(Sisters’ Magazine/IZ). Die Anspannung war aus mir gewichen. Mein Ärger Âmachte Platz für einen ruhigen Blick und eine leise Stimme. Bei mir ist das ein sicheres Anzeichen, dass ich schwer verletzt bin und mich innerlich ÂzurückÂziehe. Mein Mann steht vor mir und sein Blick durchbohrt mich Âbeinahe. Fast könnte man die vollkommene Lähmung mit Händen greifen, die uns hindert, uns zurückzuziehen oder zu kommunizieren.
Eine Aufzeichnung des letzten Monats würde auf der Oberfläche ein erstaunliches Paar zeigen, voller Freundlichkeit, Süße und Humor. Dafür müssen wir Allah danken; dies ist die Folge von Barmherzigkeit in einer Beziehung. Trotzdem hatten wir das Gefühl, dass eine Mauer zwischen uns stünde. Aber wir konnten uns nicht sagen, was unser Problem war beziehungsweise, was „es“ ist.
Schließlich kam der Augenblick der Wahrheit. Tief in seinem Inneren Âfühlte mein Mann, dass es ihm an Bedeutung fehlte. JahrelanÂge Erfahrung hat mich gelehrt, dass das, was ein Mann wirklich in der Ehe sucht, nichts mit einem sauberen Haushalt oder einer dauerÂläÂchelnden Frau zu tun hat. Natürlich liebt er es, wenn ich all dies tue. Und er schätzt meiÂne Anstrengungen. Aber, wenn das „es“ fehlt, werden all diese Dinge zur Glasur eines Kuchens, der innen hohl ist.
Er wollte ernsthaft über seine ÂGefühle sprechen, die Âandere Aspekte seines LeÂbens betreffen. Aber mein Mann Âwusste nicht wie. Was er wirklich wollte, war, dass ich ihm Âeinfach zuhöre und den Raum gebe, seine Emotionen in Ordnung zu bringen. Er wussÂte, dass ich ihn liebe und mich um ihn sorge. Aber er war sich in solchen MoÂmenten nicht sicher, ob ich ihn immer noch auf die Art und Weise Ârespektierte, die er sich vorstellte. Ich für meinen Teil hatte Âspiegelbildliche Probleme: Ich hatte gleichfalls das GeÂfühl, dass mein Mann sich vor mir verschloss und im Innersten nicht gewillt war, mein emotionales Bedürfnis von ihm geliebt zu werden, zu erfüllen. Ich begann in diesem Augenblick mit einem schrittweisen Rückzug. So entstand langsam ein Kreislauf, der an einer Beziehung nagt.
Genau an diesem Punkt driften viele Ehen auseinander. Die Frau hat den ÂEindruck, nicht bis in ihren Kern Âhinein geÂliebt zu werden. Der Mann seinerseits meint, dass sie ihn nicht aufrichtig Ârespektieren würde. Das aufzulösen ist schwierig, denn die Beteiligten können nur selten ihre eiÂgenen Gefühle erkennen; von den innersÂten Bedürfnissen ihres Ehepartners ganz zu schweigen.
Unser Streit war eine verborgene Segnung. Er war notwendig, um all dies ans Licht zu bringen. Das klärende GeÂspräch danach war voller Barmherzigkeit. Ich bin dankbar dafür und noch mehr für die Stunden, die wir danach mit Âunserem offen gelegten Innersten verbrachten. Wir streckten die Hand nach dem anderen aus und überwanden unsere Verletzungen und Enttäuschungen.
Ich kann glücklich berichten, dass wir uns wieder über das ganze Gesicht anÂlächeln und wie ein frisch verliebtes Paar aussehen. Und Âunsere Kinder? Die treiben wir mir Âdieser neuen Dosis Zuneigung in den Wahnsinn. Nach Ansicht von lebensklugen ÂMenschen ist dies ein normaler Prozess in im Leben einer beschäftigten Frau und Mutter, die innerlich ausbrennt. Wenn man zu Hause arbeitet, fügt dies eine weitere Stress-Ebene hinzu. Was in solchen Situationen fehlt, ist nicht die Sorge um den Ehemann, sondern die Sorge um sich selbst. Nur wenn die Frau gut auf sich acht gibt, kann sie sich überhaupt um Ehemann und – noch wichtiger – die Kinder kümmern. Fühlt sich eine Frau schön, stark und faszinierend, ist sie wieder in der Lage, Momente der Freude mit ihrem Ehemann zu empfinden und sich um ihn zu sorgen.
Die allem zugrunde liegende Frage ist: „Was ist der Zweck meiner ExisÂtenz?“ Oft sind Frauen schockiert, wenn man mit ihnen diesen mentalen Prozess durchläuft und am Ende feststellt, dass eine Schwäche oder eine Stagnation des Imans die Wurzel des Problems ist. Intellektuell kennen wir unseren Lebenszweck, aber verlieren alle von Zeit zu Zeit unser emotionales und spirituelles Ziel aus den Augen. Wenn wir das Problem an Âseinen Ausgangspunkt zurückführen, drängt sich oft die folgenÂde ÂEinschätzung auf: „Ich verliere den Kontakt zum eigentlichen Kern meines Lebens. Als Folge habe ich damit anÂgefangen, mein Leben auf Autopilot umzuschalten.“
Es lohnt sich, folgende Dinge zu tun:
1. Was fehlt in meiner Beziehung zu Allah? Welche Bereiche werden durch das wundervolle, geschäftige Leben, mit dem wir gesegnet wurden, Âvernachlässigt?
2. Formulieren sie, was ihnen dazu einfällt und teilen sie es mit ihrem Ehemann. Es braucht wiederkehrende Momente, in denen sich die Herzen begegnen und der jeweils andere weiß, was wirklich geschieht. Suchen sie Hilfe und Rat ihres Gatten. Teil dessen, was man als Frau wirklich will, ist die Stärke eines ÂMannes, der ihr hilft, auf sich selbst acht zu geben. Aber solange der Ehemann nicht weiß, was vor sich geht, bleibt er im DunkÂlen und kann seiner Frau auch nicht Âhelfen.
3. Nehmen sie sich eine täglich Auszeit, in der sie mit Allah und sich selbst alleine sein können. Jeder Mensch braucht jeden Tag Momente des Innehaltens und der spirituellen Erfüllung.
Wer diese Ratschläge beherzigt, kann erleben, dass die selbstbewusste Energie zurückkehrt und, ehe man sich versieht, auch die Verspieltheit und Romantik.
Megan Wyatt wuchs im US-amerikanischen Ohio auf und nahm als Studentin der Ohio State University im Alter von 19 Jahren den Islam an. Sie ist Ehefrau und Mutter zweier Kinder. Wyatt ist Beraterin, Geschäftsfrau und Gemeinschaftsaktivistin. In den letzten drei Jahren machte sie eine Ausbildung zur Paarberaterin.
Wichtiger als die Beziehung zum Ehemann ist die zu Allah. Von Megan Wyatt & Laila Massoudi
Ausgabe 201