, ,

Freiheit und das Böse: Goethe, Schelling und die Kalam-Tradition im Gespräch

Freiheit

Die Auseinandersetzung mit Freiheit, Verantwortung, Gott und Welt ist dabei keine Angelegenheit einzelner Kulturen oder Traditionen, sondern berührt grundlegende menschliche Erfahrungen. 

„Ohne göttliche Begeisterung vermag niemand Gott zu erkennen oder von Gott zu reden.“ (Schelling)

„Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche  erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.“ (Goethe)

(iz). Für Muslime in Europa eröffnet die deutsche Geistesgeschichte einen reichen Denkraum, der dazu einlädt, eigene Fragen neu zu stellen und vertieft zu durchdenken. Die Auseinandersetzung mit Freiheit, Verantwortung, Gott und Welt ist dabei keine Angelegenheit einzelner Kulturen oder Traditionen, sondern berührt grundlegende menschliche Erfahrungen.

Gerade deshalb liegt in der Begegnung mit Denkern wie Friedrich Schelling und Johann Wolfgang von Goethe eine besondere Chance. Ihre Gedanken sind nicht nur als kulturelles Erbe zu betrachten, es ist nötig, sie geistig zu durchdringen und in das eigene Nachdenken einzubeziehen.

Schelling ist für Muslime nicht deshalb interessant, weil er zufällig Parallelen zum Islam aufweist, sondern weil er in der Sache das betreibt, was die klassische islamische Geistesgeschichte als Kalam kennt: eine rationale, verantwortungsbewusste Durchdringung von Freiheit, göttlichem Handeln und menschlicher Schuld.

Seine Freiheitsphilosophie versucht, das Verhältnis von göttlicher Schöpfung und menschlichem Willen so zu denken, dass weder Gott zum Urheber des Bösen wird noch der Mensch seiner Verantwortung entkommt. Wer die Diskussionen der Mutakallimun kennt, erkennt hier keine Fremdheit, sondern eine strukturelle Verwandtschaft in einer anderen Sprache.

Foto: Freepik.com

Freiheit: eine geistige Wahlverwandtschaft

Goethe wiederum ist für Muslime von anderer, aber nicht geringerer Bedeutung. Er betreibt keine Theologie und kein System, doch seine Denk- und Lebenshaltung erinnert in vielem an das, was im Islam Tasawwuf genannt wird: eine Form geistiger Disziplin, die Einheit nicht behauptet, sondern erfährt und Wahrheit nicht fixiert, sondern lebt.

Goethes Beharren darauf, dass Idee und Wirklichkeit sich nur im Anschauen und in der Tat wirklich berühren dürfen, entspricht einer spirituellen Ethik der Zurückhaltung, die auch den großen Sufis vertraut ist. Erkenntnis ist hier kein Besitz, sondern ein Zustand, keine Erklärung, sondern eine Haltung.

Schelling und Goethe markieren damit zwei komplementäre Wege, die für Muslime heute von besonderer Bedeutung sind: Der eine denkt Freiheit und Verantwortung begrifflich bis in die Tiefe durch, der andere bewahrt die Einheit des Wirklichen vor vorschneller Festlegung. Zwischen Kalam und Tasawwuf, zwischen begrifflicher Klärung und gelebter Innerlichkeit, eröffnet ihr Denken einen Raum, in dem muslimisches Selbstverständnis in Europa nicht defensiv, sondern dialogisch und souverän Gestalt gewinnen kann.

Wenn Denken Verantwortung berührt

Ausgehend von dieser doppelten Verwandtschaft lässt sich erkennen, dass Goethe und Schelling weniger Gegensätze darstellen als zwei unterschiedliche Weisen, mit derselben Grundfrage umzugehen.

Ihre Nähe im Ausgangspunkt und ihre Verschiedenheit im Umgang mit Freiheit, Verantwortung und Einheit machen sichtbar, wo philosophische Klärung notwendig ist und wo geistige Zurückhaltung geboten bleibt. In dieser Spannung entfaltet sich das Gespräch, in dem sich deutsche Klassik, Idealismus und islamische Geistesgeschichte auf unerwartet fruchtbare Weise berühren.

Die Frage nach dem Bösen ist nie nur eine theoretische. Sie berührt unser Bild vom Menschen, von Gott und von Verantwortung. Wer das Böse erklärt, greift tief in das moralische Selbstverständnis einer Kultur ein. Gerade deshalb lohnt es sich, diese Denktraditionen miteinander ins Gespräch zu bringen, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen.

