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Hintergrund: Indiens Geißel – Vergewaltigungen und gezielte Abtreibungen

(iz). Es gehört zu den orthodoxen Grundannahmen unserer Erziehung, dass sich die Gattung Mensch im Zustand eines kontinuierlichen Fortschritts befände. Nicht nur der übel beleumdete Kultur­skeptiker dürfte dies grundsätzlich in […]

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Kommentar: Welt ohne Gott denkbar, Welt ohne Banken nicht?

(iz). Es liegt in meiner – zugegeben – einfachen Natur, immer Alternativen zu suchen und auf neue Alternativen zu hoffen. Nur, in letzter Zeit droht mir die Zuversicht diesbezüglich abhanden […]

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Exklusiv aus der neuen Ausgabe – Schwerpunkt "Wissen": Gesucht werden freie Orte echter Wissensvermittlung. Von Khalil Breuer

(iz). Bekanntlich sollten Glauben und Handeln eins sein und Theorie und Praxis kein Gegensatz. Um so wichtiger ist es, heute die islamische Lehre und damit die Lebenspraxis selbst, nicht in eine Art der Weltfremdheit abgleiten zu lassen. Es geht uns als ­Muslime um das Hier und Jetzt, das Innen und Außen, das Materielle und Spirituelle.

Diese Einheit der Glaubensüberzeugungen symbolisiert von jeher der Zusammenhang von Moschee und Markt. Die erste Gemeinschaft ist um diesen Zusammenhang gebaut und ohne Kennt­nisse hierüber grundsätzlich missverstan­den. Über Jahrhunderte waren ­diese beiden religiösen Bezugspunkte – wie man in jeder historischen Stadtanlage der ­islamischen Welt unschwer erkennt – ­untrennbar miteinander verbunden. ­Jeder Muslim, unabhängig vom Bildungsgrad, kannte den Ritus und vollzog die ­wichtigsten inneren und ­äußeren Glaubenspraktiken.

Moschee und Markt sind dabei die gro­ßen Freiräume, die der Politik entzo­gen sind. Die großen, auch kontroversen, oft auch feinsinnigen Debatten der Theolo­gen fanden zu jeder Zeit statt, allerdings auf der Grundlage, dass die einfachsten Gesetzlichkeiten, zwischen Gebet und Zakat, nicht etwa zur Disposition standen. Als Muslime müssen wir immer wieder neu lernen: die einfachen Positionen der Glaubensüberzeugungen und die Richtlinien des gerechten Handelns.

Wer sich berufen fühlt, über den ­Islam zu lehren, den kann es nicht kalt lassen, wenn ganze Pfeiler des Islam wegzubrechen drohen. Die erste Frage an die Authentizität des Gelehrten, dem es um das Wohl der Muslime geht, muss heute daher die Frage nach der Zakat sein. Natür­lich erfordert jede Zeit zudem die Betonung und Vertiefung einer bestimmten Seite der Offenbarung und der Lehre.

Es ist logisch, dass eine Lebensform wie der Kapitalismus, die quasi religiöse Züge bekommt und massiv die Schöpfung herausfordert, von jeder Lehre kritisch hinterfragt werden muss. Hier, wenn es um den Kern unserer Zeit geht, müssen wir unsere Quellen – innerhalb einer freien Lehre – entsprechend genau studieren.

Die Authentizität dieser Lehre zeigt sich auch hier im Mittelweg: Der Islam bejaht Eigentum, fordert die freie Marktwirtschaft und tritt für den Handel auf fairer Gegenseitigkeit ein.

Die Debatte um die islamische ­Lehre, die nicht nur dem Leben entfernte Theologie sein will, muss sich ihres eigenen Standpunktes bewusst werden. Das islamische Leben findet nicht in den Türmen der Wissenschaft statt, es kreist noch immer um das alltägliche Wissen über den Gottesdienst in Moscheen und auf Marktplätzen.

Exklusiv aus der neuen Ausgabe – Schwerpunkt "Wissen": Über das entstehende Studienfach lassen sich noch keine endgültigen Urteile fällen. Von Fauzia Lewandowski & M. Özkan

(iz). Wie kaum ein anderes Vorhaben stand die Erteilung des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) an deutschen Schulen und die einhergehende Einrichtung von Lehrstühlen der – noch im Aufbau befindlichen – „Islamischen Theologie“ im Fokus von Gesprächen zwischen Vertre­tern deutscher Muslime und staatlicher Einrichtungen. Zweifelsohne wurden darauf viel Aufmerksamkeit und Energie verwandt. Beide Elemente – der Religionsunterricht und die Universitäten zur Ausbildung der Lehrer – sind verbunden. Nachdem die Politik sich mit dem Gedanken eines islamischen Bekenntnis­unterrichts durch muslimische Religionsgemeinschaften (ein alter Wunsch deutscher Muslime) angefreundet hatte – die Islamkonferenz sprach sich 2008 dafür aus – ergaben sich Folgefragen. Woher sollten die für den IRU notwendi­gen Lehrer kommen? Nach einer Schätzung des Bundesbildungsministerium würden mindestens 2.000 Lehrer für die 320.000 muslimischen Schüler benötigt.

