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Hindernisse für das Liebesglück

interkulturell Hindernisse

Hindernisse in der Kontaktanbahnung: Junge Muslime berichten seit Längerem von steigenden Schwierigkeiten beim Kennenlernen.

(Amaliah.com). Was macht die Suche nach einem Partner zu einer solchen Herausforderung? In diesem Text geht die Autorin den tieferen, oft unausgesprochenen Gründen für diese Herausforderung auf den Grund. Von Maria El Coptia

Ich habe mit sieben muslimischen Frauen unterschiedlichen Alters und mit diversem Hintergrund gesprochen, um mir ein umfassenderes Bild von dieser „Krise“ zu machen und von den Ursachen, die sie dafür sehen. Es ging mir aber auch um ihre Erfahrungen bei der Suche nach einem Lebenspartner und von den immer wiederkehrenden Problemen, mit denen sie dabei konfrontiert sind.

Ayah, 33, eine aktive und gut vernetzte Frau in der muslimischen Gemeinde Londons, fasste die Probleme prägnant zusammen: „Ehrlich gesagt würde ich sagen, dass unsere männlichen Kollegen es nicht ernst meinen; die Angst vor Ablehnung ist weit verbreitet.

Im Allgemeinen betrachten die Menschen die Ehe nicht als eine Verbindung zweier Seelen, sondern nur als etwas Praktisches – einen Vorzeige-Ehemann oder eine Vorzeige-Ehefrau. Außerdem geht in der Phase des Werbens viel Baraka verloren. Aber in Wahrheit führt die Prägung durch Überfluss und Auswahlmöglichkeiten zu einer Lähmung der Entscheidungsfähigkeit und der Bewegungsfähigkeit.“

Fehlende Absicht

„Wie geht man am besten vor? – Mit Absicht. Selbst wenn du nicht weißt, ob jemand zu dir passt, führt das Fehlen einer Absicht von Anfang an dazu, dass du dich unnötig lange in einer falschen Sicherheit wiegst. Du verlierst deinen Akhlaq. Das heißt nicht, dass man nicht scherzen oder sich unterhalten darf. Gott bewahre!“

Wie Ayah betonte, scheint ein Kernproblem der „Dating-Krise“ ein Mangel an Absicht und damit einhergehend ein Mangel an Respekt zu sein. Das erleben Frauen häufiger im Umgang mit Männern – insbesondere im Netz.

Die 28-jährige Layla glaubt, dass Menschen mit einer unrealistischen Vorstellung von der Ehe und vielen Vorurteilen gegenüber dem anderen Geschlecht in diese Gespräche gehen. Sie würden den Prozess leichtfertig angehen, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. „Ich finde diesen ganzen Prozess sehr anstrengend.

Es ist schwer, die Absichten der Menschen zu erkennen oder zu wissen, wie ernst sie es meinen – es fühlt sich fast wie eine Jobsuche an, bei der die ständigen ‘Vorstellungsgespräche’ den Spaß und den Funken rauben. Es gibt sogar ein seltsames Tabu, zuzugeben, dass man einen Lebenspartner sucht, was ein Gefühl der Einsamkeit hervorrufen kann, besonders wenn die meisten Menschen in deinem Umfeld bereits eine Familie gegründet haben.“

Online-Interaktionen würden das Ganze noch verschlimmern. Es sei so einfach, jemanden nach ein paar Nachrichten abzulehnen. Aber wenn man ihn im echten Leben treffen würde, wäre man wahrscheinlich offener. Die Leute ignorierten einen einfach, als wäre nichts gewesen.

Würde jemand im echten Leben mitten in einem Gespräch einfach aufstehen und gehen? „Es mangelt enorm an Verbindung, Vertrauen und Verletzlichkeit. Die Leute gehen nicht mit echten Absichten auf Treffen zum Kennenlernen. Sie haben nicht die nötige Heilungsarbeit geleistet, um sich selbst, ihre Kindheitstraumata, ihre Auslöser oder ihre wahren Wünsche zu verstehen.“

Erfahrungen von Männern und Frauen

Kürzlich bin ich auf ein wunderschön gestaltetes Video des muslimischen Videokünstlers Arkamcreates gestoßen, das ebenfalls dieses Thema behandelte. Er verglich die Erfahrungen von Männern sowie Frauen mit Apps und befragte zwei Frauen und Männer.

Eine der Damen erzählte, dass sie innerhalb einer Stunde nach der Erstellung ihres Profils Hunderte von Likes erhalten habe. Aber ihr sei klar gewesen, dass die Männer, die ihr „Likes“ gegeben hätten, sich nicht die Mühe gemacht hätten, ihr Profil zu lesen. Sie hätten einfach „ein Netz ausgeworfen, um zu sehen, ob ich hineinpassen würde“.

Er räumte zwar ein, dass seine Stichprobe klein war, teilte jedoch mit, dass sowohl Männer als auch Frauen, mit denen er gesprochen hatte und die die Apps genutzt hatten, zu dem Schluss gekommen waren, dass Männer ein breites Netz auswerfen würden.

