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Tristesse in Bethlehem – eine weitere Weihnacht im Krieg

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Vor einem Jahr waren die Menschen in Bethlehem noch zuversichtlich. Zu Weihnachten 2024 werde der Krieg in Nahost vorbei sein, meinten viele. Nun steht die Stadt vor einem weiteren zermürbenden Kriegswinter.

Bethlehem (KNA) Nichts lässt in diesen sonnig-milden Dezembertagen in Bethlehem erahnen, dass sich die größte Weltreligion an ihrem Ursprungsort auf ihr schönstes Fest vorbereitet. Die Kleinstadt südlich von Jerusalem verharrt – wie das gesamte Palästinensische Gebiet – aufgrund des Gaza-Kriegs im Trauermodus: kein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, keine Musik, keine Girlanden mit Weihnachtskrippe und Rentierschlitten, mit der die Stadt normalerweise auf dem zentralen Manger Square ihre Besucher begrüßte. Der „Krippenplatz“ zwischen Bürgermeisteramt, Friedenszentrum und Geburtskirche ist heute vollgeparkt mit Taxis, die vergeblich auf Passagiere warten. Von Johannes Schidelko

Die Kirchenoberen wollen auch in diesem Jahr der Linie von Stadt und Staat weitgehend folgen. Das christliche Weihnachten im Heiligen Land soll auf äußeren Pomp, laute Musik und prunkvolle öffentliche Feiern verzichten. Die Gläubigen sind angehalten, das an die Geburt Jesu in Bethlehem vor mehr als 2.000 Jahren erinnernde Fest zurückhaltend in den Gotteshäusern zu begehen.

Die Kirchenführer wehren sich indes gegen den Eindruck, dass die Christen ihr Hochfest absagen wollten. „Wir feiern das Fest des Friedensfürsten, das ein Fest der Hoffnung für alle Menschen ist“, sagt Bethlehems Ortspfarrer Rami Asakrieh der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch die Stadt Bethlehem, in der die Christen trotz sinkender Zahlen noch ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, leidet besonders unter den Folgen von Krieg und Krise in der Region.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel das Westjordanland abgeriegelt und die Übergänge weitgehend geschlossen. Damit sind die meisten palästinensischen Pendler, die täglich zur Arbeit nach Jerusalem fuhren, praktisch arbeits- und einkommenslos. Zudem kommen infolge internationaler Reisewarnungen kaum ausländische Besucher. Die Tourismusbranche, auf der Bethlehems Wirtschaft zu mehr als 60 Prozent basiert, ist komplett eingebrochen. Mit katastrophalen Folgen vor allem für die Christen, die zu 90 Prozent in diesem Sektor beschäftigt sind oder davon abhängen.

Dieser Einbruch ist in Jesus‘ Geburtsstadt unübersehbar. Hotels sind geschlossen, viele Restaurants öffnen gar nicht oder nur für wenige Stunden. Der Platz vor der 1.500 Jahre alten Geburtskirche, auf dem sich sonst die Pilger drängen, ist verwaist. Nur zwei Polizisten warten auf einer Bank neben dem Eingang. Zur Geburtsgrotte, vor der Menschen sonst eine Stunde lang anstehen, steigen nur vereinzelt Besucher hinab.

Rund um das Gotteshaus sind sie meisten Geschäfte geschlossen, in denen Kunden sonst Holzschnitzarbeiten, Krippenfiguren oder Ikonen kaufen. Die Handwerker bleiben auf ihren Waren sitzen, wie Händler Rony am Beginn der Milchgrotten-Straße. Vor seinem traditionsreichen Geschäft hängen Fotos von Papst Franziskus und Johannes Paul II. Rony bemüht sich um Export-Kontakte, um wenigstens einige Artikel zu verkaufen. Aufgeben will er nicht, weil er ohne Hoffnung nicht leben könne.

Auch Schwester Aleya im Caritas Baby Hospital im Norden Bethlehems versucht, die Zuversicht nicht zu verlieren – im Schatten der acht Meter hohen Grenzmauer zu Israel. Die Klinik, in der jährlich rund 50.000 palästinensische Kinder behandelt werden, erbringe als einzige entsprechende Fachklinik im Palästinensergebiet nicht nur medizinische Spitzenleistung, erläutert sie. Wesentlich sei die menschliche Fürsorge für die Patienten, die oft nur unter großen Schwierigkeiten und über viele Checkpoints das Krankenhaus erreichten. Fast alle seien Muslime.

