Auch bei Angriffen auf den Libanon wird Kulturerbe wird oft als bedauerliches Opfer des Krieges betrachtet. (The Conversation). In Wirklichkeit ist die Zerstörung bedeutender historischer Stätten jedoch häufig ein bewusster […]
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Auch bei Angriffen auf den Libanon wird Kulturerbe wird oft als bedauerliches Opfer des Krieges betrachtet. (The Conversation). In Wirklichkeit ist die Zerstörung bedeutender historischer Stätten jedoch häufig ein bewusster […]
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(IRD). Familien suchen Zuflucht in Schulen, um den tödlichen Bombardierungen und Zwangsevakuierungen zu entkommen. Angesichts der Eskalation im gesamten Nahen Osten wird befürchtet, dass bis zu einer Million Menschen im Libanon vertrieben werden könnten.
Das würde zu einer schweren humanitären Krise führen, lautete die Warnung von Islamic Relief Deutschland. Die Luftangriffe seien schlimmer als 2024, berichtete Landesdirektor Akram Sadeq am 3. März vor Ort.
Die Lage im Libanon hat sich seitdem dramatisch zugespitzt. Zeitgleich wurden bei Attacken auf Beirut (einschließlich der südlichen Vororte), das Bekaa-Tal, Tyros, Nabatieh und zahlreiche Dörfer im Süden mindestens mehrere Dutzend Menschen getötet und 149 weitere verletzt.
Hunderttausende Zivilisten haben seitdem keinen sicheren Ort, an den sie sich begeben können, da das israelische Militär die Bevölkerung aufgefordert hat, große Teile des Südlibanon zu verlassen. Tausende Familien sind dadurch gezwungen, nach Norden in Richtung Beirut zu fliehen, wo schwere Luftangriffe Menschen töten oder verletzen.
Die Straßen sind überfüllt mit Flüchtenden, die alles, was sie können, in Autos und Lastwagen gepackt haben. Einige Familien berichteten den Helfern von Islamic Relief, dass sie für eine Strecke von nur 48 Kilometer sechs oder sieben Stunden gebraucht hätten. Die Regierung hat Hunderte Schulen in Beirut,
im Libanongebirge und anderen Teilen des Nordens als Notunterkünfte für vertriebene Familiengruppen ausgewiesen. Teams von Islamic Relief vor Ort kündigten an, Hilfe in Form von Lebensmitteln, Wasser, Decken, Matratzen und Hygieneartikeln zu leisten.
Akram Sadeq, Landesdirektor der Hilfsorganisation im Libanon, erklärte, die Luftangriffe seien schlimmer als während des Krieges von 2024. Dieser hatte im ganzen Land massive Zerstörungen und zivile Opfer verursacht.
„Die Luftangriffe begannen mitten in der Nacht und weckten Familien, die nach einem Tag des Fastens im heiligen Monat Ramadan schliefen. Die heutigen Angriffe sind noch stärker und umfangreicher als die, die wir 2024 erlebt haben.
Es wird erwartet, dass bis zu eine Million Menschen aus ihren Häusern fliehen werden, und der Zustrom von Menschen aus dem Süden des Libanon in den Norden ist massiv. Die Lage ist sehr angespannt. Die Menschen fliehen aus dem Süden wegen der israelischen Luftangriffe und der Evakuierungsbefehle, aber was sie noch mehr fürchten, ist die Möglichkeit einer Bodeninvasion.

Foto: Islamic Relief Deutschland
Die libanesische Regierung verfügt nicht über die Ressourcen, um eine derart massive Vertreibung alleine zu bewältigen. Islamic Relief arbeitet mit der Regierung und anderen Hilfsorganisationen zusammen, um sicherzustellen, dass vertriebene Familien mit Lebensmitteln und Hilfsgütern versorgt werden.“
Wie die Organisation in ihrer Pressemitteilung erklärte, stünden auch Teams im Irak, Jordanien, Syrien und Jemen bereit, um Hilfe zu leisten. Als humanitäre Hilfsorganisation sei man zutiefst besorgt, dass eine weitere Destabilisierung Millionen von Zivilisten in der gesamten Region beeinträchtigen und vertreiben könnte.
