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Konflikt um Kaschmir: ein kurzer Krieg

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Terror im indisch-besetzten Teil Kaschmirs: In den ersten neun Maitagen kam es in Südasien zu einer dramatischen Eskalation. Wir fassen die Entwicklungen zusammen. (iz). In den ersten neun Maitagen kam […]

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Kriegsgefahr in Asien: Religionsvertreter fordern Dialog

indisch pakistan Religionsvertreter

Religionsvertreter bemühten sich seit dem Anschlag in Kaschmir um Dialog und Deeskalation. Vergeblich – gestern ließ Delhi Ziele in Pakistan beschießen.

Neu Delhi/Islamabad (KNA/iz). Intellektuelle, Friedensaktivisten und Religionsvertreter stemmten sich bis zum Schluss gegen einen bewaffneten Konflikt zwischen Indien und Pakistan.

In der pakistanischen Provinz Belutschistan protestierten am 1. Mai Hindus gegen „haltlose Anschuldigungen“ der indischen Regierung in Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Pahalgam im indischen Teil von Kaschmir.

„Wenn Indien es wagt, Aggressionen zu begehen, werden die mehr als zehn Millionen Hindus in Pakistan hinter unserem Militär stehen“, sagte der Provinzlandtagsabgeordnete Sanjay Kumar laut pakistanischen Medien vor der Protestversammlung in Quetta.

Zuvor hatten Politiker, Akademiker, Journalisten und Friedensaktivisten aus Pakistan und Indien in einer gemeinsamen Erklärung tiefe Besorgnis über die rapide Verschlechterung der Beziehungen zwischen Indien und Pakistan geäußert.

Sie warnten eindringlich vor den Gefahren von Kriegshysterie und militärischer Eskalation. „Die Logik des Dialogs muss über den Wahnsinn von Vernichtungswaffen siegen“, hieß es in der unter anderen von dem prominenten indischen Katholiken John Dayal unterzeichneten Erklärung.

Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad, Vorsitzender der Pakistanischen Bischofskonferenz, sagte dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews, beide Länder müssten eine diplomatische Lösung finden, um das Wasser des Indus weiter gemeinsam zu nutzen. Der Indus sei „die Lebensader für Pakistans Wassersicherheit“.

Nach dem Terroranschlag vom 22. April hatte Indien das Abkommen über die Nutzung des Indus-Wassers ausgesetzt. Pakistan bezeichnete die Aussetzung des Vertrags als Kriegshandlung, die man „mit der gesamten Machtfülle des Landes beantworten“ werde.

kaschmir pakistan

Foto: Adobe Stock

Der 1960 unter Vermittlung der Weltbank geschlossene Wasservertrag regelt die Nutzung der Ressourcen des Indus-Flusssystems, das für beide Länder von zentraler Bedeutung ist. Der 13.180 Kilometer lange Indus entspringt in Tibet, fließt ein Stück durch Indien, bevor er Pakistan erreicht.

In der vergangenen Woche verurteilten Indiens katholische Bischofskonferenz sowie zahlreiche indische Muslime den Terroranschlag auf Touristen im indischen Kaschmir. Die Bischöfe nannten den Anschlag eine brutale Tat und einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde.

Sie appellierten an alle Konfliktparteien, den Weg des Friedens einzuschlagen. Das Islamische Zentrum Indiens rief alle Imame des Landes auf, besondere Gebete für die Opfer des Anschlags sowie dafür zu halten, „dass unser Land frei von Gewalt und Terrorismus bleibt“.

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Eskalation in Südasien: Indische Armee greift Ziele in Pakistan an

indisch pakistan Religionsvertreter

Mehrere Wochen nach dem tödlichen Terror in Kaschmir beschießt die indische Armee Ziele im Nachbarland. Islamabad reagiert mit Abschüssen.

Delhi/Islamabad (iz, dpa). Nach den tödlichen Angriffen Indiens auf pakistanische Ziele hat das attackierte Land Vergeltung angekündigt. „Pakistan hat jedes Recht, eine angemessene Antwort auf diese von Indien verhängte Kriegshandlung zu geben, und eine angemessene Antwort wird auch gegeben“, sagte Premierminister Shehbaz Sharif.

Zuvor hatte Indien in der Nacht mehrere Ziele in Pakistan und im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs angegriffen – als Reaktion auf einen Terroranschlag vor rund zwei Wochen.

Indien machte extremistische Gruppen mit Verbindungen nach Pakistan für den Anschlag verantwortlich und beschuldigt Islamabad, diese zu unterstützen oder zu dulden. Das Nachbarland bestritt eine Verwicklung und forderte – wie internationale Stimmen – Belege für diese Behauptung.

