, ,

Nicht bloß am Muttertag!

mutter rohe

In Deutschland wird der Muttertag traditionell am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. Dr. Zeynep Sayilgan stellt Aspekte unserer Lehre über Maternität vor. (iz). In seiner heutigen Form wurde er erstmals […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Wieland oder die Natur des Menschen

wieland

Die Natur des Menschen: Ahmet Aydin stellt ein Gedicht des häufig ­übersehenen Dichters Christoph Martin Wieland vor.

(iz). Der Wallstein Verlag aus Göttingen gibt die Werke Wielands nach und nach neu heraus. Ahmet Aydin hat sich der Aufgabe angenommen, sie zu lesen und zu besprechen. Heute: „Idris: Ein heroisch-comisches Gedicht“.

Weimar war mehr als Goethe. In Weimar begegneten sich Ideen, Sprachen und Kulturen – lange bevor der Begriff „Weltliteratur“ geprägt wurde. Und Goethe war nicht der erste, der westöstliche Bücher schrieb. Schon vor ihm hat Christoph Martin Wieland mit Stoffen aus dem Osten experimentiert, persische Poesie nachgebildet und den literarischen Dialog zwischen Morgen- und Abendland gesucht.

Wieland war ein Grenzgänger. Als Übersetzer, Erzähler und Denker überschritt er sprachliche, kulturelle und religiöse Schranken. Er tat es mit Humor und dem Lächeln eines feinsinnigen Aufklärers. Das, was auch im 21. Jahrhundert auf Teile der Gesellschaft fremd wirkt, war ihm vertraut, das scheinbar Ferne war ihm nah.

Wieland hat verstanden, dass Aufklärung nicht Abschottung, sondern Öffnung bedeutet. Damit holte er auch jene Stimmen nach Deutschland und Europa, die lange als exotisch, irrational und minderwertig galten. 

„Idris“ ist der Titel einer seiner Erzählungen in Versen. Der Name ist allen Muslimen unserer Gesellschaft vertraut. Ist Idris doch der Name eines Propheten, der im Koran erwähnt wird. In der Sure Maria (arab. Meryem), Vers 56-57 steht: „Und erinnere im Buch auch an Idris. Er war fürwahr ein Aufrichtiger, ein Prophet. Wir erhoben ihn auf eine hohe Stufe.“

Er ist gemäß Fahreddin ar-Razi (gest. 1209) derjenige Prophet, der den Menschen als erster das Lesen, Schreiben und Rechnen lehrte – quasi ein Prophet der Wissenschaft und Kunst! Im Christentum ist er bekannt als Henoch, der von Gott in den Himmel erhoben wurde. Auch das glauben Muslime.

Und bei Wieland? Er erhebt seinen Idris ebenfalls auf eine hohe Stufe. Bei ihm ist Idris ein Mann, der sich in eine Frau, Zenide, verliebt, doch um mit ihr zusammenzukommen, muss er auf dem Weg Gefahren überwinden.

Wieland oder die menschliche Natur

Diese Gefahren sind so anzüglich, dass Wielands Werk bereits zu Lebzeiten in Göttingen vom „Göttinger Hain“ verbrannt wurde. Sie scheinen die Konfrontation mit der eigenen menschlichen Natur nicht ertragen zu haben. Denn während Idris nach Zenide sucht, ist nicht bloß Itifall sein Gegenspieler, sondern die Schwächen in sich selbst, die allzumenschlich sind, sind seine größeren, wahren Gegenspieler.

Zu versuchen, das Dunkle im eigenen Ich zu überwinden, ist die wohl bedeutendste Lebensaufgabe des Menschen. Dies zu tun ist möglich, wenn der eigene Charakter kultiviert wird. Dazu trägt zum Beispiel das Lesen von Wieland bei. Sagte die von vielen Muslimen als Mutter der Gläubigen bezeichnete Aischa (r) doch: „Lehrt eure Kinder die Poesie, damit ihre Zungen süßer werden.“ Die gesamte Erzählung von Wieland wurde in sich reimenden Versen geschrieben.

Die bloße Form wirkt bereits auf den Leser ein. Denn Poesie zu lesen ist ein Durchbrechen der Mauer der Alltäglichkeit. Die eigene Sprache wird beeinflusst und geformt. Während von Idris’ Abenteuern gelesen wird, wird dadurch zusätzlich die eigene Sprache geschult. Das alleine macht das Werk bereits zu einem Muss für jeden, der seine Kommunikationsskills und Kreativität anregen will. Bei Wieland klingt das wie folgt: „Ergetzen ist der Muse erste Pflicht, Doch spielend geben sie den besten Unterricht.“

Die Erzählung hat etwas Amüsantes, denn: Idris ist kein makelloser Ritter, sondern ein Mensch, dessen Idealismus oft an der Wirklichkeit scheitert. Er liebt Zenide, aber eher platonisch, nicht als lebendige Frau mit Widersprüchen. Dadurch wirkt seine Liebe leblos. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass Zenide versteinert ist.

Wieland lehrt, dass Liebe mehr als bloß Idealismus ist. Denn wer nur seine Vorstellung von einer Frau liebt, der liebt in Wirklichkeit nicht die Frau. Solch eine Liebe ist die Liebe zu etwas Statischem, das sich nicht bewegt, d.h. einer Statue, einem Ding. Solche Menschen verdinglichen die Frau.

Sie scheinen zu leugnen, dass auch die Frau eine menschliche Natur besitzt, wie der Mann. Erst als Idris erkennt, dass er wen anders für Zenide gehalten hat und sich seine Täuschung eingesteht, wird die wirkliche Zenide lebendig. Jetzt kann er ganzheitlich lieben, nicht einseitig.

