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Ein europäischer Gipfel der anderen Art

gipfel muslime europa

Ein Kölner Gipfel über Muslime in Ost- und Südosteuropa, im Kaukasus und in Teilen Asiens fällt in eine Zeit, in der sich in diesen Regionen alte Bruchlinien und neue Herausforderungen überlagern.

(iz). Auf Einladung der IGMG und Hasene International kamen Mitte Juni Vertreter islamischer Gemeinschaften von Deutschland und Österreich über den Balkan bis in den Kaukasus, nach Zentralasien und bis in die Mongolei zusammen, um über religiöse Bildung, Minderheitenrechte, institutionelle Fragen und soziale Notlagen zu beraten.

Der Rahmen war bewusst breit gewählt: von etablierten Minderheiten in Südosteuropa über kriegsgeprägte Kontexte wie die Ukraine bis hin zu kleinen Gemeinschaften im Baltikum oder in der Steppe Zentralasiens.

Die Berichte aus den verschiedenen Ländern zeichnen ein Bild großer Vielfalt, das dennoch von wiederkehrenden Motiven durchzogen ist. In Deutschland und Österreich stehen Fragen der rechtlichen Gleichstellung, der strukturellen Anerkennung und der Ausbildung religiösen Personals im Vordergrund.

Muslimische Organisationen betonen, dass es nicht um Sonderrechte geht, sondern um den Zugang zu jenen Instrumenten, die anderen Religionsgemeinschaften längst zur Verfügung stehen – etwa in der Seelsorge, beim Religionsunterricht oder bei der Finanzierung religiöser Infrastruktur.

Gleichzeitig rückt die junge Generation in den Blick, für die die Herkunftsländer der Großeltern immer mehr verblassen und die ihre muslimische Identität in einer weitgehend säkular geprägten Umgebung neu verorten muss.

Pressebilder: IGMG/Hasene International

Gipfel europäischer Muslime: Im Osten verschieben sich Schwerpunkte

Weiter südlich und östlich verschieben sich die Schwerpunkte. In den Nachfolgestaaten Jugoslawiens sowie in Bulgarien, Rumänien oder Griechenland sind viele muslimische Gemeinschaften historisch gewachsene Minderheiten, deren Existenz weit vor die jüngeren Migrationsbewegungen zurückreicht. Hier dominieren Fragen von Minderheitenstatus, Restitution von Religionsstiftungen, Sprachenpolitik und politischer Repräsentation.

Die Situation der bosniakischen Muslime ist durch die ungelösten Spannungen der neunziger Jahre geprägt, denen sich – wie Dr. Harun Karčić analysiert – seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine neue sicherheitspolitische Risiken hinzugesellt haben. Bosnien-Herzegowina bleibt ein fragiles Gebilde; prorussische und nationalistische Akteure bedienen sich rhetorischer und politischer Muster, die aus der Zeit vor dem Krieg bekannt sind.

Im serbischen und im montenegrinischen Sandschak, in Mazedonien oder im Kosovo verbindet sich die religiöse Dimension mit ökonomischer Benachteiligung und dem Tauziehen um Einfluss zwischen regionalen und externen Akteuren.

Die Vertreter dieser Regionen in Köln beschrieben u.a. die schleppende Rückgabe des Eigentums von früheren Stiftungen (Vakif), interne institutionelle Spannungen und den Druck, unter Bedingungen begrenzter Ressourcen funktionsfähige Strukturen zu erhalten.

Hinzu kommen diskursive Zuschreibungen von außen: Der Balkan taucht im westlichen Diskurs wahlweise als „Brutstätte“ extremistischen Islamismus oder Zone externer Einflussnahme auf, was dem überwiegend pragmatisch-konservativen Islam der Region nur bedingt entspricht.

rechtsurteile alim

Foto: kmbs.ua

Konfliktlinien im Balkan, der Ukraine und dem Kaukasus

Von besonderer Schärfe sind die Konfliktlinien in der Ukraine und im Umfeld des Kaukasus. Der Bericht des ukrainischen Muftis auf der Konferenz verwies auf die lange Geschichte des Islam im Land, die eng mit den Krimtataren verbunden ist, und auf die mehrfachen Verschiebungen durch Deportationen, Annexion und Krieg.

Mit dem Angriff Russlands hat sich nicht nur die Demografie der muslimischen Bevölkerung verändert; Moscheen und islamische Zentren wurden zu Knotenpunkten humanitärer Hilfe, während Geistliche an der Front seelsorgerische und praktische Aufgaben übernahmen.

Ähnliche Verschränkungen von Religion, Sicherheitspolitik und geopolitischer Konkurrenz lassen sich ebenso im Südkaukasus beobachten, wo eingefrorene Konflikte wie in Berg-Karabach jederzeit wieder aufbrechen können.

In den klassischen muslimischen Kernräumen Eurasiens – etwa in Russland selbst, in Tatarstan, Tschetschenien oder im weiteren Raum Zentralasiens – verbindet sich spirituelles Leben mit autoritären politischen Rahmenbedingungen und einem dichten Geflecht staatlicher Kontrolle.

Viele der in Köln anwesenden Vertreter aus Georgien, Kirgisistan oder angrenzenden Regionen berichteten von der Aufgabe, religiöse Bildungseinrichtungen aufzubauen, qualifizierte Imame zu gewinnen und zugleich jene Spielräume zu nutzen, die Staaten überhaupt zulassen.

