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Anhand eines hitzigen Dauerbrenners wird deutlich, wie sich die Einstellungen bei jungen Erwachsenen verändert haben

(iz). Das Bundesverfassungsgericht entschied jüngst zugunsten kopftuchtragender Lehrerinnen, indem es das pauschale Kopftuchverbot kippte. Damit holte es jahrelange Versäumnisse nach und ebnete erste Schritte zur Wiedergutmachung erlebter Diskriminierung. Ein Schritt, […]

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Zur Erfassung von Hasskriminalität

(KNA). Hetze gegen jüdische Mitbürger hat in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Auf anti-israelischen Kundgebungen etwa fielen muslimische Demonstranten negativ auf. Aber auch aus den Reihen der […]

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Notizen aus der Generation jung, muslimisch, einsam

(iz). Wie viele in meiner Generation junger akademischer Muslime gehöre ich zu jenen mit an sich guten Ausgangspositionen für die Zukunft. Ich bin 26, habe einen Bachelor in Islamwissenschaften mit […]

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Autobiografie von Fereshta Ludin: Eine lehrreiche Odyssee

(iz). Eine Rezension über das neue Buch Fereshta Ludins zu schreiben, gleicht dem Auftrag einer Hommage. „Enthüllung der Fereshta Ludin“, heißt die Biografie über „Die mit dem Kopftuch“. Im Frühjahr […]

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Der neue Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, steht vor zahlreichen Aufgaben. Von Malik Özkan

„Unter den Muslimen in Deutschland war Kizilkaya wegen seiner bescheidenen Art und eher stillen Amtsführung beliebt, die durchaus als Gegenmodell zur einer zu offensiven Medienarbeit verstanden wurde.“

Köln (iz). Burhan Kesici (42) ist der neue Vorsitzende des ältesten Spitzendachverbands der Muslime in Deutschland. Er löst damit Ali Kizilkaya (52) ab, der nach 13 Jahren nicht mehr kandidiert hatte. Kesici ist vor allem Berliner Muslimen ein Begriff und auch Vizepräsident der Islamischen Föderation Berlin.

Der aus Berlin stammende Kesici studierte dort Politikwissenschaften. Danach wurde er Mitglied und später Vizepräsident der Islamischen Föderation Berlin. Er gehört auch dem von der nordrhein-westfälischen Landesregierung berufenen Beirat für islamischen Religionsunterricht an und unterrichtet das Fach selbst in Berlin. In verschiedenen Fernsehauftritten hat Kesici schon bewiesen, dass er sachlich und klug argumentieren kann.

Ali Kizilakya hatte über ein Jahrzehnt lang die Geschicke des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland geleitet. Unter den Muslimen in Deutschland war Kizilkaya wegen seiner bescheidenen Art und eher stillen Amtsführung beliebt, die durchaus als Gegenmodell zur einer zu offensiven Medienarbeit verstanden wurde. Seine Position war nicht immer leicht; lange Zeit war der Islamrat und sein Vorsitzender, trotz persönlich einwandfreier Integrität, wegen seiner Nähe zur oft kritisierten Milli Görüs (IGMG) in der Öffentlichkeit eher verfemt. Der Kölner Verband ist das weitaus größte Mitglied des Islamrats.

Erst in den letzten Jahren hat sich das Bild langsam verändert und Kizilkaya wurde als verlässlicher Dialogpartner stärker wahrgenommen. Er musst allerdings immer wieder gegen eine fragwürdige Assoziationslogik ankämpfen, die ihn in die Nähe eines der Milli Görüs immer wieder pauschal unterstellten Antisemitismus oder angeblicher Demokratiefeindlichkeit brachte. In der Logik von so genannten konservativ-organisierten gegen liberal-individuellen Muslime hatte er auch bei vielen Medien nicht immer einen leichten Stand.

Der Islamrat wurde 1986 gegründet und hat ein großes Potential. Ihm gehören etwa 37 Mitgliedsvereine mit schätzungsweise rund 150.000 Mitgliedern an. Viele der Mitgliedsorganisationen agieren im Umfeld des größten Mitgliedsverband, der IGMG. Der Islamrat ist auch Mitglied des im März 2007 gegründeten Koordinierungsrats der Muslime (KRM). In der öffentlichen Wahrnehmung ist der große Islamrat allerdings deutlich weniger präsent als der kleinere Zentralrat der Muslime.

