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Ferien mit Kindern. Ein neues Buch über „Islamische Ferienfreizeiten“

Ferien

Das Buch „Islamische Ferienfreizeiten“ von Nadim Daniel Gharieb ist der wohl umfassendste Praxisratgeber seiner Art für muslimisch geprägte Zeltlager und Ferienfreizeiten.

(iz).  Mit langer persönlicher Erfahrung des Autors, der als Kind, Jugendlicher, Helfer und Hauptverantwortlicher an mindestens sechzig solchen Veranstaltungen teilgenommen hat, schöpft das Manuskript aus dem Vollen: Es verbindet autobiografische Eindrücke mit pädagogischer Erkenntnis und versammelt sie zu einem Kompendium konkreter Handlungsempfehlungen.

Ferienfreizeiten: Erfahrener Blick und pädagogische Verantwortung

Gharieb beginnt aus der Innenperspektive – seine eigene Entwicklung, die Leidenschaft für diese Jugendarbeit und die empathische Beobachtung der Kinder markieren den Ton. Die Widmung an Freunde, Wegbegleiter und Familienmitglieder ist mehr als ein literarischer Kunstgriff: Sie spiegelt die Gemeinschaftserfahrung, wie sie in Ferienlagern entstehen kann und soll.

Dank, Lob und Segenswünsche rahmen das Ziel: Nicht nur die Organisation, sondern die Herzensbildung der Teilnehmenden steht im Zentrum. Der Autor verheimlicht nie, wie sehr das Gelingen von Zeltlagern vom Engagement vieler Einzelner abhängt, von Großzügigkeit, Geduld und der Bereitschaft, Zeit und Kraft für junge Menschen zu spenden

Konkrete Anleitung für Lagerleitung und Teamer

Die Struktur des Buches ist didaktisch durchdacht. Vom Überblick über Lagerformen, Zielsetzung und Teilnehmerbedürfnisse bis zur feingliedrigen Rolle der Verantwortlichen und Helfer – Gharieb verzahnt Theorie mit Praxis und bleibt stets pragmatisch. Seine Hinweise zur Teamarbeit, Hierarchie, Kommunikationsregeln und der bewussten Vermittlung islamischer Werte sind klar und nachvollziehbar formuliert. 

Insbesondere betont er, dass Autorität stets mit Wertschätzung und Dialog kombiniert werden muss – und dass religiöse Praxis im Alltag und nicht nur im Stundenplan lebt.

Pädagogik zwischen Alltag und Ritual

Wie das Manuskript darlegt, ist pädagogische Professionalität kein Selbstzweck, sondern soll den Kindern und Jugendlichen nicht nur Wissen, sondern islamische Charaktereigenschaften und Lebenskompetenz vermitteln. Der Umgang mit problematischem Verhalten, die Bedeutung von Strukturen und die Ermutigung zur Selbstverantwortung werden aus der Praxis heraus erklärt. 

Die Kapitel zur rituellen Praxis, Gebet, Mahlzeiten und Sauberkeit bilden einen gelebten Wertekosmos, in dem sich Alltag und Spiritualität durchdringen. Besonders wertvoll: Gharieb plädiert dafür, Kinder in ihrer Individualität zu sehen und ihnen Erfolgserlebnisse im religiösen Lernen zu ermöglichen – ohne Überforderung oder Leistungsdruck.

Inspiration, Methoden und nachhaltige Vision

Wer das Buch in die Hand nimmt, spürt die Absicht des Autors: Er möchte nicht nur Wissen weitergeben, sondern eine Bewegung anstoßen. Die detaillierten Programmvorschläge, Hinweise zur rechtlichen und finanziellen Organisation und die methodisch klugen Anhänge machen das Buch zu einer Fundgrube für Praktiker. 

Die Gedankenreise, Entspannungsübungen und Alltagsrituale – hier verknüpft sich die islamische Geisteshaltung mit moderner Pädagogik. Bewegend ist das ständige Plädoyer für Nachhaltigkeit und den Aufbau tragfähiger Strukturen, die das muslimische Gemeindeleben stärken sollen.

Fazit: Ein Handbuch mit Herz und Haltung

Ghariebs Manuskript ist ein Leitfaden und eine Einladung, muslimische Jugendarbeit in Deutschland auf neue Füße zu stellen. Mit dem Fokus auf Gemeinschaft, Wertschätzung und lebenspraktische Religiosität schafft das Buch einen Raum für pädagogische Innovation und spirituelle Inspiration.

