zeigte Anzeichen dafür, dass er einen „Rally-around-the-flag“-Effekt hatte.
Trump hatte zudem vor dem Krieg Warnungen von den Geheimdiensten erhalten, dass seine Annahmen über die Reaktion der iranischen Öffentlichkeit falsch waren. Nach wochenlangen Bombardements berichtete Reuters, dass die US-Dienste keinen unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Regimes erwarteten.
Die Umfragen des CISSM zeigen immer wieder, dass im Iran echte Unzufriedenheit herrscht. Doch die iranische Unzufriedenheit unterliegt nicht dem Willen der USA. Die Minderheit, die in unseren Befragungen eine wohlwollende Haltung zeigt, ist weltoffener, steht der innenpolitischen Ordnung skeptischer gegenüber, hat eine positivere Einstellung zum amerikanischen Volk und ist stärker an Diplomatie interessiert als der Rest der Bevölkerung. Sie ist jedoch keine Basis für einen Regimewechsel, die auf ein Signal aus Washington wartet.
Es gibt eine Wählerschaft, die sich für Gegenseitigkeit und ein gerechtes Atomabkommen einsetzt. Es gab nie Anzeichen für eine nennenswerte Wählerschaft, die auf maximalen Druck setzte, geschweige denn auf eine Befreiung durch Bombenangriffe.
* Dieser Text ist am 21.04. im Magazin „Responsible Statecraft“ (Quincy Institute) erschienen. Übersetzung und Abdruck im Rahmen der vorgegebenen Regeln.

4 Fragen, die Sie stellen können, um die Zuverlässigkeit von Nachrichtenberichten und Beiträgen in sozialen Medien zum Krieg zwischen den USA und dem Iran zu beurteilen (The Conversation). In der […]
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Der Iran-Experte Vali Nasr hat eine Einführung in die iranische Großstrategie geschrieben, die sich wohltuend von hiesigen Medien-Phrasen abhebt. (iz). Seyyed Vali Reza Nasr, 1960 in Teheran als Sohn des […]
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(iz). Steigende Energiepreise, ausgelöst durch geopolitische Verwerfungen und verschärft durch den Irankrieg, greifen tief in Routinen ein, die zuvor als selbstverständlich galten: reisen, pendeln, spontan einen Flug buchen und am Wochenende ans Meer fahren.
Wer sich Mobilität leisten kann, wer nicht, ist zur neuen sozialen Schicksalsfrage geworden – und sie ist politisch brisanter, als es in den nüchternen Kurven der Energiestatistiken erscheint. Im Mittelpunkt der Krise steht das Auto, über Jahrzehnte des Deutschen liebstes Kind und für Generationen ein Symbol für das Versprechen eines freiheitlichen Lebens.

Foto: Freepik.com
Die aktuelle Energiekrise baut auf einer sich länger anbahnenden Verwundbarkeit auf: Die europäische Volkswirtschaft hat sich über Jahrzehnte an billigere fossile Importe gewöhnt, sei es Gas aus Russland oder Öl aus dem Nahen Osten.
Der Irankrieg verschärft diese Abhängigkeit schlagartig. Schon die Aussicht auf eine längere Sperrung der Straße von Hormus treibt die Ölpreise immer weiter nach oben, Versicherungen verteuern Transporte, Raffinerien und Märkte preisen die Unsicherheit ein.
#Bisher hat die Bundesregierung kein überzeugendes Mittel gefunden den Anstieg der Energiepreise einzuhegen. Wie sich dieser Sachverhalt auf die Psyche der an Mobilität gewohnten BürgerInnen auswirkt, ist eine offene Frage.
Was in den Rohstoffcharts als Volatilität erscheint, übersetzt sich im Alltag in Streichlisten. Autopendler rechnen ihre Strecken neu; Familien verschieben Urlaubsreisen, kürzen Aufenthalte oder verzichten ganz. Reiseveranstalter berichten von zögerlichen Buchungen, Airlines geben gestiegene Kerosinkosten weiter, während zugleich der klimapolitische Druck wächst, Flüge deutlich zu verteuern.