Für den neuen Vorsitzenden Kesici dürften die anstehenden Aufgaben durchaus vielfältig werden. Es geht in erster Linie um ein neues, klares Profil des Verbandes. Er selbst erklärte nach seiner Wahl, für den Verband habe Priorität, den Dialog und die Einheit unter den islamischen Verbänden zu fördern. In den letzten Monaten war der Koordinationsrat allerdings nicht sehr einheitlich aufgetreten. Wie genau die künftig „Einheit der Muslime“ aussehen soll und wie er die Rolle des ZMD und der DITIB im KRM sieht, blieb noch offen.  

Der Islamrat solle sich, jedenfalls nach dem Willen Burhan Kesicis, auch künftig konstruktiv an der Deutschen Islamkonferenz beteiligen und sich der gesellschaftlichen Themen im Zusammenhang mit dem Islam annehmen. Darüber hinaus muss er sicherlich auch die ethnische Vielfalt und Offenheit des Verbandes stärken und auch dem Eindruck entgegenwirken, der Verband sei als Dachverband nicht wirklich eigenständig.

Viele Mitglieder erwarten von dem neuen Vorsitzenden einerseits eine klare Positionierung in Deutschland, ohne andererseits die traditionellen Verbindungen zur Türkei zu verleugnen.

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Auch bei existenziellen Krisen: Muslime werden wie Pflanzen vom Wind des Schicksals bewegt. Von Sulaiman Wilms

(iz). Es geschieht gelegentlich in unserem Leben, dass wesentliche Bedeutungen gleichzeitig enthüllt werden. Uns werden ihre Wirklichkeiten viel eindrücklicher als sonst üblich vor Augen geführt.

Gerade spielt sich im Mittelmeer, dem derzeit größten Brennpunkt der internationalen Flüchtlingsströme, eine menschliche Tragödie ohnegleichen ab. In den letzten beiden Wochen sollen mindestens tausend Menschen bei dem Versuch gestorben sein, ihr „nacktes Leben“ nach Europa zu retten.

Inmitten dieser bedrückenden Meldungen sitze ich beim Freitagsgebet. Vor und hinter mir sind auch Muslime aus Afrika, Syrien und Asien, die sich, anders als jene Unglücklichen, einen Weg nach Deutschland bahnen konnten und sich nun hier zurecht finden müssen. Ob mit familiärem Anhang oder ohne sind sie trotz aller existenziellen Herausforderungen doch mehrheitlich von einer Positivität und einem beachtlichen Gottvertrauen gekennzeichnet, das viele Außenstehende, die das Thema der Bootsflüchtlinge nur durch Medien oder Facebook wahrnehmen können, überraschen würde. Und während wir gemeinsam Seite an Seite sitzen, spricht der Imam in seiner Khutba vom Umgang der Gläubigen mit existenziellen Prüfungen und Krisen. Damit führt er nicht nur in ein wichtiges Thema ein, sondern hilft auch, das Schicksal von Flüchtlingen besser zu verstehen.

Der Gelehrte erinnert uns mit Beispielen aus dem Qur’an und der prophetischen Sunna, dass die Prüfung, die Schwierigkeit, Teil unserer Existenz ist. So sagt Allah in der Sura Al-i-‘Imran: „Ihr werdet ganz gewiss in eurem Besitz und in eurer eigenen Person geprüft werden.“ Ähnliches erfahren wir aus der Sura Al-‘Ankabut: „Meinen die Menschen, dass sie in Ruhe gelassen werden, nur weil sie sagen ‘wir haben Iman’, ohne dass sie geprüft werden? Wir haben bereits diejenigen vor ihnen geprüft.“

Dass es sich hierbei nicht um das bloße Überleben handelt, macht der Imam durch prophetische Aussagen wie diese klar: „Wenn Allah einen Seiner Sklaven liebt, testet Er ihn, um die Stimme seiner Anflehung zu hören.“ Und von Luqman, dem Weisen, wurde dies überliefert: „Gold und Silber werden durch Feuer gereinigt, der Mumin durch Prüfungen.“

Aber wie sollen wir nun reagieren? „Wenn der Wind weht, biegen sich die Pflanzen und wenn er still steht, stehen sie aufrecht. Und so der Mumin: Er biegt sich, wenn ein Unglück ihn befällt“, heißt es in einer Überlieferung von Abu Huraira.

Ein Blick auf meine Nachbarn macht klar, dass das kein theoretisches Gerede ist, sondern dass sie diese Lehren in ihrer Person verkörpern.

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Straflosigkeit bei sexueller Gewalt muss beendet werden. Von Valentina Ieri

(IPS). Die Straflosigkeit für sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten müsse endlich beendet werden. Das ist die Ansicht von Zainab Hawa Bangura. Bangura ist Sondergesandtin beim UN-Generalsekretär für sexualisierte Gewalt in Kriegsgebieten.