Das ist nicht nur Idris’ Herausforderung, sondern die Herausforderung aller, die sich in einen Menschen verlieben. Statt sich einem Idealbild hinzugeben, muss jeder lernen, seine Zenide um ihrer selbst willen zu lieben und sich auf sein Gegenüber zu fokussieren, statt sich nur mit sich selbst zu beschäftigen.

Reifung muss stattfinden. Darin steckt ein großes Learning: Die Kenntnis der menschlichen Natur samt Stärken und Schwächen ist die Bedingung dafür, wirklich zu lieben. Ohne diese Kenntnis ist es eine Liebe mit Makel: Wer nur das Makellose liebt, dessen Liebe ist makelhaft, wer das Makelhafte lieben kann, dessen Liebe ist makellos.

Verdrehte Realitäten

Während in der Vergangenheit Geschichten aus 1001 Nacht oder andere Dichtungen der muslimischen Geistesgeschichte als zu obszön angesehen wurden in Europa, ist es heute eher so, dass sich die muslimische Welt dahin entwickelt hat, schnell etwas als zu obszön anzusehen.

Während sich Oscar Wilde für seinen „Dorian Gray“ vor Gericht verantworten musste, schrieb zeitgleich ein Autor im Osmanischen Reich einen Roman über die Liebe zwischen Frauen im Hamam – aber wurde dafür nicht gerichtet. Es scheint tatsächlich etwas dran zu sein an der These, dass europäische Staaten im Zuge des Kolonialismus ihr Verständnis von literarischer Moral dagelassen haben.

Europa entwickelte sich weiter, in den Köpfen der Kolonialisierten blieb das ehemalige geistige Gefängnis, das in Europa die freie Kunst unterdrückte. Plötzlich begannen Muslime Körper und Seele – wie ehemalige Christen – dualistisch zu denken, statt sie traditionell muslimisch als Ganzes zu betrachten, ja, plötzlich galten die Dichtungen von Hafis, Ibn Arabi oder Rumi unter Muslimen als teilweise zu obszön.

Das würde ich als größtes Grauen bezeichnen, das der Kolonialismus in den Köpfen der Muslime hinterlassen hat – der Sinn für Ästhetik und die Freiheit des Ausdrucks haben sich verändert.

Auch in Wielands Zeit nahm die Gesellschaft Anstoß an obszön empfundenen Texten. Davon war nicht nur Wieland betroffen – auch an Goethes „Römische Elegien“, bspw., wurde Anstoß genommen. Und es ist die Darstellung der weiblichen Natur, über die sich insbesondere Männer stärker empören. In einer Zeit wie der unseren, in der mit wenigen Klicks wirklich Obszönes und Perverses angesehen werden kann, können Dichtungen kaum für Aufregung sorgen.

Die Figur des Itifall aus der Erzählung würde sich wohl über die Zeit heute sehr freuen. Es ist eine, in der das Ausleben aller sexuellen Phantasien als Fortschritt gilt. Geld für sexuelle Gefälligkeiten zu nehmen, wird OnlyFans genannt statt Prostitution. Die Realitäten haben andere Begriffe erhalten. Ob Aufklärer wie Wieland das als Fortschritt bezeichnen würden, bezweifle ich. Aber Wieland hat eben Texte geschrieben, die als zu obszön empfunden wurden – warum?

Es ist wirklich so, dass es Erstaunen erregt, wenn es aus der Feder eines deutschen Aufklärers wie Wieland kommt. Dazu trägt in dieser Ausgabe auch das Cover des Buches bei. Es ist nicht das, was in einer Buchhandlung in der Abteilung für klassische Literatur für gewöhnlich zu finden ist.

Es fällt auf – und was auffällt, fällt so leicht nicht weg. „Wie kann ein solches Cover einen Klassiker zieren?“ – Diese Frage ist der Grund dafür, dass ich hier nun diese Rezension schreiben kann. Dadurch stieg mein Interesse und ich wurde vertrauter mit dem seit jeher in Deutschland zu sehr vernachlässigten Klassiker.

Wieland ist ein Mann der Mitte. Wo Menschen zwanghaft prüde sind, provoziert er und wo sie zwanghaft pervers wären, würde er mäßigen. In seinem Werk finden sich alle Facetten des Menschen, weil er den Menschen ganzheitlich betrachtet und nicht einer Ideologie anhängt. Einer Ideologie anzuhängen setzt dem Menschen Scheuklappen auf. Er steht darüber. Sein Fokus ist der Mensch und seine Natur.

Tradition der Weisheit

Deshalb überwindet Idris seine zu platonische Liebe und erkennt an, dass Körperlichkeit nicht Schwäche, sondern ein gesunder Teil der Liebe ist, ein schöner. Und doch machen ihn seine Irrtümer menschlich – und ermöglichen seine Entwicklung. Idris wird nicht durch bloß eine Lehre oder Theorie weise, sondern durch Erfahrung. Diese Haltung teilt er mit der islamischen Weisheitstradition.

Die Marifa – das tiefere, erfahrungsbasierte Wissen – wächst nicht im Kopf, sondern im Herzen, durch Begegnung mit der Welt. Wieland stellt seinen Protagonisten nicht als perfekten Helden dar, sondern als Lernenden. Das kann heute als Botschaft für alle Menschen, die Dogmen verfallen sind, gelesen werden: Es ist erlaubt zu zweifeln, zu irren, zu fragen. Der Weg zu Gott ist ein Prozess und kein statischer Zustand.