Mehrere User hätten unter dem Video auf Instagram und auf TikTok Kommentare hinterlassen, in denen sie diese Meinung teilten. Ein männlicher Kommentator sagte, er kenne viele Männer, die „blindlings jedes einzelne Profil nach rechts wischen und erst nach einem Match die Person richtig betrachten, sie haben null Respekt vor den Frauen auf der anderen Seite“.

Foto: Muzmatch

Thamina ist überzeugt, dass Männer den Prozess des Kennenlernens mit Arroganz und mangelndem Respekt angehen und dabei von ihren Freunden unterstützt werden:

„Meine persönlichen Erfahrungen bei der Partnersuche waren nicht besonders gut. Es gibt dieses Phänomen, dass Männer ab 24 – insbesondere zwischen 24 und 27 – ernsthafte Bindungsprobleme haben. Sie springen einfach von einer Frau zur nächsten und halten sich für etwas Besonderes, obwohl sie es nicht sind. Das ist das Problem, wenn man von unmoralischen westlichen Werten umgeben ist und diese verinnerlicht hat. Männer, die in großen Männerkreisen leben, nutzen diese als Echokammern, reden über unmoralische und ekelhafte Dinge, und niemand verurteilt das, weil sie Frauen nicht respektieren. Deshalb glauben sie, dass sie sich benehmen können, wie sie wollen, Frauen respektlos behandeln oder sie einfach ignorieren können, wenn sie keine Lust mehr haben.“

Hypersexualisierung

Ein weiterer Grund, warum Leute Schwierigkeiten haben, zu heiraten, könnte darin liegen, wie wir als Kinder sozialisiert wurden. Uns wurde zwar beigebracht, Grenzen zwischen den Geschlechtern zu wahren.

Aber man könnte argumentieren, dass wir nicht religiös dazu angehalten wurden, uns in der Gegenwart des anderen unbehaglich oder unbeholfen zu fühlen, was jedoch offenbar unser kollektives Empfinden ist.

Sara ist Pfadfinderleiterin, verbringt viel Zeit mit Teenagern und hat darüber nachgedacht, wie Mädchen und Jungen im Umgang miteinander beraten werden:

„Meine Erfahrungen sind gut, aber wir haben als Gemeinschaft Probleme. Jeden Tag ändert sich meine Meinung zum Grundproblem. Manchmal komme ich zu der Überzeugung, dass wir in Bezug auf Geschlechterbeziehungen überbewusst sind und nicht richtig sozialisiert wurden. Wir wissen, dass Kinder in der Schule, in sozialen Netzwerken, in der Moschee usw. miteinander interagieren. Diese jungen Menschen, für die wir verantwortlich sind, sind normale Menschen, die sich ineinander verlieben und Gefühle füreinander haben.“

Wenn man diese Gespräche über gesunde Geschlechterbeziehungen mit klaren Grenzen nicht fördere, könne man junge Erwachsene nach ihrem Abschluss nicht einfach fragen, warum sie nicht verheiratet seien. Sie glaube nicht, dass es der Sunna entspreche, diese Unbeholfenheit zwischen den Geschlechtern zu fördern und dann Menschen dafür zu beschämen, dass sie unverheiratet blieben.

„Wir müssen den jüngeren Generationen beibringen, wie man gesunde Beziehungen zu Menschen des anderen Geschlechts aufbaut, sei es innerhalb der Familie unter Cousins, Schwägern usw. oder außerhalb der Familie in der Gesellschaft.“

Ich möchte hinzufügen, dass die Tatsache, dass man nicht richtig gelernt hat, wie man Grenzen gegenüber dem anderen Geschlecht aufrechterhält, und die daraus resultierende Hypersexualisierung gemischter Räume dazu geführt haben, dass beide Geschlechter sich gegenseitig objektivieren oder in ihren Interaktionen völlig realitätsfern sind.

liebe

Foto: Lightfield Studios

Urteil und Beweglichkeit

Eine der größten Herausforderungen bei der Kontaktanbahnung unter Muslimen ist, wie schnell wir uns gegenseitig beurteilen und wie wenig Flexibilität wir dabei zulassen. Oft bringen wir vorgefasste Meinungen mit, die durch Horrorgeschichten von Freunden, virale Posts oder sogar Erfahrungen innerhalb unserer eigenen Familien geprägt sind. Es ist zwar wichtig, sich zu schützen. Aber übertriebene Vorsicht kann zu Feindseligkeit führen und den Aufbau echter Beziehungen erschweren.