Sie forderte alle Parteien auf, eine diplomatische Lösung anzustreben, ihre Verpflichtungen gemäß dem Kriegsvölkerrecht einzuhalten, das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen und sicherzustellen, dass humanitäre Organisationen weiterhin sicher arbeiten können.
Islamic Relief ist als globales Hilfsnetzwerk seit 2006 im Libanon tätig und unterstützt in der aktuellen Krise Menschen in Not. Seine lokale Stelle hatte bisher vertriebenen Familien und lokalen Aufnahmegemeinschaften in Nabatieh, Tyros und Bekaa geholfen, die nun wieder flüchten müssen.
Jerusalem (KNA) Am Mittwochmorgen ist ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Terror-Miliz Hisbollah im Libanon in Kraft getreten. Das israelische Sicherheitskabinett stimmte der von den USA verhandelten Vereinbarung laut Mitteilung aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Dienstagabend mit zehn Stimmen bei einer Gegenstimme zu. Israel behalte sich dabei „das Recht vor, gegen jede Bedrohung seiner Sicherheit vorzugehen“.
Netanjahu dankte US-Präsident Joe Biden „für das Verständnis, dass Israel bei dessen Durchsetzung Handlungsfreiheit behält“. Bei einer Ansprache an das israelische Volk am Dienstagabend begründete er seine Zustimmung zu dem Waffenstillstand damit, dass er Israel eine volle Konzentration auf die Bedrohung aus dem Iran erlaube und der israelischen Armee eine „Verschnaufpause“ gebe. Gleichzeitig isoliere er die Hamas von der Hisbollah und trenne damit die Fronten.
Netanjahu zeigte sich entschlossen, die Kriegsziele der Auslöschung der Hamas im Gazastreifen, der Rückkehr der Geiseln sowie der evakuierten Bewohner nach Nordisrael zu erreichen. „Der Krieg wird nicht enden, bis wir alle seine Ziele erreicht haben“, so der Regierungschef.
Gleichzeitig lobte er die Erfolge der Sicherheitskräfte an den verschiedenen Fronten des „Erlösungskrieges“. Sie riefen „weltweit Ehrfurcht und Bewunderung hervor und strahlen die Macht Israels auf den gesamten Nahen Osten aus“, darunter auf den Iran, dem erheblicher Schaden zugefügt worden sei.
Der israelische Präsident Isaac Herzog begrüßte das Abkommen. Dessen Bewährungsprobe werde in der „vollständigen Umsetzung liegen, um die Sicherheit aller Bewohner des israelischen Nordens zu gewährleisten“, schrieb er am Dienstagabend auf der Plattform X.
Der Minister für nationale Sicherheit, der Rechtsradikale Itamar Ben-Gvir sprach unterdessen von einem „ernsthaften Fehler“. Das Abkommen beraube Israel einer historischen Gelegenheit, die Hisbollah im Libanon in die Knie zu zwingen, schrieb er auf X.
Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Abkommen sieht Berichten zufolge eine 60-tägige Übergangszeit vor, in der die israelische Armee sich aus dem Südlibanon zurückziehen und die libanesische Armee rund 5.000 Soldaten südlich des Litani-Flusses stationieren wird, darunter an rund 30 Posten entlang der Grenze.
Im Libanon begannen die Menschen laut Berichten, in den Süden des Landes zurückzukehren. Der arabischsprachige Armeesprecher Israels, Avichai Adraee, warnte jedoch auf X vor einer verfrühten Rückkehr in evakuierte Gebiete. Die Armee bleibe weiterhin in Bereitschaft und werde die Menschen informieren, wann eine sichere Rückkehr möglich sei.
Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock nannte den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah einen Lichtblick für die gesamte Region. „Auch in Gaza brauchen wir jetzt dringend einen Waffenstillstand, damit die deutschen und alle anderen Geiseln endlich freikommen und Leid und Hunger von hunderttausenden Frauen, Kindern und Männern endlich aufhört“, forderte die Grünen-Politikerin.