Neues Studienfach
Offenkundig ist die Fortführung des Imports ausländischer Imame und Reli­gionslehrer – die seit Jahrzehnten mehrheitlich gewählte Lösung für die muslimi­schen Gemeinden – nicht im langfristigen Interesse der muslimischen Gemein­schaft in Deutschland. Verfassungsrecht­liche Grundfragen außer Acht lassend, ob bisherige muslimische ­Organisationen den Anforderungen einer Religionsgemeinschaft entsprechen (im Zusammen­hang mit Religionsunterricht nach Art. 7 Abs. 3 Grundgesetz), setzte sich der Vorschlag des Deutschen Wissenschafts­rates zur Einrichtungen von Zentren für eine „Islamische Theologie“ durch. Bis zum heutigen Tage ungeklärt ist die Frage und die konkrete Umsetzung der Beteiligung muslimischer Organisationen beziehungsweise Religionsgemeinschaften. In Folge – und in vergleichsweise hohem Tempo – entstanden fünf Lehreinrichtungen, an denen zukünftige Reli­gionslehrer, Imame und TheologInnen ausgebildet werden sollen.

Die bereits jetzt eingeschriebenen StudentInnen, Graduierten sowie das beteiligte akademi­sche Personal sind so Teil einer sich noch erschaffenden Wissenschaft. Anzumerken sei, dass es in der muslimischen Gemeinschaft bisher wenig Grundsatzde­bat­ten darüber gab, was diese „Theologie“ sein wird, noch in welchem Verhältnis sie zum bisherigen Wissenschafts­kanon des Islam stehen wird oder kann. Die neuen Zentren der „Islamischen Theolo­gie“ geben hierauf keine einheitliche Antwort.

Differenzierung
Es wird aber bereits jetzt klar, dass an den fünf Lehranstalten unterschiedliche Schwerpunkte und Perspektiven prägend sein werden. Ein Stichwort hierfür seien neue ­Konzep­te wie ­“Theologie der Barmherzigkeit“ oder „Theologie der Mitte“. Zusammen mit der jeweils anders gearteten Einbindung muslimischer Organisationen und Repräsentanten dürfte dies zur ihrer weiteren Differenzie­rung beitragen. Errichtet wurden sie an den Universitäten Tübingen, Erlangen-Nürn­berg, Frankfurt am Main (in Kooperation mit Gießen) sowie Münster und Osnabrück (Beide werden im Verwaltungsrahmen als ein „Standort“ geführt. Es gibt eine Kooperation in Form einer ­gemeinsamen ­Jahrestagung und einer gegenseitigen ­Anrechnung von Studienleistungen). Unge­achtet der akademischen Schwerpunktsetzung dienen sie der Lehre der Islamischen Religionslehre und – mit momentaner Ausnahme von Frankfurt und Tübingen – der „Islamischen Religionspädagogik“. Auf Nachfrage ­erklärte ein Dozent in einem der Standorte, dass bei ihnen ca. 2/3 aller eingeschriebenen StudentInnen sich für die Theologie eingeschrieben hätten. In Frankfurt gab es eine Stellenausschreibung für eine Profes­sur der „Islamischen Religionspädagogik“. Tübingen will laut Webseite ab Winter­semester 2013/14 einen Lehramtsstudiengang „Islamische Religionslehre“ anbieten. Beide Fächer sind – im Gegensatz zu bisherigen Studiengängen der Islam- oder Religionswissenschaft – bekenntnisorientiert.

Auch wenn alle fünf universitären Standorte unter der Kategorie „Islamische Theologie“ firmieren, entwickeln sie sich bisher doch mit ­unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Unterschiede beste­hen unter anderem bei der Möglichkeit des Studiums zur Religionspädagogik sowie der darin angebotenen Schulformen.

Des Weiteren hängt das Angebot von Lehr­veranstaltungen auch von der perso­nellen Besetzung beziehungsweise der Menge der eingeschrieben Studenten im jeweiligen Standort ab. So berichtete „Die WELT“ am 16.10.2012, dass sich nur eine Handvoll StudentInnen am Interdisziplinären Zentrum für Islamische Religionslehre (IZIR) in Erlangen-Nürnberg eingeschrieben hätte. Zu diesem Zeitpunkt waren dort nach Angaben des Blattes auch nur zwei von vier Lehrstühlen besetzt. Zentrumsleiter Harun Behr beispielsweise zielt allerdings auch nicht auf die Masse ab: „Wer die Islamisch-Religiösen Studien absolviert hat, ist ohnehin überqualifiziert für den Imamberuf.“

Derzeit wird jeder Standort mit bis zu vier Millionen Euro jährlich durch Bundesmittel gefördert. Hinzu kommen Stiftungen, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Beim Osnabrücker IIT beispielsweise bereiten sich einige Doktoranden auf ihre Promotion mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) vor. In diese Kategorie fällt auch die Maturidi-Studienförderung für Islamisches Denken, die der türkischen DITIB nahesteht. Das bekannteste Beispiel, die Mercator-Stiftung, ihrerseits ist seit der Einführung der „Islamischen Theologie“ mit einem standortübergreifenden Programm im Rahmen ihres Graduiertenkollegs vertreten. Ihre Stipendiaten arbeiten und forschen an den jeweiligen Standorten. Außerdem gibt es eine Kooperation bei der Organisation von Tagungen, Veran­staltungen und Studienreisen. Koordiniert wird dieses Programm von Münster aus. Die Auswahl der Nachwuchswissenschaftler nehmen die Professoren der Standorte zusammen mit einigen Professoren der Islamwissenschaft vor. Da die Graduierten auch als wissenschaftliche Mitarbeiter beziehungsweise Dozenten an der jeweiligen Fakultät eingebunden sind, gestalten sie das Profil ihrer lokalen Lehreinrichtung mit. Zum standortübergreifenden Studienprogramm des Kollegs werden regelmäßig internationale Gastwissenschaftler eingeladen.

