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Mikrozensus 2024: Muslime bleiben weiterhin eine Leerstelle

kommentar leipziger Deutsche

Kommentar: Auch im Mikrozensus 2024 wird keine Religionszugehörigkeit erhoben. Seit über zwei Jahrzehnten krankt die „Islamdebatte“ auch daran, dass es keine belastbare Zahlenbasis gibt. (iz). Seit 1957 wird in der […]

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Großbritannien: Gewalt richtet sich gezielt gegen Muslime

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In Großbritannien geht die rassistische Gewalt gegen Muslime weiter. In mehreren Städten griff der Mob gezielt Geschäfte und Wohnviertel an.

London (dpa, iz). Wegen der schweren rechtsextremen Ausschreitungen in England und Nordirland hat die britische Regierung heute eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra angesetzt. 

Premier Starmer von der Labour-Partei hatte am Sonntag ein hartes Durchgreifen der Strafverfolgungsbehörden angekündigt. „Ich garantiere Ihnen, Sie werden es bereuen, an diesen Unruhen teilgenommen zu haben“, sagte er Bei einer Pressekonferenz an Randalierer und Scharfmacher gerichtet.

Amnesty International: Gewalt nicht akzeptabel

Als Reaktion auf die rassistischen und antimuslimischen Angriffe im Vereinigten Königreich sagte Sacha Deshmukh von der britischen Sektion von Amnesty International:

„Die weit verbreitete Gewalt und die Hassverbrechen, die wir in den letzten Tagen erlebt haben, sind völlig inakzeptabel. Es ist widerlich, zu sehen, wie Hotels, in denen Menschen Zuflucht suchen, in Brand gesteckt werden, Moscheen und Geschäfte angegriffen werden und Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihres Herkunftslandes ins Visier genommen werden.“

Der rassistischen Gewalt, die man jetzt auf den Straßen erlebe, sei eine intensive Phase vorausgegangen, in Politiker und andere Flüchtlinge und Migranten zu Sündenböcken machten – mit gefährlicher Rhetorik und Politik. Sie hoffe, dass diejenigen, die diese Rhetorik verbreiten, die Konsequenzen ihrer Worte bedenken und daraus lernen würden.

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Foto: imago images, ZUMA Press Wire

Gewalt richtet sich gezielt gegen Muslime und PoCs

Polizei-Staatssekretärin Diana Johnson sagte dem Sender BBC Radio 4, einige Menschen hätten Angst, wegen ihrer Hautfarbe auf die Straße zu gehen. In der nordirischen Hauptstadt Belfast brannten etwa ein Café und ein Supermarkt aus, die von Muslimen betrieben werden. Mehrere Autos wurden angezündet.

In Liverpool gab es nach Angaben der Polizei Brandschäden an einer Gemeindebibliothek, die als Hilfsstelle für ärmere Menschen dient. Randalierer versuchten, die Löscharbeiten zu verhindern, wie die Merseyside Police mitteilte. In mehreren Städten wurden Geschäfte geplündert.

Nach Jahren der Stellenstreichungen: Gewalt auch wegen Mangel an Polizeibeamten so dramatisch

Die Polizeivereinigung warnte vor Personalengpässen bei Alltagskriminalität. Beamte müssten abgezogen werden, um die Randalierer im Griff zu haben, sagte die Chefin der Police Federation of England and Wales, Tiffany Lynch, der BBC. Staatssekretärin Johnson betonte hingegen, die Polizei verfüge über ausreichend Ressourcen und kündigte weitere Festnahmen an.

Im nordwestenglischen Blackpool schlugen sich nach Angaben der Polizei Ultranationalisten und Gegendemonstranten. Festnahmen gab es auch in den nahe gelegenen Städten Preston und Blackburn sowie im westenglischen Bristol, im mittelenglischen Stoke-on-Trent und in Kingston upon Hull in Nordostengland, wie die Polizei mitteilte.

Foto: Shayan Barjesteh van Waalwijk van Doorn, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Robinson und Farage: Die Verantwortlichen bleiben im Hintergrund

Zu den Protesten – oft nahe einer Moschee oder einem muslimischen Gemeindezentrum – aufgerufen hatte der bekannte Rechtsradikale und Gründer der English Defence League, Stephen Yaxley-Lennon, der unter dem Namen Tommy Robinson bekannt ist. Er floh vor einer Woche aus dem Land, nachdem er in einem Fall wegen Verleumdung nicht zu einem Gerichtstermin erschienen war.

Die Polizei warnte vor Falschnachrichten, mit denen in Chatgruppen für die Teilnahme an den Protesten geworben werde. Die Behörde wies Berichte in sozialen Medien zurück, dass zwei Teilnehmer eines antimuslimischen Marsches in Stoke-on-Trent niedergestochen worden seien. Zwei Männer seien leicht verletzt worden, als sie von stumpfen Gegenständen getroffen worden seien.

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Was tun, wenn’s brennt? Muslime im Superwahljahr

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2024 ist das Jahr von weltweit einflussreichen Wahlen – von den USA bis Indien. Auch die muslimischen Minderheiten hierzulande können es sich nicht leisten, sie zu ignorieren. (iz). Wenn dieses […]

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Hamburgs Verträge mit Muslimen und Aleviten bleiben bestehen

Hamburg

Als erstes Bundesland hat Hamburg 2012 Verträge mit Muslimen und Aleviten geschlossen. Nach zweijähriger Bewertung setzt die rot-grüne Landesregierung weiter auf Kooperation.

Hamburg (KNA). Hamburgs Staatsverträge mit Muslimen und Aleviten werden vorerst weitergeführt. Die Hamburgische Bürgerschaft verabschiedete am Mittwochabend einen Antrag der rot-grünen Regierungsfraktionen, der sich für eine Intensivierung des Dialogs mit den Vertragspartnern ausspricht.

Einen Antrag der CDU, den Vertrag mit den Muslimen auszusetzen, lehnte eine Mehrheit der Abgeordneten hingegen ab.

Hamburg als Vorreiter

Hamburg hatte 2012 als erstes Bundesland Verträge mit drei islamischen Verbänden und der alevitischen Gemeinde geschlossen. Ähnlich wie bei den christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde regeln sie unter anderem deren Rechte auf Wahrnehmung religiöser Feiertagen, den Bau von Gotteshäusern und die Bestattung nach religiösen Vorschriften. 

Vertragspartner sind zum einen der Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg Schura, der Landesverband Nord des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib und der Verband Islamischer Kulturzentren sowie zum anderen die Alevitische Gemeinde Deutschland.

In den vergangenen zwei Jahren waren die Verträge evaluiert worden. Die Hamburger Landesregierung, der Senat, zog nach Gesprächen mit den Religionsgemeinschaften und Experten eine positive Bilanz. Die Verträge böten eine gute Grundlage für eine Kooperation zwischen der Stadt und den Religionsgemeinschaften, heißt es in einem Bericht.