Am 15. April erläuterte sie dem UN-Sicherheitsrat einen Bericht der UN-Führung zum Thema. Vor dem Rat erklärte sie: „Die Geschichte der Vergewaltigung in Kriegsgebieten ist eine Geschichte des Leugnens. Es ist an der Zeit, diese Verbrechen, und diejenigen, die sie begehen, in den Fokus des internationalen Interesses zu bringen.“ Sexualisierte Gewalt und Missbrauch würden im Krieg von Staaten, nichtstaatlichen Akteuren sowie von bewaffneten Rebellengruppen als Werkzeug des Terrors, der Vertreibung der Opfer und zur Schaffung von Machtverhältnissen benutzt.

Der UN-Bericht erkennt zum ersten Mal die Folgen des „Einsatzes von sexualisierter Vergewaltigung als eine Kriegstaktik gegen Frauen, Mädchen, aber auch Männer und Jungen, durch bewaffnete Gruppen“ an. Enthalten ist eine Liste von 45 verdächtigen Konfliktparteien: in Ländern wie dem Irak, Mali, Nigeria, Somalia und Syrien. Analysiert wurde die Lage in 19, von Krieg zerrissenen Ländern in Europa, Afrika, Asien, Südamerika und dem Nahen Osten. Hier wird sexualisierte Gewalt als ein „wahrhaft globales Verbrechen“ beschrieben – in der Form von Missbrauch, Sklaverei sowie erzwungener Ehe und Nacktheit.

Diese Form der Gewalt wird nach Aussage des UN-Berichts auch als ein Instrument für die Diskriminierung von ethnischen und religiösen Minderheiten benutzt. Bevor Zainab Hawa Bangura vor dem UN-Sicherheitsrat sprach, wandte sie sich einige Tage zuvor an die Presse. Sie halte die Einbeziehung von Frauen in friedensschaffende und -erhaltende Maßnahmen für einen starken Schritt, um ihnen die Möglichkeit zu verleihen, ihre Macht und Rolle in Konflikt-Gesellschaften zu erhöhen.

Ihrer Ansicht nach gebe es auch Fortschritte. So habe in den letzten beiden Jahren die internationale Gemeinschaft mit der Afrikanischen Union und der Internationalen Konferenz der Region der Großen Seen (in Ostafrika) zusammengearbeitet – und werde es auch bald mit der Arabischen Liga tun.

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Laila Massoudi erinnert daran, dass unsere Lebensweise kein schwer beladenes Jammertal ist

(iz). Es gibt eine Überlieferung, in welcher der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, von vielen seiner Gefährten auf einmal nach der Erlaubnis beziehungsweise dem Verbot dieser oder jener Sache befragt wurde. Als er ihren besorgt-erregten Zustand sah, erinnerte er, Allahs Heil und Segen auf ihm, sie mit seinen Worten daran, dass der Din Allahs eine Erleichterung ist. Diese Begebenheit, und das in ihr geborgene Wissen, ist für unsere schwierige Zeit gleich mehrfach von erheblicher Bedeutung und sie ist unserer Erinnerung wert.

Die fortschreitende soziale Atomisierung – auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft – sowie das Abbröckeln tradierter Wege unserer Wissensvermittlung zwischen den Generationen sowie horizontal im Rahmen einer lebendigen sozialen Situation haben bei jüngeren Generationen auch eine gewisse Unsicherheit hervorgerufen. Vor mehr als zehn Jahren war ich in einer türkischen Moschee in Köln zu Besuch. Dort hing im Waschraum ein Schild, eine türkische Schwester hatte es mir vorgelesen, auf dem stand: „Wir haben unser Wudu’/Abdest nicht aus Büchern gelernt, sondern weil wir den Älteren die Wasserkanne während der Waschung gehalten haben.“

In einem gesunden sozialen Rahmen – Eltern wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, den Kindern ein normales Gefühl der Geborgenheit zu geben – ist der Din unaufgeregte Normalität. Das bedeutet auch, dass alltägliche Fragen, Lebenspraxis und Glaubenswirklichkeit betreffend, auch relativ unaufgeregt abgehandelt werden können. Wir sind in einer solchen Situation von Frauen und Männern umgeben, von denen wir quasi osmotisch lernen können.