Ungeklärte Beteiligung
Noch stellenweise unterschiedlich gehandhabt beziehungsweise auch unklar ist die Einbindung muslimischer Gemeinschaften (in ihrer bisherigen Form als Moscheenorganisationen und Dachverbände) in die Gestaltung der Lehrinhalte von „Islamischer Theologie“ und „Islamischer Religionspädagogik“. „Über die Lehrinhalte (und auch Professuren) bestimmen die Verbände aber nur insofern, dass sie ein Veto einlegen dürfen, wenn konkrete Inhalte/Personen gegen religiöse Grundsätze verstoßen. Die Lehrpläne und Einstellung der Professuren obliegen aber ausschließlich den Universitäten“, meinte ein Insider auf Anfrage der IZ. Insbesondere beim Religionsunterricht ist dies nach Meinung muslimischer Vertreter relevant, weil die Vorgaben des Grundgesetzes („Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“ Art. 7 Abs. 3) natürlich die Beteiligung einer Religionsgemeinschaft vorsähen. Als Beispiel hierfür mag der nordrhein-westfälische Beirat für den Islamischen Religionsunterricht gelten. „Verfassungsrecht­lich ist jedoch klar, dass die Entscheidungen zu den inhaltli­chen Fragen der Theologien grundsätzlich nur den Religionsgemeinschaften zustehen. Diese gewährleisten durch ihre Mitwirkung, dass das jeweilige Bekenntnis zur Geltung kommt, sind Garant für die Authenzität der Theologie und gewährleisten die Rückkopplung mit der muslimischen Basis in den Moscheegemeinden“, schrieb Engin Karahan vor einigen Wochen. Er ist Referent für Rechtsfragen im Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland.

Karahan und andere verweisen darauf, dass an einigen Standorten diese Mitwir­kung muslimischer Religionsgemeinschaften (die bisher keinen Status im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts inne haben) zwar vorgesehen sei, „jedoch nur in einer abgestuften Version“ gehandhabt werde. Das liege unter anderem daran, da das Modell des Wissenschaftsrates aus dem Jahre 2010 auch „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ als Beiratsmitglieder einschließt.

Umgesetzt wird dieses Modell ­(ähnlich zur Zusammensetzung der Deutschen Islamkonferenz) nur stellenweise an den Standorten Münster und Tübingen, da es hier nur eine begrenzte Beteiligung muslimischer Gemeinschaften gibt. In Tübingen gibt es einen Beirat muslimischer Vertreter, aber nur zwei kommen aus dem organisierten Islam – ein Vertreter der DITIB sowie der bosniakischen IGBD. In Fall Münster kommt hinzu, dass man bisher auf die konstituierende Sitzung des Beirates wartet. In Erlangen-Nürnberg habe man, so Karahan, die Zusammenarbeit mit organisierten Mus­limen bisher verweigert. „Das Zentrum rühmt sich sogar öffentlich damit, die muslimischen Religionsgemeinschaften nicht zu berücksichtigen.“ Dort hat man einen Beirat aus 16 Einzelpersonen gebildet, und die Gemeinschaften umgangen.

Wegen seines Ursprunges als Stiftungs­professur der staatlich-türkischen Diyanet hat sich in Frankfurt kein Beirat konstituiert. Nicht nur Engin Karahan ist der Ansicht, dass es bisher einzig der Standort Osnabrück sei, „der für eine verfassungsrechtlich saubere Gestaltung der Mitwirkung der muslimischen Religionsgemeinschaften gesorgt hat. Dem dortigen Beirat gehören nur Vertreter der muslimischen Gemeinschaften an“.

Offene Fragen
Nicht nur, weil es bisher innerhalb der muslimischen Gemeinschaft an einer inhaltlichen und terminologischen Auseinandersetzung mit dieser akademischen Neuschöpfung fehlte, bleiben Fragen offen. Wie Hermann Horstkotte in der „Süddeutschen Zeitung“ berichtete, wurde ein Kandidat für den Münsteraner Beirat von Universitätsleitung und Bundesministerium abgelehnt. Es wurde gar mit Einstellung der Finanzmittel gedroht. Pikant daran ist, dass der abgelehnte Repräsentant problemlos Mitglied des NRW-Beirates für den Islamischen Religionsunterrichtes ist.

Muslime in Deutschland stellen sich nicht nur deswegen die Frage, inwieweit sie uneingeschränkten Zugang zu einer freien Lehre haben, wie sie bei den großen christlichen Konfessionen Usus ist.

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Muslimische Reisende werden weltweit immer wichtiger

(ON). Im winterlichen London sind Ahmad und seine Frau gerade von den Flitterwochen auf den Malediven heimgekehrt. Ende 20 träumte das briti­sche Paar vom sprichwörtlichen Inselpa­radies, aber sie suchten nach […]

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Interview mit dem Suchtexperten ­Kurosch Yazdi über die Süchte der Zukunft und was wir dagegen tun können

(iz). Der Mensch ist, so eine bekannte Weisheit, ein Gewohnheitstier. Was aber geschieht mit uns, wenn normales, unschuldiges Verhalten auf einmal schädlich für uns wird? Beim Konsum von Tabak, Zucker […]

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Bericht: Anschläge und Polizeischutz – Deutschlands Moscheen im Fadenkreuz des Hasses?