In dem nun beschlossenen Antrag fordern SPD und Grüne den Senat dazu auf, mit den Vertragspartnern über ihr Engagement für Freiheit und Demokratie sowie gegen Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu sprechen. Auch sollen die Verträge künftig alle zehn Jahre erneut bewertet werden.

„Konkrete Folgen“

„Die Verträge mit den islamischen und alevitischen Religionsgemeinschaften haben für Hamburg zu konkreten Erfolgen geführt“, sagte SPD-Abgeordneter Ekkehard Wysocki. Als Beispiele nannte er das bundesweit einzigartige Modell des Hamburger „Religionsunterrichts für alle“, die Zusammenarbeit zur Prävention von religiösem Extremismus und eine Vereinbarung zur Imamausbildung. 

„Die 2012 geschlossenen Verträge zwischen der Stadt Hamburg und den islamischen sowie alevitischen Religionsgemeinschaften sind ein Meilenstein für die gleichberechtigte Teilhabe und Anerkennung in unserer Stadt“, ergänzte Grünen-Politiker Michael Gwosdz.

Nach Auffassung des CDU-Abgeordneten Dennis Thering stellen sich hingegen einige Vertragspartner aktiv gegen die Werte des Grundgesetzes. So sei die Ditib aus der Türkei gesteuert.

Und die Schura grenze sich nicht genügend vom Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) ab, das Verbindungen zum iranischen Terrorregime pflege. „Wir können und dürfen nicht länger Verträge aufrecht erhalten mit Partnern, die sich nicht eindeutig von Gewalt und Extremismus distanzieren.“

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Wir können wir in Gemeinschaft leben?

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Geht es um Gemeinschaft und Beisammensein kollidieren bei vielen Anspruch und Wirklichkeit bzw. eine Norm wird in Relation zur Realität gesetzt. 

(iz). Die Reaktionen waren in den letzten Jahren gemischt: Einige zogen sich ins Private zurück, mancher ging in die innermuslimische Öffentlichkeit, um Barrieren offen anzusprechen und andere verarbeiten das Thema idealistisch. Schaikh Habib Bewley, Schaikh Yousef Wahb & S. Wilms

Muslime und Gemeinschaft: Wo stehen wir?

Im November 2021 (mitten in der Pandemie) veröffentlichte Leonard Sezgin-Just seinen nachdenklichen Essay „Weitermachen: Fluchtpläne aus der geistigen Enklave“, in dem er auf die innere Lage der muslimischen Community in Deutschland einging.

Er stellte sich auch die Frage, ob es derzeit so etwas wie ein muslimisches Subjekt gebe. Er konstatierte, dass hinter einer „omnipräsenten Stimmung der Lähmung“ mehr steckt als „bloße Durststrecken in Einzelbiografien“. Damit tat er etwas Entscheidendes und dachte über unser Selbst nach und versucht eine Standortbestimmung, anstatt einer bloßen Reaktion auf dominante Diskurse.

Ebenso wichtig ist die Feststellung, dass wir es hier mit Menschen mit „einem ungeheuren intellektuellen und künstlerischen Potenzial“ zu tun haben. Ihre positive Möglichkeit wird zu selten von außen und innen gesehen.

Insbesondere gesamtgesellschaftlich gelten junge Muslime häufig als Problem, das zu behandeln wäre. Hier weist er auf etwas anderes hin: Trotz „aller Zersplitterungen und Verwerfungen“ sieht er bei ihnen ein „lebendiges Gruppenbewusstsein“.

Ob gewollt oder nicht führt der Autor damit in einen wichtigen Aspekt ein, der im innermuslimischen Gespräch leider randständig geblieben ist: Asabiyya, oder Gruppensolidarität, wie sie von Ibn Khaldun beschrieben wurde. Bedauerlicherweise wurde und wird sie von vielen als Tribalismus missverstanden.

Das behinderte bisher das ohnehin schwierige Wachstum eines Subjektcharakters. Ohne ein Mindestmaß ist die vom Autor gezeichnete Lage kaum aufzulösen. Ironischerweise ist gelegentlich bei intellektuellen MuslimInnen eine seltsame Dissonanz mit Community zu finden. Manche haben das in ihr Sprechen integriert, wenn sie betonen, „kein Teil einer Gemeinschaft“ zu sein.

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Foto: Muslimische DiaLogen | Rat Berliner Imame

Warum Gemeinschaft?

Sie ist der Schlüssel zum Erfolg des menschlichen Wesens. Es gibt Dinge im Laufe des Lebens, die wir nicht alleine bewältigen können und nicht durch uns selbst überwinden können. Es ist egal, welche Strukturen wir errichteten. Isolation zerstört uns. Aber das Modell der Moderne ist eines des stetig anwachsenden Alleinseins, bei dem der Staat als Ersatz für Mitmenschen agiert.

Im muslimischen Denken ist sie klar die Antwort für Schwierigkeiten, aber es ist genauso offenkundig, dass jede Generation beobachtet, wie sie sich weiter auflöst. Also ist es unsere Aufgabe, sie wiederzubeleben. Wir kennen sie besser als die meisten anderen, denn wir wissen um ihre Bedeutung. Gemeinschaft bedeutet uns – immerhin normativ – noch etwas. Wir haben ein Maß an Geschwisterlichkeit und Dschama’at. Sie waren immer der Eckstein unseres großen Dins.

Wir wurden nicht von Allah geschaffen, um alleine als Einsiedler zu leben. Das bedingt Austausch und keinen Rückzug. Das Beispiel des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, war das Knüpfen von Bindungen und nicht ihre Trennung. Dieser Din ist einer der sozialen Interaktionen und der gemeinsamen Anbetung, nicht nur der individuellen ‘Ibadat.

Die Vervollkommnung aller Säulen des Islam findet sich nur in Gemeinschaft. Das Glaubensbekenntnis ist nicht besiegelt, solange es nicht bezeugt wird. Das Gebet ist bedeutungsvoller und wertvoller gemeinsam mit anderen.

Zakat wird nicht an sich selbst gezahlt, sondern an die Bedürftigen der Gesellschaft. Fasten lässt sich am besten mit Mitmenschen brechen. Das Bittgebet wird eher beantwortet, wenn es einen breiten Rahmen hat und mehr Menschen miteinbezogen werden.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Hand der Barmherzigkeit Allahs ist mit der Gruppe.“ Diese Dschama’at, von der wir sprechen, ist nicht nur eine wahllos zusammengewürfelte Sammlung von Leuten.

Gesellschaft kann schädlich sein, wenn sie auf der Lüge basiert und nicht auf Wahrheit. Man muss nur die zerstörerische Wirkung eines Mobs betrachten. Menschen, die auf der persönlichen Ebene scheinbar zivilisiert und vernünftig sein können, können als Gruppe verrückt und irre handeln.

