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Seher Danisman: „Im Prinzip biete ich eine gesunde Mitte an“

Seher Danisman

Seher Danisman ist vieles zugleich: Sportwissenschaftlerin, angehende Physiotherapeutin, Triathletin, Coach – und eine der sichtbarsten muslimischen Stimmen im Fitnessbereich.

(iz). Mit ihrer Plattform Fitspirated und dem gleichnamigen Coaching begleitet sie Frauen dabei, ein realistisches, alltagsnahes Trainingsleben mit ihrem Glauben und ihren familiären Verpflichtungen zu verbinden.

Sie entwickelt Programme, einen eigenen Sport-­Hijab und einen Podcast, in denen es nie nur um Muskeln geht, sondern um Routinen, Selbstbestimmung und geistige Stärke.

Im Gespräch mit der IZ erzählt sie, warum Wissen, Umfeld und Räume in Moscheen über Gesundheit entscheiden – und wie muslimische Communities Sport endlich ernst nehmen müssten.

Islamische Zeitung: Vielleicht magst du dich kurz vorstellen – wer du bist, wo du herkommst und was du machst?

Seher Danisman: Hallo, mein Name ist Seher Danisman, ich bin 24 Jahre alt, angehende Physiotherapeutin sowie studierte Sportwissenschaftlerin. Als muslimische Sportlerin habe ich 2020 die Plattform „Fitspirated“ gegründet, was für „Fitness inspiriert“ steht und Frauen dabei helfen soll, ein gesünderes Körperbewusstsein zu entwickeln und sich fit zu halten. Das mache ich in Form von Workshops und Coachings.

Ebenfalls 2020 habe ich meinen eigenen Sport-Hijab entwickelt, weil ich mit dem, was es auf dem Markt gab, nicht zufrieden war. Mir ist wichtig, dass sich jede Person dieses Hilfsmittel leisten kann, die Zugang zum Sport finden möchte und darauf angewiesen ist.

Islamische Zeitung: Du hast Sportwissenschaft studiert, bist professionelle Sportlerin, machst eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, bist Unternehmerin und in den Medien aktiv. Was waren in den letzten Jahren deine Erfahrungen mit dieser Arbeit?

Seher Danisman: In der Öffentlichkeit war dieser Weg für mich konstant. Ich habe immer sehr viel positives Feedback bekommen – sowohl von meiner eigentlichen Zielgruppe als auch von Menschen, die überhaupt nichts mit Islam zu tun haben. Viele sagen mir, dass sie die Art und Weise schätzen, wie ich über Religion spreche und wie mich als Muslima positioniere, und dass sie dadurch viel dazulernen.

Viele kommen immer wieder auf mich zu und sagen: „Wow, ich habe da wirklich etwas dazugelernt.“ Vor allem schätzen sie, dass ich das Thema in einem Format vermittle, das alltagsnah ist und nicht kompliziert wirkt – so, wie es sonst oft dargestellt wird.

Auf der anderen Seite habe ich aber immer wieder Menschen kennengelernt, die mich in dem, was ich tue, nicht unterstützen. Ich habe rassistische Kommentare und Situationen erlebt und bekomme auch heute noch entsprechende Kommentare.

Für mich gehörte das leider dazu, weil ich als Migrantin in Deutschland geboren und aufgewachsen bin und damit immer wieder konfrontiert war. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich innerlich abgehärtet war und mir kaum noch Gedanken darüber mache, welche rechtsextremen oder rechten Kommentare kommen. Ich ignoriere sie inzwischen meistens. Insgesamt habe ich also sowohl viele positive als auch rassistische und diskriminierende Erfahrungen gemacht.

Islamische Zeitung: Mit Fitspirated hast du ein Projekt, in dem Fitness auch als Mittel für mehr Selbstbewusstsein und Erfolg genutzt wird. Gehen wir konkret in die Arbeit hinein: Was bietest du an, und mit welchen Werkzeugen arbeitest du?

Seher Danisman: Im Prinzip biete ich eine gesunde Mitte an – zwischen dem Verständnis dafür, was ich körperlich tun muss, und der konkreten körperlichen Anleitung.