(iz). Zum wiederholten Male wurde die Berliner Ensar-Moschee, die der der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) angeschlossen ist, Ziel einer versuchten Brandstiftung. In der Nacht zum Freitag, den 8. März, wurde dort vorsätzlich ein Feuer gelegt. Es drang über die Fenster in die Moschee ein. Obwohl die Berliner Ermittler bisher nur von Wandalismus ausgehen, dürfte – wie bereits in der Vergangenheit – die Motivlage hier anders gelagert sein.

„Anschläge auf Moscheen und Übergriffe auf Muslime häufen sich in der letzten Zeit. So ist der Brandanschlag auf die Ensar Moschee in Berlin Charlottenburg in einer Reihe von ähnlichen Angriffen auf muslimische Einrichtungen in Deutschland zu sehen.“ sagte hierzu der Sprecher des Koordinationstrat der Muslime, Erol Pürlü. „Wir erhoffen uns daher eine rasche und lückenlose Aufklärung. Für die Zukunft fordern wird diesbezüglich Konzepte, die zum Schutz von Muslimen und muslimischen Einrichtungen in Deutschland dienen“, so Pürlü weiter.

Vor Jahren sicherlich unvorstellbar stehen nun auch in Deutschland einige muslimische Einrichtungen unter Polizeischutz. Dazu gehört die repräsentative Berliner Sehitlik-Moschee. Für die Jurastudentin Betül Ulusoy, die sich bei der Initiative JUMA Jung, Muslimisch, Aktiv engagiert, ist die Gemeinde ihre „Heim-Moschee“. Sie berichtet konkret, wie sich die Bedrohungslage auf diese bekannte Berliner Gemeinde sieht und was der Polizeischutz für Gefühle bei ihr auslöst:

//3// „Also, ich bin des Öfteren in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm. Brandanschläge, Drohbriefe, Schmierereien an Moscheewänden oder sogar das Werfen von Schweinsköpfen sind bei dieser Moschee leider an der Tagesordnung.

Ich weiß gar nicht mehr, nach welchem der Vorfälle das war, aber irgendwann hatten wir Polizeischutz…

Ich habe mich – muss ich ehrlich gestehen – zunächst darüber gefreut, weil ich mich endlich ernstgenommen fühlte. Eimal war während eines Brandanschlags ein Gemeindemitglied, das nachts Wache hielt, in der Moschee. So kann ein Sachschaden schnell zu einem ‘Personenschaden’ werden. Der Gedanke macht einem schon Angst…

Wenn dann die Polizei vor den Moscheetüren steht, vermittelt das im ersten Augenblick Sicherheit, Ernsthaftigkeit – aber zugleich auch noch mehr Unbehagen. Schließlich muss es sich dann jetzt auch tatsächlich um eine ernsthafte Lage handeln, sonst stünde die Polizei nicht da.

Dann habe ich allerdings mit den anderen Moscheeführern [die Moschee bietet regelmäßige Führungen an] und dem Vorstand gesprochen. Sie waren ganz und gar nicht begeistert von dem Polizeischutz.

Für sie wirkte die Polizei vor den Toren eher abschreckend für die Gemeinde und vor allem für Gäste. Die Sehitlik-Moschee wird auch von Nicht-Muslimen gut besucht – täglich finden dort mindestens drei Führungen statt. Sie hatten Angst, dass die Moschee an Vertrauen einbüßen könnte und die sonst für jedermann offenen Tore nun nur eingeschränkt zugänglich waren. Sie haben daher vieles verharmlost und still gehalten, damit die Polizei so schnell wie möglich wieder geht.

Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe viele jüdische Freunde, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich mich immer recht unwohl fühle, wenn ich eine jüdische Einrichtung besuche. Überall sind Kontrollen und Sicherheitsschleusen, und eben Polizeipräsenz. das schreckt ab oder löst Unbehagen aus. Das soll bei uns nicht so sein.

Gerade Moscheen und Muslime sind für ihre Gastfreundschaft und Offenheit bekannt (oder sollten das zumindest sein). Vorbehalte gegen Muslime gibt es genug. Der Polizeischutz schränkt ersteres ein und verstärkt letzteres.

Obwohl es im ersten Moment beruhigend wirkt, bringt, so finde ich, der Schutz im Großen und Ganzen mehr Nachteile…

Das Verhältnis zu den Polizisten war übrigens sehr freundlich und offen. Die Sehtilik-Moschee ist ohnehin in ständigem Austausch mit der örtlichen Polizei und arbeitet in vielerlei Hinsicht mit ihr zusammen und wird selbst zu Polizeifesten eingeladen.

Die gemeinde hat die Polizisten immer begrüßt und hat mit ihnen gescherzt. Das Verhältnis war also glücklicherweise locker und gut, sodass zumindest das kein Problem war. Die unangenehmen Gefühle wären sonst wohl nur verstärkt worden.“

Erinnerung an das Massaker von Kandahar

(Emran Feroz’s Blog). Genau vor einem Jahr geschah eines der schrecklichsten Massaker seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes. Siebzehn Menschen wurden in einem Dorf in Kandahar kaltblütig ermordet. Bei ihnen handelte es sich überwiegend um Frauen, Kinder und Greise. Als Täter wurde den Medien ein US-Soldat namens Robert Bales vorgestellt. Diesem Mann wird bald sicherlich eine Strafe widerfahren, doch mit Gerechtigkeit wird sie nichts zu tun haben.