Heute ist das oft anders; gerade auch, weil für viele Jüngere das kontextlose Internet einen erheblichen Einfluss bei der Bildung ihrer muslimischen Identität hat. Und so kann es nicht verwundern, wenn tertiäre beziehungsweise banale Fragen auf einmal mit Vokabeln wie „halal“ oder „haram“ aufgeladen werden, und dementsprechend inneren Stress bei den Betroffenen erzeugen.

Nach außen hin, in Richtung unserer Mitwelt, steht unsere Lebensweise oft unter dem einen oder anderen Verdacht. Mit anderen Worten, viele Menschen haben Angst vor dem „Islam“ – oder was sie dafür halten. Hier stehen wir in der Pflicht (von der Not ganz zu schweigen), unseren Nachbarn und Mitmenschen zu zeigen, dass sie vor dem ­Islam keine Angst zu haben brauchen, weil er eine Erleichterung und eine Barmher­zigkeit ist. Oder, wie ein guter Freund es gewohnheitsmäßig formulierte: Die Menschen müssten nicht den Din fürchten, aber sehr wohl Allah, den Herrn der Welten. Um das tun zu können, muss natürlich auch der Wille bei Muslimen vorhanden sein, den Schatz des Islam mit ihren Nachbarn zu teilen…

Um die Erinnerung daran zu erleichtern, dass Allahs Din eine Erleichterung und barmherzig ist, hilft es auch, wenn wir uns vor Augen führen, dass Allah selbst sich Barmherzigkeit vorgeschrieben hat.

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„IZ-Begegnung“ mit dem Ökonomen Thomas Meyer zum herrschen Finanzsystem und der grenzenlosen Geldschöpfung

(iz). Thomas Mayer, einst Chefökonom der Deutschen Bank, kritisiert in seinem neuen Buch unser Geldsystem fundamental. Gerade weil er lange Zeit im Finanzsystem tätig war, hat seine Kritik Hand und Fuß. Mayer, der seit seinem Abgang bei der Deutschen Bank eine Denkfabrik für die Vermögensverwaltung Flossbach der Storch AG in Köln aufbaut, mahnt, dass unser Geldsystem wieder in eine Krise geraten könnte und fordert ein neues Währungssystem.

Islamische Zeitung: Herr Mayer, in Ihrem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ fordern Sie eine grundlegende Reform. Warum ist die Geldordnung, auf der unser gesamtes Wirtschaftssystem beruht, in Ihren Augen zum Scheitern verurteilt?

Thomas Mayer: Das Problem ist, dass in unserer Geldordnung das Geld durch Verschuldung geschaffen wird. Giralgeld, das den weitaus größten Teil der gesamten Geldmenge ausmacht, wird von den Geschäftsbanken durch die Vergabe von Krediten erzeugt.

Wenn Sie bei der Bank einen Kreditvertrag abschließen, dann schreibt Ihnen die Bank das Geld auf dem Girokonto gut. Es ist nicht nötig, dass die Bank Ersparnisse einsammelt, bevor sie den Kredit vergeben kann. Der Kreditnehmer kann nun Waren oder sonstige Dinge kaufen, indem er das frisch erzeugte Geld an den Verkäufer überweist. Giralgeld ist also privates Schuldgeld: Der Kreditnehmer schuldet es der Bank und die Bank schuldet es dem Verkäufer der Waren.

Die Zentralbank begleitet den Prozess, indem sie die Banken mit Reservegeld und die Bürger mit Banknoten nach Bedarf versorgt. Von dieser Geldordnung profitieren sowohl die Kreditnehmer als auch die Banken – die einen, weil sie frisches Geld in die Hand bekommen und die anderen, weil sie die Zinsmarge zwischen Kredit- und Einlagenzins einstreichen.

Daher kommt es immer wieder zu übermäßiger Geldproduktion und folglich zu Schuldenpyramiden. Wenn diese dann einstürzen, muss der Steuerzahler für die Kosten aufkommen. Das geht nur so lange gut, bis die steuerzahlenden Bürger verstehen, dass sie am Ende immer die Zeche zahlen.

Islamische Zeitung: Sie entwerfen in Ihrem Buch eine radikal neue Finanzordnung und sprechen von einem „Aktivgeldsystem“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Thomas Mayer: Ich nenne das oben beschriebene Schuldgeld „Passivgeld“, weil es auf der Passivseite der Bilanzen der Banken steht. Es stellt eine Verpflichtung dar. Im Gegensatz dazu definiere ich „Aktivgeld“ als Vermögenswert, der auf der Aktivseite einer Bilanz steht. Gold und Silber, die früher einmal als Geld dienten, sind Vermögenswerte, waren also „Aktivgeld“, da sie nicht über Verschuldung entstanden.

