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Palästinensische Gebiete: Siedlungsbau noch mehr erleichtert werden

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Palästinensische Gebiete: Das Sicherheitskabinett von Regierungschef Netanjahu beschließt Maßnahmen, die in Gebiete unter palästinensischer Zivilverwaltung eingreifen – gegen bestehende Abkommen und das Völkerrecht.

Jerusalem/Ramallah (KNA). Mit einer Reihe von Maßnahmen will Israel die jüdische Besiedlung der besetzten palästinensischen Gebiete weiter vorantreiben.

Nach einem Beschluss des Sicherheitskabinetts am Sonntagabend, von dem israelische Medien berichten, soll unter anderem der Kauf von palästinensischem Land durch Israelis erleichtert werden. Vertreter der Palästinenser und Jordanien forderten die Staatengemeinschaft zu Schritten gegen Israel auf.

Der rechtsradikale israelische Finanzminister Bezalel Smotrich (Jüdische Stärke) und Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) erklärten, man wolle „jahrzehntealte Hindernisse beseitigen, diskriminierende jordanische Gesetze aufheben und eine beschleunigte Entwicklung der Siedlungen vor Ort ermöglichen“.

Foto: Pavel Bernshtam, Adobe Stock

Konkret entschied das Kabinett unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Grundbucheinträge im besetzten Westjordanland öffentlich zu machen sowie ein aus jordanischer Zeit stammendes Verbot des Immobilienkaufs für Nichtmuslime aufzuheben.

In Palästinensergebieten, die eigentlich unter palästinensischer Zivilverwaltung stehen – sogenannte A- und B-Gebiete –, sollen Verstöße gegen Umweltvorschriften und Wasserrecht sowie die Beschädigung archäologischer Stätten schärfer geahndet werden. Naturschutz und Archäologie dienen immer wieder als Grund, Palästinensern die Landnutzung zu entziehen.

Ausgeweitet werden soll auch die israelische Kontrolle über die als Grabstätte der biblischen Erzväter Abraham, Isaak und Jakob und ihrer Frauen verehrte Höhle Machpela in Hebron. Während bauliche Veränderungen bisher die Zustimmung der palästinensischen Stadtverwaltung und der israelischen Zivilverwaltung erforderten, soll künftig das israelische Verteidigungsministerium zuständig sein.

Palästinensische Vertreter und Jordanien forderten ein Eingreifen der Vereinten Nationen, der USA und der internationalen Gemeinschaft. Das Präsidialbüro in Ramallah bezeichnete die israelischen Beschlüsse laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa als „illegal und gefährlich“.

Sie verstießen gegen Abkommen zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Israel, gegen das Völkerrecht, UN-Resolutionen und die Osloer Abkommen. Der palästinensische Vizepräsident Hussein al-Scheich warf Israel Annektierungsbestrebungen vor.

Jerusalem

Foto: Maxpixel.net Lizenz: CC0 1.0

Das jordanische Außenministerium verwies nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Petra auf das „unveräußerliche Recht des palästinensischen Volkes, einen unabhängigen, souveränen Staat innerhalb der Grenzen vor dem 4. Juni 1967 mit dem besetzten Jerusalem als Hauptstadt zu errichten“. Israel besitze keine Hoheitsrechte über das besetzte palästinensische Gebiet.

Die Hamas rief zu einer „Rebellion im gesamten Westjordanland und in Jerusalem“ und zur „Eskalation“ des Konflikts „mit allen verfügbaren Mitteln“ auf. Arabische und islamische Staaten sollten ihre Beziehungen zu Israel abbrechen.

Kritik äußerte auch die israelische Friedensorganisation „Peace Now“. Sie warf dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor, „die Palästinensische Autonomiebehörde zu stürzen, die von Israel unterzeichneten Abkommen aufzuheben und uns eine faktische Annexion aufzuzwingen“.

