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Ostern und das Heilige Land: im Schatten des Krieges

Ostern krieg

Leere Straßen, geschlossene Heiligtümer und Feiern in kleinstem Kreis überschatten Pessach und Ostern. Frieden oder ein bisschen Normalität sind nicht in Sicht.

Jerusalem (KNA). Eigentlich ist Niederschlag in dem von Trockenheit geplagten Heiligen Land ein Segen. Angesichts von menschenleeren Straßen und geschlossenen Heiligtümern unterstreicht der anhaltende, späte Winterregen jedoch die bedrückende Atmosphäre in Jerusalem. 

Die Heilige Stadt, die zu Pessach und Ostern fest in der Hand von Pilgermassen sein sollte, leidet unter kriegsbedingten Einschränkungen. 

Das Gebetsleben geht hinter verschlossenen Türen weiter, ohne Pilger und fast ohne Gläubige. Der seit mehr als einem Monat andauernde Nahostkrieg wirft nach dem muslimischen Ramadan seinen Schatten nun auch auf das jüdische Pessachfest und Ostern.

Foto: Jorge Láscar/via Wikimedia Commons

Ostern und Pessach in Zeiten des Krieges

Mit Sonnenuntergang am Mittwochabend begann für Juden weltweit Pessach. Christen stimmten am Gründonnerstag mit Abendmahlsmesse, Fußwaschung und Chrisamweihe in die Feier der drei vorösterlichen Tage ein.

Normalerweise würden jetzt Zehntausende Menschen durch die engen Gassen der Jerusalemer Altstadt zu den heiligen Stätten ziehen. Die aber sind seit dem 28. Februar, dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran, auf behördliche Anweisung geschlossen.

Ein massives Polizeiaufgebot, das an allen Toren der Altstadt den Zugang einschränkte, prägte den Auftakt der Feiertage.

„Wir erleben immer noch die sehr starken Restriktionen für die Jerusalemer Altstadt“, sagte der Abt der deutschsprachigen Benediktiner im Heiligen Land, Nikodemus Schnabel, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Altstadt, den drei Religionen so kostbar und wertvoll, sei traurigerweise nicht zugänglich für Betende.

Die Spannung lasse sich nicht ignorieren, predigte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, zum Auftakt des sogenannten Triduums, das den Bogen spannt vom letzten Abendmahl über die Kreuzigung Jesu bis zur Auferstehung, im verschlossenen Inneren der Grabeskirche.

Foto: Latin Patriarchate of Jerusalem

„Der Krieg hat diesen Ort in eine Zuflucht verwandelt, ein ‘Innen’, das von einem ‘Außen’ abgeschnitten ist, das von Angst und Anspannung belastet ist. Wir sind hier wie in einem Schoß des Friedens, während die Welt um uns herum zerrissen wird, und wir wünschten, wir könnten all dies ändern“, so das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land.

Die Hoffnung vieler Menschen im Heiligen Land, dass zu den hohen Feiertagen Frieden einkehrt und der Krieg endet, wurde enttäuscht.

Denn von Normalität ist das Heilige Land weit entfernt. Trotzdem will man zu Ostern alles tun, um im Rahmen des Erlaubten möglichst vielen die sichere Teilnahme an den Gottesdiensten zu ermöglichen.

Die zentralen Feiern in der Grabeskirche sollen live übertragen werden, die Pfarrer in allen Teilen des Bistums ihre Feiern an die konkreten Gegebenheiten vor Ort anpassen.

Kirchenvertreter stellen das Sicherheitsargument der israelischen Behörden nicht infrage und zeigten durch einen Ausschluss der Öffentlichkeit von den zentralen Kar- und Osterfeiern Kooperationsbereitschaft hinsichtlich der Einschränkungen, die Juden, Christen und Muslime gleichermaßen treffen.

Absurd seien jedoch die „die merkwürdigen Doppelstandards, die wir bezüglich Altstadt und Neustadt erleben“, sagte Abt Schnabel. Während die Altstadt komplett geschlossen sei, sei in der wenige Meter entfernten Westjerusalemer Einkaufsstraße Mamilla alles geöffnet; Menschen säßen in Cafés.

Kurzmeldungen

Foto: Abbas Zakeri/Wikimedia Commons/CC-Lizenz

Unendliches menschliches Leid

Dieser Krieg habe unendliches menschliches Leid über die Verletzlichsten gebracht. Dies dürfe nicht durch die schmerzhaften Einschränkungen für das gottesdienstliche Leben an den wichtigsten Tagen im christlichen Kalender in den Hintergrund geraten, betonen die Kirchenvertreter.

Patriarch Pizzaballa warnte vor einem Fokus auf die eigenen „kleinen Probleme“ und mahnte zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit. „Es gibt so viele Menschen, denen es schlechter geht als uns, und das muss gesagt werden – im Libanon, in Syrien und an vielen anderen Orten im Nahen Osten, aber nicht nur dort.“

Mit der Krypta unter der Abteikirche, dem „besten Bunker Jerusalems“, gehe es der Gemeinschaft der Dormitio auf dem Zionsberg „wirklich gut, vergleichbar mit dem, was um uns herum geschieht“, sagte Schnabel. 

Er denke an jene, die keine Schutzräume hätten wie die Beduinen; er denke an jene, die in Fürsorge für die ihnen anvertrauten Alten und Kranken Schutzräume nicht aufsuchten, wie die philippinischen und sri-lankischen Gastarbeiterinnen.