Ich unterstütze Frauen auf der einen Seite mit Mindset- und Organisationstipps, damit sie ihren muslimischen Alltag – Dinge wie Gebete oder Verpflichtungen – mit ihrem Trainings-Lifestyle und ihren körperlichen Zielen verknüpfen können und darin einen tieferen Sinn finden. Wenn man religiös ist, ist das gut möglich und sogar ein sehr großer Vorteil. Die Tiefgründigkeit der Religion ist die beste Motivation, vor allem, wenn man sich nicht nur von tagesformabhängigen Stimmungen leiten lassen möchte.

Das setze ich im Coaching um – einerseits mit Arbeit am Mindset, andererseits mit konkreten Trainingsplänen und angeleitetem Training, so wie man es aus der Trainingslehre kennt.

Islamische Zeitung: Was sind aus deiner Sicht die größten gesundheitlichen Herausforderungen oder Voraussetzungen bei deinen Kundinnen?

Seher Danisman: Es gibt zwei große Punkte, die bei fast allen meinen Kundinnen immer wieder vorkommen. Zum einen ist es Unwissen. Viele wissen tatsächlich nicht, was ihrem Körper guttut – auch wenn das aus meiner „Bubble“ heraus fast unvorstellbar wirkt. Sie haben es nie gelernt und keine Menschen im Umfeld gehabt, die ihnen gezeigt oder vorgelebt haben, was es bedeutet, ein gesundes Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln.

Der zweite Punkt ist das Umfeld. Viele sind geprägt von Menschen, die sich nie damit beschäftigt haben. Das führt oft dazu, dass man, selbst wenn man sich Wissen aneignet, entweder nicht dranbleibt oder denkt, man sei „auf dem falschen Weg“, weil man eine von wenigen ist und nicht eine von vielen. Es ist immer leichter, etwas zu tun, wenn die Menschen um einen herum dasselbe tun. Es ist dagegen viel schwerer, bewusst anders zu handeln als das, was man gelernt und immer gesehen hat.

Ich spreche da auch aus eigener Erfahrung: Meine Mutter ist Diabetikerin und übergewichtig. Sie hat Training und Sport immer mit Abnehmen verknüpft. Da ich selbst immer schlank war und dieses Ziel vermeintlich „nicht brauchte“, habe ich mich lange gefragt, ob ich überhaupt „das Richtige“ mache. Für mich sind daher immer wieder diese beiden Punkte zentral: fehlendes Wissen und ein Umfeld, das kein entsprechendes Bewusstsein lebt.

Islamische Zeitung: Unter den Fitnesstrends gibt es eine interessante Entwicklung: Gerade bei Frauen ab 40 oder 50 sieht man, dass sie vom klassischen Kardiotraining weggehen und immer mehr mit Gewichten arbeiten – Kniebeugen, Kreuzheben usw., nicht nur an Maschinen. Ist das ein Trend? Einige Ärzte sagen, gegen Depressionen und Knochenabbau müssten Menschen ab dem mittleren Alter mehr für ihre Muskeln tun. Siehst du das auch so?

Seher Danisman: Als Ausdauersportlerin kann ich sagen: Wenn man trainingswissenschaftlich und ganzheitlich hinschaut, ist es immer wichtig, sowohl Ausdauer als auch Kraft zu trainieren, am besten kombiniert – unabhängig vom sportlichen Ziel.

Der Trend zeigt aber, dass durch die Medien das Thema Fitnessstudio und Gerätetraining immer stärker zum Alltag gehört. Ich bin mir sicher, dass heute genauso viele Menschen ins Fitnessstudio gehen wie früher, aber mit einer anderen Herangehensweise. Es gibt medial einfach viel mehr Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen.

Früher war man froh, wenn der Trainer einem kurz gezeigt hat, wie die Geräte funktionieren. Heute kann man sich Wissen aneignen, um gezielt mit freien Gewichten zu trainieren und Geräte auch mal außen vor zu lassen.

Ich glaube zudem, dass der Muskelaufbau bei Frauen sichtbarer und präsenter geworden ist, weil Frauen medial immer stärker auftreten wollen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Eine muskulöse Erscheinung unterstützt dieses Bild.

Diesen Trend sehe ich, und halte ihn auch für wichtig. Gleichzeitig ist es gerade bei zunehmendem Alter noch wichtiger, ganzheitlich vorzugehen – Muskulatur aufzubauen, aber auch kardiovaskulär zu trainieren. Der Körper soll belastbar bleiben, ohne dass man durch Überlastung wieder Gelenkprobleme bekommt.