Heute sind Kryptowährungen, wie Bitcoin, Aktivgeld, weil sie ebenfalls nicht über Verschuldung entstehen sondern, wie im Fall von Bitcoin, elektronisch „geschürft“ werden. Eine Aktivgeldordnung ist also nichts Neues. Sie ist nur die Weiterentwicklung des Edelmetallstandards früher Jahrhunderte.

Islamische Zeitung: Wie bewerten Sie das Vorgehen der EZB, die nicht demokratisch legitimiert ist? Was für Auswirkungen hat dies auf die Bürger Europas?

Thomas Mayer: Bei der Konstruktion der EWU wurden gravierende Fehler gemacht. Eine Währungsunion souveräner Staaten kann nur als Aktivgeldordnung gestaltet werden, denn die Passivgeldordnung braucht immer den Staat, der die öffentlich-private Partnerschaft zwischen Banken und Zentralbank zur Geldproduktion regelt und in der Krise den Einsatz von Steuergeldern zur Stützung des Schuldgelds legitimiert.

Da wir keinen Eurostaat haben, hat die EZB in der Krise staatliche Funktionen übernommen, um den Euro zu erhalten. Als Käufer der letzten Instanz für Staatsanleihen bestimmt sie, welche Staaten frisches Geld zu welchen Konditionen bekommen. Für diese Aufgabe ist die EZB aber nicht demokratisch legi­timiert. Sie kann sich auch nicht dem Druck mächtiger Staaten entziehen, ­frisches Geld zu günstigen Konditionen bereitzustellen.

Letzten Endes wird die EZB daher zur Beute der mächtigen Staaten in der EWU werden. Die Folge davon ist, dass der Euro als Schwachwährung enden wird.

Islamische Zeitung: Wie kommt es, dass kritische Fragen bezüglich unseres Geldsystems eher skeptisch betrachtet werden? Die Österreichische Schule hat eher eine Außenseiterrolle und auch sonst in der akademischen Welt gibt es fast gar keine kritische Auseinandersetzung zum herrschenden Geldsystem…

Thomas Mayer: Ich finde es in der Tat erstaunlich, wie schwach die ökonomische Wissenschaft auf die Finanzkrise reagiert hat. Der wissenschaftliche Mainstream scheint die Symptome mit den Ursachen der Finanzkrise zu verwechseln.

Vielleicht liegt dies daran, dass sich die akademischen Ökonomen gerne als exakte Wissenschaftler, wie die Physiker, begreifen. Dann sieht man das vorherrschende Paradigma als Verkörperung der Spitze der Erkenntnis an. Meines Erachtens ist die Ökonomie aber eine Sozialwissenschaft und muss gesellschaftliche Ordnungen, wie sie auch die Geldordnung darstellt, kritisch hinterfragen.

Islamische Zeitung: Was denken Sie, wie wird sich das Finanzsystem in der Zukunft noch am Leben erhalten können? Was könnte zu einem Umdenken führen?

Thomas Mayer: Unsere gegenwärtige Geldordnung und unser Finanzsystem sind von drei Seiten unter Druck. Technische Innovationen bedrohen die herkömmlichen Zahlungsweisen mit Papiergeld und Banküberweisung.

Zunehmende staatliche Regulierung raubt den Banken die Freiheit zur Gestaltung ihrer Geschäfte, und die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken nimmt ihnen die Gewinne aus der Geldproduktion durch Kreditvergabe. Diese Entwicklungen werden langfristig zum Zerfall unser bestehenden Geldordnung führen. Der Auslöser für einen grundlegenden Umbau dürfte die nächste Rezession und damit verbundene Finanzkrise sein.

Islamische Zeitung: Sie waren Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank. Wie reagieren eigentlich ihre ehemaligen Kollegen auf ihr Buch?

Thomas Mayer: Bisher hat mir noch niemand widersprochen. Ob das Zustimmung oder Desinteresse bedeutet, kann ich nicht beurteilen.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Interview.