In diesem Sinne sagte der muslimische Theologe und Denker al-Ghazali (gest. 1111) in seinem Werk „Das Kriterium des Handelns“: „Der Zweifel führt zur Wahrheit. Wer also nicht zweifelt, denkt nicht nach, und wer nicht nachdenkt, sieht nicht, und wer nicht sieht, bleibt in Blindheit und Irrtum.“ 

Für Muslime in Deutschland ist Wieland ein kostbarer Fund: Er zeigt, dass der „Islam“ nicht nur Objekt europäischer Kritik war, sondern auch Quelle von Faszination, geistiger Nahrung und kultureller Inspiration. Wieland war ein Pionier der deutschen Aufklärung – doch anders als viele Menschen heute begegnet er dem „Orient“ nicht mit Überheblichkeit oder Distanz, sondern mit Neugier, Respekt und innerer Verbundenheit. 

Zugleich bietet er eine Sprache an, in der man als Muslim nicht als Fremder erscheint, sondern als Teil einer geteilten Menschheit – eine Menschheit, die nach Weisheit, Liebe und Orientierung sucht. Idris ist ein besonders gelungenes Beispiel für diese Haltung: ein Text, der kulturelle Übersetzung nicht nur als ästhetisches Spiel betreibt, sondern als geistige Annäherung – ja als Liebesakt. Eine Liebe, die auf der Realität fußt.

Ideale auf Gedeih und Verderb umsetzen zu wollen, macht sie zu Götzen und versteinert sie. Nur wer die Natur des Menschen achtet und schätzt, kann zeitlose Ideale vom Kult befreien und sie lebendig machen. Das ist Weimar – und Weimar ist mehr als Goethe. Es ist auch Wieland!

Christoph Martin Wieland: Idris. Ein heroisch-comisches Gedicht. Hrsg. von Peter-Henning Haischer und Hans-Peter Nowitzki. Wallstein Verlag. 229 Seiten. Preis: EUR 34.-

,

Nach der Hajj – Besuch beim Propheten in Medina

prophet

Beim Propheten in Medina: Jeder sollte nach der Hajj, soweit es möglich ist, den Gesandten Allahs besuchen.

(iz). Das große Ereignis des Hajj, die lebensbestimmende und vervollkommnende Reise für Muslime in aller Welt, steht kurz bevor. Während Sie dieses lesen, sind Millionen in Mekka, um das Haus Allahs zu besuchen und die Riten unseren Vorfahren Ibrahim zu erfüllen, bzw. haben ihre Pilgerfahrt erfolgreich abgeschlossen. Damit besiegeln sie eine der fünf großen Säulen des Islam.

Das ist das erste Stadium der Reise. Danach kommt der Besuch beim Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, an dessen Grab in der großen Moschee der erleuchteten Stadt Medina. Das ist ein Punkt, bei dem kein Pilger meinen sollte, er könnte darauf verzichten. Denn durch diesen Besuch wird seine Pilgerfahrt vollendet.

Besuch beim Propheten: Konsens der Gelehrten

So ist die Übereinkunft der Leute des Wissens unter den vier Rechtsschulen und es ist der Grund, warum der Besuch des Prophetengrabes in den Rechtsbüchern immer im Kapitel zur Hajj abgehandelt wird.

So sagte Ibn ‘Aschir beispielsweise in seinem „Murschid Al-Mu’in“ am Ende der Sektion über die Hajj: „Geh zum Grab des Auserwählten mit spiritueller Höflichkeit und einer Absicht, sodass jede deiner Bitten beantwortet werden mag.“

Und An-Nawawi schrieb: „Wisse, dass jeder, der die Hajj vollzieht, das Grab des Gesandten Allahs – gleich, ob dies auf seinem Weg liegt oder nicht – besuchen sollte. Denn der Besuch bei ihm ist eines der wichtigsten Mittel, um Allah nahe zu kommen, eine der nützlichsten Bemühungen, die man anstreben kann, und eine der besten Dinge, um die man bitten kann.“

Dieser bedeutende Teil der Reise wurde auf verschiedene Art und Weise durcheinandergebracht: Zuerst wurde dieser Reiseabschnitt vor die Pilgerfahrt gelegt. Etwas, das bis vor Kurzem niemals Praxis der Muslime war. Er ist der Schlussstein des Hajj, nicht ihr erstes Stück. Jeder, der die Wahl dazu hat, muss sich den Besuch für die Zeit danach aufheben.

Dies wird eindeutig durch ein bekanntes Hadith des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, belegt: „Wer auf die Hajj nach Mekka geht und mich dann in meiner Moschee besucht, wird zwei angenommene Hajjreisen für sich aufgezeichnet haben.“

Foto: Muhammad Ali Effendi Sa’udi, Al Madina Books

Er sagte eindeutig „und dann“ und verwies darauf, dass es eine Reihenfolge gibt, die mit dem Haus Allahs beginnt. Imam An-Nawawi meinte hierzu: 

„Wenn die Reisenden zur Hajj und die Leute auf der ‘Umra (die ‘kleine’ Pilgerfahrt) Mekka verlassen, dann ist es stark angeraten, sich auf den Weg nach Medina zu machen, um ihn, Frieden und Segen auf ihm, zu besuchen.“

Zweitens gibt es solche Fraktionen unter Muslimen, welche die Bedeutung dieser Aufwartung herunterzuspielen suchen. Sie glauben, dass die Reise in Medina vorrangig dem Gebet in der Prophetenmoschee zu gelten habe und nicht der seiner Ruhestätte. Sie behaupten, der Gesandte Allahs habe den Besuch von Gräbern verboten.