Islamische Zeitung: Sie haben in den letzten Wochen ein Programm gemacht, in dem Sie im Ramadan über Training, Disziplin und Ernährung gesprochen haben. Der Ramadan ist jetzt vorbei, aber wie sieht für Sie ein ganzheitlicher und verantwortungsvoller Umgang mit Sport und Bewegung aus?

Seher Danisman: Ein ganzheitlicher Umgang beginnt damit, dass man eine grobe Orientierung hat, was die eigene Belastung betrifft. Das ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

Wer im Büro arbeitet, braucht mehr körperliche Belastung außerhalb des Berufs. Wer – wie ich – den ganzen Tag auf den Beinen ist und mit Patientinnen und Patienten Übungen macht, ist zwar viel in Bewegung, aber das ist trotzdem keine „körperlich harte Arbeit“. Entsprechend muss ich meine Trainingseinheiten an meine alltägliche Aktivität anpassen.

Ich gehe davon aus, dass ich Training – also Ausdauer- und Krafttraining – immer brauche, egal, was ich beruflich mache. Und verteile es so auf die Woche, dass es einen echten Ausgleich zu den Stunden bildet, in denen ich mich wenig bewege.

Idealerweise bewegt man sich jeden Tag. Wenn das nicht möglich ist, sollte man zumindest regelmäßig, zum Beispiel zu Hause, Bewegung fest einplanen. Wichtig ist mir dabei, realistisch zu bleiben: Familiäre und soziale Beziehungen müssen mitgedacht werden.

Wenn jemand Geburtstag hat oder ein wichtiger Termin ansteht, sollte man nicht stur sagen: „Mein Training geht vor.“ Soziale Beziehungen sind für uns Menschen existenziell wichtig. Wenn ich sie realistisch priorisiere, unterstützt das langfristig auch meine Trainingsroutine, weil ich nicht in einen Konflikt mit meinem Leben insgesamt komme.

Sport Jogging Strand schweinehund

Foto: TheVisualsYouNeed, Adobe Stock

Islamische Zeitung: Sie haben eine fundierte Ausbildung – Sportwissenschaft, praktische Erfahrung als Sportlerin und die Physiotherapie-Ausbildung. Im Netz finden wir unzählige Personen und Firmen, die Trainingsratschläge geben. Zu fast jeder Frage bekommt man widersprüchliche Aussagen, zum Teil offensichtlich fragwürdige Tipps. Selbst „Experten“ widersprechen sich. Wenn jetzt eine Kundin von Ihnen Orientierung sucht: Nach welchen Kriterien kann man Fitness-Videos im Netz einigermaßen objektiv beurteilen?

Seher Danisman: Das ist eine sehr gute Frage, die mir viele Kundinnen stellen. Ich empfehle grundsätzlich, bei allem, was man kostenlos konsumiert, sehr kritisch zu sein.

Kritisch sein heißt hier vor allem: Sich fragen, ob das gerade wirklich für mich persönlich relevant ist. Und wenn ja, warum habe ich mir dann noch keine Person gesucht, die mich individuell dazu berät? Ich bin kein Fan davon, Dinge einfach aus dem Internet zu übernehmen, nur weil „Probieren über Studieren“ ginge. Es ist nicht sinnvoll, jede Methode einmal getestet zu haben, um dann zu entscheiden, ob sie funktioniert oder nicht. Viele Dinge bewähren sich erst über längere Zeit, und wir können nicht unser ganzes Leben damit verbringen, nur auszuprobieren.

Ich empfehle daher, Wissen zwar zu konsumieren; in der Realität aber nur das umzusetzen, was wirklich für einen selbst gemacht und angepasst ist. Das bedeutet: sich jemanden zu suchen, der spezifisch auf mich schaut. Wenn mir das Fachwissen fehlt oder ich es mir nicht selbst aneignen will, gibt es dafür Coaches wie mich.

Eine Fachperson nimmt sich die Zeit, um herauszufiltern, welches Wissen zu mir passt und was ich wirklich brauche. Es gibt sehr viel Wissen da draußen, und man kann sich vieles anlesen. Aber am Ende steht und fällt vieles mit Erfahrung und fachlicher Praxis.