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Erfreut zeigten sich unterdessen israelische Siedlerorganisationen. Die rechte israelische Gruppe „Regavim“ begrüßte die Entscheidung des Sicherheitskabinetts in einer Stellungnahme von Sonntagabend als „wegweisend“. Das Friedensabkommen von Oslo sei „auf dem Weg in den Mülleimer der Geschichte“.

Die jetzigen Beschlüsse beseitigten „die verzerrte und diskriminierende Realität, die seit Jahren die Landpolitik in Judäa und Samaria bestimmt“, so die Organisation. Judäa und Samaria sind die biblischen Namen für das Westjordanland und werden von der israelischen Rechten benutzt, um Ansprüche auf das Palästinensergebiet zu untermauern.

Nach den Oslo-Abkommen stehen die A-Gebiete des besetzten Westjordanlands unter vollständiger palästinensischer Kontrolle; in den B-Gebieten ist Israel für die Sicherheitskontrolle zuständig, während die zivile Verwaltung den Palästinensern zukommt. C-Gebiete stehen unter vollständiger israelischer Kontrolle.

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Gaza: Tel Aviv will total besetzen lassen

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Israelische Soldaten sollen nach Willen der Regierung den Gazastreifen erobern und langfristig kontrollieren. Dafür werden Zehntausende Reservisten mobilisiert.

Tel Aviv (dpa). Die israelische Armee soll nach dem Willen des Kabinetts den Gazastreifen besetzen und auf Dauer okkupieren. Dafür werden Zehntausende Reservisten mobilisiert. Weiter beschloss es laut Angaben aus Regierungskreisen einen Plan, um die seit Wochen gestoppten Hilfslieferungen erneut aufzunehmen.

Gaza: Zivilbevölkerung soll im Süden zusammengepfercht werden

Der Plan sehe vor, die palästinensische Bevölkerung vom Norden in den Süden zu bewegen, hieß es in einer Mitteilung der Regierung weiter. Ziel sei es, die im Gazastreifen herrschende Hamas zu besiegen und die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln zu erreichen.

Netanjahu erklärte demnach, die Armee werde nicht mehr nur Razzien durchführen, sondern Territorien erobern und auf Dauer bleiben. Laut der Tageszeitung „Haaretz“ ist neben der Einnahme zusätzlicher Gebiete vorgesehen, die schon geschaffene „Pufferzone“ auszuweiten.

So wolle Israel in den Verhandlungen mit der Hamas mehr Druckmittel gewinnen. Beide können sich über Wochen nicht auf ein Abkommen zur Freilassung weiterer Geiseln sowie eine Waffenruhe einigen.

Kritik und Ablehnung von internationalen Stimmen

Die internationale Gemeinschaft reagiert mit deutlicher Kritik und großer Besorgnis auf die Pläne der israelischen Regierung, den Gazastreifen dauerhaft zu besetzen und militärisch vollständig zu kontrollieren.

Die Europäische Union äußert sich „besorgt über die geplante Ausweitung des israelischen Militäreinsatzes“, da dies zu neuem Leid für die palästinensische Bevölkerung führen werde. Die EU fordert Israel zu „höchster Zurückhaltung“ auf.

Die Vereinten Nationen lehnen die Pläne Israels zur Kontrolle von Hilfslieferungen in den Gazastreifen ab und sehen darin einen Verstoß gegen grundlegende humanitäre Prinzipien.

Die UN kritisieren, dass Israel die Kontrolle über lebenswichtige Güter als Druckmittel im Rahmen einer militärischen Strategie einsetzt. Hilfsorganisationen und die UN warnen vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen. Seit Monaten sind Hilfslieferungen gestoppt, was die Not der rund zwei Millionen Einwohner massiv verstärkt.

Deutschland lehnt bleibende Besatzung des Gazastreifens ab

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte die Berichte zu den Eroberungsplänen „besorgniserregend“. Das Ministerium lehnt eine dauerhafte Besetzung nach eigenen Angaben ab. „Gaza gehört den Palästinenserinnen und Palästinensern“, so der Sprecher.