Das Geheimnis des Erfolgs in dieser Sache ist – wie bei allen anderen – Unterscheidungsvermögen (arab. Furqan). Diejenigen, mit denen wir Zeit verbringen, prägen unser Selbst. Sie werden einen auf ihr Niveau bringen – ungeachtet der eigenen Qualitäten –, bis man so wie sie wird. Das ist die unausweichliche Konsequenz von Gesellschaft. Die Folgen sind schnell zu spüren und können innerhalb von Wochen permanent werden.

Wer vierzig Tage mit einer Gruppe verbringt, wird einer von ihnen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Männer folgen dem Din ihres engen Freundes. Also schaut genau hin, mit wem ihr euch anfreundet.“ Sind die Leute rechtschaffen bzw. handeln sie falsch? Verbringen sie ihr Leben mit nützlichen Dingen oder sinnloser Zeitverschwendung?

Wie sieht das angemessene Umfeld aus?

Sobald man die richtigen Menschen gefunden hat, soll man an ihrer Gesellschaft festhalten und sie niemals loslassen. Man sollte wissen, dass es zwei Arten von Gemeinschaft gibt – den breiteren sowie den inneren Kreis. Wir müssen beide haben, um sicher zu sein. Wir brauchen die zweite Stufe der Dschama’at, um wirklich überleben zu können.

Dieser Kreis korrespondiert mit unserem gelebten Alltag. Es sind die Leute, mit denen wir tatsächlich regelmäßig Zeit verbringen. Solch eine Gruppe von Männern und Frauen muss in der Lage sein, sich aufeinander zu verlassen – durch dick und dünn, Überfluss und Hunger.

Sie sind füreinander da – in den besten Zeiten und den schlimmsten. Solche Leute brauchen keine Katastrophen, um großzügig, liebend und menschlich zu sein. Sie sollten klar, offen und frei sein. Und es darf weder Tratsch noch üble Nachrede geben. In diesem Fall können wir nicht auf Erfolg hoffen.

Im Nachwort seines Buches „The Entire City“ schreibt Schaikh Dr. Abdalqadir as-Sufi: „Entscheidend sind einige wenige Gefährten für Gesellschaft im Dunklen.“ Ein Kreis von „Männern und Frauen, die nicht durch Blut oder Rang verbunden sind, sondern eine geteilte Qualität des Lebens, die reine Anbetung des Herrn der Welt verlangt. Ein anhaltender Wettstreit unter seinen Mitgliedern“ in Großzügigkeit, Hilfe, Wachstum, Lernen und gegenseitiger Sorge.

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Foto: Yaseer Booley

Muslimische Gemeinschaften haben auch Pflichten

Unsere Communitys haben nicht nur die Pflicht, Handlungen der Anbetungen wie dem Gebet zu etablieren, sondern müssen auch eine weite Spannbreite anderer wesentlicher sozialer und ökonomischer Dienstleistungen anbieten.

Als Gemeinschaft stehen wir in der Verantwortung, nach dem körperlichen, geistigen und spirituellen Wohlergehen des Anderen zu schauen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Die Beziehung des Gläubigen zu einem anderen Gläubigen ist wie (die Ziegelsteine eines) Gebäudes: jeder stärkt den anderen.“

Religiöse Verpflichtungen haben viele Facetten im Recht. Dazu gehören einige, spezifische Handlungen wie das fünfmalige tägliche Gebet. Es gibt aber auch die Wahl zwischen einem Bestand an Pflichtangeboten wie die verschiedenen Möglichkeiten, ein gebrochenes Fasten wieder gut zu machen.

Juristen haben viele Belege für die Existenz von Gemeinschaftspflichten gesammelt. Dazu gehörten Qur’anverse in Hinblick auf die Verteilung wesentlicher Verantwortlichkeiten unter den Gemeinschaftsmitgliedern und die soziale Pflicht des Aufrufs zum Guten und der Verhinderung des Schlechten.

Wie es mehrheitlich unter Muslimen bekannt ist, bedeutet Fard Kifaya, dass ihre Erfüllung – durch eine unbestimmte Anzahl an Handlungspflichtigen (arab. mukallafin) – andere Mitglieder von ihr entbindet. Wenn niemand dies tut, dann stehen alle Teile in der Pflicht.

Aufgrund des breiten Spektrums bei Anwendungen von gemeinschaftlichen Obligationen haben einige Gelehrte sie entsprechend ihrer Vorteile kategorisiert; andere nach ihren Kontexten. Al-Ghazali beispielsweise übernahm eine dreigeteilte Taxonomie: religiös, weltlich oder gemischt. Auf der anderen Seite akzeptierten Al-Qarafi, As-Subki und Al-Zarkaschi einen Unterschied zwischen: 1.) was einmalig geleistet werden muss wie die Rettung eines Ertrinkenden und: 2.) was immer getan werden muss, wenn es nötig wird, wie Totengebete oder die Bildung von Kindern.

Verteilt über die Rechtsbücher finden sich Beispiele für diese Pflichten bzw. sie werden in Büchern zu juristischen Maximen wie As-Suyutis „Al-Aschbah wa’an-Nazir“ aufgezählt. Dabei lassen sich unterschiedliche thematische Schwerpunkte (in verschiedenen Schulen und nach objektiven Zielen) ausmachen.

Dazu gehören rituelle Handlungen, soziale Dienstleistungen und Wohlfahrt, der Aufruf zum Guten, Erziehung und Einladung zum Islam, die Verbreitung und Aneignung von Wissen oder bürgerliche Tugenden.

Entgegen dem heutigen Trend zur religiösen Individualisierung sind die Rituale der Anbetung oft gemeinschaftlich vorgesehen. Zwei der bekanntesten Beispiele sind die Bestattung von Toten und das Gebet für sie. Ein weiteres die Etablierung (mehr als nur die Verrichtung) des Gebets – der fünfmal täglichen, am Freitag, den Feiertagen sowie bei einer Mondfinsternis. Andere sind die Bestimmung der Gebetsrichtung, die Organisation des Hadsch und der gegebenenfalls nötige Moscheebau sowie ihr Unterhalt und Schutz.

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Zeit der Aussteiger oder „Das Glasperlenspiel“

hesse glasperlenspiel

Über die spannenden Hintergründe des aktuellen Artikels „Wir und die Gesellschaft“ und was Hesses „Glasperlenspiel“ mit Muslimen zu tun hat. Ein Interview mit IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger.

Islamische Zeitung: In der aktuellen IZ-Ausgabe erschien Dein Text „Wir und die Gesellschaft“. Wie kam es zu diesem Beitrag?