Ein Thema ist dabei die Anziehungskraft externer Angebote und die Verbreitung vereinfachender oder extremistischer Lesarten über digitale Kanäle, denen mit solider Grundbildung begegnet werden soll.

Eine eher leise, aber symbolisch nicht zu unterschätzende Rolle spielen kleinere Gemeinschaften in Ländern wie Polen, Litauen, Estland oder der Mongolei. In den Staaten am östlichen Ostseeufer verweisen die Vertreter auf die jahrhundertealte Präsenz muslimischer Tataren und zugleich auf Schwierigkeiten, bei Stadterweiterung und Denkmalschutz mit historischen Moscheestandorten und Friedhöfen Gehör zu finden.

In Polen und den baltischen Republiken kommt die Herausforderung hinzu, dass öffentliche Wahrnehmung von Muslimen oft stärker von Debatten in Westeuropa gemünzt ist als von der eigenen Geschichte. In der Mongolei wiederum handelt es sich um eine kleine Minderheit mit regionaler Konzentration, die aus dem kasachisch geprägten Westen des Landes stammt und um Basiskompetenzen wie religiöse Bildung in der Landessprache, institutionelle Verstetigung und einfache Infrastruktur ringt.

Foto: Shutterstock/Monkey Business Images

Es gibg verbindende Herausforderungen

Einige Querschnittsthemen ziehen sich durch alle Berichte. Dazu gehören der Mangel an qualifiziertem religiösem Personal, die Notwendigkeit, junge Menschen unter Bedingungen einer globalisierten Medienlandschaft zu begleiten, und die Erfahrung, dass antimuslimischer Rassismus, auch wenn er sich lokal unterschiedlich äußert, in seinen Grundmustern wiedererkennbar ist.

In Österreich etwa wurden zuletzt wieder steigende Zahlen islamfeindlicher Vorfälle dokumentiert, während in Griechenland das beständige Ringen um Anerkennung der türkischen Minderheit in Westthrazien die Beziehungen zwischen Staat und Gemeinschaft belastet.

Im Hintergrund steht eine europäische Diskussion, in der der Islam, insbesondere in den östlichen und südöstlichen „Peripherien“, häufig als Sicherheitsproblem oder als Projektionsfläche geopolitischer Rivalitäten erscheint.

In diesem Kontext gewinnen Begegnungen wie das Kölner Event eine Bedeutung, die über das Format einer singulären Tagung hinausreicht. Die Veranstalter betonten, es gehe nicht darum, „einmal zusammenzukommen und dann wieder auseinanderzugehen“, sondern um den Aufbau belastbarer Kommunikationswege zwischen sehr unterschiedlichen Kontexten: Mehrheitsgesellschaften mit muslimischen Minderheiten, mehrheitlich muslimischen Gesellschaften mit autoritären Regierungsformen und kleinen, oft übersehenen Gemeinschaften, deren Situation in großen Lagebildern kaum vorkommt.

Die Themen reichen von Ausbildungsgängen über die Finanzierung religiöser Infrastruktur und humanitärer Hilfe bis zu Fragen politischer Repräsentation und rechtlicher Gleichstellung.

Das gemeinsame Bild auf eine unterschätzte Region (um das sich bspw. die „Islamische Zeitung“ bemüht) ist ambivalent.

Auf der einen Seite gibt es in vielen Ländern eine bemerkenswerte institutionelle Verdichtung muslimischer Präsenz: Muftiate, Räte, Zentren und Bildungsinstitutionen, die nach Jahrzehnten der Repression, des Krieges oder des legalen Vakuums mühsam aufgebaut wurden.

Auf der anderen bleiben diese Strukturen fragil. Sie werden nicht selten angefochten durch nationalistische Projekte, autoritäre Staaten, wirtschaftliche Schwäche(n) und transnationale Konflikte, die in den Alltag hineinragen.

* Unter Verwendung von Informationen der „Perspektif“ vom 13. Juni.

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„Viele Jugendliche wollen sich einbringen“

jugend jugendliche muslime

„IZ-Begegnung“ mit zwei VertreterInnen von der IGMG-Jugend über das Potenzial der kommenden Generation und das laufende Programm der SES Academy..

(iz). Häufig werden junge Muslime in unserer Gesellschaft als Problem stigmatisiert und in medial vermittelten Diskursen problematisiert. Ein eindrückliches Beispiel für diese Tendenz war die vom Kanzler angestoßene „Stadtbilddebatte“.

Selbstredend ist die Wirklichkeit vielschichtiger und differenzierter. Gerade in Deutschland haben junge Muslime in vielen Bereichen Anschluss gefunden und sind aktiv als Studierende, Startup-Unternehmer und Fachkräfte tätig. Ähnlich verhält es sich mit ihrer Bindung an die hiesige Gesellschaft. Das belegt nach Ansicht der Mitwirkenden eine Studie zur IGMG-Jugend, die demnächst veröffentlicht werden soll.

Im April startete die SES Academy – ein Projekt des Islamrats in Kooperation mit der IGMG – mit einer international besetzten Auftaktveranstaltung. Das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt widmet sich schwerpunktmäßig der politischen und gesellschaftlichen Weiterbildung.

Darüber hinaus soll es den Teilnehmenden die notwendigen Kompetenzen für die Teilhabe an der Öffentlichkeit vermitteln. Hierzu sprachen wir mit Zehra Karataş und Furkan Kahraman aus der Jugendarbeit des Verbandes.

Islamische Zeitung: Liebe Zehra Karataş, lieber Furkan Kahraman, können Sie sich kurz vorstellen?