Die indische Operation „Sindoor“

Als Reaktion auf den Anschlag startete Indien am 6. Mai 2025 die „Operation Sindoor“. Angriffsziel waren nach Angaben aus Delhi ausschließlich „terroristische Infrastrukturen“ im Nachbarland und im pakistanischen Teil Kaschmirs. Insgesamt wurden neun Ziele attackiert, darunter Einrichtungen in den Städten Kotli, Muzaffarabad (Kaschmir) und Bahawalpur (Punjab).

Geheimdienstkreise und Armee in Islamabad hatten zuvor berichtet, die Städte Kotli und Muzaffarabad im pakistanischen Teil der Himalaya-Region sowie in Bahawalpur seien Ziel der Angriffe gewesen. In Bahawalpur sei dabei eine Moschee getroffen worden. 

Pakistans Militär sprach von Raketenangriffen. Die indische Seite betonte, keine pakistanischen Militäreinrichtungen angegriffen zu haben, und die Operation sei „gezielt, maßvoll und nicht eskalierend“ gewesen.

Das Verteidigungsministerium nannte die eigenen Aktionen „zielgerichtet, maßvoll und nicht eskalierend“. Indien habe bei der Auswahl der Ziele und der Methode der Ausführung beträchtliche Zurückhaltung geübt, hieß es. Der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar schrieb auf der Plattform X: „Die Welt darf dem Terrorismus keine Toleranz zeigen.“

Islamabad bezeichnete die Operation als „unprovozierte Aggression“ und kündigte Vergeltung an. Laut seiner Armee wurden mehrere indische Kampfjets abgeschossen, und der Luftraum über der Region zeitweise gesperrt. Pakistan erklärte, man werde auf die Angriffe „zu einer Zeit und an einem Ort seiner Wahl“ reagieren. Zur Zahl der Opfer gibt es bislang keine gesicherten Angaben. Bisherige Berichte konzentrieren sich auf die politischen und militärischen Reaktionen, nicht auf konkrete Opferzahlen.

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Foto: The White House | Lizenz: gemeinfrei

Internationale Gemeinschaft ruft beide Seite zu Zurückhaltung auf

Die internationale Gemeinschaft, darunter die UNO und die USA, riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf, da beide Staaten Atommächte sind und der Konflikt als einer der gefährlichsten der Welt gilt.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich nach den Angriffen „sehr besorgt“. „Die Welt kann sich eine militärische Konfrontation zwischen Indien und Pakistan nicht leisten“, sagte er laut einer Mitteilung seines Büros am Dienstag (Ortszeit). Er rief beide Atommächte zur militärischen Zurückhaltung auf.

US-Präsident Donald Trump äußerte seine Hoffnung, dass der Konflikt zwischen den beiden Atommächten nicht weiter eskaliert. „Ich hoffe nur, dass es sehr schnell endet“, sagte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus mit Blick auf den Angriff. Außenminister Marco Rubio schrieb auf der Plattform X, er werde weiter sowohl die indische als auch die pakistanische Führung auf eine friedliche Lösung hinweisen.

BRICS-Staaten erweisen sich hier als impotent

Die Krise belastet besonders das Verhältnis innerhalb der BRICS-Gruppe. China, traditioneller Partner Pakistans, steht Indiens Vorgehen kritisch gegenüber, während Indien für den Westen – und damit auch für einige BRICS-Staaten – als Gegengewicht zur Volksrepublik immer wichtiger wird.

Ein offener Konflikt zwischen Indien und Pakistan könnte daher den Zusammenhalt der BRICS-Staaten erheblich schwächen, vor allem das Verhältnis zwischen Delhi und Peking. Es gibt bislang keine einheitliche BRICS-Position; vielmehr zeigen sich Differenzen unter den Mitgliedern – insbesondere zwischen China und Indien.

Wie reagiert der Partner Peking?

China ist ein langer und enger Handelspartner Pakistans. Es hatte im Vorfeld angekündigt, schwerwiegende Angriffe auf dessen Souveränität seien nicht hinnehmbar. In einer ersten Reaktion rief es beide Seiten zu „Zurückhaltung“ auf.

Man bedauere die Militäraktion Indiens und sei über die Entwicklung der Lage besorgt, teilte ein Sprecher des Außenamtes in Peking mit. China fordere beide Seiten auf, Frieden und Stabilität Vorrang einzuräumen und weitere Handlungen zu vermeiden, die die Lage verkomplizieren würden.

Während das chinesisch-indische Verhältnis unter anderem wegen Grenzkonflikten im Himalaya-Gebirge als äußerst angespannt gilt, unterhält Peking enge Wirtschaftsbeziehungen zu Pakistan. Über seine Investitions- und Infrastrukturinitiative „Neue Seidenstraße“ baut China Straßen und Schienen in dem südasiatischen Land, um die westchinesische Region Xinjiang mit dem Arabischen Meer im Südwesten Pakistans zu verbinden.