Verteidigungsminister Israel Katz hatte im April gesagt, Israels Soldaten sollten in allen im Gazastreifen eroberten Zonen dauerhaft die Kontrolle behalten. Anders als in der Vergangenheit werde die Armee keine Gebiete mehr räumen.

Der Sprecher des Außenamts verwies darauf, dass die G7-Mitglieder – darunter Deutschland, Frankreich und die USA – 2023 „eine Besetzung, Besiedlung und Verkleinerung des Territoriums von Gaza abgelehnt“ hätten. Auch hätten die Staaten verabredet, dass es keine Lösung über die Köpfe der Palästinenser hinweg geben dürfe.

Er appelliere abermals „an alle Parteien“, auf Verhandlungen über eine Waffenruhe und eine Geiselfreilassung zu setzen, sagte der Sprecher weiter. Außerdem müsse der Einfuhrstopp für Hilfsgüter in den Gazastreifen „endlich aufgehoben“ werden.

Taliban stellen Übergangskabinett vor

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Die Taliban hatten betont, dass sie eine Regierung nicht nur aus ihren eigenen Mitgliedern bilden werden. Mit den ersten Besetzungen werden sie dieser Ansage nicht gerecht. Überraschend ist, wer Premierminister wird.

Kabul (dpa/iz). Die Taliban haben Teile eines Übergangskabinetts für Afghanistan vorgestellt. Demnach wird der öffentlich wenig bekannte Mullah Mohammed Hassan Achund amtierender Vorsitzender des Ministerrats, was dem Amt eines Premierministers gleichkommt. Das erklärte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Kabul.

Die Ernennung Achunds als Regierungschef gilt als Überraschung. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Taliban, war zuletzt im Führungsrat, der Rahbari Schura, und gilt als enger Vertrauter des Taliban-Führers Haibatullah Achundsada. Achund, der in Afghanistan Mullah Hassan genannt wird, hielt bereits während der ersten Taliban-Herrschaft wichtige Posten: UN-Angaben zufolge war er Außenminister und Gouverneur der Provinz Kandahar, aus der er stammt. Achund gilt als gemäßigt. Seit 2001 steht er im Zusammenhang mit den Handlungen und Aktivitäten der Taliban auf einer UN-Sanktionsliste.

Die Taliban hatten nach massiven militärischen Gebietsgewinnen Mitte August die Macht in Afghanistan übernommen. Der bisherige Präsident Aschraf Ghani war kurz davor aus dem Land geflohen. Seit ihrer Machtübernahme bemühen sich die Islamisten um eine gemäßigtere Außendarstellung als zu Zeiten ihrer Schreckensherrschaft zwischen 1996 und 2001. Es besteht dennoch weiter die Sorge, dass die militante Gruppe ihre Herrschaft auf Unterdrückung und drakonischen Strafen gründen könnte.

Taliban-Sprecher Mudschahid sagte, man habe sich darauf geeinigt, ein Übergangskabinett zu ernennen und bekanntzugeben, „um die notwendigen Regierungsarbeiten durchführen zu können“. Insgesamt besetzten die Taliban 33 Posten. Die Besetzung der verbleibenden Führungspositionen von Ministerien und Institutionen werde man sukzessive bekanntgeben, sagte Mudschahid weiter.

Zu einem von zwei Stellvertretern Achunds wurde Mullah Abdul Ghani Baradar ernannt, der bisherige Vizechef der Taliban. Er wurde nach seiner Freilassung aus pakistanischer Haft im Jahr 2018 das öffentliche Gesicht der Gruppierung und unterzeichnete 2020 für die Taliban das Abkommen mit den USA unter anderem über ein Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan. Er telefonierte auch mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Die Ernennung von Achund zeige, „wie wenig wir im Westen über die Taliban wissen und ihre Entscheidungen voraussagen können“, sagte der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network. Vor der Bekanntgabe waren die allermeisten Beobachter davon ausgegangen, dass Mullah Baradar Regierungschef wird.