Abu Bakr Rieger: Auf dem Weg nach Italien – im Tessin – besuchte ich mit meiner Frau das Hermann Hesse Museum in Montagnola. Mit seinen Texten, die ich in der Jugendzeit gelesen habe, beschäftigte ich mich schon lange Zeit nicht mehr. Im angeschlossenen Buchladen entdeckte ich zufällig das letzte große Buch des Nobelpreisträgers: „Das Glasperlenspiel“. Dieses Werk kannte ich nicht und kaufte es spontan. Bei der Lektüre fand ich die Inhalte erstaunlich aktuell, die angesprochenen Themen wurden quasi zum Leitmotiv unserer Reise.

Herrmann Hesse und „Das Glasperlenspiel“

Islamische Zeitung: Inwiefern passt dieses Buch in diese Zeit? 

Abu Bakr Rieger: Hesse entwirft darin unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges die Vision einer pädagogischen Provinz mit dem fiktiven Namen Kastalien. Er schreibt: „Das Glasperlenspiel ist ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit seiner Palette gespielt haben mag.“

Die genaue Definition der Regeln des Vorgangs sind eher vage gehalten. Aber man versteht sofort, worauf dieser Entwurf anspielt und begreift schnell, dass die modernen Ideologen zu einem derartigen Austausch nicht fähig sind. Die Lage wird heute wieder prekär: Immer mehr Menschen ist an keiner Differenzierung gelegen, weil das Feindbild für die eigene Gestalt konstitutiv wird. 

Islamische Zeitung: Wenn die Regeln des Spiels nicht explizit festgelegt sind, was sind die Voraussetzungen für ein Zusammenspiel der Religionen und Kulturen?

Abu Bakr Rieger: Neben der Metapher des Spiels ist es in erster Linie der Respekt und die Achtung für die Anderen. Man muss sich mit den geistigen Phänomenen, die seit Jahrhunderten Wirkung entfalten, also nicht nur eine kurzzeitige Episode waren, intensiv beschäftigen. In Europa heißt dies: Um die Fähigkeiten zu einem Spiel zu besitzen, ist es notwendig Wissen über das Judentum, das Christentum und den Islam zu erlangen.

Hier muss man selbstkritisch anmerken, dass uns diese Kenntnisse häufig fehlen. Im Fall des Islam unterscheidet man kaum zwischen der originären Praxis und den kulturellen und nationalen Einflüssen, die heute das Bild der Gläubigen in der Öffentlichkeit mit ausmachen. Nur, es ist doch klar, nicht jedes Verhalten und alle Taten von Muslimen sind mit der islamischen Lehre zu begründen.

Foto: PickPik

Leitmotiv einer Reise

Islamische Zeitung: Du hasst von einem Leitmotiv für Eure Reise gesprochen, wie ist das gemeint?

Abu Bakr Rieger: Vielleicht kann ich das an einer Reisestation unserer italienischen Reise exemplarisch erklären. In Orvieto steht ein Dom, den alle Touristen bewundern – unabhängig von der eigenen Konfession. Wenn der Marmor der Fassade im Sonnenlicht glänzt, staunt man über dieses architektonische Meisterwerk. In der Touristeninformation hat man uns – ohne die geringste Ahnung zu haben – erzählt, dass schon Thomas von Acquin in dem Dom gelehrt hat. 

Wir waren nicht sicher, ob diese Information stimmte. Und sprachen eine Nonne an, die Touristen durch die Altstadt führte. Diese Frau beherrschte nicht nur fließend Englisch, sie erklärte genau, in welcher kleinen Kirche der Stadt der berühmte Mann gepredigt hatte.

Sie gab uns ein Kurzreferat über die Zeit des Gelehrten, seine Rolle in der geistigen Welt Europas und reflektierte das Verhältnis des Christentums zum Islam. Ihr Referat gipfelte in der Feststellung, dass die Kirche den fruchtbaren Austausch zwischen muslimischen und christlichen Geistesgrößen eher unter den Teppich gekehrt hätte. Wir waren sprachlos und resümierten: Eine Glasperlenspielerin!

Islamische Zeitung: Inwieweit spielen Konfessionen eine Rolle in diesem Kontext? Hesse selbst war aber gegenüber den Religionen eher reserviert?

Abu Bakr Rieger: Wie viele Philosophen, Schriftsteller und Künstler seiner Zeit war Hesse religiös ohne Religion. Das heißt, er sehnte sich nach spiritueller Erfahrung, Meditation, Sinn und Transzendenz, folgte aber keinem offenbarten Regelwerk. Die Kunst, die Religion des Säkularen, versuchte im 20. Jahrhundert, die Fesseln der alten Konventionen zu sprengen.

In seinem geistigen Wirken sah Hesse eine Gegenbewegung gegenüber dem technologischen Projekt, das Europa in dieser Epoche dominierte. Der entfesselte Kapitalismus und die Möglichkeit eines großen, zerstörerischen Krieges sorgten ihn zeitlebens. Hier sieht man durchaus eine Parallele zu unserer Situation.

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Foto: Dutch National Archive, Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Hesse ärgerte sich über Vorwürfe einer Traumwelt

Islamische Zeitung: Hesse wurde oft vorgeworfen, von den Realitäten seiner Zeit Abstand zu nehmen und in einer Art Traumwelt zu leben…

Abu Bakr Rieger: Ihn selbst ärgerten diese Anwürfe. Hesse war ja durchaus politisch engagiert, wie tausende seiner Briefe beweisen. 1958 veröffentlichte der SPIEGEL einen Artikel mit dem Titel „Im Gemüsegarten“, der den Schriftsteller eher spöttisch als einen vergeistigten Träumer porträtiert.

Ein Mann, der seinen LeserInnen das Meditieren empfahl, hatte es schon damals in Deutschland schwer. Hierzulande macht man sich ja mit Verweisen auf eine unsichtbare Welt schnell der Esoterik verdächtig. Vieles was Hesse schrieb und in den 1970er Jahren populär war, ist heute zu Recht in Vergessenheit geraten. Aber, wie gesagt, die Lektüre des „Glasperlenspiels“ finde ich nach wie vor inspirierend.

Ideen eines anderen Lebens

Islamische Zeitung: Letztendlich war aber Hesse doch eher ein Einzelgänger, oder? 

Abu Bakr Rieger: Ja, das stimmt. In der Nähe von Locarno, auf dem Monte Vérita, dem Berg der Wahrheit nahm er, Anfang des 20. Jahrhunderts, kurzzeitig an einem Gemeinschaftsprojekt teil. In einmaliger Lage über dem Lago Maggiore entstand – nach den Worten der Mitgründerin Ida Hofmann „eine Schule für höheres Leben, eine Stätte für Entwicklung und Sammlung erweiterter Entwicklung und erweiterten Bewusstseins.“ Hesse blieb ein paar Monate, nahm aber den institutionellen Charakter des Projektes nie ernst.