Die Energiekrise trifft so auf eine Tourismusbranche, die seit der Pandemie ohnehin mit einer fragilen Nachfrage lebt – und auf Konsumentinnen und Konsumenten, die zwischen Klimasorge, Inflationsangst und Fernweh hin- und hergerissen sind.

Foto: Islamic Relief Deutschland
Zygmunt Bauman hat die Gegenwart als „flüchtige Moderne“ beschrieben: eine Epoche, in der feste Institutionen erodieren und biografische Stabilität zur Ausnahme wird. Alles ist in Bewegung: Lebensläufe zerfallen in Episoden, Beziehungen werden reversibel, Tätigkeiten projektförmig; Sicherheit wird nicht mehr kollektiv garantiert, sondern zunehmend individuell organisiert.
In dieser Welt wird Mobilität zum entscheidenden Distinktionsmerkmal. Bauman zeichnet Figuren, die diese Logik verkörpern: den Touristen, den Flaneur oder den Spieler. Der Tourist ist nicht nur Urlauber, sondern Chiffre eines Lebensstils: immer unterwegs, stets wählend, permanent in der Lage, Szenen abzubrechen und neu anzufangen. Mobilität ist dabei nicht nur ein physisches, sondern auch ein soziales Phänomen, zwischen Jobwechsel, Wohnortwechsel, und digitalem Nomadentum. Wer mobil ist, bleibt im Spiel; wer immobil wird, gilt als zurückgeblieben.
Vor diesem Hintergrund erhält die Energiekrise eine tieferliegende Bedeutung. Wenn Reisen plötzlich teuer und unberechenbar wird, wenn Pendeln zur finanziellen Zumutung gerät, bricht nicht nur eine Komfortzone weg, sondern ein Kernversprechen der flüchtigen Moderne: dass Optionen im Prinzip unbegrenzt sind, und dass sich Identität durch jederzeit mögliche Ortswechsel stabilisieren lässt. Die Krise des Benzinpreises ist so nicht zuletzt eine Krise der spätmodernen Selbstbeschreibung.
In diese Lage hinein tritt die Elektromobilität als technologisches und politisches Versprechen einer sauberen Technik. Sie soll die Abhängigkeit von fossilen Importen mindern, lokale Emissionen senken und gleichzeitig das Versprechen individueller Mobilität retten.
Die Elektroflotte – vom E‑Auto bis zum E‑Bus – steht damit für eine Art techno-progressive Kompensation: Die Reise soll weitergehen, nur sauberer.
Doch dieses Versprechen ist fragil. Strom ist in Europa selbst Teil der Energiekrise; hohe Gaspreise treiben Stromkosten, und der Ausbau erneuerbarer Erzeugung, Netze und Speicher hinkt dem politischen Anspruch hinterher. Die Lieferketten für Batterierohstoffe sind geopolitisch verwundbar, von Lithium bis Kobalt, und die Produktion konzentriert sich in wenigen globalen Zentren.
So droht Elektromobilität, zu einer Mobilität für jene zu werden, die sich den Umstieg leisten können: gutverdienende urbane Milieus, die E‑Autos kaufen, Photovoltaik installieren und von staatlichen Förderprogrammen profitieren.
Wer in ländlichen Regionen lebt, mit älteren Fahrzeugen, unsicheren Einkommen und schwacher Ladeinfrastruktur, sieht dem E‑Versprechen dagegen skeptisch zu. Elektromobilität kann die Abhängigkeit von Öl langfristig reduzieren – doch ohne eine soziale Flankierung besteht die Gefahr, dass sie die Kluft zwischen Mobilen und Nicht-Mobilen vertieft.
