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Warum ein gebrochenes Herz der nächste Weg zu Allah sein kann

(Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin, Foto: I. Desnica

(iz). Unsere Welt ist schnell und kalt. So scheint es zumindest, wenn man an Zeiten der Tiefen denkt. Das Herz schlägt für Tiefschläge. Der Gegenpol zum exzessiven Lebensrausch ist eine dunkelgraue Stimmung der Traurigkeit, über alles. Die Mitte verschwimmt. Unser Dasein zu verstehen, ist eine tägliche Prüfung. Unter der Prüfung Vertrauen aufrechtzuerhalten, ist eine tägliche Aufgabe. Unter der Aufgabe nicht aufzugeben, ist ein täglicher Kampf.
Ein Mensch bricht dir das Herz und du bist verletzt. Katapultiert von einem Pol zum anderen. Du hast diesem Menschen vertraut und er nahm keine Rücksicht. Du redest dir ein, unterstützt von Freunden, die es eigentlich gut meinen, dass es dein Fehler war zu vertrauen. „Dein Herz ist zu weich“. Ist es das? Kann ein Herz „zu weich“ sein?
Nein. Dein Herz ist nicht zu weich. Sei froh, dass es nicht hart ist. Aber wisse es zu schützen. Das weiche Herz als Schwachstelle deines Wesens ist ein fragwürdiger Mythos einer Unterhaltungsindustrie, die von der kurzfristigen Stimulation von Gefühlen lebt. Aus dieser Stimmung wird eine abartige Geisteshaltung geboren. „Sei kalt, damit sie dir hinterherlaufen“. Eine Mittelstufen-Weisheit für Kinderspielchen. Aber kein Rezept für den Aufbau einer überlebensfähigen zwischenmenschlichen Beziehung.
Kälte ist Schwäche. Wärme ist Stärke. Auch wenn es scheint, dass das weiche Herz verletzbar macht. Kommt es drauf an, verletzt du damit dich. Du bist ehrenhaft und edel, du steckst es weg. Aber auch die Kälte macht verletzbar. Nicht etwa dich, sondern dein gegenüber. Du wärst unanständig und böse, du würdest deine Mitmenschen verletzen.
Habe ein weiches Herz und werde verletzt, anstatt zu verletzen. Aber sei weise. Das Diesseits hat nicht den Zweck dich mit nie endender Freude zu erfüllen. Es gibt in dieser Welt keinen Weg am Schmerz vorbei. Du wirst stolpern und hinfallen, immer wieder. Aber das ist nicht schlimm, wenn du damit umzugehen weißt.
Dein Herz wurde gebrochen. Und nun? Das gebrochene Herz als Zustand des Negativen ist auch so ein Thema. Bei Hamza Yusuf heißt es, dass das gebrochene Herz der notwendige Anfang sei um das Gute, um Gott zu finden. „Diese Welt ist da um dein Herz zu zermalmen“, sagt er. Weil wahre Glückseligkeit nicht kompatibel ist mit Vergänglichem. Sei ruhig glücklich in diesem Leben, wisse aber, dass es keine Garantie darauf gibt. Es gibt keinen näheren Weg zu Allah, als über ein gebrochenes Herz.
Es lässt dich deine Verletzbarkeit begreifen. Es lässt dich lernen, dass du nur von dem Einen abhängig bist. Der Einzige, der dir garantiert nicht dein Herz zu brechen, ist derjenige, der es erschuf, heißt es gern. Und nur Er ist es, der dieses gebrochene Herz heilen kann. Ob du Ruhe im Gedenken Seiner Herrlichkeit und der Schönheit Seiner Gesandten und Lieblinge findest oder Er dir andere Menschen schickt, die sich um dein Herz kümmern – Er heilt es.
Du hast vertraut und es wurde missbraucht. Vertraue noch ein letztes Mal, diesmal in deinen Schöpfer. Es wird nicht wirklich das letzte Mal sein, denn Er wird dich nicht enttäuschen und dir die Fähigkeit geben das Gute in der Welt und den Menschen zu erkennen. Aber ebenso auch das Schlechte und die Falschheit. Das ist die Weisheit, die dir fehlte. Wann auch immer du das Gefühl bekommst die Welt sei zu voll mit Verlogenheit, Falschheit und Ungerechtigkeit, vergiss nicht, dass Der Gerechte und Der Wahrhaftige ewig ist und es so auch immer Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit in Natur und Mensch geben wird.
Dein Herz war nicht zu weich. Es war gesund. Dass es gebrochen wurde, war dein erster Schritt zur Selbstfindung. Bei Imam al-Ghazali heißt es, dass es keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis gibt. Dein gebrochenes Herz ist dein direkter Weg zu Allah. Geh ihn.

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