Lailatu’l-Qadr – wenn die Engel herabsteigen

Engel Lailatu’l-Qadr

Wer die Lailatu’l-Qadr der Bestimmung in Anbetung verbringt, bekommt eine große Belohnung. In dieser Nacht steigen die Engel herab.

(iz). Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und Bestimmung, ist eines der größten Geschenke Allahs, des Erhabenen, an die Muslime. Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch: „Herabgesandt haben Wir ihn in der Nacht der Macht und Bestimmung. Und du weißt sehr wohl, was die Nacht der Macht und Bestimmung ist. Die Nacht der Macht und Bestimmung ist besser als tausend Monate. In ihr kommen die Engel herab und der Ruh (Geist) mit der Erlaubnis ihres Herrn und Seinem Befehl. Friede ist sie bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ (Sura Al-Qadr)

Zum Anlass der Bekanntmachung der Lailatu’l-Qadr wurde unter anderem das Folgende vom Propheten überliefert: „Jemand berichtete dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm, von einem Mann von den Söhnen Israels, der tausend Monate lang die Nächte im Gebet verbrachte und an den Tagen auf dem Wege Allahs kämpfte. Der Gesandte Allahs, Friede sei mit ihm, war davon sehr beeindruckt und wünschte sich dasselbe für seine Leute. Er sagte: ‘Ya Rabbi, Du hast meine Leute (verglichen mit den Völkern vor ihnen, als die) mit der geringsten Lebensspanne und (daher als die) mit den wenigsten Taten erschaffen,’ worauf Allah ihm die Lailatu’l-Qadr, die Nacht der Macht und Bestimmung (zu erkennen) gab.“

Foto: Yaqeen Institute

Herabsendung des Qur’an durch die Engel

In dieser Nacht sandte Allah den Qur’an herab, und in ihr werden die Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Allah sagt im Qur’an: „Wir sandten ihn herab in der Nacht der Macht und Bestimmung“ und „Wir sandten ihn herab in einer Nacht, in der alle entscheidenden Dinge festgelegt werden.“

Über die Herabsendung des Qur’an finden wir in den Erläuterungen zum Qur’an (Tafsir) folgende Überlieferungen: „Allah sandte den Qur’an in dieser Nacht von der Wohlbewahrten Tafel zum uns nächsten Himmel herab. Der Engel Dschibril (Gabriel), Friede sei mit ihm, diktierte den Qur’an den Engeln des uns am nächsten gelegenen Himmels, die ihn dann auf Seiten aufschrieben. Diese Seiten wurden an einem Ort mit dem Namen Baitu’l-Izza, das Haus der Würde, aufbewahrt und von dort aus überbrachte Dschibril, Friede sei mit ihm, den Qur’an zu verschiedenen Anlässen und Begebenheiten dem Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm.“

Der Vorgang der Offenbarung geschah in einem Zeitraum von etwa 20 bis 23 Jahren in unsere Welt. Der Qur’an wurde somit sowohl als Ganzes, als auch Stück für Stück offenbart.

Der große Wert der Lailatu’l-Qadr

Wer die Nacht der Bestimmung in der Anbetung Allahs verbringt, bekommt eine Belohnung, als ob er tausend Monate (in denen diese Nacht nicht enthalten ist) durchgehend in der Anbetung Allahs (‘Ibada) verbracht hätte. Wer diese Nacht, in Erwartung der großen Belohnung, die in ihr für alle guten Taten liegt, mit Erinnerung an Allah (Dhikr) und Anbetung verbringt, dem werden seine Fehler und falschen Taten vergeben.

Die Nacht der Bestimmung ist ein besondere Eigenschaft der Muslime. Keinem anderen Volk, keiner anderen Gemeinde hat Allah vorher dieses Wissen gegeben. Er hat jedoch die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr vor den Menschen verborgen, damit viele der Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden. Allah hat auch anderswo gewisse Dinge und Zeiten in anderen verborgen, um die Menschen zu Mehr und Besserem anzuregen. Dazu gehören z.B. folgende Dinge und Zeiten:

• Die Lailatu’l-Qadr im Ramadan, damit viele der Nächte des Ramadan auf der Suche nach ihr verbracht werden.