Er war ein bekennender Individualist. Der Schriftsteller zog sich bald in seine Dichterklause zurück. In seinem lesenswerten Buch „Zeit der Aussteiger“ beschreibt Andreas Schwab die Geschichte und das Scheitern dieser Communitys in Europa. Die Idee eines anderen Lebens blieb meist eine Utopie. Was bis heute nachwirkt, ist die Sehnsucht vieler Menschen nach einer ganzheitlichen Lebenspraxis.

Nachrichtenüberflutung

Foto: Camilo Jimonez, Unsplash

Islamische Zeitung: Kommen wir zurück zur Idee des „Glasperlenspiels“, ist sein Ansatz in Zeiten von Massenmedien und Filterblasen, die die sozialen Medien verursachen, nicht naiv? 

Abu Bakr Rieger: Ich glaube, es wäre angesichts der aktuellen Kommunikationskultur gewagt, etwas anderes als Pessimist zu sein. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass die Idee des „Glasperlenspiels“ zwischen den Religionen und Kulturen zumindest an den Rändern der Debatte lebendig bleiben.

Die Möglichkeit bestünde, dass – denken wir beispielsweise an die Diskussionen über die Rolle der Muslime in Europa – der Diskurs nicht nur und ausschließlich im Feld des Politischen verortet bleibt. Ich sehe ein Mangel an Foren, an Gesprächsebenen, die die Teilnahme bspw. von Künstlern, Soziologen, Philosophen oder Architekten mit einschließt. Nur so wird verständlich, dass der Islam aus der politischen Deutung heraus nie völlig zu verstehen ist. Innerhalb dieser Gesprächskultur könnten nebenbei kreative Ansätze für eine verbesserte Integration entstehen. 

Was hilft gegen die Politisierung der Debatte?

Islamische Zeitung: Aber tragen Muslime, Stichwort Extreme, nicht dazu bei, dass die öffentliche Wahrnehmung sich im Moment nahezu ausschließlich mit dem sogenannten politischen Islam beschäftigt?

Abu Bakr Rieger: Die Politisierung der Debatte hat ihre bekannten Gründe. Ich persönlich schätze den Begriff des „Islamismus“ nicht, weil er mir zu unbestimmt scheint, einen Vorwurf darstellt, der mit einer Markierungsmacht einhergeht, meist von Medien ausgeübt, die fatale soziale Auswirkungen hat und gleichzeitig nicht justiziabel ist.

Andererseits verstehe ich, dass jede Politik auf Grundlage einer Religion berechtigte Ängste auslöst. Für mich schließen sich die Begriffe aus: Der Islam ist keine Ideologie. Und – hier kehren wir zum Motiv des „Glasperlenspiels“ zurück – ein Zeichen des geistigen Niederganges ist immer die Unfähigkeit zu einem tieferen Austausch zwischen den Kulturen. Die Muslime müssen sich wieder stärker an ihre eigenen Wurzeln erinnern.

Zum Beispiel waren Identitätspolitik und Nationalismus, geschweige den der Terrorismus, über Jahrhunderte keine bekannten Begriffe in der islamischen Welt. Mich faszinieren die alten Stadtpläne, deren fester Bestandteil Kirchen, Synagogen und Moscheen waren. In diesem Sinne war das Glasperlenspiel integrierter Teil des Alltags.

Foto: Freepik

Islamische Zeitung: Heute werden unsere religiöse Praxis, das Verhalten und die Lehre durch das Internet beeinflusst. Ist das ein bedenklicher Trend?

Abu Bakr Rieger: Der wachsende Einfluss von sogenannten Influencern ist eine fragwürdige Entwicklung. Sie schaffen virtuelle Netzwerke, jenseits der Balance, die reale Gemeinschaften im Kern ausmachen. Die Lehre wird in den sozialen Medien zunehmend beliebig, das Gelehrte wirkt teilweise extrem und der Trend ist in seiner Dynamik unkontrollierbar.

In dieser Sphäre der religiösen Schnellkurse entstehen unzählige Blasen, die sich auf Dauer verselbständigen, mit, vorsichtig ausgedrückt, nicht nur für die Nutzer ungewissem Ausgang. Dieser virtuellen Realität mangelt es an Gesprächskultur und Verbindlichkeit, Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Der Islam wird zu einem Computerspiel. Viele junge Muslime verfallen an diese Welt, weil sie in ihrem Alltag keine Orte für konkretes Engagement vorfinden. 

Was hat das Thema mit Architektur zu tun?

Islamische Zeitung: In ihrem Beitrag erwähnst Du die Weimarer Bauhaus-Schule und die Idee der modernen Architektur. Warum?

Abu Bakr Rieger: Wir leben heute wieder in einer Zeit der Aussteiger. Menschen wandern aus, suchen nach sinnvollen Lebensentwürfen und neuen Wohnformen, die ihr ökonomisches Dilemma berücksichtigen. Andere flüchten sich in ihre virtuellen Traumwelten oder Parallelgesellschaften.

Ironischerweise entstehen heute kaum noch alternative Gemeinschaften, weil das Bauplanungsrecht solche Modelle nur für reiche Menschen realisierbar macht. Ich war im letzten Jahr im schottischen Findhorn und habe dort das bekannte Siedlungsmodell besichtigt. Ich war erstaunt zu hören, dass die Preise für die kleinen Häuser inzwischen unerschwinglich sind. 

Wichtig ist ein Bewusstsein, dass jede Architektur die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse repräsentiert. Deswegen ist das Studium der Geschichte der Bauhaus-Bewegung so erhellend.

Bosnien

Foto: Alan Ajan, Adobe

Islamische Zeitung: Inwieweit betrifft das die Lage der Muslime in Europa?

Abu Bakr Rieger: Wer keine Parallelgesellschaften will, muss die urbanen Voraussetzungen für eine Integration schaffen. Das Beispiel der Banlieues in Frankreich zeigt die Probleme, wenn man Menschen in Wohnmaschinen steckt. Die Frage ist, welche städtebaulichen Visionen wir in Deutschland entwickeln. Gott sei Dank sind Moscheen heute nicht nur mehr in Hinterhöfen und Gewerbegebieten zu finden.

Allerdings fehlt es in unseren Gemeinwesen oft schlicht am Platz, die soziale Dimension der Praxis auszuleben. Historisch gesehen waren die religiösen Anlagen nie nur sakrale Einrichtungen. Der Kontext von Moschee und Marktplatz ist heute reduziert auf die Realität von Moschee und Parkplatz.

Im Grunde brauchen wir eine Vision, die Muslime, im Einklang mit der deutschen Verfassung, einen entsprechenden Raum anbietet. Selbstredend handelt es sich hier um Begegnungsräume. Tauchen Gläubige nur als Demonstranten auf unseren Straßen auf, schreitet die Politisierung weiter voran.