Robert Bales wird als alkoholkrank und psychisch labil beschrieben. Nachdem seine Ehe scheiterte, zog er in den Irak-Krieg. Diesen verließ er traumatisiert. Dann wurde er nach Afghanistan geschickt. Dort erlebte er, wie sein Kamerad ein Bein verlor. Die Nacht darauf schlich er sich aus dem Lager und begab sich in das nahe gelegene Dorf, um dort Amok zu laufen. Nachdem Bales mehrere Menschen im Dorf ermordet hatte, ging er wieder ins Hauptquartier. Dieses verließ er kurze Zeit später ein zweites Mal, um in ein anderes Dorf zu gehen und noch einmal zu morden. So lautet bis heute die offizielle Version.

Sie steht im krassen Gegensatz zu den Zeugenberichten aus Kandahar. Schon vor einem Jahr hatte ich geschrieben, dass die Dorfbewohner etwas anderes erzählten. Sie sprachen keineswegs von einem Einzeltäter, sondern von mehreren Soldaten, die womöglich unter Alkoholeinfluss standen. Diese Aussagen bestätigten die Angehörigen der Opfer auch während einer offiziellen Anhörung, die von Präsident Hamid Karzai geleitet wurde. Das afghanische Untersuchungsteam kam ebenfalls zu einem Schluss, welcher der amerikanischen Version widerspricht. Shakeba Hashimi, eines der Mitglieder der damaligen Kommission, ist bis heute der Meinung, dass mindestens fünfzehn bis zwanzig Soldaten an dem Massaker beteiligt waren.

Währenddessen will man in Washington und anderswo nichts davon wissen. Stattdessen “entschädigte” man die Hinterbliebenen mit 50.000 US-Dollar und begann damit, Bales den Prozess zu machen. Selbstverständlich begann dieser Prozess in den Vereinigten Staaten und nicht am Hindukusch. Nachdem man den Medien vor einem Jahr Bales als Sündenbock verkauft hatte, flog man ihn so schnell wie möglich aus Afghanistan aus.

Hinterbliebene wie Mohammad Wazir, ein einfacher Bauer, verlangen Gerechtigkeit. Wazir verlor in jener Nacht elf Familienmitglieder. Heute ist er weder Vater, noch Sohn, noch Ehemann. Auch einer seiner Brüder sowie dessen Frau und Kind wurden in jener Nacht getötet. Mit 50.000 Dollar kann er seinen Sohn und seine fünf Töchter nicht wieder zum Leben erwecken. Er verlangt eine gerechte Strafe, obwohl er weiß, dass er und alle anderen Hinterbliebenen machtlos sind.

Die Offiziellen im Weißen Haus wollten von Anfang an die wahren Hintergründe des Massakers vertuschen. Damit waren sie erfolgreich, denn kein einziger Zeuge aus Kandahar hat bis jetzt persönlich vor dem Gericht ausgesagt. Es kam lediglich zu Befragungen via Videoübertragung. Die westlichen Medien sowie die amerikanische Regierung zeigen bislang nur mäßiges Interesse an den Geschichten der Opfer. Warum sollten sie auch? Sie haben im labilen Robert Bales einen perfekten Sündenbock gefunden, den man ohne Weiteres als „verrückt“ abstempeln konnte.

Mohammad Wazir fragt sich, warum man einem angeblich „Verrückten“ eine derartig große Verantwortung überlasst. Warum gibt man diesem „Verrückten“ eine Waffe und was wäre gewesen, wenn er seine eigenen Kameraden ermordet hätte? All diese Fragen werden wohl lange, wenn nicht sogar für immer unbeantwortet bleiben. Das Einzige was zurückgeblieben ist, sind Trauer und Schmerz. Auch über das geringe Interesse der Weltöffentlichkeit bezüglich dieses Falles kann man nur klagen.

Die Deutsch-Afghanin Lela Ahmadzai hat die Opfer des Massakers besucht und dazu einen Kurzfilm gedreht. Er zeigt nicht nur die unvorstellbare Trauer dieser Menschen, sondern auch ihren Stolz, mit erhobenem Haupt weiterzuleben.

Emran Feroz ist ein junger Autor und Blogger, der über den Nahen Osten, Islam und Migration schreibt. Er veröffentlichte unter anderem in renommierten Medien wie „zenith-online“, „Freitag“ oder der „jungen Welt“. Dieser Beitrag wurde im „Hintergrund” veröffentlicht.

