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Interview mit Tarik Ari von dem Projekt „Helalgermany“

(iz). Bedeutet halal nur „kein Schweinefleisch“? Schon lange geben sich die muslimischen Jugendlichen, sofern sie die Reinheit ihres Essens tangiert, nicht damit zufrieden, dass es sich bei diesem Thema nicht […]

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Es bleiben offene Fragen: Muslimische Verbände beziehen Stellung zum jüngsten Fleisch-Skandal

(iz/islam.de/KRM). Während in den letzten Tagen die neuesten Einzelheiten des letzten – von vielen – Skandals der industriellen Fleisch- und Lebensmittelindustrie bis zum Einzelverbraucher vordringen, retten sich viele, auch Muslime, […]

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Jahrbuch für Islamophobieforschung 2013 erschienen

Wien (iz). Das vom österreichischen Fachmann Farid Hafez betreute Projekt des „Jahrbuches für Islamophobieforschung“ (JfI) hat nach Angaben des Verlags New Academic Press und des Herausgebers seinen neuen Band für […]

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Kommentar von Martin Zabel zur französischen Intervention in Mali

Berlin (iz). Es ist schon paradox und an Tragik kaum zu übertreffen – französische Armeeeinheiten befreien eine Stadt, die allgemein hin als eine der wichtigsten Stätten muslimischer Gelehrsamkeit gilt. Und […]

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Essay & Tagungsbericht: Die Gelehrten und die Globalisierung. Von Wolf D. Ahmed Aries

(iz). Anfang Februar diesen Jahres luden das Islamische Zentrum Hamburg und die Schura der Stadt Hamburg zur Diskussion der Frage „Islam & Globalisierung“ ein. Diesem herausfordernden Thema folgten zahlreiche Muslime […]

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Die Islamische Zeitung lud zu einem Tagesseminar nach Weimar, das Goethes Verhältnis zum Islam gewidmet war. Von Ali Kocaman

„Goethes persönlicher Dialog mit dem Orient mündete in einem ­erhabenen Meisterwerk der Dichtung, das als „West-östlicher ­Diwan” bekannt wurde. Ein Buch, welches unglücklicherweise in Deutschland kaum bekannt ist. Es ist […]

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Die Latinos werden immer wichtiger, auch unter den Muslimen

Die spanischsprachige Community in den USA nimmt an Umfang und Einfluss immer mehr zu. Obwohl sie als traditionsbewusst und tiefchristlich gilt, sollen bis zu 200.000 ihrer Mitglieder den Weg zum […]

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Die Lage ist schwierig und entzieht sich dem Schwarz-Weiß-Denken. Von Abu Bakr Rieger

(iz). Es ist der Beginn einer literarischen Karriere. Schiller schreibt die „Räuber“ und kehrt dabei geläufige moralische Bilder um. Die Guten sind auch böse, die Bösen auch gut. Die Lehre aus dem Meisterwerk, das in seiner Zeit einen Skandal auslöst, fällt mit dem Beginn einer neuen Epoche zusammen. Sie entzieht sich dem alten Schwarzweiß-Denken und öffnet neue, größere Entscheidungsräume. Es wird schwerer, sich eindeutig auf der Weltbühne zu positionieren. In jedem Moment offenbart sich eine neue Wirklichkeit, die man immer neu und mit höheren Maßstäben beurteilen muss; fixe Ideologie und feste Parteiungen trüben dagegen eher den Blick. Schiller schult auf seiner Bühne den Blick auf das Geschehen, ohne schnelle und eindeutige Lösungen der absoluten Wahrheitsfindung anbieten zu können.

Der Konflikt in Mali, der heute unsere Aufmerksamkeit beansprucht, entzieht sich ebenfalls einer einfachen Einordnung. Die Schwierigkeiten der Sichtung beginnen schon bei den aktiven Konfliktparteien: sind es Staaten oder Unternehmen, Muslime, Terroristen oder Nationalisten? Wer wird von wem benutzt? Die Räuber sind eine bunte Truppe geworden, deren Uniformen, soweit sie welche tragen, im Wüstenstaub Malis nur schwer zu erkennen sind. Auf Seiten der Rebellen kämpfen Tuareg-Nationalisten, einige salafitisch angehauchte Gruppen, Kriminelle und vermutlich auch der eine oder andere „Agent provocateur“. Natürlich darf man auch spekulieren, wer den Rebellen die üppige Ausrüstung zur Verfügung gestellt hat.