Aufgrund der engen Beziehungen zu Pakistan und der angespannten Lage mit Indien bleibt China zwar aufmerksam, bevorzugt aber diplomatische Kanäle und Stabilität in der Region. Ein direktes Handeln Pekings – etwa militärische Unterstützung oder Sanktionen – ist daher derzeit unwahrscheinlich.

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Kaschmir: drei Kriege und keine Lösung

kaschmir pakistan

Indien, Pakistan und die internationale Gemeinschaft haben in Kaschmir seit Jahrzehnten versagt.

(The Conversation/IZ). Der schreckliche, gezielt ausgeführte Terrorakt von Militanten in Kaschmir am 22. April, bei dem mindestens 25 indische Touristen und ein nepalesischer Staatsange­höriger getötet und viele weitere verletzt wurden, trägt alle Merkmale des Terrorismus. Er ereignete sich zu Beginn der Hochsaison. Von Bulbul Ahmed & Nitasha Kaul

Die Region ist Schauplatz vielfältiger widerstrebender Ansprüche, tief verwurzelter Konflikte und intensiver Milita­risierung. Der politische Streit wurde ­darüber hinaus dazu genutzt, die Kaschmiris entlang religiöser Linien zu spalten – in eine absolute muslimische Mehrheit und eine hinduistische Minderheit. Diese wird seit Jahr gezielt durch Ansiedlungsprogramme der Regierung in Delhi ­vergrößert.

Eskalation um Kaschmir und Repression gegen Muslime im Inland

Vor dem Hintergrund der Islamfeindlichkeit in Indien erhöht ein solcher ­Angriff die Gefahr von Repressionen und Gewalt gegen Angehörige dieser Religion. Die Reaktion in den indischen Mainstreammedien folgte einem vorhersehbaren Drehbuch. Inmitten der Hindutva (hindu-nationalistischen) Eskalation der antimuslimischen Stimmung im Land forderten einige Menschen in den sozialen Kanälen die Annexion des von Pakistan verwalteten Teils des seit 1947 geteilten Gebiets.

Das 222.236 Quadratkilometer große Tal in den schneebedeckten Gebirgszügen des Himalaya und Karakorum, ist eine umstrittene Region zwischen Indien, Pakistan und China. Delhi und Islamabad erheben Anspruch die gesamte Zone, verwalten jedoch jeweils nur einen Teil davon.

Während der britischen Herrschaft über Indien war Kaschmir ein Feudalstaat mit einem eigenen regionalen Fürsten. 1947 erklärte sich der dortige Herrscher Maharaja Hari Singh bereit, sein Königreich unter Bedingungen an Delhi anzuschließen. Es sollte seine politische und wirtschaftliche Souveränität behalten, während Indien für die Verteidigung und die Außenpolitik zuständig sein sollte.

Doch Pakistan, das gerade von den ­Briten gegründet worden war, erhob ­Anspruch auf den mehrheitlich muslimischen Teil Kaschmirs entlang seiner Grenze. Die beiden Nachfolgestaaten des britischen Raj führten 1947 den ersten von drei großen Kriegen um das Gebiet. Das Ergebnis war die Einrichtung einer von den Vereinten Nationen vermittelten „Waffenstillstandslinie“, die das indische und pakistanische Territorium trennte. Die Linie verlief mitten durch Kaschmir.

Kriege brachten keine Lösung

Trotz der Festlegung dieser Grenze, die heute als „Kontrolllinie“ bekannt ist, folgten 1965 und 1999 zwei weitere Waffengänge. Schätzungsweise 20.000 Menschen starben in diesen drei Kriegen.

Das Völkerrecht, ein nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenes Regelwerk für alle Nationalstaaten der Welt, soll ter­ritoriale Meinungsverschiedenheiten wie die um Kaschmir lösen. Sie werden hauptsächlich vom Internationalen Gerichtshof behandelt, einem UN-Tribunal, der über umstrittene Grenzen und Kriegsverbrechen entscheidet.

Doch das internationale Recht hat wiederholt versagt, den Konflikt zu lösen, wie meine Forschung zu Kaschmir und zum Völkerrecht zeigt. Die UNO hat zahlreiche erfolglose Versuche unternommen, den Dialog zwischen Indien und Pakistan über das Gebiet wiederher­zustellen, wo heute eine vielfältige Bevölkerung von 13,7 Millionen Muslimen, Hindus und Angehörigen anderer Glaubensrichtungen lebt.

Foto: Photo Division, Government of India, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain

1949 entsandte die UNO eine Blauhelmmission in beide Länder. Die Friedensmissionen der UNO waren nicht so robust wie ihre heutigen Friedensoperationen, und die internationalen Truppen erwiesen sich als unfähig, die Unverletzlichkeit der Grenzen zwischen den verfeindeten Ländern zu schützen.