Zehra Karataş: Mein Name ist Zehra Karataş und ich wurde 1985 in Duisburg geboren. Ich habe an der FH Dortmund Architektur studiert und bin seit 2021 als Leiterin der Frauen-Jugendorganisation bei der IGMG tätig.

Furkan Kahraman: Mein Name ist Furkan Karaman und ich wurde 1993 in Mühlacker geboren. Seit dem 13. Lebensjahr bin ich in der IGMG aktiv. Ich habe an der Sultan Mehmet Vakıf Universität in Istanbul Islamische Theologie studiert. 2019 bis 2020 war ich in England und habe an Sprachkursen teilgenommen. 2020 kam ich zurück nach Deutschland und bin seit 2021 als Leiter der Jugendorganisation der IGMG tätig.

Islamische Zeitung: Am Wochenende vom 11.-12. April 2026 fand die Auftaktveranstaltung der SES Academy in Köln statt. Erste Wochenendseminare sind bereits auf der Website angekündigt und das Bildungsprogramm ist auf zweieinhalb Jahre ausgelegt. Können Sie beschreiben, um was es dabei geht und welche Inhalte vermittelt werden sollen?

Zehra Karataş:  Es handelt sich dabei um ein langfristiges, mehrsprachiges Programm. Es soll jungen Muslimen helfen, sich besser in Politik und Gesellschaft zu orientieren. Im Kern steht die politische Bildung.

Wir wollen die TeilnehmerInnen dazu befähigen, komplexe Themen reflektieren und einordnen zu können, statt nur oberflächlich auf Schlagzeilen zu reagieren.

Das Ganze findet in verschiedenen Formaten statt: von klassischen Wochenendseminaren bis hin zu intensiven Sommerschulen oder als digitales Angebot.

Islamische Zeitung: Richtet sich die Akademie an die eigenen Mitglieder und angeschlossenen Gemeinschaften oder generell an junge Muslime in Europa?

Furkan Kahraman: Das Programm ist ein Angebot hauptsächlich für unsere Jugend, also für Mitglieder der Jugendorganisationen. Aber es gibt ebenso Interessierte außerhalb des Verbandes. Auch sie sind willkommen. Schwerpunktmäßig richtet sich das Bildungsprogramm an 18- bis 30-Jährige.

Foto: Islamrat/SES Academy

Islamische Zeitung: Warum hat man sich für die SES Academy für den Fokus auf politische Bildung entschieden?

Furkan Kahraman:  Politische Entwicklungen und gesellschaftliche Debatten überschlagen sich derzeit. Den Überblick zu behalten oder Entwicklungen zu kontextualisieren, wird für viele Menschen zunehmend schwieriger. Weltweit geschieht enorm viel, und in rasantem Tempo: in den internationalen Beziehungen, in Wirtschaft und Wissenschaft, globale Krise und Konflikte, aber auch die Entwicklung neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz.

Hinzu kommt, dass viele muslimische Jugendliche – auch oder gerade wegen zunehmender antimuslimischer Strömungen und gesellschaftlicher Polarisierung – den Wunsch verspüren, sich stärker einzubringen, ihre Perspektiven hörbar zu machen und gesellschaftlich mitzuwirken.

Sie besitzen einerseits ihre muslimische Identität und zugleich fühlen sie sich den Ländern, in denen sie leben, zugehörig. Gleichzeitig wird diese Zugehörigkeit immer stärker und lauter in Abrede gestellt.

Diese Fragen und Bedürfnisse werden täglich an uns herangetragen – von Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst. Dieser Nachfrage möchten wir nun mit der SES Academy begegnen: durch Angebote, die Orientierung schaffen, politische Bildung fördern und junge Menschen dabei unterstützen, gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen und selbst aktiv mitzugestalten.

Islamische Zeitung: Sie sprachen von „Zugehörigkeit“. In der Studie wird eine Generation muslimischer Jugendlicher beschrieben, die nicht nur qualifiziert ist, sondern sich auch mit ihrem jeweiligen europäischen Herkunftsland identifiziert. Gibt es in der Studie Befunde, die sie nicht erwartet haben?

Zehra Karataş: Was uns persönlich überrascht hat, war weniger das Ergebnis selbst, sondern vielmehr, dass sich unsere bisherigen Beobachtungen nun auch empirisch bestätigen.

Wir sehen seit Jahren, dass muslimische Jugendliche in Europa zunehmend hochqualifiziert sind und sich stark mit den Ländern identifizieren, in denen sie geboren und aufgewachsen sind. Jetzt haben wir erstmals Zahlen, die genau das unterstreichen.

Besonders ist dabei, dass die Studie klar zeigt, dass sie sich nicht von europäischen Gesellschaften getrennt betrachten, sondern sich als festen Bestandteil ansehen. Es mangelt nicht an fehlender Integration, sondern an gleichberechtigter Teilhabe und sozialer Anerkennung.

Islamische Zeitung: Ein weiterer Punkt ist die von Ihnen beschriebene „Gleichzeitigkeit“. Einerseits haben wir das Zugehörigkeitsgefühl, andererseits Gefühle von Ausschluss oder tatsächliche Ausschlussphänomene. Wie würden Sie einem breiteren Publikum diese Polarität erklären?

Zehra Karataş: Viele muslimische Jugendliche empfinden Europa ganz selbstverständlich als ihre Heimat. Sie sind hier geboren, sozialisiert und fühlen sich emotional mit ihren Ländern verbunden.

