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Gedenken an Norbert Müller

norbert müller

Die Schura Hamburg erinnerte an den verstorbenen Juristen und aktiven Muslim Norbert Müller.

(Schura Hamburg). In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserem Bruder Norbert Müller, der im Alter von 68 Jahren nach einer schweren Krankheit zu unserem Schöpfer zurückgekehrt ist. Mit Bruder Norbert Müller verliert die muslimische Gemeinschaft Hamburgs einen engagierten Juristen und eine wichtige Persönlichkeit, die sich viele Jahre für das muslimische Leben in Hamburg eingesetzt hat.

Bruder Norbert Müller war von der Gründung im Jahr 1999 bis 2021 ein engagiertes Vorstandsmitglied bei der SCHURA, dem Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V.

In dieser Funktion setzte er sich leidenschaftlich für die Interessen der muslimischen Gemeinschaften in Hamburg ein, hatte stets ein offenes Ohr für die Gemeinden und vertrat sie nach außen. Sein besonderes Augenmerk galt den rechtlichen Angelegenheiten, die die muslimische Gemeinschaft betrafen.

Als Mitglied der Verhandlungskommission war Bruder Norbert Müller an der Ausarbeitung des Hamburger Staatsvertrages mit den islamischen Religionsgemeinschaften beteiligt. Sein juristisches Fachwissen und seine Verhandlungskompetenz trugen zu der Entstehung und zum erfolgreichen Abschluss des Staatsvertrages bei, der ein Meilenstein für die Anerkennung und Akzeptanz muslimischen Lebens in Hamburg war und ist.

Seit 2018 war Bruder Norbert Müller Mitglied des Boards der AIWG, der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft. Die Akademie setzt sich für den interkulturellen Austausch und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam ein. Bruder Norbert Müller engagierte sich aktiv für die Förderung des Dialogs zwischen verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Gruppen.

Bruder Norbert Müller wird uns als ein warmherziger und engagierter Mensch in Erinnerung bleiben, der sich mit Leidenschaft für die Belange der muslimischen Gemeinschaft in Hamburg einsetzte. Sein Wirken hat Spuren hinterlassen und die Arbeit der SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg entschieden mitgeprägt.

Seinem Einsatz und seiner Arbeit sprechen wir unseren Respekt und unsere Anerkennung aus. Er stellt einen großen Verlust für die muslimische Gemeinschaft in Hamburg dar.

Möge Allah, allerbarmend und barmherzig, seine Absichten und Taten annehmen, ihm mit seiner Barmherzigkeit begegnen und ihn in sein Paradies aufnehmen.

Der Familie und der muslimischen Gemeinschaft möchten wir unsere tiefe Anteilnahme bekunden. Wir schließen sie alle in unsere Gebete ein.

Vorstand und Mitglieder der SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg

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Zur Zukunft der muslimischen Selbstorganisation: Muslimische Zusammenschlüsse auf der Landesebene tragen wichtige Elemente der Gemeindearbeit

Norbert Müller ist 52 Jahre alt. Er arbeitet im Hauptberuf als Rechtsanwalt. Engagiert aktiv ist er als Vorstandsmitglied bei der SCHURA Hamburg. Müller war unter anderem Mitglied der Verhandlungskommission, die […]

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Ein Bericht von Norbert Müller zur Debatte der SCHURA Hamburg über den Salafismus

„Cefli Ademi forderte in seinem Vortrag, dass man sich des Themas Salafismus oder IS nicht dadurch entledigen könne, in dem man erkläre, dies habe mit dem Islam nichts zu tun. Vielmehr müssten Muslime die inhaltliche Auseinandersetzung suchen und verdeutlichen, dass dies eine modernistische Abweichung von jeglichem traditionellen islamischen Rechtsverständnis darstelle.“

(iz). Die wichtigen Debatten müssen wir Muslime unter uns selbst organisieren und sie nicht von Dritten über uns führen lassen. Ansonsten werden gerade die muslimen Verbände aus den üblichen Verdachts- und Distanzierungsritualen nicht heraus kommen. So lautet eine Erfahrung, die man bei SCHURA Hamburg konsequent umzusetzen versucht. Da Salafismus ein aktuell gesellschaftlich äußerst brisantes aber anscheinend innerislamisch wahrnehmbar kaum diskutiertes Thema ist, organisierte SCHURA am letzten Samstag im November (29.12.2014) hierzu eine ganztätige Tagung.

