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Sudan: größte humanitäre Katastrophe der Welt

El Faschir Sudan

Die Gesundheitsinfrastruktur des Sudan ist unter dem Druck des Konflikts zusammengebrochen. (IPS). Über 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht funktionsfähig. Krankenhäuser wurden bombardiert, geplündert oder besetzt. Von Sania Farooqui Das […]

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Das Gesundheitssystem in Gaza kämpft um seinen Bestand

gaza polio Gesundheitswesen

Die anhaltenden Kämpfe und Vertreibungen haben die humanitären Organisationen vor Ort stark belastet. Es ist deshalb nicht länger möglich, die grundlegendsten Gesundheitsbedürfnisse zu decken.

(IPS). Die Vereinten Nationen und andere humanitäre Organisationen haben unmissverständlich darauf hingewiesen, dass das Gesundheitssystem in Gaza zusammengebrochen oder durch die Kämpfe übermäßigem Druck ausgesetzt ist. Von den 36 Krankenhäusern in der Region sind nur noch 13 in Betrieb, und auch nur mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit.  Von Naureen Hossain

Dazu gehört das Nasser-Krankenhaus, das nun als letztes Krankenhaus umfassende Gesundheitsdienstleistungen anbietet. Es wurde von Patienten überrannt, nachdem die israelischen Behörden am 1. Juli Evakuierungsanordnungen für den Osten und Süden von Khan Younis erlassen hatten. Das Gaza European Hospital in Khan Younis wurde vorzeitig evakuiert.

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Foto: Anas Mohammed, Shutterstock

Gaza: Der tägliche Kampf um die Lebensrettung

Andrea de Domenico, Leiter des UN-OCHA-Büros im besetzten palästinensischen Gebiet, stellte in einer virtuellen Pressekonferenz am 3. Juli unmissverständlich klar, dass OCHA nicht informiert worden sei.

Er machte deutlich, dass die Evakuierten aufgrund früherer Erfahrungen, bei denen Krankenhäuser gezielt angegriffen oder bombardiert wurden, vorbeugende Maßnahmen ergriffen hatten, um zu evakuieren, bevor das israelische Militär in Khan Younis einmarschierte.

Evakuierungsanordnungen haben verheerende Auswirkungen auf die fragile Gesundheitsinfrastruktur. Sie beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen innerhalb und in der Nähe von Evakuierungszonen. Das erklärte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegenüber IPS.

Sie behindern den Zugang für Gesundheitsdienstleister und Patienten und gefährden damit die Wirksamkeit und Sicherheit humanitärer Einsätze. Das führt lediglich zu einer zusätzlichen Belastung für andere Krankenhäuser, die nun die Aufgabe haben, Patienten aus evakuierten Gebieten aufzunehmen.

Als eines der wenigen Krankenhäuser, die noch eine umfassende Versorgung gewährleisten, ist das Nasser-Krankenhaus überlastet und mit begrenzten Vorräten ausgestattet. Die Zerstörung in der Umgebung ist nach Angaben der WHO-Mitarbeiter vor Ort „unbeschreiblich“.

Die Umgebung des Krankenhauses ist übersät mit schweren Schuttschichten, zerstörten Gebäuden und nicht einer intakten Straße. In der Kinderstation des Krankenhauses wurden seit dem 5. Juli mehr als 120 Patienten aufgenommen, obwohl die Station nur über 56 Betten verfügt.

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Foto: UNFPA Palestine/Bisan Ouda

Helfen ohne ausreichende Hilfsmittel

Auch mit schwindenden medizinischen Vorräten wird gearbeitet. Laut Ärzte ohne Grenzen (DWB) ist das Krankenhaus zudem für die Sterilisierung der Ausrüstung für die umliegenden Feldkrankenhäuser verantwortlich. Es ist inakzeptabel, dass LKWs und Konvois von DWB, die dringend benötigte Vorräte transportieren, seit April nicht mehr nach Gaza einreisen können. Erst am 3. Juli wurde der Einreise von LKWs aufgrund der anhaltenden Kämpfe im Süden erneut verweigert.