Foto: knirpsdesign | Shutterstock
Die steigenden Kosten für Energie und Verkehr formen eine neue gesellschaftliche Figur: den Nicht-Mobilen wider Willen. Es sind die Menschen, für die der tägliche Weg zur Arbeit nur mit dem Auto möglich ist, weil der Bus längst ausgedünnt wurde; jene, für die der Besuch bei Verwandten im Ausland am Flugpreis scheitert; jene, die Urlaubsreisen als Teil eines „normalen“ Lebens begreifen, nun aber verzichten müssen.
In einer Kultur, die Mobilität als Ausdruck von Freiheit und Selbstverwirklichung inszeniert, wird erzwungene Immobilität zur symbolischen Demütigung. Wer nicht reisen, nicht wechseln, nicht „flexibel“ sein kann, erlebt die dominante Erzählung der flüchtigen Moderne als permanente Kränkung. Aus dieser Kränkung erwächst politisches Potenzial – und zwar nicht im Sinne konstruktiver Gestaltung, sondern im Sinne ressentimentgeladener Ventile.
Rechtspopulistische und systemkritische Parteien bieten hier einfache Narrative: „Der Klimaschutz ist schuld an euren Rechnungen“, „die da oben“ würden mit ihren Flugreisen und Elektroautos über den Rest der Bevölkerung hinwegregieren.
Versprochen werden billiger Sprit, die Rücknahme von CO₂‑Preisen, das Ende „ideologischer“ Verkehrspolitik – ein Rückkehrversprechen in die Ära der billigen fossilen Mobilität, die faktisch längst geopolitisch zerstört ist. Die Nicht-Mobilen werden damit zur Zielgruppe einer Politik, die Wut kanalisiert, aber keine tragfähige Antwort auf die strukturelle Energiekrise bietet.
Die Angst, Klimapolitik könne eines Tages in ein ökologisches Zwangssystem münden, speist sich aus sehr konkreten Erfahrungen: der Pandemie. Damals wurden Bewegungsfreiheit, Reisen, Versammlungen in einem bisher ungekannten Umfang eingeschränkt; Grenzschließungen, Ausgangsbeschränkungen und Zugangskontrollen prägten den Alltag.
Viele haben diese Phase als Schock gespeichert – nicht nur gesundheitlich, sondern als politisch-existenzielle Zumutung. Wie werden moderne Staaten die Energieknappheit organisieren?
Wenn nun über Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen diskutiert wird – Tempolimits, Fahrverbote in Innenstädten, höhere Kerosinsteuern, strengere Regeln für Kurzstreckenflüge –, lesen manche diese Vorschläge nicht als demokratisch verhandelte Regulierung, sondern als Vorboten eines dauerhaften Regimes ökologischer Kontrolle.
Hinzu kommt eine technokratische Sprache, die mit „Zielen“ und „Instrumenten“ operiert, aber wenig über Verteilungsgerechtigkeit und Mitsprache spricht. Am Horizont formieren sich schon neue Spannungsfelder, zwischen denen, die die Gesellschaft ökologisch umbauen wollen und jenen, die die alten Verhältnisse herbeisehnen.
Entscheidend wird sein, ob ökologische Mobilitätspolitik als Projekt erlebt wird, das Lasten fair verteilt und Alternativen schafft – etwa durch günstigen und zuverlässigen öffentlichen Verkehr, durch Unterstützung beim Umstieg, durch regionale Angebote –, oder als Top‑down‑Verordnung, die vor allem jene trifft, die wenige Optionen haben.
In einem Klima des Misstrauens kann jede neue Maßnahme, selbst wenn sie rational begründet ist, als weiterer Beleg für den ökologischen Paternalismus gelesen werden.
Die Energiekrise im Kontext des Irankriegs legt eine tiefe Bruchlinie frei: Mobilität ist nicht mehr selbstverständlich, sondern zur raren Ressource geworden. In Baumans flüchtiger Moderne, die von Beweglichkeit und Wahlmöglichkeiten lebt, wirkt diese Verknappung wie ein Systemfehler – sie entzieht einer ganzen Kultur ihr zentrales Versprechen.
