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Unternehmertum zwischen Glauben und Gewinn

Unternehmer

Wie eine neue Generation muslimischer Unternehmer Erfolg neu definiert. Von der Verzweiflung zur Vision: Wenn der Nine-to-Five-Job zur spirituellen Sackgasse wird. AutorInnen aus einem Sammelband berichten.

(iz). Es ist Montagmittag, 11:47 Uhr. Nadine sitzt im Großraumbüro und starrt auf ihren Bildschirm. In drei Minuten beginnt das Meeting. Das Mittagsgebet? Unmöglich. Wieder. Ihr Chef hat bereits beim letzten Mal die Augen verdreht, als sie nach einem Gebetsraum fragte. „Können Sie das nicht zu Hause machen?“, hatte er gefragt. Als wäre ihr Glaube ein Hobby, das man nach Feierabend pflegt. Von Susann Uçkan

Nadine ist keine Einzelfall. Tausende Muslime in Deutschland erleben täglich diesen inneren Konflikt: Wie vereinbart man die Anforderungen der modernen Arbeitswelt mit den eigenen Werten? Wie bleibt man sich selbst treu, wenn das System einen immer wieder zum Kompromiss zwingt?

Die Antwort, die immer mehr Muslime für sich finden, lautet: Selbstständigkeit. Doch dieser Weg ist steinig, voller Zweifel und gesellschaftlichem Druck. „In meiner Familie galt nur eines als sicher: eine feste Anstellung“, erzählt Suleiman Kassem, heute erfolgreicher Unternehmer. „Als ich sagte, ich will mich selbstständig machen, hielten mich alle für verrückt. ‘Du hast doch studiert! Wirf das nicht weg!‘“

Das Playbook, das fehlte

Genau für Menschen wie Nadine und Suleiman haben 22 muslimische Selbstständige und Unternehmer unter der Leitung von mir, Susann Uçkan, etwas Einzigartiges geschaffen: „Business Muslim“ – ein umfassendes Handbuch für muslimisches Unternehmertum im deutschsprachigen Raum. Kein theoretisches Werk, sondern ein Playbook aus der Praxis, für die Praxis und von der Umma für die Umma.

„Wir waren alle an diesem Punkt. Wir hatten die Idee, den Willen, vielleicht sogar das Startkapital. Aber was uns fehlte, war ein Kompass. Wie macht man Business, ohne seine Seele zu verkaufen? Wie wird man erfolgreich, ohne die Gebete zu opfern? Wie navigiert man durch Steuern, Marketing und Preisgestaltung… halal?“

Das Buch ist keine spirituelle Abhandlung, die Business romantisiert. Es ist knallhart praktisch: Von der Wahl der richtigen Rechtsform über Buchhaltung und Steuerfallen bis hin zu Launch-Strategien und Preisfindung. Aber – und das macht es besonders – immer mit einem klaren ethischen Fundament.

Wenn die Absicht zum Geschäftsmodell wird

„Die Taten sind nur nach den Absichten“, zitiert Tarek Hazzaa, einer der Autoren, den Propheten Muhammad (Frieden und Segen auf ihn). „Das ist nicht nur ein frommer Spruch. Das ist die Grundlage von allem.“

Die Niyya, die Absicht, ist im muslimischen Unternehmertum der Kompass, der alle Entscheidungen leitet. Warum mache ich das? Um Geld zu verdienen? Um der Familie zu beweisen, dass ich es kann? Oder um der Umma zu dienen, halal Einkommen zu erwirtschaften, Zeit für die Familie zu gewinnen?

„Mit der richtigen Niyya wird dein Business zur Ibada, zum Gottesdienst“, erklärt Hazzaa. „Jede E-Mail, jedes Kundengespräch, jede Rechnung kann eine Form der Anbetung sein, wenn die Absicht rein ist.“

Das klingt spirituell. Ist es auch. Aber es hat ganz konkrete Auswirkungen auf den Geschäftsalltag. Ein Unternehmer, der sein Business als Ibada versteht, trifft andere Entscheidungen. Er verkauft nicht um jeden Preis. Er täuscht nicht. Er opfert nicht seine Gesundheit für den nächsten Deal.

Der Prophet als Geschäftsmann

Dabei ist die Verbindung von Glaube und Geschäft keine neue Erfindung. Der Prophet Muhammad (Frieden und Segen auf ihn) selbst war ein erfolgreicher Händler, bevor er seine Offenbarung erhielt. Seine Reputation? Al-Amin, der Vertrauenswürdige. Sein Geschäftsmodell? Radikale Ehrlichkeit.