„Es ist ein umfassendes Problem. Die Knappheit an Betten und Vorräten ist nur ein Teil davon. Wir brauchen auch mehr Chirurgen.” „Die Schließung eines weiteren Krankenhauses bedeutet eine erhebliche Gefährdung der Patientenleben”, erklärte der Leiter des Ärzteteams, Javid Abdelmoneim, der im Nasser-Krankenhaus arbeitet.

Die Tatsache, dass lebensrettende Hilfsgüter nicht nach Gaza gelangen können, ist weiterhin ein großes Problem und beeinträchtigt die Arbeit humanitärer Organisationen vor Ort, darunter auch die der Vereinten Nationen. Der Sprecher der WHO erklärte gegenüber IPS, dass die Lastwagen der Organisation in der vergangenen Woche nicht passieren konnten, da der Übergang Karem Shalom weiterhin geschlossen ist.

Kraftstoff ist für die Funktionsfähigkeit von Gesundheitseinrichtungen und Hilfsmaßnahmen von entscheidender Bedeutung. Es herrscht ein akuter Mangel, der umgehend behoben werden muss. Ein Sprecher der WHO machte deutlich, dass Krankenhäuser gezwungen sind, mit begrenzten Vorräten an Kraftstoff, Strom und Solarsystemen zu arbeiten, was die Arbeit der Gruppen behindert.

Das IPC-Sondergutachten macht unmissverständlich klar, dass nur eine Beendigung des bewaffneten Konflikts und eine nachhaltige, ununterbrochene humanitäre Intervention das Risiko einer Hungersnot verringern können. Humanitäre Organisationen haben trotz der anhaltenden Feindseligkeiten im Gazastreifen ihre Arbeit fortgesetzt. Mehr als eine Million Zivilisten waren mehrfach gefährdet und wurden vertrieben.

Ebenso haben humanitäre Helfer ihr Leben riskiert, um weiterhin die wenigen lebensrettenden Hilfsgüter bereitzustellen, die über die Grenze gelangen konnten. Obwohl sie international verurteilt wurde und wiederholt nach einem Waffenstillstand verlangt wurde, ging die militärische Gewalt weiter.

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Gesundheitsversorgung vor dem Kollaps. Lage in Gaza immer verzweifelter

gesundheit krieg gaza

Gesundheitssystem: Helfer und Ärzte sprechen vom Zusammenbruch. Die Zivilbevölkerung gerät immer weiter unter Druck. Kritik an Teilen des israelischen Vorgehens kommt auch von Völkerrechtlern.

(dpa, kann, iz). UN-Generalsekretär António Guterres hat einen sofortigen Zugang für Hilfslieferungen in den Gazastreifen gefordert. „Auch Kriege haben Regeln“, sagte Guterres am Freitag vor Journalisten in New York. „Wir brauchen sofortigen humanitären Zugang zu ganz Gaza, damit wir den Bedürftigen Treibstoff, Nahrung und Wasser zukommen lassen können.“

Mehr als eine Woche nach den verheerenden Angriffen der Hamas und den darauf folgenden israelischen Angriffen ist die Situation der leidenden Zivilbevölkerung in dem hermetisch abgeriegelten Gebiet immer verzweifelter.

Eine Woche nach Beginn des Krieges zwischen der Hamas und Israel ist die Zahl der Toten im Gazastreifen auf 2.329 gestiegen. Das teilte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza am Sonntag mit. Mehr als 9.000 Menschen seien verletzt worden.

Fot: Anas-Mohammed, Shutterstock

Gesundheit und Versorgung – Systeme brechen unter Angriffen zusammen

Angesichts der massiven Luftangriffe der israelischen Armee steht das Gesundheitssystem in Gaza nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „am Rande des Zusammenbruchs“. Die Zeit werde knapp, um eine „humanitäre Katastrophe zu verhindern“, wenn angesichts der vollständigen Blockade des Gebietes kein Treibstoff und keine lebensrettenden medizinischen und humanitären Güter schnell gebracht werden können.