Gleichzeitig erleben viele von ihnen jedoch, dass sie sozial nicht vollständig akzeptiert werden bzw. immer wieder in eine Außenseiterrolle gedrängt werden. Dieses Spannungsfeld entsteht vor allem dadurch, dass sie häufig durch Debatten über Sicherheit, Integration oder Leitkultur betrachtet werden. So gerät aus dem Blick, welchen Beitrag sie in der Realität für die Gesellschaft leisten und wie sehr sie diese bereits mitprägen.

Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Es gibt kein grundlegendes Problem einer mangelnden Zugehörigkeit. Im Gegenteil, Religionsgemeinschaften wie die IGMG stärken bei vielen Jugendlichen das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer jeweiligen europäischen Heimat. Die negative öffentliche Debatte verstärkt jedoch das Gefühl von Exklusion.

Besonders auffällig ist, dass Medien bei Negativereignissen oft das Herkunftsland betonen, während bei Erfolgen die Herkunft plötzlich keine Rolle mehr spielt. Das vermittelt vielen den Eindruck, dass sie erst als vollwertige Bürger wahrgenommen werden, wenn sie außergewöhnliche Leistungen erbringen. Dieses Paradox prägt den Alltag vieler junger Menschen.

Innerlich fühlen sie sich zugehörig, äußerlich werden sie häufig ausgegrenzt. Mehr als die Hälfte erlebt Benachteiligungen im Berufsleben aufgrund ihrer religiösen Identität, und viele sprechen von alltäglichen Vorurteilen oder verbalen Angriffen.

Islamische Zeitung: Die Studie zeigt gleichzeitig, dass ein großer Teil der Befragten studiert bzw. in qualifizierten Berufen arbeitet. Sie wiederholen das klassische Migrationsschema. Nämlich, dass die zweite oder dritte Generation aufstiegswillig ist und in die Mittelschicht vordringen will. Sehen Sie da auch Chancen in diesem Aufstieg, der etwas langsamer als möglich stattfindet, aber immerhin stattfindet, für die europäischen Gesellschaften?

Furkan Kahraman: Auf jeden Fall. Wir haben es heute mit muslimischen Jugendlichen zu tun, die gut ausgebildet, mehrsprachig und sehr mobil sind. Deshalb verfügt Deutschland, aber auch Europa, über eine Generation, die bereit ist, mitzugestalten und ihren Beitrag für Europa zu leisten.

Dieses Potenzial muss erkannt und entsprechend gefördert werden. Das hätte auch international einen positiven Effekt, da in Europa viele Migrantinnen und Migranten aus verschiedenen Ländern leben. Ich bin überzeugt, dass eine Würdigung und Förderung des muslimischen Potenzials einen positiven Einfluss haben werden.

Pressefoto: IGMG

Islamische Zeitung: Ein interessanter Aspekt ihrer Studie ist, dass Religionsgemeinschaften wie die IGMG, und nicht nur sie, oft unter den Schlagworten „Parallelgesellschaft“ oder „Abgrenzung“ beschrieben werden. In der Studie bzw. in einem Beitrag sprechen Sie hingegen eher von „Brückenräumen“ als von Rückzugsorten. Was kann verbessert werden, damit sich mehr Muslime und ihre Community nicht im Gegensatz zu ihrer Religion, sondern positiv unterstützt durch sie in den europäischen Gesellschaften engagieren?

Furkan Kahraman: Damit sich mehr Muslime in Europa aktiv gesellschaftlich engagieren und ihre Religion dabei als positive Ressource erleben, braucht es vor allem drei Dinge: Anerkennung, Teilhabe und Vertrauen.

Viele muslimische Jugendliche möchten sich einbringen – gesellschaftlich, politisch, kulturell oder sozial. Sie engagieren sich bereits in Vereinen, der Bildungsarbeit oder Nachbarschaftsprojekten. Häufig erleben sie jedoch, dass ihre religiöse Identität dabei nicht als selbstverständlich wahrgenommen wird, sondern unter Rechtfertigungsdruck steht. 

Deshalb braucht es zunächst ein gesellschaftliches Klima, in dem muslimisches Leben nicht permanent problematisiert wird und der Islam als Quelle und positiver Antrieb von menschen Akzeptanz findet. 

Der Wunsch eines jungen Muslims nach gesellschaftlicher Teilhabe – eben aus islamischer Motivation heraus – muss die gleiche Akzeptanz und Anerkennung erfahren wie das Engagement eines Jugendlichen aus der Evangelischen Jugend Deutschlands oder dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, der sich aus seiner religiösen Überzeugung heraus gesellschaftlich einbringen möchte.

Gleichzeitig tragen auch muslimische Gemeinschaften Verantwortung. Wir müssen Räume schaffen bzw. bestehende Räume erweitern, in denen junge Menschen lernen, dass gesellschaftliches oder politisches Engagement zusammen mit Werten wie gesellschaftliche Verantwortung, Gerechtigkeit, Solidarität oder Einsatz für das Gemeinwohl tief in unserer Religion verankert sind. 

Wichtig ist außerdem, muslimische Jugendliche nicht nur als „Thema“ von Debatten zu behandeln, sondern ihnen echte Mitsprache zu ermöglichen – in Politik, Medien, Bildung und Zivilgesellschaft. Wer Verantwortung übertragen bekommt, entwickelt auch stärker das Gefühl, Teil dieser Gesellschaft zu sein und sie mitgestalten zu können. 