„Stell dir vor“, sagt Anwar El Younouss, Experte für ethischen Verkauf, „du gehst zu einem Autohändler, und er sagt dir von sich aus: ‘Dieser Wagen hat einen Motorschaden. Ich rate Ihnen davon ab.’ Das ist das Prinzip von Amana: der Treuhänderschaft. Du bist nicht nur deinem Gewinn verpflichtet, sondern der Wahrheit.“

Diese Ehrlichkeit wird oft als Nachteil im rauen Business-Alltag gesehen. Ein Luxus, den man sich nicht leisten kann. Die Autoren argumentieren das Gegenteil: In einer Welt voller leerer Marketing-Versprechen, Fake-Bewertungen und manipulativer Verkaufstaktiken ist Ehrlichkeit der größte Wettbewerbsvorteil.

Vertrauen ist zur wertvollsten Währung geworden und wir haben das Betriebssystem dafür: den Islam.

Die Halal-Hürde: Zwischen Prinzipientreue und Pragmatismus

Doch der Weg ist nicht ohne Hindernisse. Die größte Herausforderung? Kompromisslos halal zu bleiben, auch wenn es wehtut.

Muhammet Güneş, der die Lackiererei seines Vaters übernahm, erinnert sich an einen Moment, der alles veränderte: „Ein Kunde wollte, dass ich sein Auto lackiere. Gutes Geld. Aber dann sah ich, dass auf der Motorhaube ein riesiges Bier-Logo stehen sollte. Werbung für Alkohol.“ Er lehnte ab. Der Kunde war fassungslos. Die Familie verständnislos. „Aber ich konnte nachts wieder schlafen.“

Diese Momente sind es, die den Business Muslim definieren. Momente, in denen Prinzipien wichtiger sind als Profit. Keine Zinsen, auch wenn die Bank mit „günstigen Konditionen“ lockt. Keine Kunden, deren Geschäftsmodell haram ist, auch wenn sie sechsstellige Aufträge versprechen. Keine Täuschung im Marketing, auch wenn „alle es so machen“.

„Das Schwierigste ist die Geschwister-Rabatt-Falle“, gesteht Gülcan Özdemir offen. „Du baust dir mühsam ein Business auf, kalkulierst fair und dann kommt jemand aus der Community und erwartet einen Freundschaftspreis. Als wäre es haram, von anderen Muslimen Geld zu nehmen.“

Das Buch geht auch dieses heikle Thema ohne Tabus an: Wie kommuniziert man klare Grenzen, ohne als geldgierig zu gelten? Wie dient man der Umma, ohne sich selbst aufzugeben?

Tawakkul: Die Kunst, loszulassen

Und dann ist da noch die Angst. Die lähmende, allgegenwärtige Angst. Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn ich meine Familie nicht ernähren kann? Was, wenn alle recht haben, die gesagt haben: „Bleib doch einfach angestellt“?

Hier kommt Tawakkul ins Spiel: das Vertrauen auf Allah nach eigener Anstrengung. „Tawakkul ist kein passives Warten“, stellt Nina Berthold klar, die selbst mehrere gescheiterte Versuche hinter sich hat. „Es heißt: Binde dein Kamel fest an, und vertraue dann auf Allah. Nicht andersherum.“

Das bedeutet: Du erstellst den Businessplan. Du lernst Marketing. Du sprichst mit Kunden. Du tust alles in deiner Macht Stehende, mit Exzellenz, mit Ihsan. Und dann, wenn du alles gegeben hast, legst du das Ergebnis in Allahs Hände.

„Diese Haltung hat mich gerettet“, erzählt Berthold. „Als mein erster Launch floppte, hätte ich aufgeben können. Aber ich sah es nicht als Scheitern, sondern als Prüfung. Vielleicht schützte Allah mich vor etwas. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt.“ Sie machte Istikhara, adjustierte ihre Strategie und beim zweiten Versuch funktionierte es.

Die gefährliche Mitte

Eine der schärfsten Analysen im Buch betrifft die Positionierung: Für wen mache ich mein Business eigentlich? Die muslimische Community? Den Mainstream-Markt? Beide?

Die gefährlichste Position ist die unentschlossene Mitte. Wenn du versuchst, es allen recht zu machen, sprichst du am Ende niemanden richtig an.