Bundeswehr betreibt die Einbindung von Muslimen

Berlin/Koblenz (GFP.com). Die Bundeswehr forciert die Rekrutierung junger Muslime. Integraler Bestandteil der dazu in Gang gesetzten Propagandamaßnahmen ist es, die deutschen Streitkräfte als „bunte Truppe“ darzustellen, die rigoros gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung vorgeht. In einem offiziellen „Arbeitspapier“ der Bundeswehr findet sich zudem der „Hinweis an Vorgesetzte“, mit den Angehörigen islamischer Religionsgemeinschaften „angemessen“ umzugehen und etwa von ihnen vorgebrachte Wünsche nach Gebetsräumen soweit wie möglich zu erfüllen. Verwiesen wird hier auch darauf, dass ein muslimischer Soldat, der entgegen den militärischen Dienstvorschriften einen „längeren Bart“ trägt, „zu einem akzeptierten Gesprächspartner in Afghanistan werden kann“. Bereits seit längerem setzen die deutschen Streitkräfte Muslime als „Sprachmittler“ im Rahmen von Kriegsoperationen ein – am Hindukusch unter anderem bei der für Propaganda und Spionage zuständigen „Truppe für Operative Information“. Damit einher gehen Bemühungen der militärischen Führung, für die seelsorgerische Betreuung muslimischer Armeeangehöriger islamische Feldgeistliche, sogenannte Militärimame, in Dienst zu stellen.

Mit Allah im Flecktarn
Aktuelle Publikationen der Bundeswehr lassen den klaren Willen erkennen, verstärkt junge Muslime zu rekrutieren. So berichtet das Militärmagazin „Y“ unter der Überschrift „Mit Allah im Flecktarn“ über den Alltag des 21-jährigen Hauptgefreiten Usama Pervaiz, der im Unterstützungsbataillon des Kommandos „Operative Führung Eingreifkräfte“ freiwillig Wehrdienst leistet. Der Sohn pakistanischer Eltern ist voll des Lobes über die deutschen Streitkräfte. Während seine deutschstämmigen Kameraden „neugierig“ auf seine Kultur seien, komme die Bundeswehr seinen religiösen Vorstellungen weitgehend entgegen, erklärt Pervaiz: „Das Essen der Truppenverpflegung ist hier leider nur ansatzweise an muslimische Bedürfnisse angepasst. (…) Das ist aber kein großes Problem. Ich bin von der Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung befreit und bekomme das Geld dafür ausgezahlt.“

Freitagsgebet im Einsatz
Auch auf den Webseiten der Bundeswehr, die für eine Karriere bei der deutschen Armee werben, finden sich entsprechende Beiträge. Berichtet wird hier über muslimische Militärangehörige, die als Besatzungssoldaten in der serbischen Provinz Kosovo eingesetzt sind. Geradezu überschwänglich bedanken sie sich für die Möglichkeit zum Besuch eines islamischen Gotteshauses: „Im Einsatz, im Kosovo, zum Freitagsgebet in die Moschee zu dürfen, ist besonders schön.“ Organisiert wurde der Moscheebesuch vom katholischen Feldgeistlichen der Truppe, der mit folgenden Worten zitiert wird: „Als Seelsorger fühle ich mich auch für die muslimischen Soldaten in der Bundeswehr mitverantwortlich, und wenn es möglich ist, versuche ich sie in ihrer Glaubensauslebung in allen Belangen zu unterstützen.“ Dass die Muslime im Sold der deutschen Streitkräfte in Uniform an islamischen Gottesdiensten teilnähmen, störe im Kosovo „niemanden“, heißt es abschließend.[3]

Antirassismus à la Bundeswehr
Parallel dazu ließ der von migrantischen Bundeswehrangehörigen gegründete Verein „Deutscher Soldat“ jüngst mehrfach öffentlich verlauten, Rassismus sei „nicht symptomatisch“ für die deutschen Streitkräfte: „Im Gegenteil: Er ist dort weniger verbreitet als in der Gesellschaft insgesamt.“ Zwar bestünden insbesondere bei muslimischen Gemeinden „noch viele Vorurteile“ über die Truppe, jedoch habe sich diese mittlerweile „gewandelt“: „Sie ist heute bunt.“ Anlass der Statements war ein von Bundeswehrsoldaten verübter rassistischer Angriff: Am 15. Februar hatten vier Unteroffiziere auf dem im Libanon stationierten Schnellboot „Hermelin“ ihren asiatischstämmigen Vorgesetzten misshandelt und als „Mongo“ bezeichnet.

Militär als Integrationsinstanz
Das für die politisch-weltanschauliche Schulung der Truppe verantwortliche „Zentrum Innere Führung“ der Bundeswehr hat unterdessen sein „Arbeitspapier“ zum Umgang mit den deutschen Soldaten „muslimischen Glaubens“ neu aufgelegt. Das Militär wird hier als „wesentlicher Ort“ bezeichnet, „an dem die Integration muslimischer Staatsbürger gefordert und gefördert wird“ – verbunden mit entsprechenden „Hinweise(n) für die Vorgesetzten“. Diese werden explizit aufgefordert, sich ihren Untergebenen gegenüber „angemessen“ zu verhalten und gegebenenfalls auch „Freiräume“ für „Einzelfallentscheidungen“ zu nutzen. So liege es etwa „im klugen Ermessen eines Vorgesetzten, ob er einem Soldaten oder einer Soldatin mit Blick auf einen muslimischen Feiertag Erholungsurlaub oder Dienstausgleich gewährt“. Auch dürfte es „in der Praxis“ nur „geringere Schwierigkeiten“ bereiten, muslimischen Militärs den Wunsch nach einem Gebetsraum zu erfüllen, heißt es. Selbst der geltende „Bart- und Haarerlass“, dem zufolge Bärte und Koteletten „kurz geschnitten“ sein müssen, wird von den Autoren des „Arbeitspapiers“ in Bezug auf Muslime relativiert: „Es sind durchaus Situationen denkbar, in denen ein deutscher Soldat mit einem längeren Bart zu einem akzeptierten Gesprächspartner in Afghanistan werden kann.“ Die zuletzt genannte Aussage verweist auf die Funktion, die Muslime aufgrund der ihnen zugesprochenen „interkulturellen Kompetenz“ im Rahmen der Kriegsoperationen der Bundeswehr wahrnehmen: Insbesondere am Hindukusch werden sie als sogenannte Sprachmittler für den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung eingesetzt. Dabei arbeiten sie entweder für den jeweiligen Kommandeur des deutschen ISAF-Kontingents oder für die auf Propaganda- und Spionagetätigkeiten spezialisierte „Truppe für Operative Information“ (german-foreign-policy.com berichtete ).