Elektromobilität bietet eine Zukunftsspur, aber keine automatische Erlösung: Sie kann Mobilität entkoppeln von fossilen Schocks, sie kann Städte leiser und Luft sauberer machen, sie kann Fernreisen partiell „grüner“ erscheinen lassen.
Doch ohne soziale Gerechtigkeit im Zugang zur neuen Mobilität, ohne robuste öffentliche Infrastruktur und ohne transparente politische Prozesse droht sie, neue Ungleichheiten zu produzieren. Die ökonomische Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme wird die aktuelle Energiekrise jedenfalls dramatisch verschärfen.
Am Ende steht eine politische Entscheidung: Wird die ökologische Transformation genutzt, um Mobilität als öffentliches Gut neu zu organisieren – demokratisch kontrolliert – oder etabliert sich eine Zweiklassengesellschaft der Beweglichen und der Zurückgelassenen, in der die Nicht-Mobilen zum Reservoir für Parteien werden, die mit einfachen Parolen eine komplexe Krise ausbeuten?
Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über Urlaubspläne, sondern über das Selbstverständnis der liberalen Demokratien im Zeitalter der Energieknappheit.

(iz). Angriffe auf Tanker, Raffinerien und Gasanlagen von Saudi-Arabien bis Katar, Luftschläge gegen Ziele auf der iranischen Insel Charg sowie immer neue Drohungen haben zentrale Knotenpunkte des Energiehandels verwundbar gemacht.
Der Preis für Rohöl ist deutlich gestiegen und Terminkontrakte signalisieren anhaltende Knappheit. Für eine Weltwirtschaft, die sich erst von Pandemie, Ukrainekrieg, Inflation und Zinsschock erholt, ist das ein weiterer Schlag von außen.
Besonders exponiert sind Europa und Asien. Die EU importiert den Großteil ihres Öl- und Gasbedarfs und bleibt trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien an die globalen Märkte gebunden.
Steigende Energiepreise wirken sich direkt auf die Handelsbilanz, Unternehmensgewinne und private Haushalte aus. Energieintensive Branchen drosseln ihre Investitionen oder verlagern ihre Produktion, da sie die höheren Kosten nur begrenzt weiterreichen können.
Der finanzpolitische Spielraum vieler Staaten ist nach den letzten Krisen gering: Zusätzliche Entlastungspakete würden die Schuldenquote weiter in die Höhe treiben, ohne die strukturelle Abhängigkeit zu verringern.
Foto: ipopba, Freepik.com
Für die Geldpolitik entsteht ein Dilemma, weil Zinssenkungen zwar die Rezession abmildern, zugleich aber einen neuen Inflationsschub befeuern könnten.
Parallel dazu erreichte der Schock die Finanzmärkte. Die Aktienkurse energieabhängiger Industrien – von der Chemie- über die Luftfahrt- bis zur Logistikbranche – gerieten unter Druck, da Anleger Gewinnwarnungen und steigende Kapitalkosten einpreisten. Die Schifffahrt leidet unter höheren Versicherungsprämien und Umwegkosten, wenn Routen um Krisengebiete herumgeführt werden müssen.
Während breite Indizes deutlich an Wert verloren, legten Rüstungsindustrie und Energiekonzerne zu. Die Anleihemärkte reagierten mit steigenden Renditen: Das heißt, Risikoaufschläge für hochverschuldete Staaten nehmen zu, weil Investoren zusätzliche Kompensation für die Unsicherheit verlangen.
Damit verteuert sich die Refinanzierung dort, wo neue Ausgaben zur Abfederung der Energiepreise politisch am dringendsten erscheinen.
In vielen Schwellenländern verstärkt der Ölpreisschub bestehende Schwächen. Importierende Staaten in Afrika und Asien müssen mehr für Treibstoff und Dünger zahlen, wodurch Haushalte, Staatsbudgets und Handelsbilanzen gleichzeitig belastet werden. Ihre Währungen geraten unter Druck, wenn Investoren Kapital in als sicherer wahrgenommene Märkte umschichten.
