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Darf im Himmel gelacht werden?

Ausgabe 371

himmel gelacht lachen
Foto: AchillesReel/peopleimages.com/Adobe Stock

Dialog über die Frage, ob im Himmel gelacht werden darf. Ein transzendentales Manifest von Peter Schütt.

(iz). In meiner hochbetagten Seniorenschreibwerkstatt lassen wir die sich häufenden aktuellen Krisen und Kriege lieber links liegen und wenden uns am liebsten dem uns viel näher liegenden Jenseits zu.

Unser diesseitiger Dialog verwandelt sich so in ein metaphysisches Kolloquium. Darf im Himmel gelacht werden? Mit dieser eher scherzhaft gemeinten Frage hat uns während unserer letzten Sitzung ausgerechnet unser Senior einigermaßen ratlos gemacht.

„Warum nicht?“, habe ich als Himmelstürsteher spontan geantwortet. Ausgerechnet unser Junior fällt mir ins Wort. Aber was gibt es im Himmel zu lachen? Ich stelle mir Euren Himmel ziemlich langwierig und langweilig vor, nichts als Beten und in die Knie gehen.

Unser wohlgemuter Senior, Thomas Mann versiert, stimmt ihm ausnahmsweise zu: „Ich kann Deine Abneigung verstehen: Ein Zauberberg für alle Ewigkeiten, ein Tag so lang, so langweilig wie der andere, gepflegte Langeweile von früh bis spät, das wäre auch nichts für mich.“

Ich falle beiden ins Wort. „Ich glaube, Ihr seid auf dem falschen Dampfer. Ihr verwechselt das Paradies mit einer in alle Zeit und Ewigkeit verlängerten Vorruhestandsregelung. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ihr verschlafenen Erdlinge werdet auferweckt zu einem neuen Leben, ein Leben jenseits aller von Erden vertrauten Langenweile, ein Leben mit lauter neuen Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnissen.“

Ich träume davon, beim himmlischen Freitagsgebet meinem Propheten von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Zwischenfrage unseres lachenden Dritten: „Ohne vor ihm in die Knie zu sinken? Ja, antworte ich, ich bevorzuge Augenhöhe. Im Paradies entfällt ja auch die Schwerkraft, die uns hier unten immer wieder nach unten zieht.“ – „Du meinst, da oben seid ihr schwerelos?“

„Nein, das nicht. Ich sage lieber: unbeschwert. Wir Menschenkinder tragen in uns ein unbändiges Verlangen, wir wollen grenzenlos leben, lieben und uns dem anderen hingeben. Unser Herz ist unersättlich, es kann im Endlichen nicht gesättigt werden. Es sehnt sich sehnsüchtig nach dem Himmelslicht. Ich möchte auch im Himmel immer wieder neue und andere Menschen kennen und lieben lernen. Und zu guter Letzt bin ich gespannt darauf, hoch oben Lebensgefährtinnen und Gefährten wieder zu treffen, die ich schon auf Erden liebgewonnen habe und auch auf der höchsten Erkenntnisstufe nicht vermissen möchte.“

Da fällt mir zuallererst meine patente Nachbarin Petra Quaas ein, die mich Schwerenöter nach einem brutalem Raubüberfall wie ein Schutzengel aus schwerster Not gerettet hat. Ich denke dankbar an meine Mutter, die Gott dazu ausersehen hat, mich mit dem ersten Licht dieser und der kommenden Welten zu erleuchten. Vorausschauend behalte ich auch meine eigenen Kinder und Kindeskinder im Auge. Ich möchte meiner Allerliebsten auf Erden noch einmal tränenfeuchtes Auges gegenübertreten. Sie hat mir, geborgen im Verborgenen, erste Vorahnungen der himmlischen Liebesfreuden anvertraut.

Ich freue mich darauf, meinem Himmelstüröffner Imam Razvi wieder zu begegnen und ihm Rede und Antwort zu stehen. Ihm gegenüber habe ich gerade noch zur rechten Zeit in der Hamburger Moschee, die den Namen meines Schutzheiligen Imam Ali trägt, mein Glaubensbekenntnis bekundet.

„Aber der“, fragt mich unser Werkstatt-Senior, „war nicht dein einziger Lehrer?“

Nein, nein, mein wichtigster Lehrer, nein, meine wichtigste Islamlehrerin, war und bleibt Annemarie Schimmel. Ihre Spuren findest Du in meinen Büchern, sie hat meinen Humor über den grünen Klee gelobt und mir zu guter Letzt auch noch eine weibliche Seele angedichtet.

* Angeregt durch einen Essay von Dr. Cemil Sahinöz in der Ausgabe April 2026 der „Islamischen Zeitung“.