Einerseits widerspricht eine solche Meinung den Worten und Handlungen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, selbst. Dieser besuchte die Gräber seiner Gefährten in Al-Baqi (dem Friedhof von Medina).

Andererseits wird aus dem Buch Allahs und der Übereinkunft der Gelehrten ersichtlich, dass es keinen Unterschied darin gibt, ob er am Leben oder verstorben ist – ihm gebührt in beiden Fällen der gleiche Adab. Allah sagt im Qur’an: „Und wisset, dass Allahs Gesandter unter euch ist.“ (Al-Hujurat, Sure 49, 7)

Was die Liebenden tun

Die erste Sache, die ein aufrichtig Liebender tut, wenn er heimkehrt, ist der Besuch beim Geliebten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. So handelten die Gefährten, sobald sie ihre Heimatstadt erreichten. Es war sogar der erste Schritt, den sie unternahmen.

Nehmen wir als Beispiel Bilal, den Gebetsrufer des Gesandten Allahs. Wegen dessen Verscheiden vermochte er nicht mehr in der Stadt zu bleiben und verbrachte sein Leben in Syrien.

Aber nach vielen Jahren hatte er einen Traum, in dem der Prophet zu ihm kam und fragte: „Warum diese Entfremdung, Bilal? Ist die Zeit nicht für dich gekommen, mich zu besuchen.“

Also sprang er auf, packte seine Sachen und machte sich auf den Weg nach Medina. Im Augenblick seiner Ankunft ging er sofort zu seinem Grab. Seine Reise – ein Weg von mehr als 1.600 Kilometern! – wurde nur aus einem Grunde gemacht: Um den Gesandten Allahs an seiner Ruhestätte zu besuchen. Bilal sehnte sich nach ihm und wusste, dass er so wieder in dessen Gegenwart sein konnte.

Foto. Ar. Sh. Mohammed, Unsplash

Und dies gilt für jeden Muslim; insbesondere jene, die von der Hajj kommen. Der Prophet sagte: „Wenn ihr die Hajj verrichtet und mich nach meinem Tod besucht, so wird es sein, als hättet ihr mich in meiner Lebenszeit besucht und begleitet.“

Wie könnte irgendeiner – jemand mit nur einem Stäubchen Liebe in seinem Herzen für den Propheten – nicht alles stehen und liegen lassen, wenn dies bedeuten würde, dass er auch nur einen Augenblick in der Gegenwart des Gesandten Allahs verbringen würde? Für die meisten Muslime bietet sich diese Gelegenheit nicht oft – höchstens ein oder zwei Mal in ihrem Leben.

, ,

Hikma-Medizin: Was sind ihre Grundlagen?

hikma

Hikma-Medizin: Diese 7 Grundsätze repräsentieren die wesentlichen inneren Orientierungen eines Praktikers. Der Arzt/Heiler/Therapeut ist niemals nur ein „Fachmann“. Ich habe das letzte Jahr damit verbracht, einige der Wirkprinzipien und Praktiken […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Lebenspraxis und Minimalismus: Was heißt es, mit dem Nötigsten auszukommen?

Minimalismus islam Lebenspraxis

Minimalismus gilt als Stil- und Lebensform. Im Bemühen, mit weniger auszukommen, gibt es Überschneidungen zur islamischen Lebenspraxis. „O Kinder Adams, schmückt euch für jede Moschee und esst und trinkt, aber […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, , ,

Die Erfolgsgeschichte von Modest Fashion

modest fashion

Designerinnen wie Meriem Lebdiri haben Modest Fashion in Deutschland salonfähig gemacht. Der Stil spricht inzwischen viele an – nicht nur Musliminnen, sondern auch viele andere Frauen setzen bei Kleidung auf […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Florenz – von Dante zu Ibn Sina

reiseblog florenz

IZ-Reiseblog: Florenz – im Herzen der italienischen Kultur finden sich faszinierende Anknüpfungspunkte zur islamischen Tradition.

(iz). Millionen Touristen besuchen Florenz mit großen Erwartungen, weil die Stadt ein wahres Juwel der Renaissance ist und eine unglaubliche kulturelle und künstlerische Bedeutung hat.

Es war im Mittelalter und in der Renaissance ein Zentrum von Macht, Handel und Kultur – die Medici-Familie spielte dabei eine große Rolle. Die Altstadt mit ihren engen Gassen, Brücken wie der Ponte Vecchio und charmanten Plätzen wirkt wie ein lebendiges Museum.

Florenz – im Zentrum der italienischen Kultur

Wir stehen dicht gedrängt in einem lokalen Bus, der uns ins Zentrum bringt. Auf der Fahrt hören wir die erregte Stimme eines älteren Herrn, der, in gebrochenem Englisch, die Lage aus seiner Sicht auf den Punkt bringt: „Es gibt zu viele Touristen! Wir bezahlen Steuern und dann bekommen wir immer nur einen Stehplatz!“

Darauf folgen einige, vermutliche weniger sachlich formulierte Einwände, auf Italienisch. Im öffentlichen Verkehrsmittel herrscht angesichts des Wutausbruches betretenes Schweigen. „Mamma Mia, der Mann hat Recht, die Stadt ist überfüllt“, denkt nur der Verständige.

Der Zeithistoriker Joachim Fest hat das Phänomen des Massentourismus gut erklärt: Früher wurden die Besucher durch eine Stadt verändert, heute verändern sich nur noch die Touristenziele.