Den Regierungen bleibt nur die Wahl, entweder Subventionen auszuweiten und ihre Verschuldung zu erhöhen oder die Preise an die Verbraucher weiterzugeben und damit soziale Spannungen zu riskieren.
Die Entwicklungsbanken warnten, dass höhere Energie‑ und Transportkosten die Armutsbekämpfung um Jahre zurückwerfen können, weil Lebensmittel teurer werden und öffentliche Investitionsprogramme gekürzt werden müssen.
Selbst unter den Ölproduzenten verläuft die Bruchlinie durch die betroffenen Regionen. Staaten mit beschädigter Infrastruktur oder blockierten Seewegen verlieren Einnahmen, während jene außerhalb der Konfliktzone von hohen Preisen profitieren.
Foto: en.kremlin.ru
Die reichen Golfmonarchien verfügen zwar über große Devisenreserven und Staatsfonds, die kurzfristige Ausfälle abfedern können.
Gleichzeitig steigen die politischen Risiken, wenn Diversifizierungsprojekte ins Stocken geraten und der Golf als sicherer Investitions- und Tourismusstandort an Attraktivität verliert.
Für Regierungen, deren Legitimität auf hohen Staatsausgaben und subventionierten Lebenshaltungskosten beruht, ist der Ölpreis somit zugleich Puffer und potenzielle Bruchstelle. Insbesondere für Dubai ist dieser Krieg existenzgefährdend.
Ökonomische Institute und Energieagenturen sehen drei zentrale Übertragungskanäle eines Irankrieges: teurere Energie, verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine wachsende Unsicherheit, die Investitionen hemmt.
Bereits jetzt sind Krisensymptome erkennbar: schwankende Märkte, steigende Risikoaufschläge für Staatsanleihen und verschärfte Verteilungskonflikte um knappe öffentliche Mittel. Während rohstoffnahe Konzerne und Teile der Finanzbranche profitieren, drohen einkommensschwachen Haushalten in reiche und armen Ländern Einkommensverluste.
Aus Sicht vieler Fachleute ist dies weniger eine naturgegebene Folge des Krieges, sondern vielmehr das Ergebnis anhaltender Entscheidungen von Regierungen, die für fossile Abhängigkeiten votieren.
Solange diese Struktur fortbesteht, wird der Konflikt mit dem Iran nicht nur eine Episode der Gewalt bleiben, vielmehr den Auftakt zu einer längeren Phase erhöhter ökonomischer und politischer Instabilität bilden.
(iz). Als in der Nacht vom 7. auf den 8. März israelische Flugzeuge mehrere Öl- und Treibstofflager rund um Teheran bombardierten, begann ein zweiter, langsamerer Krieg: der gegen Luft, Wasser und Böden des Landes.
Über der Zehn-Millionen-Metropole türmten sich laut dem Conflict and Environment Observatory (CEOBS) und BBC-Analysen gigantische Rauchfahnen, gespeist aus vier zentralen Anlagen – den Depots in Karaj, Shahran und Aqdasiyeh sowie der Teheraner Raffinerie mit einer Kapazität von rund 225.000 Barrel pro Tag.
Während die militärischen Sprecher in Tel Aviv die Angriffe als Schlag gegen die „Kriegsmaschinerie“ Irans rechtfertige, begann sich unter den Wolken ein anderes, unkontrollierbares Gemisch zusammenzubrauen: sogenannter „schwarzer Regen“. (https://www.bbc.com/news/articles/cqxd1nv3re2o)
„Höllenlandschaft“, „apokalyptisch“, „schwarzes Monster“ – so zitierten die Analysten von CEOBS die Beschreibungen Teheraner Bewohner, die in sozialen Medien von brennenden Öllagern, beißendem Rauch und später herabfallenden, öligschwarzen Tropfen berichteten.
Noch brennen einige der Lager für Erdöl um Teheran, wie Satellitenaufnahmen und Feuer-Daten zeigen. Niemand kann seriös beziffern, wie lange Rauch und Giftstoffe die Stadt und das Umland belasten werden. Sicher ist nur: Die sichtbaren Flammen werden schneller verlöschen als ihre Nebenwirkungen.