Dass ich über 100 Frauen begleitet habe, qualifiziert mich viel stärker zur Personal Trainerin oder Coach als nur mein Studium. Es ist eine wichtige Grundlage, die Basis, um überhaupt fundiert arbeiten zu können. Entscheidend sind aber die individuellen, persönlichen Faktoren, die auf mich zutreffen – und die kann ein allgemeines Internet-Video nie abdecken.

Jeder Mensch bringt unterschiedliche Herausforderungen, Anforderungen und körperliche Voraussetzungen mit. Deshalb bin ich bei Online-Inhalten immer vorsichtig – auch bei meinen eigenen. Ich teile selbst Inhalte und hoffe, dass man merkt, wie sehr ich Pauschalaussagen vermeide. Ich versuche immer aufzuklären und zu sagen: „Das ist jetzt eine Information, sie muss aber nicht auf dich zutreffen.“ Wenn jemand das Gefühl hat, etwas passe genau zu ihm oder ihr, rate ich, tiefer einzusteigen und gezielt zu prüfen, was genau wirklich passt. Nichts ist allgemein gültig.

Foto: Prostock-studio, Adobe Stock

Islamische Zeitung: Viele sagen, Sport und Bewegung seien ein „nice-to-have“. Gerade unter Muslimen hört man das oft. Wenn wir auf die muslimische Community als Ganzes schauen – es gibt ja auch gemeinschaftliche Verpflichtungen: Wenn man will, dass Frauen sich bewegen, muss man ein entsprechendes Mindset schaffen und auch Räume in Moscheen, in denen Frauen das können. Sollte die muslimische Community mehr im Bereich Sport, Bewegung und Gesundheit tun?

Seher Danisman: Definitiv! Wir sind in Deutschland noch sehr weit davon entfernt, ein Umfeld zu schaffen, das islamkonformes Training überhaupt ermöglicht.

Eigentlich müsste es in jeder Moschee einen Fitnessraum geben – nicht nur für Frauen, auch für Männer. Es sollte Standard sein, dass man sich vor oder nach dem Gebet gemeinsam dehnt. Ich werde in der Moschee oft wie ein Alien angeschaut, wenn ich mich vor oder nach dem Beten dehne, manchmal sogar eher negativ bewertet. Es ist aber selten jemand da, der sagt: „Wow, voll cool, kann ich mitmachen?“

Es müsste auch Standard sein, dass es neben dem Unterricht am Wochenende – etwa für Qur’an – eine Einheit gibt, in der vermittelt wird, wie man sich als Frau bewegen kann oder sollte. Davon sind wir noch weit entfernt. Stattdessen muss ich mich immer wieder mit sehr grundlegenden Fragen beschäftigen, etwa: „Wie kannst du nur?“ – oder mit völlig banalen Fragen, statt gemeinsam so lösungsorientiert und nachhaltig wie möglich zu denken.

Ich würde mir wünschen, dass einmal eine Moschee von sich aus auf mich zukommt und sagt: „Hast du einen Vorschlag für uns, wie wir Fitness in unser Konzept integrieren können?“

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Fitness und Ernährung: Bloß nicht alles glauben

Fitness jugend

Fitness und Ernährung gehören zu denen Themen, in denen sich unzählige Meinungen widersprechen. Wir sprachen mit Idries Muali über Ergänzungsmittel und darüber, wie man Betrüger erkennt.

(iz). In den letzten Jahren hat sich der Fitness-, Ernährungs- und Wellnessbereich dank sozialer Medien und Plattformen erheblich ausgeweitet. Die Zahl der Influencer und Anbieter, die ihre Dienstleistungen verkaufen, ist schwer zu durchschauen. Viele VerbraucherInnen und Interessierte wissen insbesondere nicht, ob und welchem Maße Angebote seriös und gesund sind.

Dabei ist Wohlbefinden und das fitte Leben längst ein Wachstumsmarkt. Diverse Lifestyletipps konkurrieren miteinander und widersprechen sich doch dabei. Besonders lukrativ ist der Markt für Nahrungsmittelergänzungsmittel (auch Supplements). Viele Kunden sich von einzelnen Substanzen Wunder und hoffen auf Ende ihrer Probleme.

Über diese und weitere Fragen sprachen wir mit Idries Muali. Er wurde vor 31 Jahren als Kind polnisch-türkischer Eltern in Dortmund geboren. Ihm liegt das Unternehmertum im Blut. Der in seiner Jugend aktive Sportler hat mit 18 seine erste Firma gegründet und begann vor einiger Zeit, sich mit Nahrungsmittelergänzungsmitteln zu beschäftigen. Derzeit verkauft er über seine Website halal-zertifiziertes „Halal Collagen“.