Foto Ed Prio/NRC
„Nach einer Nacht voller Gewalt, in der die Bombardierung Beiruts durch die israelische Luftwaffe noch mehr Chaos und Zerstörung brachte, haben wir nun eine längst überfällige Waffenruhe. Für die Familien, die ich kürzlich im Libanon getroffen habe, und für Millionen Menschen im ganzen Land wird dies ein Moment der Erleichterung sein – aber diese Erleichterung muss von Dauer sein. Der Waffenstillstand muss ein Ende der Vertreibung von Menschen aus ihren Häusern und Gemeinden bedeuten und ein Ende der ständigen Angst und Sorge, die die Menschen ertragen mussten, weil sie sich fragten, wann der nächste Angriff kommen würde“, sagte Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), über den Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon.
„Im Libanon sind meine Kollegen vom NRC, von denen viele selbst vertrieben wurden und Angehörige verloren haben, motiviert, hinauszugehen und den Menschen dabei zu helfen, wieder ein Gefühl der Vertrautheit in ihrem täglichen Leben herzustellen. Wir werden im ganzen Land arbeiten, um die Vertriebenen vor einem harten Winter mit dem Nötigsten zu versorgen.“
Jene Staaten, die diesen tödlichen Konflikt angeheizt haben, müssten jetzt aktiv werden und humanitäre Hilfe für Hilfsorganisationen vor Ort bereitstellen. Die Kämpfe mögen vorerst vorbei sein, aber die humanitäre Notlage halte an, und viele Tausende Menschen würden noch Monate und Jahre lang die Auswirkungen der letzten zwei Monate der Gewalt spüren.
Die Hilfsorganisation CARE begrüßte den Waffenstillstand im Libanon. Sie appellierte an alle Konfliktparteien, eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren und die Bemühungen fortzusetzen, um einen dauerhaften Waffenstillstand und eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen.
„Die Sicherheit, der Schutz und das Wohlergehen aller Menschen in der Region müssen oberste Priorität haben. CARE fordert weiterhin einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen.“
Mehrere Staaten der arabischen Welt haben die Waffenruhe zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel ebenfalls begrüßt. Unter den ersten Ländern, die sich positiv dazu äußerten, waren unter anderem der Irak, Jordanien und Ägypten. Die Außenministerien des Irak und von Jordanien erklärten, die Waffenruhe biete eine Gelegenheit, die Gewalt gegen Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland zu beenden. Ägyptens Regierung teilte mit, die Waffenruhe könne zu einer regionalen Deeskalation beitragen.
Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien teilte mit, dass mit der Waffenruhe Hoffnung auf Stabilität und eine Rückkehr der libanesischen Binnenvertriebenen in ihre Heimatorte verbunden sei. Das Golfemirat Katar seinerseits hofft auch auf ein Ende der Kämpfe im Gazastreifen.
Mehr als ein Jahr dauern die Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah schon an. Die Leidtragenden sind vor allem Zivilisten. Stimmt Israels Sicherheitskabinett einer Waffenruhe zu?
Tel Aviv/Beirut (dpa/IZ). Nach mehr als einem Jahr Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon verdichten sich die Anzeichen für eine kurz bevorstehende Waffenruhe. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werde heute Abend das Sicherheitskabinett einberufen, um eine 60-tägige Waffenruhe mit der proiranischen Schiiten-Miliz zu billigen, sagte ein Beamter der „Times of Israel“. Aus Regierungskreisen ist zu hören, die Zustimmung des Kabinetts zu der unter US-Vermittlung ausgehandelten Vereinbarung sei „wahrscheinlich“. Auch libanesische Regierungsquellen in Beirut äußerten sich optimistisch. Die Entscheidung liege bei Israel.
Man sei nahe dran an einer Einigung über eine Waffenruhe, man habe gute Gespräche geführt, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby. Es gehe in die richtige Richtung. „Aber es ist noch nicht geschafft“, sagte Kirby. Er wolle sich aber nicht zu Details äußern, um die Chance auf eine Einigung nicht zu gefährden.