William Schomburg, Leiter der Unterdelegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Gaza, berichtete aus einem provisorischen Lager für vertriebene Palästinenser in Rafah nahe der ägyptischen Grenze über die humanitären Bedingungen vor Ort:

„Nach mehreren Tagen schweren Bombardements wurden Tausende von Familien aus dem nördlichen Teil des Gazastreifens ohne Vorwarnung angewiesen, aus dem Norden nach Süden zu ziehen“, so Schomburg. „Heute fehlt es der Zivilbevölkerung im gesamten Gazastreifen an Nahrungsmitteln, Strom und Wasser, damit die Familien ihre Grundbedürfnisse befriedigen können.“

Das IKRK hat mehr als 100 Mitarbeiter in Gaza, aber es werden dringend Hilfsgüter benötigt. Das IKRK lagert lebensrettende Hilfsgüter aus Amman in Ägypten, damit die Hilfslieferungen bereit sind, sobald der Zugang nach Gaza gewährt wird.

Dieser erste Konvoi enthält Medikamente und 6.000 Haushaltspakete für Familien, die Hygieneartikel und Chlortabletten für Trinkwasser enthalten. Zusätzliches Personal, darunter ein mobiles Chirurgenteam und weiteres Gesundheitspersonal, ein Experte für Waffenkontamination sowie Hilfskoordinatoren für Wasser, Nahrungsmittel, Unterkünfte und Infrastruktur werden ebenfalls nach Gaza entsandt, sobald der Zugang gewährt wird.

„Die Abschaltung der Strom- und Wasserversorgung für die 2,3 Millionen im Gazastreifen lebenden Menschen, von denen die Hälfte Kinder sind, muss sofort aufgehoben werden. Vor Ort vorhandene Hilfsgüter werden sehr schnell aufgebraucht sein, Wasser geht bereits jetzt zur Neige. Davon sind auch Krankenhäuser, deren Dienste aktuell dringend benötigt werden, betroffen“, schrieb die Hilfsorganisation CARE Deutschland e.V. am Freitag.

„Die Krankenhäuser sind überlastet. Es gibt keine Schmerzmittel mehr. Unsere Mitarbeiter erzählen uns von den Verwundeten, die vor Schmerzen schreien, von den Verletzten, den Kranken, die nicht ins Krankenhaus kommen können, und von der Angst, in wenigen Stunden bombardiert zu werden.

Andere Menschen berichten uns, dass es ihnen unmöglich ist, auch nur für eine Stunde hinauszugehen, um Vorräte zu holen. Im Süden des Gazastreifens, wohin die Menschen von den israelischen Behörden gerufen wurden, ist die Lage extrem schwierig“, heißt es in einer Erklärung von Ärzte ohne Grenzen vom Sonntag.

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Foto: andlun1, via flickr | Lizenz: CC BY-NC 2.0

Kinder brauchen besonderen Schutz

Die Organisation SOS-Kinderdörfer ruft zum Schutz von Kindern und Familien in Israel und im Gazastreifen auf. „Wir sind tief erschüttert über die aktuell furchtbare Situation. Wir sind schockiert von all dem Leid, das Kinder und Familien in den letzten Tagen in Israel und Gaza erfahren mussten“, erklärte Vorständin Lanna Idriss (Samstag) in München.

Es gebe keine Rechtfertigung für das Töten, für Angriffe und Gewalt gegen Kinder. „Wir verurteilen die terroristischen Anschläge und Gewalttaten zutiefst und verfolgen mit großer Sorge die Berichte von Kinderrechtsverletzungen im Zuge des Konflikts“, so Idriss.