Militärimame
Mit der von Seiten der Bundeswehr offensiv verfolgten Strategie der „Integration“ von Muslimen korrespondiert die erklärte Absicht, islamische Feldgeistliche, so genannte Militärimame, in Dienst zu stellen. Presseberichten zufolge sind sowohl der Leiter der „Zentralen Koordinierungsstelle Interkulturelle Kompetenz“ am „Zentrum Innere Führung“, Oberstleutnant Uwe Ulrich, als auch der Pastoralreferent des Katholischen Militärpfarramtes, Thomas R. Elßner, „von der Notwendigkeit der Beschäftigung eines Militärimams auf die gleiche Weise überzeugt“. Beide forderten erst unlängst die muslimischen Dachverbände in Deutschland auf, hierzu Stellung zu nehmen: „Diese Organisationen müssen festlegen, von wem und auf welche Weise die religiösen Dienstleistungen im Militär angeboten werden.“

Afghanistans Exportschlager Mohnanbau

(Emran Feroz’s Blog). Seit Ende 2001 ist der Drogenanbau am Hindukusch enorm gestiegen. Kurz vor dem Einmarsch der westlichen Soldaten – sprich, während des Höhepunkts der Taliban-Herrschaft – stammten fünf bis zehn Prozent des weltweiten Schlafmohns aus Afghanistan. Mittlerweile sind es mehr als neunzig Prozent. Die meisten Abnehmer sitzen im Ausland, während das Zentrum der Drogenproduktion die südliche Provinz Helmand ist. Diese steht hauptsächlich unter britischer Kontrolle.

Afghanischer Opiumbauer
Afghanistan war einst bekannt als ein Land der Granatäpfel, Melonen und Trauben. Weltweit wusste man, dass bestes Obst aus Afghanistan stammt. Auch andere Waren wie Lapislazuli, der berühmte, blau glänzende Stein, gehörten zu den wichtigsten Exportwaren. Der gegenwärtige Exportschlager des Landes hat jedoch nichts mit gesunden Früchten oder schönen Mineralgesteinen zu tun. Heutzutage weiß man vor allem, dass der „schwarze Afghane“ aus Afghanistan stammt und dass das Land zu den größten Schlafmohnproduzenten der Welt gehört.

Der Drogenanbau hat in Afghanistan eine lange Geschichte
Schon die süchtigen Mogul-Herrscher Indiens bezogen ihren Schlafmohn aus einigen Teilen des heutigen Afghanistans. Später, während der Anglo-Afghanischen Kriegen, fiel die Droge auch ins Auge der Briten. Dass die Briten damals viel vom Drogenhandel hielten, bewiesen der Erste sowie der Zweite Opiumkrieg, der zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China ausgetragen wurde. Beide Male verließen die Chinesen das Schlachtfeld als Verlierer und wurden dazu gezwungen, den Opiumhandel zu dulden.

Da es jedoch nie zu einer erfolgreichen Kolonialisierung Afghanistans kam, mussten die Briten ihre Pläne ändern und sich zurückziehen. Nun, im 21. Jahrhundert, kann man Zeuge werden, wie der Drogenanbau und Handel in Afghanistan unter westlicher Besatzung regelrecht blüht.

Anfang der 1990er, während der Regierungszeit Burhanuddin Rabbanis, stieg der Schlafmohnanbau in Afghanistan maßgeblich. Die Regierung Rabbanis bestand hauptsächlich aus Kriegsverbrechern und Warlords. Auch der einstige Präsident, der 2011 durch ein Selbstmordattentat getötet wurde, wurde von Human Rights Watch für zahlreiche Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht. Es ist nicht verwunderlich, dass die damaligen Akteure sich durch den Drogenanbau bereicherten. Da der Westen sich nach dem Sieg gegen die Sowjets zurückgezogen hatte, musste eine andere Geldquelle her, damit man sich weiterhin Waffen beschaffen und gegenseitig bekriegen konnte.

1996 wurde die Warlord-Regierung aus Kabul verjagt und die Taliban unter Mullah Omar rissen die Macht an sich. Der Drogenanbau ging jedoch weiter. Die Taliban-Regierung war wie jede andere Regierung auf Steuern angewiesen. Da viele dieser Steuern von Drogenbaronen stammen, zog man es vor, den Opiumanbau vorerst nicht zu verbieten, obwohl er den Regeln des Islams widersprach. Erst, nachdem die Staatskasse etwas gefüllt war und die Handelsrouten im Norden des Landes ebenfalls unter Taliban-Kontrolle standen, erklärte man den Drogenbossen den Kampf.