Zehra Karataş: Der Leitsatz lautet hier: nicht verurteilen, sondern begegnen. Genau daran liegt aus unserer Sicht der Schlüssel für ein gelungenes Zusammenleben. Wir sind in einer Gesellschaft, in der Politik, Medien und andere religiöse Gemeinschaften muslimische Organisationen wie die IGMG stärker als Partner wahrnehmen sollten – insbesondere mit Blick auf ihre wichtige soziale und pädagogische Arbeit.

Insbesondere ist z. B. das Mentoring von Bedeutung, das wir für junge Menschen zwischen 13 und 17 leisten. Die Studie zeigt, welche enorme Bedeutung diese Begleitung auf ihre persönliche Entwicklung hat. Deshalb wäre es sinnvoll, muslimischen Organisationen wie der IGMG soziale Kooperationen zu ermöglichen bzw. diese zu stärken.

Islamische Zeitung: Unsere letzte Frage schlägt den Bogen zur Akademie. In der Studie wird deutlich, dass es einerseits einen großen Willen gibt, sich in europäischen Gesellschaften einzubringen. Gleichzeitig herrscht eine große Distanz zu einer klassischen Parteimitgliedschaft. Aber auch die Vorstellung, Parteien und Politik würden Muslime nicht repräsentieren. Das deckt sich mit Erhebungen von Wahlforschern, die generell bei Bürgern mit „Migrationshintergrund“ eine geringere Wahlbeteiligung feststellen. Was muss getan werden, um hier junge Menschen ins Engagement zu bekommen, damit sie Veränderungen realisieren können?

Zehra Karataş: Tatsächlich ist dieses Ergebnis sehr interessant. Die geringe Bereitschaft zur klassischen Parteipolitik bedeutet jedoch nicht, dass muslimische Jugendliche politisch desinteressiert wären oder nicht dazu beitragen möchten.

Viele engagieren sich intensiv ehrenamtlich und gesellschaftlich. Die eigentliche Frage ist, warum sich viele in den bestehenden Parteien nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Gerade vor dem Hintergrund eines spür- und sichtbaren Rechtsrucks empfinden manche Jugendliche eine zunehmende Distanz auch zu den etablierten Parteien.

Ich glaube, wir brauchen hier auch einen stärkeren Auftrag an die Wissenschaft und an politische Institutionen, sich ehrlich mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Muslime und Menschen mit Migrationsgeschichte trotz wachsender gesellschaftlicher Präsenz politisch weiterhin so stark unterrepräsentiert sind.

Und ebenso wichtig ist die Frage: Warum ziehen sich viele von ihnen nach kurzer Teilhabe wieder zurück oder entscheiden sich bewusst dagegen, langfristig in der Politik zu bleiben? Denn wenn man genauer hinschaut, gibt es bis heute nur sehr wenige Beispiele für nachhaltige politische Karrieren von Muslimen oder Menschen mit sichtbarer Migrationsgeschichte.

Wenn wir ernsthaft über Teilhabe sprechen, dann müssen wir auch untersuchen, warum politische Repräsentation für viele zwar theoretisch möglich erscheint, praktisch aber oft keine langfristig tragfähige Perspektive bietet.

Ich glaube nicht, dass die geringe langfristige politische Präsenz von Muslimen an mangelnder Motivation oder fehlender Einsatzbereitschaft muslimischer Jugendlicher liegt. Ganz im Gegenteil: Viele muslimische Jugendliche sind ausgesprochen engagiert.

Sie wollen anpacken, mitgestalten, Verantwortung übernehmen, gesellschaftlich aufsteigen und sich aktiv in politische und gesellschaftliche Prozesse einbringen. Sie möchten sichtbar sein, gehört werden, mitdiskutieren und ihre Perspektiven in die Gesellschaft einbringen.

Deshalb arbeiten wir daran, das soziale und politische Bewusstsein junger Menschen weiter zu stärken – unter anderem mit der SES Academy. Langfristig ist es wichtig, dass junge Menschen erkennen: Durch aktive Repräsentation und Beteiligung können sie ihre Gesellschaften nachhaltig mitgestalten.

Die Frage ist natürlich, ob sie diese Möglichkeit tatsächlich haben und, wenn man das Beispiel der Parteien nehmen möchte, inwiefern sie sich in den Parteien akzeptiert fühlen. Wenn es um Wahlen geht, werden sie zwar angesprochen.

Aber viele Jugendliche – vor allem mit muslimischem oder migrantischem Hintergrund oder auch aus anderen Religionsgemeinschaften – finden in den Wahlprogrammen kaum Bereiche, mit denen sie sich identifizieren können. Entsprechend fragen sie sich, ob sich eine Beteiligung für sie überhaupt lohnt und wen sie wählen sollen.

Islamische Zeitung: Liebe Zehra Karataş, lieber Furkan Kahraman, wir bedanken uns für das Gespräch.

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Mehr Naturschutz für Moscheen

muslimisch Zukunft

Naturschutz: Die IGMG bietet Fortbildung und praktische Schulung für ihre Moscheegemeinschaften an.

(IGMG/IZ). „Mülltrennung, Energiesparen, Solarenergie – Klimaschutz beginnt in der Moschee: Die IGMG startet eine Webinar-Reihe für Moscheegemeinden – mit praktischen Lösungen und islamischer Verankerung“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG).

Anlass war der Start der Bewerbungsphase für ein neues IGMG-Klima-Bildungsprogramm für Mitgliedsgemeinschaften des Verbands. 