Andere Personalien sind weniger überraschend. Mullah Jakub, der älteste Sohn des langjährigen, verstorbenen Taliban-Chefs Mullah Omar, wird Verteidigungsminister. Er soll etwa Mitte 30 sein und als Taliban-Vizechef die Milizen gesteuert haben. Siradschuddin Haqqani, der dritte Vizechef der Taliban und Chef des berüchtigten Haqqani-Netzwerkes, wird Innenminister. Es wird für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht. Die USA suchen den etwa Mitte-40-jährigen Haqqani mit einem siebenstelligen Kopfgeld.

Als Aufsteiger innerhalb der Taliban-Reihen sehen Beobachter Amir Chan Motaki. Er war Bildungs- und Informationsminister während der Taliban-Herrschaft 1996 bis 2001 und wird nun Außenminister. Er gilt als eine der versöhnlichsten Figuren innerhalb der Bewegung und leitete bislang die Aussöhnungskommission der Taliban. Mit Abdul Hak Wasik wird ein ehemaliger Guantánamo-Häftling Chef des Geheimdienstes.

Ein Frauenministerium findet sich bisher nicht auf der veröffentlichten Liste. Dafür wurde ein Ministerium für „Einladung, Führung, Laster und Tugend“ eingeführt, das die Afghanen vom Namen her an das Ministerium „für die Förderung der Tugend und die Verhütung des Lasters“ erinnern dürfte. Diese Behörde hatte während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 Menschen zum Gebet gezwungen oder Männer dafür bestraft, wenn sie keinen Bart trugen.

Kritik an der Zusammensetzung des Kabinetts folgte prompt. Die Islamisten hatten zuletzt immer wieder betont, eine „inklusive Regierung“ ernennen zu wollen. Kurz nach ihrer Machtübernahme hatten sie regelmäßig andere Politiker des Landes wie etwa den Ex-Präsidenten Hamid Karsai oder den bisherigen Leiter des Hohen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, zu Gesprächen getroffen. Ihrer Ankündigung wurden sie nun aber nicht gerecht: Bei allen bisher bekannten Besetzungen handelt es sich um Taliban-Mitglieder.

Auch ethnisch geht es bisher einseitig zu. Der Afghanistan-Experte der Denkfabrik International Crisis Group, Ibraheem Bahiss, schrieb auf Twitter, soweit er dies beurteilen könne, seien bis auf zwei Tadschiken und einen Usbeken alle Postenträger Paschtunen. Mitglieder der Minderheit der Hasara etwa fehlen völlig.

Die Frage der Inklusivität ist relevant, da viele westliche Regierungen davon abhängig machen, ob sie die künftige Regierung anerkennen und das Land, das massiv von ausländischen Hilfsgeldern abhängig ist, unterstützen werden. „Mit so einem Taliban-Kabinett wird die Welt Afghanistan nicht mal mit einem Dollar helfen“, schrieb ein afghanischer Journalist auf Twitter.

Der ehemalige Gouverneur von Balch, Mohammed Atta Nur, kritisierte die Zusammensetzung unter anderem für einen Mangel an Professionalität und Frauen. Sie widerspreche zudem dem Geist der gültigen Verfassung des Landes.

Die Ankündigung zur Übergangsregierung erfolgte nur Stunden, nachdem die Taliban in der Hauptstadt Kabul in die Luft feuerten, um Hunderte Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Menschen waren gegen eine mutmaßliche Einmischung Pakistans in Afghanistan auf die Straßen gegangen. Indirekt kritisierten sie aber auch die Islamisten. Die Taliban hatten zudem mehrere Journalisten für mehrere Stunden festgenommen.