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Tharik Hussain: We are like ‘time travelers’

Minarette

(iz). There are not many books about Islam and Muslims in Europe that have a transforming effect just by reading them – not to mention enthusiasm. The English travel writer and photographer Tharik Hussain has succeeded in writing such a book with “Minarets in the Mountains.”

In the past, the Briton has worked for the BBC, among others, and published several travel guides on countries such as Saudi Arabia, Bahrain, or Thailand. We talked to him about his new book, the Western Balkans, and European Muslims.

Islamische Zeitung: Dear Tharik Hussain, your latest book “Minarets in the Mountains” has recently been published in English and is going to have a German translation too. As it is so encompassing, is it only a traveling book or equally a history and a description of the present?

Tharik Hussain: It falls into the genre of travel literature, and I believe good travel literature, written by the likes of William Dalrymple, Tim Mackintosh-Smith and others that have influenced me, should do all of this; offer history, an insight of the present and a good, engaging narrative.

Islamische Zeitung:  Since you were not just moving through a physical space but also a temporal, how did you experience this duality of space and time in the places visited?

Tharik Hussain: It was fascinating. I have always loved books written in this way, like the one by Tim Mackintosh-Smith when he follows in the footsteps of Ibn Battuta. Tim put it best when he said to me, we are like ‘time travellers’, and that’s how it can sometimes feel to have that historic window and compare it to what is in front of you.

Islamische Zeitung: You let yourself being guided by the memories of the famous Ottoman traveler Evliya Çelebi. How import was he as an interpretation and as a helper to find your way around in the Western Balkans?

Tharik Hussain: As I state in the book, Evliya’s observations are important because he was writing at a time when many of the places I visited were the most ‘Muslim’ they have ever been, so it allowed me to see just how much of that remains, and then ask questions about why it might have changed. Equally important was the fact that as a Muslim, Evliya was looking at this history and heritage as his own, like I wanted to. This was something previous writers in English about this region didn’t always do because they were not Muslim.

Islamische Zeitung: Dear Tharik, one remarkable aspect of your travel book is that you are not just featuring physical places and their history. You’re always meeting people and engaging with them. What are your impressions of the Muslims you met?

Tharik Hussain: Like people across the globe, they were fascinating. They are very proud of their roots and their identities. These are people with ancient histories who are very secure in who they are. But of course, the most engaging thing was to hear the individual stories of remarkable people like those that saved Jews in the holocaust or fought in the Siege of Sarajevo – all were truly inspiring Muslims of Europe I had not known about before this journey.

Islamische Zeitung: Do you think mainly migrant Muslims in Western Europe pay enough head to this aspect? Should the Muslims in Southeastern Europe receive more representation by the wider Muslim community in the west?

Tharik Hussain: Absolutely. The Muslims of SEE are almost entirely overlooked and not even viewed in the popular domain as part of the global Muslim community. Those living in the western half – many the result of postcolonial migration or conversion to Islam could learn a lot about belonging and identity from a community that has been European and Muslim for almost six centuries.

Islamische Zeitung: What fascinates you most in the Western Balkans?

Tharik Hussain: The way the everyday people there, seem to have always harmoniously bridged the different religious and cultural influences that have come together in this region, from sharing sites of religious significance like the Islamic-Christian tombs of Bulgaria that I write about, through to the pluralist heritage of places like Sarajevo. Yes, the powers that be were warring at various intervals, but the people; how they got along (in the main), inter married, respected each other’s differences – that was fascinating.

Islamische Zeitung: If you had to pick one place during your journey what would it be?

Tharik Hussain: That would be tough, but the most surprising was probably Skopje as I knew very little about it before I arrived, and to then be literally stumbling over stunning Islamic monuments blew me away – but then I could say that about every corner of Muslim Europe!