Im Sommer 2000 ging daraus eine der erfolgreichsten Anti-Drogen-Kampagnen der Welt hervor. Mullah Omar, der damals auch auf Andrang der UN handelte, erklärte den Drogenanbau offiziell für „unislamisch“ und verbannte ihn. Dieses Verbot bewies sich innerhalb kürzester Zeit als äußerst effektiv. So schrumpfte zum Beispiel die Drogenproduktion in Helmand, der ertragreichsten Provinz des Landes, auf null Prozent.

Ein Jahr später begann der Einmarsch der westlichen Soldaten
Die Taliban wurden verjagt und plötzlich florierte der Drogenanbau am Hindukusch ein weiteres Mal. Gegenwärtig stammen mehr als neunzig Prozent des weltweiten Opiums aus Afghanistan. Die wichtigsten Produzenten befinden sich in den südlichen Provinzen Kandahar und Helmand. Der Drogenanbau in Kandahar liegt fest in der Hand des Karzai-Clans. Es ist kein Zufall, dass ein Sprössling dieser Sippe im Präsidentenpalast residiert. Ahmad Wali, einer von Karzais Brüdern, der 2011 getötet wurde, gehörte zu den größten und wichtigsten Drogenhändlern des Landes. Er war bekannt für seine Verbindungen zur CIA und stand laut „New York Times“ auf deren Gehaltsliste. Ein weiterer Bruder Karzais, Qayum, ist ebenfalls ein führender Mann im Drogengeschäft.

Unabhängig davon stellte die britische Zeitung „Independent“ im Januar 2010 fest, dass die CIA jene Flugzeuge, die hauptsächlich für die Entführung sogenannter Terrorverdächtiger benutzt wurden, auch für den Transport von Drogen verwendet hat. Unter anderem fand man im Wrack eines solchen Flugzeugs, welches 2004 in Nicaragua abgestürzt war, eine Tonne Kokain. Vor einigen Tagen wurde außerdem bekannt, dass die afghanische Fluggesellschaft Kam Air mit ihren Maschinen Opium ins benachbarte Tadschikistan geschmuggelt haben soll. Die Fluggesellschaft bestreitet jedoch jegliche Vorwürfe und meint, dass es dafür keinerlei Beweise gebe.

In der Provinz Helmand sind hauptsächlich britische Soldaten stationiert. In den ländlichen Gebieten dominieren die Taliban, weshalb es auch des Öfteren zu Kampfhandlungen kommt. In der Vergangenheit wurden schon mehrmals Tonnen von Schlafmohn konfisziert und verbrannt. Dennoch wächst der Opiumanbau. Mittlerweile werden allein in Helmand mehr Drogen produziert als in Kolumbien, Marokko oder Burma. Demnach hat das meiste Heroin auf den Straßen Europas, vor allem in Großbritannien, seinen Ursprung in Helmand.

Yousef Ali-Waezi, ein Regierungsbeamter und Berater Karzais, warf im Dezember 2001 den britischen Besatzern eine Mitbeteiligung am afghanischen Drogenhandel vor. Ali-Waezi meinte unter anderem, dass der Opiumanbau in Helmand von den Briten nicht nur toleriert, sondern auch gefördert werde. Diesbezüglich gab es keine Stellungnahme seitens der britischen Regierung. Großbritanniens ehemaliger Premierminister Tony Blair meinte einst, dass der Kampf gegen den Drogenanbau einer der Hauptgründe für die Intervention gewesen sei.

Fakt ist, dass der Drogenanbau in Afghanistan weiterhin florieren wird
Es wird zwar immer so getan, als ob alles dagegen unternommen werde, doch die Realität beweist das Gegenteil. Alle wichtigen politischen Akteure in Afghanistan sind am Anbau interessiert, denn jeder profitiert davon. Auf der einen Seite befinden sich die Taliban sowie die ehemaligen Warlords der Nordallianz. Die Taliban, die einst strikt gegen den Schlafmohnanbau vorgingen, haben gegenwärtig keine andere Wahl, denn irgendwie muss ihr Widerstand gegen die afghanische Armee und gegen die Besatzer finanziert werden.

Die Warlords der Nordallianz, die größtenteils in der Regierung sitzen und hohe Ämter bekleiden, achten stets auf ihre persönliche Bereicherung. So wie sie in den 1990ern den Opiumanbau förderten, so tun sie es heute noch. Das Problem ist, dass sie aufgrund der westlichen Unterstützung weiterhin unantastbar bleiben werden.

Auf der anderen Seite kann man die Briten und die Amerikaner beobachten. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt, dass Großbritannien schon seit eh und je eine besondere Verbindung zum Drogenhandel pflegte. Das Gleiche gilt in etwa für die USA, die dieses Spiel nicht nur in Afghanistan spielen, sondern in nahezu ganz Südamerika.

Die genannten Protagonisten zwingen den einfachen afghanischen Bauer, Opium anzubauen. Denn solange die Lebensgrundlage dieses Bauern nicht gesichert ist, solange er aufgrund von billigem, ausländischem Getreide nicht konkurrenzfähig ist, solange wird sich auch nichts ändern.

Emran Feroz ist ein junger Autor und Blogger, der über den Nahen Osten, Islam und Migration schreibt. Er veröffentlichte unter anderem in renommierten Medien wie „zenith-online“, „Freitag“ oder der „jungen Welt“.