Islamische Zeitung: Was sind diese Supplemente und warum hast Du dich damit beschäftigt?

Idries Muali: Mit fünf habe ich mit Fußball angefangen und 16 Jahre lang gespielt; zuletzt in der Futsal-Abteilung bei Fortuna Düsseldorf. In der Zeit habe ich solche Ergänzungsmittel genommen. Als Sportler habe ich mich bei bisherigen Angeboten nicht aufgehoben gefühlt und wollte sichere Produkte.

Worum handelt es sich dabei? Das sind Ergänzungen zur herkömmlichen Nahrung. Man nimmt sie, um entweder Mängel auszugleichen oder um spezifische Effekte zu fördern wie Regeneration bzw. Muskelwachstum. Das heißt, es gibt viele individuelle Anwendungsbereiche. Mir war es immer wichtig, ganzheitlich gesund zu sein.

Islamische Zeitung: Derzeit vertreibst Du über eine Webseite halal-zertifiziertes Collagen. Worum handelt es sich bei dem Wirkstoff, und was unterscheidet Dein Produkt von anderen?

Idries Muali: Collagen ist das wichtigste Strukturprotein im menschlichen Körper. Es stellt 30 % aller Proteine und findet sich überall – Haare, Haut, Gelenke, Sehnen, Bänder und Blutgefäße. Je mehr wir altern oder den Körper strapazieren – durch Rauchen, Sonnenlicht, viel Sport –, desto mehr verlieren wir dieses Eiweiß.

Ab 25 Jahren sinkt unsere Fähigkeit zu seiner Produktion um 1-2 % pro Jahr. Die Folgen sind Gelenkprobleme, erschlaffende Haut oder Haarausfall. Das heißt, es ist wichtig für uns. In der Gesellschaft wird es immer bedeutsamer, weil die Leute seine Bedeutung verstanden haben.

Warum habe ich mich entschieden, es zu nehmen und zu verkaufen? Es ist derzeit unser Flagship-Produkt. Collagen wird mehrheitlich aus Rind gewonnen. Ich war jahrelang auf Messen unterwegs, kenne die großen Hersteller, habe ihre Anlagen besucht und weiß, wie produziert wird.

Die Industrie ist zu umfangreich, um vollständige Sicherheit und Reinheit für Muslime zu gewährleisten. Das ist insbesondere hier kritisch, weil ein großer Teil aus Ländern kommt, in denen es keine sonderliche Kontrolle gibt wie China oder Indien. Die haben keinerlei Ahnung von Halalstandards bzw. Islam.

Deshalb haben wir uns vorgenommen, das zu ändern. Ich habe Zeit und Energie investiert, um eine Alternative aufzubauen. Was uns auszeichnet: Wir bieten ein Produkt von Muslimen für Muslime. Und wir haben es geschafft, dass die ganze Warenwirtschaftskette halal-zertifiziert ist.

Das reicht von der Aufzucht über Schlachtung bis zur technischen Verarbeitung. Was viele nicht wissen: Wenn man nicht aufpasst, kommt es zu Kreuzkontaminationen. Collagen wird bspw. durch das Hydrolose-Verfahren in Peptide gespalten.

Dafür kommen häufig Schweineenzyme zum Einsatz. Und dann bekommen Muslime ein Produkt – gar mit Halal-Symbol –, dass schlussendlich auch Schwein enthält.

Das ist nicht überraschend. Damit sich die Produktionsanlagen rentieren, lassen die Hersteller verschiedene Produktionen über die gleichen Fertigungsstraße laufen. Im Gegensatz dazu haben wir uns einen Produzenten gesucht, der auf Collagen mit einer ausgezeichneten Bioverfügbarkeit spezialisiert ist und haben dann gewährleistet, dass jeder einzelne Schritt zertifiziert ist.

Wir haben uns einen weltweit anerkannten ausgewählt, nach dem auch in strengen Staaten wie Malaysia lizenziert wird. So haben wir ein vollkommen sicheres Produkt für Muslime.

Screenshot: IZ Medien

Islamische Zeitung: Diese Zertifizierung ist sicherlich mit erheblichen Mehrausgaben verbunden, oder?

