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Trumps Pyrrhussieg: Überlegungen zu einem sinnlosen Krieg

Ausgabe 371

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Foto: The White House

Präsident Donald Trump hat im Krieg gegen den Iran den Sieg für sich beansprucht, noch bevor der Konflikt überhaupt beendet ist. Was bedeutet der Begriff eigentlich?

(The Conversation). Obwohl der Staatschef des Landes getötet und dessen Militär schwer geschwächt wurde, wird argumentiert, dass die Islamische Republik allein dadurch, dass sie überlebt hat, umso stärker hervorgegangen sei. Von Andrew Latham

Tatsächlich ist ein Wort, das regelmäßig auftaucht, während die USA immer mehr Militärgüter und Glaubwürdigkeit in die Operation „Epic Fury“ investieren, der „Pyrrhussieg“. Dieser Begriff taucht auch in Rückblicken auf den Irakkrieg, in Nachbetrachtungen zu US-Aktionen in Libyen und in so gut wie jedem ernsthaften Versuch auf, die letzten zwei Jahrzehnte westlicher Interventionen im Nahen Osten zu verstehen. Aber was genau ist ein solcher „Sieg“? Und steuern die USA im Iran wirklich auf einen zu?

Die meisten Menschen verwenden diesen Ausdruck für einen Erfolg, dessen Erlangung mehr gekostet hat, als er wert war. Das trifft es zwar in etwa – lässt aber einen entscheidenden Teil der Geschichte außer Acht, der dieses Konzept erst richtig sinnvoll macht.

Gehen wir zurück zum Anfang. Im Jahr 280 v. Chr. marschierte Pyrrhus, der König des antiken griechischen Königreichs Epirus, in das heutige Süditalien ein, um gegen Rom zu kämpfen. Er gewann bedeutende Schlachten bei Herakleia und im folgenden Jahr erneut bei Asculum.

Doch beide Siege setzten ihm schwer zu. Sein Offizierskorps wurde regelrecht aufgezehrt. Und seine besten Truppen stammten aus einem kleinen Königreich, weit entfernt von den Kampfhandlungen. Sie ließen sich nicht in einem Ausmaß ersetzen, wie es in Rom möglich gewesen wäre.

Nach Asculum soll er gesagt haben: „Wenn wir noch eine Schlacht gegen die Römer gewinnen, sind wir endgültig ruiniert.“ Plutarch (griechischer Historiker im Römischen Reich) hielt dies für die Nachwelt fest, und dieser Satz überdauerte alles andere, was über diesen Feldzug bekannt ist.

Das Problem war nicht, dass der König einen hohen Preis für den Sieg zahlte. Vielmehr verschob sich durch jeden Gewinn das Kräfteverhältnis zu seinen Ungunsten.

Ein Krieg kann kostspielig sein, ohne ein „Pyrrhussieg“ zu sein. Wenn man aus einer Schlacht deutlich stärker als der Gegner hervorgeht, dann hat man – unabhängig von den Kosten – etwas Reales gewonnen. Von einem solchen spricht man, wenn die Seite, die den Sieg für sich beansprucht, sich tatsächlich in einer schwächeren Position befindet als zu Beginn der Kämpfe.

Wie hat das alles nun mit den Konflikten der USA im 21. Jahrhundert zu tun? Der Irak im Jahr 2003 ist der naheliegende Ausgangspunkt. Die US-Streitkräfte und die Koalitionstruppen stürzten Saddam Husseins Regime in nur drei Wochen. Gemessen an ihren eigenen Maßstäben war die Operation erfolgreich. Doch dabei brach der irakische Staat zusammen: Die Armee war weg, die Ministerien waren ausgehöhlt und die Polizei fehlte.

Was folgte, waren, grob gesagt, Aufstände, ein konfessioneller Krieg und schließlich der Aufstieg der Gruppe „DAESCH“. Der Irak fungierte zudem als eines der wichtigsten Gegengewichte zur iranischen Macht im Persischen Golf. Nicht absichtlich und nicht im Sinne einer Zusammenarbeit, sondern als Rivale, der Teheran in Schach hielt. Die Beseitigung Saddams schuf Raum für den Nachbarn, regionalen Einfluss auszuüben, wie er ihn seit 1979 nicht mehr genossen hatte.

Ohne diesen Wandel ergibt der aktuelle Krieg im Iran keinen Sinn. Die USA marschierten im Irak ein, um eine vermeintliche Bedrohung zu eliminieren – und haben letztendlich eine andere noch verstärkt.

Es ist noch zu früh, um mit Sicherheit zu beurteilen, welchen Platz der Irankrieg unter diesen Kriegen einnimmt. Doch die Umrisse zeichnen sich bereits ab. Der Oberste Führer des Iran, Ali Khamenei, ist nicht mehr am Leben, und die Raketenstreitkräfte sowie die Seestreitkräfte des Landes haben schweren Schaden genommen. Washington hat den Sieg erklärt, und nach seinen eigenen Maßstäben gibt es gute Gründe dafür.

Auf der anderen Seite kontrolliert Teheran weiterhin weitgehend die Straße von Hormus. Es verfügt damit über Einflussmöglichkeiten, die es vor dem Krieg nicht genutzt hat. Unterdessen haben sich Ölpreise von fast 100 US-Dollar pro Barrel auf die Weltwirtschaft ausgewirkt. Und Russland ist, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben, in der Lage, von diesem Glücksfall zu profitieren.

Die Frage des iranischen Atomprogramms – einer der vielen erklärten Gründe für die US-Kampagne – scheint nun weniger wahrscheinlich zu sein, als zuvor gelöst zu werden: Ein Staat, der ein solches Maß an Bestrafung erdulden musste, hat stärkere Gründe, eine Abschreckung zu wollen, nicht schwächere.

Folgt Trump also dem Weg des Pyrrhus? Dieser ist nicht nur ein schmerzhafter Sieg. Es ist ein Gewinn, nach dem man gegenüber demselben Gegner schlechter dasteht. Die Frage, die oft übersehen wird, wenn die Kämpfe aufhören, lautet: Was genau hat sich durch ihn verändert?

Der König hatte seine Antwort nach Asculum. Mit Blick auf die Straße von Hormus, die Ölmärkte, die ins Stocken geratenen Gespräche in Islamabad und Teheran, das noch mehr Gründe hat, eine nukleare Abschreckung anzustreben, wird Trump seine vielleicht bald haben. 

* Übersetzt und veröffentlich im Rahmen einer CC-Lizenz.