Sara glaubt, dass wir durch mehr Mitgefühl und Offenheit beim Dating gesündere Beziehungen fördern können:

„Manchmal gehen wir Dating sehr schwarz-weiß an – wir sind unflexibel, nicht offen und beenden Dinge, ohne wirklich miteinander zu reden. Männer und Frauen sprechen oft unterschiedlich über dieselben Dinge, doch wir urteilen schnell, anstatt zu versuchen, einander zu verstehen. Wir brauchen mehr Rahma (Mitgefühl) und Gnade – die meisten von uns sind gerade dabei, das zu lernen.“

Sara glaubt, dass man durch mehr Mitgefühl und Offenheit beim Kennenlernen gesündere Beziehungen fördern könne: „Manchmal gehen wir Kontaktanbahnung sehr schwarz-weiß an – wir sind unflexibel, nicht offen und beenden Dinge, ohne wirklich miteinander zu reden. Männer und Frauen sprechen oft unterschiedlich über dieselben Dinge, doch statt zu versuchen, einander zu verstehen, urteilen wir schnell. Wir brauchen mehr Rahma (Mitgefühl) und Gnade – die meisten von uns sind gerade dabei, das zu lernen.“

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Eine deutsche Tradition: Muslime laden zum „Tag der offenen Moschee“. Von Christoph Schmidt

(KNA). Für Ali Kizilkaya geben sich unerfreuliche Themen derzeit die Klinke in die Hand. Die Beschneidungsdebatte, die Krawalle um ein provozierendes, antimuslimisches Video oder die Plakataktion des Bundesinnenministers gegen „Islamismus“ erzeugen täglich Schlagzeilen, die der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland (KRM) lieber nicht lesen würde.
„Der Islam wird immer noch von zu vielen Menschen als Problem wahrgenommen, nicht als Teil dieser Gesellschaft“, meint er. Wenigstens am „Tag der offenen Moschee“ (TOM) an diesem Mittwoch soll das anders sein. Mehr als 600 Moscheegemeinden der vier im KRM zusammengeschlossenen Verbände öffnen ihre Pforten, um mit nichtmuslimischen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen informieren und diskutieren“, sagt Kizilkaya.
Schon zum 16. Mal laden die Muslime in ihre Gebetshäuser ein – stets hochsymbolisch am Tag der deutschen Einheit. Darin stecken wohl zwei Botschaften: Wir identifizieren uns mit diesem Land, ist die eine. Wir fordern einen gleichberechtigten Platz in dieser Gesellschaft, die andere. Die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft vergleichbar den Kirchen scheiterte bisher an formalen Kriterien des deutschen Religionsverfassungsrechts.
Mehr als 2.800 Moscheen stehen in Deutschland, oft kaum als solche erkennbar in Wohn- oder Lagerhäusern gelegen. Doch schon beinahe jede zehnte trägt ein klassisch-islamisches Antlitz, häufig in osmanischer Bauweise mit Kuppel und einem oder mehreren – in der Regel gestutzten – Minaretten. Seit die Bauwelle in den 1990er Jahren begann, erzeugen die repräsentativen Gotteshäuser wie die Religion, für die sie stehen, bei vielen Ängste und Widerstand. Daran konnte „TOM“ als „Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit“ offenbar nur wenig ändern. Umfragen zeigen: Über die Hälfte der Deutschen empfindet Vorbehalte oder gar Abneigung gegen den Islam. „Wir befinden uns in einem sehr langsamen Prozess hin zu einem echten Miteinander“, so Kizilkaya.
Moscheen als Brücken zwischen den Kulturen, der Koran als ewig gültiges Buch und Mohammed als barmherziger Prophet waren Mottos der vergangenen „TOMs“. In diesem Jahr geht es um „Islamische Kunst und Kultur“. Ihr Reichtum sei den wenigsten Nichtmuslimen bekannt, sagt der KRM-Sprecher. Vorträge über arabische Literatur und Wissenschaft, türkische und arabische Musikvorführungen und Ausstellungen zu islamischer Kalligraphie und Ornamentik stehen bundesweit auf dem Programm. Dabei geht es den Veranstaltern um mehr als unpolitische Folklore.
Die Fülle und Lebensbejahung islamischer Kultur soll das Klischee vom strengen, weltabgewandten Islam widerlegen. Gleichzeitig betonen die Veranstalter, dass der Koran und das Leben des Propheten Mohammed die Inspirationsquellen der islamischen Kunst und Wissenschaft sind. Wer nur „Tausendundeine Nacht“ sucht, wird also nicht viel verstehen, denn ohne ein bisschen theologisches Interesse bleibt einem die „Welt des Orient“ verschlossen. Diskussionen über die Freiheit der Kunst seien aber willkommen, verspricht Ali Kizilkaya.
Die Gemeinden erwarten auch in diesem Jahr wieder rund 100.000 Besucher. Bei Führungen erklären sie die Grundlagen des Islam und die Funktion der einzelnen Moscheeelemente. Das ehrfürchtige Flüstern, wie man es aus Kirchen kennt, wird die Akustik dabei nicht erschweren: Moscheen sind keine sakralen Dunkelkammern, sondern waren immer auch Treffpunkte des sozialen Lebens, von dem Gebet und Gottesdienst nur ein Teil sind. „Unsere Gäste sollten nur geziemende Kleidung tragen und die Betenden nicht stören“, bitte Kizilkaya. „Ansonsten brauchen sie nichts zu beachten.“