Idries Muali: Definitiv. Aber genau das war uns wichtig. Ansonsten ist Halal nur noch ein Symbol ohne Wert. Gibt es hier keine Anerkennung, könnte man nicht in Länder wie die Türkei, die Emirate oder nach Malaysia exportieren. Leider ist es so, dass es in dieser Industrie viele Grauzonen und schwarze Schafe gibt. In Europa existiert eine Handvoll von Akteuren, die hier zertifiziert.

Islamische Zeitung: Tauchen wir mal in die Welt der Nahrungsergänzungsmittel ein. Die haben sich vervielfacht – von Fachmärkten bis zu billigen Discountern. Alle haben Regale voll davon. Mittlerweile sind soziale Medien hinzugekommen. Teilweise widersprechen sich die Influencer so, dass man kaum Denklogik erkennen kann. Andererseits sagen Wissenschaftler und Mediziner, dass es für ein gesundes Leben eine Handvoll Prinzipien braucht – von der Kalorienbilanz, über ausreichend Bewegung bis zu richtigem Schlaf. Das sind vor allem Verhaltensempfehlungen, die nicht auf wundersame Substanzen bzw. „Superfoods“ setzen. Worin liegt die Lösung für Dich?

Idries Muali: Fangen wir mit den Discountern oder Drogeriemärkten an. Deren Vitaminpräparate bzw. Fischölkapseln bringen nichts, da sie nicht die nötige Bioverfügbarkeit haben. Ein Beispiel dafür ist Magnesiumoxid. Das ist die schlechteste Option, weil das meiste davon nicht im Körper ankommt.

Natürlich ist es primär wichtig, angemessen und gesund zu leben. Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts, wenn man zwei Schachteln Zigaretten am Tag raucht oder zu viel Zeit im Solarium verbringt. Wir müssen erst einmal daran arbeiten. Bewegung tut uns gut. Und 80 % davon ist Ernährung. Sie sollte ausgewogen sein.

Bevor man beginnt, Supplemente zu nehmen, wie das wichtige D3, sollte jeder herausfinden, was er braucht. Wo habe ich ein Defizit und wo liegen meine Beschwerden?

Islamische Zeitung: Würdest Du Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben und keine Topsportler sind, dass sie erst einmal mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie sich in die Welt der Supplemente stürzen?

Idries Muali: Die Herausforderung besteht darin, dass das deutsche Gesundheitswesen wenig offen ist. Unser Blut lässt sich auf viele Aspekte hin untersuchen. In den USA oder der Schweiz ist das normal. Dort gibt es Anbieter, die einem aufgrund des Blutbilds die passenden Ergänzungsmittel empfehlen. Wir müssen realistisch sein: Wer gesetzlich versichert ist, kommt hier nicht weit.

Islamische Zeitung: Ihr selbst vertreibt über das Netz und soziale Plattformen. Dort hat sich ein komplett unreguliertes Ökotop voller Marktschreier entwickelt, wo täglich ein neuer Influencer gehypet wird. Darunter sind diverse Scharlatane mit Webshops. Viele Videos wirken komisch, wenn man sich die anguckt. Und der Konsument hat gar nicht die Zeit und nicht die Lust, einen Großteil seiner Lebensenergie darauf zu verwenden, jeden Einzelnen zu überprüfen. Gibt es gewisse Tipps, wie man die korrekten und souveränen Leute von Betrügern unterscheiden kann? 

Idries Muali: Das ist heute schwer. Ich bin selbst zum Islam konvertiert und sehe daher meine Aufgabe darin, die Wahrheit zu sagen. Das gilt für unseren Content und das Marketing. Und unterscheidet uns von anderen Anbietern. Wir sind dabei recht strikt.

Hinzukommt, dass einige dieser Influencer radikal sein können. Das reicht von dem Rat, seinen Flüssigkeitsbedarf nicht über Wasser zu decken bis zur Behauptung, man solle weder Obst noch Gemüse essen. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass sie ihre eigenen Produkte bewerben, mit ihrer Panikmache Kohle verdienen und damit 200.000 oder mehr Follower generieren können.

Sie verhalten sich wie ein „Messias“. Dabei erkennt man nach 2-3 Videos, dass sie kompletten Mist erzählen. Das Schlimme ist, dass sich das mit Studien und Analysen der letzten Jahrzehnte faktisch widerlegen lässt.