Was wissen wir wirklich? Seit 1961 hat Frankreich dutzende Male in Afrika interveniert. Dabei ging es zweifellos um den Schutz dubioser Diktatoren, um Rohstoffe und um imperiale Ziele. In diesen Staaten bildeten sich diverse, teilweise bewaffnete Gegenbewegungen, die mit nationalistischen, islamischen oder kommerziellen Motiven gegen die Herrschaft mobil machte. Mangels entsprechender Ausbildung und Bildung überhaupt, vermischten sich auch die genannten Motivationen der Gegner der offiziellen Staaten, zu einem undurchsichtigen und zugleich explosiven Gemisch.

Es ist beinahe eine Binsenweisheit: In Afrika sind nicht nur Staaten am Ball. Es geht hier weniger um die klassische Verteidigung von Grenzen als um die Sicherung von „Claims“. Viele Konzerne aus der Rohstoffbranche unterhalten Söldner und eigene private Sicherheitsstrukturen. Bis zum heutigen Tag sind „marodierende“ Unternehmen, wie sie Arundhati Roy nennt, an zahlreichen Konflikten in Afrika beteiligt. Es ist kein Geheimnis, dass große Teile der französischen Uranversorgung aus dem Niger, dem Nachbarland Malis, kommen. Wer die Bedeutung der Atomenergie für Frankreich kennt, dem ist klar, dass ein europafeindliches Regime in Mali und die Destabilisierung einer ganzen Region kaum im Interesse der „Grande Nation“ sein dürfte.

Kriege werden also längst nicht mehr nur im geopolitischen Interesse von Staaten geführt, sondern sie werden auch zum Vorteil von börsennotierten Unternehmungen organisiert. Das sind die alten Sensationen aus Afrika, die, ob es gefällt oder nicht, aus der Realität des Kontinents nicht wegzudenken sind. Längst gefährden die ökonomischen Interessen der USA, Europas und Chinas den Frieden und den bescheidenen Fortschritt des ganzen Kontinents.

Der Kampf in Mali mag nun der Einfachheit halber ebenfalls in die Kategorie der Rohstoffkriege abgelegt werden, wäre da nicht das Phänomen, das eine souveräne Position hin und wieder auszeichnet: das Erkennen von Ausnahmen.

Die Horden – so genannter – „Islamisten“ in der Region sind tatsächlich nicht nur ein lokales Ärgernis, das eventuell die französische Energieversorgung gefährden könnte, sondern sie stellen auch aus anderen Gründen eine schwerwiegende Gefahr dar. Die Frage ist nur: eine Gefahr für was oder wen?

Markus Kaim von der Berliner Stiftung und Wissenschaft hält in einer Analyse des westlichen  „Konfliktmanagements“ (was für ein Begriff!) den Ball zunächst eher flach: eine Bedrohung Europas und Deutschlands durch Terroristen aus Mali sei eher unwahrscheinlich. Das mögliche Engagement der Bundeswehr, so der anerkannte Berliner Think Tank, sei in dem Konflikt militärisch kaum von großer Bedeutung. Aber, so die Analyse weiter, Europa müsse auf Dauer mehr Engagement im weiteren Mittelmeerraum zeigen, da sich die USA nicht weiter in militärische Auseinandersetzungen am Boden beteiligen wolle. Der deutsche Verteidigungsminister de Maiziere bereitet schon länger die deutsche Öffentlichkeit auf neue Auslandseinsätze vor. Der Minister ist der Überzeugung, dass es für Deutschland schwieriger werden wird, sich aus dieser Art Konflikte, zumal in der Nähe der Außengrenzen der Europäischen Union, auf Dauer herauszuhalten.