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Medienanalyse: Warum die Redaktionen so ­gerne über schräge Vögel berichten. ­Hintergründe von Eren Güvercin zur ­Islamberichterstattung

(iz). Die deutschen Medien lieben den Islam. Eine Auswahl von Talkshow-Titeln: „Mord im Namen Allahs“ (Illner), „Gewalt im Namen Allahs – Wie denken unsere Muslime?“ (Jauch), „Auf Streife für Allah?“ (Hart aber Fair) oder „Allahs Krieger im Westen“ (Will). Auch große Magazine ticken ähnlich. Der SPIEGEL brachte Cover wie „Mekka Deutschland“, mit dem Brandenburger Tor vor pechschwarzem Hintergrund, und das lange, bevor Pegida überhaupt existierte. Alles schön dramatisch, alles schön alarmierend. Auch ich als muslimischer Journalist bekomme das zu spüren. Immer wieder fragen mich muslimische Freunde und Bekannte: „Warum berichten die Medien immer negativ über uns Muslime?“

Kai Hafez, der in Erfurt Kommunikationswissenschaft lehrt, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Islambild deutscher Medien. Seine Ergebnisse veröffentlicht er unter anderem im Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung. Dabei wurden in 13 Ländern insgesamt 14.000 Menschen zu ihren persönlichen religiösen Einstellungen und zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft befragt. Er hat festgestellt, dass die Konflikte in der muslimischen Welt die Berichterstattung dominieren, und Bereiche wie Kultur oder Wirtschaft keine oder nur eine sehr geringe Rolle spielen.

Der Blick auf die Region werde stark durch den Faktor Islam beeinflusst. „Der Islam wird sozusagen immer mehr als Schlüssel zur Interpretation der Region benutzt“, so Hafez. „Islamismus ist ein zentraler Faktor, aber bei weitem nicht genug, um die Entwicklung dieser Länder zu verstehen, die man eher sozio-ökonomisch deuten, also mit anderen, ganz anderen Instrumentarien anfassen sollte.“

Auch das Schweizer Institut „Media Tenor“ befasst sich mit Medienanalyse. Christian Kolmer untersucht dort das Image von Religionen und Kirchen, und stellt fest, dass die Islam-Berichterstattung immer wichtiger wurde, aber eben auch immer negativer – gerade im Jahr 2014. „Die Hauptursache dafür ist, dass Terroristen und militante Gruppen, die sich auf den Islam berufen, den größten Anteil der Berichterstattung einnehmen, während der Alltag der Muslime im Nahen Osten aber auch im Westens praktisch keine Rolle spielt.“ Kolmer stellt auch fest, dass nicht nur das Islambild in den Medien durch Negativschlagzeilen geprägt ist.

Religion an sich habe kein positives mediales Image. Ein Grund dafür: die vielen Skandale in der Kirche. Im Gegensatz zu Muslimen hätten Kirchen die Möglichkeit, mit ihren Positionen wahrgenommen zu werden. Geistliche Führer oder Imame kämen in der Berichterstattung selten zu Wort – es sei denn, sie vertreten extreme Positionen. Statt repräsentative Imame, bekommen eher salafistische Prediger eine Bühne.

Vor einigen Monaten etwa war die so genannte Scharia-Polizei von Wuppertal Thema in deutschen Medien. Die Medienaufmerksamkeit war enorm. Salafisten um Sven Lau in Wuppertal haben sich über diese gratis PR-Arbeit gefreut. Ihre Kalkulation ging auf. Die Talkshow „Hart aber fair“ griff das Thema auf und titelte: „Auf Streife für Allah – vor welchem Islam müssen wir Angst haben?“ Gast war unter anderem der Leipziger Prediger Hassan Dabbagh. Warum betitelt „Hart aber Fair“ die Sendung so hysterisch? Und warum einem dubiosen Prediger eine Bühne geben, der für eine verschwindend kleine Minderheit spricht?

Georg Diedenhofen, Redaktionsleiter bei „Hart aber fair“, sieht in solchen Schlagzeilen kein Problem. Die Titel einer Talkshow würde die Menschen nicht beeinflussen. „Ich glaube eher, es bringt sie dazu, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, meint er. Schließlich müsse man es als Redaktion hinbekommen, Zuschauer einem 75-minütigen Gespräch im Fernsehen zu folgen. Provokative Titel sollen die Lust beim Zuschauer wecken, und ein schriller Gast hebt die Quote. Das muss nicht primär schlecht sein. Aber die Verwendung von Titeln, die eher aggressiv und zugespitzt sind, prägen langfristig die Sicht der Menschen auf den Islam und die hier lebenden Muslime.