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Minarette in den Bergen – auf den Spuren Evliya Çelebis im Westbalkan

Minarette

„Als ich aufwuchs, wusste ich nicht, dass es in Europa Städte gibt, in denen der Adhan ein so normaler Teil der Landschaft ist. Ich hätte mir sicher nicht vorstellen können, dass eine solche Stadt nur tausend Meilen weiter östlich liegt und nicht Kairo oder Istanbul heißt.“

(iz). Es gibt nicht viele Bücher über Islam und Muslime in Europa, die schon beim Lesen eine verändernde Wirkung haben – von Begeisterung ganz zu schweigen. Dem englischen Reiseschriftsteller und Fotografen Tharik Hussain ist mit „Minarets in the Mountains“ ein solches Buch gelungen. Der Brite hat in der Vergangenheit unter anderem für BBC gearbeitet und mehrere Reiseführer über Länder wie Saudi Arabien, Bahrein oder Thailand veröffentlicht.

Der Autor, der selbst immer wieder über diese „anderen“ europäischen Muslime erstaunt ist, lässt seine Reise, die von den Wegen des großen osmanischen Reisenden Evliya Çelebi inspiriert ist und sie oft nachempfindet, in Bosnien beginnen. Von dort forscht er den selten gewordenen Spuren der Muslime in Serbien nach, besucht die muslimische Provinz Serbiens, das Sandschak, und reist über das Kosovo nach Nordmazedonien. Von dieser Republik nördlich von Griechenland geht es dann über Albanien, wo er in Vergessenheit geratene muslimische Städte findet, und Montenegro wieder zurück nach Bosnien.

Den Anfang nimmt die Reise allerdings in den Bergen Bulgariens an der Grenze zu Rumänien, wo Tharik Hussain sein Buch beginnen lässt. Hier treffen die Reisenden (ein Großteil des Trips ist als langer Familienausflug aufgelegt) inmitten halbverfallener Ortschaften auf kleine Dorfmoscheen und -Friedhöfe. Teppiche in ihnen machten ihm klar, dass sie durchaus noch in Betrieb waren: „Das waren lebendige muslimische Dörfer. Aber was um Himmels willen hatten sie hier zu suchen?“, fragt Tharik Hussain. Eigentlich war man nach einer Woche in der Heimat des berüchtigten Dracula auf der Suche nach einem Öko-Bauernhof.

„Minarett in the Mountains“ beschreibt beileibe nicht bloß eine Reise in der Gegenwart. Es ist auch stets ein Rückgriff auf die oft (manchmal durch Gewalt) vergessene Geschichte unseres Kontinents. Hussain erinnert seine Leser auch daran, dass Muslim- und Europäer-Sein kein Widerspruch sein müssen. Ihn selbst, so mancher Eintrag, überrascht dieser Sachverhalt selbst am häufigsten.

Es sei lange her, seitdem europäische Reisende Osteuropa als einen Raum von Muslimen geschrieben hätten. Wie die maurische Präsenz in Spanien, Portugal oder Sizilien „werden sie niemals als Teil einer regionalen Geschichte von den Touristenbüros einer Gegend“ beschrieben. Die lange religionsfeindliche Periode der Kommunisten habe die Fußspuren früherer Besucher verblassen lassen. „Das populäre Bild des modernen Osteuropas als säkularer, harter, grauer Ort, der von ethnischen Kriegen heimgesucht wird, ist das Bild, das ein Großteil der Welt akzeptiert hat. Es ist ein Bild, das die sechs Jahrhunderte muslimischer Geschichte der Region und ihre große einheimische muslimische Bevölkerung völlig ignoriert.“ Kein Wunder, dass bulgarisch-muslimische Dörfer mit ihren kleinen, weißen Moscheen ein Schock für ihn waren.