Im Kern sind Goethe und Schelling von einer gemeinsamen Überzeugung getragen: Die Welt ist nicht sinnlos, Freiheit ist real, und der Mensch ist verantwortlich. Doch sie gehen unterschiedlich damit um, wie weit diese Überzeugung begrifflich und metaphysisch ausgesprochen werden darf.

Goethe Divan

Foto: Alexander Johrmann | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Goethes Grenze, Schellings Tiefe

Goethe steht für eine Haltung der Zurückhaltung. Er ist überzeugt von einer inneren Einheit von Idee und Wirklichkeit, aber er setzt ihr klare Grenzen. Idee und Erscheinung treffen sich für ihn nur im Höchsten und im Gemeinsten: im anschauenden Erleben einer Einheit und in der Tat, also im verantwortlichen Handeln.

Auf den mittleren Stufen – in Theorie, System und metaphysischer Erklärung – trennen sie sich. Dort, wo Begriffe die Erscheinung überholen, sieht Goethe eine Gefahr. Nicht weil er die Idee leugnet, sondern weil er fürchtet, dass Erklärung das ersetzt, was eigentlich gelebt und verantwortet werden muss.

Diese Haltung erklärt auch Goethes Distanz gegenüber Schellings Freiheitsphilosophie. Schelling teilt Goethes Grundintuition einer lebendigen, sinnhaften Wirklichkeit. Auch für ihn ist Freiheit real, und auch für ihn ist das Böse nicht bloß ein Mangel oder ein Irrtum.

Doch Schelling geht einen Schritt weiter als Goethe: Er versucht, die Möglichkeit des Bösen ontologisch zu begründen. Freiheit ist bei ihm so beschaffen, dass sie notwendig die Möglichkeit des Guten und des Bösen enthält. Das Böse wird nicht von Gott gewollt, sondern durch den freien Willen des Menschen verwirklicht, aber seine Möglichkeit ist metaphysisch abgesichert.

Genau hier setzt Goethes Unbehagen ein. Seine Sorge ist nicht, dass Schelling das Böse dem Menschen zuschreibt. Darin stimmen beide überein. Seine Sorge ist, dass das Böse erklärbar wird und dass es einen Grund in Gott erhält. Was erklärt wird, so fürchtet Goethe, verliert etwas von seiner Unbedingtheit.

Schuld droht, vom Handeln ins Sein verschoben zu werden. Goethe will, dass das Böse nackt bleibt: als Tat, Verfehlung und Verantwortung. Es soll nicht bloß als ontologisch verständliche Notwendigkeit angesehen und dadurch banalisiert werden.

Wissen Aischa

Foto: Archiv

Kalam als verantwortete Tiefe

An diesem Punkt tritt die islamische Kalam-Tradition in das Gespräch und verschiebt die Perspektive. Die klassischen Kalam-Gelehrten vertreten eine Position, die bemerkenswert nahe an Schelling liegt und zugleich Goethes Sorge ernst nimmt.

Sie sagen: Gott ist der Schöpfer aller Handlungen, auch jener, die wir böse nennen. Doch der Mensch ist der Wollende, der Erwerber seiner Tat. Gott erschafft eine Handlung nicht unabhängig vom Menschen, sondern entsprechend der Willensrichtung, die der Mensch frei wählt. Das Böse geht vom Menschen aus, auch wenn es als Wirklichkeit von Gott geschaffen wird.

Damit wird eine klare Unterscheidung eingeführt: zwischen ontologischer Ermöglichung und moralischer Zuschreibung. Gott bleibt gerecht und gut, weil Er das Böse nicht um seiner selbst willen will. Der Mensch bleibt voll verantwortlich, weil er es frei intendiert.

Die metaphysische Tiefe dient hier nicht der Entlastung des Gewissens, sondern der Absicherung der Freiheit. Schuld wird nicht erklärt, um sie zu entschuldigen, sondern um sie überhaupt erst sinnvoll zuschreiben zu können.

In diesem Licht erscheint Goethes Sorge verständlich, aber nicht alternativlos. Die Kalam-Tradition zeigt, dass eine metaphysische Begründung der Möglichkeit des Bösen nicht notwendig zur Relativierung von Verantwortung führen muss. Sie zeigt, dass man Freiheit ontologisch ernst nehmen kann, ohne sie ethisch zu unterlaufen. Schelling bewegt sich in einer ähnlichen Richtung, wenn auch mit anderen Begriffen und in einem anderen geistigen Horizont.