Kai Hafez ist überzeugt, dass Medien die Wahrnehmung von Muslimen und Islam wesentlich prägen. Denn die meisten Menschen haben nach Ergebnis des Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung mit Muslimen und ihren Lebenswelten keinen direkten Kontakt. Sie sind abhängig von Sekundärinformationen. „In der Schule erfahren sie sehr wenig über die islamische Welt, bleiben am Ende die Medien als Stichwortgeber.“. Wenn dort täglich Negativnachrichten laufen, verzerre das die Wahrnehmung und gebe populistischen und fremdenfeindlichen Bewegungen wie Pegida Vorschub. Hafez benutzt dafür das Bild des Zauberlehrlings: „Die Medien haben eine Kreatur geschaffen – die Islamfeindlichkeit – die sie dann, wenn es zu schwierig und krisenhaft wird, durch kritische Berichterstattung gegenüber diesen fremdenfeindlichen Bewegungen wieder versuchen in Schach zu kriegen.“ Hafez spricht daher von einem „virtuellen Islam“, der mehr und mehr das Islambild der Menschen bestimme. Ein künstliches Bedrohungs- und Repressionsbild führe zu einer verbreiteten Angst unter der Bevölkerung, auch wenn es mit der Realität der hier lebenden Muslime nichts zu tun habe.

Wie gehen hier lebende Muslime mit dem Islambild in den Medien um? Von muslimischen Freunden und Bekannten werde ich oft gefragt: „Hast Du, als muslimischer Journalist, überhaupt freie Hand, dass zu schreiben, was Du willst?“ In der Tat gibt es innerhalb und außerhalb der Redaktionen Leute, die bewusst den üblichen so genannten Islamexperten Raum geben und eine Agenda verfolgen. Eine Redaktion bekam vor einiger Zeit einmal einen Brief von einem „Islam­experten“ einer parteinahen Stiftung, in dem diese Person mich als „Islamisten“ bezeichnete, der „Mainstreammedien unterwandere“. Wir waren uns nie begegnet und gesprochen haben wir auch nie miteinander. Aber anscheinend fühlte er sich durch meine journalistische Tätigkeit ­gestört.

Es gibt solche und ähnliche ideologische Akteure, die nicht wollen, dass Muslime die mediale Bühne betreten und vielleicht ein anderes Bild vermitteln. Da passen Hardliner wie Hassan Dabbagh schon besser ins Bild. Aber auch auf der anderen, der „liberalen“ Seite treten Muslime auf, die den Anspruch haben, für die so genannte schweigende Mehrheit der Muslime zu sprechen. Niemand stellt die Frage, wie man für eine Gruppe, die schweigt, sprechen kann. Die breite Mitte der Muslime bleibt zumindest auf der medialen Plattform erschreckend abwesend.

Vermehrt haben Muslime das Gefühl, dass viele Medien eine Agenda verfolgen. Und hysterische Titelstorys schüren natürlich die Vorstellung einer „Verschwörung“. Wenn man aber einen Einblick in die journalistische Arbeit bekommt, merkt man schnell, dass die wenigsten Journalisten bewusst Dinge unterschlagen oder negativ präsentieren. Es ist eher so, dass viele Redakteure zu einseitig informiert sind und bisher als Quelle oft nur „islamkritische“ Experten hatten. Aber es gibt auch Blätter, die tendenziös berichten und bei bestimmten Themen eine Agenda verfolgen. Im Falle Springer ist dies nicht von der Hand zu weisen. Als muslimischer Journalist steht man auf der anderen Seite immer wieder vor dem Problem, dass man auf ein Thema fixiert wird. Einerseits freue ich mich über Aufträge, aber der Idealfall wäre, dass ich als Muslim nicht nur über Islamthemen etwas schreibe, sondern auch über Themen, die nichts direkt mit Islam oder einem „Migrationshintergrund“ zu tun haben.

Es gibt auch muslimische Medien, die aber erstaunlicherweise von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Seit 1995 gibt es etwa die „Islamische Zeitung“. Sie leistet Pionierarbeit, denn sie hat es geschafft, als einziges von Muslimen produziertes Medium jetzt mittlerweile 20 Jahre auf dem Medienmarkt zu bestehen. Trotz einer kleinen Redaktion, vielen ehrenamtlichen Autoren und minimalen Ressourcen leistet sie einen wichtigen Beitrag für den Islam in Deutschland. Lange vor dem 11. September hatte man sich klar zu Selbstmordattentaten und Extremismus positioniert, und zwar aus dem Islam heraus; also das, was jetzt überall lautstark gefordert wird, nämlich sich zu diesen extremistischen Ideologien klar und theologisch zu positionieren. Die Hauptmotivation für die IZ, so Chefredakteur Sulaiman Wilms, sei es gewesen, ein Medium an der Hand zu haben, um mit mehr Leuten über den Islam ins Gespräch zu kommen.