Ich beschreibe dabei drei Optionen: Den klaren Fokus auf die muslimische Community, mit tiefem Verständnis, aber begrenztem Markt. Die universelle Positionierung, mit größerer Reichweite, aber ohne den USP der geteilten Identität. Oder den Hybrid-Ansatz, der beides verbindet, aber absolute Authentizität verlangt.

Was auch immer du wählst, versteck dich nicht. Dein Muslim-Sein ist kein Makel, den du kaschieren musst. Es ist deine Superkraft.

Ramadan im Business: Realität statt Romantik

Das Buch romantisiert nichts. Es spricht auch die harten Wahrheiten an. Nadine Ben Kahla widmet ein ganzes Kapitel dem Thema „Business im Ramadan“ und räumt mit frommen Illusionen auf.

„Vergiss den Gedanken, dass du im Ramadan genauso produktiv bist wie sonst“, sagt sie unverblümt. „Du fastest. Du betest mehr. Du schläfst anders. Das ist okay.“ Ihre Empfehlung: Reduziere deine Arbeitszeit auf 50-60 Prozent, kommuniziere das klar mit Kunden, fokussiere dich auf Routine statt Innovation und halte die letzten zehn Tage komplett frei für Ibadah.

„Das ist kein Schwächezeichen“, betont sie. „Das ist Respekt vor dem, was wirklich zählt.“

Foto: Freepik.com

Wenn Frauen führen: Das Vorbild Khadidscha

Besonders bewegend sind die Abschnitte über Khadidscha, die erste Ehefrau des Propheten, Frieden und Segen auf ihm. Eine erfolgreiche Geschäftsfrau ihrer Zeit, die Karawanen führte und internationale Handelsbeziehungen pflegte und gleichzeitig eine spirituelle Führerin war.

„Khadidscha zeigt uns“, schreibt Hatice Avci, „dass Spiritualität und Geschäftssinn keine Gegensätze sind. Sie war nicht erfolgreich, obwohl sie spirituell war. Sie war erfolgreich, weil sie spirituell war.“

Für muslimische Frauen, die sich selbstständig machen wollen, ist das eine kraftvolle Botschaft. In einer Gesellschaft, die sie oft unterschätzt, und manchmal auch in einer Community, die ihnen Steine in den Weg legt, ist Khadidscha der Beweis: Es geht. Und es ist erlaubt. Und es ist ehrenwert.

Der Weg ist das Ziel und die Prüfung

„Business Muslim“ ist kein Erfolgs-Garantie-Schein. Es ist ehrlich genug, um zuzugeben: Der Weg wird hart. Es wird Momente geben, in denen du an dir zweifelst. In denen die Familie dich nicht versteht. In denen Kunden ausbleiben und das Konto leer ist.

Aber es bietet etwas anderes: Einen Rahmen. Eine Community. Ein Betriebssystem für wertebasiertes Unternehmertum.

Suhila Thabti-Megharia, Gedächtnistrainerin und Mutter von drei Kindern, fasst es so zusammen: „Ich habe zwischen Windeln und Vorlesungen angefangen. Keine Zeit, kein Geld, keine Sicherheit. Aber ich hatte eine klare Niyya und die fünf Gebete als Anker. Und jeden Tag, wenn ich nach dem Fajr-Gebet am Schreibtisch saß, spürte ich: Das hier ist richtig. Das hier hat Barakah.“

Die obere Hand

Am Ende geht es beim muslimischen Unternehmertum um mehr als nur Geld. Es geht um die „obere Hand“: das Prinzip, zu geben statt zu nehmen, zu dienen statt nur zu verdienen.

„Wenn dein Business läuft“, sagt Jamal Faièz, „bist du in der Position zu helfen. Du kannst Arbeitsplätze schaffen. Junge Menschen ausbilden. Projekte unterstützen. Du wirst vom Konsumenten zum Creator. Das ist deine Verantwortung als Teil der Umma.“

Diese Vision – eine Generation muslimischer Unternehmer, die nicht nur erfolgreich sind, sondern die Gesellschaft aktiv mitgestalten – zieht sich durch das gesamte Buch.

Ein Manifest für die nächste Generation

„Business Muslim“ ist fast schon eine Art Manifest. Ein Weckruf an all jene, die in Büros sitzen und spüren: Das kann nicht alles sein. An diejenigen, die eine Idee haben, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen. An die, die gescheitert sind und Mut für einen zweiten Versuch brauchen.