Mit dem Naturschutz-Bildungsprogramm für Moscheen wolle der Verband ein umfassendes Projekt für die Gemeinschaften beginnen, das Theorie in gelebte Praxis übersetzen soll. Wir wolle zeigen, dass Klimaschutz nicht bei Konferenzen beginnt, sondern vor Ort – in Gemeindeküchen, Gebetsräumen und Moscheegärten.

Denn der Islam verpflichte die Muslime zur Bewahrung der Schöpfung. „Diese religiöse Verantwortung nehmen wir ernst – und machen sie zum Ausgangspunkt für konkretes Handeln.“

Das Programm richtet sich an Ehrenamtliche in Moscheegemeinden. Es solle sie dazu befähigen, Umwelt- und Klimaschutz in ihren Gemeinden umzusetzen. In elf Webinaren und zwei Modulen werden Themen wie Energiesparen, Wasser- und Flächenmanagement, Mülltrennung, Biodiversität oder die Organisation umweltfreundlicher Veranstaltungen behandelt. Statt theoretischer Vorträge setzt das Projekt auf interaktive Formate: Workshops, Rollenspiele und Gruppengespräche mit starkem Praxisbezug.

Nach Angaben der IGMG bestehe das Ziel in dem praxisorientierten Programm nicht nur im Wissenserwerb. Die TeilnehmerInnen sollen auch „Multiplikatoren und Umweltverantwortliche“ in ihren lokalen Gemeinschaften werden.

Sie sollen lokale Naturschutzziele formulieren, diese öffentlich kommunizieren und Schritt für Schritt umsetzen – begleitet von der IGMG-Klima- und Naturschutzkommission.

Im Falle eines erfolgreichen Abschlusses wird die Teilnahme zertifiziert. „Damit schaffen wir Bewusstsein und Veränderung zugleich.“ Das Programm soll offen für alle sein – denn Klimaschutz sei „kein Spezialthema, sondern betrifft uns alle“.

Damit wolle man Verantwortung übernehmen, muslimisches Umweltbewusstsein zugunsten sämtlicher Lebewesen stärken und deutlich machen, dass Moscheen Teil der Lösung seien.

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Jugend und soziale Medien: „Es sind eigenständige Lebensräume“

jugend

Themenausgabe über soziale Medien und ihre Folgen: „IZ-Begegnung“ mit dem IGMG-Bildungsbeauftragten Tarik Eroglu über die muslimische Jugend im Netz. (iz). Tarik Eroglu wurde 1994 in Mülheim an der Ruhr geboren […]

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„Import“ von Imamen – ein langsamer Abschied

imam imamausbildung islamkolleg

Imame sollen schrittweise sämtlich in Deutschland ausgebildet werden. Verbände wie DITIB und die IGMG wollen langfristig umstellen. (IZ/KNA). Eigentlich ist das längst innermuslimischer Konsens, zumindest in der jüngeren Generation: Eine […]

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Imame: Kompromiss bei Schulung und Fortbildung

imame gebet

Berlin und Ankara vereinbaren zukünftige Ausbildung in Deutschland. Auch die IGMG will zukünftig hier ausbilden. (KNA/IZ). Fortschritt für die Ausbildung von Imamen in Deutschland: Nach den Worten von Bundesinnenministerin Nancy […]

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Muslime in Deutschland: IGMG beklagt wachsenden Druck

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Muslime sehen sich in diesem Land einem gestiegenen Druck ausgesetzt. Claim Allianz verzeichnet einen Anstieg von Übergriffen.

Köln/Berlin (KNA, iz). In Deutschland wächst nach Ansicht der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs der Druck auf Muslime. Das zeigten unter anderem die aktuellen Debatten über Extremismus und den Krieg in Nahost, sagte Generalsekretär Ali Mete am letzten Wochenende der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Mete: Muslimen werden heimliche Sympathien unterstellt

„Von uns wird nicht nur erwartet, dass wir uns nach jedem Terrorakt distanzieren, sondern auch von Regierungen, von Personen, von Standpunkten, die als muslimisch motiviert gelesen werden“ beklagte Mete. „Muslimen wird unterstellt, sie hätten eine Nähe zu solchen Taten oder würden sie insgeheim begrüßen.“ Das nähre Vorurteile.

Pressebild: IGMG

„Wenn man davon ausgeht, Muslime dächten und handelten aufgrund ihres Glaubens alle gleich, spricht man ihnen ihre Individualität ab und nimmt sie in Sippenhaft“, so Mete weiter. „Dieses Denken ist gefährlich und sollte mit Blick auf die deutsche Geschichte längst überwunden sein.“

Hass auf Muslime und Juden „zwei Seiten derselben hässlichen Medaille“

Islamfeindlichkeit und Antisemitismus sind nach den Worten des Milli-Görüs-Generalsekretärs „zwei Seiten derselben hässlichen Medaille“. Dabei handele es sich nicht um eine Erfindung von Muslimen oder Juden und auch nicht um einen Import, wie oft behauptet werde.

„Der allergrößte Teil ist hausgemacht und kommt von Rechten beziehungsweise Rechtsextremisten.“ Wo es Angriffe auf Synagogen gebe, seien auch Moscheen gefährdet. Dennoch komme Antisemitismus auch unter Musliminnen und Muslimen vor, „ähnlich wie in allen Bereichen der Gesellschaft“, so Mete.