Trotzdem wirst Du viele Menschen finden, die daran glauben wollen. So wird eine Art Kult erschaffen. Das funktioniert am Ende wie ein Vertrieb. Es bleiben 10-20.000 Leute hängen, davon liken 5-600 den Clip und schlussendlich kaufen 100 Dein Produkt. Das wiederholt sich immer wieder. Wenn Du das fünf Jahre machst, hast Du zigtausende Menschen, die daran glauben.

Verbrauchern, die sich dafür interessieren, gebe ich folgenden Rat: Geht auf die Website. Gibt es Laborergebnisse? Wo sind die Labors akkreditiert? Die bieten eine klare Analyse und Berichte. Bei uns herrscht Transparenz – von den Zertifikaten bis zu den Laborberichten. Viele betreiben nicht einmal eine Seite, sondern haben nur einen TikTok-Shop. Da hilft dann der Algorithmus mit. Schaut man ein Video für drei Sekunden, schiebt die Plattform die folgenden nach.

Islamische Zeitung: Du hast vorhin „Messias“ erwähnt. Glaubst Du, es gibt in dem ganzen Fitness- und Supplement-Bereich eine quasireligiöse Heilserwartung?

Idries Muali: Ja. Das liegt am Druck durch soziale Medien. Das ist der Wunsch, ewig schön und jung zu bleiben. Dahinter stehen sexualisierte Schönheitsideale. Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden. Und wir wollen Frauen nicht sexualisieren.

Ich glaube, der Druck ist mittlerweile groß. Alle machen Fitness, möchten lange und gesund leben. Jeder Star scheint 20 Jahre jünger auszusehen. Das ist auch der Wunsch nach Unsterblichkeit. Deshalb tun Unzählige das Ganze in der Hoffnung, dass es etwas bringt. Am Ende sterben alle. Egal, was wir nehmen oder wie viel Crossfit wir machen, wichtig ist, ein glückliches, erfülltes und ausgeglichenes Leben zu führen.

Foto: Freepik.com

Islamische Zeitung: In welcher Relation steht das zu unseren heutigen Schönheitsidealen? Schaut man sich Aufnahmen von Athleten aus der Vergangenheit an oder Statuen von Kriegern, waren die offenkundig anders gebaut…

Idries Muali: Faktisch sind wir im Vergleich bei den Folgen der Lebensweise kranker geworden – mehr Krebs, Herzkreislauferkrankungen oder Übergewicht. Das liegt zum einen daran, dass Nahrung für uns ständig verfügbar ist. Wir müssen nur zum Supermarkt gehen und uns kaufen, was wir wollen.

Mit den Effekten einer industriellen Nahrungsaufnahme ist seinerseits eine Industrie entstanden, die verspricht, mit den Folgen fertig zu werden. Viele Menschen essen schlecht und behandeln ihren gesunden Körper, als wäre er selbstverständlich. Am Ende müssen wir uns gut um ihn kümmern, damit wir gut altern können – sei es Bewegung oder Ernährung. Auch Supplemente sind nicht das Ticket zum ewigen Leben.

Grundsätzlich sollte jeder wissen, was es für eine vollwertige Lebensführung braucht. Ich habe kürzlich ein gutes Beispiel gehört: Wenn man ein Pferd im Wert von einer Million Euro besitzt, würde man ihm das gleiche zu essen geben, was man zu sich nimmt? Und dann stellt man fest: Das würde ich niemals tun!

Islamische Zeitung: Als Teil der muslimischen Community hast Du ja auch einen Einblick. Findest Du, dass hier ausreichend auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung geachtet wird?

Idries Muali: Ich muss ganz klar sagen, dass ich positiv überrascht bin, da das Verständnis dafür tatsächlich auch bei den Muslimen in Deutschland immer größer wird. Wir haben im Februar begonnen und seitdem tausende Kunden gewonnen.

Viele haben sich in Zuschriften gemeldet, dass sich bspw. Gelenkschmerzen beim Gebet bessern. Es ist toll, zu sehen, wenn etwas einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Leute hat.

Viele denken dabei nicht nur an sich, sondern kaufen für ihre Eltern oder Großeltern. Zumal wir auch einen Bereich für Muslime abdecken, der vorher im Gegensatz zu anderen Segmenten nicht bedient wurde.

Islamische Zeitung: Lieber Idries Muali, wir bedanken uns für das Gespräch.