Es ist die Botschaft: Du kannst erfolgreich sein, ohne deine Seele zu verkaufen. Du kannst Gebete halten und trotzdem Deals machen. Du kannst halal leben und trotzdem prosperieren.

Nadine, von der wir am Anfang sprachen? Sie hat gekündigt. Vor sechs Monaten. Heute berät sie Unternehmen zu inklusiver Arbeitsplatzgestaltung und betet, wann sie will. „Ich verdiene weniger als früher“, sagt sie. „Aber ich fühle mich reicher. Weil ich wieder atmen kann.“

„Business Muslim“ von Susann Uçkan und 21 weiteren Autoren ist ein umfassendes Handbuch für muslimisches Unternehmertum und ab sofort erhältlich. Es deckt alle Bereiche von der ersten Idee bis zur Skalierung ab, immer mit islamischen Werten als Fundament. Für alle, die aufhören wollen, sich anzupassen und anfangen wollen, zu gestalten.

Mehr Infos zum Buch: https://halalmediasolution.com/business-muslim-das-buch/

Buch hier kaufen: https://www.epubli.com/shop/business-muslim-9783565083985

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Über die Engel (2): Glaubensfundament und Inspiration für Mitgefühl

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Teil 2: Erfahre, welche große Rolle Engel im Islam spielen, warum sie das ethische Handeln der Muslime prägen und wie ihre unsichtbare Gegenwart unser Denken und Handeln beeinflussen kann. (iz). […]

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Neues von den Rechten? Trump, Musk und die AfD im Rausch

trump

Bei der Krönungszeremonie von Donald Trump wurde auch ein politisch-religiöses Glaubensbekenntnis verkündet.

(iz). Ist es eine konservative Revolution? Diesen Eindruck will das Spektakel vermitteln, mit dem die zweite Präsidentschaft von Donald Trump in den USA begann. Die Krönungszeremonie begleitet eine selbstbewusste Äußerung des Politikers, die in den Rahmen des politischen Christentums fällt: „Ich glaube, dass mein Leben aus einem bestimmten Grund gerettet wurde. Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder groß zu machen.“

Trumps Glaubensbekenntnis

Diese Bestimmung der Mission Trumps ist nicht nur eine religiöse Verklärung der eigenen Rolle. Es ist auch ein Glaubensbekenntnis, das die Klammer seiner bunten, multiethnischen Wählergemeinschaft bildet.

Während sich die Gegner des Präsidenten um den Fortbestand der Demokratie sorgen, formuliert er – ganz im Sinne des rechtskonservativen Theoretikers Carl Schmitt – seine Großraumtheorie. Kanada, Grönland und Panama – wahrscheinlich auch Mexico – fallen in diesen Raumbegriff jenseits der antiquierten Nationalstaaten.

Die Theorie stellt das universale Völkerrecht infrage und betrachtet die Weltordnung als hierarchisch und von Machtverhältnissen bestimmt. Gebannt schaut die Welt zu, ob es Trump, den Mann ohne politische Eigenschaften, tatsächlich gelingen wird, den Krieg in der Ukraine mit einem „Deal“ zu beenden.

Elon Musk – die zweite zentrale Figur

Die andere zentrale Figur neben dem Präsidenten ist der Tech-Milliardär Elon Musk und sein Plan der ultimativen Eroberung des Raumes. Seine Patrioten im Raumanzug wollen auf dem Mars die amerikanische Flagge hissen. Daneben plant die Administration mit Hilfe des Geschäftsmanns eine Beschränkung der Staatsausgaben. Der Staatsapparat soll künftig sparen lernen, weniger solidarisch, sondern effizient agieren.

Die republikanische Träume, so die nüchterne Analyse Musks, sind von einem dynamisch wachsenden, gigantischen Schuldenberg bedroht. Neben der Vision einer Beherrschung des Raumes kommt der andere Schlüssel zur globalen Macht hinzu, der die Kernkompetenz der US-Wirtschaft im 21. Jahrhundert darstellt: die Verwaltung von Daten.

Donald Trump kündigte bereits Milliardenprogramme zum Ausbau der künstlichen Intelligenz an. Der Glaube der Tech-Giganten, eines Tages alles zu wissen und alles vorher zusehen, ist die andere pseudo-religiöse Komponente der amerikanischen Vision.