Der Stil ist offen, freundlich und von Hoffnung getragen, die Argumentation klar und praxisnah. So avanciert „Islamische Ferienfreizeiten“ zum hilfreichen Buch für alle, die sich mit Herz, Hand und Verstand für die muslimische Jugend engagieren wollen.

Nadim Daniel Gharieb, Islamische Ferienfreizeiten, Astrolab Verlag 2025, 200 Seiten, 978-3948139407, Preis: EUR 15,50

Hamburg unterzeichnet Verträge mit Muslimen

Hamburg (KNA). Während auf dem Rathausmarkt schon die ersten Weihnachtsmarkt-Buden entstehen, wurde im Hamburger Rathaus ein interreligiöser „Meilenstein“ gesetzt: Als erstes Bundesland hat die Freie und Hansestadt am Dienstag Verträge mit drei islamischen Verbänden und den Aleviten geschlossen. Durch die beiden Verträge mit dem DITIB-Landesverband Hamburg, dem Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg „Schura“, dem Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) sowie mit der Alevitischen Gemeinde Deutschlands bestätige der Senat „selbstverständliche Rechte“, die den Religionsgemeinschaften zustehen, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Unterzeichnung.

Im einzelnen geht es um die Unterhaltung von Kultureinrichtungen, den Bau von Moscheen, die Anstaltsseelsorge und die Bestattung nach den jeweiligen religiösen Vorschriften. Zudem werden höchste islamische Feiertage kirchlichen Feiertagen gleichgestellt. Das heißt, Arbeitnehmer können an Feiertagen unbezahlten Urlaub nehmen und ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen. Vor allem wird der Weg frei gemacht für einen weiterentwickelten „Hamburger Religionsunterricht für alle in evangelischer Verantwortung“, an dem schon jetzt Buddhisten, Juden, Muslime und Aleviten, nicht aber Katholiken beteiligt sind: Innerhalb von fünf Jahren soll ein Modell ausgearbeitet werden, bei dem nicht mehr nur evangelische, sondern auch muslimische Lehrkräfte unterrichten können. Der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, wie ihn die Kirchen haben, geht für die Beteiligten mit dem Abkommen aber nicht einher.

Die katholische Kirche beteilige sich nicht am „Hamburger Modell“, weil sie den konfessionellen Religionsunterricht bevorzuge, sagte Weihbischof Hans-Jochen Jaschke auf Anfrage. Das Erzbistum Hamburg respektiere aber das „Hamburger Modell“ und begrüße die Verträge. Katholischen Religionsunterricht gibt es an allen 21 katholischen sowie an derzeit zehn staatlichen Schulen.

Scholz betonte, die Verträge, die sein Vor-Vorgänger Ole von Beust (CDU) 2007 initiiert hatte, seien in jahrelanger sorgfältiger und respektvoller Gemeinschaftsarbeit entstanden. Doch seien sie „keine einseitige Veranstaltung“, da sich umgekehrt auch die Vertragspartner auf die Grundrechte der Demokratie verpflichteten. „Mit der Vertragsunterzeichnung stärken wir das gesellschaftliche Fundament unserer Stadt: Wir alle sind Hamburg“, so der Bürgermeister mit ungewohntem Pathos. Auch die Vertreter der drei islamischen Verbände sprachen von einem „historischen Tag“ und drückten ihre Hoffnung aus, dass andere Bundesländer und Staaten jetzt ähnlich verfahren. Sie dankten dem Senat, den beiden großen Kirchen und vor allem der evangelischen Nordkirche, mit der sie beim Religionsunterricht eng zusammenarbeiten. Ebenso betonten sie die Eintracht, in der die drei Verbände die Verhandlungen geführt hätten.

Die Verträge werden nun der Bürgerschaft zugeleitet, deren Zustimmung als sicher gilt; lediglich die FDP signalisierte Ablehnung, weil die Verträge der Trennung von Religion und Staat widersprächen, sagte Fraktionsvize Anna von Treuenfels dem „Hamburger Abendblatt“ (Dienstag). Zugleich kritisierte sie, dass das Abkommen das Tragen von Kopftuch oder Schleier nicht regele. Lehrerinnen mit Burka, so stellte ein Senatssprecher klar, blieben aber an Hamburger Schulen verboten.