Die vorliegende Vereinbarung sehe einen 60-tägigen Umsetzungszeitraum vor, der es Israels Militär ermöglichen solle, sich zurückzuziehen, berichtete derweil das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf libanesische Beamte. Die libanesische Armee solle zugleich im Grenzgebiet zu Israel stationiert werden, um zu verhindern, dass Kämpfer der Hisbollah dort wieder Fuß fassen. Eine internationale Kommission solle mit der schon seit Jahren im Libanon stationierten UN-Friedenstruppe Unifil die Einhaltung der Vereinbarung überwachen, hieß es.
Vorerst setzten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort. Die israelische Luftwaffe ging erneut in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut vor. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie ganze Gebäude infolge der Lufteinschläge in sich zusammenbrachen. Augenzeugen berichteten, dass die Explosionen in ganz Beirut zu hören waren. Zuvor hatte ein Armeesprecher mehrere Evakuierungsaufrufe an die Bewohner gerichtet. Auch in anderen Teilen des Landes griff die israelische Armee weiter an.
Die Attacken sollen demnach vor allem die Fähigkeit der Hisbollah schwächen, sich von den schweren Schlägen der vergangenen Monate zu erholen, sich erneut zu bewaffnen und neu zu organisieren. Die Miliz schoss dennoch erneut Raketen auf Israel ab. Im Norden Israels wurden die Sicherheitsvorschriften verschärft, in einigen Gebieten sollen die Schulen heute geschlossen bleiben, weil verstärkter Raketenbeschuss befürchtet wurde. In der Nacht heulten im Norden des Landes erneut die Warnsirenen.
Die vom Iran finanzierte Hisbollah wollte nach eigenen Angaben mit den Angriffen ein Ende der israelischen Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen erzwingen. Die Gruppe hatte am 7. Oktober 2023 ein Massaker in Israel verübt, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 250 weitere als Geiseln verschleppt wurden. Der Angriff löste den seit mehr als einem Jahr andauernden Gaza-Krieg aus. Seither hat die mit der Hamas verbündete Hisbollah mehr als 17.000 Raketen auf Israel abgefeuert, wie die Armee auf Anfrage mitteilte.
Im selben Zeitraum habe Israels Militär rund 12.000 Terrorziele im Libanon angegriffen, hieß es. Die Hisbollah gilt seit den intensiven Luftangriffen und einer von Israel Mitte September gestarteten Bodenoffensive inzwischen als angeschlagen. Ein Großteil ihrer Anführer wurde getötet. Insgesamt starben im Libanon durch Israels Gegenangriffe mehr als 3.000 Menschen. In beiden Ländern warten Zehntausende Menschen darauf, nach einem Ende der Kämpfe in ihre Wohnorte zurückkehren zu können. In Israel war die Rückkehr der aus dem Norden des Landes vor dem Beschuss geflohenen Bewohner erklärtes Kriegsziel.
Der von der „Times of Israel“ zitierte Regierungsbeamte betonte, Israel akzeptiere zwar eine Einstellung der Feindseligkeiten, nicht aber ein Ende des Krieges gegen die Hisbollah-Miliz. Man wisse nicht, wie lange die Waffenruhe dauern werde. „Es könnte ein Monat sein, es könnte ein Jahr sein“, sagte der israelische Beamte der Zeitung.
Die israelische Armee gewährte unterdessen erstmals einen genaueren Einblick in ihren jahrelangen Kampf gegen den Schmuggel von Waffen aus dem Iran zur Hisbollah-Miliz. Für den Schmuggel seien verdeckte Routen durch den Irak und Syrien in den Libanon eingerichtet worden.
Dabei seien im Laufe der Jahre Tausende Lastwagen und Hunderte Flugzeuge eingesetzt worden, um Tausende Raketen und weitere Waffen in den Libanon zu bringen, mit denen Israel angegriffen werde. Die syrischen Behörden wirkten dabei stillschweigend mit. Israel habe diese Routen nicht erst in den vergangenen Monaten ins Visier genommen, sondern seit Jahren, erklärte die Armee. Israel werde auch in Zukunft gegen jeden Versuch des Irans vorgehen, Verbündete im Nahen Osten Waffen zu liefern.
