Über Tolstois Berührungen mit dem Islam

(iz). Wie Goethe im deutschsprachigen Raum und Shakespeare im englischsprachigen, ist Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) im russischsprachigen Raum der herausragende Schriftsteller seiner Kultur. Doch anders als Goethe und Shakespeare war Tolstoi nicht nur Verfasser schöngeistiger Literatur, sondern auch zahlreicher Schriften mit direktem Bezug zur Religion und zur Politik seiner Zeit. (Manche Passagen wie etwa aus […]

16.04.2022 Ahmad von Denffer 5 Min. Lesezeit
Tolstoi Buchvorstellung

Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei

(iz). Wie Goethe im deutschsprachigen Raum und Shakespeare im englischsprachigen, ist Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) im russischsprachigen Raum der herausragende Schriftsteller seiner Kultur. Doch anders als Goethe und Shakespeare war Tolstoi nicht nur Verfasser schöngeistiger Literatur, sondern auch zahlreicher Schriften mit direktem Bezug zur Religion und zur Politik seiner Zeit. (Manche Passagen wie etwa aus „Gegen den Krieg“ oder „Das Gesetz der Gewalt“ sind gerade heutzutage wieder relevant.) Auch mit dem Islam ergaben sich in Tolstois Leben und Denken einige Berührungen. Spuren davon findet man weniger in seinen Werken und mehr in seinen Tagebüchern, Briefen und Hinweisen mancher seiner Zeitgenossen. Tolstois gesamter schriftlicher Nachlass umfasst 90 Bände, die in den Jahren 1928-1958 veröffentlicht wurden und mittlerweile auch digitalisiert vorliegen.

Muslime besonders ansprechen mag auf den ersten Blick ein kurzer Austausch mit Mohammed Abduh (1849-1905), dem Mufti Ägyptens. Dieser hatte durch Vermittlung eines Bekannten an Tolstoi geschrieben und ihn vor allem zu seiner Lossagung von der kirchlichen Lehre beglückwünscht. Tolstoi antwortete mit ein paar höflichen Zeilen, doch ist ungewiss, ob sie Abduh erreichten, der bald darauf verstorben war.

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