Foto: Tobias Arhelger, Shutterstock

Dass sich internationale Konflikte auf deutsche Religionsgemeinschaften auswirkten, räumte er ein. In solchen Zeiten sei selbstverständlich, „dass man sein Beileid ausspricht und solidarisch ist, wenn einem Hass entgegentritt oder Gotteshäuser angegriffen werden“; und zwar ohne mit zweierlei Maß zu messen und Anteilnahme von Religion oder Herkunft abhängig zu machen.

Berliner Meldestelle verzeichnet Anstieg von Vorfällen

Bereits Anfang November hat die CLAIM Allianz vor einer akuten Zunahme von antimuslimischem Rassismus in Deutschland gewarnt. Das Netzwerk vereint ca. 50 zivilgesellschaftliche Akteure zu den Themen Rassismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit. 

Es habe im Zeitraum 9.10. – 29.11.2023 187 Fälle von gewaltvollen antimuslimischen Übergriffen, Beleidigungen, Drohungen und Diskriminierungen dokumentiert. Sie umfassten nach eigenen Angaben über 149 Angriffe gegen Einzelpersonen oder Gruppen. „Darunter zählen v. a. Familien sowie Gruppen, die im öffentlichen Raum angegriffen wurden. 24 Übergriffe richteten sich gegen religiöse Einrichtungen – darunter Schändung von muslimischen Grabmälern sowie Angriffe auf Moscheen.“

Foto: CLAIM Allianz

Damit lägen die dokumentierten Übergriffe bereits über dem Vorjahresniveau. Die erfassten Fälle beträfen ausschließlich den Offlinebereich und würden keine Hassrede im Internet abdecken. Es sei insgesamt von einer gravierenden Dunkelziffer antimuslimischer Vorfälle auszugehen, „die bisher nicht gemeldet oder erfasst werden“.

„Die Zunahme von antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen ist besorgniserregend. Die Angriffe auf Einzelpersonen, religiöse Einrichtungen oder Geschäfte senden ein Signal des Hasses und der Ablehnung. Viele Menschen in diesem Land fühlen sich derzeit alleine gelassen. Sie fühlen sich bedroht und haben Angst – und sie haben allen Grund dazu“, betonte Rima Hanano von CLAIM.

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Umweltbewusst zur Moschee: IGMG beginnt Projekt „Emissionsfreie Woche“

Freitagsgebet

Mehr Umweltbewusstsein: Die IGMG möchte, dass MoscheebesucherInnen bis zum 22. September emissionsfrei in die Moscheen kommen.

Köln (igmg.org). Die Islamische Gemeinschaft IGMG organisiert eine europaweite Aktionswoche vom 16. bis zum 22. September 2023 in hunderten Moscheegemeinden.

Foto: Claus-Joachim Dickow, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Umweltbewusstsein auch beim Moscheebesuch

Unter dem Motto „Emissionsfreie Woche: umweltbewusst zur Moschee“ werden Moscheebesucherinnen und -besucher dazu aufgerufen, den Weg zur Moschee möglichst emissionsfrei zurückzulegen: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Fahrgemeinschaften.

„Vor allem am Freitag besuchen allein in Deutschland rund 100.000 Muslime die Moscheen der Islamischen Gemeinschaft. Mit diesem Projekt wollen wir das Bewusstsein für eine umweltbewusstere Alltagsgestaltung in den Moscheen stärken und so einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten – nicht nur in dieser Aktionswoche, sondern das ganze Jahr über“, erklärte Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft.

Pressebild: IGMG

MuslimInnen sollen rücksichtsvoll mit Ressourcen umgehen

Der Islam rufe Musliminnen und Muslimen zu einem sparsamen und rücksichtsvollen Umgang mit Ressourcen und Umwelt auf. „Als islamische Religionsgemeinschaft sehen wir uns angesichts der verheerenden Folgen des Klimawandels für Milliarden Menschen rund um den Globus in der Pflicht, etwas dagegen zu tun.“

Es reiche nicht, dass man Verbesserungen für die Betroffenen der Klimakrise lediglich fordere, man müsse auch selbst aktiv werden, die eigene Lebensweise kritisch unter die Lupe nehmen, erläuterte Ali Mete weiter.

„Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Hier stünden in erster Linie die großen Industriestaaten als die größten Umweltsünder in der Pflicht“, sagte der IGMG-Generalsekretär.

Foto: NourEnergy e.V.

Für ein emissionsarmes Leben

Im Rahmen des Aktionswoche soll für ein emissionsarmes Leben und für mehr Umweltbewusstsein im Alltag sensibilisiert werden. Das Thema wird aus theologischer Perspektive auch in den Freitagspredigten und im Islamunterricht in den Moscheen aufgegriffen.

Die Aktionswoche wird in Deutschland sowie in weiteren europäischen Ländern durchgeführt. Geworben wird für das Projekt mit Plakaten, Informationsmaterialien sowie Social-Media-Posts im Netz.

„Die Islamische Gemeinschaft arbeitet bereits seit Längerem an Ideen und Lösungen für mehr Umweltbewusstsein in Moscheen. Die Aktionswoche soll nur ein Auftakt sein und langfristig einen Beitrag leisten. Tatkräftig unterstützt wird das Vorhaben von Jugendabteilungen der Islamischen Gemeinschaft sowie den Regionalverbänden. Wir wollen so viele Menschen wie möglich erreichen – jung wie alt, Frauen genauso wie Männer“, so Ali Mete.

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Moscheen: IGMG sieht mögliche Überforderungen durch Heizungsgesetz

Heizungsgesetz

Das neue Heizungsgesetz könnte nach Ansicht von IGMG-Generalsekretär Ali Mete manche Moscheen finanziell überfordern.

