Muslime und Ökonomie – weder esoterisch, noch ideologisch

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Wir Muslime sind durch unsere Lehre und die heutigen Verhältnisse zur Beschäftigung mit der Ökonomie gezwungen.

(iz). Es sind Zahlen, die wie Fiktion wirken: Je nach Zählweise verschwanden 100 oder 600 Milliarden binnen weniger Tage, als der Kurs von SpaceX nach einem rekordverdächtigen Börsengang abstürzte. Erst überholte das Unternehmen die Giganten der Tech-Welt, dann „kehrte die Aktie zur Erde zurück“, wie es eine US-Zeitung formulierte.

Die Finanzmärkte von heute kennen solche Höhenflüge und Stürze. Sie markieren eine Ordnung, in der Spekulation wichtiger geworden ist als die reale Versorgung der Menschen mit Gütern, Arbeit und Nahrung.

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Grafik: IZ (alle Fotos gemeinfrei oder CC BY-SA 3.0)

Thomas Piketty beschrieb sie als Phase, in der die Rendite auf Kapital dauerhaft höher ist als das Wirtschaftswachstum – und damit die Ungleichheit strukturell zunimmt.

Global besitzen die ärmsten fünfzig Prozent der Weltbevölkerung nur einen geringen Teil des Vermögens, während das reichste Zehntel über drei Viertel des Privatbesitzes verfügt.

Die „Kuznets-Kurve“ versprach, dass sich diese Diskrepanz bei wachsendem Wohlstand von selbst korrigiere. Wir leben in einer kannibalistischen Weltordnung, in der der Hunger von Millionen nicht als Skandal betrachtet wird, sondern als bedauerliche Randerscheinung.

Aus islamischer Sicht ist die Trennung von Markt und Moral ein Irrtum. Handel und Ökonomie gehören zur Offenbarung und nicht zu ihrem Randbereich. Verträge sollen auf gegenseitiger Zustimmung beruhen.

Transparenz und Gerechtigkeit sind Bedingungen ihrer Gültigkeit. Eigentum ist eine Amana, bevor es ein Recht ist. Im Qur’an ist der Anteil der Armen am Vermögen der Reichen ein Recht und keine mildtätige Laune.

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Deshalb war der Versuch problematisch, die kapitalistische Mechanik zu „islamisieren“ und ansonsten dieselbe Logik zu übernehmen.

Viele Jahre „Islamisches Banking“ haben Instrumente hervorgebracht, die das konventionelle Finanzwesen bis hin zur Einbindung in dieselben Kreisläufe präzise nachbilden. „Islam“ wird zu einem Label, zu einem Unterscheidungsmerkmal in einem überfüllten Finanzdienstleistungsmarkt.

In dieser Erzählung gibt es Brüche. Ansätze wie eine „Islamic Gift Economy“ von Adi Setia beginnen nicht bei der Disziplin, sondern beim Menschen und seiner kosmologischen Situation.

Sie gehen von Fülle statt von ewiger Knappheit aus und verankern Wirtschaften in Zusammenarbeit, gegenseitiger Verantwortung und Gemeinwohl. Praktische Projekte – von gemeinschaftlicher Landwirtschaft bis hin zu lokalen, regenerativen Ökonomien – zeigen, dass muslimische Akteure beginnen, die vermeintliche Marktlogik zu umgehen, anstatt sie nur zu kaschieren.

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