Tech-Genie Elon Musk macht

Foto: Kavi Design, Shutterstock

Ein Oligarch als Außenpolitiker

Nebenbei widmet sich Elon Musk der irdischen Außenpolitik. Mit seiner sozialen Plattform X ist er in der Lage, die Idee einer grenzenlosen Meinungsfreiheit umzusetzen. Seine Medien schüren einerseits die Konflikte zwischen den Kulturen und Religionen auf unterem Niveau, anderseits sind sie ideale Bühne, um den Brückenschlag zu den populistischen Kräften in Europa zu gestalten.

Zwei Beispiele der Kommunikationsstrategie sind die Bilder über seine platonische Liebe zur italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni oder unlängst ein Interview im Entertainment-Format mit der AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel.

Wie wirksam der Wind aus den USA in die Segel der Alternative für Deutschland weht, bleibt abzuwarten. Die Partei freut sich im Wahlkampf über jede Schlagzeile und sieht die Chance, bisher unpolitische, technikaffine junge Leute mit Hilfe der Sympathiebekundungen des Ingenieurs aus den USA zu gewinnen. Die AfD hat aber noch ein anderes Klientel im Visier.

kotti

Foto: imago | Ina Peek

AfD-Kandidat Krah zielt auf Migranten und sogar Muslime ab

Während im Osten der Republik die Partei mit fragwürdigen, außerparlamentarischen Partnern weiter ungeniert die Politisierung der Straße betreibt, sind ihre expansiven Möglichkeiten im Westen des Landes beschränkt.

Der Europaabgeordnete Maximilian Krah lässt unter dem Eindruck der Erfolge der Machtachse Trump-Musk mit einem neuen Ansatz aufhorchen. Im Podcast „Ungeskriptet“ fordert er die eigene Partei auf, die Frage der Immigration differenzierter anzugehen und nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren.

Krah, der in den sozialen Medien Millionen junger Leute erreicht, sieht zum Beispiel in den Gemeinschaften mit türkischen Immigrationshintergrund mögliche Partner und in deutschlandfreundlichen Muslimen künftige WählerInnen.

Seine Strategie wird mit drei Argumenten unterlegt: Gläubige Menschen seien potentiell Konservative. Mit anderen, identitär motivierten Bewegungen könne man Bündnisse schließen. Und wegen der demographischen Entwicklung im Lande gäbe es für die AfD keine machtpolitische Alternative zu seinem Ansatz. Für ihn liefert der erfolgreiche Wahlkampf der Republikaner das Erfolgsrezept: Trump wird von verschiedensten Ethnien unterstützt.

Muslimfeindlichkeit Expertenkreis

Foto: Markus Spiske, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

In der AfD ist über diese strategische Frage heftiger Streit ausgebrochen, vor allem mit den Flügeln, die ideologisch tief in den „Remigrationsphantasien“ gründen und von einer nationalen Renaissance im alten Stil träumen.

Langfristig könnte der theoretische Ansatz einer „wählbaren“ AfD Unruhe in die Community bringen: Ist es ausgeschlossen, dass die Glaubensgemeinschaften, die sich nach Anerkennung und Identität sehnen, diese denkbare Avance der AfD anspricht? Bisher ist die Mehrheit aller Muslime klar gegen die Rechtspopulisten positioniert.

Sie ist aber zunehmend ratlos, welches andere Angebot des Parteienspektrums ihrem Menschen- und Weltbild entspricht. Eine Option ist daher, gar nicht mehr zu wählen. Für die etablierten Parteien bietet die Lage eine letzte Chance: Entweder sieht sie das Potential der Muslime endlich positiver oder diese Gesellschaftsschicht sucht sich neue politische Alternativen.

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Umfrage: Religiöse sind spendenbereiter und engagierter

Islam Sadaqa Solidarität spenden

Ist der Gläubige wirklich ein besserer Mensch? Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung legt diesen Schluss bei Spenden zumindest nahe. Doch auch anderswo gibt es große Solidarität. (KNA). Religiöse Menschen sind […]

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Kolumne: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold 

kolumne zeitenwende humanismus Founderism

Kolumne: Der Mensch hat täglich zwischen 50.000 und 80.000 Gedanken, viele davon wiederkehrend.

(iz). Allein die Tatsache, dass ich mich nicht mehr daran erinnere, wann die letzte Ausgabe dieser Kolumne rauskam, zeugt doch davon, wie versunken ich in meinen eigenen immer wiederkehrenden Gedanken bin. Natürlich hatte ich’s auf’m Schirm und überlegte fleißig, wie ich Mut aussprechen und formulieren kann.