Nach der Ankunft in der Altstadt schwimmen wir im Strom und bewundern die vergangene Größe, die sich überall in erstaunlichen Bauwerken in Erinnerung bringt.

Der geplante Besuch der Uffizien, Standort berühmter Kunstwerke, fällt allerdings aus. Die Schlangen vor den Kassen sind einfach zu lang. Immerhin laufen wir so nicht in Gefahr, in das Stendhal-Syndrom zu verfallen. Das psychosomatische Phänomen, das vor allem bei Touristen in Städten mit sehr hoher Dichte an Meisterwerken und künstlerischen Eindrücken auftritt – ist besonders bekannt in Florenz. Menschen, die daran leiden, reagieren körperlich und emotional extrem auf den Anblick großer Kunstwerke bzw. überwältigender kultureller Schönheit. Die Symptome können beinhalten: Herzrasen, Schwindel, Ohnmacht, Angstzustände und sogar depressive oder manische Zustände.

Benannt ist das Phänomen nach dem französischen Schriftsteller Stendhal, der 1817 Florenz besuchte und beim Anblick der Fresken in der Kirche Santa Croce ein intensives Gefühl von Ehrfurcht, Rührung und körperlicher Erschöpfung beschrieb. Seine Reaktion gilt heute als einer der frühesten dokumentierten Fälle. In der Stadt gibt es sogar eine psychiatrische Klinik, die Touristen mit entsprechenden Symptomen behandelt!

Nur wenige Gäste bei Dante

Nur wenige Besucher treffen wir dagegen im Dante-Haus an. Der Dichter und Philosoph Dante Alighieri (1265-1321) ist das berühmteste Kind der Stadt. Seine „göttliche Komödie“ – in italienischer Sprache verfasst, gehört zu den Klassikern der Weltliteratur.

Wir spazieren durch die Räume des Museums, in dem es nicht viel zu sehen gibt. Beeindruckend ist die Vielzahl der ausgestellten Übersetzungen, die sein Hauptwerk in Dutzenden verschiedenen Sprachen lesbar macht. Daraus kann man schließen, dass die Faszination des Buches mit seiner religiösen Thematik bis heute ungebrochen weiterwirkt.

Foto: Abu Bakr Rieger

Für Muslime ist die Lektüre ein wenig heikel, da der Dichter nicht nur eine spirituelle Reise zwischen Hölle, Himmel und Paradies beschreibt, sondern ohne großes Zaudern – auch einige griechische Philosophen, historische Größen und nicht-christliche Religionsführer, darunter unseren Propheten – in der Hölle verortet. 

Was soll man dazu sagen? Es gibt sie eben, die Schwierigkeiten des interkulturellen Dialogs! Im Jahr 2024 erregte sich Italien über einige muslimische Eltern, die die Lektüre des Textes, das zum Kulturgut des Landes gehört, in der Schule für ihre Kinder inakzeptabel fanden. Darüber lässt sich streiten; allerdings nur, wenn man sich ein wenig mit Dante beschäftigt hat. Man kann das Werk – in seinem historischen Kontext – durchaus als eine Brücke zum Islam sehen. Die arabische Kultur, das sollte man nicht vergessen, war den Gebildeten der Toskana im 14. Jahrhundert wohlbekannt.

Islamische Quellen in der europäischen Kultur

In den 1920er Jahren löste der spanische Historiker Miguel Asín Palacios mit der Veröffentlichung seines Buches „Die islamische Eschatologie in der Göttlichen Komödie“ eine interessante Debatte aus. Der Autor wies auf die islamischen Quellen und Dantes Faszination für die arabische Kultur hin.

Beim Vergleich seines Gedichts mit arabischen Manuskripten über die sogenannte Nachtreise (bekannt als Miraj) stellte Palacios bedeutende Ähnlichkeiten auf symbolischer und formaler Ebene fest. Die „Göttliche Komödie“ beschreibt seine Reise durch die Reiche des Jenseits und stellt allegorisch die Reise der Seele zu Gott dar. Andererseits beschreibt die Isra und Miraj den Weg des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) von Mekka nach Jerusalem und seine Himmelfahrt – eine physische und spirituelle Reise, die er in einer einzigen Nacht unternahm.

Foto: Roberto La Rosa, Shutterstock

Kurzum, mit der Islamophobie der Moderne – deren Vertreter ihre Argumente oder Vorurteile oft auf bescheidenem Niveau und mit mangelnder Sachkenntnis vortragen – hat die Welt Dantes wenig zu tun. In seinem Denken spielen viele Namen aus der islamischen Welt, etwa Saladin, Avicenna (Ibn Sina) oder Averroës (Ibn Ruschd) eine wichtige Rolle.

Mit anderen Worten: Sein Bildungsniveau spricht für sich. Das heißt, soweit unser Urteil, warum sollten sich muslimische Jugendliche, die in Europa leben, nicht mit derartiger Überlieferung beschäftigen? Diese Auseinandersetzung mit den Werken der Weltliteratur schadet sicher nicht.

Die wichtigsten Brücken für die Übermittlung islamischen Wissens nach Europa waren Andalusien und Sizilien, wo sich eine intensive arabische Kultur entwickelte. Wie Dantes Fall zeigt, war der Islam ein wesentliches Element der intellektuellen Auseinandersetzung und eine inspirierende Quelle für die westliche Gesellschaft.