Die USA als Israels wichtigster Verbündeter drängen seit Wochen auf eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel. Ihr Vermittler Amos Hochstein war diese Woche für Verhandlungen erneut in den Libanon und nach Israel gereist. Derweil wird der Nahost-Koordinator des Weißen Hauses, Brett McGurk, heute in Saudi-Arabien erwartet.
Dort will McGurk nach Angaben aus Washington darüber sprechen, wie ein mögliches Abkommen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon als Katalysator für eine mögliche Waffenruhe auch im Gazastreifen sowie für mehr Stabilität in der Region genutzt werden kann. Die Beendigung des Gaza-Kriegs gilt als deutlich komplizierter, auch weil die Hamas noch immer aus Israel entführte Geiseln festhält.
Derweil dürften sich die Außenminister der Gruppe sieben demokratischer Industrienationen (G7) am heutigen zweiten und letzten Tag ihres Treffens in Italien erneut mit dem vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehl gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu beschäftigen. Die G7 suchen nach einer gemeinsamen Haltung dazu. Italien als Gastgeber des Treffens in der mittelitalienischen Kleinstadt Fiuggi bemüht sich um eine Formulierung, die alle sieben Staaten mittragen.
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte den Haftbefehl gegen Netanjahu sowie dessen früheren Verteidigungsminister Joav Galant kürzlich wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gaza-Krieg erlassen. Eigentlich sind alle Vertragsstaaten des Strafgerichtshofs dazu verpflichtet, die Haftbefehle zu vollstrecken. Mit Ausnahme der USA gehören alle G7-Staaten dazu. Dazu zählen neben den USA und Italien auch Kanada, Großbritannien, Japan, Frankreich und Deutschland.

(IPS). Vor einer Woche drangen israelische Bodentruppen in den Libanon ein. Und in den letzten drei Wochen hat das Land einen massiven Anstieg der Attacken erlebt. Routinemäßige Bombardierungen führen zu erheblichen zivilen Opfern sowie zum Ausfall mehrerer kritischer Infrastrukturen. Die UN warnen davor, dass die Vertreibungen weiter zunehmen, da die Schutzräume ihre maximale Kapazität erreichen.
Am vergangenen Sonntag, dem 6. Oktober, flog die israelische Armee (IDF) über 30 Luftangriffe auf Beiruter Vororte. Am folgenden Tag ab die IDF bekannt, dass sie „innerhalb einer Stunde“ über 120 Angriffe auf Ziele der Hisbollah geflogen habe.
Laut dem humanitären Koordinator für den Libanon, Imran Riza, wurden im vergangenen Jahr über 2.000 libanesische Menschen getötet, darunter über 100 Kinder und 300 Frauen. Dies übersteigt die Zahl der Todesopfer des Libanonkrieges von 2006 und markiert eine der tödlichsten Perioden in der Geschichte des Landes. Durch regelmäßige Luftangriffe wurden Häuser dem Erdboden gleichgemacht, wovon über 1 Million Menschen betroffen waren, von denen die meisten mehrfach vertrieben wurden.
Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) schätzt, dass etwa 350.000 von ihnen Kinder sind. Die Interimstruppe der UN im Libanon (UNIFIL) hat für das Wochenende zahlreiche Schusswechsel und Luftangriffe gemeldet. Diese Angriffe haben die humanitären Helfer und das libanesische Gesundheitssystem stark belastet.
UNIFIL berichtet, dass ihr Personal für die Friedenssicherung in Bunkern Zuflucht suchen musste, um dem Beschuss durch die israelischen Streitkräfte zu entgehen. Darüber hinaus wurden im vergangenen Jahr 77 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angeschlossen sind, getötet.