Zielgruppe waren in erster Linie die Verantwortlichen in den Mitgliedsgemeinden, insbesondere deren Jugendliche. Diese waren auch zahlreich in die Klosterschule im Stadtteil St. Georg gekommen und zeigten sich dann sehr diskussionsfreudig, so dass die Tagung schon insoweit als Erfolg gewertet wird. Als Referenten waren Cefli Ademi, Jurist und Postdoc an der Universität Münster, der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza sowie der Imam und Prediger Abdelhay Fadil aus Dortmund geladen, um das Thema Salafismus aus theologischer, politischer und gesellschaftlicher Sicht anzugehen.

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Cefli Ademi forderte in seinem Vortrag, dass man sich des Themas Salafismus oder IS nicht dadurch entledigen könne, in dem man erkläre, dies habe mit dem Islam nichts zu tun. Vielmehr müssten Muslime die inhaltliche Auseinandersetzung suchen und verdeutlichen, dass dies eine modernistische Abweichung von jeglichem traditionellen islamischen Rechtsverständnis darstelle. Er erläuterte dies ausgehend von den Begriffen „Scharia“ und „Fiqh“. Dabei betonte Ademi, dass traditionelle Gelehrte sich immer der Relativität ihrer Rechtsmeinungen bewusst waren. Dadurch sei immer die Existenz einer Pluralität der Positionen selbstverständlich gewesen. Ein Verlangen nach dem Absoluten beziehungsweise dem „wahren Islam“ habe nicht bestanden. Ademi appellierte an die anwesenden Muslime, ein solches Verständnis positiv zu besetzen und selbstbewusst zu vertreten.

Eine historisch-politische Betrachtung zur Salafiyya nahm anschließend Muhammad Sameer Murtaza vor. Danach habe der Kolonialismus in islamischen Gesellschaften eine traumatische Krise ausgelöst. Man habe nun die traditionelle Rechtslehre als in der Nachahmung erstarrt wahrgenommen und nun in reformerischer Absicht einen unmittelbaren Zugang zu Qur’an und Sunna gesucht. Aus diesem Impuls seien in ihrer Ausformung sehr unterschiedlicher Strömungen von Salafiyya hervorgegangen: Die rationalistisch orientierte Reform-Salafiyya von Al-Afghani und Abduh genauso wie die politisch-ideologische Salafiyya von Al-Banna und Maududi sowie schließlich die literalistische Wahhabi-Salafiyya und – eine Verbindung aus den beiden vorgenannten – die literalistisch-ideologische Khalifats- und Dschihadi-Salafiyya von Al-Qaida, Hizb-ut-Tahrir und IS (sogen. Islamischer Staat).

Murtaza bewertet diese unterschiedlichen Strömungen differenziert: Den rationalistischen Reformismus sieht er im Grunde positiv, insbesondere dessen Impuls zu einem neuen Idschtihad. Die Muslimbruderschaft und ähnliche Bewegungen hätten einerseits den Muslimen einen sozialen Aktivismus gebracht, andererseits den Islam Verideologisiert. Alle Formen des Wahabi-Salafismus hätten sich dagegen gegenwärtig zu einem erheblichen Problem entwickelt: Insbesondere der Ungeist des Takfir, der sich, etwa gegenüber Sufismus und Schiiten, zu einem geradezu eliminatorischen Hass steigere, zeige seinen insgesamt destruktiven Charakter.

Nach einer längeren Pause für Gebet und Mittagessen näherte sich Abdelhay Fadil dem Thema von einer anderen Seite: Selbstkritisch und pointiert machte er auf bestimmte Strukturen und Verhaltensweisen in muslimischen Gemeinden und Familien aufmerksam, die einer Radikalisierung von Jugendlichen Vorschub leisten. Statt zu eigenständigem Denken und Kritikfähigkeit zu erziehen, dominierten autoritäres Verhalten und Denkverbote. Dies nehme jungen Menschen die Luft zum Atmen und treibe so manchen in die Rebellion und mache dann empfänglich für Extremismus.

Die lebhaften Diskussionen nach jedem der Vorträge zeigten ein großes Bedürfnis nach Auseinandersetzung zu diesem Thema. Es ist gerade die Aufgabe der islamischen Verbände und Religionsgemeinschaften, hierfür Raum zu geben. Leider besteht – und das bekam SCHURA auch im Vorfeld der Tagung zu spüren – eine große Scheu, auch kontroverse Debatten zuzulassen. Die Folgen sind fatal: Was in der Moschee keinen Platz findet, verlagert sich in das Internet. Nur zu oft haben Extremisten auch leichtes Spiel, weil in den Moscheegemeinden man entweder nicht willens oder in der Lage ist, ihnen in fundierter wie selbstbewusster Weise entgegenzutreten.

Auch aufgrund der positiven Resonanz dieser Tagung will SCHURA Hamburg die inhaltliche Auseinandersetzung weiter führen – auch zu anderen Themen. Die nächste Tagung ist im Januar geplant.