, ,

Das islamische Recht: Kontext ist wichtig

lesen kontext

Kontext: So verdeutlichen diese Beispiele, dass die Einteilung in haram und halal von zahlreichen Faktoren abhängt. (iz). Die Frage, ob Schweinefleisch jemals halal oder Wasser einmal haram werden könnte, wirft […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, , ,

Auf der Suche nach dem Echten

echt baum

Das Gleichnis des Baums: Fest verwurzelt, offen für Wachstum. Essay über den Wunsch nach Echtheit im Islam. (iz). In einer Welt, die uns nicht selten in ein Hamsterrad aus Pflichten […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Warum Akademiker den Islam missverstehen

Sprache Urteilskraft islam Neuerscheinung

Existiert der Islam als eine unveränderliche Realität? Oder ist er das, was Muslime gerade sagen? Kann Islam überhaupt ein Objekt in der Welt sein?

(Renovation Magazine). Lassen Sie uns einige bedeutende Beiträge in der akademischen Literatur zu seiner Konzeptualisierung untersuchen: „The Venture of Islam“ von Marshall Hodgson, eine klassische Weltgeschichte, die sich so ausführlich mit der Frage „Was ist der Islam?“ befasst. „What Is Islam? The Importance of Being Islamic“ von Shahab Ahmed, die bisher gründlichste Abhandlung zu diesem Thema. Das kürzlich erschienene „Lived Islam: Colloquial Religion in a Cosmopolitan Tradition von A. Kevin Reinhart; und der äußerst einflussreiche Artikel „The Idea of an Anthropology of Islam“ von Talal Asad.

Keines dieser Bücher beschreibt das Thema auf eine Weise, die die meisten Muslime im Laufe der Geschichte akzeptieren würden. Doch wir sollten verstehen, dass sich diese Werke in Bezug auf ihre inneren Widersprüche und Inkohärenz erheblich voneinander unterscheiden. Sie repräsentieren mehrere Ansätze, die in der modernen Islamwissenschaft weiterhin verbreitet sind.

Marshall Hodgsons Abgrenzung von „Islam“ und „Islamdom“ und die angemessenen Attribute zwischen der Religion und ihrer entsprechenden Zivilisation stellen einen der einflussreichsten Versuche dar, das Konzept „Islam“ in der Geschichte der Islamwissenschaft zu präzisieren. Der Begriff „Islamisiert“ (oft „Islamicate) im Gegensatz zu „Islamisch“ hat sich in mehreren wissenschaftlichen Bereichen, die mit dieser Welt zu tun haben, etabliert. Er spricht davon wie folgt:

„Es gab … eine Kultur, die sich auf eine schriftbasierte Tradition stützt, die historisch für die Gesellschaft des Islam charakteristisch war. Und die natürlich sowohl von Muslimen als auch von Nichtmuslimen geteilt wurde, die alle voll und ganz an der Gesellschaft des Islam teilhaben. Daher habe ich das Adjektiv ‘Islamicate’ verwendet. Ich beschränke den Begriff ‘Islam’ auf die Religion der Muslime und verwende diesen Begriff nicht für das weitaus allgemeinere Phänomen, die Gesellschaft des Islam und ihre islamischen kulturellen Traditionen.“

Hodgson behauptet, dass in Bezug auf den Islam alles möglich ist – aber auch, dass nicht alles möglich ist. Man muss die Behauptung eines „idealen“ Islam vermeiden. Aber diese Zivilisation hat auch eine unübertroffene Einheit aufgrund ihrer „unbändigen transzendenten Ideale“. Der Islam als historische Realität hat eine verschwindende Einheit – aber auch eine entscheidende Kontinuität. Diese Widersprüche sind real.

Wenn wir uns anderen Versuchen zuwenden, die Abgrenzungen rund um den Islam zu steuern, wird dieses „ideale“ oder „metaphysische“ Ding, das „Grenzen auferlegt“ – mit dem Hodgson zu kämpfen bereit ist und dessen Vorhandensein er nicht auslöschen kann – auf eine Weise theoretisiert, die es entstellt, bis es zu etwas völlig anderem wird.

kultur

Foto: mrks_v, Adobe Stock

Widersprüche

Ein Beispiel für diese Art der Theoriebildung ist Shahab Ahmeds „What Is Islam?“. Dies ist eine umfassende Chronik des kulturellen, intellektuellen, rechtlichen und sozialen Lebens im Islam, das sich auf das Gebiet konzentriert, das er als Balkan-Bengal-Komplex bezeichnet (von Osteuropa bis Südasien, aber ohne die arabische Welt oder Afrika). Ahmed verwendet dies, um den Islam in einem Rahmen zu theoretisieren, der auf dem beruht, was er als „inhärenten Widerspruch“ bezeichnet. In einer repräsentativen Passage sagt er:

„Der Islam als muslimische Auseinandersetzung mit Offenbarung-als-vor-Text, Text und Kontext enthält bereits in seiner Struktur und Dimensionalität die Prämisse und das Versprechen mehrerer räumlich differenzierter Wahrheiten. Diese Widersprüche sind nicht nur äußerlich bedingt, sondern strukturell inhärent. Grundlegende und völlige Widersprüche von Wahrheit und Bedeutung sind daher strukturell, logisch und objektiv dem Islam innewohnend und ihm eigen. Der Widerspruch erweist sich somit nicht nur als inhärent islamisch, sondern als kohärent islamisch: Der Widerspruch ist der räumlich-strukturellen Dynamik der Offenbarung an Muhammad inhärent und mit ihr kohärent.“

Hier gibt es unüberwindbare logische Probleme, die durch keine empirischen Beispiele aus der muslimischen Geschichte überwunden werden können. Zu behaupten, dass dieser Gegensatz als solcher einer „Struktur“ von Praktiken oder Ideen innewohnt, bedeutet genau genommen, einen Freifahrtschein für alles zu erteilen, in dem es überhaupt keine Anordnung geben kann.