Foto: OCHA
Am 4. Oktober meldeten drei Hospitäler, dass sie nach anhaltenden Bombardierungen nicht mehr einsatzfähig seien. Die Krankenhäuser forderten die WHO und die UNO auf, Patienten und Personal während einer Evakuierung zu schützen.
Sie informierten die offizielle libanesische Nachrichtenagentur darüber, dass „die anhaltenden Verbrechen gegen den medizinischen Sektor und die Notfallteams ein Ausmaß an Dreistigkeit erreicht haben, das gegen die UN-Charta und die Menschenrechte verstößt, insbesondere in Bezug auf das Recht auf medizinische Versorgung und Krankenhausaufenthalt für alle Menschen“.
Durch die anhaltenden Angriffe wurden über 25 Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen beschädigt. Ein UN-Vertreter gab an, dass über 300.000 libanesische Zivilisten von der Wasserknappheit betroffen sind. Die UN und ihre Partnerorganisationen verteilen sauberes Trinkwasser an Tausende von Menschen in Notunterkünften.
Hunderttausende Libanesen haben derzeit keinen Zugang zu Nahrungsmitteln, da die landwirtschaftlichen Erträge aufgrund von Zerstörungen und Sicherheitsbedenken erheblich zurückgegangen sind. Das Landwirtschaftsministerium und der Nationale Rat für wissenschaftliche Forschung berichten, dass etwa 4.500 Hektar Ackerland zerstört wurden, darunter 47.000 Olivenbäume. 340.000 Nutztiere wurden ebenfalls durch diesen Konflikt getötet.
Laut dem UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) haben über 90 Prozent der Kinder tagsüber keinen Zugang zu warmen Mahlzeiten. Das Welternährungsprogramm berichtet, dass derzeit über 2,5 Mio. Personen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Die NGO Action Against Hunger schätzt, dass bis Ende des Jahres voraussichtlich über 1,4 Mio. von einer erheblichen Lebensmittelunsicherheit beeinträchtigt sein werden.
Berlin/Beirut (CARE, UNHCR, iz). Anlässlich eines UN-Hilfsaufrufs zur Unterstützung von Vertriebenen im Libanon erklärte der CARE-Länderdirektor, Michael Adams: „Wir begrüßen den UN-Hilfsaufruf über 424 Millionen US-Dollar für den Libanon. Diese Unterstützung ist dringend notwendig, um humanitäre Hilfe leisten zu können. Doch es besteht große Sorge, ob die finanziellen Mittel reichen, um angemessen helfen zu können.“
Foto: Zerophoto, Adobe Stock
Die Bedürfnisse der Betroffenen stiegen täglich dramatisch. Ihre Lage werde immer prekärer. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt handeln und mehr finanzielle Hilfe bereitstellen. Mittlerweile seien laut Adams’ Angaben mindestens eine Mio. Menschen auf der Flucht in ihrem Land – sowie ins Nachbarland Syrien.
„Doch die Kapazitäten der Regierung und der Hilfsorganisationen sind durch ständige Luftangriffe und fehlende Finanzierung stark belastet.“ Täglich gebe es neue Bombardierungen, die zu weiteren Toten, Verletzten und Vertriebenen führten. „Kinder suchen in den Straßen nach Lebensmitteln, Kleidung und anderen notwendigen Dingen für ihre Familien. Besonders Mädchen sind in überfüllten Unterkünften und im Freien der Gefahr von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.“

Foto: UNHCR/Ximena Borrazas
Der Hohe UN-Flüchtlingskommissar, Filippo Grandi, forderte am 6. Oktober mehr internationale Unterstützung, um die humanitäre Katastrophe im Libanon einzudämmen.
Zwei Wochen tödlicher israelischer Luftangriffe haben Hunderte Menschen getötet und über eine Mio. Personen zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen. Er besuchte Beirut, um seine Solidarität mit dem Libanon zum Ausdruck zu bringen und mehr Unterstützung für alle Betroffenen, sowohl Libanesen als auch Flüchtlinge, zu mobilisieren.