Muslimische Präsenz im öffentlichen Raum

Islamische Zeitung: Gerade jetzt wird ja oft der Anspruch der Muslime auf eine Präsenz im öffentlichen Raum im Sinne eines Machtanspruches interpretiert?

Abu Bakr Rieger: Das ist eine grundsätzliche Frage. Rechtskonservative Kreise verbreiten die Vorstellung, dass Muslime – sozusagen aus Sicherheitsgründen – ihren Praktiken am besten gar nicht oder eben nur privat ausüben sollen. Angesichts der Präsenz von Millionen Muslimen in Europa wird diese Strategie der Verdrängung kaum funktionieren. Im schlimmsten Fall folgt aus diesem ideologischen Ansatz nur die endgültige gesellschaftliche Spaltung und die trübe Phantasie einer „Remigration“.

Ich würde eher darauf setzen, dass die Jugend islamisch gebildet ist, Räume der kulturellen Symbiose mit der Nachbarschaft entstehen und wir in einem regelmäßigen, facettenreichen Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft stehen. Hierher gehören die erwähnten geistigen und architektonischen Voraussetzungen. Wer selbstbewusst die Grundlagen seiner Praxis kennt, wird sich nicht in Blasen flüchten oder gar Begegnung mit den Anderen meiden. Diese Logik gilt nicht nur für Muslime.

Islamische Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch!

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Ein Kontinent als Schicksal? Muslime nach den Europawahlen

europa eu muslim

Heute leben auf unserem Kontinent – den europäischen Teil der Türkei eingerechnet – rund 50 Millionen Muslime. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen sind Bürger bzw. Einwohner der 27 […]

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Wir und die Gesellschaft – vom Zusammenspiel der Kulturen und Religionen

gesellschaft

Ohne einen Begriff von „deutschen Muslimen“, der sich nicht biologisch ableitet, wird es auf Dauer schwer sein, ein anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu werden.

(iz). Es scheint manchmal, dass der Islam vielen unserer europäischen MitbürgerInnen unheimlich ist. Über eine Milliarde Muslime, in all ihrer Widersprüchlichkeit, die Beobachtung diverser Auslegungen, kulturellen Prägungen, Praktiken, bis hin – leider – zu ideologischen Ausformungen stehen dem Ideal der vollständigen Kontrolle und Integration entgegen.

Auch Muslime hadern mit einer Balance zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft

Die Aufgabe erinnert so weit an das vergebliche Bemühen, die Naturgewalten zu beherrschen. Aber auch Muslimen fällt es heute schwer, eine neue Balance zwischen ihrem persönlichen Schicksal, der Einbettung in religiöse Gemeinden und ihrer gesellschaftlichen Rolle umzusetzen.

Ein Beispiel ist das vergangene, gemeinschaftlich verrichtete Id-Gebet, das tausende Gläubige auf öffentlichen Plätzen und Straßen zusammengeführt hat, aber von Teilen der Mehrheitsgesellschaft als „Machtdemonstration“ missdeutet und oft mit Argwohn begleitet wurde.

Die Frage stellt sich, in welcher Form wir uns an der Suche nach einem „Wir“-Gefühl in Deutschland beteiligen. Nicht zuletzt sind es Begriffe, wie kollektive Identität, Identitätspolitik oder, unter diesem Aspekt, „Ethnizität“ an die sich Muslime gewöhnt haben, ohne sich daran zu erinnern, wie sie vor kurzer Zeit erst im Wortschatz unserer politischen Rede aufgetaucht sind.

Die Gefahr, Anderen im Umgang mit ihnen, mit gleicher Ideologie zu begegnen, ist offensichtlich. Zudem verhindern die bestehenden ethnischen Trennlinien das inner-islamische Zusammengehörigkeitsgefühl. Ohne einen Begriff von „deutschen Muslimen“, der sich nicht biologisch ableitet, wird es auf Dauer schwer sein, ein anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu werden.

Reflexionen Delinquenz Jugendliche Silvester Kultur Sozial

Foto: imago stock

Ausgangspunkt ist die Nähe zu den Ursprüngen

Ausgangspunkt für eine Neujustierung der Rolle von Muslimen in modernen Staaten ist neben der religiösen Praxis an sich, ihre Nähe zu den Ursprüngen. Die erste Gemeinschaft in Medina gilt als Vorbild für ein vom Islam geprägtes Leben. 

Jeder Bund zwischen Menschen entwickelt ein Eigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen der Lebensführung der Mitglieder bemisst, die entsprechend miteinander verflochten sind.

Dabei ist es klar, dass es in unserer Zeit längst faktische Grenzen der Vergemeinschaftung gibt. In modernen Staaten bilden soziale Akteure nur begrenzt autarke und selbstbestimmte „Gemeinschaften“. Es ist Muslimen praktisch nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt in allen ihren Beziehungen gemeinsame Ziele zu verfolgen oder jegliche Handlungen als Gruppe durchzuführen.

Ohne eine Partizipation in den Institutionen des Staates ist die Community nicht lebensfähig; und verzichtet sie auf den Konsens mit den Grundwerten der Verfassung, bleibt sie langfristig ein Fremdkörper.

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Der Unterschied stammt aus dem 19. Jahrhundert

Das Verständnis über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft stammt von Ferdinand Tönnies. Der Soziologe entwickelte im 19. Jahrhundert den Ansatz, dass „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ den Gegenstand der „Soziologie“ ausmachen.

In der Theorie schließen sich die beiden Begriffe aus; in der empirischen Welt, dem Feld der angewandten Wissenschaft, erscheinen sie hingegen nach Tönnies immer gemischt. Genau hier liegt der Ansatz, das Zusammenspiel von Gemeinschaft und Gesellschaft aus muslimischer Sicht zu aktualisieren.

Die Herausforderungen für eine derartige Symbiose sind nicht neu. Das Spannungsverhältnis zwischen alternativen Entwürfen und der Mehrheit hat in Europa eine lange Geschichte.

In Ascona, im schweizerischen Tessin, entdeckt man beim Aufstieg auf den Monte Verità Spuren dieser Historie. Es ist die Zeit der Aussteiger. Hier – wie in vielen anderen Orten in Europa – hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bunte Schar von Sinnsuchenden, Revolutionären, Künstlern und Vegetariern zusammen gefunden. Das Ziel der Suchenden war es, in einer von Krieg und Technik beherrschten Welt, das Leben zu reformieren und wieder näher an die Natur und die Sphäre göttlicher Weisheit zu rücken.