Die Menschen hätten sich an den Krieg gewöhnt, viele seien mutlos angesichts der Schwierigkeiten, sagt die indische Ordensoberin. „Wir versuchen, ihnen durch Zuwendung etwas Hoffnung zu geben und damit Gottes Liebe zu zeigen.“ Im Prinzip stehe man in der Stadt vor der gleichen prekären Lage wie vor 2.000 Jahren, als Christus in einem Stall geboren worden sei.

Das Zeremoniell zum katholischen Weihnachten am 24. Dezember – die Orthodoxen feiern knapp zwei Wochen später – ist von einem strikten Regelwerk geprägt. Am frühen Nachmittag des Heiligabend trifft der Lateinische Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa in Bethlehem ein und geht zu Fuß durch die Stern-Straße zur Geburtskirche. Angeführt wird die Prozession von Pfadfindergruppen, diesmal ohne Musik und laute Trommlerchöre. Auf dem Krippenplatz wird er vom Bürgermeister und den kirchlichen Würdenträgern der Stadt begrüßt, bevor er in die Geburtskirche einzieht.

Für die Christmette in der katholischen Katharinenkirche werden in diesem Jahr keine Einlass-Tickets ausgegeben, auf die es in früheren Jahren stets einen erbitterten Run gab. Jeder kann kommen, vor allem die einheimischen Christen, aber auch die im Raum Tel Aviv tätigen ausländischen Arbeiter und Diplomaten. Die ersten Reihen sind für die palästinensische Staatsführung reserviert. Ob Präsident Mahmud Abbas persönlich an dem Gottesdienst teilnimmt, ist unklar. Eine Eintrittskarte benötigt er jedenfalls nicht.

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Christen im Heiligen Land 2023: trauriges und einsames Weihnachten in Bethlehem

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Christen im Heiligen Land erleben derzeit eine traurige Advents- und Weihnachtszeit. Die Einnahmequelle Tourismus entfällt dieses Jahr. 

Bethlehem (dpa, kann, iz). Neben dem Altar liegt ein Haufen Steine, darum herum Holzfiguren. In der Mitte liegt eine Puppe eingehüllt in einen schwarz-weißen Palästinenserschal, wie Fotos zeigen. Von Stefanie Järkel, Maher Abukhater, Emad Drimly und Johannes Schidelko

Angehörige der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem wollten an die unter Trümmern verschütteten Kinder im Gazastreifen erinnern, sagt Pfarrer Munther Issak. „Die Idee ist, dass Christus geboren ist unter den Unterdrückten und denen, die heute leiden.“ Die Installation ersetze in diesem Jahr den Weihnachtsbaum.

Seit 7. Oktober hat Israel das Westjordanland komplett abgeriegelt und die Übergänge weitgehend geschlossen. Zugleich kommen infolge der weltweiten Reisewarnungen praktisch keine Touristen und Pilger ins Land. Mit katastrophalen Folgen gerade für Bethlehem.

Zum einen haben die vielen palästinensischen Pendler, die täglich zur Arbeit und gutem Verdienst nach Jerusalem fuhren, keine Einreisegenehmigung mehr und sind arbeits- und einkommenslos. Zum anderen ist der Tourismus komplett eingebrochen, von dem die Wirtschaft der 30.000-Einwohner-Stadt zu 60 bis 70 Prozent abhängt.

Foto: Jorge Fernandez Salas, Unsplash

Christen im Heiligen Land: kaum Besucher in Bethlehem

Bethlehem im südlichen Westjordanland – der Überlieferung nach Geburtsort von Jesus Christus – ist einer der heiligsten Orte für Christen. Üblicherweise ziehen gerade in der Weihnachtszeit Massen an Touristen durch die Altstadt und zur weltbekannten Geburtskirche. Doch dieses Jahr überschattet der Gaza-Krieg Weihnachten im Heiligen Land.

Der große Weihnachtsbaum, der sonst in der Adventszeit vor der Geburtskirche steht, fehlt. Bereits im November hatten die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem festgelegt, dass es wegen des Krieges keine Weihnachtsdekoration im Heiligen Land geben soll.