„Ich habe heute mit eigenen Augen gesehen, welch tragische Folgen dieser Krieg für ganze Gemeinden hat“, sagte Grandi. „Das humanitäre Völkerrecht muss respektiert werden und darf nicht ignoriert werden. Familien wurden obdachlos, sitzen im Freien fest und haben traumatisierte Kinder, die nicht verstehen können, was passiert. Sie alle haben mir erzählt, wie verzweifelt sie sich nach Sicherheit sehnen und wie sehr sie sich wünschen, dass die Luftangriffe aufhören, damit sie in ihre Städte und Dörfer zurückkehren können.“
Kurzmeldungen Ausgabe 352: In dieser Ausgabe spannen sich die internationalen Nachrichten von Kriegsgefahr im Libanon, über Aufrufe zum Frieden bis zu Polio in Palästina. WHO: Handeln gegen Antibiotikaresistenz GENF (MEMO). […]
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Israels Luftwaffe hat Ziele im Libanon angegriffen, die Hisbollah feuert Raketen. Appelle für ein Ende der Eskalation verhallen auf beiden Seiten. (KNA/IZ). Die israelische Armee hat ab dem 23. September […]
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Tel Aviv/Beirut (dpa, iz). Die Anzeichen für einen möglicherweise bevorstehenden größeren Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah nehmen zu. Israels Verteidigungsminister Galant sagte nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit US-Vermittler Amos Hochstein, der einzige Weg, die Rückkehr geflüchteter israelischer Bürger in ihre Wohnorte im Norden zu gewährleisten, sei „ein militärischer Einsatz“.
Israels Sicherheitskabinett erklärte in der Nacht die Rückkehr der Bewohner zu einem der Ziele des Krieges gegen die mit der Hisbollah verbündete Hamas im Gazastreifen. Israel werde weiter „auf die Umsetzung dieses Ziels“ hinarbeiten, teilte das Büro des Ministerpräsidenten mit.
Bisher lauteten Israels Kriegsziele, die militärischen Fähigkeiten und den Regierungsapparat der Hamas zu zerstören, alle Geiseln freizubekommen und zu gewährleisten, dass der Gazastreifen für Israel künftig keine Bedrohung mehr darstellt. Die Hisbollah beschießt Israel seit Beginn des Gaza-Krieges vor fast einem Jahr. Sie will die Waffen erst bei Erreichen einer Waffenruhe in Gaza schweigen lassen.
Die US-Regierung bemüht sich vor diesem Hintergrund um eine Wiederbelebung der Gespräche über eine Waffenruhe in Gaza – auch in der Hoffnung, dass ein Abkommen Israel und der Hisbollah den Weg zu einer Deeskalation ebnen würde. US-Außenminister Antony Blinken reist nun erneut nach Ägypten, um die stockenden Bemühungen für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der Hamas voranzutreiben.
Blinken werde dazu ab heute bis Donnerstag Gespräche mit ägyptischen Regierungsvertretern führen, teilte das US-Außenministerium mit. Die USA fungieren zusammen mit Ägypten und Katar als Vermittler zwischen Israel und der Hamas, da diese nicht direkt miteinander verhandeln. Nach Israel wird Blinken Medienberichten zufolge diesmal nicht reisen. Die USA sind der wichtigste Verbündete des jüdischen Staates.
Israels Verteidigungsminister Galant sagte bei seinem Treffen mit US-Vermittler Hochstein, die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung im Konflikt mit der Hisbollah rücke immer weiter in die Ferne, weil die Miliz ihr Schicksal mit der Hamas verbunden habe und sich weigere, den Konflikt zu beenden.
Hochstein bemüht sich seit Monaten um eine Deeskalation der brandgefährlichen Lage an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Nach Angaben israelischer und US-amerikanischer Medien warnte Hochstein die israelischen Spitzenpolitiker vor gefährlichen Folgen eines größeren Krieges, der sich auch weiter auf die Region ausweiten könne.