„Wahrheit und Freiheit in Denken und Handeln sollten künftig als teuerster Leitstern ihr Leben begleiten“, beginnt Ida Hofman ihren Bericht über die Gründung der Kolonie. Die Atmosphäre mit dem Blick auf den Lago Maggiore ist einmalig: Zu besichtigen ist der Park mit den Lichthütten, die traditionelle Teestube, die Freilichtbäder und ein von den „Sonnenleuten“ angelegter Tennisplatz.

Der Versuch, eine nachhaltige Gemeinschaft auf Grundlage diverser Entwürfe, die zwischen fernöstlicher Religion, Naturliebe, Kunst und Philosophie angesiedelt waren, zu gründen, scheiterte.

1925 übernimmt der deutsche Bankier und Kunstsammler, Eduard von Heydt, die Anlage. Er lässt ein Kongresszentrum im Bauhaus-Stil bauen. Immer mehr Touristen kommen auf den „Berg der Wahrheit“ und träumen über neue Ideen der Entfaltung. Bis heute diskutieren Philosophen und Künstler die Möglichkeit, unsere technologisch geprägten Gesellschaften, mit der Sehnsucht nach sozialer Nähe zu versöhnen.

Hermann Hesse: Einen Kern in uns bewahren

Ein berühmter Gast auf dem Berg war der deutsche Schriftsteller Hermann Hesse. Mit der Bewegung sympathisiert er, ohne aber den institutionellen Charakter der Lebensreformer je ernst zu nehmen. Später wird der Nobelpreisträger im nahegelegenen Montagnola sein eigentliches Domizil und ersehntes Exil finden.

Im Jahr 1948 hatte Hesse erklärt, was das Schicksal des Menschen aus seiner Sicht entscheiden wird: „Wir wollen womöglich einen Kern in uns bewahren, ein eigenes Schwergewicht, das uns daran hindert, mit in die sinnlose zentrifugale Schwingung gerissen zu werden, die immer unheimlicher wird und fern aller Politik sich in Tempo, Hetze und Unrast äußert.“

Wer sich für das Verhältnis von Individualität, Gemeinschaft und Gesellschaft interessiert, findet in der Gedankenwelt des Außenseiters einigen Stoff. In seinem letzten Werk, dem Glasperlenspiel, entwirft der Schriftsteller, unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges, eine Vision einer pädagogischen Provinz mit dem fiktiven Namen Kastalien.

Das Buch dreht sich um ein zentrales Leitmotiv: „Das Glasperlenspiel ist ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit seiner Palette gespielt haben mag.“ 

Die Leser werden an einen respektvollen Umgang mit den geistigen Phänomenen erinnert, sei es das Christentum oder Judentum, bis hin zu fernöstlichen Weisheitslehren, die seit Jahrhunderten in der Gesellschaft wirken. Wichtige Teile dieser Bildung, mit ihrem interdisziplinären Ansatz, sind neben den Geisteswissenschaften ebenso die Mathematik und die Musik.

Die Lebensgeschichte von Josef Knecht, der zum Meister des Spiels wird, zeigt, dass das harmonische Zusammenspiel von Kulturen, Wissenschaften und Religionen keine Utopie sein muss.

Eine der Maximen des Protagonisten lautet dabei wie folgt: „Wir sollen nicht aus der Vita Aktiva in die Vita Kontemplativa fliehen, noch umgekehrt, sondern zwischen beiden wechselnd unterwegs sein, in beiden zu Hause sein, an beiden teilhaben.“ 

Knecht unterwirft sich den Regeln und Hierarchien der fiktiven Ordensprovinz Kastanien. Aber seine Einordnung in eine Gemeinschaft sei – so Hesse – nicht das Zeichen eines Mangels an Persönlichkeit, sondern eines Plus an Individualität.

Elf Jahre lang schrieb Hesse an seinem letzten großen Werk. Über die Reaktionen war er eher enttäuscht, insbesondere bemängelte er, dass das „Glasperlenspiel“ langsam zum Inbegriff für ein weltfremdes Leben im Elfenbeinturm wurde. Der Nobelpreisträger sah darin – wie sein Biograf Alois Prinz berichtet – ein grobes Missverständnis.

Der Schriftsteller wusste durchaus, dass der Glasperlenspieler der Weltgeschichte angehört und von politischen Änderungen beeinträchtigt wird. Neben dem Aufruf zu einem gesellschaftlichen und sozialen Engagement ist das Ideal einer ganzheitlichen, dem Menschen dienenden Wissenschaft und das Bewusstsein, dass das freie Spiel zwischen den geistigen Kräften von Ideologen aller Couleur gefährdet wird, nach wie vor aktuell.

Die Botschaft ist klar: Der spielerische Umgang mit den Kulturen und Ideologie schließen sich aus. Für Muslime liegt hier die künftige Herausforderung, das heißt, die Aufgabe an der notwendigen Neuauflage dieses Spiels aktiv und verstehend teilzunehmen.

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Bedeutung von Architektur für das soziale Leben

Neben den geistigen Voraussetzungen für einen fruchtbaren Austausch zwischen alternativen Gemeinschaften und der Gesellschaft wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Bedeutung der Architektur für das soziale Leben entdeckt. Die Idee, Kunst und Technik, Handwerk und Wohnen in einer solidarischen Gesellschaft zu verknüpfen, gehört zu den Gründungsgedanken des Weimarer Bauhauses.

Die Visionäre entwarfen zunächst Modelle für die Modernisierung des klassischen Einfamilienhauses, planten aber bereits größere Anlagen, mit Gemeinschaftsgebäuden und sozialen Einrichtungen. Der Bedarf an Wohnraum, im Zusammenspiel mit innovativen Bautechniken führten zu einer Revolution des Wohnungsbaus.

In „Sphären III“ erzählt der Philosoph Peter Sloterdijk die Entwicklung einer modernen Philosophie der Architektur. Am Beispiel des Architekten Le Corbusier und seiner Idee der „Wohnmaschine“ wird die Auflösung der traditionellen Allianz von Eigenheim und Sesshaftigkeit deutlich. In den zwanziger Jahren schreibt er: „Man muss das Haus wie eine Maschine oder ein Werkzeug zum Wohnen betrachten … ein Haus wie ein Auto konzipiert und eingerichtet wie ein Auto oder eine Schiffskabine.“

Die neuen großen Wohnblöcke, die bald auf der ganzen Welt entstehen, gleichen sich und sind nur lose an ihr historisches Umfeld angeknüpft. 

Das Ergebnis ist aus menschlicher Sicht eher ernüchternd: Die Siedlungen schaffen ein soziales Niemandsland, von Individuen bewohnt, die sich kaum gegenseitig kennen. Die Suche nach Alternativen dauert bis heute an. Schon in der Bauhaus-Zeit wird parallel mit kleinen mobilen Häusern, Wohnwagen, Containern und Zelthäusern experimentiert, die sich an alte Wohnformen der Nomadenvölker anlehnen.