Vielleicht lässt sich der Unterschied so fassen: Goethe schützt die Verantwortung, indem er die Grenze des Sagbaren bewacht. Schelling und die Kalam-Theologen schützen sie, indem sie die Tiefe des Seins durchdenken. Beide Wege entspringen derselben Ernsthaftigkeit gegenüber Freiheit und Schuld.

Für eine islamische Gegenwart, die sich weder mit einem platten Determinismus noch mit einer oberflächlichen Moral zufriedengeben will, kann dieses Gespräch fruchtbar sein.

Es erinnert daran, dass Glauben und Denken nicht darin bestehen, das Böse zu erklären oder zu verdrängen, sondern darin, die Freiheit des Menschen so ernst zu nehmen, dass Verantwortung möglich bleibt – vor Gott, sich selbst, den Menschen und der Natur.

Auftakt und Einladung 

Die Gedanken in diesem Essay verstehen sich nicht als Abschluss, sondern als Auftakt. Er möchte erste Verbindungslinien sichtbar machen und dazu ermutigen, die hier angedeuteten Zusammenhänge zwischen Goethe, Schelling und der islamischen Tradition weiterzudenken. Die Fragen nach Freiheit, Verantwortung und dem Bösen verlangen nach genauer Lektüre, begrifflicher Schärfe und historischer Tiefe.

Gerade darin liegt eine Aufgabe für Studierende und Forschende an den Universitäten. Die Fragen nach Freiheit, Verantwortung und dem Bösen gehören nicht ins Archiv, sondern ins Zentrum gegenwärtigen Denkens. Sie verlangen nach genauer Lektüre, nach vergleichender Arbeit und nach dem Mut, tradierte Grenzen zwischen sogenannten „europäischen“ und „islamischen“ Denkformen neu zu vermessen.

Wer sich auf diesen Weg begibt, wird nicht nur philosophische Parallelen entdecken, sondern auch lernen, die Eigenlogik der jeweiligen Traditionen ernst zu nehmen.

Das hier eröffnete Gespräch lädt dazu ein, weitergeführt zu werden: in Seminaren, in Abschlussarbeiten, in interdisziplinären Forschungsprojekten. Es bietet die Chance, eine gemeinsame Sprache für Fragen zu entwickeln, die uns alle betreffen, ohne die Unterschiede einzuebnen, die Denken erst fruchtbar machen.

Wir alle sind Teil von etwas Größerem. Wir alle leben, weil Er der Lebendige ist. Alles Lebendige geht von Ihm als Ur-Lebendigen aus. Etwas beitragen zum Leben können wir alle.

, , ,

Was ist Kalam? Eine Einführung

kalam

Thema Kalam: Nachdem die muslimische Welt nach vorübergehender Ignoranz wieder für die sunnitischen Rechtsschulen zugänglich wurde, müssen wir über die nächste unausgesprochene Leerstelle sprechen: die Glaubenslehre. (Traversing Tradition). Sie ist […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

Der Frankfurter Professor Bekim Agai über den Kongress „Horizonte der Islamischen Theologie“

(iz). Das Studienfach Islamische Theologie, das derzeit an fünf universitären Standorten in Deutschland aufgebaut und gleichzeitig gelehrt wird, gehört zu den Topthemen sowohl der innermuslimischen Debatte wie auch der Kooperation zwischen muslimischen Verbänden, Institutionen und Vertretern des Staates. Auf gerade zu Ende gegangenen Kongress „Horizonte der Islamischen Theologie“ trafen sich muslimische Akademiker mit ausländischen Kollegen zu einer mehrtägigen Fachtagung.

Über sie, aber auch über den allgemeinen Stand des Projektes, sprachen wir mit Prof. Bekim Agai. Agai ist Geschäftsführender Direktor des Frankfurter Instituts der Kultur und Religion des Islam.

Islamische Zeitung: In Ihrer Pressemitteilung wurde ein Statement zum Thema Islamischer Zeit angekündigt. Wie sieht dieses aus?

Prof. Bekim Agai: Zum einen lehnen wir als Vertreter der Standorte für islamisch-theologische Studien die Pervertierung von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Machtpolitik ab. Als Vertreter der Theologie sehen wir uns in der intellektuellen Pflicht, uns solchen Deutungen unter den Bezug auf den Islam entgegenzustellen und in Deutschland zu zeigen, was der Islam dieser Gesellschaft zu bieten hat.