Doch ja: Mir war nicht danach. Ich hatte sogar den Eindruck, alles gesagt zu haben, was ich im Hinblick auf’s Mut machen sagen wollte. Mir fiel schlichtweg nichts ein.

Der Mensch hat täglich zwischen 50.000 und 80.000 Gedanken, viele davon wiederkehrend. 

Eine gute Freundin von mir hatte mal als WhatsApp-Profilbild den Spruch „Don’t believe everything you think.“ – Glaube nicht alles, was du denkst.

Als professionelle Grüblerin fiel es mir bisher schwer, diesen Ratschlag zu beherzigen. Doch mit dem Start ins Dolmetschen eröffnete sich mir eine neue Perspektive, die ich bisher nur aus den Ausführungen von E. kannte, verstand, jedoch bis dato nie so wirklich verinnerlichen konnte: Menschen können so viel unnötiges Zeug reden, dass du dir vieles davon gar nicht ausdenken kannst.

Dolmetschen erfordert nicht nur einen gewissen Wortschatz in zwei Sprachen, sondern auch die Fähigkeit, die Absicht und den Sinn des Gesagten zu verstehen und entsprechend in die andere Sprache zu übersetzen. Es verlangt einem ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Geduld und Konzentration ab.

Und was soll ich sagen: Du merkst schneller, wenn Menschen sich gerne selbst reden hören, sich ständig und gerne wiederholen, du sprachlich alles erfassen kannst, dir jedoch der Inhalt durch die Lappen geht, inklusive der dir entgleitenden Gesichtszüge, die repräsentativ für das zermatschte Gehirn nach einem Marathon von Zuhören, Verstehen, Erklären, Übersetzen, Besprechen, Abwarten, Klären, Stehen, vermischt mit Müdigkeit.

Mut Kübra Böler Kolumne

Foto: Kübra Böler

Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich zwar immer noch gerne/leider viel rede, es jedoch immer mehr Phasen gibt, in denen ich die Ruhe, Stille und das Schweigen der Redseligkeit und dem Austausch vorziehe. Nicht, weil ich genervt und erschöpft bin, sondern weil ich schlichtweg nichts zu sagen habe beziehungsweise den Wert und die Wichtigkeit des richtigen Wortes zur richtigen Zeit und im richtigen Moment besser erkennen konnte.

Doch ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir durchweg gelingt. Es gibt noch sehr viele Situationen, in denen es mir nicht gelinkt und die Konsequenzen sind spürbar und auch durchaus unangenehm.

Auch hier gilt es immer wieder aufs Neue das Gleichgewicht zu halten und wiederzufinden. 

„In der Wut sagt der Mensch die Wahrheit.“ sagte H. einmal zu mir. „Wenn jemand das Feuer ist, dann sei du das Wasser.“ „Wir haben einen Mund und zwei Ohren, weil wir doppelt so viel (zu)hören sollen, als dass wir reden.“ Heute verstehe ich diese Aussagen besser als je zuvor.

Denn mal ehrlich: Wie viele unserer „dringenden“ Anliegen sind so wichtig, dass sie jetzt hier sofort in diesem Augenblick ausgesprochen und geklärt werden müssen? Mama sagt immer „Entspann dich. Die Dinge lösen sich von selbst.“ So merke ich mit jedem vergehenden Tag auf dieser Erde, dass die Zeit für jedes Wort kommt und es viele Möglichkeiten gibt, das eigene Anliegen zum Ausdruck zu bringen. #selbstgespräche #staffmeeting

In diesem Sinne: Von Herzen danke und sorry an alle, die mir bis heute zugehört haben. Es war nicht immer erheiternd oder zielführend, manchmal ein riesiger Kraftakt. Möget ihr Menschen begegnen, die euch genauso zuhören, wie ihr mir.  An jene, die solche Menschen in ihrem Leben haben: Bedankt euch bei ihnen. Sie tragen Herzen aus Gold.

Lächeln ist eine Sadaqa. In allen Lebenslagen sind Muslime zur Brüderlichkeit aufgerufen. Von Imam Abdelouahab El Alioui

Es geht hier um einen Hadith mit gewaltiger Bedeutung, in dem der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagt: „Keiner hat vollkommenen Iman, solange er nicht […]

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