Von der Medienlandschaft unisono zu sagen, die Art und Weise wie der Islam dargestellt wird, sei eine Verschwörung oder münde in eine solche, findet Wilms absurd. „Warum? Weil Medien in Deutschland nicht so funktionieren. Nichtsdestotrotz hat die Islamberichterstattung im Augenblick negative Effekte für Muslime und für den gesellschaftlichen Frieden. Das hat aber andere Ursachen “, so Wilms.

Einerseits gäbe es in der Tat ideologische Netzwerke und Seilschaften wie die „Achse des Guten“. Ein anderer Aspekt spiele allerdings für die Islam-Berichterstattung eine viel wichtigere Rolle. „Was wir bei der Islamberichterstattung erleben, ist das serielle Darbringen der gleichen Fakten, die dadurch eine Vielfalt erzeugen, weil sie immer wieder rezipiert und wiedergegeben werden, und dann quasi eine Vielfalt an Vorgängen und so ein Bild erzeugen“, das der Realität nicht mehr wirklich entspreche. Das habe auch mit Produktionsbedingungen zu tun, unten denen heute Medien entstehen: Rückgang der Abonnentenzahl, Abschaffung von Rechercheuren und die damit verbundenen Begrenzungen. Es gibt ideologisch motivierte Aktivisten, welche sich der Medien bedienen.

Bei diesen Aktivisten handelt es sich anders als bei der „Achse des Guten“ nicht um hauptberufliche Journalisten, sondern um Akteure aus dem akademischen Bereich. Die Autoren Markus Mohr und Hartmut Rübner sprechen in ihrem gleichnamigen Buch von der „Sozialwissenschaft im Dienste der inneren Sicherheit“. Die beiden Politikwissenschaftler behandeln in ihrem Buch von 2010 diese fragwürdige Facette der akademischen Welt. Einrichtungen der politischen Bildung würden verstärkt wie eine Art Vorfeldorganisation des Verfassungsschutzes agieren. Als ein Beispiel nennen die beiden Autoren etwa das in Berlin aktive Zentrum für demokratische Kultur. Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit ist der „Islamismus“. Solchen Akteuren ginge es nicht um Vermittlung von Informationen, sondern um einen „privaten Verfassungsschutz“, so Wilms.

Der „private Verfassungsschutz“ unterscheide sich vom regulären, legitimen und auch verfassungsgemäßen Verfassungsschutz, denn dieser sei an Gesetze gebunden. Beim „privaten Verfassungsschutz“ werde nach geheimdienstlichen Methoden agiert, aber ohne irgendeinen Kontrollmechanismus. Das habe für die Betroffenen massive Folgen, denn diese privaten Verfassungsschützer seien in einer quasi idealistischen, quasi akademischen Position und würden als Autorität wahrgenommen. „Die Rezipienten dieser Informationen sowohl Journalisten, Institutionen sowie die Leser wissen gar nicht, wer diese Person eigentlich genau ist.“

Mit Muslimen wird operiert; unter anderem, weil sie die Definitionshoheit über die Grundbegriffe des Islamdiskurses verloren haben. Eine Eigendeutung eigener Kontexte ist fast unmöglich geworden. Klassisches Beispiel ist der „Islamismus“-Begriff, dessen Unbestimmtheit fatale Folgen hat. Im Islamdiskurs wird als „Islamist“der Moscheegänger bezeichnet, der Mitglied in einem Verband ist, der als „islamistisch“ eingestuft wird. Wird jeder Muslim, der sich veranlasst sieht, sich dank seiner Religion sozial zu engagieren oder Lösungsansätze für Probleme zu formulieren, damit zum „Islamisten“? Es ist genau diese Unschärfe, die den „Islamismus“ so erfolgreich hat werden lassen. Maßgeblich verantwortlich sind Verfassungsschutzberichte und die unkritische Übernahme des Begriffes durch Medien. Je unbestimmter, desto mehr sind Muslime davon betroffen und desto weniger können sie sich zur Wehr setzen.

Durch die Begriffe wird der Islam im Grunde genommen politisiert und gar nicht mehr als Religion wahrgenommen. Für viele Muslime ist das ein Enteignungsprozess: In der Wahrnehmung eines einfachen Muslims wird ihm die Religion weggenommen und politisiert. Auch die selten hinterfragte Forderung nach „Integration“ ist hier von Bedeutung. Die permanente Anwendung der „Integration“ auf den Islamdiskurs und die Vermischung dieser zwei vollkommen getrennten Themen erzeugt die Vorstellung, dass sich Muslime wegen ihrer Religionszugehörigkeit „integrieren“ müssten. Aber sollte dies auf deutsche Muslime wie mich zutreffen, die hier geboren und aufgewachsen sind und hier studiert haben?

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