Aber, die Eroberung, oder wohl eher nur die Destabilisierung einer Region in Afrika durch eine radikale Extremistengruppe ist natürlich auch für Berlin ein Problem, ein Ärgernis eben, dass aber nicht nur die Sicherheitsinteressen Europas, sondern durchaus auch die Interessen der Muslime in aller Welt betrifft. Wieder einmal könnte die absolute Mehrheit der Muslime, hilflos dem Treiben einer Kleingruppe, die im Namen des Islam handelt, ausgesetzt sein. Der traditionelle Islam befindet sich schon in großen Teilen Afrikas in Bedrängnis. In Mali schaffen zudem zahlreiche sektiererische Gruppen eine schwer überschaubare Lage. Sie sind auch in Drogenhandel und Menschenhandel verstrickt und könnten das Land auf Dauer unregierbar machen. Auf qantara.de spricht der Führer von Ansar Dine (nicht zu verwechseln mit einer ähnlich benannten Terrorgruppe), Ousmane Haidara, einer sufischen Gruppierung mit immerhin 2 Millionen Mitgliedern in Mali, Klartext: „In Mali geht es nicht um die Scharia, sondern um Banditentum“.

Neben der realen Möglichkeit der Entstehung eines Rückzugsgebietes für Terroristen, bringt die (angebliche) Anwendung des islamischen Rechts, durch ungebildete Horden in der Region, vor den Augen der Weltöffentlichkeit, wunderbare Assoziationsmöglichkeiten für all diejenigen, denen es in Wirklichkeit darum geht, den Islam zu schädigen. Begriffe und Schlagworte wie „Scharia“ oder „islamischer Terrorismus“ stehen bei bestimmten Medien wieder hoch im Kurs. Natürlich sind einige tausend Rebellen und ihre dubiosen Gruppierungen mitsamt ihrer zynischen Glaubensausübung im Weltmaßstab von über einer Milliarde Muslime völlig isoliert.

Die ignoranten Zerstörungen in Timbuktu, einem Welterbe islamischer Kultur, sprachen bereits Bände über den verwirrten ideologischen Kern der Bewegung. Die Rebellen sollen unter Anderem die Bibliothek der berühmten Stadt beschädigt und zahlreiche Bücher, statt sie zu studieren, verbrannt haben. Die Generalsekretärin der UNESCO hatte sich bereits letzten Jahres zu Recht über diese Taten öffentlich empört.

Für muslimische Beobachter ist aber völlig klar: Wer die isoliert agierenden Rebellen und Gruppen in den Rang einer „offiziellen“ muslimischen Bewegung befördern will, dem geht es in Wirklichkeit um eine Kampagne gegen den Islam.  Durchsichtig sind zum Beispiel die Versuche der rechtsextremen Front National in Frankreich, zu behaupten, die Rebellen würden von den Golfemiraten finanziell unterstützt. Hier bastelt die europäische Rechte am Mythos reicher Araber, die den Untergang französischer Soldaten befördern wollen. Für die französischen Rassisten passt das perfekt in ihre Agitation gegen die in Frankreich lebenden Afrikaner aus der Sahelzone.

Wer ein wenig nachdenkt und über ein bisschen Geschichtsverständnis verfügt, wird diese Kampagnen schnell durchschauen. Über Jahrhunderte waren islamische Gelehrte in Afrika nicht nur durch eine umfassende Bildung, sondern auch durch Nachsicht, Vorsicht und Rücksicht gekennzeichnet. In Afrika stammte kein  unerheblicher Teil ihres Wissens aus der berühmten Bibliothek in Timbuktu. Sie verkörperten – charakterlich ausgezeichnet – als ehrwürdige Persönlichkeiten das Recht. Die radikale Umsetzung einer lebensfernen, ideologischen Systematik war ihnen so fern, wie die tägliche Reflexion über das tiefere Wesen der Gerechtigkeit ihnen nah war. Besonders widerlich sind insofern die Fälle der Anwendung von „Hudud-Strafen“ durch Schnellgerichte der Rebellen in dem Land.  Die verzweifelten Armen Afrikas sind in dieser Zeit weder das Problem, noch können sie – ohne in den Zynismus zu verfallen – ernsthaft Gegenstand von irgendeiner strafrechtlichen Maßnahme sein.