Sloterdijk formuliert diese Grundidee wie folgt: „Das mobile Haus definiert sich als wandernde architektonische Monade, die ihrem Einwohner darin kongenial geworden ist, dass das Haus wie der Besitzer sich auf Freiheit der Kontextwahl berufen.“

Und heute? Den eigenen sozialen Kontext frei zu bestimmen, hier liegt das Problem, wird immer mehr zur ökonomischen Frage. Fakt ist, ein Eigenheim zu bauen oder nur eine Wohnung zu halten, verschlingen beachtliche Ressourcen und die Finanzierung wird schnell zum einzigen Lebensinhalt. In den Großstädten werden etwa 29 Prozent des Einkommens für Mieten aufgebracht.

Hinzukommt der Mangel an Wohnraum; ein Phänomen, das längst ein Politikum ist. Die Lage am Wohnungsmarkt ist angespannt, viele Berufstätige ziehen um – durchaus nicht freiwillig – und sind auf der verzweifelten Suche nach möglichst billigen Wohnungen.

Die Vision, der sozialen Gemeinschaft einen architektonischen Ausdruck zu geben, ist heute kaum umzusetzen; gleichzeitig werden Depressionen und das Gefühl der Einsamkeit zu einer gesellschaftlichen Realität. Hierher gehört das Problem, dass Moschee-Anlagen, die das Stadtviertel beleben sollen, aber keinen Platz für soziale Aktivitäten und Raum für das Einladen der Nachbarschaft bieten, die Ideologisierung und Isolierung der Gläubigen fördert.

Eine Neuauflage des Glasperlenspiels braucht nicht nur eine geistige Idee, sondern den entsprechenden öffentlichen Raum. Die Lage in unseren Großstädten ist ernst. Pessimisten befürchten eine Verödung der Innenstädte, den Streit zwischen Bevölkerungsgruppen und eine wachsende Dynamik der sozialen Unterschiede.

In seinem neuen Buch „Der Geist der Hoffnung“ schreibt der Philosoph Byung-Chul Han: „Im Gegensatz zum positiven Denken wendet sich die Hoffnung von den Negativitäten des Lebens nicht ab. (…) Außerdem vereinzelt sie die Menschen nicht, sondern verbindet und versöhnt sie. Das Subjekt der Hoffnung ist ein Wir.“

Es wird die entscheidende Frage sein, ob es uns gelingt, mit der Mehrheitsgesellschaft in einen konstruktiven Austausch einzutreten und ob die politischen Verhältnisse der muslimischen Gemeinschaft einen würdevollen Platz in der Mitte der Gesellschaft erlauben.

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Quo vadis Europa?

europa

Aus muslimischer Sicht können die Ergebnisse der Europawahl 2024 nur Sorgen bereiten. Ein Kommentar.

(iz). Eine große Überraschung ist es nicht: Die Zuwächse der Rechten in Europa gefährden zunehmend die europäische Idee. Offensichtlich sehnen sich Millionen von BürgerInnen des Kontinents nach den guten alten Zeiten und verlangen Ruhe in Zeiten des Veränderungsdruckes. Der Wunsch nach Heimat und der eigenen Kultur ergibt sich aus der Spiegelung des Phantasmas einer „Islamisierung“ des Abendlandes.

In Europa hat das Spiel mit den Ängsten Erfolg

Dabei fürchtet die Rechte nichts mehr als Differenzierung. Zu gut funktioniert das Spiel mit den Ängsten und dem Ressentiment der eigenen WählerInnen. Dieses Gedankengut treibt auch die bürgerlich-konservativen Parteien vor sich her.

Denn die reale, schnelle Lösung für ein Ende der starken Immigration nach Europa, zumindest innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen, ist nicht in Sicht. Das könnte man ehrlich zugeben. Nur Wahlen lassen sich so nicht gewinnen.

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Foto: Jürgen Nowak, Shutterstock

Bedenklich ist ein anderer Aspekt: Immer mehr junge Leute finden es chic, rechts statt links oder grün zu wählen. Dieser Trend nimmt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Renaissance des Nationalismus.

Denn die Probleme der nächsten Jahre – Abwendung der ökologischen Krise, Gefährdung des Wohlstandes und dauerhafte Inflation – werden nicht kleiner. In der Sprache des Wetters formuliert: Die dunklen Wolken über Europa sind nicht mehr zu übersehen.

Und wo stehen die Muslime?

Einerseits: Der vielbesungene politische Islam ist bisher nicht in der Lage, auch nur einen Sitz im Europaparlament zu erringen. Das Wählerpotential bei den Europawahlen summiert sich bei etwa 0,5%. Versuche, eine überzeugende Liste zu formieren, die der Vielfalt der Community tatsächlich entspricht, sind gescheitert. 

Andererseits: Das Engagement in den etablierten Parteien hat viele Muslime ernüchtert. Eine nennenswerte Willkommenskultur der Parteien, zumindest gegenüber praktizierenden Muslimen, besteht bisher nicht.

Im Ergebnis sind die Muslime kein politischer Faktor, sondern dienen nur als ein wichtiges Projektionsfeld in der politischen Auseinandersetzung. Das ist keine sonderliche angenehme Rolle.

Pandemie Muslime Großbritannien

Foto: Rocketclips, Inc., Shutterstock

In der Öffentlichkeit wird die Realität von Millionen Menschen, die in diesem Land Steuern bezahlen und sich absolut gesetzestreu verhalten, von den Rändern und mit Blick auf die Extreme beurteilt. Welche Schlüsse man aus dieser Lage zieht, bleibt in der inner-muslimischen Diskussion offen. Aber auch die Gesellschaft muss sich fragen lassen, ob die Millionen Muslime in Deutschland eine entsprechende faire Repräsentanz in unseren Institutionen erhalten.

Klar ist: Die einzige Alternative für die Muslime in Europa besteht darin, ihr Engagement für den sozialen Frieden und Gerechtigkeit weiter vorzuleben. Die Flucht in Parallelgesellschaften ist keine Option.

Und der Einsatz für die Idee eines freien Europas, das nicht in die gefährlichen Mechanismen der Vergangenheit zurückfällt, verdient nach wie vor unser ganzes Engagement. Die Hoffnung, wonach eine wachsende Zahl der EuropäerInnen einsehen, dass muslimische und europäische Identität keine Widersprüche sein müssen, besteht weiterhin.

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Muslime und die Umweltkrise: „Wir sitzen im selben Boot“

umwelt

„IZ-Begnung“ mit dem langjährigen Umweltschützer Fazlun Khalid über Krise und Hoffnung. Er fordert: Muslime müssen sich ehrlich machen. (iz). Fazlun Khalid ist ein britischer Islamwissenschaftler und Umweltaktivist. Er gilt als […]

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