Im Jahr 1958 empfahl die Graham-Kommission dem UN-Sicherheitsrat, dass Indien und Pakistan sich auf eine Entwaffnung Kaschmirs und die Abhaltung eines Referendums zur Entscheidung über den Status des Gebiets einigen sollten.

Delhi lehnte diesen Plan ab, und ­sowohl Indien als auch Islamabad waren sich uneinig darüber, wie viele Truppen im Falle einer Entmilitarisierung an ihrer gemeinsamen Grenze verbleiben konnten. 1965 brach ein weiterer Krieg aus. 1999 lieferten sich beide Kämpfe entlang der Kontrolllinie im Bezirk Kargil in Kaschmir, was die Vereinigten Staaten zu einer diplomatischen Intervention auf Seiten Indiens veranlasste.

USA versuchten, Eskalationen zu verhindern

Seitdem besteht die offizielle Politik der USA darin, eine weitere Eskalation zu verhindern. Die US-Regierung hat mehrfach offeriert, einen Vermittlungsprozess über das umstrittene Gebiet zu erleichtern. Der letzte US-Präsident, der dieses Angebot unterbreitete, war Donald Trump, nachdem 2019 in Kaschmir Konflikte ausgebrochen waren. Die ­Bemühungen blieben erfolglos.

Warum ist der Streit politisch zu schwierig für einen weltweit vermittelten Kompromiss? Zum einen sind sich beide Staaten nicht einmal darüber einig, ob in dem Gebiet das Völkerrecht gilt. Während Pakistan den Kaschmir-Konflikt als internationalen Streitfall betrachtet, spricht der indische Staat von einer „bilateralen Angelegenheit“ und einer „inneren Angelegenheit“.

Die Haltung Delhis schränkt den Anwendungsbereich des Rechts ein. So können Organisationen in der Region nicht in die das Thema eingreifen – bspw. durch die Einberufung eines regionalen Dialogs. Indiens Behauptung, Kaschmir sei sein Territorium, ist umstritten.

Im Jahr 2019 schaffte die indische ­Regierung ein Gesetz von 1954 ab, das Kaschmir einen autonomen Status gewährte, und besetzte es militärisch. Mindestens 500.000 Soldaten sind derzeit dort stationiert. Heute ist es das am stärksten militarisierte Gebiet der Welt.

Die pakistanische Regierung verurteilte diesen Schritt als „illegal“, und viele Kaschmiris auf beiden Seiten der Kontrolllinie sagen, Indien habe gegen das damalige Beitrittsabkommen von 1947 mit ­Maharaja Singh verstoßen. Die UNO betrachtet das Tal weiterhin offiziell als umstrittenes Gebiet. Delhi hält daran fest, dass Kaschmir Teil seines Staatsgebietes ist und unter der Kontrolle der Zentralregierung steht, was die ohnehin schon schlechten Beziehungen ­zwischen Indien und Pakistan weiter ­verschlechtert.

Foto: Pxhere | Lizenz: gemeinfrei

Interne Probleme in Pakistan

Ein zusätzliches Hindernis für den Frieden der beiden Staaten: das pakistanische Militär. 1953 einigten sich Indiens Regierungschef Nehru und Pakistans Premierminister Bogra grundsätzlich darauf, das Problem durch eine UN-Vermittlung oder durch ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof zu lösen. Dazu kam es jedoch nie, da die Armee in ­Pakistan Bogra im Jahr 1955 stürzte.

Seitdem haben mehrere Militärregimes die Demokratie in Islamabad unterbrochen. Indien ist der Ansicht, dass diese undemokratischen Regimes nicht glaubwürdig genug sind, um mit ihm zu verhandeln. Generell haben die Militärregierungen den Krieg dem politischen Dialog vorgezogen.

Welches Recht gilt?

In vielen Fällen können Verträge und zwischenstaatliche Gerichtsentscheidungen nicht durchgesetzt werden. Es gibt keine globale Polizeitruppe, die bei der Umsetzung des Völkerrechts helfen könnte.

Wenn ein Staat ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs ignoriert, kann die andere Partei in diesem Gerichtsverfahren den Sicherheitsrat anrufen, der Druck auf ein Land ausüben oder sogar Sanktionen verhängen kann, um es zur Einhaltung des internationalen Rechts zu zwingen. Dies kommt jedoch selten vor, da solche Beschlussfassungsverfahren hochpolitisch sind und jedes ständige Mitglied des Sicherheitsrats sein Veto einlegen kann.

Und wenn die Konfliktparteien eher geneigt sind, einen Konflikt aus der Perspektive des innerstaatlichen Rechts zu betrachten – wie Indien in Hinblick auf Kaschmir und Israel in Bezug auf die ­palästinensischen Gebiete –, können sie argumentieren, dass das Völkerrecht einfach nicht gilt.

* Übersetzung und veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.

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