Was tun also in Mali? Natürlich könnte man die ganze Region einfach ihrem Schicksal überlassen, nur, wäre dies die Lösung? Wer kann, außer den Franzosen, dem schauerlichen Treiben dieser Gruppen Einhalt gebieten? Soll man sie einfach gewähren lassen, mit welchen Folgen? Man muss – auch als Muslim – also vorsichtig sein mit einer vorschnellen Verurteilung der Franzosen; wenn auch mit einem wachsamen Auge, das beurteilt, ob die Militärführung im Umgang mit der muslimischen Zivilbevölkerung die nötige Vernunft walten lässt. Durch die Einbeziehung der Tuareg in Friedensgespräche könnte Frankreich zudem klarstellen, dass es der Militärführung nicht nur um die Sicherung von Rohstoffen und die Etablierung einer „Marionettenregierung“ geht. Es ist sicher auch kein Nachteil, wenn verantwortliche Kommandeure der Bundeswehr die Lage beobachten und insbesondere ein Auge auf die brutalen, offiziellen malischen Regierungstruppen werfen. Ein Überlassen der Angelegenheit an die afrikanischen Truppen der Nachbarländer wäre – wie die neuerlichen Übergriffe der offiziellen Truppen Malis wieder einmal zeigen – wahrscheinlich zum größeren Nachteil der Zivilbevölkerung und nur eine weitere Einladung zur Barbarei.

Kommentar: Tausende Frauen beklagten sich auf Twitter und anderswo über die alltäglichen Grenzüberschreitungen

(iz). Närrische Tage in Deutschland. Der ­rüs­tige FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle wird von einer Stern Reporterin des Sexismus bezichtigt. Der Politiker hatte zu später Stunde in einem Lokal keine Fragen zur Finanzpolitik beantwortet, sondern soll die gute Dame an der Bar mit unzüglichen Bemerkungen bedrängt haben. Der Stern, sonst nicht gerade sparsam mit schlüpfrigen Titeln, brachte die „heiße“ Story online. Ein Jahr später wurde der Vorfall ­öffentlich und löste eine Debatte aus. Das Thema: Sexismus in der deutschen Öffentlichkeit.

Tausende Frauen beklagten sich auf Twitter und anderswo über die alltäglichen Grenzüberschreitungen, denen sie immer wieder ausgesetzt werden. Und, hört, hört, auf der Süddeutschen fragte eine couragierte Journalistin, ob das Tragen von „High Heels“ nicht auch für Unterdrückung und das Tragen des Kopftuchs auch für Freiheit stehen kann! Es kann.

Um die Debatte nüchterner als Brüderle einzuordnen, muss man sich zunächst an Foucault erinnern, der „biopolitisch“ feststellte, dass dem modernen Menschen heute oft genug nur noch der Körper bleibt. Diesen Körper zu präsentieren oder zu verhüllen ist, im individualisier­ten Alltag, oft eine Art letzter Bastion persönlicher Freiheit und Macht. Unter uns gesagt: Im Grunde herrscht jenseits der Tücher und nackter Oberschenkel aber oft tiefe Einsamkeit.

„Die Sexualisierung der Gesellschaft ist von der Ökonomisierung der Gesellschaft nicht zu trennen“, lehrte der gute alte Foucault über alle Konfessionen hinaus. Davon haben auch gut verhüllte muslimische Frauen, die mit „ihrem Kalifen“ in einer Drei-Zimmer-Wohung leben, ein Liedchen zu singen. Oft genug ist das Kopftuch – im tristen Alltag – ein Symbol, das Letzte was bleibt, denn muslimische Solidarität und echte Gemeinschaft ist heute leider auf dem Rückzug. Der Raum ist nicht islamisch geprägt, aber immerhin noch das, was im Raum bleibt: unsere Körper.

Das Kopftuch, ein Stückchen Tuch, braucht aber seinen Kontext um Sinn zu entfalten! In der Disco getragen, macht es das Etablissement nicht heilig und wer die Zakat nicht bezahlt, wird auch mit Kopftuch nicht „die gute Muslima“. Und, wer sich gar völlig in schwarz versteckt, lehrt der Männergesellschaft noch keinen Benimm. Darum geht es aber. Ehrlich gesagt, freundliches und respektvolles Verhalten gegenüber allen Frauen, davon kön­nen wir muslimischen Männer nie genug zeigen.

Das von jungen Muslimen getragene Projekt HIMA arbeitet für ein besseres Umwelthandeln

(iz). Islam und Umwelt – geht das zusammen? Und wenn ja, wie? Obwohl das Verhältnis von Islam zur Ökologie immer häufiger in den letzten Jahren auf Fachkonferenzen und -seminaren thematisiert, wird es bisher noch nicht so heiß diskutiert wie andere Fragen. In den letzten Jahren haben sich dazu verschiedene Initiativen gebildet. Das von jungen Muslimen getragene Projekt HIMA – Umwelt und Naturschutz aus islamischer Perspektive gehört dazu. Wir interviewten Yasemin Aydemir,die in die Arbeit der Initiative einführt.