Und an die Christen im Gazastreifen, deren sich zuspitzende Situation im Schatten des Krieges in Vergessenheit gerate, aber auch die Menschen im Südlibanon, die zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee zerrieben würden. Sie alle seien die „kleinen Schicksale“, die in diesem Krieg untergehen.

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Christen im Heiligen Land 2023: trauriges und einsames Weihnachten in Bethlehem

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Christen im Heiligen Land erleben derzeit eine traurige Advents- und Weihnachtszeit. Die Einnahmequelle Tourismus entfällt dieses Jahr. 

Bethlehem (dpa, kann, iz). Neben dem Altar liegt ein Haufen Steine, darum herum Holzfiguren. In der Mitte liegt eine Puppe eingehüllt in einen schwarz-weißen Palästinenserschal, wie Fotos zeigen. Von Stefanie Järkel, Maher Abukhater, Emad Drimly und Johannes Schidelko

Angehörige der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem wollten an die unter Trümmern verschütteten Kinder im Gazastreifen erinnern, sagt Pfarrer Munther Issak. „Die Idee ist, dass Christus geboren ist unter den Unterdrückten und denen, die heute leiden.“ Die Installation ersetze in diesem Jahr den Weihnachtsbaum.

Seit 7. Oktober hat Israel das Westjordanland komplett abgeriegelt und die Übergänge weitgehend geschlossen. Zugleich kommen infolge der weltweiten Reisewarnungen praktisch keine Touristen und Pilger ins Land. Mit katastrophalen Folgen gerade für Bethlehem.

Zum einen haben die vielen palästinensischen Pendler, die täglich zur Arbeit und gutem Verdienst nach Jerusalem fuhren, keine Einreisegenehmigung mehr und sind arbeits- und einkommenslos. Zum anderen ist der Tourismus komplett eingebrochen, von dem die Wirtschaft der 30.000-Einwohner-Stadt zu 60 bis 70 Prozent abhängt.

Foto: Jorge Fernandez Salas, Unsplash

Christen im Heiligen Land: kaum Besucher in Bethlehem

Bethlehem im südlichen Westjordanland – der Überlieferung nach Geburtsort von Jesus Christus – ist einer der heiligsten Orte für Christen. Üblicherweise ziehen gerade in der Weihnachtszeit Massen an Touristen durch die Altstadt und zur weltbekannten Geburtskirche. Doch dieses Jahr überschattet der Gaza-Krieg Weihnachten im Heiligen Land.

Der große Weihnachtsbaum, der sonst in der Adventszeit vor der Geburtskirche steht, fehlt. Bereits im November hatten die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem festgelegt, dass es wegen des Krieges keine Weihnachtsdekoration im Heiligen Land geben soll.

Auf Anordnung von Bürgermeister Hanna Hanania gibt es weder Weihnachtsbaum noch Krippe, weder festliche Musik noch bunte Dekorationen, auf denen sich Krippe und Heilige Familie mitunter kulturübergreifend mit Rentieren und Schlitten vermischten. Wegen des Krieges trauere Bethlehem wie die übrigen Palästinenserstädte und könne diesmal nicht feiern, entschied der Stadt-Obere.

In der Geburtskirche, zusammen mit der Jerusalemer Grabeskirche die heiligste Stätte der Christenheit, herrscht in diesen Tagen gähnende Leere. Nur zwei Polizisten wachen im Eingangsbereich, im armenischen wie im orthodoxen Bereich befüllen Mönche die Öllampen.

Zur Grotte unter dem Hauptaltar, wo vor 2.000 Jahren die Krippe Jesu gestanden haben soll, steht niemand an, bestätigt der diensttuende Franziskaner. Normalerweise warten die Besucher bis zu einer Stunde, bevor sie an dem 14-zackigen Silberstern stehen, der den Ort der Krippe markiert.

Foto: rena, Adobe Stock

Schwierige Lage für Christen in Palästina und Israel

Pfarrer Munther Issak sagt, auch die Menschen in Bethlehem hätten Angst, dass der Krieg sich ausweiten werde. Zudem gebe es auch einen starken wirtschaftlichen Druck, weil viele im Tourismus tätig seien.

Der Zugang zur Stadt ist extrem eingeschränkt wegen Straßensperren der israelischen Armee, wie Palästinenser erzählen. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Im Heiligen Land bilden die sie nur eine sehr kleine Minderheit: Im Gazastreifen leben rund 1000 Christen, bei insgesamt rund 2,2 Millionen Einwohnern. In Israel machen die Christen knapp zwei Prozent der rund 10 Millionen Bürger aus. Im Westjordanland sind es rund 1,5 Prozent der rund 3,2 Millionen Palästinenser.

Am schwierigsten ist die Lage der Christen im umkämpften Gazastreifen. Haitham Saba hat sich sonst jedes Jahr um diese Zeit mit seiner vierköpfigen Familie auf Weihnachten vorbereitet, Dekoration gekauft, neue Kleider und Süßigkeiten. Gemeinsam hätten sie dann in der Griechisch-Orthodoxen Kirche in der Altstadt von Gaza gefeiert, erzählt der 29-Jährige.

Doch dieses Jahr habe er sich auch mit muslimischen Nachbarn in die Kirche zurückziehen müssen, um sich vor israelischen Luftangriffen zu schützen, sagt er. Die Kirche wurde im Oktober nach Kirchenangaben bei einem israelischen Luftangriff getroffen. 18 Menschen, die Schutz gesucht hätten, seien getötet worden, hieß es.