• Die genaue Zeit am Tag des Freitagsgebetes (Dschumu’a), zu der von Allah die Bittgebete (Du’a) erhört werden, damit man während des gesamten Tages Du’a macht.

• Das Mittlere Gebet (Salaatu’l-Wusta) unter den anderen, damit man alle gleich schätzt und alle einrichtet.

• Seinen Höchsten Namen verbarg Allah unter Seinen anderen Namen, damit die Menschen Ihn bei allen Seinen Namen anrufen.

• Den größten Wali (Freund Allahs), den Qutb, den Pol der Schöpfung, unter den Gläubigen, den Muminun, damit man alle respektiert und über alle gut denkt und spricht.

• Die Stunde, zu der das Ende dieser Welt und allem, was auf ihr ist, kommen wird, damit sich die Menschen immer an sie erinnern und sich davor in Acht nehmen.

• Die Zeit des Todes einer Person in seiner Lebensspanne, damit sie immer darauf vorbereitet ist.

Tarawih Nachtgebet Islam

Foto: Wikipedia.org

Der genaue Augenblick ist unbekannt

Selbst wenn man die genaue Zeit der Lailatu’l-Qadr nicht erkennt, bekommt man doch von der unermesslichen Belohnung, die in ihr liegt, durch die Absicht und die Suche nach ihr. Wer in der Lailatu’l-Qadr das Nachtgebet (‘Ischa) in der Moschee mit der Gemeinschaft verrichtet, bekommt seinen Anteil an der Lailatu’l-Qadr. Diese Nacht ist am wahrscheinlichsten innerhalb der letzten zehn ungeraden Nächten des Ramadan zu finden.

Die Zeichen der Lailatu’l-Qadr sind unter anderem, dass in dieser Nacht der Himmel sehr klar ist; es ist eine relativ milde Nacht, nicht zu heiß, nicht zu kalt; es ist eine ruhige Nacht, das Bellen von Hunden und das Rufen der Esel ist in dieser Nacht weniger; Salzwasser wird etwas süßer; man kann beobachten, wie die verschiedenen Geschöpfe Allahs sich auf ihre Art und Weise vor Allah niederwerfen; man hört, als ob es menschliche Worte wären, wie jedes Ding sich an an Allah erinnert, und am Sonnenaufgang ist der Tag besonders hell und rein. Nacht der Bestimmung

Die Engel steigen herab

In der Sura Al-Qadr sagt Allah: „Die Engel steigen herab und der Ruh mit der Erlaubnis ihres Herrn, und mit Seinem Befehl.“ In dieser Nacht werden die Geschicke aller Dinge für das kommende Jahr festgelegt. Das heißt, dass alle an der Ausführung beauftragten Engel in dieser Nacht über ihre Aufgaben für das kommende Jahr unterrichtet werden – das sind Dinge wie beispielsweise die Verpflegung und Versorgung des Menschen, die Zeiten des Todes und alles, was das nächste Jahr bringen wird. Diese Bestimmung wird den sogenannten „Verwaltern“, den vier großen Engeln Dschibril, Mikail, Israfil und Azrail, Friede sei mit ihnen, zur Ausführung übergeben.

Foto: Pixabay | Lizenz: CC0 Public Domain

Die Engel steigen herab In der Lailatu’l-Qadr kommen die Engel, die sich sonst am Lotusbaum (Sidratu’l-Muntaha) an der Grenze der erschaffenen Dinge aufhalten, auf die Erde. Dschibril, Friede sei mit ihm, kommt auf die Erde herab und bringt vier Banner mit sich.

Eines stellt er am Grab des Propheten auf, eins am Baitu’l-Maqdis, der Moschee in Al-Quds (Jerusalem), eins am Masdschidu’l-Haram, der Moschee um die Ka’aba, und eins am Berg Sinai. Er geht in dieser Nacht in jedes Haus, in dem ein Gläubiger oder eine Gläubige wohnt und begrüßt sie und sagt: „Oh Gläubiger/Oh Gläubige, der Friede, As-Salam, grüßt euch mit Frieden, Salam.“

Er macht dabei keine Ausnahme ob rechtschaffen oder nicht; nur drei Gruppen besucht und grüßt er nicht: Alkoholiker, Leute die Schweinefleisch essen, und Leute, die die Familienbande brechen.