Atmosphärenforscher erklärten gegenüber BBC, CBC und ABC News, was in der Luft hängt: ein toxischer Cocktail aus Feinstaub (vor allem Rußpartikeln), Stickoxiden, Schwefeldioxid, flüchtigen organischen Verbindungen und Schwermetallen, wie sie beim unvollständigen Verbrennen von schwefelreichem Rohöl frei werden. (https://abcnews.com/International/black-rain-fell-iran-after-strikes-oil-reserves/story?id=130901326)
Wenn diese Gase in Wolken geraten, reagieren sie mit Wasser zu Säuren, die im Regen wieder zu Boden fallen. In Kombination mit Ruß und Ölresten entsteht das Phänomen, das im Volksmund „black rain“ heißt.
Gesundheitlich ist das mehr als eine meteorologische Kuriosität. Die winzigen Rußpartikel (Black Carbon) dringen tief in die Lunge ein und tragen oft krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) an ihrer Oberfläche, warnen CEOBS und von Medien befragte Toxikologen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach von einem „massiven Ausstoß toxischer Kohlenwasserstoffe, Schwefeloxide und Stickstoffverbindungen“ und warnte vor akuten Atemwegsproblemen bis hin zu langfristig erhöhtem Krebsrisiko. Der Iranische Rote Halbmond und die Umweltbehörde des Landes riefen die Menschen auf, in den Häusern zu bleiben, Fenster geschlossen zu halten. Sie rechneten mit Verätzungen der Haut, Reizungen von Augen und Schleimhäuten und schweren Schäden bei Älteren sowie Vorerkrankten. (https://www.cbc.ca/news/world/black-rain-oil-depot-strikes-9.7123197)
Doch in einer Stadt wie Teheran endet der Schaden nicht an der Türschwelle. Die CEOBS-Analyse erinnert daran, dass die iranische Hauptstadt in einem halb geschlossenen Becken am Südrand des Elburs-Gebirges liegt, in dem sich Luftschichten häufig wie ein Deckel übereinanderschichten und Schadstoffe unter Inversionswetterlagen festhalten.
Bereits im Normalzustand liegen die Feinstaubwerte nach Studien teils mehr als vierfach über den WHO-Grenzen. Die aktuelle Belastung traf eine Bevölkerung, deren Atemwege und Herz-Kreislauf-Systeme seit Jahren unter Stress stehen. Innenräume bieten kaum Schutz: Untersuchungen zur Luftqualität in der Stadt zeigen, dass die Partikel durch undichte Gebäudehüllen dringen und sich auf Möbeln, Böden und Textilien ablagern. Das ist ein Giftfilm, der bei jedem Aufwirbeln erneut eingeatmet wird.
Der Regen, den viele zunächst als reinigendes Ereignis erhofften, verteilte die Belastung lediglich anders. CEOBS und iranische Behörden verwiesen auf Berichte, wonach ausgelaufenes Öl vom Shahran-Depot in Regenwasserkanäle floss und dort teilweise explodierte.

Foto: Avash Photo, via Wikimedia Commons
Teheran verfügt über ein komplexes Netz von Abflusskanälen, das Schmelz- und Regenwasser aus den Bergen sammelt und Richtung Süden ableitet. Niemand weiß derzeit genau, an welchen Stellen das Gemisch aus Öl, Verbrennungsrückständen und saurem Niederschlag wieder austritt. Wahrscheinlich wird das in Flussläufen, Bewässerungssystemen und landwirtschaftlichen Böden am Stadtrand geschehen, wo es in das ohnehin flache Grundwasser vordringen kann.
Das UN-Umweltschutzprogramm UNEP und NGOs wie Human Rights Watch hatten schon vor dem aktuellen Krieg mehrfach darauf hingewiesen, dass zerstörte Industrieanlagen in Konflikten zu „sich langsam anbahnenden Katastrophen“ für Wasserressourcen werden. Es sind Verheerungen, die erst Jahre später in Form steigender Krebsraten und unbrauchbarer Brunnen sichtbar werden.