In einer seltsamen Umkehrung nimmt Ahmed die Lösung des analytischen Problems des Gegensätzlichen und verwandelt sie in genau die Bedingung, durch die der völlige Gegensatz entsteht. Für ihn ist die Erzeugung von „(islamischer) Wahrheit und Bedeutung in zwei räumlich getrennten Hauptverläufen, nämlich Hierarchie und Innerlichkeit/Äußerlichkeit“, das, was es Muslimen ermöglicht, „den Islam in Form einer widersprüchlichen Bedeutungsgebung zu konzipieren“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass uns in „What Is Islam?“ trotz der häufigen Anerkennung, dass es dabei Ebenen und Dimensionen gibt, ein Begriff von „Widerspruch“ präsentiert wird, der rein willkürlich ist. Der Satz „Sie sehen, wir sind muslimische Weintrinker“ in seiner Einleitung wird ohne Begründung verkündet. Trinken sie Wein aus einem spezifischen Grund? Es scheint, als würden sie es einfach tun. Andere tun es einfach nicht. Und da beide Muslime sind, gibt es einen „Widerspruch“.

Sprache

Foto: Shutterstock

Diskursive Tradition?

In seinem Artikel „The Idea of an Anthropology of Islam“ (1986), der für viele, die sich mit dieser Konzeptualisierung befassen, ein Prüfstein ist, sagt Talal Asad: „Der Islam ist weder eine besondere soziale Struktur noch eine heterogene Ansammlung von Überzeugungen, Artefakten, Bräuchen und Moralvorstellungen. Er ist eine Tradition.“

Für ihn muss eine erfolgreiche Anthropologie die passenden Konzepte verwenden. Und für ihn ist das richtige den Islam betreffend die „diskursive Tradition“. Das stößt jedoch auf logische Probleme, wenn er versucht, „diskursiv“ und „Tradition“ zu definieren:

„Eine Tradition besteht im Wesentlichen aus Reden, die Praktizierende über die korrekte Form und den Zweck einer bestimmten Praxis unterweisen sollen. Die, gerade weil sie etabliert ist, eine Geschichte hat. Diese Diskurse beziehen sich konzeptionell auf eine Vergangenheit (als die Praxis eingeführt wurde und von der das Wissen über ihren Zweck und ihre ordnungsgemäße Durchführung weitergegeben wurde) und eine Zukunft (wie der Zweck dieser Praxis kurz- oder langfristig am besten gesichert werden kann oder warum sie geändert oder aufgegeben werden sollte), durch eine Gegenwart (wie sie mit anderen Praktiken, Institutionen und sozialen Bedingungen verbunden ist). Eine islamische Diskurstradition ist einfach eine Tradition des muslimischen Diskurses, die sich mit Vorstellungen von der islamischen Vergangenheit und Zukunft befasst, unter Bezugnahme auf eine bestimmte islamische Praxis in der Gegenwart.“

Wenn Islam eine diskursive Tradition ist und wenn eine solche „im Wesentlichen aus Diskursen besteht“, dann ist er eine „diskursive Reihe von Diskursen“. Der Zusatz „diskursiv“ fügt keine neuen Informationen hinzu. „Diskursive Tradition“ zu sagen, ist wie „unverheirateter Junggeselle“. Es ist redundant. Wenn er eine diskursive Tradition ist, gibt es dann nicht-diskursive? Wenn es solche gibt, dann ist seine Definition von „Tradition“ falsch oder unvollständig.

Es ist wichtig zu beachten, dass Talal Asad von „Diskursen“ im technischen Sinne spricht, wie er von Michel Foucault und seinen Epigonen etabliert wurde: „Diskurs“ bezieht sich so nicht auf alltägliche Kommunikation oder Debatten. Niemand, der die Begriffe „diskursiv“ bzw. „Diskurs“ im Umfeld von Foucault liest, sollte an die idiomatische Bedeutung dieser Wörter denken.

Dessen „Diskurs“ bezieht sich auf die Behauptung von Macht durch Sprache. Auf Kontrollmechanismen, die als rationale Praktiken getarnt sind oder in Form solcher erscheinen. Sie ist die Ursache, Vorstellungen die Wirkung. „Diskursiv“ meint nicht den Ideenaustausch, vielmehr die Art und Weise, wie Macht Ideen konstruiert – nicht nur dieses oder jenes Konzept, sondern auch das Subjekt, das als ihr Urheber angesehen wird.

Wenn Asad Muslime gegen den Vorwurf der Starrheit, Nachahmung, Wiederholung und Erstarrung verteidigt, scheint es unausweichlich, dass seine Argumentation darauf hinausläuft: „Die durch-Macht-konstruierten Ideen des Islam sind genauso dynamisch, vielfältig und ausgeklügelt wie die durch-Macht-konstruierten Ideen des Westens.“

Man könnte ihm in Bezug auf die Vergleichbarkeit der Beweglichkeit, Vielfalt und Feinheit der beiden Zivilisationen zustimmen. Aber das ist etwas anderes als die Frage, was Ideen und Argumente ausmacht. Und das ist keinerlei triviale Angelegenheit. Denn keine Version des Islam in einer seiner historischen Erscheinungsformen könnte die metaphysischen Annahmen über die menschliche Natur, das Wissen und die Moral akzeptieren, die in Foucaults Diskurs-Begriff eingebettet sind.

kalam

Foto: Jean-Léon Gérôme | gemeinfrei

Was Muslime tun?