Der vorherige Aufenthalt (der Auftakt zu „Minarets in the Mountains“) habe ihnen die Augen geöffnet, dass es „dort“ noch ein lebendiges einheimisches „muslimisches Europa“ gäbe. Den Reisenden sei aber auch bewusst geworben, wie empfindlich seine Existenz sei und dass es immer noch Bemühungen gäbe, es auszuradieren. Seiner Ansicht nach sei ihr Erbe auch das seiner Kinder, die sowohl Europäer als auch Muslime seien. Als Familie mit einem Anteil an britischen Wurzeln würden gerade Hussains Kinder diese Orte mit anderen Augen sehen. „Als europäischer Muslim fühle ich, dass all dieses alte muslimische Erbe auf dem Balkan auch mein Erbe ist. Es ist das Erbe aller europäischen Muslime und Nicht-Muslime, und wir können viel davon lernen“, sagt Tharik Hussain seinem Gastgeber Aldin in Sarajevo.

Ein Blick auf die Karte Europas machte klar, wohin die Reise für „Minarets in the Mountains“ gehen sollte. Der beste Ort, wo man dieses Erbe des „muslimischen Europas“ heute noch findet, sei der Westbalkan. Eine Sammlung aus sechs Ländern mit Jahrhunderten islamischer Geschichte und umfangreichen muslimischen Bevölkerungsanteilen: Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien sowie – weil sie alte Gemeinschaften haben – Serbien, Nordmazedonien und Montenegro.

Für diese Sommerreise wollte der Autor einen Führer an der Hand haben, der das muslimische Europa wirklich kannte, jemand aus dem Osten. „In Wahrheit gab es nur einen Kandidaten: den großen osmanischen Reisenden des Mittelalters, Evliya Çelebi. Evliya hatte nicht nur viele der Städte auf der von uns zusammengestellten Reiseroute besucht, sondern dies auch in der Mitte des 17. Jahrhunderts getan, als das Osmanische Reich die absolute Grenze seiner Expansion nach Europa erreicht hatte. Evliyas Europa war das ‘muslimischste’, das es je sein würde, und er reiste als Mitglied der kultiviertesten Gesellschaft der Welt durch dieses Europa“, beleuchtet der Autor seine Entscheidung.

Von den 40 Jahren, die Çelebi – oft an der Seite von Paschas – auf Reisen verbrachte, ereigneten sich zehn auf dem Balkan (1660-70). Aus diesem Grund bieten Evliyas Reiseberichte einen spannenden und einzigartigen Einblick in das muslimische Europa. Die Nachfolge in den Spuren „eines solch kultivierten Experten des historischen, muslimischen Europas“, während sie sich auf die Suche nach seinem modernen Gegenstück machten, bedeutete, dass die Reisenden selbst bei einem Verschwinden von Dingen, die Çelebi gesehen hatte, doch eine Erinnerung davon bekamen, wie „muslimisch“ Europa einmal war.

Was „Minarets in the Mountains“ neben vielen anderen Aspekten so lesenswert macht, ist der Fakt, dass sich Tharik Hussain der Allgemeinplätze und Stereotypen enthält. Ja, er kommt nicht umhin, über Orte in Bosnien auch den Krieg und seine Spuren zu erwähnen, aber er belässt es nicht dabei. Ebenso bemerkenswert: In vielen Einträgen aus den sechs Ländern bekommen wir nicht nur selber Lust aufs Reisen, wir lernen auch immer wieder Etwas. Darüber hinaus behandelt „Minarets in the Mountains“ die real existierenden Menschen an diesen Orten nicht als bloße Kulisse. An beinahe jedem Ort zwischen Bosnien und Montenegro begegnet die Reisegruppen Charakteren, die selbst eine Geschichte zu erzählen haben.

Am Ende geht es nicht um steinerne Gebäude, Ruinen, Ortsnamen oder verstaubte Manuskripte, sondern um die Menschen, die sie hervorbrachten, und diejenigen, die heute in und mit ihnen leben.

Tharik Hussein, Minarets in the Mountains: A Journey into Muslim Europe, Bradt Travel Guides, August 2021, Taschenbuch, 338 Seiten, ISBN 978-1784778286, Preis: EUR 12,50