Wo, wenn nicht in Frieden und unter dem Primat von Freiheit ließe sich das Potential des Islams in der Debatte um produktive Beiträge auf die Herausforderungen des globalen Zusammenlebens besser denken? Ein Kernsatz der Stellungnahme lautet „Die Deutungshoheit über den Islam darf nicht Extremisten und Gewalttätern überlassen werden und muss in Deutschland aus der Mitte der Gesellschaft heraus – unter anderem an den Universitäten – erfolgen.“

Dieser Stellungnahme (auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch) haben sich national und international schon zahlreiche Menschen angeschlossen. Wir hoffen, auf diesem Wege noch mehr Menschen darauf aufmerksam machen zu können.

Islamische Zeitung: In der ersten Septemberwoche haben zum internationalen Kongress „Horizonte der Islamischen Theologie“ in Frankfurt eingeladen. Richtet sich das Meeting ausschließlich an das Fachpublikum oder steht es offen für alle Interessierte?

Prof. Bekim Agai: Der Fachkongress richtet sich natürlich in erster Linie an ein Publikum, das am Fach interessiert ist. Doch dieses gibt es auch außerhalb der Universität. Wie Sie wissen, gibt es im Islam kein Wissensmonopol einer Gruppe. Wir freuen uns besonders, wenn vor allem bei den Themen mit Bezug zur praktischen Arbeit, wie der Religionspädagogik und der Praktischen Theologie, auch die wissenschaftliche Beschäftigung von den Erfahrungen und Fragen der Menschen in Schule, am Krankenbett oder im Strafvollzug bereichert werden kann.

Islamische Zeitung: Welche Intention wird mit dem Kongress verfolgt – theoretische Debatten im „Elfenbeinturm“ oder Antwort auf konkrete Problemlagen und Herausforderungen?

Prof. Bekim Agai: Wissenschaft hat immer den Ruf des Elfenbeinturms und braucht auch den Raum der Reflexion, ohne auf jeden Zuruf der Politik und Gesellschaft reagieren zu müssen. Gleichzeitig leben wir im Jetzt, wir agieren in Deutschland, und unsere Studierenden wollen Qualifikationen erwerben, die ihnen hier nutzen. Insofern beschäftigt sich der Kongress auch mit praktischen Problemlagen. Gleichzeitig ist die Grenze fließend.

So sind Fragen der Geschichtsschreibung und dem Umgang mit Konflikten, zum Beispiel in der Frühgeschichte, zum einen ein wissenschaftliches Thema, zum anderen berühren die Fragen, wie wir damit umgehen und welche Lehren wir daraus ziehen, uns heute direkt.

Islamische Zeitung: Nach welchen Kriterien wurden die Teilnehmer geladen und die Themen bestimmt?

Prof. Bekim Agai: Im Fachkongress gilt es natürlich, das Fach auf einem universitären Niveau zu präsentieren. Insofern wurden die klassischen Fächer wie Tafsir, Hadith, Fiqh, Kalam, Ahlaq, Mystik etc. abgebildet und VertreterInnen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesen aus verschiedenen Ländern eingeladen.

Zum anderen gibt es Bereiche, die in Deutschland besondere Relevanz haben, wie das Arabische als Islamsprache, Geschichte des Islams und die Kontexte des Islams in Europa, ebenso wie das praktische Feld. Hier wurden entsprechende Experten eingeladen, die teilweise auch aus der Praxis kommen oder Aktivisten sind.

Islamische Zeitung: Zumindest im deutschen Kontext hielten sich die „TheologInnen“ bisher mit kontroversen öffentlichen Debatten untereinander zurück. Erwarten Sie kontroverse Diskussionen in Frankfurt?

Prof. Bekim Agai: Ich glaube, dass wir in Deutschland noch lernen müssen, kontroverse Diskussionen über Inhalte so zu führen, dass sie inhaltlich und nicht persönlich sind. Dies ist von einem Fachkongress zu erwarten, wo z.B. im Bereich der Ethik die Ansätze von Muslimen von einem Universalismus, der sich aus dem Islam speist, bis zu einem spezifischen islamischen Weg, der sich nicht verallgemeinern lassen möchte, reichen.