Auf Anordnung von Bürgermeister Hanna Hanania gibt es weder Weihnachtsbaum noch Krippe, weder festliche Musik noch bunte Dekorationen, auf denen sich Krippe und Heilige Familie mitunter kulturübergreifend mit Rentieren und Schlitten vermischten. Wegen des Krieges trauere Bethlehem wie die übrigen Palästinenserstädte und könne diesmal nicht feiern, entschied der Stadt-Obere.

In der Geburtskirche, zusammen mit der Jerusalemer Grabeskirche die heiligste Stätte der Christenheit, herrscht in diesen Tagen gähnende Leere. Nur zwei Polizisten wachen im Eingangsbereich, im armenischen wie im orthodoxen Bereich befüllen Mönche die Öllampen.

Zur Grotte unter dem Hauptaltar, wo vor 2.000 Jahren die Krippe Jesu gestanden haben soll, steht niemand an, bestätigt der diensttuende Franziskaner. Normalerweise warten die Besucher bis zu einer Stunde, bevor sie an dem 14-zackigen Silberstern stehen, der den Ort der Krippe markiert.

Foto: rena, Adobe Stock

Schwierige Lage für Christen in Palästina und Israel

Pfarrer Munther Issak sagt, auch die Menschen in Bethlehem hätten Angst, dass der Krieg sich ausweiten werde. Zudem gebe es auch einen starken wirtschaftlichen Druck, weil viele im Tourismus tätig seien.

Der Zugang zur Stadt ist extrem eingeschränkt wegen Straßensperren der israelischen Armee, wie Palästinenser erzählen. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Im Heiligen Land bilden die sie nur eine sehr kleine Minderheit: Im Gazastreifen leben rund 1000 Christen, bei insgesamt rund 2,2 Millionen Einwohnern. In Israel machen die Christen knapp zwei Prozent der rund 10 Millionen Bürger aus. Im Westjordanland sind es rund 1,5 Prozent der rund 3,2 Millionen Palästinenser.

Am schwierigsten ist die Lage der Christen im umkämpften Gazastreifen. Haitham Saba hat sich sonst jedes Jahr um diese Zeit mit seiner vierköpfigen Familie auf Weihnachten vorbereitet, Dekoration gekauft, neue Kleider und Süßigkeiten. Gemeinsam hätten sie dann in der Griechisch-Orthodoxen Kirche in der Altstadt von Gaza gefeiert, erzählt der 29-Jährige.

Doch dieses Jahr habe er sich auch mit muslimischen Nachbarn in die Kirche zurückziehen müssen, um sich vor israelischen Luftangriffen zu schützen, sagt er. Die Kirche wurde im Oktober nach Kirchenangaben bei einem israelischen Luftangriff getroffen. 18 Menschen, die Schutz gesucht hätten, seien getötet worden, hieß es.

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Palästinensische Tourismusvertreter kritisieren vor Weihnachten Grenzregelungen

Bethlehem (KNA). Vertreter des palästinensischen Tourismussektors haben Israel wegen Einschränkungen für Besucher bei der Einreise nach Bethlehem kritisiert. Mit „wiederholten plötzlichen“ Schließungen des nördlichen Checkpoints hindere die israelische Armee Hunderte von Touristen an der direkten Einreise in die Stadt, hieß es am 14. Dezember in einer gemeinsamen Erklärung der Vereinigung der Anbieter für Ausländertourismus und der Vereinigung arabischer Hotels.

Die unangekündigten Schließungen des sogenannten „Checkpoint 300“ nach Bethlehem sorgten für Missverständnisse und Verwirrung bei Touristen und ausländischen Reiseveranstaltern.

Ferner werde die Bewegungsfreiheit der Palästinenser zusätzlich einschränkt. „Die Belagerung der Stadt zerstört das Leben von Tausenden von Palästinensern, die von den Dienstleistungen für einheimische und internationale Touristen abhängig sind.“

Die Vereinigungen riefen die israelische Regierung dazu auf, die „ungerechten Maßnahmen aufzuheben“. Israel ziele mit seinen Handlungen darauf ab, den „Weihnachtsgeist“ in der „Hauptstadt des Christentums“ zu töten. Damit widerlege Israel durch seine Praxis sein wiederholtes Bekenntnis zum Respekt vor Andersgläubigen sowie der Gewährleistung eines freien Zugangs zu ihren heiligen Stätten.