Die Bilder aus Teheran weckten Erinnerungen an frühere Kriege im Nahen Osten. In einer Analyse von „Moneycontrol“ zeichnet die Journalistin Deblina Halder anhand von Aussagen iranischer Fachleute und internationaler Forscher Parallelen zu den brennenden kuwaitischen Ölfeldern von 1991: „Damals verdunkelten monatelang Rußwolken den Himmel, und Ablagerungen wurden noch Hunderte Kilometer entfernt nachgewiesen.“
Auch jetzt sehen Modelle wie HYSPLIT laut CEOBS den Rauch aus Teheran nach Nordosten, bis in Hochgebirgsregionen Zentralasiens ziehen, wo sich Ruß auf Gletschern absetzen und deren Schmelze beschleunigen kann. Solche kurzfristigen Klimaeffekte durch „Black Carbon“ sind wissenschaftlich gut dokumentiert und zeigen: Was über Teheran entzündet wurde, bleibt nicht lokal. (https://www.moneycontrol.com/europe/?url=https://www.moneycontrol.com/world/oil-fires-black-rain-and-toxic-seas-the-environmental-fallout-of-the-iran-war-article-13860618.html)
Gleichzeitig weitet sich die ökologische Frontlinie über den Luftraum hinaus. Die „Deutsche Welle“ (https://www.dw.com/en/iran-war-risks-long-term-toxic-legacy-for-people-and-nature-that-ripples-beyond-borders/a-76335587), „Moneycontrol“ und spezialisierte Beobachter berichteten von Angriffen auf Tanker, Hafenanlagen und Energieinfrastruktur im gesamten Persischen Golf, von Saudi-Arabiens Ras-Tanura-Raffinerie bis zur ölverarbeitenden Industrie in den Emiraten.
Bereits jetzt sind laut CEOBS und regionalen Umweltgruppen Dutzende Zwischenfälle mit Ölverschmutzungen und Chemikalienlecks dokumentiert, darunter der Torpedotreffer auf eine iranische Fregatte, die vor Sri Lanka einen kilometerlangen Ölteppich hinterlasse.
Der Golf ist gleichzeitig Verkehrsader des Welthandels und empfindliches Ökosystem: Korallenriffe, Seegraswiesen und Fischbestände standen schon vor dem Krieg unter Druck durch Übernutzung und Erwärmung. Jetzt kommen toxische Schübe aus der Luft und aus beschädigten Leitungen hinzu.
Foto: DoD/Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain
Die politische Dimension dieses „unsichtbaren Frontverlaufs“ ist inzwischen angekommen. In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres spricht die Chefin der iranischen Umweltbehörde, Sheena Ansari, von einem „manifesten Umweltverbrechen“ und „faktischer chemischer Kriegführung“ durch die US-israelischen Angriffe auf zivil genutzte Treibstofflager.
Ähnlich scharf äußern sich Diplomaten in Genf gegenüber Nachrichtenagenturen, während UN-Stellen wie WHO und UNEP betonen, dass Kriegsparteien völkerrechtlich verpflichtet sind, die Umwelt zu schützen und „übermäßige, langanhaltende und schwerwiegende Schäden“ zu vermeiden.
Auf dem Papier schließt das Kriegsvölkerrecht Folter, chemische Waffen und wahllose Angriffe auf Zivilisten aus. In der Praxis verwandelt der aktuelle Irankrieg weite Teile des Landes und seiner Nachbarregion in Versuchslabore für einen anderen, schlecht erfassten Waffentyp: den Industriekomplex als Zielsystem. Jede Bombe auf Raffinerien, Treibstofflager, Häfen oder Pipelines setzt Ströme schädlicher Stoffe frei, die sich der Kontrolle der Militärs entziehen und zu Langzeitrisiken werden.
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