Auch Themen der politischen Theologie oder zum islamischen Feminismus versprechen hier hoffentlich wissenschaftliche Kontroversen. Arabische und türkische Teilnehmende und auch VertreterInnen der klassischen Islamwissenschaft bemerkten schon im Vorfeld, dass es uns gelingt, Menschen auf einem Podium zu versammeln, die man sonst nicht gemeinsam sehen kann. Am Tag der Eröffnung saßen auf dem Podium mit Timothy Winter, Farid Esack, Abdolkarim Soroush und Mehmet Aydin ganz unterschiedliche Vertreter des zeitgenössischen islamischen Denkens, die miteinander ins Gespräch gekommen sind.

Islamische Zeitung: Meinen Sie, dass die Inhalte und Methodenlehren der Islamischen Theologie (IT) bisher ausreichend genug der muslimischen Community in Deutschland kommuniziert wurden? Reflektiert die IT ausreichend genug über ihre eigenen Beschränkungen und Herausforderungen wie die Einflussnahme Dritter?

Prof. Bekim Agai: Hier kann ich nur für Frankfurt sprechen und da muss ich bescheiden sein. Natürlich hat das Fach im Aufbau noch eine zu geringe Reichweite in die Community, aber das braucht Zeit. Unsere Tür steht allen offen, wir stehen im Austausch mit allen Gruppen, aber bis das in den örtlichen Gemeinden ankommt, das dauert. Hier sind die zukünftigen AbsolventInnen unsere wichtigsten Botschafterinnen und Botschafter.

Für die eigenen Beschränkungen, Herausforderungen und Einflussnahmen Dritter haben wir in Frankfurt ein starkes Bewusstsein, was sich u.a. in mehreren Panels zur Frage von Islam in Prozessen der Institutionalisierung und Macht ausdrückt. Nicht zuletzt mein eigener Lehrstuhl ist stark hiermit inhaltlich beschäftigt, da diese Frage Muslime in der Geschichte beschäftigt hat und in der Gegenwart immer noch beschäftigt.

Islamische Zeitung: Zur Begründung der Wissenschaft wurden im öffentlichen Diskurs überwiegend utilitaristische Begründungen, die sich aus gesamtgesellschaftlichen Diskursen ableiten, angegeben. Braucht eine Wissenschaft nicht einen tieferen Grund und eine größere Relevanz bei praktischen Herausforderungen?

Prof. Bekim Agai: Die islamische Wissenschaftstradition ist so groß und für einen intellektuell tiefen Islam so wichtig, dass sie tatsächlich auch um ihrer selbst willen betrieben werden muss. Gegen rein utilitaristische Bestrebungen haben wir uns jüngst auch in der ersten Ausgabe der „Frankfurter Zeitschrift für islamisch-theologische Studien“ positioniert. Der Islam gehört an deutsche Universitäten, weil er diese durch seinen Wissensschatz bereichern kann, und nicht nur, weil wir Imame und Gefängnisseelsorger brauchen.

Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass ihre Tradition reflektierende Muslime auch eigene Antworten auf Herausforderungen in dieser Gesellschaft finden und sich hierbei der reichen Tradition bedienen können. Nur so können im nächsten Schritt praktische Herausforderungen durch genuin islamisch reflektierte Antworten gemeistert werden. Die praktischen Erwartungen allem voran zu stellen hieße, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.

Islamische Zeitung: Lieber Prof. Agai, wir danken Ihnen für das Gespräch.

,

Nach Xaver: Die Naturgewalten sind offenkundige Zeichen der Macht Allahs

(iz). Ein Wintersturm zog im Dezem­ber über Deutschland hinweg. Stürme sind ein religiöses Ereignis. Solch eine Naturerscheinung ist – egal wie groß – ein Hinweis auf etwas größeres. Es ist […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

„Die Debatte“: Kritische Betrachtung von Grundthesen und Methodik der „Theologie der Barmherzigkeit“

„Die Debatte“: Kritische Betrachtung von Grundthesen und Methodik der „Theologie der Barmherzigkeit“. Von Halil Siracoglu Der Vorwurf fällt auf sich zurück (iz). Das Projekt „Islamische Theologie in Deutschland“ steht seit […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

„Die Tinte ist getrocknet“

„Bei dem deutlichen Buch! Wir haben es wahrlich in einer gesegneten Nacht herabgesandt – Wir haben ja (die Menschen) immer wieder gewarnt –, in der jede ­weise Angelegenheit einzeln entschieden […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.