Der Geist

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, was der Geist, der Ruh, sei, der hier gemeint ist. Es gibt die Ansicht, dass damit Dschibril, Friede sei mit ihm, gemeint ist, und es gibt eine Ansicht, die sagt, dass dieser Ruh, der in der Lailatu’l-Qadr auf die Erde herab kommt, ein Engel ganz besonderer Art ist. Dieser Engel befindet sich direkt unter dem Thron Allahs und ist von gewaltiger Größe.

Er preist Allahs Majestät jeden Morgen und jeden Abend. Er hat tausend Köpfe, in jedem Kopf hat er tausend Gesichter, in jedem Gesicht tausend Münder, und in jedem Mund tausend Zungen, und jede Zunge preist und lobt Allah auf tausend verschiedene Arten und jede seiner Zungen spricht eine andere Sprache als die anderen.

Wenn dieser Engel seine Münder öffnet, um Allah zu loben, werfen sich alle Engel in den sieben Himmeln in Sadschda nieder – aus Furcht, die Intensität des Lichtes, das aus seinen Mündern kommt, würde sie auslöschen. In der Nacht der Bestimmung kommt er wegen der besonderen Bedeutung dieses Augenblicks auf die Erde. Er bittet Allah mit allen seinen Mündern bis zum Anbruch der Morgendämmerung um Vergebung für jeden Mann und jede Frau aus der Gemeinde Muhammads, Friede sei mit ihm, die das Fasten einhalten.

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Muslime und Führung: Belohnung versus Verantwortlichkeit

führung steine moschee

Führung: Über verschiedene Ansätze im muslimischen Diskurs zum Thema Verantwortung und Leitung.

(Fiqh of Social Media). Abu Dharr fragte einst den Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Wirst du mich nicht zu einem Anführer ernennen?“ Der Prophet antwortete: „O Abu Dharr, du bist schwach, und es ist eine öffentliche Vertrauensstellung. Wahrlich, am Tag der Auferstehung wird es nur Bedauern hervorrufen, außer für den, der es mit Recht annimmt und seine Pflichten erfüllt“ (überliefert von Muslim). Von Omar Usman & Navaid Aziz

Diese Überlieferung stellt dem Wunsch nach Führung die damit verbundene Verpflichtung gegenüber. Der Gesandte Allahs betonte, dass der Wunsch nach Kontrolle direkt mit dem Verlust von Allahs Hilfe und Beistand verbunden ist: „Bittet nicht um Autorität. Wenn sie dir auf deine Bitte hin gegeben wird, wirst du dafür voll verantwortlich gemacht. Wenn sie dir aber ohne deine Bitte gegeben wird, wird Allah dir dabei helfen“ (Bukhari und Muslim).

Wenn wir dieses Konzept ein wenig weiter ausdehnen, können wir die Idee der Führung in zwei konkurrierende Ansätze (oder Absichten) einteilen: belohnungsbasiert und verantwortungsbasiert.

Belohnungsbasierte Führung

Es gibt eine gefährliche Karikatur der belohnungsbasierten Führung: das unqualifizierte, inkompetente und egoistische Individuum, das glaubt, dass es trotz mangelnder Qualifikation und Fähigkeiten eine Position verdient hat. Es ist ein bedrohliches Narrativ, weil wir das Bild einer bestimmten Person in unseren Köpfen haben, die wir nicht sind. Deshalb meinen wir, vor ihr sicher zu sein.

Die Realität ist, dass es viel tiefer geht. Es fällt mir auf, wenn ich Interviews mit Sportlern höre, nachdem sie eine Meisterschaft gewonnen haben. Fast immer erwähnen sie, wie hart sie dafür gearbeitet haben.

Das mag einfach klingen, hat aber zwei verheerende Folgen. Erstens untergräbt es die Fähigkeit zur Empathie, denn es impliziert die Annahme, dass diejenigen, die es nicht geschafft haben, ihr Schicksal verdient haben: Weil sie nicht hart genug gearbeitet hätten. Zweitens wird Erfolg (wie auch immer er definiert wird) als ein Preis dargestellt, der als Belohnung für diese harte Arbeit erreicht werden kann.