„Wir rufen die Parteien auf, humanitäre Korridore zu schaffen, sodass Kinder und vulnerable Gruppen aller Nationen in Sicherheit gebracht werden können“, so SOS-Kinderdörfer.

Foto: Evan Schneider, UN Photo

UN-Menschenrechtsbüro sieht wachsenden Hass

Antisemitische und antimuslimische Hetze nimmt nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros weltweit zu. „Wir fordern Politiker und andere Führungspersönlichkeiten dazu auf, diese Art von Hassrede unmissverständlich zu verurteilen“, sagte Sprecherin Ravina Shamdasani am Freitag in Genf. Konkrete Maßnahmen seien nötig, um Aufrufe zu Feindseligkeit und Gewalt zu verhindern.

„Die internationale Gemeinschaft sollte sich jetzt solidarisch für den Schutz aller Zivilisten einsetzen – egal wo, und egal was passiert“, sagte sie.

Im Namen von UN-Hochkommissar Volker Türk forderte Shamdasani die Hamas erneut auf, die israelischen Geiseln freizulassen. Israel solle die Abriegelung des Gazastreifens beenden und die Aufforderung zur Evakuierung des nördlichen Teils des Palästinensergebietes zurücknehmen.

Foto: Fars Media Corporation, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 4.0

Warnung vor „Kollektivbestrafung“ und Bruch des Völkerrechts

Der schottische Regierungschef Humza Yousaf, dessen Schwiegereltern im Gazastreifen festsitzen, hat die israelische Aufforderung zur Evakuierung des Gebiets scharf kritisiert. „Die internationale Gemeinschaft muss einschreiten und ein Ende der Kollektivstrafen fordern“, schrieb Yousaf am Freitag im Kurznachrichtendienst X.

Yousaf lud einen Clip seiner Schwiegermutter aus dem Ort Deir Al-Balah hoch. „Jeder in Gaza bewegt sich dorthin, wo wir sind“, sagte Elizabeth El-Nakla in dem Video. „Eine Million Menschen, kein Essen, kein Wasser – und trotzdem werden sie beim Verlassen bombardiert.“ El-Nakla betonte: „Wo ist die Menschlichkeit? Wo sind die Herzen der Menschen auf der Welt, die dies heutzutage zulassen? Möge Gott uns helfen, auf Wiedersehen“.

Hilfsorganisationen warnten vor katastrophalen Zuständen im Gazastreifen. Medico und Misereor forderten am Sonntag die Einhaltung des Völkerrechts und die sofortige Einrichtung humanitärer Korridore zur Versorgung der 2,2 Millionen Menschen in der Küstenenklave.

Die „völkerrechtswidrigen Angriffe“ auf die Zivilbevölkerung, zivile Infrastruktur und medizinische Einrichtungen müssten aufhören, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Beide Gruppen arbeiten mit Gesundheitsdiensten und Menschenrechtsorganisationen im Gazastreifen zusammen.

Aus Sicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), das weltweit die Einhaltung des Kriegsrechts überwacht, besteht ein „bewaffneter Konflikt“ zwischen Israel und einer nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe – dem militärischen Arm der Hamas. Auch in diesem Fall gilt laut Rotem Kreuz das humanitäre Völkerrecht.

Wer Zivilisten zum Schutz militärischer Ziele einsetzt, begeht laut Anna Petrig, Völkerrechtsexpertin an der Universität Basel, eindeutig ein Kriegsverbrechen. „Das ist nie erlaubt.“ Problematisch erscheint in diesem Zusammenhang auch der Aufruf der Hamas an die Bevölkerung des Gazastreifens, trotz israelischer Warnungen die Nordhälfte nicht zu verlassen.

Die Anweisung Israels, den Norden des Gazastreifens zu räumen, verstoße zusammen mit der Belagerung gegen das Völkerrecht, stellte das IKRK fest. In dem dicht besiedelten Küstenstreifen habe die Bevölkerung keine Chance, sich anderswo in Sicherheit zu bringen, argumentierte das Rote Kreuz.