Islamische Zeitung: Liebe Yasemin Aydemir, Du engagierst Dich bei HIMA – Umwelt und Naturschutz aus islamischer Perspektive. Was macht ihr bei HIMA?

Yasemin Aydemir: HIMA ist eine muslimische Initiative, die inspiriert und motiviert von islamisch-ethischen Handlungsprinzipien zu Umwelt- und Naturschutzthemen sensibilisiert. So geben wir in erster Linie Muslimen Impulse zu einem besseren Umwelthandeln. Auch für Nichtmuslime bietet diese islamische Umweltethik eine innovative Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Umwelthemen.

Zu Beginn unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass die bisherigen Umweltorganisationen Muslime meist aus sozio-kulturellen Gründen nicht erreichen konnten. Mit HIMA möchten wir Muslimen diesen Partizipationsraum im Umweltbereich bieten und somit auch einen interreligiösen und interkulturellen Dialog im Umweltschutz fördern. Schließlich ist die Natur unser größter gemeinsamer Nenner. 
Islamische Zeitung: Islam und Umweltschutz – die sind Begriffe, die selten in einem Atemzug genannt werden. Wodurch zeichnet sich im Islam das Verhältnis des Menschen zur Umwelt, aber auch zu seinem Schöpfer aus?

Yasemin Aydemir: Gott hat durch Seine Gesandten und Seine Schrift den Menschen angewiesen, für den Schutz der Erde einzustehen. Diese Anweisung ist sowohl spirituell als auch naturwissenschaftlich zu verstehen. Durch die Wissenschaft gelangen wir zu mehr Wissen über die Schöpfung und wie man am besten Sorge dafür tragen kann. Im Islam jedoch sagt Gott uns auch deutlich, dass wir Menschen einen Einfluss auf das, was Er geschaffen hat, haben und uns dabei gleichzeitig Wege zeigt, wie wir diesen Einfluss zum Positiven nutzen können. Der Islam umfasst eine Vielfalt an Prinzipien, die uns helfen die Einheit in Gott und seiner Schöpfung zu erkennen. Den Kern dieser islamisch-ethischen Prinzipien bilden diese Begriffe:

„Tawhid“ – die gesamte Schöpfung ist im Zusammenhang mit seinem Schöpfer zu betrachten. Alles kommt von Allah und kehrt zu Ihm zurück.

„Ayat“ – alles in der Natur ist ein Zeichen unseres Schöpfers. Nicht umsonst wird im Koran der Vers: „Darin liegen Zeichen für Leute, die nachdenken.“ so häufig wiederholt.

„Khalifa“ – Menschen wurden aus Erde erschaffen und sind Statthalter bzw. Sachwalter Gottes auf Erden. Im Koran heißt es auch, dass der Mensch in bester Form erschaffen wurde und so sollten wir dieser Verantwortung über die Schöpfung und unserem Schöpfer gegenüber versuchen gerecht zu werden, in dem wir für Umwelt, Tier und Mensch gerecht einstehen.

„Amana“ – die Erde ist ein uns Menschen anvertrautes Gut. Sie zu schützen und zu wahren liegt in unserer Verantwortung.

„Adl“ – wenn wir die Erde als eine „Moschee“ (wörtlich Ort der Niederwerfung) ansehen, bedeutet das, dass wir die Natur in einer fairen und gerechten Weise behandeln sollten. Teilweise ist es unser Wirtschaftssystem, das zu einem ungerechten Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen führt. In diesem System wird die Natur nur als eine Möglichkeit zur Rohstoffgewinnung angesehen. Wir sind aber dazu angehalten sicherzustellen, dass jeder den gleichen Zugang zu unseren begrenzten Ressourcen hat.

„Mizan“ – Alles in der Schöpfung ist so geschaffen, dass es in einem perfekten Gleichgewicht existiert. Angefangen von der Gravitation bis hin zu einem ausgeglichenen Tagesablauf von Schlaf, Arbeit, Gebetszeiten etc. 
Islamische Zeitung: Sehen Muslime „Umwelt“ wie der Rest der Welt, oder gibt es hier eigene Ansätze?