Eine diplomatische Lösung sei „der beste Weg“, um sicherzustellen, dass die Bürger auf beiden Seiten der Grenze in ihre Häuser zurückkehren können, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller. Man werde „weiterhin auf eine diplomatische Lösung drängen“, sagte er. „Wir glauben grundsätzlich, dass dies im Interesse aller Parteien ist.“
Die Hisbollah verfügt dem Vernehmen nach über etwa 150.000 Raketen, Drohnen und Marschflugkörper. Im Vergleich zum letzten offenen Krieg mit Israel 2006 hat sie ihr Arsenal damit etwa um das Zehnfache ausgeweitet und könnte Israel laut Experten deutlich stärker treffen.
Ähnlich wie die Hamas im Gazastreifen hat die Hisbollah im Libanon ein unterirdisches Tunnelsystem aufgebaut, aus dem die Milizionäre die Kämpfe führen könnten. Sie könnte täglich Tausende Raketen auf israelische Städte abfeuern und wichtige Infrastruktur ausschalten. Doch nicht nur für Israel, auch für den wirtschaftlich und politisch gebeutelten Libanon hätte solch ein Krieg schwere Folgen.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian wirft Israel vor, sein Land in einen regionalen Krieg ziehen zu wollen. Als Grund nannte er die Tötung des Auslandschefs der Hamas, Ismail Hanija, in der iranischen Hauptstadt Teheran vor gut sechs Wochen. „Israel versucht, uns durch die Ermordung Hanijas in einen regionalen Krieg zu verwickeln. Wir behalten uns das Recht auf Verteidigung (…) vor“, sagte Peseschkian bei seiner ersten Pressekonferenz nach Amtsübernahme.
Er betonte erneut, dass die Islamische Republik nicht nach Atomwaffen strebe und verteidigte zugleich das Raketenprogramm seines Landes. „Wenn wir keine Raketen haben, werden sie (Israel) uns wie in Gaza jederzeit bombardieren“, sagte der Regierungschef. „Wir werden unsere Verteidigungsfähigkeit nicht aufgeben.“
Beirut (dpa) Nach mehr als zwei Tagen bewaffneter Gefechte in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon haben sich die Konfliktparteien am Montag auf einen Waffenstillstand geeinigt. Der zuständige Parlamentarier der Region, Osama Saad, berief am Montagnachmittag ein Treffen mit den Vertretern der beteiligten Gruppierungen ein. „Die Konferenzteilnehmer einigten sich auf einen Waffenstillstand“, so Saad. Alle Parteien seien der Meinung gewesen, die Sicherheit im Lager sollte gewahrt werden.
Mindestens sieben Menschen waren bei den Kämpfen in dem Lager nahe der Küstenstadt Sidon ums Leben gekommen, wie das nahegelegene Krankenhaus Al-Hamshari mitteilte. Es soll außerdem mindestens 35 Verletzte gegeben haben. Auslöser der Gefechte im Lager Ain al-Hilwah war ein mutmaßliches Attentat auf den Fatah-Kommandeur Abu Aschraf al-Armuschi. Laut Saad soll es „eine eingehende Untersuchung“ zu der Ermordung geben.
Die Gewalt war am Samstagabend ausgebrochen und setzte sich bis zum Montag fort. Die Beteiligten haben laut verschiedener Medienberichte und Augenzeugen unter anderem mit Maschinen- und Scharfschützengewehren geschossen. Mindestens 2000 Menschen seien nach Aussagen des Roten Halbmondes seit Beginn der Gefechte aus dem Lager geflohen.
Ain al-Hilwah im Süden des Landes ist mit rund 80 000 Einwohnern das größte palästinensische Flüchtlingslager im Libanon. Die meisten Bewohner sind Flüchtlinge des ersten arabisch-israelischen Krieges im Jahr 1948 sowie deren Nachkommen. Andere palästinensische Bewohner wurden im libanesischen Bürgerkrieg (1975-90) dorthin vertrieben. In den vergangenen Jahren kamen außerdem Palästinenser aus Syrien wegen des dortigen Bürgerkriegs hinzu. 2015 scheiterte in dem Camp ein Anschlag auf einen Sicherheitsbeauftragten der Fatah.
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