Köln. Anlässlich des nun beschlossenen und vorab debattierten Heizungsgesetz erklärte Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), sein Verband begrüße das neue Regelwerk „aus Gründen des Klimaschutzes“. Gleichzeitig herrschten Sorgen, sie würde manche Moscheen finanziell überfordern.

Seit den rapiden Preissteigerungen als Folge des Ukrainekrieges, Inflation und Gewinnmitnahmen ab Anfang 2022 wurden viele Moscheegemeinschaften in ganz Deutschland von erheblichen Mehrbelastungen geplagt.

Das führte nicht nur zu mehreren Initiativen für weitreichende Maßnahmen für Energieeinsparungen in Moscheen sowie dem Aufruf nach innovativen Lösungen. Beim letztjährigen Tag der Offenen Moschee (TOM) 2022 standen die Themen Energie- und Klimakrise auf der Tagesordnung.

Pressebild: IGMG

Heizungsgesetz: IGMG legt Wert auf Klimaschutz

„Die Islamische Gemeinschaft legt großen Wert auf Umwelt- und Klimaschutz. Wir prüfen im Rahmen der Möglichkeiten stets sorgsam, dass Moscheen möglichst klimafreundlich sind“, erläuterte Mete am 14. Juni. Bei Neubauten oder bei Um- und Nachrüstungen sei die Devise der IGMG, auf möglichst umweltfreundliche Alternativen zu setzen. Vor diesem Hintergrund begrüße man das geplante Heizungsgesetz.

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Sorge um mögliche Mehrbelastungen

Parallel würde laut seiner Erklärung Sorge entstehen, dass einige Moscheegemeinschaften die sich ergebenden Mehrkosten „nicht stemmen“ könnten. Als in ihrer Mehrheit als eingetragene Vereine hänge die Mehrheit von Spenden- und Mitgliederbeiträgen ab.

Mete forderte die Bundesregierung auf, „die Sorge ihrer Bürgerinnen und Bürger vor finanziellen Mehrbelastungen bei der Gesetzgebung zu berücksichtigen und Lösungen zu erarbeiten“. Auch die MuslimInnen in Deutschland wollten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das würden zahlreiche erfolgreiche Umweltschutzprojekte belegen. „Es wäre schade, wenn diese Motivation durch ein überforderndes Regelwerk konterkariert werden würde.“

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IGMG: Rechte haben nichts an Schulen zu suchen

Schule Rechte Rechtsextreme

Rechte haben nach Ansicht der IGMG nichts an Deutschlands Schulen zu suchen.

Köln (iz). In den letzten Wochen wurde wiederholt über rechtsextreme Aktivitäten an Schulen berichtet. In einigen Fällen gingen die Bestrebungen von Schülern aus. Andererseits wurden in den letzten Jahren Fälle von Lehrern mit eindeutig extremistischen Einstellungen bekannt. Ein Beispiel dafür ist der ehemalige Berliner „Volkslehrer“, Nikolai Nerling.

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IGMG: Brandbrief sei keine Überraschung

Am Montag meldete sich die IGMG mit einer Stellungnahme hierzu zu Wort. Hilferufe von LehrerInnen über rechtsextreme Tendenzen kämen nicht überraschend, so der muslimische Dachverband. „Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt sind für viele Schülerinnen und Schüler leider Alltag an unseren Schulen.“ Der „Brandbrief“ zweier Brandenburger LehrerInnen deute nur den Umfang dieses Problems ans.

Leider gebe es an Bildungseinrichtungen ebenso viele Lehrkräfte, die selbst mit rechtsextremen Positionen auffielen. „Die allermeisten Fälle werden von den Betroffenen aus Angst vor Repressalien nicht öffentlich gemacht. Schulleitungen wiegeln oft ab, verharmlosen oder ergreifen Partei für die Lehrkräfte.“

Oft handle es sich dabei um Andeutungen oder abwertende Bemerkungen in Zweiergesprächen, die die Gesinnung zwar erkennen ließen, aber nicht nachzuweisen seien. Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien würden oft allein gelassen und müssen schweigen – meist aus Angst vor schlechten Noten, Mobbing oder anderen Repressalien.

Rassismus

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Muslimische SchülerInnen im Fokus des Hasses

Nach IGMG-Angaben seien insbesondere „muslimische Schülerinnen und Schüler“ gleich oft mehrfach von diesem Hass betroffen. Neben einem allgemeineren Rassismus träfen sich zusätzlich Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit. „Insbesondere muslimische Schülerinnen, die ein Kopftuch tragen, sind in besonderem Maße Vorurteilen und antimuslimischem Rassismus ausgesetzt.“

Die IGMG berichtete von „zahlreichen Anfragen“ an die Religionsgemeinschaft sowie von „Hilflosigkeit der Betroffenen“. Das Problem struktureller Natur und dürften keinesfalls nur als Einzelfälle behandelt werden. Ein Beispiel dafür sei die Art und Weise, wie mit Fällen in Berlin oder Ravensburg umgegangen werde.

„Die Politik ist gut beraten, den Brandbrief der Lehrerinnen und Lehrer zum Anlass zu nehmen, Rechtsextremismus und jede andere Form von Rassismus an Schulen auf die Tagesordnung zu setzen – unabhängig davon, ob er von Schülerinnen und Schülern oder von Lehrerinnen und Lehrern ausgeht“, so die IGMG-Stellungnahme. (sw)