Asad und Ahmed lehnen die in akademischen Islamstudien verbreitete Idee ab, dass „der Islam das ist, was Muslime tun“. Sie scheinen die Inkohärenz zu erkennen (Hodgson äußert sich sowohl dafür und als auch dagegen, obwohl das meiste, was er sonst sagt, eine solche Vorstellung nicht stützen würde).

„Die Idee (von Michael Gilsenan), die er von Anthropologen übernimmt – dass der Islam einfach das ist, was Muslime überall sagen –, reicht nicht aus. Schon allein deshalb nicht, weil es überall Muslime gibt, die sagen, dass das, was andere für Islam halten, in Wirklichkeit gar keiner ist. Dieses Paradoxon kann nicht einfach dadurch gelöst werden, dass man sagt, dass die Behauptung, was die Sache ist, vom Anthropologen nur dort akzeptiert wird, wo sie sich auf die eigenen Überzeugungen und Praktiken des Informanten bezieht. Denn es ist im Allgemeinen unmöglich, Überzeugungen und Praktiken in Bezug auf ein isoliertes Subjekt zu definieren.“

Beide retten die wesentliche Wirkung dieses Denkfehlers, indem sie Rahmenbedingungen schaffen, die ihn überhaupt nicht zu einem Irrtum machen. Ihre Konzepte bewirken eine Änderung der Spielregeln. So bleibt der Trugschluss „Islam ist, was Muslime tun“ – dass Muslime sich wissentlich in dem widersprechen, was als normativ islamisch gilt – kein Hindernis mehr, das es zu überwinden gilt.

Ahmed erreicht diese Regeländerung, indem er seinen umfassenden Sinn für „Widersprüche“ in das eigentliche Wesen des Islam einfließen lässt. Asad ändert ebenfalls die Regeln und rettet „Islam ist, was Muslime tun“. Er sieht alle Punkte von Übereinstimmung und Uneinigkeit als Funktionen von Hierarchien betrachtet. Wenn Orthodoxie als diese Machtverhältnisse definiert wird, argumentiert er, dann sind die scheinbaren Meinungsverschiedenheiten Ausdrücke und Erzählungen, die die Bedürfnisse von Macht und Widerstand erfüllen.

Foto: Anna Jahn, Unsplash

Wer hat das Wort? Und warum?

Trotz ihrer oft beeindruckenden Gelehrsamkeit und Empathie scheitern westliche Akademiker, die versuchen, den Islam zu „konzeptualisieren“, nicht in der Regel aus sachlichen Gründen (obwohl dies vorkommt). Sondern vor allem aus logischen und sogar metaphysischen Anlässen. Sie übersehen etwas Wesentliches: Der einzige analytisch haltbare Ausgangspunkt (bzw. zumindest die notwendige Voraussetzung) für die „Konzeptualisierung des Islam“ besteht darin, die Gruppe von Muslimen zu identifizieren, die man als Standard ansieht – entweder global oder lokal – und ihre Praxis und ihr Erbe zu theoretisieren.

Hierbei handelt es sich nicht um eine Frage von „innen“ und „außen“, sondern darum, das Wesen der Realitäten zu verstehen, die sprichwörtlich als Religionen, Zivilisationen, Kulturen oder Traditionen bezeichnet werden. Solche metaphysischen Institutionen können ihrer Natur nach nur dann vollständig theoretisiert werden, wenn die maßgebliche Gemeinschaft identifiziert wird. Und, wie ihre Mitglieder ein Vermächtnis durch ihre gelebte Praxis weitergeben – ähnlich wie der korrekte Gebrauch einer lebenden Sprache letztlich von ihrem normativen Sprechern und nicht von einer externen Autorität abhängt.

Die besprochenen Ansätze haben gemein, dass sie das Unvermeidbare in unterschiedlichem Maße vermeiden: die Abhängigkeit von einer Standardgemeinschaft, um den Islam zu konzeptualisieren. Diese Umgehung geht mit der Annahme einher, dass Muslime nicht in der Lage seien, sich selbst angemessen zu verstehen. Und dass dies von Außenstehenden für sie getan werden müsste.

Diese Situation ähnelt der eines englischen Muttersprachlers, der sich ein Bild von der deutschen Sprache macht und sich anmaßt, über ein richtiges und falsches zu urteilen. Nicht, indem man sich auf eine deutschsprachige Autorität stützt, sondern dadurch, dass man eine „Theorie“ aufstellt. Es ist nicht nur logisch unmöglich, etwas, das man „Islam“ nennt, zu theoretisieren, ohne sich auf das zu beziehen, was man als Standardmuslim betrachtet. Es ist höchst fragwürdig anzunehmen, dass man nach 1.400 Jahren daherkommen und es erfolgreich „konzeptualisieren“ kann, wo alle anderen – insbesondere die Muslime selbst – gescheitert seien. Englischsprachige neigen nicht dazu, über Generationen hinweg Debatten darüber zu führen, wie man Deutsch konzeptualisiert. Denn sie gehen davon aus (und warum sollten sie nicht?), dass die Deutschen ihre Sprache gut konzeptualisiert haben.

Dass man glaubt, Islam müsse überhaupt in ein Konzept gefasst werden, und zwar für die damit verbundenen Zwecke, wirft daher ernsthafte intellektuelle und moralische Fragen auf.