Tugenden

Foto: Adriana, Adobe Stock

Das Gefährliche an einer belohnungsbasierten Führungsperspektive ist, dass sie von einem Ort der Aufrichtigkeit ausgehen kann. Wir sehen das ständig in muslimischen Organisationen und Gemeinschaften. Wenn wir sehen, dass sich jemand regelmäßig ehrenamtlich engagiert, neigen wir dazu, ihn mit einer formelleren Position mit mehr Autorität zu „belohnen“.

Personen, die Großspender oder Gründungsmitglieder einer Organisation sind, können das Gefühl haben, dass ihnen ein gewisses Maß an Anerkennung gebührt, auch wenn sie keine formelle Rolle mehr innehaben. Wie viele Gemeinschaften werden von einem Gründungsmitglied oder Großspender in die Enge getrieben, der das Sagen hat, obwohl er keine formale Entscheidungsbefugnis besitzt?

Verantwortungsorientierte Führung

Dieser Ansatz ist allgemein als dienende Führung bekannt. Sie wird von dem Gefühl geleitet, die Pflichten der Rolle zu erfüllen – und nicht von persönlicher Leistung. Sie konzentriert sich darauf, die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die eigenen zu stellen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte ausdrücklich, dass „der Führer eines Volkes ihm dient“.

Wenn wir dies im Zusammenhang mit seiner Beschreibung von Führung als Amana (anvertrautes Gut) betrachten, wird klar, dass dies die einzige Art ist, wie wir Führung sehen können. Dieser Gedanke wird in dem berühmten Hadith verstärkt: „Jeder von euch ist ein Hirte und für seine Herde verantwortlich. Der Führer eines Volkes ist ein Wächter und ist für seine Untertanen verantwortlich“.

Betrachtet man die Beispiele der Propheten, wird klar, dass Führung immer mehr Mittel als Zweck war. Als die Quraisch dem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, anboten, ihn zu ihrem Herrscher zu machen, wenn er nicht den Islam verkünde, lehnte er ab. Sulaiman, Friede sei mit ihm, bat um Autorität, und das war ein Mittel, um die Wahrheit zu verbreiten. Jusuf, Friede sei mit ihm, bat um Führung, um ein höheres Ziel zu erreichen.

Menschen, die unter einem Führer stehen, der nach dem Prinzip der Belohnung handelt, können das Gefühl haben, dass der Führer nicht ihr Bestes im Sinn hat. Eine solche Persönlichkeit kann in den Ruf geraten, sich nur um Dinge zu kümmern, die für sie von persönlichem Interesse sind, oder egoistisch zu sein.

Eine Führungskraft, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und entsprechend handelt, wird den gegenteiligen Eindruck erwecken. Sie wird als selbstlos, bescheiden und fürsorglich wahrgenommen.

Foto: Umut Rosa, Shutterstock

Aufrichtigkeit

Die Fähigkeit, Einfluss zu nehmen und zu überzeugen. Eine Persönlichkeit, die nicht leicht zu beeinflussen ist (wankelmütig). Wenn diejenigen, die religiös verwurzelt und gottesfürchtig sind, weiterhin Führungspositionen in unserer Gemeinschaft meiden, wird das Führungsproblem niemals gelöst. Dass man sich in den Dienst derer stellt, die man führt. Und dass man seine Fähigkeiten weiterentwickelt.

Abu Bakr, möge Allah ihm gnädig sein, fühlte sich nicht bereit für die Position, die er einnahm, aber er war eine beeindruckende Persönlichkeit, als er starb.

Unabhängig davon, ob uns eine Führungsposition anvertraut wird oder ob wir sie anstreben: Die Gefahr liegt in der Weise, wie wir unsere Absichten begründen. Jemand kann wirklich selbstlos sein und als aufrichtiger Diener handeln.

Aber wenn die Menschen ihm weiterhin Feedback geben und ihn loben, kann es passieren, dass er denkt: „Ich bin ein großartiger dienender Führer“ und langsam anfängt, sich eine Belohnung für seine gute Arbeit zu wünschen.