Yasemin Aydemir: Als Muslim betrachtet man die Umwelt als eine Schöpfung Allahs, das bringt schon eine Verantwortung ihr gegenüber mit sich. Muslime glauben schließlich auch, dass sie über ihr Handeln auf der Erde zur Rechenschaft gezogen werden.

Viele praktische Lösungen bietet das Leben des Propheten Muhammad, Friede sei auf Ihn, der zum Beispiel von der Verschwendung von Ressourcen auch dann abgemahnt hat, wenn sie auch unerschöpflich erschienen. In einigen seiner Aussagen gibt er den Menschen gute Tipps für eine gesunde und nachhaltige Ernährung, indem er zu regionalem Essen rät und uns empfiehlt, den Magen zu einem Drittel immer frei zu lassen. Diese Empfehlungen könnten uns als heutige Konsumgesellschaft nur zu Gute kommen.

Islamische Zeitung: Das Islamic Foundation For Ecology and Environmental Studies sieht ein ungerechtes Finanzsystem als Ursache für die globalen Umweltprobleme. Spielen solche grundlegenden Analysen eine Rolle bei euch?

Yasemin Aydemir: Wir sind auch danach bestrebt, eine ganzheitliche Umweltethik zu erkennen und diese umzusetzen. Klar hängt das Finanzsystem mit einer Schieflage, die wir heute erleben, stark zusammen. Unser Lebensstil, insbesondere unser unreflektierter (Massen)-Konsum bestärkt die globale Ungerechtigkeit. Daran möchte HIMA etwas ändern.

Wir möchten mehr Menschen dazu bewegen bewusster zu leben. Dieses Umdenken wollen wir auch in muslimischen Gemeinden, Moscheen und Institutionen generell verankern. Nur so kann mehr Druck von unten entstehen, damit mehr Firmen gerechter handeln. In den Worten eines Unternehmers: Wenn die Nachfrage steigt, wird der Anbieter gezwungen sein Handeln umzudenken.

Daneben finden wir, dass viele Intiativen wie „Wir haben es satt“ oder Demonstrationen und Petitionen gegen Nahrungsspekulationen sehr sinnvolle Mittel sein können, um Druck für einen Wandel in der Politik auszuüben.

Islamische Zeitung: Richtet ihr euch bei HIMA an eine bestimmte Altersgruppe? Wenn ja, wieso?

Yasemin Aydemir: Bei HIMA richten wir uns ausschließlich an „Junge“ Menschen. Denn „Jung“ geblieben ist meiner Ansicht nach jeder, der aktiv im Leben steht, neugierig ist und zu lernen bereit ist. Mein Vater wird dieses Jahr inscha'Allah 71 und ist meist sogar „ jünger“ als ich. Sprich, wir sind offen für Alle.

Islamische Zeitung: Es gibt mittlerweile einige, wenige bekannte Initiativen weltweit, die im Bereich des Umweltschutzes praktisch arbeiten. Beinhaltet eure Arbeit auch praktische beziehungsweise angewandte Elemente?

Yasemin Aydemir: Leider noch nicht, bisher haben wir unseren Fokus hauptsächlich auf die thematische Auseinandersetzung mit der islamischen Umweltethik und das Organisieren von Informationsveranstaltungen gelegt. Aber für die Zukunft ist es eines der Ziele HIMAs, auch praktische Arbeit zu leisten.

Islamische Zeitung: Wer kann wie bei HIMA mitmachen und wie können Interessierte direkten Kontakt zu euch aufnehmen?

Yasemin Aydemir: Jeder, der dazu bereit ist, für eine gerechtere Welt und ein ökologisch nachhaltiges Umweltbewusstsein in der Gesellschaft einzustehen ist herzlich dazu eingeladen, aktiv bei HIMA mitzuwirken. Auch wer sich noch zu wenig über diese Themen informiert fühlt und etwas dazu lernen möchte, kann sich bei uns melden und gleich unseren Newsletter über unsere Homepage abonnieren. Wie viele Organisationen arbeiten auch wir bisher ehrenamtlich und um unsere Arbeit weiterführen zu können und damit wir weiterhin produktiv bleiben können sind wir natürlich auf Mitglieder und Spenden angewiesen. Nähere Informationen findet ihr unter: www.hima-umweltschutz.de.

Yasemin Aydemir: Liebe Yasemin, vielen Dank für das Gespräch.